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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Berlage."
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische Zeitung" bei allen Postämtern und unMn Zeituagsstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
grettaq 26. Mär, 1909.
Die Jnsertioutgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, llnioersttättbuchdruckerei Inhaber Dr. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg«
Bestellungen fit tat zweite Quartal 1908 auf die »Oberhesfisch« Zeitung" nebst ihren Beilagen werden noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch» |atn, Reustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriesträgern ent» gegengenommen.
Die Seekriegsrechts-Konferenz.
Dem Reichstag ist «in Weihbuch über die E gebnisse der in London vom 8. Dezember 1908 bis zum 26. Februar 1909 abgehaltenen Seekriegsrechtskonferenz zugegangen. In der Denkschrift über die Konferenz wird ausgeführt, dah die zweite Haager Friedenskonferenz die umfassende Regelung des Seekriegsrechtes nur »um Teil habe durchführen können. Insbesondere sei das wichtige Prisenrecht der Hauptsache nach ungeregelt geblieben. Daher sei es zu begrüßen, daß die großbritannische Regierung «ine Konferenz zur Feststellung des Seekriegsrechtes in Anregung gebracht habe. Der Konferenz ist es gelungen, so fährt die Denkschrift fort, fast über sämtliche Programmpunkte eine Einigung zu erzielen. Offen geblieben sind nur zwei Fragen, nämlich: Ob für die feindlich oder neutrale Eigenschaft der an Bord feindlicher Kauffahrteischiffe befindlichen Ware die Staatsangehörigkeit oder der Wohnsitz des Eigentümers maßgebend ist und ob die Umwandlung von Kauffahrteischiffen in Kriegsschiffe auf hoher <S*e stattfinden darf. So wichtig diese Fragen an sich sind, so vermag doch ihre Nichterledigung den Eesamterfolg der Konferenz nicht zu beeinträchtigen. Dieser Erfolg besteht darin, daß eine nahezu vollständige Kodifikation der Regeln über die Rechte und Pflichten der Kriegführenden in Ansehung des neutralen See- handels und der neutralen Schiffahrt erreicht und dadurch eine wichtige Bürgschaft für die Rechtssicherheit auf dem Meere in Zeiten des Seekrieges geschaffen worden ist. Die Erklärung über das Seekriegsrecht hat die vorbehaltlose Zustimmung der Delegationen aller beteiligten Mächte gefunden und ist bereits von der Mehrzahl der bevollmächtigten Delegierten, unter ihnen auch den deutschen Delegierten, unterzeichnet worden, während den übrigen Bevoll- mächtigtssn nach Artikel 71 der Erklärung die Unterzeichnung bis zum 31. Juni d. I. offen steht. Es besteht daher die Hoffnung, daß di« vorliegend« Erklärung zum allgemeinen Weltrecht erhoben werden wird. — Zur Erläuterung der Erklärung über das Seekriegsrecht hat der Redaktionsausschuß der Konferenz einen umfangreichen Generalbericht angefertigt, der für die Auslegung der vereinbarten Bestimmungen von besonderer Bedeutung ist. Dieser Bericht wird demnächst mit einer deutschen Uebersetzung und mit zusammenfassenden Bemerkungen in einem weiteren Weißbuch vorgelegt werden. Die Erklärung über das Seekriegsrecht regelt
1 lNachdruck verboten.)
Enterbt.
Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.
(Kortietzung.I
„Wir brauchen zu dieser Salbe ein „Hei" und „Hessig", sagte der weibliche Heilgehilfe, der es nicht lasten konnte, dazwischen deutsch zu sprechen und das h vor den Vokal e setzte, ein den Letten nicht abzugewöhnender Sprachfehler, „da ist auch Asenfett, das ist gut für Geschwüre an das And."
Trotz ihres schweren Herzens lächelte Frau von Rothenfeld.
„So nimm das Ei, den Estig und das Hasen« fett," sagte sie in deutscher Sprache, „und richte daraus für die Klawes kranke Hand die Salbe her."
„Der Pritze (Fritze) bittet um etwas Olz, die Frau ist krank, sie find sehr Harm," fuhr Griete fort. Mit „Olz" meinte sie Holz und bei arm setzte sie das h vor.
„Sprich lettisch," sagt« die Baronin, „Du weißt, ich liebe nicht, wenn Du das Deutsch verdirbst."
Diesesmal war die Ermahnung Frau von Rothenfelds in Erietes Muttersprache an sie gerichtet, diese gehorchte, dachte aber bei sich: „Deitsch ist doch viel schöner und ich spreche ihm htusgezeichnet."
Ilm sechs Uhr sitzt die vielbeschäftigte Hausfrau endlich an ihrem Schreibtisch, sie kiest nochmals den Brief des Enterbten, denn fie allein Weiß, daß der Vater vor Jahren sein Testament gemacht hat und der einzig« Sah» nie ba» alt«
im ersten Arttkel die Blockade in Kriegszeiten Artikel 1—21; im zweiten Kapitel die Kriegs- kontrebande bis Artikel 44; int dritten Kapitel die neutralitätswidrige Unterstützung bis Artikel 46; int vierten Kapitel die Zerstörung neutraler Prisen bis Arttkel 54; das fünfte Kapitel ist Flaggenwechsel betitelt und reicht bis Artikel 56; das sechste Kapitel: feindliches Eigentum reicht bis Artikel 70; das siebente Kapitel: Geleit bis Artikel 72; das achte Kapitel: Widerstand gegen die Durchführung enthält nur Artikel 63: das neunte Kapitel: Schadenersatz umfaßt Artikel 64 und dann folgen die Schlußbestimmungen in Artikel 65 bis 71.
Deutschland und Oefterreiii.
((Eine offiziöse österreichische Stimme.)
Wien, 23. März. Die „Politische Korrespondenz meldet: Ein Londoner Blatt, zu dessen Dogmen es gehört, Deutschland als Urquell fast aller Gefahren der europäischen Politik zu betrachten, suchte int Verlaufe der Balkankrisis wiederholt, der Erhaltung des Friedens durch Warnungen Oesterreichs-Ungarns vor Einflüsterungen Deutschlands zu dienen. In den letzten Tagen erhob neuerdings das Blatt einen solchen Mahnruf. Im Hinblick auf das wiederholte Auftauchen solcher Auslastungen iik'ausländischen Blättern erscheint die Klärung an- gemesten, das für die Bemühungen zur Rettung Oesterreich-Ungarns vor Abgründen der deutschen Politik kein weniger genügender Augenblick gewählt werden konnte als der jetzige. Seit der Stunde, wo Oesterreich-Ungarn die letzten natürlichen, von ganz Europa vorausgesehenen Konsequenzen seiner in Bosnien und in der Herzegowina seit Jahrzehnten erworbenen Stellung gezogen hat, trat Deutschland für das Recht und die Vorgangsweise seiner verbündeten und engbefreundeten Macht ohne das geringste Zaudern ein, mit einer Nachdrücklichkeit und Beharrlichkeit, die hier kein anderes Gefühl als das warmer Anerkennung wecken konnte. Ohne den leisesten Versuch, auf die Ent- schlüste, welche Oesterreich-Ungarn für die Weiterführung der bosnischen Angelegenheit mit Selbständigkeit zu fasten hatte, Einfluß zu nehmen, tat das Berliner Kabinett in freundschaftlichem Eifer alles, was es im Hinblick auf das vor Jahrzehnten geflochtene enge Verhältnis zur Monarchie zum Schutze der Stellung der alliierten Mächte auf dem Gesamtgebiete der europäischen Politik als seine Pflicht erkannte. Angesichts solcher Verirrungen sei mit allem Nachdruck erklärt, daß man in Wien die Haltung Deutschlands an der Seite Oesterreich- Ungarns in der jetzigen ernsten Phase der Valkanangelegenheiten als Muster tadelloser Vündnistreue und warmer Freundschaft würdigt und von der Belehrung, daß Deutschland der politische Mephistopheles Oesterreich-Ungarns fei, verschont bleiben möchte. Alle politt- schen Kreise, die auf dem Boden der Wirklichkeit verbleiben wollen, haben damit zu rechnen, daß die Richtungslinien Oesterreich-Ungarns und Deutschlands in Bezug auf die in der nächsten Zukunft zu lösenden Probleme identisch sind.
Familiengut besitzen wird. Lang wird die Antwort auf Friedrich Johanns Schreiben; die Mutter hat ihm so viel zu sagen, das so lange zurückgedämmte Gefühl bricht sich Bahn und flutet über die Schranken, die strenge Standes- anstchten und jahrelange Entftemdung künstlich aufgeworfen, die des.Gatten Härte gegen den „Einzigen" auftechterhalten. Sie, die Mutter, hat ihm längst vergeben, obgleich auch sie schwer gelitten, als et in Trotz und Zwietracht die Schwell« des Elternhauses verließ. Noch weiß sie nicht, wie sie feinen Wunsch erfüllt, aber daß es sein wird und muß, steht bei ihr fest.
In den beiden einsamen Tagen denft fie darüber nach und immer klarer reist der Plan, immer deutlicher sieht sie den Weg, den sie gehen muß. So sanft und nachgebend Frau Wilhelmine ist, so lange es auf ihre Person ankomntt, so fest und energisch kann sie werden, wenn es gilt, für das Recht aufzutreten, für das, was ihr klarer Verstand als notwendig anfieht. In den seltenen Fällen, die es in ihrer Ehe gegeben, wo dieses zwingende Muß an sie herantrat, hat sie ihren Willen dem hefttgen Mann gegenübergeftellt und obgesiegt. Und er weiß es, fein Minchen hat dann den Teufel im Seite wie er ihre Oppofitton bezeichnet.
„Na ja, Du hast wieder mal die Hofen angezogen," knurtt er verdrießlich, ,/Du schwingst den Pantoffel."
„Und Du den Jagdsttefel," denkt Frau von Rothenfeld, „und er ist oft wuchttg genug," aber si« schweigt und läßt ihn in der „Löwen- höhle" mit seiner Pfeife allein.
Am dtttten Tage gegen vier Uhr bekommt die Einsam« lieben Besuch zur Kaffeestunde; er fitzt in dem halboffenen Wagen mit den betten
und daß zwischen den beiden Kabinetten und allen an diesen Aufgaben mikwirkenden Staatsmännern der beiden Reiche ein vollkommen gegenseitiges Verständnis und ein ungetrübter Einklang über das zu verfolgende Ziel ter zu wählenden Mittel herrscht.
Der ferbtjch - österreichftche Konflikt.
K ö l n, 24. März. Der „Köln. Ztg." (Abendblatt) wird aus Berlin von heute telegraphiert: Auch heute noch läßt sich nicht mit Sicherheit übersehen, ob sich eine Einigkeit der verhandelnden Mächte wird erzielen lassen. Aber es scheint immerhin, daß Einflüße, die bisher das Einigungswerk erschwerten, zurückzutreten beginnen. Die Fasiung der Formel, d.e in Serbien vorgelegt werden soll, ist zwar noch nicht ausgestellt, wohl aber Haden sich die Ansichten der verhandelnden Mächte dahin geklärt, daß die Formel Oesterreich-Ungarn be- friedigen, den Serben aber jede Möglichkeit zu neuen Zweideutigkeiten abschneiden und dafür Sorge tragen muß, daß eine weitere Störung der Ruhe durch Serbien ausgeschlossen wird. Wenn die von den Mächten in Belgrad abzugebenden Ratschläge deren rückhaltlose Annahme zur Folge haben sollten, so würde dies mit dem Verständnis zuzuschreiben sein, das Rußland der gegebenen Lage entgegenbringt, und Herr Iswolski würde für feine Mitarbeit an dem Friedenswerke auf Dank und Anerkennung bei allen Friedensfreunden rechnen können.
Köln, 24. März. Der „Kölnischen Zeitung" wird aus Budapest von heute telegraphiert: Die Regierung hat Depeschen erhalten, laut welchen die Ueberreichung der österreichisch-ungarischen Note in Belgrad eine Verzögerung von zwei bis drei Tagen erfahren wird, weil ein neuer englischer Friedensvorschlag vorliegt, der zum Gegenstände ernster Verhandlungen gemacht werden wird.
Wien, 24. März. Das Herrenhaus nahm das Rekruten-Kontingent debottelos an. Hierauf sagte Präsident Fürst zu Windischgrätz, er sei zu der Erklärung ermächtigt, daß dadurch, daß in dieser Zeit gespannter Erwartung eine T .batte über die Vorlage nia/. stattgefunden habe, diejenige rückhaltlose, patriotische Bereitwilligkeit neuerdings dokumentiert erscheine, welche das Haus den Forderungen für die glorreiche österreichische Armee stets entgegenzubringen gewohnt ist. Wenn wir, sagte der Fürst, auch die Hoffnung nicht aufgeben, daß die langmütigen, von unseren treuen Verbündeten, sowie von den befreundeten Mächten unterstützten, auf die Erhaltung des Friedens gerichteten Bestrebungen Erfolg haben werden, so erwarten wir doch mit Zuversicht und Ruhe, daß nichts werde geschehen dürfen, was die Machfftellung und das Ansehen der Monarchie herabsetzen könnte. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.)
Weitere Meldungen sprechen aber noch von heftigen Kriegsstimmungen und -Vorbereitungen.
Wien, 23. März. Die österreichische Kriegsmarine ist vollständig kriegsbereit gesetzt worden. Sämtliche Schlachtschiffe, Kreuzer,
Füchsen aus Eroß-Troska; die Baronesie Franziska von Drachenstätt, ein Mädchen, dem man die 34 Jahre nicht ansah, die höchstens 29 schien. Die frische Farbe des Gesichtes, die herrlichen blonden Haare und der schöngeschweifte Mund mit den schimmernden weißen Zähnen, dazu ein Paar große, graublaue Augen, endlich die biegsame, anmutige Gestalt, bas alles vereint gehörte zu einem höchst gewinnenden Aeußeren, Nicht allein Frau von Rothenfeld liebte die Baronesie Drachenstätt, der griesgrämige Hol- lensche Herr hatte ebenfalls eine Schwäche für die Ftänze, wie er sie nannte, ahnte er doch, daß si« für Friedrich Johann eine Jugendliebe gehabt. Als dieselbe sich entwickelte, war das junge Mädchen eben verwaist und hielt sich einige Monate bei Rothenfeld auf.
„Die wäre mir eine Schwiegertochter nach dem Schnabel gewesen," hatte ter Baron gegen sein Minchen geäußert und noch immer behandelte er Franziska mit einer gewißen Ritterlichkeit. die ihm sonst nicht immer eigen war.
„Sie ist eine der besten Seelen, die in einem Weiberrock gesteckt haben," dachte er, „saft so eine wie mein Minchen."
Ja, er schätzte di« stets freundliche, sanft« Lebensgefährttn, wenn er ihr auch nur kürzlich sein« Anerkennung kund tat.
„Wie schön daß Du gekommen bist, Fränz- chen", sagte Frau von Rothenfeld und legte ihren Arm in den bet jungen Nachbarin.
„Ich hört« burch Onkel, baß Du allein bist und ba zog es mich natürlich nach Hollen " versetzte Franziska unb drückte die Hand der mütterlichen Freundin an die Lippen. Beide Damen gingen in den oberen Stock, fie hatten sich immer etwas zu sag«, die stellvertretende
Zerstörer und Torpedoboote liegen unter Dampf in den verschiedenen Kriegshäfen.
Belgrad, 23. März. Gestern wurde das Archiv des Finanzministeriums nach Risch transportiert. Am gestrigen Tage fanden wiederum lange militärische Beratungen unter dem Vorsitze des Königs Peter statt.
Belgrad, 23. März. Der serbische Gesandte in Petersburg verständigte seine Regierung, daß das russische Kabinett nach wie vor cuf seinem bekannten Standpunkte in der Annexionsfrage verharrt. Die russische Regierung ermahne die serbische, die Vorschläge Englands und Frankreichs mit größter Vorsicht entgegenzunehmen. Ferner dementiert der Gesandte entschieden die Meldung,, daß es russischen Freiwilligen verboten wurde, »n den Reihen der serbischen Armee zu fechten. In Belgrad ist man davon überzeugt, daß der Schlüsiel zu der Lage nicht mehr in den Händen des Ministers Milowanowitsch, sondern des serbischen Kriegsministers liege.
G a 11 a r o, 23. März. Die gesamte Streitmacht Montenegros ist seit einigen Tagen mobilisiert. Sie besteht aus 11 Brigaden, die in vier Divisionen zusammengefaßt sind, und verfügt über eine Anzahl von Eebirgsbatterien.
Belgrad, 23. März. Im heutigen Ministerrat kam es zu einem heftigen Zusammenstöße zwischen dem Minister des Aeußern Milo- wanowitsch unb bem Kriegsminister Ziwko- witsch Der erstere fragte, ob ter Kriegsminister sich verbürgen könne, daß für den Fall, daß eine Abrüstung der serbischen Armee angeord- net werden sollte, sich diese Maßnahme glatt vollziehen werde, ohne daß es zu Gärungen in ter Armee und im Volke kommen werde? Darauf erwiderte der Kriegsminister in erregtem Tone: Als man mich zum Kriegsminister machte, hat man von mir verlangt, die Ausrüstung unb Mobilmachung der Armee mit größter Beschleunigung burchzuführen. Jetzt soll ich mein« Arbeit mit Füßen treten, einem diplomatischen Trick zuliebe? Die Ehre bet Armee unb des serbischen Volkes verraten? Das werde ich nie unb nimmer tun.
Politische Umschau.
Die Liebesgaben für Deutsch-Südwestafrika sind, wie die „Reue politische Korrespondenz- an unterrichteter Stelle erfährt, soweit es sich nach dem neuen Zolltarif vom 20. Mai 1908 um zollpflichtige Gegenstände handelt, dem verordnungsmäßigen Einfuhrzoll unterworfen. Da jedoch der Wett der zollpflichtigen Liebesgaben vielfach in keinem Verhältnis zu dem Zollzuschlag steht, den der Empfänger entttchten muß, so erscheint es zur Abwehr von Hätten wünschenswett, daß die einheimische Bevölkerung in möglichst weitem Umfange auf die Erhebung dieser Einfuhrzölle aufmerksam gemacht wird. Die Widmung von ge- ttngwettigen Attikeln in den in Frage kommenden Warenkategorien dürste am besten künftighin überhaupt zu vermeiden sein. Aus dem südwestafrikanischen Zolltarif vom 20. Mai 1908 kommen in erster Linie die Tarifnummern betreffend Zi- j_ ------ ~ 71^____ ' 'S
Hausfrau auf Eroß-Troska holte sich manchen wirtschaftlichen Rat unb heute brehte sich bas Gespräch zuerst um recht prosaische Dinge, um Schweineschlachten und Gänsemast, um Bettzeugstopfen unb Eemüs«Lvikellern.
Janze deckte auf Befehl Frau Wilhel- miitcns ein zierliches Tischchen im Erkerzimiwr, stellte einen appetitlich duftenden, braunen L'abking (Navfkuchen) neben bv silberne Kaffeekanne unb entfernte sich geräuschlos, nüchtern et noch einige Scheite tienigen Holzes in den Kamin geworfen, der so groß war, daß er an einem Abend ungefähr den Bedarf einer Woche an Feuerungsmaterial konsumierte, den man in einer kleinbürgerlichen Haushaltung gebraucht.
Das Erkerzimmer war weit das hübscheste in bem großen Hollen, hier hingen bie Bilder des Freiherrn unb bet Freifrau von Osten, der Eltern bet Baronin. Hier gab es weiche, moberne Möbel mit schwellenten Polstern, eia Jarbiniere wat mit Blumen gefüllt, nut hier duldete Herr von Rothenfeld „das llnkraut", wie et die holden Kinder Floras spöttisch nannte. Die Bewohnerin des Erkerzimmers pflegte ihre zarten Schützlinge allein es lag in ihrer Frauennatur, ihnen die Sorgfalt r» spenden, die sie, die Vereinsamte, so gern der blühenden Enkelschar zugewendet, wenn alles seinen natürlichen Weg gegangen wäre. Unb hier, just auf bemfelben Platz vor bem Kamin, ba hatte «inst vor achtzehn Jahren Ftiebrich Johann auf den Knien gelegen vor seiner Mutter, er hatte den bunkellockigen Kopf in ihren Schoß verborgen: „Ich kann nicht von ihr (affen, Mutter!" (Fortsetzung folgt.)