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Deutschlands und Englands Rüstung zur See.

Die Budgetkommission des Reichstags beriet Gestern den Etat für den Reichskanzler und die Reichskanzlei. Der Staatssekretär des Auswär. tigen Amts Frhr. von Schön gab im Namen des Reichskanzlers eine Erklärung ab, in der es Heisti: Die englische Regierung hat zwar ihre Bereitwilligkeit zu einer deutsch-englischen Ver­ständigung über Umfang und Kosten der Flol­tenprogramme in allgemeiner Weis« zu erken­nen gegben, sie hat aber keinen dahingehenden formellen Antrag gestellt und wir haben daher keine Stellung zu einem solchen Antrag zu neh­men gehabt. Die Grunde für unsere abwar­tende Haltung gegenüber dem Gedanken einer allgemeinen Einschränkung der Rüstungen zur See sind am 10. Dezember v. Zs. vom Reichs­kanzler im Reichstag dargelegt worden. Sie gelten selbstverständlich auch für etwaige Ab­machungen unter einzelnen Mächten. Unser ge­setzlich festqelegter Flottenbau ist ausschließlich nach unferm eigenen Schutzbedürfnis bemessen und stellt keine Bedrohung irgend einer Nation dar, wie schon wiederholt von uns betont wor­den ist. Vom Zentrum wurde bedauert, dast Deutschland die Gelegenheit versäumt habe, mit England ein Arrangement zu treffen. Der Füh­rer der Sozialdemokratie meinte, der Vorwurf sei nicht beseitigt, dast die deutsche Regierung den englischen Anregungen nicht gefolgt sei. Ein konservativer Redner erklärte, ein Abqeben vom Flottengesetz wäre durchaus fehlerhaft; von einer Zweideutigkeit in dem Verhalten unserer Regierung könne keine Rede sein. Der Redner der Reichspartei schlost sich dem an. Der an­scheinende Widerspruch zwischen den Erklä­rungen im englischen Parlament und in der Reichstagskommisfion sei zu Gunsten der deut­schen Auffassung aufgeklärt worden. Die deutsche Regierung habe die allein richtige Haltung ein­genommen, indem sie zu verstehen gab, daß Deutschland an dem Flottengesetz festhalte. Ein Zentrumsredner verwahrte sich dagegen, dast seine Partei vom Flottengesetz abaehen wolle. Der nationalliberale Redner erklärte, seine ganze Partei Balte am Flottengesetz und seinem planmästtgen Ausbau fest. Eine Verständigung mit England allein habe gar keinen Sinn. Ein« solche könne nur internationaler Natur sein. Die Süddeutsche Volkspartei wünschte gleichfalls keine Aenderung des Flottengesetzes. Die Witt- schaftltch« Vereinigung hält den Zeitpunkt zu einer Verständigung über die Rüstungen noch nicht für gekommen. Ein Entgegenkommen würde nur den Eindruck der Schwäche Hervor­rufen. Die Freisinnige Volkspartet erklärt sich

gespaltene Zell« 30 Pfennig.

Die Insertion

oder deren Raum

44. Jahrge

Die Beamten

der des um

an- den

der da-

Beamten zu warten.

falls die zur Zeit in den Bureaus beschäftigten Soldaten sofort zurückgezogen würden, könne die Wiederaufnahme noch heute Nachmittag er-

5>aupttelegraphenamts nahmen die Arbeit 2 Uhr nachmittags wieder auf.

Ein eifriger Fürspreche, Englands.

Z>r einem Artikel, der sich mit der fetzigen Aufregung in England üher unsere Flottesi- rüslungen beschäftigt, schreibt dieFrankfurter Zeitung", nachdem sie erklärt hat, dast für Eng­land nicht der geringste Grund zur Aufregung worliege, solange Deutschland sich an das Flottengesetz halte, zum Schluffe-t- ltch:Das wird allerdings mit Entschiedenheit verlangt werden müffen, dast über dieses Flot­tengesetz nicht hinausgeqangen wird." Sollte Deutschland es einmal für nötig halten, le-n Flottengesetz zu erweitern, so mützte folgerichtig das .deutsche" Blatt darin eineBedrohung" Englands erblicken! Die Art, wie die Frie­densenthusiasten um jeden Preis deuts he Politik treiben, verdient niedriger gehängt za werden. Es war nicht nötig, unsere etwaige spätere Politik zu verdächtigen!

Politische Umschau.

Der serbisch-österreichisch« Konflikt.

Wien, 23. März. An der Wiener Börse für landwirtschaftliche Produkte wurde folgende amtliche Erklärung des landesfürstlichen Kom- mtffars angeschlagen: Es ist kein Grund vor­handen, die Situation ernster aufzufaffen als in der vorigen Woche. Die Bemühungen der Mächte gehen fortgesetzt dahin, Serbiern zum Einlenken zu veranlaffen.

Da« Ende de» Streiks der Postbeamten.

--------- erWHmti« bet Stempelsteuern.

Die Kommission des Abgeordnetenhauses über die Stemvelsteucrgesetze verbandelte über die Miet?,- und Pachtstempel. Angenommen wurde die Heraufsetzung der Mit- und Pachtsteuer bei Mieten über 8000 bi« 9000 X auf 1,1 v. H., bei mehr als 9000 bi» 10 000 X auf 1,2 v. H.. bis 11 000 X auf 1,3 v. H., bis 12 000 X auf 1,4 v. H. und bei mehr als 12 000 X auf 1,6 6. ö. ES wurde ferner die vom Finanzminister nach längerer Verhandlung angeregte Ermäßigung des Mietsstempelsatzes bei gewerbliche« Räumlichkeiten im Prinzip angenommen, der Sub­kommission aber überlassen, die entsprechende Form hierfür zu finden. Ebenso wurde die staffelweise Er­höhung des Stempels für Pachtverträge zu land- und forstwirtschaftlichen Zwecken im Prinzip ange­nommen, die nähere Festsetzung aber auch hier der Subkommission überlasten.

Deutsches Reich.

Exzellenz Schwartzlopff. Berlin, 23. März. DerStaatsanzeiger" veröffentlicht di« Verleihung des Charakters als Wirklicher Ge­heimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz an den Ministeraldirektor im Ministerium der geist­lichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegen- heiten Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat D. Schwartzkopff.

Landtagsersatzwahl. Vohwinkel, 23. März. Nach dem Ergebnis der heutigen Wahlmänner­wahl bei der Landtagsersatzwahl des Kreises

Marburg

DsMer^tag. 25. März 1909.

Aus dem R-ichstaqe.

Die zweite Lesung des Militäretats wurde heute beim Kapitel Artillerie- und Waffenwesen fortgesetzt. Hierbei pflegt sich alljährlich eine lange Debatte über die Zustände in den Werkstätten der Militärverwal-

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage

lange, als auch die Zahl der Beamten, die Dienst wieder ausgenommen haben.

Paris, 23. März. Eine Abordnung Postbeamten hat Clemenceau und Barthou von in Kenntnis gesetzt, dast die Ausständigen beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen;

folgen. Ministerpräsident Clemenceau er­widerte, er habe die Zurückziehung der Soldaten bereits angenordnet, ohne auf das Ersuchen

Bestellungen für da» zweit« Quartel 190» auf die

^vberhessische Zeituug" nebst ihren Beilagen werden noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain. Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanftalten und Landbrkefträgern ent­gegengenommen.

Paris, 22. März. Das Unterstaatssekre­tariat der Postverwaltung teilt mit, daß der telegraphische Dienst heute erheblich bester funk­tioniere, sowohl was die Zahl der einzelnen wieder im Betrieb« befindlichen Linien

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, llaioersttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

«gebühr beträgt für die 7 it 15 Pfennig, für Reklamen

Berlin, 23. März. Die Finanzkommission deS Reichstages trat in die Beratung des von der Sub- kommiffion eingebrachten Branntweinsteuergesctzent- wurfS ein. Ter Reichsschatzsekretär Sydow erklärte, daß die verbündeten Negierungen nach wie vor dem Monopol den Vorzug gäben, da besten Nichteinfüh­rung die unerwünschte Beibehaltung der Liebesgabe bedeute; trotzdem sei er bereit, auch bei der Ausge­staltung dieses neuen Entwurfs mitzuwirken. Er halte eine Verständigung auf dieser Grundlage nicht für unmöglich. In der Debatte, die sich zunächst mit der Regelung des Kontingents befaßte, wozu drei Abänderungsvorschläge vorliegen, wurde von ver­schiedenen Seiten die Notwendigkeit des Schuhes der süddeutschen Brenner betont. Die Bundesratsbevoll- mächtigten Bahcrns, Württembergs und Badens er­klärten den neuen Entwurf für unannehmbar; sie stellten sich auf den Boden der Monopolvorlage. Von freisinniger Seite wurde das Wiederauftreten de» Monopolgedankens bekämpft, während von konser­vativer und nationalliberaler Seite die Shmpathie für die Regierungsvorlage ausgedrückt wird.

tung zu entspinnen. Namentlich in Bezug auf die Straßburger Werkstätten trug Abg. Dr. Will (Ztr.) Wünsche vor. Redner trat besonders für die Errich­tung einer Pensionskaffe ein und wünschte ferner eine größere Bewegungsfreiheit für die Arbeiterausschüfle und die Ausdehnung der Arbeitskammern auf die Werkstättenarbeiter, die auf das Streikrecht ja ver­zichteten. Schließlich bemängelte er noch die Schika­nierung von alten französisch sprechenden Arbeitern.

Der Präsident Graf zu Stollberg stellte in Unter­brechung der sachlichen Debatte in Aussicht, daß er am späten Nachmittag eine Abendsitzung beantragen würde, fall» sich die Erledigung des Militäretat» heute nicht anders erreichen ließe.

Oberst Wandel stellte fest, daß die MiliGrverwal« tung nur in äußersten Notfällen zu Arbeiterentlaf- sungen gegriffen habe. Die Löhne seien erheblich ge­stiegen, 98 Prozent der Arbeiter erzielten mehr al» 1500 Mark jährlich an Stücklöhnen. Man muffe auch auf die Verbältniste der Privatindustrie Rücksicht neh­men. Bei einer Verringerung der Arbeitszeit in den Militärinstituten würde durch Uebernahme von Ne­benarbeit den Handwerkern leicht Konkurrenz gemacht.

General v. Locbow erklärte, daß die Untersuchung der vom Abg. Will angeführten zwei Einzelfälle er­geben habe, daß cs sich nicht um eine Schikane von französisch sprechenden Arbeitern gehandelt habe.

Abg. BSHle (Soz.) machte der Militärverwaltung Lohndrückerei zum Vorwurf.

Achnliche Wünsche wurden noch von den Abg. Zu­beil (Soz.i, Dr. Arning (natl.), Schwarze-Lippstadt (Ztr.), Schirmer (Ztr.) und Sir (Ztr.) vorgebracht.

Oberst Wandel gab namens der Militärverwal­tung Aufklärung, er. stellte u. a. fest, daß die Weiter­gabe von Aufträgen der Militärverwaltung an Zwi­schenmeister verboten sei, daß den Arbeiterausschüffen, die tatsächlich viele Wünsche durchgesetzt haben, voll­kommen freistehe, ihre Wünsche offen zur Kenntnis der Vorgesetzten und der höheren Dienststellen zu bringen, und daß den Arbeitern die Zugehörigkeit zu Vereinen nicht verwehrt würde.

Auf weitere Anregungen namentlich bezüglich der Pensionskaffen sagte Oberst Wandel Prüfung zu, allerdings seien die Militärwerkstättenarbeiter teil­weise von diesem Gedanken zurückgekommen, da ein pekuniärer Vorteil kaum für sie von diesen Pensions­kasten zu erwarten sei.

Der bahrische Bundesrat-bevollmächtigte ». Gelb-, sattel erwiderte dem Abg. Sir insbesondere, daß die bayrische Heeresverwaltung hauptsächlich bahrische Arbeitskräfte beschäftige und bei bayrischen Firmen bestelle.

Ter Militäretat wurde erledigt.

Die von der Budgctkommiffion vorgeschlagene Re­solution auf Verbilligung und Vereinfachung der Artilleriedevotswesens wurde anscheinend durch ein Mißverständnis der Abgeordneten abgelehnt, die­jenige auf Errichtung von Pensionskassen mit großer Mehrheit angenommen.

durch bi« Erklärung des Staatssekretärs formell und materiell für befnebigt. Am Flottengesetz sei festzuhalten. Es liege kein« Veranlassung vor, sich an bet unverstänblichen Aufregung in England zu beteiligen. Der Etat bes Reichs­kanzlers wurde unverändert bewilligt. Im letzten Teil der Sitzung wurde der Rest des Dlarineetats genehmigt, darunter unbeanstan­det die für 6 neue Linienschiffe bezw. kleine Kreuzer ungefütterten Summen, 26,5 Millionen Mark und di« Neuforderungen für die Torpedo- bootsflotille und Armierungen.

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberbesfische _ w. Zeitung" bet allen Postämtern und 'rnftrn Zeitungsstellen m

71 Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt ül.

*''* * _ Der Bezugspreis betragt durch die Post 2,25 Mk. (ohne

Bestellgeld), bei unfern Zeitung-stellen und der Expedition 2 Mk.

Aus dem Abqeordnetenhauje.

Nachdem noch eine längere Reihe von Sonder« wünschen zu dem Exttaordinarium der Eisenbahnver- waltuna dorgetragen waren, wurde auf Vorschlag der Budgetkommiffion eine PositionBahnhof in Neu­stadt" in Pommern, gestrichen, der Rest unverändert angenommen.

Der Minister dankte hierfür, sicherte sorgsame Prüfung aller vorgetragenen Wünsche und Bedenken Sund erklärte, mit der Ausführung von Bauten auch on vor definitiver Feststellung des Etats vorgehen zu müssen.

Nach Bemerkungen der Abg. Schroeder (natl.) und Wallenborn (Ztr.) wurde auch der Baubericht durch Kenntnisnahme erledigt.

Dem Abg. Dr. Friedberg (natl.) erwiderte der Minister, daß die Nichterwähnung der Tatsache, daß bei der Grunewaldbabn der Hauvtintereffenbeitrag vom Fiskus herrühre, ein Irrtum sei. Er lege den größ­ten Wert darauf, daß bei de nEisenbahnbauten soweit als irgend möglich einheimisches Material verwendet werde.

Die Wahlprüfungen wurden durchweg nach den Vorschlägen der Kommission erledigt.

Ein nationalliberaler Antrag, die Wahl de» Abg. Fürbringer knatl.) nicht zu beanstanden, sondern für gültig zu erklären, wurde nach Begründung durch den Abg. Schiffer (natl.) und Entgegnung des Abg.- dicke (freit) gegen die Stimmen der Liberalen ab- gelehnt.

Die kleinen Gesetzentwürfe wurden mit einer Aus­nahme ohne Widerspruch in erster und zweiter Lesung verhandelt. Nur der die Erweiterung des Stadt­kreises Düsseldorf betreffend ging aus Antrag de» Zentrums an die um 7 Mitglieder verstärkte Ge- meindekommiffion.

Der Vertrag wegen Ilebertragung von Zusammen- legungSgeschäften in Sachsen-Weimar an die preu­ßische Auseinandersetznncisbehörde wurde, nach den auf Anregung des Abg. Weisermel (kons.), von einem Regierungskommissar gegebenen Aufklärungen, gleichfalls genehmigt.

Ueber zahlreiche Petitionsberichte wurde ohne De­batte nach dem Vorschläge der Kommission beschlossen.

Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr.

10 (Nachdruck verboten.)

Enterbt.

Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.

< Fortsetzung. >

1 Drittes Kapitel.

Minchen, ich begleite Reckenstein nach Mah­len zur Jagd, packe meinen Mantelfack, Wäsche für ungefähr drei bis vier lag« und ben grauen Leinwanbanzug; ba Reckenstein Jung- gesell ist, brauch ich keinen andern Rock."

Baron Abam sitzt in seiner ,Löwenhöhle", und ist mit bem Putzen seiner Flinte beschäf­tigt, ein wichtiges Amt, bas er niemanb übet» läßt.

Es ist am Morgen nach bet Jagd in Tenne- Kallen. unb Frau von Rothenfeld ist «ben in des Gatten Zimmer getreten und bietet ihm die Lippen zum Kuß.

Gut," sagt sie,ich werde e» besorgen, lie­ber Adam."

Hol Dir doch die Fränze von Trocka herüber, Du wirst Dich langweilen. Minchen," schlägt Rothenfeld vor,Du weist, ich habe da» Frauenzimmer gern, bedauere immer, daß sie nicht, nun, Du weift schon, was ich meine."

Die Baronin geht hinaus, sie atmet erleich­tert auf; vier läge, um nachzudenken, vier Tage, um zu überlegen, wie sie di« schwere diplomatische Mission am besten erfüllt, die ihr Sohiz ihr ans Herz legt. Die alte Dame trägt beute ihr schlichtes, schwarzes Hauskleid, «in schneeweißes Häubchen deckt ihr Haar und sie sieht so hübsch an»,baB Schöning! ihr zuflüstert:

Ich sehe, Du hast gute Nachrichten, Deine Augen strahlen förmlich." Sie rointt bem treuen Freunde zu und schenkt den Kaffe« in die großen Taffen, denn fast alle Gäste sind bereits versammelt. bis auf SJlanbau, bei immer bannt geneckt wirb, baß er ein Langschläfer ist. Man- bau lebt mit seiner Familie in Eolbingen, bet fünf Meilen enfernten, kleinen Stadt, dort ist et Oberhauptmann. Die frischen Kümmelkuchen

und der Safranstriezel stehen auf der Tafel des Speisezimmers, das heute das Sonnen­licht durch die hohen Fenster mit den kleinen Scheiben erhellt unb sehr freundlich aussieht. Oder scheint es nur Frau v. Rothen­feld so? Ist seit gestern alles in einen eisigen Nebel getaucht, aus dem ein holdes Mädchen- geficht hervorlugt?

Der Baron hat unterdessen noch eine Unter­haltung mit bem Inspektor, bem er Befehle für seine Abwesenheit vom Haus« erteilt. Nach Be- enbigung dieser kurzen Konferenz trat der Hausherr in das Speisezimmer unb setzte sich auf seinen Platz unb endlich erschien Baron Manba« mit ganz verquollenen Aeuglein; man begrüßte ihn mit einigen berben Scherzen.

Na, Alter, Du hast aber geschnarcht, ich glaube. Du wärst gern ein Dachs unb schliefest ben ganzen Winter," sagte Reckenstein-Mahlen.

Ich hab« ein Schläfchen nach alter Art ge­tan, versichert« bet klein«, wohlbeleibte Herr, ,,e» ist mir immer leib wenn ich ein Mal waq werbe, ehe die lieb« Sonne hoch am Himmel steht.

Nach einer Stund« waren di« Herren in den Iagbwagen fortgefahren. Der 8Beg führte übet

Eolbingen, dort wurde der Oberhauptmann, Baron Manbau abgeseßt. Zu seinem Leid­wesen konnte er nicht nach Mahlen, die Behörde durfte ihn nicht länger entbehren. Reckenstein unb Rothenfeld biteben zu Mittag bei bem alten Freunbe, bet eine sehr liebenswürbige Frau unb zwei hübsche Töchter hatte. Es gab graue Erbsen mit Speck zu Mittag, ein Lieb­lingsgericht der Kurlänbet; vorher bas sogen. Kurische Jux", eine Suppe aus geräuchertem Schassleisch, Gemüse. Grütze unb Milch. Eine seltsam« Zusammenstellung, bet selbst manch« Einheimische keinen Geschmack abgewinnen kön­nen. Manbau hatte spät geheiratet unb wat seht unter bem Pantoffel seiner brei Grazien, wie er Frau unb Töchter nannte. Wat er indes schlechter Laune, so bezeichnete er sie mit dem weniger schmeichelhaften Namen der drei Parzen.

Da» Gut Reckensteins lag im Hasenpolschen Kreise, drei Meilen von Eolbingen entfernt. Obgleich bte Herbstregen fielen, war bie Land­straße gut dafür sorgten die Assessoren be» Kreisgerichtes. Gegen vier Uhr brachen Man­dans Gäste auf und erreichten ihr Reiseziel nach zweistündiger Fahrt,

In Hollen gab es so viel für Frau von Rothenfeld in Hau», Gatten unb Ställen zu tun, daß sie erst spät abenbs ein ruhiges Stünd­chen fanb. Es wat am Donnerstag unb bann kamen bie Bauern oft in großer Anzahl zur Eutsherttn, bie in bet Hausapotheke heilkräf­tige Tropfen Wundbalsam unb schweißtreibende Tee» vorrätig hatte. Im Lause der Zett lernte die stä» gütige Herrin bte leichteren

Krankheiten bes Landvolkes zu behandeln, sie wußte genau Bescheid unter ben einfachen Arz­neien unb verteilte st« an Jung und Alt. Für ernstere Fälle wat bet Doktor da, bet {eben Dienstag nach Hollen kam unb über Mittag blieb. Et wat ein alter Hausfreund, dieser Dottor Eörnet. ein Studienkamerad des Ba­rons, mit bem et sich buhte und et verehrte Frau Wilhelmine wie ein höheres Wesen. Als der Sturm übet Hollen losbrach, war bet Dok­tor bet Vertraute bet erzürnten Eltern. Am Sterbebette Felicitas hatte et gestanden und bie Tränen rollten in feinen Batt, weil et sie nicht retten konnte.

Geduldig hätte Frau von Rothenfelb bie Bauern an, bie zu ihrem medizinischen Scharf­blick mehr Zutrauen hatten, als zu bes Arzte» Vetorbnungen. Ein seltsames Wesen half bet Hausfrau stets am Donnerstage, es wat bie Ka- stellanin auf Hollen, Margriete Kalning, bi« man kurzweg©riete nannte. Sie wat etwa» verwachsen unb schielte mit bem rechten Auge, trotzbern war bas unschöne Aeußete gewinnend butch den gutmütigen Ausdruck bes Gesichte». Es gab in bet Tat keine bessere Seele, al» Fräulein Margarete Berg, so nannte fw sich mit Vorliebe. Sie wat unersetzlich. In Hollen als bi« Tochter bes alten Dienet» Ianzo gebo­ren bafelbft erzogen und erblüht wenn man e» so nennen will, wat st« fetzt im Dienst bet frei» herrlichen Familie verblüht, ein« in Saat ge­schossene alte Jungfer, die rechte Hand bet Ba­ronin Rothenfeld, di« sie nach wie vor in letti­scher Sprach« anredete undffitieting nannte.

£ . (Fortsetzung folgt.)