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* mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Berlage."

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Man abonniert auf die täglich erscheinende .Obertzessische Zeitung" bet allen Postämtern und unfern ZeitungSltellen in eÄf5 ÖH Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Vezugsprei» beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgelds, bei unfern Zeitung-ftellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Dienstag 23. März 1909.

Die Jnsertion»gebühr beträgt für die 7gefpattene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. ii f. . Druck und Verlag; Joh. Äug. Koch, UmversitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 56.

Die Besowungsvorlagen.

Mit Recht ist in den Verhandlungen des Herrenhauses über die Besoldungsvorlagen die Notwendigkeit betont worden, den so äußerst bedenklichen Zustand von Brnrnruhigung und Agitation zu beseitigen, in den ein betracht- kicher Teil unserer Beamten- und Lehrerschaft kn der letzten Zett geraten ist. Die Fortdauer eines solchen Zustandes würde in der Tat selbst das feste Gefüge der preußischen Beamtenschaft und die für unser ganzes Volksleben so hoch­wichtige erziehliche Leistungsfähigkeit unserer Lehrerschaft ernstlich gefährden. So treffend aber auch im Herrenhaus« über diese Lage der Dinge geurteilt worden ist, wird man stch auch dort der Tatsache nicht verschließen können, daß mit noch so trefflichen Worten allein wenig zu tun ist, wenn sie nicht von entsprechenden Taten begleitet find. In dieser Hinficht hat das Abge­ordnetenhaus Vorbildliches geleistet, indem alle bürgerlichen Parteien ohne Ausnahme sich mit der Staatsregierung sowohl über die Beamten- besoldungsvorlagen und das Lehrerbesoldungs­gesetz wie über die Deckungsfrag« verständigt haben. Durch die (Einmütigfett dieser Beschlüsse werden die Besoldungsfragen dem politischen Parteigetriebe entzogen. Das im Abgeord­netenhause mit Recht beklagte Wettlaufen der Parteien um die Gunst der Beamten und Leh­rer ist damit beseitigt. Schließlich liegt auch in der einmütigen Geschlossenheit der gesetz­gebenden Versammlung ein nicht zu unterschä­tzendes Moment der Beruhigung für die Be­amten und Lehrerschaft. Wesentlich unter die­sem Gefichtspunkte ist auch seitens der Staats- regierung dem Verhalten des Abgeordneten­hauses wiederholt die vollste Anerkennung ge­zollt worden. Diese Lage der Dinge muß das Herrenhaus, wenn es seiner Stellungnahme gegen die Agitation unter den Beamten und Lehrern entsprechend handeln will, bei seinen Beschlüsien über die Besoldungsvorlagen voll Rechnung tragen. Schließt sich das Herrenhaus in der Hauptsache der zwischen den beiden an­deren Faktoren der Gesetzgebung erzielten Ver­ständigung an, so darf mit Bestimmtheit gehofft werden, daß wieder Beruhigung in die Kreise der Beamten- und Lehrerschaft einzieht und den verderblichen Agitationen unter ihnen ein Ende gemacht wird. Sollten sich dagegen die Sonderinteressen, die man im Abgeordneten­hause hinter die großen politischen und patri­otischen Gesichtspunkte für die volle Einigung unter den bürgerlichen Parteien und mit der Regierung zurückgestellt hat, nach der Richtung wesentlicher Veränderungen der Befchlüsie des Abgeordnetenhauses geltend machen, so würde naturgemäß die heilsame Wirkung der Ein­mütigkeit der anderen gesetzgeberischen Körper­schaft beseitigt und das Signal zu neuer Beun­ruhigung und neuer Agitation in der Beamten- und Lehrerschaft gegeben werden. Man wird vom Herrenhause erwarten dürfen, daß diese Gesichtspunkte von eminenter politischer Bedeu­tung für seine Entschließung die ihnen inne­wohnende Bedeutung gewinnen werden.

ß (Nachdruck verboten.)

Enterbt.

Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.

«iforttetzung. >

Laß mich über die nächste Zeit schweigen liebe Mutter," hieß es weiter,nun hatte ich sie verloren um derentwillen ich alles aufgege­ben. Mit dem weinenden Kinde stand ich an dem frischen Hügel in dem kleinen amerikani­schen Städtchen, das das Grab der Frau und zärtlichen Mutter barg. Wohin mit derWaisen? Was sollte aus ihr werden? Der Spruch:Wo die Rot am größten, ist Gottes Hilfe am näch­sten," ftel mir ein, und als .wir abends in un­serem bescheidenen Easthause in Retherwood, so hieß der Ort. saßen, klopfte es an unsere Türe und der Kellner meldete, daß eine Dame mich zu sprechen wünsche. Meine klein« Felicie war müd^ vom vielen Weinen auf dem Sofa einge­schlafen. Als die Dame eintrat, eine schon ältere Frau, erkannte ich in ihr dasselbe freund­liche Gesicht, das mir auf dem Kirchhof aufge­fallen war. Sie hatte einen Kranz von weißen Blumen auf Stefaniens Grab gelegt und war liebkosend über das Gesicht meines atmen Kin­des gefahren, wobei ich eine Träne in ihren Augen erblickt zu haben glaubte.

Jetzt stellte sie sich als Miß Morton vor und bat mich, ihr vorläufig Felicie zu lasten. Dieses Ansinnen wurde auf so reizend herrliche Art vorgebracht, daß ich es mit innigem Danke cknnahm. Fast zwei Fahre ist Fee bei der edlen Dame geblieben, an der sie liebevoll hing. Wäh­rend dieser Zeit hatte ich reiche Ersparniste ge- nracht. denn in Amerika werden gute Leistungen ««ch gnt bezahlt.

Wir kehrten also nach Europa zurück und ich

Der serbisch-öfterreibische Konflikt.

Heute liegen folgende Meldungen vor:

Belgrad, 20. März. Die Skupschtina hat eine Gesetzesvorlage über einen Nachtragskredit von 5350000 Dinar für Hoeresrüstungen ange­nommen.

Wien, 20. März. Dem heutigen diploma­tischen Diner beim Kaiser wohnte u. a. auch der serbische Gesandte Simitsch bei.

Sofia, 20. März. Die Nachrichten über die Durchfuhr von serbischem Kriegsmaterial durch Bulgatten werden von zuständiger Stelle für unbegründet erklärt. Weder serbisches Ma­terial noch russische Gewehre hätten Bulgarien passtert. Von Rußland fei kein derartiges An­suchen gestellt worden. Bisher seien nur 1692 Pferde über Varna und Sofia nach Serbien be­fördert worden.

Sofia, 20. März. Authentischen Nachrich­ten zufolge wurde bei Valjevo, Westserbien, ein verschanztes Lager errichtet, dessen Werke mit schweren Geschützen armiert wurde.

Rom, 21. März. Wie dieAgencia Ste- fani" aus London erfährt, findet zwilchen den Mächten ein Meinungsaustausch darüber statt, in welcher Form der neue Schritt in Belgrad geschehen soll«, durch den Serbien für die Ab­rüstung und die Wiederaufnahme der wirt­schaftlichen Verhandlungen mit Oesterreich- Ungarn gewonnen werden soll.

Belgrad, 21. März. Dem Belgrader Korrespondent derNeuen Freien Presse" er­klärte der Minister des Aeußern. Dr. Milo- wanowitsch, die serbilche Antwort auf den Schritt der Mächte werde möglichst dem allge­meinen Wunsche und dem allgemeinen Jnter- este den Frieden zu erhalten, entsprechen. Ge- mäb der eingettetenen Wendung hoffe et, der Minister, bestimmt, daß es den gemeinsamen Bemühungen aller gelingen wird, einen Aus­weg zu finden, damit die jetzige Ärife ohne Er­schütterung zum Abschluß komme. Er halte die Möglichkeit nicht für ausgeschlosten. daß hierfür eine Formel gefunden werde, auch noch bevor etwa ein neuerlicher Schritt unmittelbar von österreichisch - ungarischer Seite unternommen werden sollte.

Ketin je, 21. März. Nachdem das öster- reichisch-ungattsche Geschwader die Reede von Spizza verlassen hatte, gab der Fürst von Mon­tenegro Befehl, die angeordnete Mobilmachung einer halben Division einzustellen. Man wird sich darauf beschränken, die Effektivbestände an der Grenze zu verstärken.

Belgrad, 20. März. Die Spannung, mit der man in Regierunaskreisen die bevor­stehende österreichisch-ungarische Note erwartete, hat infolge zahlreicher Meldungen auswärtiger Blätter über eine demnächstige freundsümstlicke Vorstellung der Großmächte in Belgrad fast vollkommen nachgelassen. Alle Besorgnisse vor einem direkten energischen Schritt Oesterreich- Ungarns sind gewichen und an ihre Stelle ist eine große Zuversicht in das vermittelnde Ein­greifen der Mächte getreten. (Eine durch Gewalt erpreßte Erklärung Serbiens hätte weder für

brachte mein Kind in eine vortreffliche deutsche Pension in Stuttgart. Sie sollte als Baronesse Rothenfeld erzogen werden, vielleicht würde es ihr doch einmal gestattet sein, ihren Platz einzu­nehmen. Immer hatte ich es ängstlich vermie­den, ihr meinen Beruf zu verraten, nie hat sie mich als Schulreitet auftreten sehen, bet Name John Red ist ein alltäglicher. Noch war Fee zu jung, um die traurige Geschichte ihrer Eltern zu erfahren. Warum den Mehltau auf die süße Menschenblüte streuen, die mich mit den unschuldigen Augen anlächelt, mit Stefaniens dunkeln Rehaugen, die ich so seht geliebt habe.

Die Jahre sind dahin gerollt, aus dem Kinde ist eine Jungfrau erblüht, gestern ist Felicie siebzehn Jahre geworden. Ich habe den Tag mit ihr verbracht hier in Wien, wo sie seit einet Woche ist. Schlank und erwachsen steht sie vor mir da, eine junge Dame, und ich sage mir, daß ich nun den Schleier lüften muß, daß ich ihr volle Wahrheit schulde. Sie vertraut mir blind und hält mich für einen Kaufmann; da­durch erklärte ich ihr den öfteren Wohnungs­wechsel, die Reisen, die ich angeblich machte. Werde ich nicht meines Kindes Liebe verlieren, wenn es zufällig erfährt, daß ich Direttor eines Zirkus bin, bet allerdings einen anderen Na­men führt als den John Siebs. Ich kämpfe mit mir und kann mich nicht entschließen, ihr das Geheimnis zu enthüllen.

Felicie ist sehr gebildet, im Institut bet Gräfin L. hat sie eine ausreichende Erziehung genossen, sie spricht geläufig englisch und fran­zösisch und singt allerliebst. Ihre Manieren find die einer Aristokratin. Doch was bedeuten diese Vorzüge gegen ihren Charattet^ der sehr offen und liebenswert ist gegen ihr Wesen, das aus frauenhafter Weichheit und kindlicher Schalkhaftigkeit zusammengesetzt isti Oft scheint es mir in letzter Zeit, als stiegen Zweifel in

Oesterreich-Ungarn, noch für Europa prattischen Wett. Es handelt stch nicht um geschickte Vogel- sttaußpolitik, sondern um eine gründliche Be­seitigung jener Gefahr, welche den europäischen Frieden ständig bedrohen würde. Eine solche Gefahr bestände darin, daß mau die bosnische Frage ohne Berücksichtigung vitaler Interessen des serbischen Volkes zu lösen suche. Serbien habe unentwegt das größte Verttauen in die Weisheit bet Mächte denen nicht nur das Ver­dienst. sondern auch sie Verantwortung für die neurufrfjaffenbe Lage zufallen werde. Da auch Serbien von ehrlicher, aufrichtiger Friedens­liebe durchdrungen fei, werde es allen Ratschlä­gen. die sich mit der Würde eines selbständigen Staates vertragen, rückhaltslos befolgen in der Ueberzeuqung, daß die Großmächte vor Ettei- lung solcher Ratschläge ein Einvernehmen über die Lösung der bosnischen Frage erzielt haben. Durch ein solches Verhalten werde für Ser­bien auch die letzte Notwendigkeit hinfällig, wegen der bosnischen Frage mit Oesterreich-Un­garn in irgendwelche direkte Auseinandersetz­ungen treten zu müssen, wodurch wieder die größte Gefahr für die Störung des Friedens be­seitigt werde.

PolMsche Umschau.

Stapcllauf des neuen KreuzersVon der Xamt".

Hamburg, 20. März. Heute Nachmittag ist auf der Werft von Blohm u. Voß der große KreuzerF glücklich von Stapel gelaufen. An­wesend waren u. a. General der Infanterie Freiherr von und zu der Tann-Rathsamhausen, als Vertreter des Kaisers, der bayerische Ge­sandte Graf zu Lerchenfeld, der preußische Ge­sandte Graf Eoetzen, Vertreter des Senats mit dem präsibierenden Bürgermeister Dr. Vurchard an der Spitze, der bayettsche Militärbevollmäch­tigte zum Bundesrat Generalmajor von Eeb- sattel. General von und zu der Tann-Rathsam- hausen, der im Auftrag des Kaisers den Taufakt vollzog, wies in seiner Rede darauf hin, daß der Kreuzer ein weiteres wichtiges unserer mächtig aufstrebenden und achtunggebietenden Marine werden soll«. Er taufte das Schiff auf den Na­menVon der Tann". Anläßlich des heutigen Stappellaufs des KreuzersVon der Tann" hat der Prinzreqent an den Kaiser nachstehendes Telegramm gerichtet: Ich bitte Dich, meinen herzlichen Dank dafür entgegenzunehmen, daß der große Kreuzer, dessen Stapellauf stch heute vollzog, den Namen von der Tann tragen wird. Die Ehrung dieses Führers in ruhmreichen Tagen erfüllt die bayerische Armee mit Stolz und freudiger Genugtuung. Möge bet Kreu­zerVvn der Tann" den Namen, den er führt, mit neuem Ruhm im Dienste des Deutschen Rei­ches bedecken, gez. Luitpold." Der Kaiser er­widerte: Herzlichen Dank für Dein Telegramm. Es ist mir eine erfreuliche Pflicht gewesen, auch den Namen eines großen bayettf^n Generals einem meiner Schiff zu geben und ich weiß, daß gerade der Name von der Tann von meiner Manne mit freudigem Stolz begrüßt werden wird.

ihr auf. als denke sie über Dinge nach, die ich ihr bisher vorenthielt, um den Kinderfrieden der jungen Seele nicht zu stören. Welche guten Freunde wir zwei Beide sind, das kannst Du Dir nicht denken, Mutter! der Altersunterschied von 23 Jahren wäre ja nicht groß, aber ich bin alt trotz meiner vierzig Lenze, alt durch bas Schicksal, durch bas unftätc, oft sorgenvolle Le­ben, bas ich geführt, alt burch bie ewig nagenbe Sehnsucht nach Euch, nach der alten Heimat, nach Hollen! Ich höre bas Rauschen ber hohen Bäume im Park und bas Jaqbhorn unleres treuen Krisch unb sehe das liebe tote Haus, jenes Zimmer. Dich den Sätet; Ihr seid grau geworden unb ich bin schuld daran, daß (Euer Haar früh gebleicht und Euer Heim ver­ödet ist.

Unb doch ich konnte nickt anbers, die Liebe zu Stefanie war allzu mächtig, sie wat mein Kismet, dem ich mick beugen mußte. Und nun,' meine Mutter, bie Bitte, die ich an Dich richte: ich komme zu Dir und klopfe wie ein Bettlet an die Tüt in Hollen, nicht für mich denn mein Fuß betritt wohl nie mehr die ge­heiligten Schwellen meiner Ahnen. Ich flehe für sie, für mein geliebtes Kind, für Fee, die eine Heimat und ein Elternhaus haben muß, wenn ich mit meiner Gesellschaft nach Rußland reife wohin ich mich verpflichttt habe. Willst Du des strengen Vaters Erlaubnis einholen, wollt Ihr Eurem Enkeltinde ein Pliitzcken in dem großen Hause gönnen? Bis zum Novem­ber bleiben wir hier, Baron von Schöningk soll diesen Brief nach Kurland mitnehmen; so hoffe ich. daß et in Deine Hände kommt. Ich könnte ja Felicie hier oder anderswo unterbtingen, sie hat viele Freunde. Lebte ihre erste, freundliche Beschützerin noch. Miß Morton, so bäte ich die edle Ftau, nach Deutschland zu kommen und ihren Pflegling unter ihre Flügel jm nehmen;

Ablehnung der Sa»- unb ElrttrizitätSsteuer.

Die Finanzkommisfion des Reichstages trat heute in die Beratung des Gas- unb Elektrizi- tStssteuergesetzes ein. Das Ergebnis ber De­batte war bie Ablehnung bes § 1 gegen vier Stimmen, worauf auch bet Rest bet Vorlage ohne Debatte abgelehnt wurde.

Mangel an Marineärzten.

In der Marine find gegenwärtig 41 Arzt« stellen unbesetzt, das frühere Ueberangebot ist seit 6 Jahren zurückgegangen. Der Bedarf der Pttvatunternehmungen, wie Kliniken, Heilan­stalten. Schiffahrtsgesellschaften, hat stch in die­ser Zeit außerordentlich vermehrt, andererseits . ist der Aetztebedatf der Marine infolge ihrer Entwicklung außerordentlich gestiegen.

Die Budgttkommission des Reichstages hat die Beratung des Marineetats um mehre« Kapitel bes ordentlichen Etats gefördert. (Es wurden Abstriche an verschiedenen Titeln vor- genommen.

De» Streik ber Postbeamten.

Paris, 20. März. 800 Soldaten helfen gegenwärtig bei ber Austragung ber Post. Mehrere hundert Brief- unb Zeitungssäcke wur­den am Freitag durch Soldaten verlesen. Arbtt- ter und Soldaten sind mit der Wiederherstel­lung von 150 Linien beschäftigt. Am Freitag konnten nur 5000 Telegramme befördert wer­den gegenüber 20000, die am Mittwoch unb Donnerstag übermittelt worden sind. Die Starkstromlieferung wird durch Eeniesappeure, Schiffsheizer und Mechaniker besorgt.

Brest, 20. März. DiePost- und leie, graphenbeamten haben heute Vormittag ihre Arbeit wieder aufgenommen. Die Tagesschicht war vollständig angetreten. Der Ausstand wird als beendet angesehen.

Paris, 20. März. Die ausständigen Post­beamten werden jeder einzeln aufgeforbert wer­den, den Dienst am Montag früh bei Strafe bet Entlassung wieber aufzunehmen.

Basel, 20. März. Die Folgen bes Tele­graphistenstreiks in Frankreich machen sich in empfindlicher Weise auch für bas Baseler Tele­graphenamt bemerkbar. Täglich laufen Hun­derte von Telegrammen, die für Oesterreich- Ungarn und die Balkanländer bestimmt sind, mit ber Post hier ein, um von Basel aus burch den Draht nach Wien weitergeleitet zu werden. Dazu kommt noch, daß der direkte Verkehr Italien-England via Patts auch unterbrochen ist und nun über Basel-Homburg geleitet wirb.

Paris, 21. März. Minister Barthon empfing heute Nachmittag eine Aborbnung des Arbeitersyndikates, welche die Verantwortlich- kett für das Durchschneiden von Telegraphen« drahten ablehnte und dem Minister versicherte, daß die Arbeit allgemein wieder aufgenommen werden würde, wenn Unterstaatssekretär Si» myan seinen Abschied nehmen und fein Be­amter weder Arbeiter wegen bes Ausstandes ober bes bannt zusammenhängenden Verhält­nisses entlassen ober bestraft werben würbe. Der Minister erklärte barauf, bie Regierung könne leider ist sie, die treue Hüterin meines Kleino­des. seit einigen Jahren gestorben. Ich wünsch^ daß Fee im Heimatboben Wurzel schlägt, daß sie den Rang einnimmt, ber ihr als Freiin von Rothenfeld gebührt. Ich weiß, daß ich zu den Verachteten zähle, ich habe den Namen gewech­selt ohne ibn innerlich zu verleugnen und bi« als' Schulreiter und Zirkusbirektor ein Edel­mann geblieben, der das:Adel verpflichtet", hoch bült. Und ich bin reich, Mutter, durch ehr. liche Arbeit reich, ich will mich, nachdem ich in Rußland gewesen, ins Privatleben zurückziehen und ein Gut in Deutschland kaufen; dann mag sich Fee entscheiden, bei wem sie bleibt, bei Euch ober bei mir bem (Enterbten. Verbannten.

£)! Mutter, laß mich Deinem Herzen nicht enterbt fein.- Wenn noch ein Funken von Liebe für den verlorenen Sohn in Deiner Brust glüht, so stebe treu zu mir unb sage nichtnein* zu meiner Bitte. Deine weiche Hand küsse ich in Gebauten und halte Dich mit inniger Soh« nesliebc umfangen. Gott segne Dich. Mutter, ich bete, baß er mit Deinen Sinn zuwenden möge, baß et Dir bie rechten Worte gebe, um ben Zorn bes Vaters zu erweichen unb ihn zu Fees Aufnahme geneigt zu machen.

Ich weiß nicht, wann Baton Schöningk nach Kurland heimkehtt; bis Anfang November er­warte ich Deine Antwort unter postlagernder Schiffer I. R. Wien. Sollte bis dahin kerne Kunde zu mir gelangen, so muß ich sehen, Fel« citas hier unterzubringen, denn nach Rußland nehme ich sie nicht mit

Und nun lebe wohl, meine Mutter und möge Gott mein heißes Gebet erhören und alle, zum Guten lenken. Es küßt Deine teure Hand in unveränderter kindlicher Liebe Dein SohH

Friedrich Johann v. Rothenfeld, i.;: Wien, Kolingasse 56."

' (Fortsetzung folgt.)