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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

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jn *irchHain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21.

Der Bezugspreis beträgt durch die Poit 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Sonntag. 21 März 1909.

Die Jniertionsgebübr betrögt für die 7gefpattene Zeile oder deren Rau« 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Derlag: Joh. Ang. Koch, UmoersitötSbu hdruckerei Inhaber Dr. T. H'ftzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55

44 Jahrg.

Crttes Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

Umickau im Au^lanve.

Rur dem festen Zusammenhalten der beiden mitteleuropäischen Kaiserreiche ist es zu ver­danken. daß es aus Anlatz der Balkanwirren bis­lang zu einem offenen Konflikt oder gar zu einem Kampfe aller gegen alle noch nicht getont« men ist. Der letzte entscheidende Faktor, der bei allen Verhandlungen in Paris, Konstantinopel und Petersburg in Betracht gezogen werden mutzte, war eben stets die Erwägung, datz keine Koalition stark genug ist, um die vereinten Heere des Deutschen Reichs und Oesterreich-Un­garns niederzukämpfen. Dieser vielfach ver­schrieene und verlästerteBlock" hat eben der Welt den Frieden auferzwungen, und sollte der serbische Wahnwitz doch zum äutzersten greifen, so wird dieser Block den Krieg zu lokalisieren wissen. Aber noch mehr hat er fertig gebracht: die ganze antideutsche Einkreisungs­theorie ist wie ein Kartenhaus zusammenge­fallen, und sie, die als der politischen Weisheit neueste und höchste Errungenschaft galt, geprie­sen und befehdet wurde, wird jetzt doch wohl neuen Kombinationen Raum machen müssen. In welcher Weise im übrigen die Dinge sich ent­wickeln werden, läßt sich vorläufig noch nicht ge­nauer feststellen, da noch keiner von allen Vor­schlägen der einzelnen Mächte oder Mächtegrup­pen sich durchzusetzen vermochte. So viel ist aber gewiss, datz weder Oesterreich-Ungarn noch das Deutsche Reich irgend einem Plane überhaupt aähertrete« werden, der die Annexion oder die Schlichtung des österreichisch-serbischen Konflikts der Begutachtung einer Konferenz unterwerfen will.

Während so die hohe Politik im Bereiche der Möglichkeit eines Krieges steht, haben die einzel­nen Länder nebenher nach wie vor mit ihren kleineren und größeren inneren Sorgen zu kämp­fen. Zn Fr a n k r e t ch ist, von Paris ausgehend, ein allgemeiner Streik der Post- und Telegra- pheuöeamten ausgebrochen. Zunächst legten die Telegraphisten des Pariser Zentral-Telegraphen« amte, das eine bedeutende Durchaangsstation für den internationalen Verkehr enthält, die Arbeit nieder und bald schlossen stch ihnen die Telepho- Mtinnen und jetzt auch die Postbeamten an. Wenn man einen Vergleich zieht zwischen der so­zialen Stellung und Besoldung unserer Beamten und denen fast des ganzen Auslandes, vor allem auch Frankreichs, dann kann man sich allerdings oft genug wundern, datz bltfe Staaten überhaupt einen staatlichen Betrieb aufrechterhalten kön­nen. Fast im gesamten Ausland werden nämlich die Beamten nach privatwirtschastlichen Grund-

Biedenkopf.

Drüben im Hinterland Bin ich so gern: Rach Lahn- und Ederftrand Siebt mich'- von fern.

Waldesgrün, Waldesluft, Frisch-freie Bergesluft Weckt dort die Wanderlust, Schwellt mir die Brustl

So fingt die Sehnsucht nach einem Fleckchen Erde, das, zur zweiten Heimat geworden, auch kn der idyllischen Fremde die liebsten Erinner­ungen wachruft. Ja wahrlich, ein schönes Ge­biet bist du, du trautesHinterland"? Wie freundlich find deine Bergkegel, wie prächtig deine dunklen Wälder! Anmut atmen deine Talgründe und Wiesen. Silberfäden gleich schlängeln sich deine lieblichen Bäche und Flüsse durch diese hin. Und inmitten dieser Herrlich­keit eine leuchtende Perle: du mein herrliches Biedenkopf! Allsommerlich pilgert hierher eine staatliche Zahl von Erholungsbedürftigen, um Körper und Geist zu kräftigen in der würzigen Wald- und Bergluft der an Naturschönheiten so reichen Umaebung. Mehrere Kurhäuser und Private bürgen für gastliche Ausnayme, imb in trautem Verein vergehen die Tage und Wochen wie im Fluge. An einem prächtigen Sonntag im Herbst pflegen die Kartostelbratpartien ihr Recht zu fordern. Ganze Strassen schliessen sich zusammen: Vereine und Verbindungen man­cherlei Art begeben sich unter dem Vorantritt von Musikkapellen in den Wald. Hier findet man bald da und dort Rauchwölkchen aufstei­gen: die Zeichen, dah groß und klein emsig bei der Arbeit ist. (Segen Abend begeben sich die

sätzen behandelt und besoldet, und demgemäß ist auch ihr soziales Ansehen ein sehr geringes. Die leitenden Persönlichkeiten erhalten, wie z. B. bei uns in der Industrie, außergewöhnliche Gehäl­ter, während für die große Masse der Beamten nur so viel abfällt, daß sie notdürftig ihr Leben fristen können und auf Nebeneinnahmen ange­wiesen sind. Außerdem liegen die Pensionie- rungs- und Reliktenverhältnisse im Vergleich zu den unsrigen sehr im argen. Also auch auf die­sem Gebiet erweist sich das so oft als schwerfällig und teuer verschrieene deutsche System als das auf die Dauer allein richtige, gute und billigere. Denn nur mit großen pekuniären und morali­schen Opfern wird es der französischen Regierung gelingen, die verfahrene französische Postkarre wieder ins Gleis zu bringen.

In England steht wieder einmal die Flot­tenfrage im Vordergrund des Interesses. Ein­mal wird gegen den Oberkommandierenden der Flotte, Sir John Fisher, die schwere Beschuldi­gung erhoben, datz unter seiner Leitung die Tüch­tigkeit und Kriegsbereitschaft der Heimatflotte stark abgenommen habe, und es wird seine Pen­sionierung gefordert. Andererseits wird von den Konservativen die Erklärung des deutschen Ma­rine-Staatssekretärs v. Tirpitz, datz England an die deutschen Regierungskreise wegen Einschrän­kungen im Flottenbauplan mdjt herangetreten sei, ausgenutzt, um dem liberalen Kabinett, be­sonders der Verläßlichkeit Asquiths eins zu ver­setzen. Von einem Wiederaufleben einer anti­deutschen Stimmung im englischen Publikum ist aber trotzdem nichts zu merken. Auch das Jn- vasionsgeschrei habe keine Zugkraft verloren.

~ Die Onentkrisis.

Die Durchfuhr von Kriegsmaterial durch die Türkei.

Konstantinopel, 19. März. Zu der jetzt allgemein interessierenden Frage der Durch­fuhrerlaubnis für serbisches Kriegsmaterial schreibt das Hauptblatt der Jungtürken,Ta­nin" daß die Durchfuhrerlaubnis von Kiamil Pascha erteilt worden sei, als man nicht wusste, 'welche Wendung die Beziehungen zu Oester­reich-Ungarn nehmen würden. Kiamil Pascha habe demTanin" dieListe des Kriegsmaterials gegeben und erklärt, dass er die Durchfuhr von Sätteln und Munitionsteilen ohne Pulver- füllung erlaubte: die Liste des zweiten Damp­fers fei noch nicht geprüft. 45 Tonnen Dynamit seien zurückgehalten worden. Weitere Tonnen Dynamit dürften in kleinen Partien weiterbe­fördert werden, wenn festgestellt ist, datz sie für Minenzwecke bestimmt find. Ferner sagt das Blatt, der serbische Gesandte Nenadowitsch habe eine Liste weiteren Kriegsmaterials überreicht und die Erlaubnis für dessen Durchfuhr erbeten. Hierauf habe der Erotzwesir wörtlich erwidert: , Tch kann absolut keine Erlaubnis für Durch­fuhr von Kriegsmaterial geben. Solange die Situation nicht geklärt ist, kann ich nicht ein­mal eine Diskussion hierüber zulassen." Als Beweis für die großen serbischen Rüstungen ver­öffentlicht derTanin" sodann eine Liste von

Gesellschaften mit Lampionbeleuchtung und unter Sang und Klang in die Stadt zurück. Die­selbe Gemütlichkeit herrscht bei dem Grenzgang­fest vor, das in drei-, sieben- und neunjährigen Zwischenräumen stattfand. Schon 1629 wird ein Siebentopfer Grenzgang erwähnt: jetzt fin- bet er alle sieben Jahre statt. Der letzteErenz- begang" war im Jahre 1907. Ein Grenzgang­verein, 1886 ins Leben gerufen, machte es sich zur Aufgabe, Sen alten schönen Brauch der Erenzbeziehung zu erhalten. Schon um fünf Uhr morgens wecken Böllerschieße und Trom­melschlag die Bewohner. Bald wird der histo­rische Festzug aufgestellt, der stch durch die Ober­stadt und Kottenbachstraße nach dem Markte bewegt. Der Musikkapelle folgen die Spitzen der Behörden^ dann, nach Strassen geordnet, die unter der Führung desMännerobersten" stehenden Männer, darauf die Burschen, meh­rere mit Grün geschmückte Fahnen in ihrer Mitte schwenkend, und geführt von demBur- schenoberst". Besondere Aufmerksamkeit erregen die historischen Gestalten desMohrs", der bei­denSappeure" und der zweiSchnelläufer". DerMohr", schwarz vom Kopf bis zu ben Füssen, mit oexrmeneni Säbel, sollte ehdem als Teufel" die Nachbarn- beim Grenzgang ver­treiben. DieSappeure", bunt gekleidet und mit Hacken ausgerüstet, stellen die früheren Erenzgräber vor. DieSchnelläufer": flinke Burschen in leichter Kleidung, ausgestattet mit knallenden Peitschen, stellten in alten Zeiten die Ordnung beim Erenzgang her. Mittags wird Rast gemacht und Hunger und Durst ge­stillt. DasWiderhuppchen", Niedersetzen des Fremden auf den nahen Grenzstein man

serbischen Bestellungen in Europa. Diese er­strecken sich u. a. auf 100 000 Gewehre, 50 Mil­lionen Patronen, 170 Maschinengewehre und vier Militärballons.

Die Sparkassenfrage in Oesterreich.

Wien, 19. März. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses erklärte Finanzminister Dr. Ritter von Bilinski gegenüber dem Ge­rüchte, daß der Staat für den Fall eines Krie­ges die Einlagen in den Sparkassen einfach mit Beschlag belegen und sie für die Kosten des Krieges verwenden werde. So unerhört ein derartiges Gerücht ist so befinden wir uns der­malen in dem Zustande eines gefährlichen Runs auf die Sparkassen verschiedener Länder Oester­reichs. Ich will die Frage des Krieges hier durchaus nicht besprechen. Es ist, wie ich glaube, die begründete Hoffnung vorhanden, datz es zu einem Kriege nicht kommen wird, und wir wollen hoffen, datz der Frieden erhalten bleiben wird.

Keine Abrüstung Serbiens.

Wien, 19. März. Die an der Wiener Vorbörse verbreitet gewesenen Gerücht, die auch ins Ausland gemeldet wurden, nach denen Serbien abrüsten soll, sind vollständig unbe­gründet. An Wiener massgebenden Stellen ist von einer Abrüstung nicht das Mindeste be­kannt, doch gibt man sich der Hoffnung hin, datz ein österreichisch-serbischer Krieg lokalisiert bleiben wird. Die Rüstungen dauern in Oester- rech ungeschwächt fort. Im Wiener Rathause ist heute die Pferde-Remontierungskommission zusammengetreten, um alle für Kriegszwecke taugliche Pferde in Wien und Umgebung anzu- kaufeu. Nach Südtirol und den Küstenlanden sind wie aus Innsbruck und Graz gemeldet wird neuerdings zahlreiche Truppentrans­porte abgegangen.

Ein Erenzzwtfchrnfall.

Pest, 19. März. Serbische Soldaten schossen über die Sawe hinweg aus eine ungarische Gen­darmerie-Patrouille in der Gegend derGemcinde Eroska. Sie feuerten im Ganzen 30 Schüsse ab, ohne jemanden zu verwunden. Dann verschwan­den sie in den Gebüschen. Die ungarische Gen­darmerie-Patrouille erwidert das Feuer nicht.

Kriegsvorbereitungen in Ealazien.

Wien, 19. März. Bezeichnend für ben brohenden Kriegsausbruch und die Vorkehrun­gen, welche die Militärbehörden treffen, ist die Tatsache, datz seit einigen Wochen aus Gali­zien nur noch das allerbeste Fleisch auf den Wiener Markt geliefert wird. Alle anderen Fleischsorten werden für das Militär der in Galizien stehenden Garnisonen verwendet.

Dank an Deutschland.

In der vorgestrigen Sitzung des österreichi­schen Reichsrates hielt auch der frühere Arbeits­minister und bekannte christlich-soziale Partei­führer Dr. Eaßmann eine Rede zum Rekruten­gesetz, in der er u. a. sagte:Neben der Sicher­heit, die uns unser Heer bietet, hat uns und diese Worte möchte ich speziell an die hoch­verehrten Herren auf den Tschechenbänken rich­ten Deutschland eine aufrichtige und unbe­schränkte Bundestreue bewiesen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Im Gegensätze zu bei Aeutzerung bes Abg. Udrzal, der die Reichs-

muss ihm doch diesen deutlichzeigen" er­fordert vonseiten des Fremden für die ihm widerfahrene Ehre eine Belohnung in Form klingender Münze. Am Nachmittag entwickelt sich auf dem Feftplotz ein fröhliches Treiben. Vor allem interessiert sich hier die Schuljugend für die Verteilung derMagistratsbrezel". Am zweiten und dritten Tage wiederholt sich das­selbe Bild. Die Liebe zum Althergebrachten stärken ferner noch die landwirtschaftlichen Feste, welche die Landbevölkerung bei Um« Säend zu friedlichem Wettstreit in Sieben» pf vereinigen. Immer noch erscheinen bann die Burschen im blauen Kittel, wenn gleich di« altertümliche Männettracht leider gänzlich ver» schwunden ist. Dagegen zeigen die bunten Landestrachten der Mädchen große Originalität und Mannigsaltigkeit. Fast jedes Kirchspiel hat besondere Eigentümlichkeiten in Schnitt und Farbe der Kleidung. Wohl überall finden wir die dunkle Jacke und den dunklen, kurzen Faltenrock mit der buntgeblümten und -gebän­derten Schürze bedeckt. Eine schwarze, steife Haube, Hemmschuh oder Mutsche genannt, deckt ben Kopf. Die bunten Strumpfbänder find m»t Qurstrg sosehr". Etters schwer

fällig erscheinen die halbhohen, mit großen Schnallen besetzten Schuhe. Diese Schnallen, von denen früher jedes Dorf ein besonderes Modell hatte, hießen auchRinken". Aus der Familie eines Rinkemachers in Siebenkopf stammteRinkemachers Dall", wie et, weil er dask" nicht sprechen tonnte, sich selbst im Scherze wohl nannte. Was sonst nur bet beson­dere Handwerker verbessern tonnte, bas stellt« er mit großer Geschicklichkeit für kaum zu neu»

grenzen gegen Worben im Interesse bet Nicht- deutschen dieses Reiches bewacht wissen will, mochte ich sagen, datz wir Deutschland unseren aufrichtigsten Dank aussprechen (lebhafter Bei­fall und Händeklatschen) für die treuen Dienste, die es uns als Sekundant in der gegenwärtigen Lage geleistet hat. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.)"

Politische Umschau.

Da- Geheimnis bet russischen Balkanpolitik.

Aus Petersburg mrd einem Berliner Blatte von hochgeschätzter Seite geschrieben:

Einiges Licht auf die widerspruchsvolle Hal­tung Rußlands, dos in Belgrad immer wieder offiziell zur Mäßigung mahnt, durch seine ganze zweideutige Haltung aber dem Kriegsfeuer der Serben immer wieder neue Nahrung zufiihtt, werfen Aeusserungen eines mit der Balkan­politik wohlvertrauten Diplomaten, de: sich folgendermassen mir gegenüber äußerte: Die Pläne Iswolskis zielen auf eine Aufrollung der slawischen Frage in Oesterreich-Ungarn hin, um diese Macht dauernd zu schwächen und an der Fortsetzung einer konsequenten Balkan­politik zu hindern. Iswolski weiß sehr wohl, daß Oesterreich-Ungarn in einem Kriege gegen Serbien nichts gewinnen kann. Dagegen wäre es die Vormacht auf der Balkanhalbinsel ge­worden, wenn eine gütliche Einigung mit Ser­bien gelungen wäre. Es hätte dann diese Macht, Bulgarien und auch Rumänien hinter sich ge­habt und Rußland völlig ausgeschaltet. Um dies zu verhindern, treibt Russland die Serben in den Krieg. Es muss Serbien dauernd mit Oesterreich-Ungarn entzweien und macht Bul­garien mißtrauisch. T-nn rechnet Jswolki aber weiter mit der Entflammung der slawi­schen Leidenschaften in Oesterreich-Ungarn sel­ber In den Herzen der Bosniaken. Slawonker, der Tschechen soll ein Stachel zurückbleiben, und ebenso selbst soll ein überwundenes Serbien immer noch ein gefährlicher Nachbar der Donau« Monarchie bleiben und zu einem bedeutsamen Faktor in der russischen Rechnung werden. Eine friedliche Einigung Serbiens mit Oesterreich- Ungarn hatte Rußlands Aussichten aus der Balkanhalbinsel auf Jahre vernichtet. Deshalb hat die russische Diplomatie planmäßig aus ben Krieg hingearbeitet. Selbst wenn eine Eiing- ung noch in letzter Stunde gelingt, hätte Is­wolski den erstrebten Zweck durch die weit­gehende Verhetzung schon im grossen und gan­zen erreicht. Den Serben soll übrigens von Russland ein Bandenkrrea bei möglichster Ver­meidung einer offenen Feldschlacht angeraten worden sein."

Die Ausstandsbewegunq bet französischen Post­beamte».

Das Urteil b«t Kammer.

Paris, 19. März. Vor ben Zugängen zum Palais Bourbon war ein starker Sicher­heitsdienst eingerichtet. Die Tribünen sind über, füllt der Saal vollbesetzt. Zahlreiche Postbe­amte wohnen der Sitzung bei. Der Präsident eröffnete die Sitzung gegen 3 Uhr. Unter Un« ruhe des Hauses appellierte Leroy (radikaler Republikaner) an die Wachmmkett der Regier

nende Entschädigung vorzüglich wieder her. Von ähnlichem Schlage war Voebel ,ein tüch­tiger Schlossermeister, der Freund der ununter­brochenen, selbsttätigen Fortbewegung, de- un. erfundenen Kraft der Zukunft. Er baute vor etwa vierzig Jahren einen hochrädrigen Dampf- wagen wohl das erste Automobil, mit dem er mehrmals das 30 Kilometer entfefnte Marburg besuchte. Leider bemühte sich nie» mand, die Erfindung zu verwerten. Und doch würden die Dümmer dieses Kraftwagens, falls sie noch vorhanden wären, eine Rarität in bem seit einigen Jahren, auf dem hinter der Stadl auf dem hohen Schloßberge sich erhebenden Schlosse, eingerichteten Heimatmuseum abgeben. Auch das Schloss hatmanchen Sturm erlebt; trotzdem ist es noch wohl erhalten. Erbaut wurde es 1293 von Otto, dem Sohne des Land­grafen Heinrich L, vielleicht auch früher. Jener Otto war hier von feinem Vater zur Strafe dafür interniert, weil er sich von mehreren Städten Oberhessens hatte huldigen lassen. Landgraf Ludwig I., der Friedsame (1443 bis 1458) schlug 1414 bei Herborn den Grafen von Nassau und brachte einen Teil bet ®cfari9enen auf hnc hiesige Schloß. dreißigjährigen Kriege 'hatte es von ben S.mveden, m» steb-n- jährigen Kriege von den Franzosen zu leiden. Noch 1727 wohnte ein besonderer Schlogwachter darin und 1847 wurde der gut erhaltene Turm wiede'rhergestellt: et bietet einen vorzüglichen Rundblick, vor allem in das Lahntal. Umgeben ist das Schloß von Ringmauern mit Zinne und Flankentürmchen. Von ben brei Teilen der inneren Burg ist außer dem vorderen Hof um dem Zwinger vor allem die Palla» zu «wäh-