schließen, auf dem anderen Wege, nämlich durch Notifizierung der internationalen Zustimmung an das Wiener Kabinett, in das geltende Völ- kerrecht aufnehmen zu lassen, so daß die Konferenz aus formalen Gründen wahrscheinlich nicht sobald zusammentrete« würde. Dieselbe Erwäg, ung empfiehlt ebenso sehr den — wie es heißt — von Italien ausgehenden Gedanke» der Be» schränkung der Konferenz auf weniger Punkte ato ursprünglich im Programm enthalten «raren, zur Berückstchttgung, umso mehr, als er auch de« Stimmungen in maßgebenden englischen Kreisen entgegenkommt, die ebenfalls einer uferlosen Konferenz nicht geneigt scheinen.
lleber den oben erwähnten italienischen Konferenzvorschlag wird berichtet:
W i e n, 18. März. Der italienische Botschafter am Wiener Hofe, Herzog von Avarna überreichte gestern Abend dem Freiherr» v. Aehren- thal namens der italienischen Regierung einen neuen Konferenzvorschlag. Dieser Vorschlag geht auf die Wünsche Oesterreich-Ungarns hinsichtlich der Konferenz ein. Namens der italienischen Regierung schlägt Tittont vor, daß das Konferenzprogramm folgend« Punkte enthalten soll: 1. Registrierung der bereits abgeschlossenen österreichisch-türkischen und der bulgarisch-türkischen Entente.. Dadurch würde bei einer Konferenz jede Debatte entfallen. 2. Modifikation des Artikels 29 des Berliner Vertrages. 3. Einfache Konstatierung, daß Serbien nach einer früher abgegebenen Erklärung keine Ansprüche erhebt. Rach dieser Konstatierung würde sich keine Notwendigkeit mehr ergeben, auf einer Konferenz die serbische Frage zu besprechen. Dieser italienische Vorschlag hat in den diplomatischen Kreisen Oesterreichs eine sehr sympathische Aufnahme gefunden.
Sofia, 18. März. Wie aus Regierungskreisen verlautet, hat die bulgarische Regierung die russische Regierung ersucht, den übrigen Großmächten die sofortige Anerkennung Bulgariens vorzuschlagen. Nachdem die Kompensationsfrage bereits im Prinzip entschieden ist. Vertrauenswürdigen Nachrichten aus Cettinje zufolge soll die montenegrinische Brigade mobil gemacht und gegen Spizza dirigiert worden sein.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 22.
Marburg
Sonnabend 20. März 1909
Politische Umschau.
Das ungarische Abgeordnetenhaus und der deutsche Kaiser.
Budapest, 18. März. Eine Interpellation des Abgeordneten Nikolaus Szemers gab in der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses Anlaß zu lebhaften Ovationen für den deutschen Kaiser. Szemers richtete an den Ministerpräsidenten die Frage, ob er geneigt sei, seinen Einfluß auf die Leitung der auswärtigen Politik dahin geltend zu machen, daß diese nicht in Passivität verharre, sondern aktive Politik mache. Redner führte aus, wir brauchen vor dem europäischen Konzert nicht zu erschrecken. Italien wird den Dreibund nicht sprengen. Deutschland
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Settagen:,Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhalbmgsbellage) und „Landwirtschaftliche Benage,
Aus dem Reichstag.
Der Reichstag setzte in seiner 227. Sitzung die Beratung des Militäretats fort. Abg. Liebermann v. Sonnenberg (dsoz.) verteidigte unser Heer gegen die bisherigen Angriffe auf das wärmste und mahnt daran, daß wir immer gerüstet sein sollen, denn die Schicksalsstunde werde schlagen, in der wir zu zeigen haben würden, daß wir Gefahren gewachsen seien. Darum solle nicht falsche Sparsamkeit geübt werden; das mögen namentlich Laien, wie Dr. Müller (Meiningens nicht übersehen. Im großen und ganzen stimmt der Redner den gestrigen Ausführungen des Kriegsministers zu. Schließlich wendet er sich scharf gegen die Phantastereien der Sozialdemokratie. Der Pole Brandvs spottet über die Hurrastimmung bei der Militärdebatte und bringt die alten polnischen Klagelieder vor. Bezeichnenderweise protestiert er gegen die Ansicht, die polnischen Zeitungen hetzten die Soldaten auf; dagegen gibt er zu, daß diese Blätter die polnischen Soldaten ermahnen, Polen zu bleiben. Abg. Schrader (freis. Vgg.s wünscht, daß verschiedene Mängel abgestellt werden und erörtert in aller Breite den Fall eines Hamburger Reserveoffiziers, der aufgefordert hatte, für einen Sozialdemokraten zu stimmen und deshalb ehrengerichtlich gemaßregelt worden war. Nachdem darauf Abg. Storz (südd. Vp.) dem „zurücktretenden Kollegen" Bebel zu seinem heutigen vierzigfährigen parlamentarischen Jubiläum seine Sympathien ausgesprochen, redet Kriegsminister
Die Orientkrisis.
f Es liegen heute bereits wesentlich friedlichere Meldungen vor. Insbesondere wird der Gedanke einer begrenzten Konferenz eifrig erwogen:
>. Paris, 18. März. Die „Agence Havas" meldet au» Belgrad: Nach umlaufenden Gerüch- ften wäre die serbisch« Regierung geneigt, hin- !-sichtlich der Antwort, die sie nach dem neuen ! Schritt des Grafen Forgach an Oefterreich-Un- !garn richten wird, sich den Anregungen der Mächte zu fügen. Wie es heißt, wäre sie auch - bereit, abzurüsten, falls ihr di« Mächte dazu ragten sollten.
' London, 18. März. In' Beantwortung seiner Anfrage int Unterhaus betreffend die vor- ^geschlagene euroväische Balkankonferenz erklärte ^der Staatssekretär Sir Edward Grey, die bri« ^tische Regi^vng habe immer daran festgehalten, daß bez"g"ch der strittigen Fragen eine vor- !hörige £>*rf<!T*biqung zwischen allen Mächten ge- ,'trofien f-rdrn sollte, bevor die Konferenz ein- berusen wird. Die Verhandlungen find noch im ^Ganoe. Ich bin außer Stand«, zur Zeit andere .Mitteilungen zu machen.
Wie«, 17. März. Das „Fremdenblatt" schreibt: Oesterreich-Ungarn stellt fich einer Konferenz nicht grundsätzlich entgegen, da es auch seinen Absichten und Wünschen entspricht, die Abänderung des Artikels 25 des Berliner Vertrages rechtlich durch internationale Abmachung z« signalisieren. Wir leiteten unsererseits eine derartige Behandlung der Bosnischen Angelegenheit seitens der Berliner Signatarmächte durch die Mitteilung des Entente-Protokolls an die Kabinette in die Wege und bekundeten durch diesen Vorgang den Ernst unserer Absichten ebenso deutlich, wie wir diejenigen Rücksichten walten ließen, welche sich aus der Zuständigkeit der Mächte hinsichtlich der Bestimmungen des Berliner Vertrages als politisches Gebot ergaben. Unsere Auffassung ist, daß für jeden einzelnen Puntt des Konferenzprogrammes eine Formel fixiert werden soll, worüber alle Mächte auf dem Wege der Vorverhandlungen fich einigen müßten, so daß ihre glatte Annahm« auf der Konferenz selbst gesichert und die Gefahr einer Divergenz der Auffassungen und weitere Komplikationen, die sich viell--'cht daraus ergeben könnten, absolut ausgeschlossen wären. Für die bosnische Angelegenheit ist, nachdem aye Mächte unserem llebereinkommen mit der Türket zu- zuftimme» bereit find, di« Formel die gegebene und sie kann ohne Mühe, entsprechend dem ersten Absatz des Entente-Protokolls, einwandfrei testiert werden. Es ist eine unseres Erachtens so einfache, eines schwerfälligen, diplomatischen Apparates kaum bedürftige Angelegenheit, daß die Frage entsteht, ob es nicht prattischer wäre, diese Formel, statt sie durch eine Konferenz zu be-
obw deren Kaum 15 Pfennig, für Reklamm» 80 Pstnntg. — ii Afafirrt
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der Post- und Telegraphenverwaltung, die «och dem Militärdienst unterstehen, mobiltstett «»erde« sollen. Die Folge dieses Gesetzentwurf« wäre, daß diejenigen Post- und Telegrr.phen- angestellten, welche den Dienst verweigern, vor das Kriegsgericht gestellt werden können.
Der Streik droht, fich über ganz Frankreich auszudehnen, wie folgende Meldung zeigt: Infolge des Ausstand« der Telegraphen- und Telephonbeamten sowie derBriefträger herrscht allgemeine Verwirrung. Fünf Millionen Briefe liege« da, ohne befördert zu werden. Die Bewegung dchnt sich nack allen Zentren Frankreichs aus. In den meisten großen Städten ist der Eeneralausstand beschlossen. Die Militär- telegraphiste« find ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Tausende vo« Depeschen werden mit der Eisenbahn über die Grenze geschickt und dann erst weiter telegraphiert. — Di« Post- und Tele- graphenbeamte« von Le Havre und Lille haben B verpflichtet, die Pariser Kollegen zu unter-
;en, die vo« Brest und Lyon haben sich für Ausstand erklätt.
Ueber die Maßnahme« der Regierung wird berichtet: In de« Couloirs der Kammer wird versichert, daß der Streikausschuß eine Resolution angenommen habe, nach der er sich verpflichtet, acht Beamte von de« geübtesten mit der Vermittlung der auswärttgen diplomatischen Depeschen zu betrauen, die der Verwaltung zur Verfügung gestellt werden sollen. — Die „Libertä" meldet, die Regierung habe Simyan aufgefordert, zu demissionieren, und Clemenceau habe sein« Demission in der Tasche, er wünsche jedoch nicht eher Konzessionen zu machen, als bis er das Vertrauensvotum der Kammer hat, auf das morgen rechnet. Dieselbe Zeitung weiß von Meinungsverschiedenheiten zwischen Simyan und Barthou zu be»- richten, die schon seit einiger Zeit beständen. Barthou und nicht Simyan werden morgen in der Kammer die Telegraphenverwaltung verteidigen.
steht uns zur Seit». Kaiser Wilhelm hält neben uns aus i« germanischer Treu«. Bei diese« Worte« brachen die Abgeordneten ohne Parteiunterschied in stürmische Cljenrufe auf Kaiser Wilhelm aus. Die Interpellation wurde vom Ministerpräsidenten in der heutige« Sitzung noch nicht beantwortet.
Die Erbanfallsteuer,
von der wir bereits kürzlich nach einem Referat der „Kreuzztg." berichteten, scheint, wie die „Post" schreibt, durchziidringen. In parlamentarischen Kreisen glaubt man jetzt positiv, daß die Frage der direkten Besteuerung bei der Steuerreform, obgleich letzter« in den verflossenen acht Tagen herzlich wenig vorwärts gekommen ist, fich auf die Erbanfallsteuer konzentrieren wird, für die auch wohl der Block mit wenigen Ausnahmen stimmen dürfte. Die Erbanfallsteuer vermeidet Härten, welche der Nachlaßsteuer anhaften insofern, als bei mehreren Erben der geringere Eteuerprozentsatz von dem be* rett- geteilten Eesamtvermögen erhoben wird, während bei der Nachlaßstener die Steuersumme lediglich mit Rücksicht auf den Gesamtbetrag und ohne Rücksicht auf die Teile, in die er nachher zerfällt, erhoben wird.
De, Streik de, Postbeamte« in Pari».
lleber den gegenwärttgen Stand des Streik« wird aus Paris gemeldet: Paris ist von der übrigen Welt fast vollständig abgeschnitten. Gestern wurden im ganzen 2000 Depeschen abgefertigt. Die Postbureaus, von denen eine ganze Anzahl geschlossen find, lehnen di« Annahme von Einschreibebriefen ab. Briefe nach dem Auslande werden nur vereinzelt besördert. Die Drucksachenboten haben die Arbeit eingestellt. Auch der Streik der Telephonistinnen ist fast allgemein geworden. Heute Rächt funktionierten etwa nur zehn Telephonlinien, darunter mehrere mit der Provinz und mit dem Auslande. Die Streikbewegung nimmt einen bedenklichen Umfang an. Die meisten Blätter erörtern im Tone großer Beunruhigung die in das gesamte öffentliche Leben tief einschneidenden Folgen des Post- und Telegraphenstreiks. Der morgigen Kammerverhandlung wird mit außerordentlicher Spannung entgegengesehen. Die gemäßigt republikanischen Blätter erklären, wenn der Ausstand siegt, so wäre das ebenso schlimm und ernst wie eine Revolution, denn dies würde bedeuten, daß von nun an in Frankreich das. Syndikatsregime die eigentliche Regierungsform ist. — Im Hauptpostamt kam es gestern zu heftigen Austritten, indem 600 Drucksachenboten die Briefträger von der Arbeit abhalten wollten. 200 Schutzleute und Gardisten wurden aufgeboten, um die Drucksachenboten aus dem Postgebäude zu entfernen. Die Bestellung der Vriefpost hat fast vollständig aufgehört. Man wird versuchen, die Beförderung der Briefsäcke und der Drucksachen, wie die Zustellung der Post in Paris mit Hilfe von Soldaten durchzuführen. In den Kammercouloirs wird das Gerücht verbreitet, daß die Regierung, um den Widerstand der Streikenden zu brechen, heute einen Gesetzentwurf einbringen wolle, durch roelchen die Angestellten
Man abonniert auf die täglich erscheinende ^)berhessrsche Zeitung" bei allen Postämter« und »msern ZertungSfteklen « ^8 ß7 Kirchhain und Bettet sowie bei unserer Expedition — Markt 21. ***• — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne
Bestellgeld), bei unser« ZettungSstellen und der Expedition 2 Mk.
6 (Nachdruck verboten.)
Gutervt.
Original-Roma« von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.
«Fortsetzung.»
Nachdem der Kaffee getrunken ist, erheben sich die Herren, um sich im Kartenzimmer an die von Janze aufgestellten Tische zu einem gemütlichen Spielchen niederzulassen. Es darf nie höher als zu einem Viertelkopeken in Holle gespielt werden, denn sagt der Hausherr: „Es hat keinen Sinn, wenn di« guten Freunde und Nachbarn fich untereinander da» Geld abjagen."
Schöningk grübelte sch«»eigsam darüber nach, wie er es anstellt, um mit seiner alten Freundin allein zu sein. Es ist bekannt, daß er sehr gern sein Partiechen macht, und es müßte auffallen, wenn er fich heute dem grünen Tische entzöge. Glücklicherweise hilft Rothenfeld ihm selbst aus der Patsche. „Du, Brüderchen," sagt er, „sei so gut und hilf der Mina bei Bereitung der Pfirfichbowle, niemand braut fi« so wie Du, nicht wahr, Du übernimmst es?"
„Mit tausend Freuden!" ruft Schöningk und verschwindet ins Speisezimmer, wohin die Baronin bereits gegangen ist. Er sucht sie in der anstoßenden Händkammer auf, aus der sie die Pfirsiche und den auf Eis gelegten Wein holen will. Dieser wirtschaftliche Raum ist der Stol^ der tüchtigen Wirtin, hier steht es luftig und sauber aus, die Vorräte Hallens füllen di« weißgescheuerten. langen Regale, stattliche Reihen von Töpfen und Gläsern, Flaschen und Fläschchen, di« allerlei Gutes und Lecker« für
den Gaumen enthalten, Säfte und Eingemach- t«, Gesalzenes und Geräuchertes ist hier wohl aufgespeichert, bis es in den Gebrauch kommt.
„Hilf mir, Dietrich." sagt Frau Wilhelmine, „diese Flasche muß entkorkt werden, hast Du einen Pfropfenzieher?"
„Jawohl, Minchen."
Schöningk zieht sei« Taschenmesser hervor und folgt der Bitt«.
„Es zieht aber entsetzlich," sagte er entschuldigend und schiebt den Riegel vor. Nun find sie allein und können nicht gestön werden, jetzt ist der gefürchtete Augenblick da.
Nichts ahnend, schält Frau von Rothenfeld die Pfirsiche, ihr köstlicher Duft durchzieht den Raum. Schöningks Hand zitterte, er gießt den Mosel in die große Bowle aus Eisglas und etwas von dem goldgelben Wein fließt daneben.
„Dein Hans Leopold bleibt wohl jetzt zu Hause?" fragt die Kinderlose und ihre Stimme klingt sehr leise.
„Ja — nein, ich weiß es nicht — ich — ich glaube, er will — er wird." stotterte Dietrich von Schöningk verwirrt, um bann sehr hastig herauszuplatzen, „ich muß Dir etwas sagen, liebes Minchen, mein Junge hat in Wien den Johann gesehen."
Frau von Rothenfeld ist sehr blaß geworden. sie steht mit weit aufgerissenen Augen da, als sähe sie einen Geist. Klirrend fällt der Teller mit den halbgeschälten Pfirsichen zu Boden. sie'selbst klammert fich an den Tisch und atmet schwer; Schöningk ist zu ihr getreten und legt den Arm stützend um sie. Es ist ganz still in der Handkammer, nur «ine Herbstfliege
summt am Fenster und in der alten Linde lärmen die Spatzen.
„Beruhige Dich Minchen," bittet Schöningk herzlich, „er lebt ja. er ist gesund, Han» Leopold versichert es."
Ein Schluchze« hebt die Brust der Mutter und die Tränen laufen Über ihre Wangen.
„Und er ist — er ist noch immer im Zirkus?" fragte sie.
„Ja, dort sah Hans Leopold ihn zuerst, später suchte Dein Sohn den meinen im Easthause auf. Johann, oder John Red, ist Direktor d« Zirkus, der unübertrefflich sein soll in seinen Leistungen."
„Und wie sah er aus, hat er sich verändert?"
Di« bleich gewordenen Lippe« stoße« es hervor, die Auge« der verlassenen Mutter hängen hungernd an dem Munde dessen, der ihr etwas von dem einstigen Liebling ihrer Seele, dem Stolz ihres zärtlichen Herzens erzählen kann.
Hans Leopold meint, et sähe älter als seine Jahre aus, sein aristokratisches Aeußeres verrate den Mann von Geburt. Leider wurde ihr Gespräch nach einigen Minuten unterbrochen durch die Wiener Bekannten meines Jungen."
Frau von Rothenfeld ließ das Haupt finken.
„Und das ist all«," murmelt« st«, „ich hofft« mehr zu hören "
„Minchen, Du sollst «. Wenn Du mir versprichst, ganz ruhig zu bleiben so werde ich Dir etwas geben; hier diesen Bries von Johann versprach Hans Leopold zu besorgen."
Hastig ergriff die Baronin das kostbar« Schreiben; sie preßte es an die Brust und ließ es dann in die Tasche gleiten, dann öffnete sie die Handkammertür etwa», dem» di« taute
Stimme ihres Mannes rief nach dem Diener und fein schwerer Schritt kam die Stufen zum Eßzimmer hinunter. Schöningk goß die letzte Flasche Wein in di« dickbauchige Glasbowle, als der Hausherr den Kopf zur Tür hineinsteckte.
„Nun, wie gerät Dein Kunstwerk?" fragte er lachend. Während dessen schlüpfte Frau Wil- helmine hinaus und die beiden Herren schmückten und verbesserten, taten das Eis hinein und prüften, bis beide die Mischung für äußerst gelungen erklärten und fich in das Kartenzimmer begaben, das bereits dichter, blauet Tabaksrauch erfüllt«.
Wie gerne wäre Wilhelmine von Rothenfeld mit ihrem Schatz in ihr still« Zimmer geeilt und hätte auf der Stelle den Brief ihr« Kindes gelesen, aber fie mußte vorher Uju Pflichten als sorgsame Hausfrau erfüllen uni» den Silberschatz der Familie in großen mit samischem Ledet gefütterten Kasten verschließen. Das alte Kristall wurde verwahrt und die Befehle der Baronin an die Dienstboten klangen sachgemäß und klar. Zum Schluß ging Wilhelmine von Rothenfeld in die untere Etage und sah in den Gastzimmern nach, ob all« in Ord» nung war, denn die lettischen Mäade bedurfte» der Aufsicht und waren oft nachlässig.
Und nun endlich ist alles besorgt, nun geht die Hausfrau durch di« Flucht der südliche« Zimmer, wie ein todwundes Edelwild sehnt fi« sich nach einem verborgenen Plätzchen wo st« sicher vor Störung ist. Sie öffnet eine hoh« Flügeltüre, deren zweite Hälft« geschloss«» ist, fi« drückt die Klinke hinter fich zu. .
„Allein, Gott Lob allein!" T
(Fortsetzung folgt) V