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schuldig.

3» England

ist es nicht minder eine nationale, wenn ein Führer einer großen Partei die Ehrenstellung und das Ansehen des Abgeordneten dazu miß­braucht, um in einer Wahlversammlung den ersten Beamten des Reiches der Felonie gegen den Kaiser und der Pslichtvergessenheit gegen das Volk zu zeihen. Für seine Dürener Rede ist Praschma dem Kaiser, dem Kanzler und auch dem deutschen Volke Rechenschaft und Beweise

hat eine große Flottendebatte im Unterhaus wiederum die Gemüter aufs heftigste erregt, als es fich darum handelte, das neue Flottenpro­gramm durchzubringen. Es ist selbstverständ­lich, daß der Hinweis auf Deutschlands Flotten­programm dabei die Hauptrolle spielte. Das interessanteste an der Debatte waren wohl die Ausführungen des Premierministers Asquith über den Versuch eines deutsch-englischen Flot­tenabkommens. Er bestätigte, daß von der eng­lischen Regierung bei der deutschen angefragt sei, ob diese auf eine Abmachung zur gegenseitigen Beschränkung der Flotte eingehen würde, und daß die deutsche Regierung dies abgelehnt habe mit der Begründung, daß der Flottenbau Deutschlands sich einzig und allein nach den eige­nen Bedürfnissen richte.

Staatssekretäe v. Tirvitz über die deutsche Marine.

Bei der Beratung des Marine-Etats in der Budaetkommission des Reichstages legte gestern der Staatssekretär des Reichsmarine-Amts leine Anschauungen, über die Aufgaben und den Aus­bau unserer Flotte dar. Seine Ausführungen sind um so interessanter, als in der vorgeftriaen Sitzung des englischen Unterhauses die gleichen Fragen behandelt würden. Wie vorgestern Mc Kenna und Asanitb auf die deutsche Sckiffsbau- politik, bezog sich Staatssekretär v. Titpitz heute auf die englischen Floltenpläne. Er sagte, an- knüvfend an die bekannten Auslastungen des englischen Admirals Gastier, etwa folgendes:

Wir würden im Jahre 1912, und zwar dem Programm nach erst im 5>erbst dieses Jahres nicht 17, sondern nur 13 soqenan"te Dread- nouohts und Jnvincibles haben. Auf Grund welcher Angaben in England andere Zahlen genannt seien, entziehe stch seiner Kenntnis. Ealsters Auslastungen hätten nur teilweise in der Öffentlichkeit. durchaus aber nickt in der Marine, Beunruhigung erregt. Was den Kleinkrieg betreffe, so müste er auf den Ausbau unserer Torpedobootsstreitkräfte und die aus den Etats ersichtlicke Aufwendung von Mitteln für das Minenwelen Hinweisen. Der Unter­seebootsfrage hätten Frankreich und England aus militärischen und geographischen Gründen von vornherein anders gegenüberstehen müsten als wir. Sobald es aber möglich war, bat die Marineverwaltunq keinen Auaenblick mit kei­ner Einführung aezögert. Betreffs des Zu­standes und Ausbaues unserer Küstenbefestig­ungen lei Admiral Ealster auch vielfach in irr­tümlicher Austastung.

Admiral Thomsen drückte sich in sebr loben­der Weise über die sottifikatorische Busgestal­

Marburg

Freit-, 19. März 1909.

Politische Umschau.

Ein Borstoß gegen den Fürste« Bülow.

Graf Praschma, der Vorsitzende der Zen- ttumsfraktion des Landtages, bat in Düren am vorigen Sonntag eine Rede gebalten, in der er zunächst eine Menoe Klatsch über das Verhält­nis des Fürsten Bülow zum Kaiser wiederqab, woran er die Folgerung knüpfte, daß das Dinae seien,die untere innere und äußere Politik nickt in angenehmem Lichte ersckeinen lasten". Weiter ist es für Pralckma ausgemacht, ja, es besteht für ihn kein Zweifel und ..niemand leug­net ernstlich, daß der Kanzler selber das größte Hindernis für das Zustandekommen der Finanz­reform im Reiche ist". Somit lautet sein End­urteil über Bülow:Ich glaube allerdings, daß auf die Dauer die maßgebende Stelle, die über sein Bleiben zu entsckeiden hat und auch die große Mehrheit des deutschen Volkes sich der Einsicht nicht verschließen wird, daß für seine Politik weder die Jnteresten der Krone noch die Jnteresten des Landes maßgebend sind, son­dern einzig und- allein leine persönlichen Jnter­esten, die Möglichkeit, sich im Amte zu halten. Das ist nationale Gefabr." DieKölnische Zei­tung" bemerkt hierzu: Praschma hat recht: wenn alles das wahr wäre, was er Bülow unterstellt, dann wäre besten Verbleiben im Amte eine nationale Gefahr; ist es aber nicht wahr, dann

Aus dem ReilMaae.

Der heutigen Sitzung, in der die Beratung des Militäretats fortgesetzt wurde, wohnte in der Hofloge Prinz August Wilhelm bei.

Abg. von Burrn lkons.f hielt die zweiiähr,ge Dienstzeit für die Kavallerie für nickt durckstibrbar. @8 sei anzuerkennen, daß der Mil'^äretat zirka 20 Millionen niedriger ist, als der voriährige. Den wei­teren Abstricken der Budaetkommission könne er nicht

zur Erörterung der bosnischen Angelegenheit hervorgeholt hat. Die Situation erscheint ihm aber doch etwas zu gefährlich denn nach einer letzten Meldung derFranks. Ztg." bläst es jetzt zum Rückzüge, da es kategorisch erklärt, stch in keinen Krieg einzumischen. In diesem Sinne scheint auch der russische Gesandte in Belgrad gewirtt zu haben, der Serbien darauf hinwies, den Wünschen Oesterreich-Ungarns möglichst entqegenzukommen. Rußland will auf keinen Fall in einen Krieg verwickelt werden, und diele Vorsicht dürfte in der augen­blicklichen Situation von größtem Werte sein, da sie zu einer Ver­hütung des Konfliktes beiträgt, da ohne de« Rückhalt an Rußland Serbien sich schwerlich zu einem Kriege verstehen wird. So ernst also die Lage ist. besteht doch noch die Hoffnung, daß ein Krieg vermieden wird.

Oesterreich, das bei diesem Kriege nichts zu gewinnen hat, hat allerdings das lebhafteste Jntereste daran, den Krieg zu vermeiden, und dazu sckeint man auch trotz aller dem Ernst der Lage entlorechenden Rüstunaen in den leiten­de« Kreise« aeneiat zu sein, wie folgende Meldung zeigt: In der gestern im Abaeord- netenbause aboehaltenen Obmännerkonferenz erklärte Ministerpräsident Bienerth auf eine Anfrage es handle sich jetzt darum, daß die ser­bische Antwort von österreichisch-ungarischer Seite wieder beantwortet werde. Dann erst werde sick die Weiterentwicklung der Dinge er­geben. Er werde jede Geleoenbeit benutzen, das Haus über de« Stand der Dinge zu in- fnreieren. Die Situation sei zweifellos ernst, tne-\ man auch hoffen könne, daß schließlich die Lösung eine friedliche sein werde.

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Die Lage auf dem Balkan

S noch immer eine sehr gespannte. Sowohl in esterreich als in Serbien wird fortgesetzt ge­mistet. Es liegen darüber verschiedene Mel­dungen vor.

Wien, 16. März. Den Ernst der Lage wnnzeichnet folgendes amtliche Aviso, das im Laufe des heutigen Tages zweimal durch die PolizetkorrrespondenzWilhelm" den Wiener Blattern zugestellt wurde. Es hat folgenden Wortlaut: Die löbliche Redaktion wird darauf aufmerksam gemacht, daß Mitteilungen über Truppenbenregungen, Standesergänzungen, Verschiebung und Verlegung von Regimentern und Bataillonen bei Gefahr der Konfiskation unstatthaft find.

Wien, 16. März. Wie aus militärischen Kreisen verlautet, werden nicht nur die bereits genannten fünf Armeekorps, sondern noch zwei weitere, allo im ganze« sieben mobilisiere (Die österreichisch-ungarische Armee zählt im ganzen 15 Armeekorps.)

W i e n. 17. März. Die Hauptstadt steht unter dem Eindruck der Mobilisierungsmaß­regeln. Vis jetzt haben 14 000 Mann Reser­ven von dem 2. Korps (Wien) die Einbe- rusungsorder erhalten.

B r ü s f e l. 16. März. Serbien hat hier 15 Tonnen Schießpulver bestellt und die Verant­wortung dafür übernommen, daß es von Seite« der türkischen Regierung die Erlaubnis zur Einfuhr über Saloniki Ristovac erhalte

V e l g r a d, 17. März. Das zweite Aufge­bot ist nunmehr vollständig zu den Waffen be. rufe« worden, und alles bereitet sich nach wie vor mit fieberhafter Hast für den Krieg vor.

Belgrad, 17. März. Kronprinz Georg, welcher sich |« den letzten Tagen fast ausschließ­lich in der Kaserne desjenigen Infanterie- Regimentes aufgehalten hat, er als Haupt­mann dient, hielt wiederum eine seiner be­rühmten Reden. Er sagte u. a.: Die Führer der serbische« Armee find fest entscklosie«, keine Demütigung der Armee und des Volkes zuzu­lassen, solange noch der letzte serbische Soldat unter Waffen steht.

Wien. 17. März. Die Meldung, daß die in Wien studierenden serbischen Studenten in einem hiesigen Internat für bosnische.Hoch­schüler geheime Beratungen abhielten, um den eingerückten Freiwilligen geheime Jnstruktto- «e« für de« Fall eines Krieges mit Serbien zugehe« x» lassen, wird von maßgebender Seite als gänzlich unbegründet bezeichnet.

Saloniki, 17. März. Aus dem Sand­schak einlaufende Meldungen stelle« fest, daß von serbischer Seite die Bewaffnung der Bauer« a« der Grenze fortgesetzt wird und daß an dieselben Dynamitbomben verteilt werden. Weitere vier Bataillone gehen nach dem Sand­schak ab.

Ma« kann stch des Eindruckes nicht erwehren, daß Serbien sich bei dielen aussichtslosen Kriegs- aspiratione« nur auf Rußland verläßt. Das dieses nur zu aern dem Rivalen auf dem Bal­kan, Oesterreich-Ungar«, ein Bei« stellte, ist klar. Anders ist eg auch nicht aufzufasien, wen« Rußland jetzt noch einmal den Konferenzplan

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und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbellage) undLandwirtschaftliche Berlage

tung Cuxhavens aus. Gerade die Maßnahmen der Marineverwaltung seien geeignet auch dis Kriegführung zu ermöglichen, die Admiral Gal- ster so sehr bevorzuge. Darauf macht der Staatssekretär unter Anführung von Bei­spielen aus der Seekriegsgrschichte nähere Aus­führungen über das Wesen der Torpedoboots­taktik und die Vorbedingungen für eine aus­sichtsreiche Verwendung von Torpedobooten. Im Zusammenhang mit der Frage der Kleinkrieg­führung aber stehe immer diejenige einer aus­reichend starken Schlachtflotte. Ohne diese sei eben auch jene undenkbar oder sinn- und er­folglos. (Mehrfacher Beifall.)

Der Staatssekretär stellte noch wiederholt fest, daß England mit einem Vorschlag zur Ab­rüstung nicht an uns herangetreten ist.

Ein Vertreter der Reichspartei verteidigt« in längeren Ausführungen die verschiedenen Maßnahmen der Marineverwaltung. Es sei leickt für jemand, sich über Flottenfragen zu verständigen, wenn er eine alles überragende Flotte besitze. Unser Flottenprogramm seh« übrigens gar keine zahlenmäßige Verstärkung vor Jedes neue deutsche brauchbare Schiff sei eine Garantie für die Erhaltung des Friedens. Wir müßten durchaus und gerade jetzt am Flottenprogramm festhalten.

Staatssekretär v Ttrpitz erklärte ferner, so- weit es sich übersehen ließe, würde die Flotte ihrer gesetzmäßigen Starke nach der Sicherung des Friedens auf absehbare Zeit genügem Schon setzt macke sich seiner Heberzeugung «ach die politische Wirkung unserer Flotte in gün­stiger Weise geltend..

Morgen wird diese Erörterung fortgesetzt werden.

Die ganze Territorialarmee fahrt Rad!

DerStandard" berichtet, daß die ganze Ter­ritorialarmee mit Aiichvahme der Artillerie und Beomanry in Zukunft das Rod als Beför­derungsmittel benutzt Man sieht in dieser handhabe große Vorzüge. Die regulären Trup­pen und die Kriegsvorräte werden dann nur auf der Eisenbahn befördert, und man kann so schnell eine große Armee an den gefährlichen Stelle« zuiamme« bekommen. Der Via« findet in maßgebende« Kreisen großen Anklang. Die größte Freude werden wohl die englischen Fahrradfabrike« haben.

Die MutttrpNichte«.

ImVorwärts" ist folgendes zu lesen:Die Pflicht gegen die Kinder verlangt nickt, daß die Frauen kleinlichen Bedenke« «achqehe«. Das Wohl der Kinder verlangt vielmehr, daß sie sich organisiere«. Wenn sie das tun, haben sie ihre Muttervflichten ganz erfüllt.,, Kom­mentar überflüssig.

z lRachdruck verboten.)

Enterbt.

Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.

ftforHefcuna.i

Run ist unser Glück dahin, nun haben wir keine Kinder mehr," stöhnte der Baro« und in finsterem Grübeln saß er in seinem Zimmer, in der Löwenhöhle, wie et dieses Gemach oft scherzend nannte. Und in dielen schweren Ta­gen, da stützte das schwächere Weib den Mann, da legte fick die warme, weiche Hand sänstigend auf des Gebeugte« Haupt, da gab sie aus dem reiche« Bor« ihres goldene« Herzens und er wurde der Abhängige, bet Empfangende.

Ja. das ist so echte Frauenart und in den baltische« Provinzen gibt es solche Frauen, die «och nicht von der modernen Richtung Ange­kränkelt find, die nichts von Frauen-Emanzipa- tion wißen und eben nur Frauen sei« wollen, um darin ihr Recht und ihren Beruf zu finden. Seit dem Tode ihres Töchterchens trug Frau von Rothenfeld nut noch schwarze Kleidet, auch heute ist sie in schwarze Kleider gehüllt, die etwas volle Gestalt bewegt sich frei und anmutig und das weiße Haar ist mit einem feinen Spitzenhäubchen bedeckt.

Nachdem Hausherr und Hausfrau fich über­zeugt daß die Tafel in Ordnung ist, gehen sie die Stufen vom Speisezimmer zum Saal hin­auf, um ihre Gäste zu erwarten. Es schallt in dem hohle« Raum, jeder Tritt, jedes Wort klingt doppelt laut. Jetzt erscheinen die Gäste und begrüßen die Baronin. Sie ist die einzige Dame, und ihr alter Freund Schöningk-Troska reicht ihr de« Arm und führt sie zu Tisch, in­dem der Diener Janze die Flügeltüren öffnet

und in lettischer Sprache mit großer Würde zum Ellen bittet. Die Jäaer haben den Maidmanns- anzug abgelegt und sind im bequemen Hausrock, denn Rothenfeld haßt für sich selbst de« sooe- «anntenBratenrock" und gestattet ihn nicht an feiner gastfreien Tafel, außer zu ganz be­sonders festlichen Gelegenheiten, z. B. am Reu- jahrstage, oder am ersten Ostertage, an dem sich die Nachbar« gern in Holle« versammel«.

Auf einem zweiten Tisch ist der Imbiß ver­lockend vorbereitet, der goldgelbe, selbstverfer- tigte Pommeranzenschnaps funkelt einladend in der großen, geschliffenen Krystallkaraffe, da­neben steht der kräftige Kümmel- und der Piel- beerenbranntwein, damit ein jeder nach seinem Geschmack wühle« kann. Eine große Schüße! mit goldgelbem Speckkuchen findet allgemeine« Beifall, bann gibt es noch viel Avpetitreizen- bes, eine köstliche Hasenpastete mit pikanter Sauce Heringspfännchen unb geriebene« Ret­tig mit saurer Sahne usw. Eine verhältnis­mäßig lange Pause tritt im Gespräch ein, alle find hungrig und bet Magen verlangt herrisch ein Recht.

Prost Brüderchen,"Dein Wohl Alter."

So ttinken sich die Nachbarn zu unb Baron Mandau sagt, indem et den letzten Speckkuchen erwischt: Ihr Schnaps ist deliciös, gnädige Frau, süß und mollig zugleich."

Janze stellt eben die große, silberne Suppen­schüssel auf den Tisch und alle setzen sich jetzt erst auf ihre Plätze an die eigentliche Tafel, Schöningk neben der Hausfrau, bet Baron Rothenfeld am unteren Ende der Tafel, ihm zur Linken Reckenstein und rechts Mandau, die übrigen verteilen sich je nach Gefallen zu bei­de« Seiten des gastlichen Tisches. Die schlechte Jagd hat im Walde allerdings etwas ver­

stimmend gewirtt, jetzt sehen alle Gesichter fröhlich aus, das Mabl winkt, später eine Par­tie Boston ober Bräserence, 5>azard wird in sollen nie geduldet eine Bowle unb gute Brewer Zigarre«, offenes Manneswort, da­zwischen ein derber Scherz- und humorvoller Witz ein prächtiges Programm für den Kurländer.

Das Speisezimmer auf Holle« ist eine Merk­würdigkeit. das Wavpe« des Freiberrn ist auf de« Lehnen der hohen Eichenstühle sckön ge­schnitzt zu feben, es prangt über der Wand am Eingang und ziert die silbernen Bestecke unb Suvpenschülleln. die vielen Rothenfelds gedient hoben. Keine moderne Tapete bedeckt die Wände, sie sind gelb getüncht und ringsherum sind die Sternbilder gemalt, darunter die zwölf Monate mit ibre« Attributen. Rur zwei große Fenster mit kleine« Scheibe« neben dem Taoeslickt Raum, sie sind so hoch, daß es einet Leiter bedarf, um sie zu öffne«. Hebet dem Eingang und unter dem gelb gemalten Wap­pen, das im feuerrote« Felde einen silbernen Löwe« zeigt, steht folgender Spruch:

Natur, du große Mutter, die du sorgst für deine Kinder,

Wie unvergleichlich sind deine Werke und wie schön."

Schwere, alte Büfette vo« Eichenbolz stehen an den Wände« des Hollensche« Speisesaals, sie find fast schwarz geworden vom langen Ge­brauch, denn sie stammen noch aus dem 18. Jahrhundert ein berühmter Kunsttischler aus Mitau hat sie gemacht. Eine stattliche Reihe meist schlecht gemalter Ahnenbildet blickt auf- die Jagdgesellschaft hernieder-, ^inst haben dieses Männer unb Frauen ebenfalls hier getafelt und ihre Stimmen füllten den weiten Raum. |

Das Esten ist schwer, es gehört ein recht kräftiger Magen dazu, um es ohne Beschwerden z« vertragen. Erft gibt es eine Erbsensuppe mit geräuchertem Schweinskopf, bann Bier- karpsen mit Meerettio-Sauce. Gänsebraten mit Sauerkohl unb schließlich eine Lieblingsfveise bet Kurländer: Apfelbubbing mit Grobbrot. Nach dem Eßen trinft man Kaffee unb wäh­rend der Mahlzeit gibt es Bier, Rotwein unb Madeira, ein köstlicher Tropfen, bet seit fünfzig Jahren im Keller reift und wie Del die Kehle hinunterrinnt. _ ,

Im Saal steht ein großer, runder Maha­gonitisch: um denselben sammelt sich die Jagd- gesellschaft und nimmt auf den verblichenen Brokat-Lehnstühlen Platz. SM et pflegt man den Kaffee zu trinken und die Baronin schentt eben die Porzellantaßen voll.

Schöningk kämpft seit einet Stunde mit einer immer steigenden Erregung, er sieht den Augenblick nahen, wo et den Brief des verlore­nen Sohnes bet Mutter geben muß unb er ist voll warmer Teilnahme für Frau von Rothen­feld. Es ist ein seltsames, schönes Freundsckafts. Verhältnis, das die beiden seit frühester Kind­heit verbindet. Nie hat sich eine Sput von Liebe, wie sie sonst zwilchen Mann und Weib bei ähnlichen Anläßen besteht, in diese« Bun» gemischt sie sind wie Geschwister und haben fich ihr ganzes Leben lang verstanden, haben tret zu einander gehalten in sonnigen und stürmi­schen Zeiten, zwei echte Freunde, die mit einan­der alt geworden find. Schöningk seit einige« Jahren Witwer und eine Nichte seiner Fra«, Baronesse Franziska von Dtachenstätt, führt den Haushalt, eine Dame von 34 Jahren.

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