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r mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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M 0.3 Kirchb ain und Wetter sowie bei unserer Expedition - Markt 21 , Druck und Verlag: Job. Äug. Koch, Unwersttättbuchdruckerei JUqtg«

",Der Bezugspreis betragt durch d« M>>t 2^> Mk ^obme DME§tclg 18. MttrZ 1909. Inhaber Dr. T. H.tzerotb, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Bestellgeld), bei «nfetn Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk. 2"" g'

Zweites Blatt.

1. Wär? 1871.

Der Einzug der Deutschen in Paris. Eelbstertebtes von Oberlehrer E. Hummel in Helmstedt.

Nach einer Belagerung von 149 Tagen und einem Waffenstillstände von 82 Tagen trat end­lich das heißersehnte Ereignis ein: der Einzug ;ber Deutschen in die schwer errungene feindliche Hauptstadt-.

Truppen des 11.. des 6. und des 2. bayeri­schen Korps waren dazu ausersehen, den west­lichen Teil von Paris mit etwa 30 000 Mann auf 14 Tage zu besetzen.

Al, am 17. September 1870 die in der Herbstsonne strahlende goldene Kuppel des Jnvalidendomes sich den erstaunten Blicken der in zahlreichen Schlachten erprobten deutschen Männer zeigte, da ahnte wohl keiner, daß der blutigen Gaben des Vaterlandes noch 25 000 nötig waren, um das fast gekrönte deutsche iktnigungswerk zum Abschluß zu bringen. Ja, um Pari, herum zieht sich ein Streifen deut- ichen Herzblutes, das lauter als alle Dar- tellungen die Taten der Belagerer preist. Der Lohn fOr die Sieger, der Einzug in die Stadt, wurde nur etwa von einem Neuntel der Be­lagerungsarmee, welche sich auf 270 000 Mann belief, zu teil. Von den erwäbnten drei Korps wurde auch nur ein Teil zum Einzuge bestimmt, weil di« Bewachung der Kantonnementsquar- ttere ein« große Anzahl Mannschaften erfor­derte. Von meinem Bataillon wurden 600 Mann zum Einzuge bestimmt. Der Rest sollte in Ehaville bleiben, wohin die aus Paris zu­rückkehrenden Truppen sich begeben sollten. Zu denjenigen, welche im Kantonnement zurück­bleiben sollten, ward leider auch ich bestimmt. Durch diesen Befehl war mir also die Teilnahme an dem großen Ereignis versagt. Völlig nieder­geschlagen begab ich mich zum Hauptmann und bat ihn, mich doch mit einziehen zu lassen. An­fangs wollte derselbe den Befehl nicht ändern; als ich aber auf den Einzug der Verbündeten im Jahre 1815 hinwies. der vor noch kaum zwei Jahren auf dem Gymnasium mein patriotisches Empfinden in nicht zu beschreibender Weise ge­troffen hätte, da ließ sich der gestrenge Herr, der noch am 19. Januar als erster mit dem Degen in der Faust in die Montretout-Schanze ge­sprungen war und so seine Kompagnie in wil­der Begeisterung mit fortgeriffen hatte, da ließ sich der Vater der Kompagnie erweichen und er­laubte mir mit einzuziehen. Keiner war fro­her al, ich, aber eine lleberraschung harrte meiner noch, von der ich keine Ahnung haben konnte. Denn unser Bataillon war, wie wir am letzten Februar erfuhren, dazu ausersehen, der einrückenden Arme als Quartiermacher zu diene« und als erste Truppe einzuziehen. So zogen wir denn am 28. Februar aus unserer, dem Fort Jsiq gegenüber gelegenen Stellung, die wir fünf Monate innegehabt hatten, am Mont Valerien vorbei, nach der Vorstadt Rueil, blieben daselbst während der Rächt und rückte« am 1. März, morgne, um 7 Uhr. in der Richtung nach Paris vor. Bald erreichten wir die Seine-Brücke bei Reuilly, die nach dem Triumphbogen führte. Kurz) vorher war eine Schwadron der Easseler Husaren zu uns ge­stoßen, welche sich an unsere Spitze setzte. Vor dem Triumphbogen sahen wir die Husaren link, abschwenken, was uns bald erklärt wer­den sollte.

Mein Bataillon, das erste des 2. Hessen- Nassauischen Infanterieregiments Nr. 88, wurde befehligt von dem Major von Heye, die 1. Kom­pagnie bei welcher ich stand, von dem Haupt­mann von Haza-Radlitz. Letzterer beauftragte mich mit der Führung der Spitze, wahrscheinlich schon um deswillen .weil er wußte, daß ich der französischen Sprache mächttg war. So kam es, daß ich als erster deutscher Fußsoldat Paris be­treten. Als ich mit meinen Leuten mich dem Triumphbogen nähette, bemerkte ich. daß der­selbe verrammelt war. Sofort schickte ich einen Man« mit der bezüglichen Meldung zum Ba­taillon. worauf dasselbe rechts um den Bogen herum und in die Rue Reuilly hinetnmar- schierte Dann wurde Halt gemacht und das Bataillon formierte sich zum Parademarsch in Kompagnie-Front.

Die Rue Reuilly ist so breit wie die Ltnden in Berlin find. Fünf- bis sechsstöckige pracht­volle Häuser zu beiden Seiten. Kein Mensch ließ stch sehen. Es war etwa y29 Uhr. Dumpf hallten die Tritte des Bataillons in der leeren Straße Man glaubte, t« eine Totenstadt etn- -uztehe« Etwa 100 Schritte vor dem Bataillon klärte die Spitze auf. Ein Mann links auf dem Bürgersteige ein Mann rechts ich selbst mitten in de, Straße. An den Straßenecken befanden sich große gelbe Plakate, welche den Parisern Berhaltungsmaßregeln geben sollten. Sie lau­

teten wöttlich nach meinem Tagebuch«: Pariser! Euer Verhalten sei durch Würde geregelt! Ganz Europa schaut heute auf Euch herab!

Gegen halb 10 Uhr langte das Bataillon, immer mit den größten Vorsichtsmaßregeln marschierend, durch die Rue Reuilly, welche sanft nach den Champs Elysees abfällt, am Place de la Eoncorde an. Hier nahm es Karree- Aufstellung. Rechts von uns floß die Seine, lag der Jndustriepalast, links der Cirque de l'Jmperatrice,, vor uns lagen die Tuilerien.

Die Bevölkerung war zur größten Ruhe er­mahnt worden und hatte sich dem Schauspiel an­fangs fern gehalten. Aber gegen 10 Uhr traten die Einwohner in großen Massen auf. Zunächst die Schuljugend, welche mit allerlei bunten Fähnchen in der Hand, Gassenhauer singend, das Bataillon umzogen. Danach aber erschienen nach und nach Tausende von Erwachsenen. Män­ner und Frauen. Unter den letzteren befanden sich auch Deutsche, welchen durck die Zernierung das Verlassen der Stadt abgeschnitten worden war. Sobald jemand den Truppen freundlich entaegenkam. wurde er von den Umstehenden gräßlich mißhandelt. Ein Dienstmädchen sprach einen unserer Leute an. Sofort wurde es um­ringt und zu Boden geworfen; dann wurde ihm Sand in die Augen gestreut, wurde es in die Höhe gehoben, unter entleblichem Geheul davon­getragen und in den Fluß geworfen, wo wir es mit den Wellen kämpfen und vor unseren Augen erttinken sahen. Ich habe nicht weniaer als drei solcher Opfer der Volkswut ins Wasser werfen sehen. Eine grenzenlose Wut bemäch­tigte sich unser bei diesem Anblicke. Am lieb­sten hätten wir Schnellfeuer auf die Bande ge­geben oder sie mit dem Bajonett niedergemacht. Aber KaltblLtiakeit war hier mebr denn je ge­boten. Die Volksmenge war wohl auf 30- bis 40 000 Personen angewachsen. Der große Platz war Kopf an Kopf gedrängt voll. Auf den Bäumen, den Denkmälern, den Gaskandelabern saßen die Burschen, johlend, pfeifend, ohrenzer­reißenden Lärm verursachend. Es war eine der gefährlichsten Situationen des ganzen Feldzu­ges für das Bataillon, welches in dieser Volks­menge eingekeilt war. Eine einzige unüber­legte Handlung und wir wären erdrückt worden. In der Mitte des Bataillons aber hielt der Major von Heye, hoch zu Roß, alles über­schauend, ohne mit der Wimper zu zucken, bereit, im Notfälle die nöttqen Befehle zur Abwehr zu etteilen. Wir konnten die Zeit nicht erwarten, bis andere Truppen einzoaen; jede Minute wurde durchkostet. Aber alles hat einmal ein Ende. So auch hier. Auf einmal sah man gegen 12 Uhr durch den Feldstecher Bewegung in der Umgegend des Triumphbogens. In blauen Linien zog es heran. Es waren die Bayern, welche zwei Batterien auffuhren und somit die Straße beherrschten. Unsere Brust erleichterte stch. Wo waren die Truvven so lange gewesen? Es sollte sich bald aufklären.

Der Kaiser hatte in Longchamp eine Parade Über die zum Einmarsch bestimmten Truppen abgehalten, an welcher der Kronprinz und alle deutschen Fürsten, welche in Frankreich waren, teilgenommen hatten. Run zogen gegen 30000 Mann in die Nue Reuilly ein. Die Augen aller waren nun auf das fi* vollziehende Schauspiel gerichtet. Eine nach Hundetten zählende Suite von Fürsten, Generalen und anderen Offizieren eröffnete den Reigen, welcher auf dem bekann­ten Bilde des Einzugs 1871 ziemlich genau wie­dergegeben ist. Darauf folgten mit klingendem Spiele das 2. bayerische, das 6. und 11. Armee­korps. So weit das Auge reichte, sah man Sol­daten und Zivilisten sich in dieser oroßen Straße drangen. Das denkbar schönste Wetter, ein echtes Käi^erwetter, begünstigte den Verlauf dieses glanzvollen Tages. Gegen 4 Uhr rückten die Truppen in die von der Kommandantur be­stimmten Räume ein.

Unser Regiment (88.) wurde mit dem 10 bayerischen Jägerbataillon in dem Cirque de l'Jmperatrice einquatttett. Als wir vor dem stattlichen Rundbau anlangten, fiel sofort auf, daß von der Aufschrift die vergoldeten Buch­stabenbe l'Jmperatrice" entfernt waren, was man deutlich an dem helleren Hintergründe der ehemaligen Lettern erkennen konnte. Der Haß gegen die am 4. September entthronten Rapo- leontden hatte die Pariser bis zu dieser Lächer­lichkeit sich versteigen lassen. Aber alle Achtung vor dem Inneren des Gebäudes, das in früheren glücklicheren Tagen neben der kaiserlichen Fa­milie die Ehre haben durste, das Eros der fran­zösischen Hautevolc-e bei ihren festlichen Spielen zu beherbergen. Allerdings spielten jetzt andere Spielleute de« Parisern auf. Und gespielt wurde, daß man sich vor Lachen nicht halten konnte; denn kaum hatte man stch auf den rot- sammetenen, das ganze amphitheatralische In­nere durchziehenden Diwans niedergelassen, als die Burschen der beritteten Offiziere mit den Pferden ihrer Herren in di« Arena «indrangen, und zwar nicht ganz kunstgerechte, aber das Zwerchfell erschütternde Etterche ausführten. In

den Pausen sang das kriegerische Publikum: Di« Wacht am Rhein, Deutschland, Deutschland über alles, Ich bin ein Preuße, in das die Bayern begeistert einsttmmten, unb dergleichen patrio­tische Gesänge mehr. An ein Schlafen war nicht zu denken, die Reste etwaiger flüssiger Verpfleg­ung gingen alle darauf, und als der Morgen hereinbrach, fand man das Publikum noch eben­so teilnahmsvoll, als wenn eine Premiere in jenem Hause zu stiedlicher Zeit gegeben worden wäre.

Inzwischen fand gegen 9 Uhr großer Zapfen­streich statt, welcher von allen Kapellen des 6. Korps ausgeführt wurde. Vor dem Hause des Generals von Kameke, des Gouverneurs von Paris, spielte sich dieser hochbedeutsame Att ab. Der General hielt eine auf das historische Er­eignis bezüglich« Red« und brachte auf den deut­schen Kaiser ein dreifaches Hoch aus, welches die Begeisterung auf den Höhepunkt trieb und den modernen Galliern den Schlachtruf der Germa­nen zu Eemüte brachte.

Am zweiten Tage des Aufenthaltes in Paris konnte man fast alle Truppengattungen des deutschen Vaterlandes vertreten sehen; denn Offiziere und Mannschaften der um Paris her- umlieaenden Truppenkörper, welche nicht das Glück hatten den Einzug mitzumachen, wurden nach Paris beurlaubt, kehrten abends aber wie­der in ihre Kantonnements zurück. Von den 70 000 Mann, welche gefechtsbereit standen für den Fall, daß die Pariser feindliche Zwischen­fälle beabsichtiaten. wurde niemand beurlaubt, ebenso wenig Mannschaften der Forts, welche bereit waren, einen Hagel von Granaten in die Straßen zu werfen, in welchen man versuchen würde, den Truppen feindlich gegenüberzu­treten.

Während nun die Truppen in den Quar­tieren außerhalb Paris ihre reguläre Verpfleg­ung genossen, ist es eine Tatsache, daß die Trup­pen in Paris nicht verpflegt wurden. Die Sache lag aber so: Unser Aufenthalt war auf längere Zeit angesetzt. Am zweiten Tage nach der Besetzung war aber aus Bordeaux die Nach­richt einoelaufen, daß die Nationalversammlung die deutschen Forderungen bewilligt habe, und der Friede definitiv geschlossen sei. Infolgedessen war der Ausmarsch sofort auf den dritten Tag festgesetzt und die unterwegs befindliche Bagage zurückbeordert worden.

So kam es, daß wir den eisernen Bestand angreifen durften, was im ganzen Feldzug für das Bataillon nur zweimal vorgekommen war. Ich für meine Person hatte mir auf alle Fälle aus dem Kantonnement eine fußlange Erbs­wurst mit genommen und verspeiste zu Ehren des historischen Ereignisses einen Teller voll Erbsensuppe nach dem anderen. Die Elysäischen Felder waren Zeuaen meiner Kock>kunst. Ueber einem selbstheraestellten Herde primitivster Art hing mein Feldkessel auf dem bekannten Gestell über dem Feuer, das mit Staketenholz aus den Anlagen unterhalten wurde. Als das Wasser brodelte, schnitt ich ein hinreichendes Stück Erbs­wurst (deren Herstellung übrigens im Lause des Feldzuges erst erfunden war) in den Kessel, gewahrte aber zunächst nicht, daß jemand der Manipulation zuschaute.Erlauben Sie. mein Herr, daß ich Sie frag«, was Sie da kochen?" Diele Worte veranlaßten mich, mich umzu­drehen. und ich sah mich gegenüber einer, wie es schien, distinguierten Französin, die mit der größten Verwunderung meinem Beginnen zu­schaute.Gewiß, mein Fräulein, warten Sie nur einen Augenblick, und Sie werden anerken­nen, daß das. was ich da koche, gut schmeckt." Mit diesen Worten nahm ich den Kessel vom Feuer, goß einen Teil seines duftenden In­haltes in den llntersatz. langte den Söffet aus dem Brotbeutel und forderte das Fräulein auf, zu kosten. Das ließ sie sich nicht zweimal sagen, und in wenigen Minuten war die Portton »er« zehrt. Sie war voll des Lobes Über das vor­zügliche Gericht; dagegen war es ihr unbegreif­lich. wie schnell die Prusstens eine so schnelle Suppe Herstellen konnten. Unter verbindfich- stem Danke gegen ihren Spender entfernte fie sich eiligst nach genossener Mahlzeit. Da di« Fälle häufiger vorkamen, daß di« Einwohner die Mahlzeiten mit den Soldaten teilten, so konnte man daraus ersehen, wie ausgehungett die Pariser durch die Belagerung waren.

Allgemein fiel den Franzosen das vorzügliche Aussehen der unserigen auf. So redete mich ein altes Mütterchen, bas auf einer Bank saß, auf bet ich auch Platz genommen hatte, mit ben Worten an:Wie kommt es, baß Ihre Solba« ten ein so gesundes Aussehen haben nach so vielen unb so großen Strapazen? Von unseren Vorposten find während der Belagerung viel« erfroren, unb sehr viele ftnb krank geworden und haben ein bleiches, eingefallenes Gesicht, während Ihre Soldaten alle tote Wangen haben?" Ich bestättgte ihr die Tatsache unb bemerkte nut, baß unseren Leuten ber fran­zösische Rotwein vorzüglich mundete. Eine Tat­sache ist es übrigens, baß bet Eefundheitszustanb

bet beutschen Truppen während bet Belagerung von Varis ein besserer gewesen ist, als in bet Garnison.

Den Rest bes zweiten Tages brachten wir bamit hin, verschiedene Sehenswürdigkeiten bet heiß errungenen Stabt, soweit wir dieselbe be­setzt hielten, in Augenschein zu nehmen. Al« das Bemerkenswetteste hebe ich ben Besuch bes Jnvaliden-Domes hervor, in welchem die sterb, lichen Ueberreste Napoleons I. beigesetzt sind Der Jnvaliden-Dom lag zwar nicht auf unsere» Seite bet Demarkationslinie, gleichwohl ris* fierte ich es mit einigen Kameraden, denselben zu bestchttgen. Hatten wir uns doch verschworen, ibm nach dem Falle bet Stadt einen Besuch ab. zustatten, so oft wir die Kirche mit der goldenen Kupvel von der Hohe von Meudon aus schauen konnten.

Welche Verwünschungen über den großen Frevler an unserem teuren Vaterlande waren schon Über meine Lippen gegangen, da ich noch alg Knabe die Schule besuchte und die Leidens­geschichte kennen lernte, welche von 1806 bis 1813 Über die deutschen Lande verhänat war. Jekt ssand ich, fast erdrückt von ber Wucht bes historischen Ereignisses, an bes Korsen Grab. Eine Flut von CSebanten burckizoq mein Hirn. Wunberbar« Gestalten umaaufeften bie Gruft Ans bet einen Seite erscheint Palms bluttaes Haupt Anbreas Hofer vor ben Gewehrläufen französischer Grenabiere des Herwas von Enahien entstelltes Anaesicht bie Scknllschen Offiziere auf ber Richtstätte bei Wefel. Auf bet anderen Seite bes Sarkophags sebe ich ben Kaiser Maximilian bas neuer« Opfer eines Napoleoniben, unb ven Leichnam bes Helbenher. zoas von Braunschweig. Im Hinterarunbe hebt st* bas brennenbe Moskau ab, erscheinen bi« Geistergestalten an ben Ufern bet Beresina. Ueber bem gesamten Phantafiegebilde aber thront schwebt Milde unb Trost spendend im Glorienalanze die Köniain Luise, ber z« Füßen zwei Ritter, Kaiser Wilhelm unb bet stolze deutsche Siegfried als Racher der ange­tanen Schmach, getreue Wacht halten.

Lange, lange Zeit muß es gewesen sein, daß wir an dieser Stelle gefesselt waren: denn bet Invalide, bet uns herumführte, bet Napoleon L noch gekannt hatte, mahnte uns zum Aufbruch. Nut schwer konnten wir uns von ber Ruhe­stätte bes Mannes trennen, der uns so unsäglich webe getan, ben bas Glück zwar auf bie höchste Spitze gehoben, aber ihn auch desto tiefer hatte fallen lassen.

Am dritten Tage zog bie Armee in umge­kehrter Ordnung wieder aus bet Stadt, so daß mein Regiment das letzt« war, welches ausmar­schierte. Diesmal oingen die Truppen aber durch ben Triumphbogen: jede Kompagnie brachte beim Durchmarsch ein dreifaches Hurra aus. Kaum waren wir an die Stadtmauer ge­kommen.. als wir in unterem Rücken schon das Flintenfeuer bet Aufständischen vernahmen. Die Schreckensherrschaft ber Kommune begann. Wir aber traten schon am folaenben Tage den Rückmarsch in die geliebte Heimat an.

Wittethmnen aus hrm Veierfreite. Für die unter dieser Rubrik veröffentlichten Artikel übernimmt die Redaktion «tur die preßgeschliche Ver­antwortung, nicht aber die dem Publikum gegenüber.

Zum Kapitel Heimatschub.

Herr Dr. Gaebel übt in seinem vor kurzem hier gehaltenen Vortrag eine sehr abfällige Kritik über den modernen Baubetrieb; keineswegs läßt sich bie Kritik in der Weise verallgemeinern, wie eS ber Herr Vortragende unternimmt.

Di« Typen de» modernen Etagenhauses, welche Herr Dr. Gaebel schildett, mögen wohl in Groß­städten zu finden fein, nicht aber in Marburg, eS sei denn, daß die in der Afföllerfiraße errichteten vier­stöckigen Vereinshäuser mit je 8 Familienwohnungen, unter die geschilderten Gruppen zu rechnen sind; gab eS hier keine andere Lösung, auch in wirtschaftlicher Hinsicht, als diese Kasernierungsmethode?

Die hiesigen Baugeschäfte haben sich, mit ver­schwindend wenig Ausnahmen aus früherer Zeit, fteti Mühe gegeben, in echtem Material zu bauen und Imitationen zu vermeiden.

Wenn Verirrungen voraekommen, so tragen Hiera» nicht die Baubetriebe, sondern diejenigen die Schuld, welche die Bauordnungen erlassen und hiermit den Bau de» Zinshauses geradezu fördern.

Die Vorschriften, welche dem Bauenden gegeben, sind aber keineswegs Produkte von Fachgenossen allein, sondern kommen in der Regel unter dem bestimmen­den Einfluß deS Laienelementes zusammen. ,

Die unterzeichneten Architekten sind schon seit langen Jahren bemüht, den für unsere engere Heimc» typischen Holzbau wieder zur Blüte zu bringen, wa» zahlreiche neuere Bauten beweisen, ebenso sind wrr uns vollkommen bewußt, daß unsere Kunst erne Ruh­kunst ist und wir in erster Linie ine prattischen For­derungen des Baue» zu erfüllen haben. Zu dies« Dingen bedarf «8 durchaus lernet weiteren Beleh­rung. Herr Dr. Gaebel kann sich keine künstlerische Lösung denken, bte nicht im höchsten Grade praktisch Ware. Merkwürdig erscheint uuS dagegen die Stel­lung, welche die hiesige Ortsgruppe be» Bundes für Heimatschuh in der Frage des Wiederaufbaues der Ehemaligen Herrenmühle einnimmt.

Praktisch Ist hier doch in erster Linie die «erbrei.