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Erttes Blatt
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k Nachdruck verboten.)
die
lche Pfirsiche zur Bowle gebracht, ich habe schon tn Mosel kalt stellen lassen, dazu einig« Fla-
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Der heutigen Auflage für den Kreis Kirchhain liegt Kreisblatt Nr. 21a bei.
Ehepaar allein war, genügte Bei festlichen Gelegenheiten nerbursche aushelfen, dann dunkelgrauen Rock mit
Freit» von der Oster, war eine jener Naturen, die überall Behagen um sich verbreiten, ein völlig selbstloses Wesen, das sich gern aufopfert und aus dem goldenen Born ihres Herzens irn-
mußte der Gärt- trug et auch den den vergoldeten seit seinem sechs-
tzer Baron eifrig. L "
„Natürlich, Alterchen, ich weiß ja, datz Du le so gern ißt und dann hat der Gärtner köst-
nur in Kurland gibt es solche famose Wirtin, neu, na, und wir Kurländer find mehr oder weniger Materialisten und wissen, was gut schmeckt."
Der Baron küßte das gute, noch immer
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: »Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Benage
Politische Umschau.
Beratung de, Zugen- bei de, Berufswahl.
Auf Anregung der Handwerkskammern ist in einer stetig sich mehrenden Zahl von Volksschulen angeordnet worden, datz den ihrer Eni-
hübsche Gesicht seines Minchen und trat nun selbst an die Tafel, dem alten Ianze einige Befehle wegen der Weine gebend. Wenn das der treue Diener.
Grrterbt.
Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.
I Fortsetzung.)
„Guten Abend, Alterchen," erwiderte Frau von Rothenfeld mit einer sehr wohllauten, sanften Stimme und erwiderte den Kutz ihres Mannes, „wie ist die Jagd gewesen?"
„Recht schlecht, nur sechs Hasen und etwa, Flugwild, eine Ente, ein verspätetes Feldhuhn, einen Bussard; ich war wütend, silge ich Dir, das Hundewetter trug die Schuld, durch den Nebel hörte man nicht einmal die Meute. Kaum satzen wir in dem Wagen, so erschien die Sonne, wie uns zum Possen."
Leise fuhr die weiche, runde Hand Frau von Rothenfelds über die gefurchte Stirn des Erzürnten.
„Das tut mir aber leid," sagte sie teilnehmend, „ich hoffe, Ihr seid tüchtig hungrig heim- gekehrt, Adam, denke Dir, der Müller brachte mir zwei Riesenkarpfen." „ .
„Du hast sie doch in Bier gekocht?" fragte
es hatte längere Zeit gedauert, bis die Gatten sich verstanden und sich das junge Weib an Rothenfelds Art und Weise gewöhnte. Der Kern war gut, den die rauhe Schate umschlotz, aber seine Kanten und Stacheln verletzten das Frauenherz oft tief.
„Die Liebe trägt und duldet alles."
Dieses schöne Wort, das der Traurede zu Grunde getegen, bewährte sich und Wilhelmine von Rothenfeld spürte seinen Segen. Es ist merkwürdig, wie sanfte Naturen mit der Zeit auf heftige einwirken, wie die weiche Hand die harte gezähmt und der gute Einfluss sich geltend macht. So ging es auch in Hollen und als erst ein Sohn und Erbe da war, wurde das Verhältnis der Gatten immer glücklicher.
Das Aeuhere der Baronin war in ihrer Jugend liebreizend gewesen, sie hatte viele Freier gehabt. Die Kasinobälle im mttaulchen. Ritterhause gestalteten sich zu einem wahren Triumphzug für sie. Die mittelgrosse, zierliche Gestalt, das feine Gesichtchen mit den grossen, blauen Augen, in denen es von Lebenslust strahlte, gewannen ihr die Herzen. Jetzt find vierzig Jahre darüber verflossen und ein schwerer Sturm hat die Blüten geknickt, Frau von Rothenfeld hat weisse Haare, obgleich fie erst neunundfünfzig ist, denn fie hat sich in ihrer ersten mitauschen Saison verlobt und war damals blutjung, eigentlich noch ein Kind gewesen.
Wie die Herrin von Hollen heute neben dem Gemahl im Speisesaal ihres stattlichen Herrn» steht, fühlt man sich sofort von ihr gefesselt;
chen Sekt."
Rothenfeld hielt gerührt inne und umfaßte Se viel kleinere Gestalt seiner Ehehälfte, „Du ß doch ein Prachtexemplar von einem Weibe,
renden Kontributionssumme in nächster Zeit ?gleichfalls im Wege der Kapitalisierung vor, edoch nur in dem Falle, wenn diese Operation »U 4 Prozent al pari möglich ist, oder aber später nach besonderen Uebereknkommen beider Regierungen. Ihrerseits erklärt sich die Türkei bereit, der Anerkennung der Unabhängigkeit Bulgarien» nicht zu widerstreben, sobald die genannte Eeldabrechnung und andere strittige türkisch-bulgarische Fragen geregelt find. Die Gesamtsumme von 125 Millionen Franc» schliesst auch die Entschädigung der Orientbahn« gesellschaft für die Strecke In sich, die in die Verwaltung der bulgarischen Regierung übergegangen ist.
Die sranzöfische Sprache in deutschen Volksschule«.
Die „Strassburger Post" veröffentlichte gestern folgenden Aufruf:
„Verwelschung, so muss man es nennen, was durch den Antrag des Landesausschusses, das Französische in den Volksschulunterricht aufzunehmen, erzielt werden soll. Obschon zugestanden wird, datz da» Land zum grössten Teil Deutsch als Mutter- und Hauptsprache spricht, soll jedes Kind daneben eine, wenn auch mangelhafte Kenntnis des Französischen zwangsweise erhalten. Dass diese Einführung des Französischen in die Volksschule die notwendige Uebung des Deutschen auf da» äusserste erschweren, dass schon die Ausbildung der Lehrer für diesen Zweck die grötzten Opfer verlangen würde, — das alles mache keinen Eindruck auf die Vertreter der Landesbevölkerung. Sie berufen sich auf die Schweiz, wo doch schon Basel-Land die Einrichtung nicht kennt, die sie verlangen. Sie denken nicht daran, welche unerträglichen Zustände in Belgien durch Bestrebungen, wie die von ihnen geforderten, hervorgerufen worden find. Es gilt für jeden im Lande, der sein Volk liebt, dem entgegenzutreten. Nächst der Religion soll uns nichts so heilig sein al» unsere Sprache. Die Unterzeichneten fordern alle Gleichgesinnten auf, sich zu vereinigen, und bitten, ihre Adressen einem von ihnen mitzuteilen.
Dr. E. Martin, Professor an der Universität Strassburg. Schulrat W. Aktemöller, Direktor des Seminars zu Colmar. Professor Dr. K.
Gneisse, Direktor des Lyzeums zu Colmar."
lassung entgegensehenden Schülern die Vorteile dargelegt werden, die ihnen da» Erlernen eine» Handwerks bieten. Zugleich find zahlreiche Schulen auch mit Hilfe der HandwerkÄammern oder Innungen dazu übergegangen, denjenigen Schülern, die die Neigung erkennen lassen, einem Handwerkerlichen Berufe sich zu widmen, bei der Erlangung von Lehrlingsstellen behilflich zu fein. Diese Maßnahmen sind nicht nur für die Entwicklung de» Handwerks, sondern namentlich auch für die der Heranwachsenden Jugend sehr nützlich. Einen Schritt weiter gehen noch andere Volksschulen. So hat in Berlin der Jugendfürsorge-Ausschuß der Lehrerschaft in Verbindung mit der Handwerkskammer und den Jnnungsausschüssen einen Nachweis von Stellen im Handwerk. Gewerbe, Handel und Haushalt geschaffen. Die Vermittelung geeigneter Lehrstellen soll, wie die „Soziale Praxis" meldet, in engster Verbindung der Schule mit den genannten Körperschaften erfolgen. Nachdem bte Eröffnung des Nachweise» Ende Januar stattgefunden hat, werden die ersten freiwerdenden Lehrstellen sobald al» möglich der Zentrale durch die Obermeister sämtlicher Innungen und die Vorsitzenden anderer gewerblicher Vereinigungen bekanntgege- ben. Durch die ßehret und Lehrerinnen sollen die Knaben und Mädchen, die Ostern die Schule verlassen, dem Vorsitzenden bekanntgegeben werden, der Nachweis passender Stellen wird dann möglichst bald erfolgen. Den Schulen wird Material zur Verfügung gestellt werden, u. a. auch zur Belehrung bet Lehrlinge über die Aussichten für das Weiterkommen in den verschiedenen Berufen. Weiterhin wird gemeldet, daß in Chemnitz künftig ärztlicher Rat bei der' Berufswahl der Volksschulkinder erfolgen soll. Die Chemnitzer Schulärzte werden zu die- fern Zwecke fortan mit den vor der Schulentlassung stehenden Knaben und Mädchen eine Untersuchung vornehnzen, um festzustellen, bei welchen Kindern der Rat angebracht erscheint, gewisse anstrengende Berufe — namentlich im Hinblick auf Gefahren für tuberkulös Veranlagte — lieber nicht zu ergreifen. Dieses Vorgehen ist bemerkenswert, leinen Ergebnissen wird man mit Spannung entgegensehen können.
Die Anerkennung Bulgarien».
Petersburg, 16. Marz. Die Verhandlungen. die in den letzten Tagen in Petersburg mit Rifaat Pascha über den bekannten Vorschlag der russischen Finanzvermittlung zwischen bet Türkei unb Bulgarien stattgefunben haben, würben heute, wie bereits gemelbet, mit bet Unterzeichnung bes Protokolls beenbet. Der Inhalt der Protokolle unterliegt noch bet endgültigen Begutachtung der beiden Regierungen. Die Hauptpuntte sind folgende: Zur Erleichterung der endgültigen Begleichung der türkischen Ansprüche an Bulgarien, deren Summe auf 125 Millionen Francs bar festgestellt ist, erläßt die russische Regierung der Türkei diejenige Anzahl der jährlichen Zahlungen, der Kriegskontribution an Rußland, die notwendig wäre, falls die Türkei genannte Summe mittels Anleihe bei den gegenwärtigen Bedingungen des türkischen Kredits und beg europäischen Eelbmarkter erlangen wollte. Das liebet» einkommen sieht auch für bie Türkei bie Möglichkeit einer einmaligen Tilgung bet ganzen nach Abzug bet überlassenen Teilzahlung restie-
met mietet Gebuld und Nachsicht für Schwächen ihrer Umgebung schöpft. Ihrem oft cholerischen Mann gegenüber blieb fie stets gelassen unb fügte sich bem Wort, bas sie einst am Traualtar gehört: „Er soll Dein Herr sein!" Nur war bieses „Herr sein", besonders früher zuweilen in fast derber Art mißbraucht worden und mehr als eine Träne hatte die junge Frau geweint, mehr als ein schwerer Seufzer war über ihre Lippen geschlüpft. Im großen Schmerz ihre» Lebens hatte sie bitter mit sich gerungen, damit die Hätte des Batons nicht die Liebe töte, die fie für ihn so warm gefühlt unb mit bet sie ihn Jahre lang verbunden.
Auch in dieser Ehe hatte es Sturm gegeben,
Aus dem Reichstage.
Zunächst wurde gestern da« Weingesetz in drit- ter Lesung erledigt. ES galt vor allem eine Unstim- migkeit zwischen Reichstag und Regierung zu beseitigen. Letztere hatte die von der Kommission beschlossene und in zweiter Lesung vom Plenum gutgebeihene Bestimmung, deutscher Wein, dem ausländischer, gleichgiltig in welcher Menge, zugesetzt ist, darf nicht als deutscher bezeichnet werden, für unannehmbar erklätt, im Interesse unserer handelspolitischen Beziehungen zu Italien, Frankreich und Spanien. Diese Vorschrift wurde nunmehr wieder beseitigt. Ein weiterer Differenzpunkt fand seine Erledigung dadurch, das, ein Antrag genehmigt wurde, wonach ein Verschnitt nur dann nach einem Anteile benannt »erben darf, wenn dieser überwiegt und die Art bestimmt. Tie Angabe einer WeinbergSlage soll nur dann zulässig sein, wenn der au» ihr stammende Teil unge- zuckett ist. Da» Gesetz wurde tat ganzen mit sehr gro- her Mehrheit angenommen.
denn eine stille Schwermut liegt über ihre« Antlitz bet Mund hat bie Weichheit früherer Iahte 'beibehalten, aber er hatte bas Lachen verlernt unb in ben Augen schläft ein stumme» Leib; fie sehen au», al» ob sie viele Nächte geweint, Tränen, bie niemand sehen durfte, bet Gatte am wenigsten, et, der doch denselben grossen Schmerz mit sich herumtrug unb ihn in der stolzen Mannesbrust verschloss. — Der Tag einer kurischen Frau auf dem Lande ist reich an Arbeit wenn sie eg genau mit ihren Pflichten nimmt'; das ganze, ost riesige (Betriebe bet in» neren Wirtschaft bebarf ihrer Kräfte, vom blltz- sauberen Milchkeller big zur höchsten Boben- kammer, vom Geflügelstall bis zum sorgfältig gepflegten Garten reicht die Tätigkeit bet „Leehr-Mahte" (zu deutsch: „Grossen Mutter"). Ja sie war ihren vielen Untergebenen eine wahre Mutter burch ihre stete Fürsorge und Güte sie verdiente diesen schönsten Namen unb hörte ihn ost — aber die liebsten Stimmen sprachen ihn nicht aus, jene beiten Stimmen, bie bas nächste Recht beton hatten. Als bet Sohn dreizehn Jahre zählte, schaukelte bie alte Wiege aus Eichenholz ein Schwesterchen. Das hübsche Knabengesicht neigte sich halb scheu, halb neugierig übet bas kleine Geschöpf und die Eltern sahen sehr glücklich aus. Felicitas, ober Fee, wie man fie nannte, wurde zwölf Jahre alt. eine kurze Zeit blühte die holde Menschenblume unb als ein böses Scharlachfieber fie fotttafste, war Hollen öbe unb leer gewirrte«, denn der einzige Soh« war ja schon bem Eltetis- «ntflohe« ist. (Forts, folgt.)
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberbessische Die Filtert,onSgebützr beträgt für bi« 8<tt*
_ _ _ „ Zeitung" bei allen Postämtern unb itnfetn ZeitunqSttellen in oder deren Raum IS Pfennig, für Reklamen » Pfennig. — jj
JWO Kd Kirchbaln nutz «etter sowie bei unserer Expedition - Markt 21. an:i~ »nnn ' Druck und Verlag: Foh. Auq. Koch, UnwersstätSbuchdruckerei *
e/,Ä V - Der Bezugspreis beträgt durch die Pott 2,25 Mk. (ohne DlNMer? tag 18. MfflH 1909. Inhaber Dr. L.H itzeroth, Marburg, Markt 21. - Telephon 55.
Bestellgeld), 6e, unfern Zeitung-Kellen und der Expedition 2 Mk. - _________________________________________________________________
hier in Kürze bevor.
Die „Oberhessssche Zeitung" ist, wie bekannt, in der Lage, ihre Leser schnellstens von den Geschehnissen im Reich und im Ausland in Kenntnis zu setzen.
Die „Oberhessische Zeitung" wird auch im nächsten ttaartal über diese Fragen eingehend berichten. Eie Mrd, wie bisher, zu allen politischen Ereignissen, Ahne parteipolitische AgitatonSpolitik zu treiben, in Nationalem Sinne selbständig Stellung nehmen.
Dem lokalen und provinziellen Teil läßt die -Oöerhefsische Zeitung" in Berichten über kommunale Angelegenheiten in Stadt und Land sowie über lokale Ereignisse aller Art fortgesetzt aufmerksame Pflege zutecnl werden. Ein ausgedehnter Nachrichtendienst ermöglicht auch hier schnelle und sichere Bekanntmachung. Die Strafkammer- und Schwurgerichts- Verhandlungen des hiesigen Landgerichts, dessen Bezirk bekanntlich die Kreise Marburg, Kirchhain, Ärankenberq, Ziegenhain und Homberg umfaßt, werben ebenfalls in der „Oberhessischen Zeitung", soweit fie Interesse beanspruchen können, in objektiver Form . Mitgeteilt.
In ihrer Sonntagsbeilage „Nach Feierabend" wird sie im nächsten Quartal
eine bisher ungedrudife Erzählung unteres heimatlichen Dichters Beinr.
Daumann-nanzhaulen bringen: »Wer Wind fät, wird Sturm ernten«»
Die eigens für unsere Gegend bearbeitete „Landwirtschaftliche Beilage" unterrichtet über alle Fragen des Gartenbaues und der Landwirtschaft.
Die Abonnenten erhalten am 1. Mai wiederum einen Taschenfahrplan gratis zugestellt.
Mit ihrer in Stadt und Land nachweislich ständig wachsenden Auflageziffer ist die „Oberbessische Zeitung" das verbreitetste Blatt OberheffenS.
Man abonniert auf die „Oberbessische Zeitung" bei allen Postämtern für 2 M. 25 Pfg., bei der Expedition lMarburg, Markt 21) und den ZeitungS- stellen für 2 M. vierteljährlich.
Reu hinzutretende Abonnenten erhalten bis zu« 1. April 1909 unsere Zeitung frei ins Haus geliefert.
Geschäftsstelle der „Oberheffischen Zeitung"
Markt 21.
wichtige trgQAn politische
stehen im nächsten Quartal zur Verhandlung.
Die Frage der Relcfisfinanzreform
wird zur Entscheidung kommen, an deren glücklichen Lösung jeder Staatsbürger interessiert ist.
Die Weltlage trägt noch immer bedrohlichen Lharakter. Die Orientkrisi» ist noch nicht gelöst, auch für Deutschland stehen
wichtige Enjjdieidungen
Wappenknöpfen, ben Ianze .
zehnten Iahte für da» höchste Ehrenkleib hielt. Frau Wilhelmine von Rothenfelb, gebotene
Der österreichisch - jerbische Konflikt.
Die serbische Rote.
Pari» 16. März. Die Blätter enthalten eingehende Erötterungen zu bet serbischen Note. Der „Temps" meint es sei zweifelhaft, ob bie serbische Antwort die österreichisch-ungarische Regierung befriedige. Man könne, so seht man es auch wünsche, von diesem neuen Schriftstück keine Besserung der Lage erwarten. Oesterreich wolle Serbien allem Anscheine nach zu einer vollständigen Kapitulation zwingen. So verlautet, baß e» Serbien nicht mehr bie gettngste Genugtuung, z. B. ben Zutritt zur Donaukommission gewähren wolle. Wenn bieg richtig ist, so vermögen selbst biejenigen, welche bie Politik Oestetreich-Ünqarns bisher in bet maßvollsten Weise beurteilt haben, seiner Weisheit unb Vorsicht immer weniger Vertrauen zu schenken. Auch bet „Sitele" schreibt, es zeige sich, baß bie Frage des Handelsvertrages nut ein Vorwand war. daß Aehrenihal eine regelrechte Kapitulation Serbiens erzielen wolle.
Wien, 16. März. Wie die „Neue Freie Presse" erfährt, wird bie Antwort Oestetreich- Ünqarns auf bie serbische Note noch im Laufe dieser Woche erfolgen. In dieser Note Oestet- teich-llngarns wirb batauf hingewiesen werben, daß die Note der serbischen Regierung eine Antwort auf ben wichtigsten Punkt vermissen läßt. Die österreichisch-ungarisch» Regierung wirb bie serbische Regierung aufforbern, sich über bie» sen Punkt in klarer und unzweideutiger Weise zu äußern.
Ministerprästbent von Bienerth Über bie serbische Antwortnote.
Wien, 16. Matz. (Abgeordnetenhaus.) Im Verlaufe bei Debatte übet bas Rekruten- kontigent erklärte Ministerpräsibent Freiherr von Bienerth: Die Antwott ter serbischen Regierung auf unsere jüngste Demarche hat unseren Erwartungen nicht entsprochen. (Zustimmung.) Mir haben Serbien in entgegen» kommendster Weise bie Hanb reichen wollen, um eg in bie Lage zu versetzen, sich ung gegenüber in entsprechenb klarer Weise über bie Der- önberung seiner Politik hinsichtlich Bosniens unb bet Herzegowina, sowie übet bie Fortsetzung unserer wirtschaftlichen Beziehungen zu äußern. Auf biete bestimmte Frage hat bie serbische Regierung in ausweichenber Weise geantwortet. Wir werben jedenfalls nicht in der Lage sein vor einet uns befriedigenden Klarstellung her wahren Absichten Serbiens mit ihm die Erörterung ter wirtschaftlichen Fragen einzutreten. Da die Verhandlungen fortgesetzt werden, so muß ich mich auf diese kurzen Aeu- ßetungen beschränken. Der Ministerpräsibent betont weiter bie Notwendigkeit einer starken, schlagfertigen Armee, sowie bie Notwenbigkeit der Erhaltung ihrer Einheit im Interesse bet Wahrung bet Großmachtstellung unb bet Biind- nisfahigkeit der Monarchie und bat um rascheste Erledigung bet Rekrutenvorlage. (Lebhafter Beifall).