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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg rrrrd Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Berlage."

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JTs. 63

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberdeisische Zeitung" bei allen Postämtern und nnfeni ZeitungSstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die'Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Dienstag 16 MSyj 1909.

Die Inlerti onSgeblldr beträgt für bte 7gespaltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, llaioersttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg.

Erstes Blatt.

Polen und Deutsche.

Der Direktor des Statistischen Amts der Stadt Posen hat unlängst einen Bericht über die Ergebnisse der letzten Volkszählung erstattet, soweit ste sich auf die Gliederung der polnisch sprechenden Einwohner bezieht. Danach wurden am ganzen preußischen Staate wir entneh­men diese Angaben derFrankfurter Zeitung", da uns der Originalbericht nicht vorliegt im Jahre 1890 insgesamt 2 922 475, im Jahre 1900 3 305 749 und 1905 3 646 446 Polen, Ma­suren und Kassuben gezählt. Hiervon entfielen auf die vier östlichen Erenzprovinzen 1890 96,56 v. H., 1900 93,23 v. H. und 1905 90,48 v. H. Diese rasch abnehmenden Prozentsätze des preußischen Ostens bedeuten ein schnelles Wachs­tum der polnischen Bevölkerung in den west­lichen Landesteilen, in welche die Polen in immer größerer Zahl abgewandert sind. Die Polen haben sich in der Zeit von 1890 bis 1905, absolut genommen, fast in allen Teilen Preußen- stark vermehrt, besonders erheblich ist ihre Zu­nahme jedoch in den Regierungsbezirken Düssel­dorf, Arnsberg, Münster, Potsdam sowie in Ber­lin gewesen. Im Bezirk Düsseldorf ist die Zahl der Polen von 4672 auf 45 623, in Arnsberg von 20131 auf 97 703, im Münsterlande von 5^90 auf 40 723, in Potsdam von rund 9000 auf »0 000 und in Berlin von 12 000 auf 24 000 ge­stiegen.

Aus dem Bericht geht ferner hervor, daß entgegen der Anschauung, wonach die Polen sich rascher vermehren als die Deutschen im Durchschnitt des ganzen Staatsgebietes während der Jahre 1890 bis 1905 die Vermehrung der Deutschen mit denen der Polen annähernd Schritt gehalten hat (nämlich 246,16 vom Tau­send gegen 247,73 vom Tausend). Ebenso über­raschend ist die Angabe, daß die fremdsprach­lichen Beoölkerungsteile in allen drei Regier­ungsbezirken Ostpreußens zurückgegangen sind. Dagegen haben nur noch drei Regierungszirke in ganz Preußen eine schnellere Zunahme der deutschen als der polnischen aufzuweisen: Bres­lau, Danzig und Oppeln. In allen übrigen Re­gierungsbezirken ist bei den Polen eine stärkere Bevölkerungsvermehrung zu verzeichnen als bei den Deutschen. In den östlichen Stammsitzen der polnischen Bevölkerung ist das Wachstum der Polen jedoch erheblich geringer als in den westlichen Landesteilen. Die polnisch spre­chende Bevölkerung in Preußen ist in ihrer großen Mehrheit landsässtg) denn 1905 waren in den Städten 673 878 oder 20,26 v. H. und auf dem Lande 2 651 839 oder 79,74 v. H. Bei den Deutschen stellten sich die entsprechenden Ziffern auf 15 989 888 oder 48,66 v. H. und auf 16886 082 oder 51,34 v. H.

Weiterhin find gelegentlich der letzten Volks­zählung über die Hauptmaste der im westlichen Preuße« lebenden Polen einschließlich der Ma­suren und Kassuben Ermittlungen nach der Herkunft dieser Bevölkerungsteile angestellt worden. Diese Ermittlungen haben fich auf 20 Kreise erstreckt, in denen 103 071 männlich« und 74 951 weibliche Polen, Masuren und Kas­suben gezählt wurden. Von den in diesen 20 Kreisen wohnenden 103071 männlichen Polen, welche 52,93 v. H. überhaupt im Westen Preu­ßens ermittelten Polen umfasten, stammten 101717 ans ganz Preußen und von diesen wie­derum 45 822 aus der Provinz Posen, 18 709 aus Ostpreußen, 8694 aus Westpreußen und 6881 aus Schlesien; die Provinz Posen stellt somit erheblich mehr Personen als die drei übrigen östlichen Provinzen zusammen. Auch für die in den 20 Kreisen ermittelten 74 951 weiblichen Polen, Masuren und Kastuben kommt die Pro­vinz Posen als Herkunftsstätte in erster Linie in Betracht, denn nicht weniger als 26528 oder 85,39 v. H. dieser Personen stammten aus Posen. ~== -------=

Politische Umschau.

Entsendung dreier Kriegsschift« «ach Samoa.

Berlin, 13. März. In Somoa hat bei dem Alter des Oberhäuptlings Mataafa die Nachfolgerfrage schon jetzt eine schwierige Lage geschaffen. Im Zusammenhang hiermit hci fich unter Führung des angesehenen Sprechers Laucki von der Insel Sawaii eine Bewegung gegen die deutsche Herrschaft bemerkbar gemacht. Laucki hat Massendemonstrationen seiner An­hänger gegen die Regierung herbeigeführt und der Anordnung des Gouverneurs keine Folge geleistet. Es ist dem Gouverneur Dr. Soff in« besten gelungen, Ausschreitungen sowohl seitens der Gefolgschaft Lauckis, wie auch der dieses Vorgehen verurteilenden regierungstreuen Samoaner zu verhindern. Zu irgendwelchen Kämpfen otzer auch nur Tätlichkeiten kam es

nach den vorliegenden Meldungen nicht. Auch direkte Angriffe gegen die weißen Ansiedler find nach Lage der Verhältniste kaum zu befürchten. Im Interest« der Wiederherstellung der Ord­nung und Sicherung der Lage der weißen Be­völkerung hat es>och der Gouverneur für er­forderlich erachtet, um Entsendung einiger Kriegsschiffe nach Samoa zu bitten. Der Chef des Kreuzergeschwaders in Ostafien, Kontre- admiral Coerper, ist demgemäß beauftragt, sich mit drei Kriegsschiffen nach Samoa zu begeben. Der KreuzerLeipzig" mit dem Eeschwaderchef an Bord sollte bereits heute in Apia eintreffen. Das KanonenbootJaguar" ist von Ponope ebenfalls nach Samoa in See gegangen und wird dort am 23. d. M. erwartet. Der Kreuzer Arcona" mit dem BegleitschiffTitania" (Kohlendampfer) 'werden etwa am 23. d. M. in Apia eintreffen. Es steht zu erwarten, daß die Anwesenheit dieser Kriegsschiffe genügen wird, um die Bestrafung der Schuldigen und die Wiederherstellung der Ordnung ohne Kampf herbeizuführen.

Das Automobilgesetz

ist in der Kommission in einigen Puntten ver­schärft worden. So hat folgende neue Bestim­mung in dem Entwürfe Aufnahme gefunden: Verläßt der Führer des Kraftfahrzeuges eine beim Unfall verletzte Person vorsätzlich in hilf­loser Lage, so wird er mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. Sind mildernde Umstände vorhanden, so kann auf Geldstrafe bis zu 300 M erkannt werden." Ferner ist di« Frist, in der der Ersatzberechtigte seine Rechte geltend machen muß, um sie nicht zu verlieren, von einem auf zwei Monate verlängert worden. Von der Haft­pflicht sollten nach dem Entwürfe Fahrzeuge be­freit sein, die eine vom Bundesrat zu bestim­mende Geschwindigkeitsgrenze nicht überschreiten können. Die Kommission hat an Stelle dieses Abschnittes beschlosten, daß diese Befreiung nur bei Lastfahrzeugen mit einer auf 20 Klm. die Stunde beschränkten Geschwindigkeit statthaben darf. Als Jnkrafttretungstermin für die Haft­pflichtbestimmungen ist in den Entwurf der 1. Juni 1909 eingefügt worden.

Eine Gedenkfeier für D. Stöcker hielten die Berliner Christlichsozialen im gro­ßen Saale derGermania", die sehr stark be­sucht war. Der Vorsitzende des Berliner Christ­lich-sozialen Vereins, Graveur Kluge, begrüßte besonders die Vertreter der befreundeten politi­schen Vereine, der konservativen, deutschsozialen usw., und sprach seine Freude aus über das Er­scheinen einiger ganz alter Veteranen, die noch Stöckers Kämpfe der ersten Zeit selber mitge­kämpft haben. Reichstagsabgeordneter Dr. Burckhardt ergriff im Namen des Vorstandes der christlich-sozialen Partei das Wort. Die Ge­dächtnisrede hielt darauf Pastor D. Philipps. Er zeichnete ein liebevolles Charakterbild Stöckers. Mit anhaltenden Beifallskundgebun­gen wurde danach Wirklicher Geheimer Rat Professor Dr. Adolf Wagner begrüßt. Er führte aus: Vor 30 Jahren, als mich Stöcker einmal aufsuchte, erkannte ich die große Gemeinsamkeit vor allem in den spezialen Dinge« mit ihm. So arbeiteten wir gemeinsam für die christlich­soziale Partei. Kaiser Wilhelms Botschaft be­ruht auf Gedanken Stöckers, der einen maßvollen, vernünftigen, christlichen Sozialis­mus proklamierte. Das ist nicht immer aner­kannt worden, am wenigsten von Bismarck, dennoch bleiben Stöckers Verdienste vor objek­tiver Geschichtsbetrachtung bestehen. Wenn eine gewiste Presse ihn noch am Grabe schmäht gehen wir darüber hinweg. Die ihn so an­greifen, die kannten de« Mann einfach nicht. Ich freue mich, daß ich das Glück gehabt habe, Stöcker kennen und schätzen gelernt zu haben. Ich kann andererseits auch versichern, daß auch ich ihm ein Freund war, der ihn nie verlasten hat. (Beifall.) Das christlichsoziale Programm, das wir entwarfen, hat doch sehr gesunde Ideen vertreten. In seinen Steuerfragen könnte es heute das Motto für unsere Reichsfinanzen sein. Ja, wir verdanken Stöcker viel für unser ganzes öffentliches Leben. Das wird heute" vielfach noch nicht anerkannt. Aber es wird die Zeit kommen, wo die Geschichte ihm Recht geben und manche böse Schuld, die seine Feinde auf ihn wälzten, abnehmen wird? (Anhaltender stürmischer Beifall.) Rechtsanwalt Ulrich sprach namens der Berliner Bürgervereine, die in Stöcker ihren Vater betrauern. Es folgttn noch verschiedene Ansprachen.

Im Abqeordnetenhauje

wurde am Sonnabend, 18. März, zunächst in dritter Lesung die Gesetzentwürfe betreffend die Gebühren­ordnung der Medizinalbeamtrn und betreffend Bll« düng eines Landarmenverbandes angenommen. E» folgte die Fortsetzung der zweiten Beratung de» Forst- etat». Hierzu liegen zwei Anträge vor. Der Antrag

b. Brandenstein (kons.) will bei Veräußerungen fis­kalischer Grundstücke in der Umgebung von Berlin die Ufer der Flüsse und Seen vom Verkauf auSschließen. Der Antrag Borgmann (Sog.) will von der Million, die zu Zwecken des Baues der Döberitzer Heerstraße gefordert wird, die Hälfte streichen. Abg. v. Branden­stein (kons.) betonte, daß die Regierung das Recht und die Pflicht habe, die außerordentlich kostbaren Waldländereien in der Umgebung großer Städte gu verwerten, um die so gewonnenen Mittel zur notwen­digen Aufforstung in andern Landesteilen gu verwen­den. Seine des Redners Parteifreunde ständen aber auf dem Standpunkte, daß bei den Grunewald- ankäufen nicht allein das fiskalische Interesse maß­gebend fein dürfe. Im Interesse der Bevölkerung müßten die Ufergemeinden erhalten und dürften nicht verkauft werden, wenn auch dadurch geringere Preise ergieli werden sollten. Der Antrag ziele nur auf Berliner Verhältnisse und verallgemeinere nicht. Mel­leicht käme die Regierung bei Annahme des Anträge» ganz von selbst darauf, den Gedanken auch auf andere Landesteile anszudehnen. (Beifall). Abg. v. Bülow (Homburg) (natlib.) beklagte die Waldaufteilungs­praxis des Forstfiskus. Abg. Graf v. Svee (Ztr.) meinte, die großen Städte hätten selbst für den An­kauf von Waldungen gu sorgen, während Abg. Rofe- now (freif. Bp.) die Ansicht vertrat, daß der Staat die Verpflichtung habe, die Waldungen bei den großen Städten gu erhalten. Abg. Lüdicke (freikons.) be­dauerte, daß die Döberitzer Heerstraße über das schöne Eiland Pichelswärder geführt werde. Abg. Borgmann (Sog.) forderte im Jnter-sse Berlins und des gangen Landes die Erhaltung des Grunewaldes. Minister b. Arnim erklärte, dem in btt Kommission geäußerten Wunsche, einen Streifen Landes bei Pichelswerder, gwischen Chaussee unb Ufer, nicht gu verkaufen, wolle er nachkommen. Der Antrag v. Brandenstein gehe gu weit. Abg. b. Brandenstein (kons.) setzte in seinen Antrag stattin der Umgegend von Berlin"gwischen Berlin und Potsdam". In dieser Fassung wurde der Antrag angenommen und der Titel bewilligt, nachdem der Antrag Borgmann abgelehnt worden roar. Abg. b. Pappenheim (kons.) rügte es, daß bei den Vorlagen über die Anlage des dritten und vierten Gle»s der CharlottenburgSpanbauer Bahn und bei ©tcbitnJ vielfach Geheimniskrämerei der Regierung im Siüe! gewesen fei. Die Budgetkommission habe oft im Dun­keln tappen müssen. Minister b. Arnim meinte, da» ganze Projekt sei genügend und eingehend erörtert worden. Ein Kommissionsantrag, welcher in Zukunft um bessere Begründung der Vorlagen ersucht, wurde angenommen. Damit bar der Forstetat erledigt. Da» Hans vertagte sich um 6 Uhr auf Dienstag vormittag 11 Uhr. Bauetat.

Deutsches Reich.

$tt Kaiser beabsichtigt eine Mittelmeer­reise. Er will auf Korfu Aufenthalt nehmen und voraussichtlich auf seiner Rückreise den Erd­beben-Schauplatz von Messina besuchen. Nach einer Nachricht derKieler R. N." soll die Aus­fahrt nach Ostern (13. April), Berliner Mel­dungen nach bereits vor Ostern (25. März) er­folgen.

Bom Reichsluftschiff. Stuttgart, 13. März. Wie derSchwäb. Merk." aus Friedrichshafen berichtet, findet am Montag die Besichtigung des Retchsluftschiffes durch den Jnspetteur der Ver­kehrstruppen, Eneralleutnant Freiherrn von Lyncker und dem Kommandeur des Luftschiffer- bataillons Major Groß statt. Daran schließen fich weitere Uebungsfrhrten, die voraussichtlich die ganze nächste Woche dauern werden. Die alte Füllung der 17 Einzelballons hat sich gut bewährt, sodaß nur kleine Nachfüllungen not­wendig wurden.

Eeheimbündelei russischer Studenten. Dresden, 13. März. Zu der durch einige Blätter gehenden Notiz von der Verhaftung russischer Studenten wegen Eeheimbündelei erklärt das Dresdener Journal", daß es den eingehenden Ermittelungen der Dresdener Polizei gelungen sei, das Bestehen einer über ganz Westeuropa verbreiteten geheimen Verbindung im Auslande lebender Russen zur Unterstützung der russisch­revolutionären Arbeiterpartei aufzudecken. Ein Teil der Verhafteten nenne sich Studenten, ohne jedoch in Wirklichkeit an der Hochschule immatri­kuliert zu sein.

Die UntersuchunK gegen de« Ordensschacher. In der Affäre des Kunstmalers Schleufing, der mehreren Personen den lipptschen Hoflieferan­tentitel und lippische Orden versprochen haben soll, ist eine gerichtlich« Untersuchung angeordnet worden. Das lippische Hofmarschallamt hat be­reits erklärt, daß es selbstverständlich der ganzen Angelegenheit völlig fernsteht. Es soll nun ge­richtlich festgestellt werden, was an der Angele- genheit wahr ist und inwiefern sich die betreffen­den Personen auf irgendwie tatsächliche Ver­hältnisse stützen. Wie dazu aus Detmold ge­meldet wird, ist jetzt dem Maler Schleufing das Prädikat al»Fürst!. Lipp. Hofkunstmaler" ent­zogen worden, nachdem die Ermittelungen er­geben haben, daß Schleufing bei Verkauf von Bildern den Abnehmern seine Vermittelung bei verschiÄtenen Höfen zur Erlangung von Titeln ««geboten hab«.

Die Anstellungsverhältnisse de, Kandi­daten d«s höhere« Schulamtes. Die neuesten amtlichen Zahlen über die Anstellung der Kan­didaten des höheren Schulamtes lassen erkennen, daß die Entwicklung, wonach das durchschnitt­liche Lebensalter zur Zeit der ersten festen An­stellung zurückgeht, auch ferner anhält. Die letzten Zahlen liegen für das Schuljahr 1906/07 vor. Im Jahre 1897/98 wurde noch im Durch­schnitt der staatlichen und nichtstaatlichen An­stalt ein Kandidat des höheren Schulamts mit 33 Jahren 9 Monaten fest angestellt. Dieses Anstellungsalter hob sich dann in 1898/99 noch auf 34 Jahre 4 Monate. Von da ab aber ist es fast stetig gefallen. 1905/06 betrug es noch 29 Jahre 7 Monate, um 1906/07 auf 28 Jahre 11 Monate zu fallen. Der Zeitpunkt, von dem ab das Besoldungsdienstalter datiert, ist im Durch­schnitt sogar auf 28 Jahre 7 Monate gefallen. Also auch nach dieser Richtung haben sich in den Jahren die Verhältnisse der Lehrer an den höheren Lehranstalten bedeutend gebessert.

Ausland.

** Aus Prag, 13. März. WieVohemia" meldet verbot die Staathalterei den Beamte« die Teilnahme an Vereinen mit ausgesprochener nationaler Tendenz.

** Die Konferenzfrage. Paris, 14. März. Der ehemalige Minister des Äeußern Hanotaux spricht sich imJournal" entschieden gegen die Einberufung einer Konferenz aus, welche zum mindesten eine überflüssige Verwicklung bilde« würde. Es liegt keine allgemeine Frage mehr vor. Die Türkei habe sich mit Oesterreich-Ungar« verständigt. Die Anerkennung Ferdinands von Bulgarien wäre feit dessen Petersburger Reise eine angenommene Tatsache. Die Verhand­lungen zwischen Softa und Konstantinopel seien ihrem Abschlüsse nahe. Serbien habe auf den bedenklichste« Teil seines Programms verzichtet.

Die Demonstrationen der Pariser Postbe­amte«. Paris, 12. März. Die Bahnpostbe­amten auf der Eisenbahnstrecke Paris-Lyon- MSditerrann^e hielten heute eine Versammlung ab, in der über verschiedene Forderungen be­raten wurde. Nach der Versammlung zöge« ste nach dem Zentralpostamt in der Rue Erenelle, um dort eine Kundgebung zu veranstalten. Der Unterstaatssekretär Simyan und der Polizeiprä­fekt Läpine, welch« die Beamten zu beruhigen versuchten, wurden verhöhnt. Die Beamten drangen dann in die Amtszimmer, aus denen ste von der Polizei, die viele verhaftete, ver­trieben wurden. Die Demonstrationen der Postbeamten habe« zu einem Ausstand geführt über dessen Umfang nachfolgendes berichtet wird: Kurz vor 2 Uhr nachmittags soll ein Be­amter namens Thibaut einer Angestellten vor- geworfen haben, daß ste ihre Arbeit schlecht tue und ihr einig« Schimpfworts zugerufen habe«. Dieser Beamte soll sofort zu dem Abteilungs­vorsteher geführt worden sein .der fich darauf beschränkt hab«, ihm eine Verwarnung zu er­teilen. Thibaut der damit unzufrieden war, soll dann durch oen Hauptsaal gegangen sei« und gerufen haben:Ausstand, Ausstand!" Als­bald stellten etwa 400 Telegraphisten die Ar­beit ein. Unterstaatssekretär Symian habe be­schlossen, energische Maßregeln zu ergreifen um den Anzeichen von Gesetzlofigkeit, die sich im Post- und Telegraphendienst gezeigt haben, ent­gegenzutreten. Die meisten Telegraphisten nah­men auf die Aufforderung ihrer Vorgesetzten alsbald die Arbeit wieder auf. Von den ver­hafteten Post- und Telegraphenbeamten wurden heute vormittag verhött: 17 von ihnen wurden entlassen, die übrigen werden dem Zuchtpolizei­gericht vorgeführt werden.

** Ausschreitungen in Lissabon. Lissabon, 14. März. In Mur<;a, Provinz Tras os Mon­tes, griff der Pöbel das Steuerbureau an, be­mächtigte sich der Wertgegenstände und setzte das Haus in Brand, nachdem die Beamten auf« gefordert worden waren, das Haus zu räumen. Der Polizei gelang es, die Ordnung wieder­herzustellen.

** Frauen-als Stadtverordnete in Däne­mark. Kopenhagen. 13. März. Bei den gestri­gen Stadtverordnetenwahlen, a« denen sich zum erstenmale auch Frauen beteiligten, wurden 20 Sozialdemokraten, davon zwei Frauen, fünf Radikale, davon zwei Frauen, 16 Kandidaten der Rechten, davon zwei Frauen, und ein weib­licher unabhängiger Kandidat gewählt. Di« Wahlbeteiligung betrug 78 Prozent.

** DerKrieg" i« Zentralamerika. Mexiko, 14. März. Nach hier eingegangenen Berichten ist der unanfechtbare Beweis erbracht, daß der Präsident von Nikaragua, Zelaya, int Bestreben, Costarica, in Streitigkeiten zu verwickeln, an der Grenze Forts und Verschanzungen errichtet, die er mit große« Vorräten und Munition ver­sehen ließ. Die Truppen Nikaraguas besetze« die strategisch wichtige« Punkte am San-Juan- Fluß und am Ufer de» Nikaragua-Sees. Newyork, 14. März. Ein Telegramm des Mini-