mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Marburg
Sonntag. 14 März 1909.
Die InsertionSgebühr beträgt für bte 7gespaltene Zeil« ob« deren Staunt 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Univ«sität»buchdruckerei Jnhab« Dr. <$. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Zweites Blatt.
Immer noch Birnen—Alzey.
Die Erörterungen über diese Stichwahl wollen noch immer kein Ende nehmen. Daß Blätter, wie die „Franks. Ztg.", den angeblichen Verrat der Nationalliberalen ausschlachten, nimmt natürlich nicht wunder. Sie wollen nicht einsehen, daß die Person der von ihnen empfohlenen Kandidaten in letzter Linie den Mißerfolg herbeigeführt hat. Äber auch der streitbare Pfarrer Korell ist noch immer auf dem Plan. So geht die Wühlerei weiter. — Im „Alzeyer Beobachter", einem freisinnigen Blatt des Kreises, schreibt er: „Nach einigen Ruhetagen geht der Kampf für den Liberalismus in Hessen weiter wie bisher. Das ist ganz selbstverständlich." Die Früchte zeigen sich bereits. In der Nacht vom 26. auf 27. Februar wurden dem Pfarrer in Partenheim, wahrscheinlich weil er nicht für die Wahl Korells eingetreten war, sämtliche Fenster eingeschlagen. Freisinnige Blätter gebärden sich gewöhnlich sehr entrüstet, wenn man ihnen sagt, daß ihnen für Religion und kirchliches Wesen der Sinn abgehe. Jetzt können sie aber eine gewisie Schadenfreude nicht unterdrücken. wenn sie melden: „Weiter haben eine große Anzahl von wirklichen Protestanten, nachdem sie erfuhren, daß die meisten protestanti- ich-n Geistlichen und sogar der Dekan für den entrumskandidaten agitiert, beschlosien, aus . . r evangelischen Landeskirche auszutreten und bereits die nötigen Schritte getan." Auch folgendes Geschehnis dürfte nicht uninteressant sein. In dem Orte Wendelsheim wird eine Frau beerdigt. Es verließen nun, wie der „Alzeyer Beobachter" triumphiernd berichtet, sofort nach der Einsegnung der Leiche ungefähr 60 freisinnige Wähler den Friedhof, „um gegen den hiesigen Pfarrer Hoch eine Demonstration hervorzurufen, welche auf sein Verhalten zur Reichstagsstichwahl zurückzuführen ist." Pfarrer Korell hat vor einigen Tagen in Darmstadt eine Versammlung abgehalten, in der er sich über die Wahl aussprach.
Es klingt eigenartig, wenn gerade für diese Wahl in Vingen-Alzey die Blockpolitik von freisinniger Seite geltend gemacht wurde, zumal Herr Korell selbst erklärt: „Er habe im Wahlkampfe keinen Zweifel darüber gelassen, daß er Gegner des Blockes fei und stelle das auch jetzt fest. Aber er fei nicht aus Querköpfigkeit Blockgegner." Ehrliche Gegner find aber stets besser gewesen, als derartige Freunde.
Auch dem hier bekannten Herrn Nuschke paßt das Binger Wahlresultat nicht. Vor allen Dingen aber paßt ihm nicht, daß die Siegener Nationalliberalen für die ausfallende Stellungnahme ihrer Parteifreunde in Bingen in der Persönlichkeit des Herrn Korell einen Grund suchten und fanden. Sein Eintreten für den Nationalliberalen gegen den christlich-sozialen Mumm. gibt ihm, wie er glaubt, das Recht,
(Nachdruck verboten.)
Enterbt.
Original-Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.
1. Kapitel.
„Blase zur Heimkehr, Krisch, bet dem Nebel lohnt es sich nicht, weiter zu jagen."
De: Sprecher, der diesen verdrießlichen Befehl gibt, ist ein stattlicher Sechziger, eine wahre Recke naestalt im wetterfesten Jagdanzuge, der Rothenfeld-Hollen; mißmutig wirft er bU doppelläufige Flinte über den Rücken und schreitet z'ir Vuschwächterei, wo die Leiterwagen auf ihn und seine Jagdgenossen warten. Durch den prächtig bestandenen Wald zieht der Ton des Jagdhorns und gibt das Zeichen zum Aufbruch. Es ist ein Oktobertag, ein dichter Nebel hüllt alles in einförmiges Grau. Der Morgen hingegen war klar und sonnig gewesen, so ein echtes rechtes Wetter, wie es der Jäger liebt, und in bester Laune war man aufgebrochen. Etwa zehn Gutsnachbarn des Barons hatten sich eingestellt, aber heute schien ein besonderer Unstern zu walten, es wurde viel gepudelt die Hunde jagten schlecht und der alte Baron Schö- ningk-Eroß-Troskau verwundere einen Bock, ohne daß man das edle Wild später fand. ,
So etwas ärgerte den Jagdherrn jedesmal und da Rothenfeld eine derbe, offene Natur war, tadelte er den schlechten Schützen
„Du scheinst mir nicht mehr zur Jagd zu taugen!" rief er spöttisch, „kommt das Tier schußgerecht auf Dich zu und Du lagst ihm das kalte Blei in die Rippen, ohne es mit dem Blattschuß zu treffen."
„Hols der Kuckuck," wetterte der Gescholtene, „bei dem Nebel ist das kein Wunder. Brumm nicht, Alter, es tut mir ja selbst leid, das edle Wild mutz nun mit der Todeswunde weiter- leben."
diese etwas auf die Finger klopfen zu können. Nach dem „Hinterländer Anzeiger" hielt er in Biedenkopf eine öffentliche Versammlung ad, in der er über die Wahl in Bingen-Alzey sprach, und in welcher folgende Resolution angenommen wurde:
„Die heuttge Versammlung fteifinniger Wähler spricht nach einem Vortrage ihres Reichstagskandidaten Nuschke über die Wahl in Bingen-Alzey ihr lebhaftes Bedauern darüber aus, daß dieser alte freisinnige Wahlkreis durch di« dorttgen Nationalliberalen dem Zentrum ausgeliefert worden ist. Wenn schon die allgemeine politische Lage den Nationalliberalen ein Eintreten für den Zentrumskandidaten hätte verbieten müssen, so ist die Erbitterung im hiesigen Wahlkreise um so größer, als hier vor wenigen Wochen bei der Stichwahl zwischen einem Nationalliberalen und einem Christlich-Sozialen die Freisinnigen durch ihre einmütige Unterstützung des nationalliberalen Kandidaten Vogel zum Siege verholfen hatten. Scharf muß der Versuch der Siegener Rationalliberalen zurückgewiesen werden, durch einen Artikel ihres Parteisekretärs Riedel im Siegener Volksblatt das Verhalten der Nationalliberalen in Bingen-Alzey zu rechtfertigen durch unwahre persönliche Angriffe auf den freisinnigen Kandidaten Korell. Viel eher mußte man auf freisinniger Seite erwarten, daß die Nationalliberalen unseres Wahlkreises von ihren hessischen Patteigenossen abrücken und sich dem Protest zahlreicher nationalliberaler Vereine und Versammlungen gegen das Verhalten ihrer Parteigenossen in Bingen-Alzey anschließen würden."
Der angegriffene „Parteisekretär" Riedel erklärt jetzt dazu, daß er erstens nicht Parteisekretär ist und im übrigen als Hesse und Kenner der Verhältnisse besser unterrichtet sei, als die Biedenköpfer Versammlung. Neben dem eigenartigen Versuch einer Dittatur über die Nationalliberalen ist die Erklärung nach verschiedenen Richtungen interessant. Sie zeigt, daß Herr Nuschke jetzt eine sehr entschiedene Stellung gegen das Zentrum einnimmt. Als Herr von Gerlach das Zentrum zu Stichwahlzwecken sehr benötigte, war das anders — im Siegener Wahlkreise liegen die Verhältnisse freilich günstiger in dieser Beziehung, hier ist für spätere Zeiten die Wahlhilfe der Nattonal- liberalen von größerer Bedeutung. Sodann freut es uns, in Herrn Nuschke einen neuen Freund des Blockes begrüßen zu können. Als Adlatus des Herrn v. Gerlach nahm Herr N. auch hiettn, wenn wir recht unterrichtet find, eine andere Stellung ein. Nun können uns die politischen Anschauungen des Herrn Parteisekretärs Nuschke an sich ziemlich gleichgiltig sein, wir wollten aber doch nicht verfehlen, auf diese Ketzereien im Sinne der Politik des Herrn von Gerlach jetzt aufmerksam zu machen im Interesse einer reinlichen Erledigung event. künftiger Kämpfe.
„Mit der Todeswunde, ja, ja," murmelte Rothenfeld, und seine buschigen Braunen zogen sich düster zusammen, seine Augen leuchten auf und senken sich gleich darauf, während die kräftige Hand, die den eisgrauen Bart streicht, leise zittert.
„Ich wußte es ja, daß die Jagd heute so schlecht ausfallen muß," murmelte der alte Herr leise. „Begegnet mir das alte Weio, die Madde, gerade wie ich an der Buschwächterei vorbei- tomme. Widerwärtig ist mir die Person und als sie mir ihr: „Guten Tag. gnädiger Heu," zurief, da hätte ich sie prügeln können. Und nun verendet der Bock im Walde mit der Todeswunde. — Und doch ist solch ein Tier glücklicher als der Mensch, der Jahre hindurch--“
Der Schluß verlor sich in ein undeutliches Murmeln des alten Mannes, und er strich über die kahle Stirn, von der er die graue Jagdmütze mit breitem Schirm zurückgeschoben hatte.
Dem Ruf zur Heimkehr folgten die Jagdgefährten des Barons Adam von Rothenfeld auf Hollen. Ungefähr sechs Hasen und einiges Flugwild waren das ganze Resultat der Jagdbeute, kein Fuchs und kein stolzer Bock waren heu.te zur Strecke gebracht und doch war gerade dieser Teil des Waldes der wildreichste in Hollen. Der Jagdherr erwartete seine Gäste bei den Wagen, wo er rauchte eine kurze Meerschaumpfeife. die vom langen Gebrauch fast schwarz geworden, seine treue Freundin in frohen und trüben Stunden war. Wie er so dasteht in den hohen Transtiefeln, in dem von jedem Wetter mitgenommenen Anzug aus derbem, grauem Stoff, den seine Frau selbst gesponnen, und den sie bei der Frau des Kutschers weben ließ — wie Baron Adam v. Rothenfeld so dasteht, ist er das Original des echten Kurländers. Groß und stattlich ist der Bau des mächtigen Körpers, kühn geschnitten das Gesicht, daß von einem starke» Schnurr» und Bollbart umgeben. eine«
Politische Umschau.
vbligationeuumlauf bet deutschen Hypothekenbanken.
Das Kaiserliche Statistische Amt hat nach den Halbjahrsausweisen der 38 deutschen Hypothekenaktienbanken deren Pfandbriefumlauf für den 31. Dezember 1908 auf 9316,15 Millionen Mark ermittelt; daneben waren im Umlauf 278,38 Millionen Mark Kommunal- und 6,02 Millionen Mark Kleinbahnschuldverschreibungen. Der gesamte Obligationenumlauf betrug somit Ende 1908 9600,56 Millionen Mark. Gegenüber dem Obligationenumlauf vom 30. Juni 1908 in Höhe von 9306,04 Mill. Mark bedeutet dies eine Zunahme um 294,52 Millionen Mark. Für das ganze vergangene Jahr betrug diese Zunahme 533,36 Millionen Mark. Für den 31. Dezember 1907 war der Gesamtumlauf auf 9067,20 Millionen Mark ermittelt.
Der Segen der Schulsparkaflen.
In der Eemeinedeschule III in Wilmersdorf- Berlin besteht feit fünf Jahren eine Schulsparkasse, die bemerkenswerte Ergebnisse erzielt hat. Nach dem letzten Bericht sind seit dem Bestehen dieser Kasse nicht weniger als rund 69 500 J*. gespart worden. Im Jahre 1908 betrug die Sparsumme 13 139 X Die Zahl der sparenden Kinder beläuft sich auf durchschnittlich 64% v. H., also auf fast % sämtlicher Schulkinder. Es sparten bis jetzt: Bis 5 «M. rund 150 Kinder, bis 50 M 500, bis 100 M 130 und bis 200 M 50 Kinder; 20 Kinder besitzen sogar Spareinlagen über 200 X Ihren sozialen und ethischen Aufgaben ist die Kasse durchaus gerecht geworden. Sie hat verhütet, daß manches 10- Pfennigstück in den Automaten, in die Konditoreien wanderte oder zur Beschaffung von Schundliteratur verwendet wurde. In schlechten Zeiten war die Kasse häufig die letzte Zuflucht der Eltern, die kleinere Beträge zur Bestreitung dringender Ausgaben abhoben. Vor allem aber ist die Erweckung und Stärkung des Spartttebes durch die Schule von großem Werte für den späteren Lebensgang der Schüler und für bereit allgemeine Charakterentwicklung.
Konsumvereine — Musterbetriebe.
In der „Konsumgenosienschaftlichen schau" macht Alice Katz den Vorschlag, Konsumvereine sollten für ihren Bedarf bi: Heimarbeiter beschäftiaen, anstatt wie bis' : bie hier geeigneten Waren aus zweiter o" dritter Hand zu beziehen. Durch diese Stel! • der Konsumvereine als direkte Arbeitgeber i die Heimarbeiter würden die Gewinne ausgeschaltet, die jetzt an Zwischenmeister. Grossisten usw. fielen, dadurch würde eine Zahlung auskömmlicher Löhne zu ermöglichen sein. So würden die Konsumvereine tn Bezug auf die Lohnfrage zu Musteranstalten werden können, sie würden aber nach weiteren Leistungen sich zu idealen Arbeitgebern entwickeln: nämlich die Errichtung einer Mutterschaftsversicherung
strengen Ausdruck trägt. Und doch liegt etwas sehr Freundliches in den ttefliegenden. hellen Augen, es spricht Herzensgüte aus dem faltigen Antlitz und Humor aus den etwas vollen, frischen Ltpoen. Was hat den Mann so streng gemacht? Es muß ein großer Schmerz gewesen sein, der sein Wesen umgestaltet, vielleicht auch eine Todeswunde. bie lebensgefährlich blutet, an der niemand rühren darf, deren Weh nie aufhört. —
„Schlechte Jagd," knurrt der Baron, „voriges Jahr hatten wir hier in Tenne-Kalln« fünf Rehe, darunter drei kapitale Böcke, acht Füchse und zwölf Hasen, hol mich der Kuckuck, es ist wahr."
Die anderen Herren lächeln.
„Na, na. ganz so viel war es nicht," meint Baron v. Reckstein-Mahlen, „aber immerhin habe ich in Deinem besten Revier noch nie so wenig Wild erlegt."
Auch die Iägerburschen sind mit den Hunden erschienen, und nachdem die Gäste Rothenfelds in die langen Leiterwagen gestiegen, geht es nach Hollen zurück. Alle sind rechtschaffen hungttg, denn der Baron ist noch von der alten Schule und macht die neue Mode nicht mit. Er gestattet kein warmes Frühstück auf seinen Jagden.
„Das macht träge und nimmt zu viel Zeit," meint er, „einige Butterbrote in der Jagdtasche, eine Flasche mit Kümmel oder Pommeranzenschnaps, vielleicht noch einige Pfannkuchen, das ist genug für den knurrenden Magen, der bei solchen Gelegenheiten Nebensache ist. Der wirkliche M. ^tnann ist kein Schlemmer, er nimmt es ernst mit der edlen Jagd und Sanft Hubertus will ihm wohl. Bei der Heimkehr schmeckt bas warme Essen desto trefflicher, na, und wenn man, wie ich. eine so gute Hausfrau besitzt, so kann man sicher sein, daß man etwas Gutes für den Schnabel kriegt." Baron Rothenfeld schmunzelt« und bewegte seine Lippe» im Vor»
für die Arbeiterinnen, durch Krankenunterstützungen für Kinder u. a. m. Man sieht hier wieder, von welchen Illusionen sozialpolitische Projektenmacher erfüllt sind. Schon jetzt hätten es die Arbeiterkonsumvereine in der Hand, wenigstens ihre eigenen Angestellten anständig zu bezahlen und zu behandeln; aber in keinem „kapitalistischen" Betriebe ist das Personal in Bezug auf Lohn und Arbeitszeit so übel daran, wie in diesen Genossenschaften. Wer auf „Idealismus" proletarischer Arbeitgeber rechnet und von diesen verlangt, sozialpolitische Musterbe. triebe einzurichten, der wird recht bald und sehi gründlich enttäuscht werden.
Die deutsche überseeische Auswanderung 1908.
Im Jahre 1908 sind (vgl. das Vierteljahrs- Heft zur Statistik des Deutschen Reiches 1909.1) 19 883 Deutsche ausgewandert. Danach ist bie bentsche Auswanderung gegen das Vorjahr, wo sie noch 31 696 Personen betrug, um 11 813 zurückgegangen und erreichte hiermit von allen hier seit 1871 vorliegenden Ziffern den geringsten Stand. An der Gesamtzahl der deutschen Auswanderer im Jahre 1908 (19 883) sind als Auswanderergebiete beteiligt: Brandenburg mit Berlin mit 2159 Personen, Posen. Hannover. Rheinland. Königreich Bayern. Köniareich Sachsen mit je über 1000, Westfalen und Königreich Württemberg mit über 900 Personen. Die weitere ausführlichere Veröffentlichung über die überseeische Auswanderung erfolgt in nächster Zeit im Bande 223 zur Statistik des Deutschen Reiches.
Ein „Deutsches Institut für ärztliche Mission"
ist bekanntlich am 15. November 1906 in Frankfurt a. M. ins Geben gerufen worden, mit dem .Zweck, den Missionaren in den fernen Heiden- ländern hilfreich zur Seite zu treten. Das englische Vorbild ist hierfür in hervorragender Weise maßgebend gewesen. Die dortige ärztliche Mission verfügt gegenwärtig über 850 Misfionsärzte und -Aerzttnnen englischerZunge, und eine noch viel größere Anzahl von Missionaren und Misstonsschwestern ist fähig, sachgemäße Hilfe in gewissen Grenzen aus dem Gebiet der inneren Medizin, Chirurgie, Geburtshilfe und Tropenhygiene zu leisten. Die evangelische» Misstonsgesellschaften deutscher Zunge haben bis jetzt nur 18 Missionsärzte in ihrem Dienst und nur 2 davon befinden sich in deutschen Kolonien. Die medizinische Ausbildung unserer Missionare konnte bis jetzt vielfach kaum übet bie elementarsten Anfänge der Hilfeleistung hinausgeführt werden. In erster Linie muß daher die Errichtung eines besonderen Lehrge? bäudes ins Auge gefaßt werden. Für dasselbe fanden sich in Tübingen alle günstigen Vorbedingungen, und der Bau ist soweit gefördert, daß im April 1909 bie Anstalt wird bezogen •■«erben können. Die Kosten betragen etwa
'0 000 X an denen bis jetzt noch 50 000 JL
genuß des kräftigen, schmackhaften Mahles, das ihm und seinen Gästen in dem großen Speisesaal in Hollen erwartete.
..Minchen wird auch heute für alles gesorgt haben." dachte er zufrieden und das gute, freundliche Gesicht mit dem stillen Leidenszug um den Mund tauchte vor ihm auf, fein Minchen, gegen das et oft recht heftig und brummig war, mit der er nun über vierzig Jahre verheiratet ist, die feine Launen mit stets gleichet Sanftmut duldet, die ihm die beste, treueste Gattin gewesen und wie ein tapferer Kamerad an seiner Seite gestanden in allen frohen und trüben Tagen seines Lebens.
,Na Brüderchen. Dir scheint eine Laus über die Lebet gekrochen zu fein. Du rauchst wie ein Schornstein und sprichst kein Wort," bemerkt ein alter fröhlich blinkender Herr, der neben Rothenfeld auf dem Sack im ersten Leiterwagen sitzt. Ein gelinder Rippenstoß läßt den Angeredeten aus seinen Gedanken auffahren.
„Erbarme Dich, wie soll ich bei der gemeinen Jagd vergnügt sein," versetzt Rothenfeld der dem andern nicht den wahren Grund seines Schweigens vertaten will, „weißt Du, Brüderchen, da wat ich vor zwei Jahren einmal ganz allein mit dem Niklas zur Pürsche gegangen, wir erwarteten Besuch und die Frau wellte durchaus einen Rehbraten haben, na, Du weißt, sie beherrscht mich und ich muß gehorchen, wen« sie die Hosen anzieht."
Hm sie ist eine von den „Forschen", wirst Rothenfelds alter Freund ein, „atmet Adam, Du spürst den Pantoffel."
Ein schalkhaftes Lächeln zuckt um die Lipp«» des alten Barons von Mandan bei diesen Wor» ten, denn es ist seit vierzig Jahren überall bekannt, daß der Herr auf Hollen auch Herr st» Hause ist und keinerlei Widerspruch leidet.
t (Forlletzung folgt.)
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