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Sercnttrortlid) für die Redaktion:

Dr. phil. Earl Httzeroth tn Marburg.

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Für die in Rossau durch die Ueberschwemmung Geschödigten gingen bei un» ein:

Ungenannt 3 <M, Ungenannt 2 <*, Ungenannt 8 <Ä, die Ueberschwemmten am Friedrichsplatz für ihre überschwemmten naff. Landsleute 8,55 *, denn st, wissen auch jetzt, war es heißt im Schlamm stecken.

Weitere Gaben werden gern cnfgcnctwttotnmen.

Die Expedition.

Marburg

Sonntag 14 März 1909.

gehende und sorgfältie Prüfung beider Denkschriften notwendig sein.

Wenn die Gehaltsverhältnisse hier ausscheiden, so möchte ich doch nicht unterlaffen, einige Wünsche vor­zutragen. Im Falle des Todes eines Beamten pflegt es nahezu die Regel zu sein, daß außer dem Gnaden­vierteljahr noch besondere Unterstützungen gewährt werden. Diese würden in Fortfall kommen, wenn die Zahlung der Pensionen und der Waisengelder sofort im nächsten Monat nach dem Tode erfolgen würde und nicht erst nach Ablauf des Gnadenvierteljahrs.

Dann sind mir zahlreiche Klagen zu Ohren ge­kommen von Landbriefträgern. Sie beschweren sich, daß in Fällen, wo sie Pferde zu unterhalten haben, die ihnen gelieferte Entschädigun nicht hinreicht. Ich wäre in der Lage, einen speziellen Fall hier anzu­führen ich werde daS aber nicht hier im Plenum tun, sondern das privatim mit den Herren vom Reichspostamt besprechen, ein Fall, in dem eine solche ungenügende Entschädigung direkt zu einer Katastrophe in der betreffenden Beamtenfamilie ge­führt hat.

Meine Herren, wir haben mit Recht in der Budget- kommiffion betont, daß Ersparnisse gemacht werden müssen. Ich möchte da bemerken, daß es geschehen kann auf dem Gebiet der Versetzungen. Man hört allgemein in den Kreisen der Beamten Klagen dar­über, daß die Versetzungen nicht rechtzeitig genug be­kannt gegeben werden. Das Reichspostamt sagt uns dann immer, das wäre nicht möglich, weil der Etat nicht rechtzeitig fertiggestellt wäre. Nun sind zum 1. Januar 1909 50 Postscheckämter eingerichtet wor­den. Das war bekannt; aber die Versetzungen, die infolgedessen stattfinden mußten, sind erst bekannt ge­worden, die ersten zu Anfang Oktober, die anderen zu Ende Dezember. _ Die Folge war, daß nicht mehr rechtzeitig die Kündigung der Wohnungen erfolgen konnte; da nun die Post für die versehen Beamten den Ausfall decken muß, so sind da erhebliche Schä­digungen der Reichskaffe erfolgt. Wir müssen wün­schen, daß doch, wo es möglich ist, die Versetzungen .r!' bck^nnweoeben werden, um solche Schädi­

gungen dec Reichskaffe zu vermeiden.

Bereits gestern wurde hier die Portofreiheit der Fürsten zur Sprache gebracht. Es kann gar keine Rede davon sein, daß wir unsererseits einseitig di« Porto­freiheit der Fürsten beseitigen; wir sind nicht dazu imstande, Dinge, die durch Gesetz geregelt sind, ein­fach unsererseits zu beseitigen. Aber auf der an­deren Seite haben sich ja die Fürsten bereit erklärt, darauf zu verzichten, daß das ihnen zuftehende Recht übertragen wird auf ihre Wirtschaftsbetriebe. E» wäre, nachdem dieser freiwillige Verzicht erfolgt ist, doch wünschenswert, wenn auch der Verdacht irgend welcher Mißstände dadurch vermieden wird, daß sich daS Reichspostamt mit den Fürsten in Verbindung seht und durch Verabredung auch tatsächlich eine ge­setzliche Regelung der Portofreiheit der Fürsten in dem Sinne herbeiführt, daß durch Gesetz die Aus­dehnung auf den wirtschaftlichen Betrieb verhindert wird.

Ich weise ferner darauf hin, daß Ersparnisse sehr wobl gemacht werden können dadurch, daß manche Ar­beiten, die heutzutage von Unterbeamten auSgeführt werden, auf Arbeiter übertragen werden. Wenn man sieht, wie auf den großen Bahnhöfen daS Ein- und Auspacken der Eisenbahnwaggons durch Unterbeamte erfolgt, so wird man zu der Ansicht kommen, daß daS durch Arbeiter, durch billigere .Kräfte erfolgen kann. Ebenso erfolgt die Reinigung der Postämter in erheb­lichem Maße noch durch Unterbeamte; auch da können billigere Arbeitskräfte an deren Stelle treten.

Dann noch einige Wünsche im Interesse deS Ver­kehrs. ES hat sich als außerordentlich belastend für die Postverwaltung der starke Andrang der Paket­aufgabe an den Nachmittagen herauSyestellt. @8 wird sich fragen, ob es nicht praktisch wäre, gewisse Er­mäßigungen deS Pakeiportos eintreten zu lassen, wenn die Aufgabe der Pakete am Vormittage erfolgt. Die Handhabung der gegenwärtigen Paketauigab« führt auch zu einer erheblichen finanziellen Belastung.

Ich weise darauf hin, daß in den Abendzügen die Bahnpostwagen außerordentlich belastet sind; es müs­sen besondere Wagen eingestellt werden, während die Bahnpostwagen am Tage vielfach leer laufen. Such da wären Ersparnisse zu machen.

Meine Herren, aus vielen Kreisen von solchen Ge­schäften, die Nachnahmepakete versenden, ist der Wunsch nach einer "^cchzigpfennigmarke laut gewor­den. Es entspricht das tatsächlich einem Bedürfnisse deS Verkehrs, und ich würde die Anregung geben, ob die Postverwaltung sich nicht über die Einführung einer solchen Marke schlüssig werden könnte.

Vor allen Dingen verlangen wir auch, daß für den Postbetricb einfache, klare Bestimmungen eingeführt werden. Ich weise da nur hin auf die vielen Fälle, wo durch außerordentlich komplizierte Bestimmungen der Betrieb erschwert ist. Die Urlaubsgesuche, die von den Reservisten an die Militärbehörde gesandt werden, gehen portofrei, wenn sie geöffnet versandt werden. Neuerdings ist eine Verfügung gekommen, daß diese Gesuche nur dann portofrei zu versenden sind, wenn aus dem Inhalt sich ergibt, daß die Gründe des Urlaubsgesuchs nicht in der Gewalt des Antrag­stellers liegen, also er durch Krankheit oder andere Gründe verhindert ist. Welche Arbeit ergibt das sür die Beamten! Die Beamten sind gezwungen, diese Briefe durchzulesen, und der Trieb nach Sparsamkeit führt hier tatsächlich zu erheblichen Belästigungen und einer oft unnützen Beschäftigung des Beamten­personals.

Ich weise ferner darauf hin, daß Bestimmungen eriftieren, wonach für Telegramme, von denen der Betreffende wünscht, daß sie während eines Teils der Tages nach seiner Privatwohnung, während des an­deren Teils des Tages nach seinem Geschäft bestellt werden, jedesmal 30 Pfennig zu zahlen sind. Wenn der Betreffende aber von einem beliebigen Zeitpunkt au einen Zetel an seinem Geschäft anheftet:Ich wünsche die Telegramme nach meiner Privatwoh­nung". so findet die Bestellung gebührenfrei statt, ob­wohl der Bote einen doppelten Weg machen muß, und im ersteren Falle ein Gang gespart wird.

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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

4tnb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage.

Von den Hotelier» wird über die Bestimmungen geklagt, wonach sie für ihre Gäste, die Wertsendungen erhalten. Bürgschaft leisten sollen. Würden sich die Hoteliers weigern, diese Bürgschaft zu leisten, so würde da» dazu führen, daß sie viele von ihren Gästen los werden. ES ist ein Zwang, der so auf da» Hoteliergewerbe auSgeübt wird, und der dadurch be­seitigt werden könnte, daß man seitens der Post Legi­timationskarten ausstellt, oder durch andere Maß­regeln. Jedenfalls glaube ich, daß eS möglich wäre, diese Schwierigkeiten zu beheben.

Meine Herren, wir begrüßen eS mit außerordent­licher Freude, daß durch Verfügung des Reichspost­amts vom 9. Dezember 1908 ausdrücklich darauf hin- gewiesen ist. daß daS Reichspostamt es gerne sieht, wenn Arbeiten, die vom Reichspostamt vergeben wer­den, durch Handwerkervereinigungen übernommen werden. Wir haben ja in der Budgetkommiffion ge­hört, daß solche Arbeiten, die seitens der Handwerker­bereinigungen übernommen werden, bisher nur in sehr geringem Umfange bestehen, und zuweilen nickst die Qualität genügt. Meine Herren, ich möchte doch wünschen, daß noch mehr als bisher seitens des Reichspostamts auf die Nachgeordneten Behörden in dieser Beziehung eingewirkt wird, vor allem, daß viel­leicht eine Verfügung herauskommt, wonach bei Ver­gebungen die einzelnen in den betreffenden Bezirken vorhandenen Innungen, die in Frage kommen, be­nachrichtigt werden, oder daß man die Handwerks­kammer davon verständigt, daß sie eS ihrerseits tut, damit die Handwerker mehr als bisher zu diesen Ar­beiten herangezogen werden. Man wird da vielleicht sagen, daß diejenigen Leute, die sich für derartige Submissionen interessieren, die Fachblätter lesen. Das dürfte aber nur zu einem kleinen Teile der Fall sein, und man wird daher den Verhältnissen, wie sie tatsächlich sind, Rechnung tragen müssen, um da» Handwerk, das stch lange Jahre entwöhnt hat, von den Behörden beschäftigt zu werden, durch entgegenkom­mende Mitteilungen wieder mehr zu solchen Lie­ferungen heranzuziehen. Ich bin der Ueberzeugung, daß dann das Reichspostamt auch bald zu der Er­kenntnis kommen wird, daß, wenn erst das Handwerk gewöhnt ist, derarttge Lieferungen zu machen, dann auch seine Leistungen in jeder Weise befriedigen.

Meine Herren, ich komme jetzt zu einer Frage, die ich hier bereits im vorigen Jahre angeschnitten habe, zur Frage der Telegraphenarbeiter. Auch da ist mit Recht gesagt worden, daß die Lohnverhältnifle der Telcgraphenarbeiter im Zusammenhang mit den Ge­haltsfragen geordnet werden sollen, und ich will des­halb aus diese Seite der Frage nicht eingehen.

In den Kreisen der Telegraphenarbeiter ist man dem Reichspostamt außerordentlich dankbar dafür, daß nunmehr Arbeiterausschüsse durch die Verfügung des Reichspostamts in Kraft getreten sind. Das än­dert aber nichts daran, daß diese Arbeiterausschüsse noch manche Mängel aufweisen. Ich möchte darauf Hinweisen, daß nach der Denkschrift der Telearaphen- arbeiter noch ganze Oberpostdirektionen bestehen, an denen überhaupt kein Telegraphenarbetterausschuß vorhanden ist, weil die Bestimmung, daß mindesten» 50 Telegraphenarbeiter in einem solchen Bezirk vor­handen sein müffen, es hindert, daß in kleineren Be­zirken solche Ausschüsse begründet werden. Wir kön­nen den Wunsch aussprechen, daß diese Zahl von 50 auf 30 herabgesetzt wird. Mindestens in jedem Ober­postdirektionsbezirke wäre es wünschenswert, wenn ein solcher Ausschuß bestünde.

Ich weise nun darauf hin, daß auch tret § 2 Ab­satz 2, der es den Ausschußmitgliedern untersagt, Wünsche und Beschwerden, die lediglich Angelegenheit einzesner Arbeiter sind, in den Ausschußsitzungen zu erörtern, auch Beschwerden gegen einzelne Beamten vorzubringen, die Bewegungsfreiheit dieser Ausschüsse erheblich hindert, und daß es auch da erfreulich und im Interesse der Telegraphenarbeiter läge, wenn eine Abänderung dieser Bestimmungen eintreten würde.

Mein« Herren, ich komme dann wieder mit dem alten Wunsch, der ja schon ost hier geäußert worden ist- mit der Anrechnung der Arbeiterjahre auf da» Besoldungsdienstalter. Gerade diese Mißverhältnisse zwischen ehemaligen Telegraphenarbeitern und den­jenigen Unterbeamten, die direkt in den Dienst der Post getreten find, die verschiedene Besoldung trotz der gleichen Dienstjahre rufen immer und immer wieder Unzufriedenheit in den Kreisen der Pottunterbeamten hervor. Diese Klagen muß man wieder und immer wieder hören, und ich glaube, daß auf diesem Gebiete die Reichspostverwaltung allerdings etwas mehr Ent­gegenkommen zeigen sollte, als das bisher der Fall ge­wesen ist. (Sehr richtig!) Es liegt tatsächlich gar kein Grund vor, warum da nicht Leute, die die glei­chen Jahre im Betrieb tätig gewesen find, auch in gleicher Weise nach ihrer Dienstzeit behandelt werden sollen., (Sehr richtig!)

Meine Herren, ein weiterer Wunsch geht dahin, daß die Telegraphenarbeiter in der Hauptsache auch für die Leitungsauffeherstellen in Frage kommen. Das geschieht zum großen Teil nicht. ES wäre aber empfehlenswert, wenn diese Leute, die den Betrieb ja durch ihre bisherige Tätigkeit ganz besonders ken­nen, in erheblicherem Maße, als das bisher der Fall war, in diese Stellen hineinkommen. (Sehr richtig!)

Meine Herren, auf dem Telegraphenarbeiterkon­greß in Frankfurt a. M. ist besonders geklagt worden, und meiner Ueberzeugung nach mit Recht, über di« ungenügenden Entschädigungen, die für die Tättgkeit außerhalb des Wohnsitzes gezahlt werden, namentlich dann, wenn die betreffenden Leute gezwungen sind, dort zu übernachten. ES find ihnen da häufig Preise abefordert worden, die den Verhältnissen absolut ntchl entsprechen. Die Enffchädigun, die ihnen geworden ist, ist absolut ungenügend. (Sehr richttg!) Es ist mir häufig gesagt worden, daß da 2 bis 3 Mark für Nachtquartier gefordert und nur 70 Pfennig ihnen bezahlt worden sind. (Hört! Hört!) Derarttge Ver­hältnisse führen mit Notwendigkeit dazu, daß ein sol­cher Telegraphenarbeiter für seine Familie nichts übrig behält. Ich glaube, es wäre durch einen Druck auf die betreffenden Ortsbehörden zu erreichen, daß sie billigere Quartiere schaffen. Wenn die Reichspost­verwaltung diese betreffenden Städte darauf auf»

Reich beschenkt. Zu nicht geringem Schrecken erfuhr eine Frau in Wettsaasen, daß sie sich beim Verabreichen einer milden Gabe an einen Handmerksburschen stark vergriffet und ver­sehen hatte. Sie gab ihm statt eines Pfennigs ein Zehnmarkstück. Der Handwerksbursche war aber ein unehrlicher Kerl und kam nicht wieder.

Humor le der Steuerreklamation. Ein Berliner Blatt erzählt von der Antwott eines durch seine Bonmots bekannten Berliner Bank­direktors auf eine Beanstandung seiner Steuer­deklaration. In der Zuschrift der Einschätz­ungskommission hieß es mißtrauisch;Wir ver­missen den Gewinn aus Spekulationsgeschäften im Einschätzungsjahr." Der Vankdtrektor schrieb kurz, aber vielsagend darauf zurück:Ich auch!"

Man abonniert auf di« täglich erscheinend«Oberhessische Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitung»stellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21.

Der Bezugspreis beträgt durch die Pott 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und der Expedition 2 Mk.

Die JnfertionSgebüht beträgt für bte 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. »i Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UnioersttätSbuchdtuckeret oUtJlfl« Inhaber Pr. C. Hitzero th, Marburg, Markt 31. Telephon 55.

Rede des Ab«. Dr. Böhme im Reichstaae.

Meine Herren, über die Telephonfraae werde ich hier nicht Ausführungen machen, ich überlasse das einem anderen Kollegen meiner Fraktion. Wir er­kennen an, daß der Etat, wie er vorliegt, ein erfreu­liches Bild gibt von den Bestrebungen der Reichspost- derwaltnng, Einrichtungen zu treffen im Interesse der Beförderung deS Verkehrs; wir müssen eS aber be­dauern, daß vielfach Streichungen gemacht worden find, die wir nicht billigen konnten. So find durch die Streichnngen, wie sie leider von der Kommission angenommen worden sind, die an sich schlechten Be- förderungsverhältniffe in der oberen Postkarriere noch verschlechtert worden, nud eS wird auch ein Druck da­durch auSgeübt auf die Verhältnisse der mittleren Postbeamten, und wir werden gerne dem Antrag der nationalliberalen Partei zusttmmen, die die Wieder­herstellung einiger dieser Stellen verlangt. Noch be­dauerlicher erscheint uns, daß auf dem Gebiete de» Telephon- und Telegraphenwesens erhebliche Strei­chungen gemacht worden sind. Wir sind der Ansicht, daß es sich dort nicht um überflüssige Ausgaben han­delt, daß e» vielmehr in einer Zeit der Krisis und Be- schäftignnslofigkeit wünschenswert ist, Einrichtungen zu treffen, die ein wenig dazu dienen, die Arbeits­losigkeit zu mildern und vor allem die Telegraphen­arbeiter in erhöhterem Maße, als es bisher möglich war, auch im Winter zu beschäftigen. Wir sind der Ueberzeugung, daß die Umwandlung der oberirdischen in unterirdische Leitungen notwendig ist; wir haben häufig genug Erfahrungen gemacht, daß die Störun­gen, die durch die Witterung an den oberirdischen Leitungen eingetreten sind, viel mehr Schaden ge­macht haben, und dadurch Geldaufwendungen not­wendig wurden, die weit über das hinausgingen, wa» hier gefordert wird. Wir sprechen die Genugtuung darüber aus, daß die Zahl der gehobenen Unter« beamten eine weitere Vermehrung erfahren hat, wenn wir auch der Ansicht sind, daß daS Tempo noch ein etwas rascheres hätte sein müssen. Die vorliegende Stattftik des Reichspostamts zeigt uns, daß es bestrebt ist, auf dem Gebiete der Sonntagsruhe, der Herab­setzung der Dienststunden und eines reichlichen Ur­laubs, den Wünschen nach Kräften nachzukommen. Andererfeits müssen wir aber doch sagen, daß auf die­sem . Gebiete auch noch zahlreiche Mangel vorhanden sind, für die wir eine Abhilfe verlangen. Aus der Statistik, die seitens des Reichspostamts borgelegt worden ist, ergibt sich, daß 49,7 Prozent der Unter­beamten unter 54 Ruheschichten, 1,5 Prozent sogar unter 28 Ruheschichten im Jahr haben. Das ist ein Verhältnis, das wir als ungenügend bezeichnen müssen. Darauf ist wohl auch zurückzuführen, daß besonder» die Erkrankungen der Atmungsorgane bei den Unter­beamten außerordentlich häufig sind; e» eribt sich auf 18 bis 19 Beamte ein Fall der Erkrankung von Atmungsorganen, auf 14 Beamtinnen einer, aber be­reits auf 11 Unterbeamte ein Fall der Erkrankung der Atmungsorgane. Das ist auch ein Zeichen dafür, daß außerdem die sanitären Verhältnisse in den Post­ämtern vielfach doch ungenügend find. Das geht auch hervor aus dem, was der Etat in der Begründung der einzelnen Neubauten bringt. Aus einer von mir aus­gestellten Zusammenstellung über einzelne Postämter, die bisher im Betrieb waren, ergibt sich z. B., daß beim Postamt 21 in Berlin die Briefabfertigungs- stclle in einer Größe von 21 Quadratmeter 25 Be­amte aufnehmen mußte, der Briefträgerraum bei 88 Quadratmeter 81 Beamte, der Erfrischungsraum in Größe von 48 Quadratmeter 247 Beamtinnen. In Gera hatte der Briefträgersaal in Größe von 87 Quadratmeter 87 Beamte aufzunehmen. Aehnlich liegen die Verhältnisse in Limbach in Sachsen usw. Das zeigt doch, daß tatsächlich Aemter im Betriebe sind. Deren Räume völlig unzureichend sind. Das er­klärt wohl auch, daß die Gesundheitsverhältnisse des gesamten Beamtentums noch keineswegs befriedigende sind. Wir möchten auch warnen vor einer noch stär­keren Einstellung weiblicher Arbeitskräfte. (Sehr richtig! bei der Wirtschaft!. Vereinigung.! Die Sta­tistik yigt uns, daß die Gesundheitsverhältnisse der Beamtinnen im Postdienst viel ungünstiger sind, wie die der Beamten, so war bei den Beamtinnen der Prozenffatz derjenigen besonders stark, denen Kur- urlaub erteilt werden mußte, sowie derjenigen, denen infolge langer Krankheiten kein Extraurlaub mehr erteilt werden konnte. Es erhielten männliche Be­amte Urlaub: 95,3 Prozent, Kururlaub 3,3 Prozent, wegen längerer Krankheit keinen Urlaub 1,2 Prozent; von den weiblichen Beamten erhielten Urlaub 90,7 Prozent, Kururlaub 6 Prozent, wegen längerer Krankheit keinen Urlaub 3,3 Prozent. Jedenfalls zeigen diese Zahlen, daß das weibliche Personal den Anstrengungen deS Dienstes keineswegs so gewachsen ist wie das männliche.

Ich will mich nicht über die Personalreform ver­breiten. Unsere wesentlichste Ausgabe besteht jetzt in der Neuordnung der Gehaltsverhältnisse. Da» wird zunächst unsere ganze Kraft in Anspruch neh­men. Ich will, dem Beispiel meiner Herren Kollegen folgend, über die Gebaltsverhältnisse jetzt nicht spre­chen; dazu wird sich fa bei der Beratung der Besol­dungsreform Gelegenheit finden. Zur Personal- teform nur folgendes: Wir sind sehr dankbar dafür» daß der Verband der mittleren Postbeamten eine so ausführliche Widerlegung von seiner Seite gegeben hat. Mit Recht scheint mir in dieser letzteren Denk­schrift, besonders auf Seite 6, darauf hingewiesen zu fein, daß der Tätigkeitskreis der mittleren Post­beamten immer schwieriger geworden ist, daß neue, große Zweige hinzugekommen sind, und daß diesen Be­amten nur die schwierigsten Arbeiten jetzt infolge der Schaffung der gehobenen Unterbeamten geblieben find. Die Gründe des Reichspostamts gegen d.e er« strebte Personalreform sind nach unserer Ueberzeu- gung nicht durchschlagend; jedenfalls wird eine ein»

merksam machen würde, daß, fall» sie in dieser Be- ziehung nicht entgeenkommender sind und nicht für billigere Unterkunft Sorge tragen werden, fde sich bann damit abfinben muffen, daß Schäden, die dort vorhanden sind, nicht so rasch abgestellt werden kön­nen, wie es wünschenswert erscheint, daß bann die städtischen Behörden ein Interesse daran haben, für eine billigere Unterkunft bet Telegraphenarbeiter zu sorgen. (Sehr richtig!)

Meine Herren, ich weise ferner darauf hin, daß noch immer kein Entgegenkommen gezeigt ist betref­fend den Wunsch nach einer ärztlichen Untersuchung bei der Einstellung der Telegraphenarbeiter. Ich möchte da nochmals betonen, daß viele der jungen Leute, die in den Telegraphenarbeiterdienst ein treten, vielleicht alle oder doch wenigstens in ihrer ungeheuren Mehrjahl in diesen nicht besonders bezahlten Dienst doch lediglich deshalb eintreten, weil sie der Ansicht find, baß sie später festangestellte Beamte werden. Sie würden sonst in einen anderen Dienst bei der In­dustrie treten, wa» ja jetzt zur Zeit der Krisis natür­lich schwierig ist, wa» aber bann, wenn die Konjunk­tur sich heben wird, ihnen wieder viel leichter werden wird. Es würde bann bie Postverwaltung in einer außerordentlich schwierigen Lage fein, wenn bet Zu­strom zu dem Telegraphenarbeiterdienst nicht in dem­selben Maße stark wäre, wie das jetzt der Fall ist. Aus diesem Grunde ist es recht und billig, daß, wenn die Leute eintreten, wenn sie gesund eintreten, daß dies durch Untersuchung festgestellt wird, und daß sie bann auch das Anrecht auf eine Anstellung erhalten. Die zahlreichen'Herzfehler, die sich durch die anstren­gende Tätigkeit herausbilden, sind doch auf das Konto des anstrengenden Dienstes zu fetzen, und sie bered;» tigen die Behörde in keiner Weise, nunmehr diese Leute, die sich daS in ihrem Dienst geholt haben, ein­fach auf die Straße zu sehen. Meine Herten, da sollte etwas mehr soziales Empfinden und Gefühl in den maßgebenden Kreisen vorhanden sein.

Cs wird anerkannt, daß im letzten Winter die Qk- schäfttgung der Telegraphenarbeiter eine reichlichere gewesen ist, daß die Zahl der Außerdienststellungen geringe geworden ist. Immerhin sind auch da noch Klagen vorhanden, und e» fragt sich, ob nicht durch eine völlige Aenderung im Telegrapbenbanwesen ein gesunderer^ Ausgleich zwischen der Beschäftigung im Sommer und im Winter zu schaffen wäre. Mein Fraktionskollege Behren» hat in einer Zeitung daraus hingewiesen, ob es sich nicht empfehlen würde, eint Verselbständigung des Telegraphenbaues vorzuneh­men. Heutzutage stehen an der Spitze des Telegra­phenbaues Leute, die als Fachmänner nicht anzn- sprechen sind. ES wäre wohl möglich, wenn bei die­sem immer größer werdenden Betrieb selbständige Aemtet geschaffen würden und Fachmänner an der Spitze ständen, daß da ein Ausgleich zwischen Sommer­und Winterarbeit zu treffen wäre und so die traurige Tatsache, daß ein Teil der Arbeiter im Winter nicht beschäftigt wird, au8 der Welt geschafft würde. Man muß bedenken, daß schon in normalen Zeiten die In­dustrie nicht geneigt ist, Leute, die nur für kurze Zeit in ihren Dienst treten wollen, bei sich zu beschäftigen. Noch schwieriger ist das in Zeiten der Krisis; da wird sie selbstverständlich, wenn sie Arbeitskräfte sucht, solche nehmen, die bereit sind, dauernd in ihren Dienst zu treten, nicht solche, die nur auf eine gewisse Zeit von der Postverwaltung entlassen werden. Deshalb würde ich wünschen, daß in dieser Beziehung Maß­regeln erwogen werden das kann ja natürlich nicht von heute auf morgen geschehen, bie vielleicht eine Verselbständigung des Telegrapbenbaus berbeiffibren.

Meine Herren, ich möchte mich auf diese Ausfüh­rungen beschränken. Wenn ich hier nicht zum Tele« phongeseh gesprochen habe es wird, wie gesagt, ein Kollege von meiner Fraktion dies nachholen, so möchte ich doch die eine Bemerkung dazu machen: Die Agitation, die von manchen Seiten gegen dieses Ge­setz getrieben wird, erscheint nn? in dem Maße, wie sie betrieben wird, unberechtigt. Und wenn sogar daran Bestrebungen geknüpft werden, die sich gegen bie Person des leitenden Herrn Staatssekretärs rich­ten. so muß ich namens meiner Freunde erklären, baß sie sich eine derartige Agitation in keiner Weise zu eigen machen, sondern daß sie durchaus von Ver­trauen zu dem Leiter deS Reichspostamts beseelt sind. (Bravo! bei der Wirtschaftlichen Vereinigung.)