mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und ^Landwirtschaftliche Benage
Aus dem Abaeordnetensianse.
In der Generaldebatte über das Gesetz bett, die Einkommenbesteuerung der Beamten, Lehrer und unteren Kirchendiener begründete Abg. ». b. GrSben (fonf.) den Antrag, die Beteiligung der Landkirche mit 26 Prozent der Beamtensteuer wiederherzustellen. Abg. Dr. Heisig (Ztr.) sekundierte ihm, während die Abg. Ecker (natl.), Reinbacher (frs. Vp.) und Hirsch (Soz.) widersprachen und außerdem die Wiedereinbeziehung der Geistlichen in das Gesetz verlangte«.
Abg. Ramdehr (freik.) sprach sich vom Standpunkt der evangelischen Geistlichen gegen die Aufrechterhaltung deS Steuerprivilegs derselben aus. Abg. Wolff- Lissa (frs. Vg.) plädierte in demselben Sinne.
Dar HauS lehnte den Anttag auf Einbeziehung der Geistlichen ab und nahm den Antrag Graf von der Gröben an, beide» gegen die Stimmen der Linken.
Zu 8 6 begründete Abg. Frhr. v. Zedlitz (freik.) den Antrag das Gesetz in denjenigen Gemeinden, in denen noch Sozietätsschulen bestehen, erst mit deren
Der heutigen Nnmmer liegt bei Kreisblatt Nr. 20.
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Marburg
Sonnabend 13. März 1909.
Einfluß aus. mit der Befestigung der Wollpreise in den letzten Monaten liefen aber die Aufträge wieder flotter ein.
Für den Kalibergbau hat sich die von Amerika ausgehende Krisis sehr nachteilig bemerkbar gemacht. Immerhin zeigt der Eesamtabsatz noch eine erhebliche Zunahme gegen 1907, er erstreckt sich namentlich auf Deutschland. Frankreich, Hol- lanr und Belgien. Die Beteiligungsziffern find durch den Zutritt neuer Werke herabgemindert worden, was auch noch weiter der Fall fein wird. Hoffentlich führen die Verhandlungen wegen des Ende 1909 ablaufenden Syndikats zu einer Erneuerung.
Die Faßfabrikation ist in nie dagewesener Weise vom Niedergang betroffen worden. Der Betrieb war nicht annähernd auszunutzen, der Umsatz ging wesentlich zurück. Von Einfluß darauf war namentlich auch die ungünstige Lage br. Brauereigewerbes
In der Zigarrenfabrikation war die Beschäftigung lebhaft, bis im Herbst eine Abschwächung eintrat, die teilweise auf den allgemeinen industriellen Rückgang, teilweise auf die neuen Sttuerprojekte zurückzuführen war.
In der Papierfabrikation war der Geschäftsgang an sich befriedigend, jedoch wenig gewinnbringend. Die Fabrikation von Papierwaren, namentlich Reklameplakaten usw., ist von Stockungen bisher verschont geblieben, weil ein Rückgang in anderen Industrien zunächst gerade das Bedürfnis nach vermehrter Reklame mit sich dringt. Der Auslandsabsatz wird dagegen fortgesetzt erschwert.
In der Fabrikation von pharmazeutischen Bedarfsartikeln trat seit Beginn 1908 eine all-
Die Forsiverwaltuno von Tfiiritau.
Die deutsche Forstverwaltung im Kiautscho«' gebiet entfaltet weit über die Grenzen bes Schutzgebietes hinaus eine segensreiche, anregende Tätigkeit. 1904 wurde der damalige Gouverneur von Schantung, Yang Shi Hstan auf die Erfolge des Forstwesens in Tsingtau aufmerksam und faßte den Plan, als Muster für die Chinesen, die Tsinanfu umlagernden Höhenzüge aufzuforsten: denn die chinesische Regierung erkannte an dem Beispiel Tsingtaus allmählich, daß nur nach Aufforstungen im Oberlauf der Flüffe, die Flusiregulierungen Aussicht auf Gelingen hätten. 1907 wandte sich der bekannte Tang Schao Po, damals Gouverneur von Mukden, an das Gouvernement mit der Bitte, ihm auf einige Zeit den höheren Forstbeamten zur Begutachtung der beabsichtigten Aufforstung der Provinz Fengtien zur Verfügung zu stellen. Der Gouvernementsoberförster stellt« einen vorläufigen Aufforst- ungsplan fest, sodann wurde ein Tsingtauer Forstbeamter und ausgebildeter chinesischer Vorarbeiter nach Mukden gesandt. Nunmehr wirft dort ein auf Bitten der chinesischen Regierung entsendeter deutscher Oberförster.
Auch die Schantung-Eisenbahn geht mit Hilfe der deutschen Forstverwaltung jetzt daran, längs ihres Bahnkörpers Baumpflanzungen anzulegen. Die Kaiping-Werke nördlich Tientsin beginnen nach deutschem Muster eine Aufforstung ihres Territoriums. Die Aufforstungspläne sind durch die deutsche Verwaltung ausgestellt, welche auch die Arbeiten eingeleitet hat. Die dortigen Zementwerke haben sich ebenfalls schon an das Gouvernement gewendet. Die Ching- Ching-Minen bei Taiyüanfu beginnen nach gleichem Muster eine fystematische Aufforstung ihres Geländes. Die Paiho Regulierungskommission hat Ratschläge zu gleichem Zwecke erbeten und auch die Tientsin-Pukou-Bahn beabsichtigt in gleicher Weise nach Einholung von Ratschlägen mit der planmäßigen Bepflanzung des Bahnkörpers vorzugehen.
Die Pflanzenabgabe des Forstamts erreicht schon gewaltige Summen: es wurden abgegeben 1907: 4333 Hochstämme, 5925 Halbstämme und Sträucher, sowie 470 216 Forstpflanzen, und 1908 stieg die Abgabe sogar auf 4 000 000 Baumpsanzen. Ueberraschend schnell haben die Chinesen Verständnis für eine Verbesierung ihrer Obstbäume bekommen. Die deutsche Obstkultur durch Veredelung chinesischer Obstbäume mit Edelreiser gewann — anfänglich als Zauber mit Mißtrauen betrachtet — immer mehr Anklang bei der Bevölkerung, als die größere Rentabilität veredelter Obstbäume erkannt wurde. 1906 konnte die Nachfrage — trotzdem etwa 66 000 Edelaugen zur Verfügung gestellt wurden — auch nicht annähernd befriedigt wer-
Aus dem Reichstage.
Auch am gestrigen zweiten Tage wird die Generaldebatte weitergesponnen, in Anlehnung an den § 8, der die wichtigste Frage, die Zulässigkeit des Zuckerwasserzusatzes, enthält. Er begrenzt diese räumlich auf ein Fünftel der gesamten Flüssigkeitsmenge, zeitlich vom Beginn der Weinlese bis zum 81. Dezember und nennt als Zweckbestimmung der Zuckerung die Erzielung einer den guten Jahrgängen entsprechenden Qualität
Ein Antrag Pansche (natl.) will % für zulässig erklären, die Zweckbestimmung ganz ausschalten und ein Antrag Hormann (frs. Vp.) den 31. Januar al» Endtermin festsetzen.
Ferner will ein Antrag Roeren Erzberger (Ztr.) die Benennung von Verschnittwein nach einer Wein- bergslage nur dann zulassen, wenn der aus der be- trcffenben Lage stammende Teil ungezuckert ist.
Redner der verschiedenen Parteien sprechen sich »ft abweichend von ihren Frakttonsgenossen aus, da naturgemäß bei diesem Gegenstand nicht die Partei« zugehörigkert. sondern das Heimatland des betreffenden Abgeordneten maßgebend ist. So wandte sich Abg. Spindler (Ztr.) gegen den Zentrumsantrag, trat aber für den nattonalliberalen Antrag und für den 31. Januar ein. Abg. Dr. Paasche (natl.) empfahl seinen Antrag.
Regierungskommissar Frhr. d. Stein hob gegenüber der Meinung, daß die Fassung der Zweckbestimmung kantschukartig sei, hervor, der Weinbauer wisse wohl, was die Beschaffenheit des guten Jahrgangs» bedeute. Er bar ferner, den 31. Januar als Endtermin nach der Vorlage wieder festzustellen, da nicht genügend Zeit zur Zuckerung fei. Abg. Preiß (Els.) erklärte sich für möglichste Aussetzung der Zweckbestimmung. Die Bestimmung im § 6 b, wonach deutscher Wein nicht als solcher bezeichnet werden darf, wenn er auch eine noch so geringe Menge ausländischen Weines enthielt, ließe sich dem Auslande gegenüber wohl rechtfertigen.
Abg. Lehmann-Wiesbaden (Soz.) will ebenfalls die Zweckbestimmung der Zuckerung entfernt wissen und den Endtermin bis zum 31. Januar ausdehnen.
Ada. Schüler (Ztr.) erklärt, an dem KommissionS- befchluh festhalten zu wollen, Abg. Frhr. v. Wolff- Metternich (Ztr.) wünscht Streichung der Zweck« beftimmung, Hinausrückung deS Endtermins auf den 81. Januar und besteht auf den § 6 b, bei dessen Ablehnung durch die Regierung er lieber das ganze Gesetz scheitern lassen will.
Rach weiteren Reden der Abg. Wieland (Sd. Vp.), Dr. Theke» und Gregoire (Lothr.) zugunsten der Kom Mission svorschläge wird die Generaldiskussion geschlossen. Die Anträge werden — der zweite Teil de» Antrags Paasche und der Anttag Hormann unter großer Heiterkeit gegen die (stimmen der Antragsteller — nacheinander abgelehnt. Es bleibt bei bet Zweckbestimmung der Zuckerung ein Fünftel der Ge- famtslüffigkeit und den 31. Dezember als Endtermin.
Die nächsten Paragraphen werden unverändert angenommen. Bei § 6 wird der Anttag Roeren-Erz- bcrger abgelebnt.
Die Finanzkommission des Reichstag» begann gestern die Beratung des Gesetzentwurfs bett, die Aenderung des BrausteuergeseheS und beschloß zunächst den die Abänderung der Erhebungssätze regelnden ulten S 6 zu beraten. Ein Antrag der Reichspartei totn zwecks besserer Behandlung der Kleinbrauereien folgende Sähe: Von den ersten 250 Doppelzentnern 10 H, von den folgenden 750 Doppelzentnern -12 <X, von den folgenden 500 Doppelzentnern 16 jj und von dem Rest 20 <*. Staatssekretär
Uebernahme auf die Gemeinde in Kraft treten zu lassen, mit dem Hinweise darauf, daß für die kurze Uebergangszeit der Anttag für Kreise und Gemein« den deshalb ’-ine finanzielle Bedeutung habe, well daö Gesetz nur für die nach dem 1. April 1900 angestellten Beamten plahg reift, während e» für den einzelnen Beamten Haiti ist, das Steuervorrecht zu verlieren, obwohl er Sozietätsbeiträge in voller Höhe zu zahlen hat.
Abg. Lusensky (natl.) sekundierte ihm, während ein Negierungskommissar und die Abg. Graf von der Gröben (fonf.) und Wolf-Lissa (frs. Vg.) widersprachen. Der Anttag wurde gegen die Stimmen der Freikonservativen und Nationalliberalen abgelehnt.
Zu dem Wohnungsgeldzuschußgesehe äußerten bei der allgemeinen Besprechung die Abg. Schröder (nl.), Hirsch (Soz.), v. Savigny (Ztt.) Bedenken gegen bie_ für das Provisorium vereinbarte Regelung und Wünsche betreffs der definitiven Ordnung der Sache. Frhr. v. Maltzahn (fonf.) desgleichen mit besonderer Betonung der Notwendigkeit, mit dem Reiche in Uebetcinftimtnung zu bleiben.
Das Gesetz wurde im einzelnen wie im ganzen mit großer Mehrheit angenommen.
Bei der Generaldebatte über das Einkommen- steuergeseß legte Abg. Heymann (Soz.) den sozialdemokratischen Standpunkt zur Steuerfrage in längeren Ausführungen dar.
Der Finanzminifter wies darauf hin, daß in Preußen neben beit großen Vermögen auch die kleinen Einkommen stark gewachsen sind. Professor Delbrück übersehe, daß von den 66 Milliarden nicht versteuerter Vermögen 50 Milliarden nicht steuerpflichtig sind, 20 Milliarden an Hausgerät, 80 Milliarden, weil unter 6000 Mark. Die Lanbräte trifft bei der Veranlagung keine Schuld. (Beifall.)
Abg. Pachnicke (frs. Vp.) setzte sich sehr nachdrücklich mit dem sozialdemokratischen Redner auseinander, rief damit aber eine längere Erwiderung des Abg. Hirsch (Soz.) hervor, die aber nur dem Abg. Pach- nicke zu einer neuen wirksamen Entgegnung Gelegenheit gab.
Ihm sekundierte der Abg. Dr. Friedberg (natl.) in gleich nachdrücklicher Weise.
Nach Schluß bet Debatte wurde die Vorlage unverändert gegen die Stimmen der Sozialdemokraten definitiv angenommen.
Ebenso die Novelle zum Ergänzungssteuergesetz.
Bei der Generaldebatte zu dem Mantelgesetze legte Abg. Frhr. v. Zedlitz (freik.) dar, daß die Besih- fteuer nach den Beschlüssen der Finanzkommiflion de» Reichstages voraussichtlich eine Erhöhung der Vermögenssteuer auf bas 2%« bis 2>4fache bedingen werde und daß so gerade der ländliche Grundbesitz schwer belastet werden würde. Er hält ferner eine Verbesserung des Veranlagungsverfahrens für ange« zeigt und machte hierzu positive Vorschläge.
Dann wurde auch das Mantelgeletz gegen die Stimmen der Sozialdemokraten endgültig angenommen.
Zu dem Kreisarztgebübrengesetz sprachen sich die Abg. Ecker (natl.), v. d. Osten (fonf.) Dr. Gerhar- dus lZtr.) grundsätzlich zustimmend zu den Kommis- sion?beschlüsten aus, Abg. Dr. Heisig ebenso bis auf einige von ihm beantragte Aenderungen des Gebührentarifs, wogegen Abg. R-senow (frs. Vp.) im Interesse der Kreisärzte Bedenken erhob.
Der Ministerialdirektor erwiderte, baß die gutachtliche Tätigkeit der Kreisärzte ihre Dtenstobliegen- heit und die dafür gewährte Vergütung Dienstein- kommeu sei. Auch komme in Betracht, daß bas Diensteinkommen ber vollbesoldeten Kreisärzte dem der Re- gierunnSräte gleich gefetzt sei. Abg. Duns (frs. Vp.) trat für bessere Berücksichtigung der Chemiker ein. Abg. v. Boni« (freik.) sprach für den KommissionS- entwurf und im Interesse der Kreisärzte gegen den Antrag Dr. Heisig.
Nach Emvfehlung durch Abg. Weißermek (fonf.) wurde die Debatte geschlossen und § 1 mit großer Mehrheit angenommen. Ebenso die §§ 1—7. Bei § 8 begründete Abg. Dr. Heisig (Zentr.) seinen An
trag auf Herabsetzung einiger Sätze de» Gebühren- tarif», zog diesen Antrag dann aber für diese Lesung zurück. Ein Megierungfommiffar erläuterte die von dem Vorredner angegriffenen Sätze des Tarifs, dann wurde der Rest ber Vorlage unverändert angenommen.
Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr. Lesung Lons' armenberbanb Helgoland, Gestüts-Domänen Forstetat.
Die Wirtschaft sla^e im Jahre 1908. Bericht erstattet in der ersten Gesamtsttzung der Handelskammer zu Cassel am 10. Februar von deren Vorsitzenden, Geh. Kom.-Rat Pfeiffer.
(Schluß.)
Die Geschäftslage im Schmalkaldener Bezirk war durchweg nicht günstig. Allgemein wurde über zögernden Eingang der ausländischen Aufträge geklagt, ein Umstand, der teilweise auch auf Zollerhöhungen zurückgeführt wird. Der Mindcrabsatz gegen das Vorjahr wird von einigen Firmen auf 5 Prozent, von anderen auf 25 oder sogar auf 30 Prozent beziffert. Arbei- terentlass'sngen kamen nicht vor. wohl aber wurde in einer Reihe von Betrieben die Arbeitszeit eingeschräntt, freiwerdende Stellen wurden nicht mehr besetzt, vielfach mußte auf Lager gearbeitet werden.
In der Segeltuch-Weberei konnte der Umsatz im ersten Halbjahr noch auf der Höhe des Vorjahres gehalten werden, dann gestaltete sich das Geschäft aber schwieriger. Der andauernde Preisrückgang übte einen lähmenden Einfluß aus. Der Earnmarft zeigte eine rückgängige Konjunktur. In den letzten drei Monaten war eine Besserung zu bemerken und der Tiefpunkt des Niederganges scheint erreicht zu sein.
Für die Tuchfabriken in Hersfeld und Melsungen war das Eefchäftsjahr 1908 nicht nur hinsichtlich di-r Aufträge, sondern auch in dem Ertrage sehr befriedigend. Die vorübergehend im 20 bis 25 Prozent niedrigeren Wollpreise übten in der zweiten Jahreshälfte zwar auf das Geschäft in Handelsware einen ungünstigen
gemeine Abnahme im Eingang der Aufträge ein, fühlbar machte sich namentlich im letzten Halbjahr ein Rückgang im Exportgeschäft.
In der Pianoforlefabrikation war das Geschäft besser, als man für diesen Luxusartikel bei den jetzigen schwierigen Verhältnissen erwarten durfte. Regelmäßige und reichliche Aufträge gestatteten, den Betrieb voll aufrecht zu erhalten.
Die starke Anspannung des Arbeitsmarftes, wie sie das vorhergehende Jahr gezeittgt hatte, hat im Jahr 1908 nicht unerheblich nachgelassen. Wenn das zwar auch eine gewisse Erleichterung für die Industrien bedeutete, so wird doch allgemein hervorgehoben, daß die Löhne durchweg noch einen Stand behaupteten, der unter dem Einfluß der zurückgegangenen Konjunktur eine starke Belastung und Erschwerung der gewerblichen Produftio» zur Folge hatte. Ausstandsbewegungen sind im verflossenen Jahre im Bezirk, jedenfalls in größerem Umfange, nicht vorgekommen.
Die Ernte von 1908 verspätete sich wegen der ungünstigen Witterung um etwa drei Wochen, lieferte dann aber wider Erwarten eine gute Brotfrucht. Starke Abflüsse von deutschem Getreide ins Ausland bewirften eine erhebliche Preissteigerung, die bis zum November anhielt. Infolge der günstigeren Lage der Landwirtschaft ist teilweise eine Verbrauchszunahme in ländlichen Gegenden bemerkbar geworden, beispielsweise scheint das bei Tabaffabrikaten der Fall |U sein.
Im Fuldahafen zu Cassel sind im Jahre 1908 17000 Tonnen eingelaufen gegenüber 17161 im Vorjahre. Der Ausfall betrifft
Shdow erflärte, eine zu weite Staffelung erschwere die Abwälzung auf die Konsumenten, eine zu enge erleichtere diese, stranguliere aber die Kleinbetriebe. Die Vorlage und der Antrag hielten den Mittelweg ein. Eine Besteuerung der alkoholfreien Getränke bereite wegen der Zersplitterung der Betriebe große Schwierigkeiten und würde ziemlich geringe Erträge bringen. Ein Zentrumsrebner führte aus: Infolge des Besitzsteuerfompromisses würden den Bundesstaaten, namentlich Bayern, zwei Arten von Matri- kularbeiträgen aufgebürbet, sodaß eine weitere Belastung mit 100 Millionen aus der Brausteuer kaum zu ertragen sei. Daher hätten auch seine Fraktions- genossen, die bisher prinzipiell für eine Erhöhung der Brausteuer gewesen feien, schwere Bedenken gegen die Vorlage. Ein Bundesratsbevollmächtigter erklärte, die in dem Kompromiß vorgesehenen 100 Millionen Besihsteuern würden keineswegs ohne weiteres den Bundesstaaten aufgebürbet. Ter Kompromiß bedeute nur einen Weg zur Verständigung übet die Besteuerung des Besitzes. — Ein Nationalliberaler und ein Konservativer erklärten sich im Prinzip für die Vorlage, standen aber auch dem Anträge der Reichspartei sympathisch gegenüber. Der Staatssekretär versicherte die Geneigtheit der Regierungen, Schankgefäße von % Liter abwärts in zwanzigstel zu teilen und behielt sich seine Stellung in ber Kontingentierungsfrage vor. Ein Freisinniger führte aus: Seine Partei rtete an die Frage ber inbirekten Steuern unter dem Vorbehalt heran, daß in ber zweiten Lesung bie Frage der direkten Besteuerung für sie befriedigend gelöst werde. Mit diesem Vorbehalte erkenne sie die Notwendigkeit einer Erhöhung der Brausteuer an. Die nächste Sitzung findet am Freitag statt.
Die Gewerbekornmission des Reichstags nahm gestern mtt 13 gegen 0 Stimmen den vom Zentrum, der Wirtschaftlichen Vereinigung und den Sozialdemokraten unterstützten Antrag auf Einführung des Achtuhrlabenschlusses, Samstags um 6 Uhr, an; ferner einen Zentrumsantrag betreffend bie Beschränkung der Arbeitszeit in den Kontoren mit folgendem Wortlaut: In Schreibstuben, Kontoren und Lagerräumen, welche nicht zu offenen Verkaufsstellen gehören, dürfen Gehilfen und Lehrlinge höchstens neun Stunden täglich beschäftigt werden. Nach Beendigung der täglichen Ärbeitszett muß ihnen eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 12 Stunden gewährt werden. Wenn die tägliche Arbeitszeit toentger als acht Stunden beträgt, kann die Mittagspause bis zu einer halben Stunde verkürzt werden. Höchstens in 40 Tagen im Jahre ist Ueberarbeit gestattet. Die Namen ber Gehilfen und Lehrlinge, welche zur Ueberarbeit herangezogen werden, sowie die Tage, an denen Ueberarbeit stattfindet, sind sofort in ein Verzeichnis einzuttagen, das der Polizeibehörde und den Ge- werbeaufsicktsbeamten auf Wunsch vorgelegt werden muß.
hauptsächlich Getteide, Mehl, Jute und Wolle. Ausgelaufen find dagegen 27 768 Tonnen gegenüber 20 611 im Porjahre. Den Ueberschuß hat der Kaliversand erbracht mit 14159 gegen 6078 Tonnen. Der Tonversand ist mit 13009 Tonnen dem des Vorjahres fast vollkommen gleich geblieben. Die Ladefchlagd hatte einen Verkehr von 24 361 Tonnen (größtenteils Kies dann Pflaster- und Bruchsteine) im Einlauf und von 409 Tonnen (Backsteine) im Auslauf. Der Fuldaverkehr im Jahre 1908 kann als verhältnismäßig günsttg bezeichnet werden, zumal wenn berücksichtigt wird, daß in den Monaten September. Oftober. November große Mengen von Gütern versandbereit lagen, aber wegen dauernd niedrigen Wassers nur zum Teil befördert werden konnten.
Es würde zu weit führeir wenn aus den zahlreichen und eingehenden Berichten, die der Handelskammer vorliegen, noch weitere Einzelheiten mttgeteilt werden sollten. Alles in allem wird man zu dem Gefamteindruck kommen, daß das Jahr 1908 ebenso wie die letzten Monate de» Vorjahres zwar einen Rückschlag brachte, von dem nur wenige Betriebe ganz verschont blieben. Aber eine eigentliche gefährlich« Kristr rote 1900/01 ist über den Kammerbezirk, ebenso rote über die deutsche Volkswirtschaft ins allgemeinen nicht hereingebrochen. Manche Anzeichen. wenn sie vorläufig auch noch vereinzelt find, sprechen auch bereits dafür, daß der Tiefpunkt überwunden ist. So können denn namentlich wenn uns eine frfedliche Entwickelung weirer befchieden ist. Gewerbe und Handel rot«* der mit bessere« Mute tw die Zukunft blick««.