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Marburg
Mttwoch 10. MSr, 1909.
Die Jnsertionsgebübr beträgt für die 7gapaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Job- Aug. Koch, UniversttLttbuchdrurkeeei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55
44 Jahrg«
Erstes Blatt
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 19.
Aus dem Reichstage.
In der heutigen Fortsetzung der Einzelberatung »es Pofte tote bekämpfte zunächst namens der Polen Abg. Dr. v. Trzrinskt in der üblichen Weise die Ostmarkenzulagen für die Post- und Telegraphenbeamten, He darauf gegen Zentrum, Polen und So- lnaldemokraten bewillig wurde. Abg. Lehmann- Wicsbaden (Sog.) wünschte Ausdehnung der Krankenunterstützung auf die Familienangehörigen der Beamten, Abg. Irl (Ztr.) die Beteiligung von Innungen an der Lieferung der Dienstkleidungen. Die «bg. Günther (frs. Bp.), BSHle (Sog.) und Goiheiu (frs. Bg.) trugen lokale Wünsche vor, auf die Staatssekretär Sraetke und Unterstaatssekretär Frank sich wohlwollend äußerten. Abg. Erzberger (Ztr.) fragte an, ob die deutsch-südamerikanische Telegraphengesellschaft für die Verzinsung und Tilgung ihrer Obligationen eine Reichsgarantie erhalten habe. Er forderte sodann die Reichspostverwaltnng auf, gegen die Monopolisierung der drahtlosen Telegraphie durch die engliche Marconigesellschaft energisch vorbeugende Maßregeln zu treffen und bei Verträgen mit deutschen und fremden Schiffahrtsgesellschaften über die Beförderung von Postsachen die Interessen der Reichsfinanzen mit Nachdruck Wahrgunehmen; Redner meint, man müßte fremde Dampferlinien heranziehen, falls diese die Postbeförderung billiger übernehmen als die Deutschen. Der Staatssekretär erwiderte: Die Deutsch-Südamerikanische Telegraphen- gesellschaft erhielte nur eine jährliche Vergütung, von der em Teil bei der deutschen Seehandlung als Treuhänder deponiert sei. Fremde Dampferlinien heran« »»ziehen, sei deswegen nicht möglich, weil sie von der deutschen Küste aus nicht abgingen. Auch andere Länder könnten die Sätze des Weltpostvertrages nicht einhalten, weil die Dampfergesellschasten stellenweise damit nicht auskämen. Die Interessen der Funkentelegraphie seien von Deutschland wahrgenommen. Da die englischen Stationen auf Anruf der deutschen Dampfer nicht antworten, sei diesen, um konkurrenzfähig gu bleiben, nichts übrig geblieben, al« Mar- eonistattonen eingurichten. Nach dem neuen internationalen Vertrage, der auf der von Deutschland angeregten Konferenz geschloffen sei, fei Sicherheit geboten, daß auch die deutschen Stationen respektiert werden. Diese würden von deutschen Beamten bedient. Wir hätten 20 Marroni-, 21 Telefunken- und B andere Stationen. Man dürfe das nationale Prinzip nicht zu stark betonen, um die fremden Staaten nicht herauszufordern, ihrerseits das Gleiche zu tun. Abg. Gotbein (frs. Bg.) verlangte Vorlegung der Verträge in der Budgetkommission und Zurückweisung der betreffenden Etatsposition. Es entwickelte sich eine lange Erörterung zwischen dem Staatssekretär und den Abg. Erzberger (Ztr.) und Gotbein (frs. Lg.), die damit endete, baß die Forderung von 26 269 000 Mk. für Vergütungen an auswärtige Poft- und Telegraphenbebörden, Eisenbahn-, SchiffS- und Telegraphenunternehmungen usw. an die Bud- get-Kommiffion zurückverwiesen werden. Rach unerheblicher weiterer Debatte wurde der Postetat nach dem Vorschläge der Kommission erledigt. Es wurden Resolutionen angenommen, wonach die Regierung mit den deutschen Fürsten ioegen Neuregelung des Porto- privilegS tn Verbindung treten möchte und der Zu« aana zur mittleren und höheren Poftlaufbahn beschränkt werden soll. — Nach debatteloser Erledigung ====■”■. ~....... "■d
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Unter Feinden.
Roman non Karl Matthias.
(Schluß.)
„Mein Schwiegersohn Waldemar Tyrolt und meine Tochter Desiree, sein« Frau. Dies hier Herr Sraf d'Akincourt, General der Republik."
Der Letztere verbeugte sich, ohne die Dame aus den Äugen zu lassen. Bei Nennung des Namens erhellte der Ausdruck der Freude sein männlich schönes, tiefgebräuntes Antlitz.
„Ihr Borname, Madame, verbunden mit dem Namen Ihres Herrn Vaters, erweckt in mir die Erinnerung an «in hochbedeutende» Erlebnis," sagte er mit volltönender Stimme. „Bor fünfundzwanzig Jahren hatte ich da» Glück, mit einer jungen Dame gleichen Namens aus der „Esperance" nach Bordeaux zu fahren und sie von dort nach Orleans zu begleiten."
„Das war ich, Herr General," entgegnet« die überraschte Frau, welche schon bei Nennung seines Namens gestutzt hatte. „Ich habe Sie nicht vergessen. Sie retteten mich vor Kerker und Untergang."
..Wir haben viel von Ihnen gesprochen, mein Herr!" rief Tyrolt voll Freude über dieses Zusammentreffen nach so langen Jahren) „es war stets mein Wunsch, Sie kennen zu lernen und Ihnen zu danken."
„O, zu viel der Anerkennung," wehrte der Franzose in verbindlicher Weise. .Welch ein Glück. Sie überstanden die gefährliche Krankheit. Ich habe oft mit Bewunderung an das junge Mädchen gedacht, welches ausgegange« war, ihre» Vater $u suchen. Eine Heldentat!
des Etats der Reichsdruckerei vertagte sich da» Hau» auf morgen 2 Uhr. (Weingesetz, Gesetz betr. Beseitigung der Doppelbesteuerung.) Schluß 6% Uhr.
Im Ablleordnetenhauje.
Handwerkerfragen.
In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde die allgemeine Besprechung der Handelsver- waltung mit einer langausgesponnenen Rede des Abg. Bergmann (Soz.) fortgesetzt. Er warf den Konservativen Gegnerschaft gegen die Sozialpolitik de» Reiche» vor. Die Zahl der Unglücksfälle im Gewerbe steigen, die Gewerbeinspektion versage hier, wie in der Wohnungsfrage, sie müßte nach dem sozialdemokratischen Anträge ausgebaut werden. Die Krankenkaffeneinrichtungen hätten sich bewähtt und bedürften keiner Aenderung. Die Arbeiter litten sehr unter den hohen Lebensmittelpreisen, sie sollten mit höheren indirekten Steuern verschont werden, sie bedürften vielmehr dringlich der Erhöhung der Löhne.
Abg. Hammer (kons.) verteidigt die Schutzpolitik, beklagt die Notlage des gewerblichen Mittelstandes und verlangt höhere Staatsunterstützung für die Ausbildung von Handwerkslehrlingen.
Der Handelsminister wies darauf hin. daß unser Erwerbsleben sich im gangen in auffteigender Bewegung befinde, unsere Wirtschaftspolitik müßte daher wohl richtig fein. Die Handwerkskammern seien nirgend» übergangen. Die Bäckereiverordnung sei sorg- fälttg unter Zuziehung Beteiligter vorbereitet, sie solle für die Ueberaanaszeit mild^ gehandhabt werden; wegen tunlichster Berücksichtigung der Handwerker bei staatlichen Lieferungen seien von den Ministerien allgemein Verfügungen ergangen. Das Wohnungs- gefeh werde vielleicht schon int Herbst vorgelegt werden können. Beamtenkonsumvereine würden nur tza gefördert, wo sie, wie bei starker Ansammlung von Beamten außerhalb größerer Städte, notwendig seien. Sodann setzte sich der Minister sehr nachdrücklich mit den Abg. Borgmann (Soz.) und Korfanth (Pole) auseinander. Der sozialdemokratische Antrag, betr. Bestellung von Gewerbeärzten und Gewerbeinstitu« tionen sei durchaus unpraktisch; die Anstellung von Arbeiterkontrolleuren in der Gewerbepolizei sei glatt und für immer abzulehnen. Wir müßten nicht bloß für die Arbeiter, sondern auch für die Befriedigung der ethischen und kulturellen Bedürfnisse de» übrigen Volke» sorgen. (Beifall.)
Abg. Dr. Pieper (Ztr.) empfahl al» beste» Gegenmittel gegen die Sozialdemokratie Erziehung der im Gewerbe beschäftigten schulentlassenen Jugend, behandelte dann eine Reihe von Handwerkerfragen und sprach stch bann für den sozialdemokratischen Antrag betr. Zuziehung von Aerzten und Arbeiterkontrolleuren zur Gewerbeaufficht, nicht aber die Zuziehung von Frauen bei allen Gewerbeinspektionen.
Abg. Dr. Hirsch-Essen trat den sozialdemokratischen Ausführungen der Redner de» Zentrum» und der Sozialdemokraten entgegen.
Dann unterbrach das Haus die Sitzung bis abends 7% Uhr.
In der Abendsihung klagte Abg. Lueder» (frk.) über die Belastung der Landwirtschaft und de» kleinen Gewerbes durch die sozialdemokratische Gesetzgebung. Die Sonntagsruhe in den kleinen Städten dürfe nicht mehr weiter ausgedehnt werden, wenn man nicht die Gewerbetreibenden schädigen wolle.
Abg. Rahardt (kons.) sprach dem Minister im allgemeinen das Vertrauen der Handwerker aus, wandte sich aber gegen die steigenden Anforderungen an Lehrlinge in den Pflichtfortbildungsschulen. Das Handwerk leide darunter, daß ihm die leistungsfähigsten Betriebe entzogen werden.. Alle Großbetriebe, welche handwerksmäßig ausgebildete Arbeiter beschäftigen, sollten zu den Beiträgen an die Innungen herbeige- gogen werden. Ueber die sozialpolitische Belastung des HadwerkeS mache man sich keine genügende Vor-
Hnb Sie sind bet Deutsche, ben bie Heldin so verschwiegen in ihrem Herzen trug? Ich freue mich, Sie kennen zu lernen, mein Herr," fuhr er fort, bie Hand Walbemars treuherzig schitt- telnb. „Damals beneidete ich Sie um den Schatz, den Si« erobert hatten, heute beglückwünsche ich Sie, denn Madame ist nicht weniger reizend als damals zur Zeit unserer Reise nach dem Kriegsschauplätze bet Südatmee."
„Bedanke Dich, Defitee," lachte Waldemat, seine Frau umarmend) „eine Matrone, an bet ein Vterteljahthundett spurlos voriibergegan- gen, unb bie soeben ihrem Sohne zuwinkte, bet an Bord der „Hohenzollern" als Seeoffizier seinen Dienst tut, ist eine Sehenswürdigkeit."
„Dennoch nehme ich mein Wort nicht zurück," behauptete der General. „Ein Beweis ist, daß ich Madame auf den ersten Blick wiedererkannte. In der Tat sind Sie die Mutter eines deutschen Marineoffiziers?" wandte er sich an Frau Tyrolt. „Tas mutz Sie mit Stolz erfüllen, ist doch Stolz auf die deutsche Marine die Signatur des heutigen Tages."
„Ja, wir sind stolz auf unseren Sohn," antwortete Tvrolt dem General, der, obwohl im schwarzen Rocke mit dem Bande bei Ehrenlegion, seine solbatische Empfinblichkeit nicht unterdrücken konnte. „Ein guter Schwiegersohn bin ich aber nicht minder, wenngleich unser Cohn ein deutscher Offizier und Papa selbst bet nationalste aller Franzosen ist. So verwischen stch allmählich die Gegensätze der Völker. Unser Vater hat es gelernt, die Tatsachen zu begreifen, die uns der Krieg und der darauffolgende Frtrt>en lehrte. Im freien Lande hat er die Vorzüge beider Nationen schätze« gelernt."
»Sie lebe« tn Lüttich?"
stellung; für bie 600 000 Handwerksgesellen Deutschlands mache sie jährlich 24 Millionen au». Die Mittelstandspolitik der Konservativen sei nicht Schaumschlägerei; e» sei bei ihnen auch Raum für die Vertretung de» Handwerk». (Beifall recht».)
HandelSminifter Delbrück: In Frankfurt sei eht sehr beachtenswerter Versuch gemacht worden; man brachte dort die theoretische Arbeit der Fortbildungsschulen mit bestimmten Arbeiten der Werkstatt in Einklang durch Einvernehmen zwischen Lehrern und Meistern. Die Einrichtung von großen Meister« kursen sei den Handwerkskammern in den Provinzen und Städten überlassen; sie müßten so viel Ellbogenfreiheit haben wie möglich.
Abg. Flesch (srs. Bp.) meint, nur durch die Organisation des Arbeitsnachweise» im Staate und durch Subvention des Staates ließe stch die Heranziehung der Ausländer vermeiden, die Arbeitslosigkeit vermindern und die Landflucht einschränken.
Abg. Karow (kons.) führte au», daß durch die Bäckereiverordnung viele Existenzen ruiniert worden feien. Der Vater de» Gedanken» sei Bebel, welcher 1892 von angeblich haarsträubenden Zuständen in Bäckereien sprach, ohne es zu beweisen. Darauf kam 1894 die Bäckereiverordnung.
Nach kurzen Bemerkungen Karows über die Ge- fangcnenarbeit und Konsumvereine wurde der Ministergehalt und die Besoldung de» Ministerium» bewilligt. Ein sogialdemokratischer Antrag, Aerzte, Arbeiter und Assistentinnen zur Gewerbeaufsicht hin- zuzuziehen, wurde der Kommission für Handel und Gewerbe überwiesen.
Nachdem Handelsminister Delbrück bei der Debatte über das gewerbliche Unterrichtswesen zugunsten der Zentralstelle für Volkswohlfahrt kurz da» Wort ergriffen hatte, wurden der Rest der dauernden Ausgaben und die einmaligen Ausgaben bewilligt.
Schluß 11% Uhr.
Politische Umschau.
Zur Führung von Kraftfahrzeuge«.
Die Minister bet öffentliche« Arbeiten unb bes Innern haben untertn 6. Februar b. I. Vorschriften für bie Prüfung der Führer von Kraftfahrzeugen erlassen unb angeorbnet, batz von jetzt ab Führerzeugnisse von ben behördlich anerkannten Sachverständigen nur erteilt werben burfen, nachdem bie Sachverständigen mit ben Führern eine Prüfung unter strenger Befolg- ung dieser Vorschriften vorgenommen haben. Die neuen Bestimmungen bezwecken, dass bie Prüfungen im ganzen Staatsgebiet gleichmätzig unb namentlich sorgfältiger als bisher ausgeführt werben, bamit ungeeignete Personen von ver Führung von Kraftfahrzeugen ausgeschlossen werben.
Der österreichisch-türkische Ausgleich.
Konstantinopel, 8. März. Der Mo- ttvenbericht zu bem österreich-ungarisch-türkischen Ententeprotokoll, der in bet Kammer vorgelegt wurde, enthält bie bekannten Einzelheiten bet Berhanblungen mit Oesterteich-Ungarn von bem Zeitpunkte bet Annexion Bosnien» unb bet Herzegowina an bis zum Abschlüsse bet Entente, Et hebt bie Unmöglichkeit für bie Türkei hervor. Oesterreich-Ungarn durch Gewalt zu zwingen, auf bie Annexion zu verzichten. Deshalb fei es notwendig gewesen, ben Weg von Kompensationen zu betreten, bet auch von ben befreundeten Mächten gebilligt wurde. Der Mo- tivenbericht zählt die in dem Protokoll enthaltene« Vorteile auf unb schließt: Da bas Ptolo-
„SBit Haven Fabriken in Lüttich unb in Aachen," sagte bet alte Herr nicht ohne Stolz. Bourlier et fils heißt die Firma. Richtiger hieße sie: et beaufils. Aber ich darf meinen Schwiegersohn nicht eitel machen."
„56r Sohn fiel bei Seban, wen« mit recht ist?"
„Nein, et lebt noch heute," antwortete bet alte Herr mit leichter Mißstimmung. „Er wohnt in Paris unb würbe ei« Helb der radikale« gebet. Wen« er erführe, baß wir heute bem deutschen Schauspiel zusehen er benuncierte mich unb Sie nicht minder, Herr Graf, als Va- terlandsverräter unb hängte uns beibe« einen Sptonenprozetz an."
„Ah, bas wäre," lachte b'Alincourt. „ich bin al» Militärbevol'machtigter in Holtenau."
„Gleichviel^ Mich trieb er auch sehr unkindlich durch solche Verbächtigunge« aus bet Heimat, zum Frommen meiner (Ämütsruhe. Denn btefe Streiche führten mich meinem Schwiegersohn in bie Arme, bet mein Kompagnon würbe. Run arbeiten wir ein Vierteljahrhundert zusammen, unb gtiebe unb Glück Rnb uns treu geblieben bis auf ben heutige« Tag."
„Ihr Schwiegersohn ist ein Deutscher, unb zu bem Deutschen paßt bie Treue," sagte bet Graf, Desiree, welche sich an bie Seite Waldemars schmiegte, mit einem bewundernden Blick streifend. „Es gab eine Zeit, wo ich der deutschen Treue grollte, es war eine Zeit voll Blut unb Grauen. Glücklich find bie, welche sie nie gesehen, bie schrecklichen Tage von Sedan “
„Wir denken oft an sie," nickte Defitee schwermütig. „Ach, nicht alle, welche treu mit uns bie Gefahr teilten, konnten sich der schönen Friedenszett freuen."
koll in einem Augenblick unterzeichnet wurde, wo wir mit verschiedenen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, bereit Natur und Grab der Kammer nicht unbekannt finb, ba es alle Vorteile enthält, die, wie auch bie Mächte selbst anerkannten, bie Türkei in bet gegenwärtigen Lage erreichen konnte, erwarten wir mit Zuversicht von bem erleuchteten Patriotismus bet Deputierten, batz sie, inbem sie bie erlangten Resultate mit ben Erfordernissen bet Zeit in Einklang bringen unb bie Schwierigkeiten t« Betracht ziehen, bie sich noch vermehren würben, wenn anstelle bet Entente bie Frage in suspenso gelassen würbe, nicht zögern werben, das Protokoll anzunehmen.
Herr Ballt« über die wirtschaftlich« Lage der Bereinigte« Staaten.
Hamburg, 8. März. Generaldirettor Ballin äußerte sich einem Mttgliebe des „Ham- bürget Fremdenblattes" über feine Eindrücke über die gegenwärtige wirtschaftliche Lage in den Bereinigten Staate«. Er drückte die lieber» zeugung aus, batz bie Krists bort auch in ihren Nebenerscheinungen vollkommen beseitigt Fei unb sagte unter Anderem: Das Geld, das int November 1907 ben Trustkompagnien entgegen würbe, ist längst in ihre Kasse« zurückgekehrt, doch ist seine nutzbringenbe Verwenbung schwierig, ba es an Unternehmungslust fehlt. Die an bie Prästbentenwahl geknüpften Hoffnungen finb nicht in bem erwarteten Maße in Erfüllung gegangen; als störendes Moment trat bie Tariftevision dazwischen. Die großen Produzenten mutzten wegen Gefahr der Ermäßigung der Zölle vorsichtig operieren. Ferner sagte Ballt«, er glaube nicht, daß die Fraae der Tatifreviston so bald entschieden sei, wie vom Präsidenten Tast und ben Banken angenommen werde, doch sei bas Dazwischentreten der Tarifrevision nickt zu bedauern, da dadurch die Gefahr einer überstürzten Entwickelung des amerikanische« Wirtschaftslebens abgewendet fei unb Zeit zur weiteren Konsolibierung bet Verbält- nisse gewonnen werde. Als Zeichen der zunehmenden Prosperität bezeichnete Ballin das fortgesetzte Steigen der Auswandererziffern. Abgesehen von bet Belebung bes Auswandererge- sckäftes fei auch in fall allen anderen Geschäftszweige« der Hamburg-Amerika-Linie eine Besserung unverkennbar.
Deutsches Reich.
— Born Flottenverein. Karlsruhe, 8. März. Der Hofbericht der „Karlsruher Zeitung" meldet: Der Eroßherzog empfing heute abend 7 llhr de« Präsidenten des Deutsche« Flottenner- eins. Großadmiral v. Köster, und bas Pröfidial- mitglieb bes Vereins, Kontreadmiral a. D. Weber; anschließenb fand im Eroßherzoglichen Palais Abendtafel statt, zu bet u. a. auch an bie beiben genannten Herren Einladungen ergangen waren.
— Bo« der Rachlatzstener. Ptignitz, 8. März. Wie bie „Prignitzer Nachrichten" melden, hat ber Konservative Verein für Petleberg unb Um- gegenb in seiner Generalversammlung folgende Resolutton angenommen: Der Konservative Verein tn Perleberg mißbilligt die am Sonntag
„Sie meint meine Schwester Nataly," erklärte Bourlier. „Die Teure starb bald «ach dem Friedensschlutz an einem nervösen Leiden."
„Und auch eine« brave« Mann — wenn et auch nur mein Bursche war — haben wir in Dresden begraben,“ fügte Tyrolt hinzu. „Et hieß Neumann und war bie treueste Seele unter bet Sonne. Friede« seinem Andenken, unb allen, bie treu ausharrten in ichwetet Zeit, gleichviel, für welche Sache sie kämpften."
In biefem Augenblicke donnerte es von alle« Sckiffen. Die Flottenparade war zu Ende. Die „Hohenzollern" wandte stch mit bem Kaiser ihrem Platze zu, wo sie bei bet Boje vor Anker ging.
Ader es wat ber Donner des Festes. — ba» Zeichen, daß ein Friebenswetk zu Rutz unb Frommen aller Nationen geschaffen sei, — nicht bas Brüllen der Geschütze, welche Völker mordet. Dem Frieden unb dem Handel galt bas Rollen bet Geschütze, bet Jubel der Seeleute bie Tonwogen bet Hörner unb Posaunen, der brausende Zuruf bet Volksmenge, die, soweit das Auge reichte, die Ufer, die Tribünen, die Schiffe auf Föhtde und See bedeckten. Und die Sonne lachte aus heiterem Himmel auf das Fest bes Völkerfriedens herab; dieselbe Sonne, welche vor fünfundzwanzig Jahren Über bie Greuel bet Verwüstung, des Hasses unb bet Schmerzen aufgegange« war. Die Wunden haben sich geschlossen, bie Schmerzen find vergessen ber Haß ist begraben, nur bie Erinnerung ist geblieben an ben Tag, bet Deutschland» Macht und Grötze geschaffen — den Tag vo» Sedan.
— End». —