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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschastilche Berlage." er=

M 57

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberbeffifdjt Zeitung" bet allenPostämtern und nnfetn Zeitungsstellen iw Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der BezUgiprei» beträgt durch die Voll 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Epiedition 2 Mk.

Marburg

Dienstag, 9. März 1909.

Die Jnsertiousgebühr beträgt für bte 7gespaltene Zeile ober bereu Staunt 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Unwersttät-bu hbrnckerei Inhaber Dr. E. Hitzero th, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44 Jahrg.

Die Finanzverhältnisse der Sozial­demokratie.

Lor kurzem ging di« verspätete Mitteilung durch die Presse, daß die Einnahmen der So­zialdemokratie im letzten Jahre (d. t. in Wirk- Nckkeit das am 1. Juli 1907 beginnendeEtats- fahr") gegen das Vorjahr (also in Wirklichkeit «egen die Einnahme vom 1. Juli 1906 bis End« Juni 1907) um 300 000 <M. zurückgegangen seien. Dieser Rückgang ist schon vor einem halben Jahre besprochen und von der sozialdemokrati­schen Parteileitung in dem Berichte an den Nürnberger Parteitag motiviert worden. In dem Kassenberichte war darauf hingewiesen, daß erstens das Etatsjahr 1906/07 ein Wahl­jahr war, zu dem auch die Gewerkschaften er­heblich beigesteuert hätten und daß ferner die Berichtszeit für 1907/08 nur elf Monate um­faßt. Man dürfte also darauf gespannt sein, wie stch die Finanzverhültntsse der Sozialdemo­kratie im weiteren Verlaufe entwickeln und ob Re sich mindestens auf der Höhe des Nürnberger Bericht» erhalten würden. Jetzt liegen Berichte über di« Monate Juli bis Dezember 1908 und Januar 1909 vor. Danach sind in den sechs letz­ten Monaten des vorigen Jahres die sozial­demokratischen Einnahmen gegenüber denen aus der gleichen Zeit von 1907 um rund 40000 M zurückgeblieben. Der Rückgang ist besonders im Juli sehr erheblich. Die Einnahmen betrugen in diesem Monat für 1907 170 577 Jt, 1908 aber rund 101700 Jl. Dagegen wies der Ok­tober eine Steigerung von rund 98 800 auf rund 127 400 M auf.

Sehr auffallend ist aber der Rückgang der Januoreinnahme« des laufenden Jahres. Für diesen Monat betrug laut der soeben imVor­wärts" veröffentlichten Quittung die Einnahme der sozialdemokratischen Parteikasse nur rund 71700 Jt, während die Januareinnahme im vergangenen Jahre stch auf 179 629 M belief. Das träte eine Mindereinnahme von über 100000 in einem einzigen Monat. Aber so schlimm für die Sozialdemokratie ist das Er­gebnis denn doch nicht. Es fehlen nämlich in der letzten Monatsquittung die Beträge, die in der Januarqutttung von 1908den Kohl fett machten'. So vom Darlehnskonto die Summe von 37 500 eH, vom Zinskonto 1570 <*, von derVorwärts"-Buchhandlung 15 000 <M. und vom , Wahren Jakob" 5000 <M. Außerdem war im vorigen Jahre der Posten X y 3 mit 35 000 VH aufgeführt, der jedoch in der Dezember- quittung 1908 mit nur 6334 cH in Rechnung gestellt war.

Die Mindereinnahme beläuft stch also im­merhin auf fast 40 000 M. Für die letzten sieben Monate mithin insgesamt auf beinahe 80 000 cH. Zurückgeblieben ist im Januar d. I. die Einnahme aus allgemeinen Beiträgen; sie ist von rund 43 000 M auf 38500 M gesunken. (Gestiegen sind die Beiträge Bebels und Sin­gers von dentraditionellen" je 50 M auf 100 cM.) Der Usberstbuß desVorwärts" hat statt rund 42 500 M im vorigen Jahre diesmal nur 33 177 cM. ergeben. Das find allerdings Rück­gang». die bemerkenswert erscheinen. Wir möch­ten durch unsere Aufstellung jedoch auf keinen

7-1Ibrurf nci

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

<Forttehung. >

Eine Auseinandersetzung vermied er. Der brave Sohn hätte ja doch geleugnet. Er be­schloß, ihn härter zu treffen. An demselben Tage schrieb er zwei Briefe, einen an Petzold und einen an Waldemar Tyrolt, der in Aachen weilte, wo er die Stellung eines Fabrik- direttors angenommen hatte.

Desiree reiste ab zur großen Freud« Oliviers, der sofort Madelon wieder nach der Villa führte. Pumarquet war noch nicht zum Vor­schein gekommen, und die Frau folgte seinem Drängen. Er wollte dem Alten zeigen, Made­lon fürchte sich nicht mehr. Was die Welt sagte, war Herrn Olivier gleichgilttg.

Wir sind keine Landesverräter;" faßte er frech,und nur solche sind von der öffentlichen Meinung geächtet."

Bourlier aber brach hinter sich di« Brücken ab. Er sehnte sich nach Frieden, und den, das wußte er. fand er in der Heimat nicht mehr. Die Abwickelung seiner Geschäfte übergab et einem Advokaten in Mezieres. Er hatte die Villa verkauft und alle erreichbaren Kapitalien an stch gezogen.

Bevor er über abreisen konnte, geschah etwas Unerwartetes. Madelon war eines Tages ver­schwunden und hatte alle Kostbarkeiten, die fi« besessen, das ganze Geld, welches ihr Olivier «nvertraut hatte, um e» vor seinem Vater sicher zn stellen, mitgenommen.

Sie war nicht allein in di« Welt gegangen.

Fall die Anschauung erwecken, al» befinde die sozialdemokratische Bewegung sich auf einem allgemeinen Niedergange. Aber ebensowenig darf man verkennen, daß auch von ihrem Auf­stiege nicht mehr gut gesprochen werden kann. Wir erblicken in de» verschlechterten Finanzver­hältnissen der Sozialdemokratie und in ihrem Stimmrückgange bei fast allen Ersatzwahlen nur einen Ansporn für alle bürgerlichen Par­teien um so entschiedener und geschlossener in die Bekämpfung der Sozialdemokratie einzu- treten.

Politische Umschau.

Eisen- und Stahlerzeugung,

Nach den Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller betrug die Roh­eisenerzeugung in Deutschland und Luxemburg während des Monats Februar 1909 insgesamt 949 667 Tonnen gegen 1021721 Tonnen im Ja­nuar 1909 und 994186 Tonnen im Februar 1909. Die Erzeugung verteilte stch auf die ein­zelnen Sorten rote folgt, wobei im Klammern die Erzeugung für 1908 angegeben worden ist: Gießereiroheisen 183 996 (191196) Tonnen, Bessemerroheisen 33 877 (36 940) Tonnen, Tho- masroheisen 595 988 (619 021) Tonnen, Stahl- und Spieoeleisen 79 835 (87 791) Tonnen, Puddelroheisen 55 971 (59 238) Tonnen. Für die Zeit vom 1. Januar bis 28. Februar 1909 stellte sich' die deutsche Roheisenerzeugung auf 1971 388 Tonnen gegen 2 055 515 Tonnen in dem gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres.

Invalidenversicherung.

Im Jahre 1908 sind nach den Feststellungen des Reichsversicherungsamtes auf Grund des Jn- validenversicherungsgesetzes an Renten, Bei- ttagserstattungen usw. einschließlich des Reichs­zuschusses etwa 180 Millionen Mark verausgabt worden. Die gesamte Einnahme der Verstcher- ungsträger belief sich auf 183 Mill. Mark, wozu noch die Zinken des Vermögens kommen. Am Ende des Jahres 1908 liefen 995 310 Renten; Ansprüche auf Beitragserstattunqen waren bis dahin 2 219 794 anerkannt worden.

Deutscher Handel mit Marokko.

Rach den jetzt vorliegenden Gesamtergeb­nissen des marokkanischen Außenhandels hat der deutsche Handel mit Marokko im Jahre 1908 zwar zugenommen, aber nicht annähernd in dem Umfange, wie dies bei England, Frankreich und Spanien der Fall gewesen ist. In den acht See­häfen des Landes betrug gegenüber dem Jahre 1907 das Mehr des Warenaustauschen im deutsch-marokkanischen Verkehr nur etwas über 800 000 Frks., dagegen betrug die Steigerung im marokkanischen Handel mit Frankreich nahezu 9 Millionen Frks., mit England sogar 16 Mil­lionen Frks., und sooar Spanien hat eine Zu­nahme von 1,6 Millionen zu verzeichnen. Deutschland steht im marokkanischen Außen­handel mit einem Anteil von 10,8 Millionen

Ihr Begleiter war Jose Pumarquet, der sie in ihrem Versteck aufgefunden und sich mit ihr hinter dem Rücken Oliviers versöbnt hatte.

Es ist ja mein rechtmäßiger Gatte," schrieb sie an Olivier,und ein schöner Mann nicht so ein Krüppel wie Sie, mein Freund. Jetzt erst bin ich darauf gekommen, wie sehr ich ihn liebe. Wir werden hoffe ich, recht glücklich werden, da wir ja Geld genug haben."

Zum ersten Male in seinem Leben sah Bour­lier fernen Sohn weinen. Er schied ungerührt von ihm und ging dorthin, wo er wußte, daß er bessere Menschen finden würde.

Du hast Recht, Waldemar," sprach er zu Tyrolt, als er im Beisein von Tante Natal« die Hände seiner Kinder ineinanderfügte.Des Menschen Herz ist wandelbar. Gott lenkt es nach seinem Entschluß, und indem er mir mein Sedan in der Schlechtigkeit meines Sohnes und der Erbärmlichkeit meiner chauvinistischen Freunde zeigte, öffnete er mir die Augen, daß ich' den einzigen Weg zum ^rieben fände, der nicht in Haß und Revanche, sondern einzig und allein in Eurem Glücke zu finden ist."

Verzeih mir. Vater, daß ich nur einen Augenblick an Deinem Edelsinn zweifeln konnte," bat Desire«, den Kopf an fehle Brust legend.

Nun, der alte Kern war kaum noch erkenn­bar. mit einer dicken Kruste von allem Häßlichen umgeben, das bte Seel« des Menschen nur er­füllen konnte." wehrte er kopffchüttelnd. .Ich bemühe mich noch immer, ihn ganz und gar herauszuschälen und von den eklen Schlacken frei zu machen. Dazu soll Dein Verlobter mir helfen. Willst Du da». Du braver, uneigen­nütziger Mann?"

Frks. an dritter Stelle, aber in weitem Abstande hinter Frankreich und England. Frankreich hat mit rund 47 Millionen, wovon etwa 15 Mil­lionen auf den Handel mit Algerien fallen, die Führung, muß aber mit der Möglichkeit rechnen, daß England, dessen Anteil im letzten Jahr« 41,5 Millionen Frks. betrug, ihm den Rang streitig macht. An dem auf dem Seewege voll­zogenen Außenhandel Marokkos, der im letzten Jahre von 64,8 auf 94,9 Millionen Frks. ge­stiegen ist, sind Frankreich und England zusam­men mit rund 73 Millionen Frks. beteiligt; von den Verkehrszunahmen in Höhe von 30,1 Mil­lionen fallen 25 Millionen auf Frankreich und England.

Ans dem ReiEaqe.

Bei der Weiterberatung des Postetat» in bet 221. Sitzung tritt zuerst Abg. Zubeil (Svz.) auf, der allerlei kleinliche Dinge zur Sprache bringt. Namen» einer Minderheit seiner Fraktion erklärt hierauf bet Abg. Linz (Reichsp.), bet Fernsprechgebührenordnung nicht zustimmen zu können, da Die großen und mitt­leren Städte durch den neuen Tarif gegenüber dem platten Lande zu hart getroffen werden würben. Der Redner äußett schließlich noch verschiedene Wünsche an die Postverwaltung. Staatssekretär ftraetfe sagt wohlwollende Prüfung dieser Vorschläge zu. Er geht zugleich in ausführlicher Weise auf die von anderen Vorrednern vorgetragenen Wünsche ein, spricht sich über die Notwendigkeit der Versetzungen au», erklärt, daß bei Vergebung von Lieferungen von bet Post« Verwaltung die Handwerksvereinigungen bevorzugt werden, erläutert genau, wie mit bet Beschaffung bet Kleidungsstücke der Unterbeamten verfahren wird und widerspricht den vorliegenden Resolutionen betreffend die Einschränkung der Portofreiheit für die Fürsten. Es ergreift hierauf der Abg. Herzog (Wirttch. Vg.) das Wort, um feine Zustimmung zur Fernsprechvor­lage kundzugeben. Er erblickt in bet Abänderung bet Gebühren einen Ausgleich, nicht eine Bevotzung be» platten Landes, wünscht wielmebr eine Ausdehnung der Fernsprechzone über 6 Kilometer hinaus. Auch Graf v. Oriola (natL) wünscht mehr Rücksichtnahme auf die ländlichen Fernsprechteilnehmer, die keines­wegs in der Mehrzahl Landwirte, sondern Gewerbe­treibende seien. Er plädiert für BezirkSnehe. Dem widerspricht der Staatssekretär Sraetfe, der zugleich mit aller Entschiedenheit die beleidigenden Auslassun­gen Zubeil» über einige Postdirektoren zurückweist. Abg. Pauli-Potsdam (kvnf.) ist mit einem kleinen Teil seiner politischen Freunde gege« die neue Fern­sprechgebührenordnung, die zur Folge haben werde, daß viele Telephonanschlüsse in größeren Städten ge­kündigt werden. Einen in der Freisinnspresse schon breitnetretenen Fall von Deveschenvervielfältiaung bei der Wahl in Alzeh bringt Abg. Kepfch (frf. 8g.) be* schwerdesübrend vor; Staatssekretär Kraetke bemerkt jedoch, Auskunft hierüber zu geben, stehe nur dem Absender bezw. Empfänger des Telegramms zu. Nunmehr erscheint Abg. Hammecher iZtr.) al» Spe­zialvertreter des Protestantenverbandes und bringt allerlei posttechnische und persönliche Monita vor. Er spricht dem konservativen Redner die Anerkennung darüber aus, daß er die Offenlegung bet Personal­akten befürwortet habe. Dem Zentrumsredner folgt auf der Tribüne der mit Zeichen der Ungeduld em­pfangene Abg. Gothein (frf. Vg.), um dem Frak­tionskollegen Struve gegen den Staatssekretär zu ver­teidigen. Nach einer kurzen Erwiderung des Staats­sekretärs Kraetke wird der Gesetzentwurf über di« s^rnsprechgebühtenordnung der Budgetkommission überwiesen. Die Abstimmung über mehrere Be­schlüsse bei den einzelnen Titeln wirb wegen bet

Alles, alles, teurer Vater," antwortete Waldemar.

Nun denn, verlaß mich nicht mehr. Gib Deine neue Stellung auf, zieh zu uns nach dem freien Belgien. Wir wollen uns dort ein neues Heim, eine neue Werkstätte bauen und zusam­men arbeiten zum Wohle der Menschheit und des Friedens."

XXVII.

Fünfundzwanzig Jahre de» ununterbroche­nen Friedens sind dahingeflossen. In Kiel wehen die Flaggen aller Nationen. Auch die französische Tricolore flattert von dem Maste der stolzen Schlachtschiffe der Republik, die ge­kommen sind teilzunehmen an der Feier des größten deutschen Werkes, der Vollendung des Kaiser Wilhelm-Kanals. Frankreich, das so lange feindlich beiseite gestanden, wenn e» galt, deutsche Erfolge zu würdigen deutscher Kunst Einlaß zu gestatten, deutsche Industrie anztzer- kennen, hat trotz einer Handvoll chauvinistischer Schreier das Grollen aufgegeben und salutiert mit seinen ehernen Feuerschlünden dem deutschen Kaiser, der gekommen ist, das Werk zu vollen- den, welches sein großer Ahne begonnen hat. Untvt feierlichen Hammerschlägen wurde der Schlußstein gelegt.Im Namen des drei­einigen Gottes, zur Ehre Kaiser Wilhelms zum Heile Deutschlands, zum Wohle der Völker" wa en die Worte, welche Wilhelm n. dazu sprach. Und nun beginnt die Flotten-Revue. Die mächtigen Schiffskolosse haben Stellung ge­nommen. DieHohenzollern" fährt durch ihre Reihen. Der deutsche Kaiser steht auf der Kom­mandobrücke. Ueberall schallen ihm bte begei­sterten Zurufe der Matrosen, die rollenden Ge- fchützsalven der Schiffe entgegen, da» durch-

chlechte« Besetzung bei Hause» auf Montag bet* chobea. .

Im Abaeorbnetenbauje

würbe am Samstag bie zweite Beratung be» Hau« belsetatS fortgesetzt. Abg. Malkewitz (kons.) be­tonte, baß bie politischen Weltereigniffe ber letzten Zeit von erheblichem Einfluß auf bie handelspoliti­schen Verhältnisse Deutschlands und auch anderer Länder gewesen seien. Die Gründe, bie auf den Ex­port einwirken, wären auch oft nationalpolittscher Na­tur. Dänische Auftraggeber hätten in letzter Zeit wie­derholt ihre Bestellungen bei deutschen Geschäftsleuten zurückgezogen. Deshalb muffe der einheimische Markt gestärkt werden. Unter der Arbeitslosigkeit, die bie kleinen Städte am wenigsten betroffen habe, hätten im Handwerk nicht nur bie Arbeiter, sonbern auch die Arbeitgeber gelitten. Seine des Redners poli­tischen Freunde hätten mit Kopf und Herz an den sozialpolitischen Aufgaben der Neuzeit mitgearbeitet. Es müsse aber ber fortgesetzten Neubelastung der Ar­beitgeber ein Halt geboten werden. Vor einem Wei­terschreiten der Sozialpolitik auf diesem Wege habe et den Auftrag, hier zu warnen. Ferner empfahl ber Redner eine vorsichtige unb milde Durchführung bet neuen Bäcketeiverorbnung unb beklagte es, daß von den Behörden noch vielfach Gefangenenarbeit in An­spruch genommen werde und ber freie Geschäftsmann zu wenig Berücksichttgung bei Vergebung von öffent­lichen Lieferungen finde. Hoffentlich werbe ber Mi­nister balb einen Gesetzentwurf zur Aenderung ber Gewerbeordnung einbringen, der allen gerechten Wünschen der Handwerker Genüge leistet. Seine des Redners politischen Freunde würben alles auf« bieten, um den Wünschen der Handwerker gerecht zu werben. (Lebhafter Beifall.) Abg. Trimborn (Ztr.) meinte, daß bie wirtschaftliche Depression von 1906 allgemein gewesen unb auf anderen Ländern schwerer als auf uns gelastet habe. Abg. Dr. Schröder-Cassel (natr.) begrüßte da» Gesetz über den kleinen Befähi­gungsnachweis. Abg. Eckert (freit) freute sich, daß für das Handwerk wieder erhöhte Mittel ausgeworfen feien. Abg. Korfanth (Pole) meinte, daß das Hand­werk an den Lasten ber sozialpolitischen Gesetzgebung nur in geringem Grade beteiligt fei. Das Haus ver­tagte sich um 4% Uhr auf Montag, 8. März, vormit­tags 11 Uhr. Wahlprüfungen. Fortsetzung ber heu­tigen Beratung.

Deutsches Reich.

8om Kaiser. Bremerhaven, 6. März. Der Kaiser wurde, als er an Bord derKron­prinzessin Eecilie" ging, von der Schiffskapelle mit der Nationalhymne begrüßt. Das Schiff wurde eingehend besichtigt; die Einrichtung er­regte das Interesse des Kaisers, der W> Stun­den an Bord verweilte und auch den Maschinen­raum besichtigte, in hohem Maße. Um halb 12 Uhr verließ der Kaiser, Prinz Heinrich und Ge­folge unter den Klängen der Nationalhymne das Schiff und kehrte unter dem Jubel des Pub­likums nach der Lloydhalle zurück, von wo um 11 40 Uhr die Abreise nach Bremen erfolgte. Bremen, 6. März. Um 3.15 Uhr fuhr der Kaiser in.Begleitung des Bürgermeisters Dr. Marcus zum Bahnhof, von wo die Abreise kurz vor 4 Uhr erfolgte. Der Chef des Militärkabi­netts wird dem Kaiser auf der Reise Vortrag halten. Der Kaiser fährt nicht, wie ursprüng­lich beabsichtigt war, nach Wildpark, sondern di rett nach Berlin. Prinz Heinrich blieb in Bremen zurück; er nahm in Hillmanns Hotel Wohnung. Der Prinz wird nachmittags 5 Uhr

dringende Hurra der Oesterreicher wird abgelöst von dem Evviva der Italiener, der Dreibund feiert sein Verbrüderungsfest. Wie jedoch das Kaiserschisf bei dem ftanzösischen PanzerHoche vorüberkommt, winken die Franzosen stumm in den Wanten; die Musik spielt wohl auf dem Schiffe, der französische Admiral salutiert, die Kanonen werden gelöst, aber der Gruß ist kühl. Wi« anders klang der Salut in Kronstadt al» die Franzosen um Rußlands Freundschaft warben. _

Sie können nicht vergeben und vergessen sagte ein Herr zu seiner Begleiterin welche gleich ihm an der Rampe eines Lustdampfers stand, der bei Beginn der Flotten-Revue dem Ufer zugefahren war und abseits in der Nähe desHoche" hielt.Diese Zurückhaltung ist da» Eingeständnis, daß sie die Voulangisten und di« anderen Revancheschreier in Paris fürchten."

Ich bitte Dich, sprich nicht so laut, der Papa könnte Dich hören," warnte die Dame, eine noch immer schöne Brünette, an seiner Seite.

Pah, der hott nichts," lächelte ihr Gatt«, «in starker hochgebauter Mann, im Anfang« der Fünfziger, behaglich seinen blonden Voll­bart streichend.Seitdem er mit dem Framo« sen drüben spricht, hött und sieht # er nicht» mehr von der ganzen Flottenparade."

Aber der Blonde irrte sich. Der Bezeichnete, ein Greis mit silberweißen Haaren und Batt, aber von ungebeugter Haltung und eleganter Erscheinung, wandte sich plötzlich dem Ehepaar« zu, welches soeben feine Reden bn zärtlichsten Ton« .ausgetauscht hatte, ergriff seines Nachbar» Arm und stellte ihn seinen Kindern vor.

(Schluß folgt.)