r. 15
ntinl
litt«,
zweites Blatt
a«8
:s
?>4
f«n«v-
tten
72
<5?ccü6ru<f verboten.)
junget zedienl «Jener
lachm. (1993 tuten
(1991 U bef. la. R.
Die Regierunggspräsidenten sind in einet nette» Verfügung des Ministers der geistlichen. Unter» richt«- und Medizinalangelegenheiten ersucht worden den Magistraten der größten Städte ihres Bezirks von diesen Leitsätzen Kenntnis zu geben und auf Ihre Durchführung hinzu- wirken.
«tu» licht», ■ne«, träte, ivchv, kette leben!, »ter», sm«,
1< 84
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: ,Mch Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beuage
»mell, bitte, t. t (eben leibe* ihnen« (1993 e >-\
Marburg
Sonntag. 7. Mär; 1909.
Die JnsertionSgebübr beträgt für die 7gespaltene Aelle ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — n Druck und «erlag: Joh. Aug. Koch, Universttättbuchdruckerei Inhaber De. 6. Hitze roth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
^tgen. Ich unterstütze nur einen Privatmann Herausgabe eines Prachtwcrkes "
„O nein. Sie trieben Landesv trat, Herr Bourlier! Jeder weiß es in der Stadt, und kein Patriot kann ferner mit Ihnen verkehren*
„Ihr seid verrückt I" schrie Bourlier. „Mick wollt Ihr verdächtigen, da ich für Frankreiq mein Leben einsetzte, während Ihr die HLnd« furchtsam in den Schoß legtet? Ich habe bei wiesen, daß ich ein Patriot bin — Ihr aber seid feige Spießbürger, die mit hämischer Po» lttik glauben, das längst verlorene Vaterland zu retten. O, über diese, Dummheit und Ert bärmlichkeit? Wer ist der Spion, den Ihr hin» ter mir hergehetzt habt?"
Devereux zuckte die Achseln.
„Ich denke nicht daran, den Mann zu ver» raten, der uns Wohlgesinnten den unschätzbaren Dienst geleistet hat, Ihre verräterischen Um triebe aufzudecken." i
„Nun denn, so werde ich ihn selber finden!7 rief Bourlier. „Ihnen aber, verehrter Herr, entziehe ich die Vollmacht, mit der Sie mich zis Gunsten meines Sohnes schädigen, und bitte mir in acht Tagen vollständige Rechnungsleg ung aus. Wir find fertig miteinander.
Nach Hause gekommen, kündigte er feinet Tochter an. daß sie sofort nach Brüssel abreise» werde. Seine Schwester verlangte ohnehin un- aufhörlich nach Desiree — und er wollte frei« Luft in Sedan haben — er war entschlossen, den Kampf mit der Gemeinheit und dem schlet» chenden Verrat aufzunehmen. Sein Verstand sagte ihm, daß nur Olivier, der seine Briefe ge« sehen, vielleicht auch gelesen hatte, der Spion und Verleumder gewesen sei. Er haßte ihn, mit et ibn einst geliebt hatte. (Forts, folgt.) ■
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische m/s e o Heilung* bei allen Postämtern und unfern ZettungSstellen tn hl) Kirchh ain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bet unfern ZettungSstellen und der Expedition 2 Mk.
SäuMnnsfürsorge in Preußen.
Daß die Säugltngsfürsorge in Preußen dnt erfreuliche planmäßige Förderung findet, geht aus denBerichten derMedizinalbehörden yervor, die für da» Jahr 1907 erstattet find. Insbesondere scheint da» zweckentsprechende Jnein- andergreifen der Behörden eine Aufklärung der Bevölkerung durch Verteilung von Merkblättern bewirkt tzu haben. Solche Merkblätter über die beste Ernährung und Pflege der Säuglinge wurden auf Grund ministerieller Erlafie seit Anfang 1905 von allen Standesämtern bet Ge- burtsmeldungen verabfolgt, sodann — namentlich auf dem Lande — durch die Aerzte Hebammen und Wochenpflegerinnen unter Kontrolle der Kreisärzte, ferner seitens der Jmpfärzte usw. Für ländliche Kreise wird das im Kreise Westerburg eingeführte Verfahren als empfeh. lenswert hervorgehoben. In diesem Kreis« wird für jede Gemeine alljährlich eine Nachweisung der sämtlich neugeborenen Kinder aufgestellt, die außer den Namen der Eltern und de» Kindes die Ernährungsweise, die Dauer der
Ausland.
♦* Oesterreich und Serbien. Wien, 5. März Die „Neue Freie Preffe" meldet: In hiesigen informierten Kreisen nimmt man an, daß Serbien den bisher nur mündlich ausgesprochenen Verzicht in den nächsten Tagen in die Form einer Note an . die Großmächte kleiden werde. Dann werden die Großmächte untereinander ick Verhandlungen eintreten und die Entschließungen Serbiens dem Wiener Kabinett zur Kenntnis bringen. Es ist vorauszusehen, d"ß das Wiener Kabinett seine Bereitwilligkeit er» klären wird, mit Serbien in Verhandlungen über wirtschaftliche und handelspolitische Konzessionen einzutreten: dann wird der letzte Teil her diplomatischen Verhandlungen über die serbische Frage beginnen, wobei allerdings noch manche Schwierigkeiten zu überwinden sein werden, der aber nach der allgemeinen Anschauung zu einem Einverständnis führen wird Dann erst wird eine Konferenz stattfinden, der die Aufgabe zufallen wird, die Vereinbarunger zwischen Oesterreich-Ungarn und der Türkei Bulgarien und der Türkei und Oesterreich-Un garn und Serbien zu registrieren.
U«berfallene deutsche Reichsangrhörigt Innsbruck, 5. März. Der Prozeß wegen der ein- stigen irredentisttschen Ueberfalle auf deutsch! Turner tn Perstn und Ealliano im Sommer de» Jahre» 1907 fand nunmehr sein letztes gerichtliches Nachspiel. Gegen den damaligen Hauptangeklagten Guido Larcher, den Präsidenten de» trtentinischen Alpenvereins, hatten mit Professor Meyer 81 Reichsdeutsche eine Ehren- veleidigungsklage erhoben, weil Larcher bei der Robertstoer Verhandlung den Ausdruck „deut- fche» Gesindel" gebraucht hatte. Larcher wurde
daß sich im Eewerkschaftskampf die Demokratie oft gar nicht anders verwirklichen läßt als durch Uebertragung der Vollmachten. Bei der Aufstellung oder Abänderung von Statuten, bei bei Niederlegung von allgemeinen Richtungslinien der Politik und anderen Fragen ist dir Urabstimmung sicher am Platz, sie wird auch oft vor Einleitung einer großen allgemeinen Aktion nützlich sein, aber sie hat sich wiederholt al- zweifelhaftes Mittel erwiesen, wo die Beendigung einer Aktion tn Frage kam. Denn um hier den rechten Moment zu wählen, dazu gehört ein Ueberblick, den von den einzelnen aus der Mafi« stet» nur wenige haben, während die Mehrheit momentanen Eindrücken und Gefühlsregungen folgt. Ein begrenzter Körper von Beamten und Vertrauensleuten, die in geschloffener Sitzung beraten, wo sie der Einwirkung gefärbter Preß- berichte enthoben sind, und wo jeder sprechen kann, ohne die Kolportierung seiner Aeußerung ins Lager der Gegner befürchten zu müffen, hat als Kollegium die Wahrscheinlichkeit eines objektiven Urteils für sich. Temperamentsunter- schiede und sonstige Verschiedenheiten der Anlage gleichen sich hier aus, während das Verantwort, lichkeitsgefühl sich nicht in dem Maße zersplittert wie bet der Ueberweisung der Entscheidung an einen vieltausendköpfigen Körper." Und weiter: „Wenn die Arbeiter den besser al» je ge. rüsteten Unternehmer tm Kampfe gewachsen sein sollen, dann muß in ihren Organisationen die Demokratie so beschteden sein, daß das Gefühl al» motorische Kraft sein Recht behält, ohne daß dem überlegenden Vorstande das Steuer au» der Hand geriffen wird. Das Prinzip der Demokratie verlangt nicht, daß in allen Fällen die Maffe entscheidet, es verlangt nur, daß die Masse die Verteilung der Vollmachten bestimmt."
Bernstein bekennt sich also hier offen zu dem Ausspruch des Sapieha in Schiller» Demetrius:
„Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn
Verstand ist stet» bei wen'gen nur gewesen."
sich vor ihrem Gatten, deffen Rache sie fürchtete. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn aber verschlechterte sich von Tag zu Tage. Ersterer hatte große Müh«, seine verwirrten Eeld- verhältniffe in Ordnung zu bringen. Sein Anwalt Devereux ging iym gar nicht zur Hand, sondern suchte, Olivier zu Liebe, allerlei Fehlbet üge zu verschleiern. Olivier lehnte jede Rechnungslegung ab. Er war wenig zu Hause und kam nur, um Zwist und Streit zu erneuern.
In dieser unerquicklichen Lage fand Bourlier eine angenehme Zerstreuung durch die Korrespondenz mit Herrn Petzold in Dresden. Die Männer setzten nach Uebereinkunft ihren freundschaftlichen Verkehr fort. Petzold arbeitete an einer Karte de» Sedaner Schlachtfeldes. Bourlier lieferte ihm gern« aufklärende Notizen, Situationsberichte, topographische Beschreibungen und sandte ihm auch ein« Kart« der unmittelbaren Umgebung.
Einig« Tage später feierte Desire« ihren Geburtstag. Bourlier hatte nach seiner Rückkunft
• in die Heimat allen Freunden und Bekannten in Sedan Visite gemacht. Zu dem Familienfeste schickte er Einladungen au».
„Aber keine Katze (am,“ wie Olivier höhnisch, bemertt«. Man entschuldigte sich kaum. Bourlier war außer sich, Desiree weint«, aber Olivier ging triumphierend umher.
„Wir sind beliebt geworden in der Stadt," sagte er. „Du verstehst Dich zu isolieren, Papa. Nur Deiner Gäste wegen brauchst Du Madelon nicht durch «in« Flunkerei au» dem Hause zu treiben." i
Bourlier drehte dem Quäler den Rücken zu. Er war enlschloffen, bk Ursache diese, auffallenden Benehmen, zu erforschen, lieh feinen '
O3er ebunz sonst, »stxn>
iu a ufen. f> b
natürlichen und die der gemischten Ernährung, den Zeitpuntt der Entwöhnung, sowie die Todesfälle unter Bezeichnubng der Zeit und Ursache angibt. Die Führung der Listen ist den Hebammen übettragen, die die erforderlichen Formulare vor Beginn jeden neuen Jahre» erhalten und am Jahresschluffe dem Landratsamt vorlegen. Nach Prüfung der Vollständigkeit der Zahl der eingetragenen Lebendgeborenen durch die Standesbeamten wird die Liste an die Hebammen zurückgesandt, die etwaige Ergänzungen vorzunehmen und behufs Eintragung von Sterbefällen bis zur Vollendung de» zweiten Lebensjahre s der etngettagenen Kinder weiter zu führen haben. — Bezüglich der Ernährung der Kinder, besonders auf dem Lande, wird nach denMedizinalberichten neuerdtng» von verschiedenen Seiten darauf aufmerffam gemacht, daß sich mit der Zunahme der Molkereien ein Rückgang in der Ernährung und in der körperlichen Entwicklung der ländlichen Bevölkerung anbahne, da durch den Verkauf der verfügbaren Vollmilch das Milchbedürfnts des eigenen Haushalts nicht mehr ausreichend berücksichtigt und der Genuß gehaltsarmer Magermilch oder minderwertige Surrogate gefördett werde. Inwieweit solch« Annahmen begründet find, soll von den Kreisärzten untersucht werden. — Da» Medizlnal-Verordnungsblatt empfiehlt den Aufsichtsbehörden, daransthinzuwirken, daß weitere Enibindungs- und Wöchnerinnenheime, städ- ttsche Säuglingsfürsorgestellen Stillstuben und ähnliche Einrichtungen getroffen werden, und weist darauf hin, daß Über die ratsamste Methode der öffentlichen Fürsorge für die Säuglingsernährung in den minderbemittelten Bevölkerungsklaffen der größeren Städte die er» weiterte Wissenschaftliche Deputation für da« Medizinalwesen in den Verhandlungen vom 17. bis 18. Oktober 1907 nachstehende Leitsätze beschlossen hat: „1. Die beste Methode der öffentlichen Fürsorge für die Säuglingsernährung in den minderbemittelten Vevölkerungskreisen besteht in der ausgedehntesten Beförderung und Unterstützung der natürlichen Ernährung an der Mutterbrust. Di« auf dieses Ziel gerichteten Bestrebungen werden zweckmäßig seitens der Gemeinden durchgeführt. 2) Die beste Methode zur Beschaffung einer einwanddfreien Tiermilch für die Säuglinge der Minderbemittelten besteht in der Kontrolle und geeignetenfalls in der Uebernahme der Milchversorgung durch ein kommunale» Milchamt. Zu dem Zwecke empfiehlt fich der Erlaß von entsprechenden Polizei- Verordnungen für größere Bezirke (Regierungsbezirke, Provinzen). 3) Die ratsamste Methode der Beschaffung einer geeigneten Nahrung für den einzelnen Säugling besteht in der Errichtung kommunaler Milchabgabestellen: in diesen find die einzelnen Mahlzeiten de» Säugling« in verschiedenen Mischungen trinfferttg herzu- stellen: mit ihnen find Auskunft», und Fürsorgestellen organisch zu verbinden, bei denen einerseits individuelle ärztliche Belehrung stattfindet, andererseits die- Säuglingsernährung im Hanse durch gut vorgebildete, fest angestellte Gemeinde- Pflegerinnen überwacht wird. 4) Alle Maßnahmen der kommunalen SLuglingsfürsorge find einer kommunalen Zentralstelle zu übettragen. die unter Leitung «ine» Arzte» zu stellen ist.
Wagen anspannen und fuhr nach der Stadt, geradewegs zu Herrn Murlitton, dem früheren Maire. Der Manu^ließ sich verleugnen, Pre- vendaur, einst der treueste Freund, ebenfalls.
Bourlier bebte vor Entrüstung, er fuhr zu feinem Advokaten. Devereux mußte Stand halten, denn noch war Bourlier sein Klient.
„Ich kann Sie nicht mehr besuchen " sagte der Anwalt kühl, „wenigstens nicht al» Freund, da c» bekannt geworden ist, daß Sie es mit dem Feinde halten."
„Welch eine unfinnige Beschuldigung!"
„Nicht so ganz. Man hat erfahren, daß Sie in Dresden eine Ausnahmestellung unter den Kriegsgefangenen hatten. Sie wohnten in einer bequemen Villa, hatten exquisite Verpflegung, vollkommene Freiheit. Da» muß Verdacht erwecken."
„Ich verdank« diese Vorzüge meinem ehemaligen Schwiegersöhne."
„Dem Todfeinde Ihre» Sohnes," ergänzte Devereux mit beißendem Hohn. „Sie hätten fich's überlegen sollen, die kompromittierende Güte anzunehmen. Ohne Gegenleistung ist das nicht. Daß Sie diese Gegenleistung bereits in» Werk setzten, ist erwiesen. Sie lieferten durch einen Mittelsmann den Deutschen topographisch« Beschreibungen unserer Umgebung und Festungswerke ja vollständige Karten, die Sie eigenhändig verbefferten. Können Sie das leugnen?"
„Zum Teufel, netn. Mir wird doch ein Briefwechsel mit meinen Freunden erlaubt fein. Wo ist da da» Unrecht? Sedan ist den Deutschen, die noch heute die Festung besetzt halten, besser bekannt als unserer Arme«. Jene habe« wahrlich Zeit genug gehabt, ihr« Karte» zu er«
Das demokratische Prinzip in der Sozialdemokratie.
In der sozialdemokratischen Partei herrscht »ngeblich das demokratische Prinzip in aller Reinheit. Angeblich. In Wirklichkeit sieht die Proletarierbewegung unter diktatottscher Hert- Iqjflft. Die Massen haben natürlich „mitzusprechen". Aber man bedient sich ihrer Mitwirkung nur, wenn es gilt, „imposante" Versammlungen ?u veranstalten, Resolutionen nach Vorschttst zu assen, Delegierte gn wählen und ihre Berichte entgegenzunehmen, Massendemonstrationen zu veranstalten und Beiträge zu zahlen. Die „Gesetzgebung" in der Sozialdemokratie geschieht nicht grundsätzlich durch das „Volk", sondern durch die zehnmal gesiebte oberste Instanz den Parteitag, der zum größten Teil aus Personen zusammengesetzt ist, die von der Parteileitung abhängig find. Di« Ausführung der „Gesetze" und die Verwaltung der Partei geschieht ohne jeglich« Mitwirkung des Demos: sie ist in die Hände des Patteivorstandes gelegt dem einige auf Lebenszeit gewählte „Genossen", die eigentlichen Diktatoren angehören. Von einer Hochhaltung des demokratischen Prinzips in der sozialdemokratischen Parteipraxis kann also in Wirklichkeit nicht gesprochen werden.
Teilweise anders ist es noch in der Gewerkschaftsbewegung. Hier hat zwar ebenfalls als Zentralbehörde die Eeneralkommisston die Züge! kn der Hand und verfügt in den Kongressen Über eine ergebene Mehrheit. Aber ein sehr wesentliches Recht ist noch die Maffe der Gewerkschaftsmitglieder geblieben: das Recht der Entscheidung in 'tretffragen. Es ist bekannt, daß 'dieses Re.'. . von den organisierten Arbeiter massen vielfach mißbraucht wird, daß die Verbandsleitungen häufig den Einfluß verlieren, wenn es den Interessen bet Organisation — das Interesse bet Arbeiter kommt stets in zweiter Linie daran — gebietet, bei Arbeitskämpfen klein beizugeben. Es ist eben leichter aufzuhetzen als abzuwiegeln. Das haben wir in der Bergarbeiterbewegung, aber auch bei verschiedenen großen und kostspieligen Streiks (Bauarbeiter — «trebelwerk u. a. m.) gesehen. Die Arbeiter werden solange in den Glauben hineingetrieben, sie tonnten bei Streiks nur gewinnen, ste hören soviel von der gewaltigen Kriegskaffe bet Verbände, daß es schließlich nicht zu verwunbern ist, wenn sie in Streiks „fest" bleiben.
Ts ist schon lange bas Bestreben bet Gewerkschaftsführer, den Massen bie Entscheibung über Fortführung unb Beendigung von Streik/ au» der Hand zu nehmen. Aber wo sie es auch versucht haben, sind sie auf Widerstand gestoßen. Jetzt sucht der „Reformist" Eduard Bernstein in den „Sozialistischen Monatsheften" darüber auf-rrklären, daß die Demokratte ein Prinzip, aber keine fertige Formel, daß sie in der Theorie anders beschaffen sei als in bet Praxis. Er schreibt:
„Eine langjährige unb teuer erkaufte praktische Erfahrung hat zu der Erkenntnis geführt,
n wem ebitioa 11996
iüocte irscheu E) liier- 25 Wt
(1997 niet.
Deutsches Reich.
— Die beutsch-amerikanische Portotaxe. Bet. lin, 4. März. Der „Reichsanzeiger" weist darauf hin, baß die Ansicht, die neuerdings zwischen dem deutschen Reich und den Vereinigten Staaten von Amerika eingeführte Portoermäßigung ftnt« auch auf Briefsendungen nach Kanada Anwendung, irrig ist. Durch das am 1. Januar 1909 in Kraft getretene Abkommen wird nut der Briefverkehr zwischen Deutschland unb den Vereinigten Staaten und umgekehrt geregelt
— Kotau. Im sozialistischen Gewerkschaftsorgane „Der Holzarbeiter" wat kürzlich folgend« Anzeige zu lesen: „Ich bedauere, die Kollegen der Tischlerbranche durch meinen Sireikbruck tm Jahre 1904 bet Kaspar, 16. Bezirk, sowi, im Jahre 1905 bet Fr. O. Schmidt, 11. Bezirk geschädigt zu haben, leiste hiermit sämtlichen Kollegen öffentlich Abbitte und erkläre, mick meines so unehrenhaften Vorgehens nicht mehr schuldig zu machen. Franz Kren."
Unter Feinden.
Roman von Karl Mat thia».
l Fortsetzung.»
Aber bei Streit, den er erwartete, blieb au». Bourlier begrüßte bie junge Frau, welche ihm unb Desiree aufdringlich vorgestellt wurde, mit Würde. Desiree nahm mit einem Platz neben ihrem Vater vorlieb, Madelon macht« die Honneurs.
Plötzlich fragte Bourlier, dem bi« Rachsucht aus den Augen blitzte:
„Haben Sie ihren Gatten Jose Pumarquet schon gesehen, Madame? Ich traf ihn in Sedan, er wollte sie hier besuchen."
Madelon ließ die Gabel au» bet Hand sallcn und stieß, einer Ohnmacht nahe, da« Glas um.
„Pumarquet — mein Mann — «t ist tot," stotterte sie.
„Bewahre Gott," sagte Bourlier mit sichtlicher Befriedigung, „er lebt unb ist voller Selm sucht. Sie wiederzusehen. Mabam«. Wir saßen zusammen in den Kassematten von Dresden. von hat er mir genug von seiner Liebe zu Ihnen erzählt."
Madelon sprang auf. Eine gräßliche Angst sprach fich in Ihren Blicken aus, bleich wankt« sie aus dem Speisesaal.
.Das sollst Du mir büßen, Papa," zischt« Olivier, ihr folgend, während der Alte befriedigt feine Mahlzeit fortsetzte unb lachenb sprach:
„Tas ist meine Taktik, mir ileberlästige vom Halse zu schaffen. Darf ich noch um etwa» -lostoeef bitten, Desiree. Es ist ausgezeichnet."
Madelo» floh au» dem Hause und verbarg