mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
ttitb den Beilagen: „Nach Feierabend- (wöchentliche Unterhallungsbellage) und.Landwirtschaftliche Benage.-
Jti 56
Man abonniert auf dir täglich erscheinende „Oberhessische Zeitung" bet allen Postämter« und nnsern ZeitungSstellen in Kirchhain und Wetter sowie beiimserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die'Post 2,25 Mk. lohn« Bestellgeld), bei unser» ZeitungSstellen und der Expedition 2Mk.
Marburg
Tonntaq, 7. März 1909.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Re Samen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniversttätSbuchdruckeret Inhaber Dr. T. H itzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Drittes Blatt.
Rede des Abg. Dr. Böhme zum Antrag der Polen
vom 26. Februar 1909.
Mei« Herren, wenn dieser Antrag, der seitens der polnischen Fraktion gestellt worden ist, sich wenden würde gegen AuSnahmgesehe auf religiösem Gebiete, so würde ich diesen Antrag auf des lebhafteste unterstützen; denn religiöse Ausnahmegesetze haben, wie die Erfahrung gezeigt hat, nur die Folge gehabt, die Konfessionen untereinander zu verhetzen und Unfrieden herbeizuführen. ES handelt sich aber hier nicht um die Beseitigung religiöser Ausnahmegesetze und solcher Maßnahmen, die dahin zielen, irgend eine Konfession in ihren Rechten zu beschränken, sondern ee handelt sich einfach um die Notwendigkeiten des nationalen Kampfes, und da werden wir stets da» vertreten, von dem wir glauben, daß es im Interesse unseres gesamten Volkstums liegt.
Ich glaube, daß dieser Antrag, der hier gestellt worden ist, lediglich den Zweck verfolgt, der Unzufriedenheit. die in weiten Kreisen der polnischen Bevölkerung und der polnischen Demokratie mit ihren Abgeordneten vorhanden ist, und von der schon der Herr Graf von Westarp gesprochen hat, den Boden zu entziehen. ES sollte wahrscheinlich dahin gewirkt werden, den offenbaren Zwiefpali, der jetzt nach zahlreichen Aeußerungen der polnischen Presse in den Reihen de» Polentums vorbanden ist, zu beseitigen. Es liegen ja polnische Preßftimmen vor, nach denen man e» beabsichtigt, bereits die polnische Gemeinschaft zu sprengen. Es sind nicht nur Angriffe gegen den Abgeordneten Switala erfolgt, sondern auch ander« Herren, die hier dem Hause angehören, sind auf dar heftigste angegriffen worden. Der Vorsitzende der polnischen Landtagsfraktion ist ebenfalls in der polnischen Presse außerordentlich schlimm behandelt worden. Man hat ihn auf den Altenteil setzen wollen und hat die Tatsache seiner Wahl in keiner Weise in der polnischen Presse begrüßt.
, Ich kann also nur der Ansicht sein, daß dieser Antrag den Zweck verfolgt, hier diligentiam zu prästieren, hier zu zeigen, daß man etwas mehr mit Eifer für die polnischen Interessen eintritt, als daS die polnische Presse bisher bei der Fraktion gesehen hat. Aus diesem Grunde ist der Antrag eingebracht worden. (Zuruf bei den Polen.) Der Herr Abgeordnete Korfaiuu spricht von Unterstellungen, die hier gemacht worden sind. Dann scheinen Sie die polnische Presse nicht zu kennen und nicht zu wissen, war die polnische Presse über Ihre Tätigkeit geschrieben hat. Ich bin durchaus in der Lage, Herr Kollege Korfanth, Ihnen einzelnes hier mitzuteilen, was sich in der polnifchen Presse findet. So steht in Rr. 17 des „Postep" in Posen vom 22. Januar 1909:
Daß eS zum Bruch in unserer Volksgemeinschaft kommen wird, daS ist sehr wahrscheinlich, aber nicht aut Veranlassung der Arbeiirrkandidatur, mit deren Prinzip, alle überlegteren Leute einverstanden sind, zum Bruch wird es kommen aus Anlaß der Aenderung des Wahlreglements, mit welchem der demokratische Teil der Volksgemeinschaft nicht einverstanden ist und nicht einverstanden fein kann.
Derarfige Aeußerungen finden sich zahlreich. Dann schreibt der „Dzicmik Kujawski" aus Hohensalza vom 91. Januar 1909:
Die Dahl des Fraktiotisvorstandcs wird in der polnischen Gesamtheit gemischte Gefühle Hervorrufe«. Der Prälat v. JazdzewSki, gegen den trotz seiner unzweifelhaften Verdienste fast die Gesamtheit aufgetreten ist, als er sich um das Reichstagsmandat bewarb, wird Fraktionsvorsitzender.
der Blütezeit des Handwerksbursckenlebens und des Zunftwesens.
Von L. Müller.
I Fortsetzung.)
3* Jahre 1853 war aus Kurhessen da» Reise« in die Schweiz, Frankreich und Belgien streng verboten und wurde dieses Verbot im Wanderbuch eingetragen. Ein gleiches Verbot bestand in Baden, wo die Polizei nach 1853 an jedem Montag sämtliche Wirtschaften revidierte und jede« Gesellen, der blauen Montag machte, mitnahm und einsperrte. — Die Wanderjahre blieben einem rechtschaffenen Handwerksburschen eine schöne Erinnerung für da» ganze Leben, man lernte eben die Welt wie die Menschen kennen. Auf den Herbergen lagen Gesellenbücher auf, in das sich der Zugereiste einzu- tragen hatte. Ein solches Eesellenbuch für die kunstliebenden Buchbindergesellen, worin ste sich nach Handwerksgebrauch und Gewohnheit pflegten einzuschreiben, befindet sich auf dem Königlichen Archiv zu Marburgs e» beginnt 1715 und endet 1745.
D'e Vorrede von diesem Eesellenbuch lautet:
„Zn dieser Hoch Fürstl. Oberhessischen Haupt- Snd Residenz-Stadt Marburgk hat vor undenklichen Jahren her das löbliche Buchbinder- Handwerk in höchster Flor gestanden, wie man solches beweisen rann. Noch vor 188 Zähren, da die Universität allhier von dem Durchlauch« rigften Fürsten Philippa Magnantmo als Stammvater der samptlichen Landtgraffen zu reffen ist aufgerichtet worden, also wird uns huch wohl anstehen, dah wir da« s« lang g(e*
Besteht denn unsere Fraktion tatsächlich daraus, daß an ihrer Spitze Jnoivib rn stehen, denen da» wohlverdiente Gnadenbrot gebührt, und die nicht di« Leitung einer polittschen Körperschaft von so wichttger Bedeutung haben sollten?
Ist da» also nicht ein scharfer Angriff gegen den Vorsitzenden Ihrer Landtagsfraftion? Und find nicht andere Kollegen, die dem Reichstag angehören, in ähnlich scharfer Weise angegriffen worden? Unb ich möchte da Hinweisen auf die Angrifft gegen den Abgeordneten NapieralSft. Ich fuhr hier eine Aeußerung an aus der „Gazetta Gdanska" vom 21. Januar 1909, die in Danzig erscheint, und in der eS heißt:
Obwohl wir nicht dafür sind, daß die Abgeordneten unter der Losung von Arbeitern, Landwirten, Handwerkern usw. gewählt werden, so sind wir aber auch nicht dafür, daß unsere Behörden vorwiegend Personen au» den oberen Ständen als Kandidaten aufftellcn, al» wenn nur sie das Privilegium hätten, Abgeordnete zu sein, wer dazu befähigt ist, aber möge es nach dem Willen der Gesamtheit gehen, und nicht nur nach dem Willen eines Kreises von Leuten höherer Stände. Wenn das ganze Volk entscheiden wird, wen eS als Vertreter in Berlin haben wird, dann werden diese Abgeordneten daS Volk auch gehörig verteidigen.
(Zuruf bei den Polen: WaS wollen Sie damit beweisen?) — Daß Zwiespalt in Ihren Reihen ist, und daß Sie durch Ihren jetzigen Antrag Zwiespalt und Unzufriedenheit beseitigen wollen, daß der Antrag lediglich aus agitatorischen Gründen gestellt worden ist! (Zuruf bei den Polen: Der Antrag ist schon vor einem Jahr eingebracht worden I)
Meine Herren, Sie haben davon gesprochen, daß dieses Gesetz, gegen das sich Ihr Antrag richtet — cs handelt sich da ja im wesentlichen, wie richttg gesagt worden ist, um das Enteignungsgeseh —, ein ungerechtes Gesetz sei, ein Gesetz, das aus Gründen erlassen worden sei, die nicht zu billigen seien. Meine Herren, ich möchte darauf Hinweisen,, daß, wenn Sie sich in so scharfer Weise, wie es geschehen ist, gegen die preußische Gesetzgebung wenden, Sie dazu in der Gegenwart am allerwenigsten das Recht haben; denn Sie erfüllen Ihre Pflichten, die Ihnen al» loyalen und monarchischen Staatsbürgern auferlegt sind, in keiner Weise. Sie haben in dieser Zeit wieder in Ihrer Presse Gelegenheit genommen, scharfen Terrorismus auszuüben gegenüber Ihren polnischen Landsleuten, die aus Anlaß des Geburtstage« des Kaisers ihre Pflicht als monarchische Staatsbürger erfüllt haben, indem Sie ihre Namen öffentlich bekannt gaben und sie dem Boykott der polnischen Bevölkerung Preisgaben. (Zuruf bei den Polen: Ist Illuminieren Pflicht?) — Nein, Illuminieren ist keine Pflicht, aber Sie wollen diese Leute mit Gewalt an der Ausübung ihrer vaterländischen und monarchischen Gesinnung hindern. Und wenn Sie von Terrorismus reden, der von anderer Seite ausgeübt wird, bann sollten Sie nicht Terroristen sein Ihren eigenen Leuten gegenüber und sollten die Staatsbürger, die sich auf den monarchischen Boden stellen, nicht daran bindern, es zu tun.
Daß der Vertreter der sozialdemokratischen Partei, Herr Stadthagen, sich Ihnen angeschlossen hat, ist sehr begreiflich. Der Herr Abgeordnete Stadthagen sagt, er hätte keine polnischen Gesinnungen; aber er steht immer da, wo gegen die Interessen des Deuffch- tumS gehandelt wird, und deshalb habe ich mich ja auch nicht weiter darüber gewundert, daß der Herr Abgeordnete Stadthagen Gelegenheit genommen hat, um in Ausdrücken, wie sie im Deutschen Reichstag im allgemeinen nicht gebräuchlich sind, sich gegen die preußische Gesetzgebung zu toenben.
Wenn der Herr Abgeordnete Stadthagen sich ein bißchen mit der sozialistischen Literatur beschäftigen würde, wenn er die ihm allerdings fernstehenden „Sozialisfischen Monatshefte" genauer nachlesen würde, so würde er Auffätze von seinem Kollegen
rirende Buchbinderhandwerk noch ferner in seinem löblichen Brauch erhalten, dieweilen das letzte Eesellenbuch, welches in Anno 1656 ist aufgerichtet worden, keinen Raum mehr hat, um weiter zu gebrauchen, so hat der Kunst erfahrene Johann Matthäus Heckel. Buchbindergeselle von Bischoffswerda in Sachsen, vor gut angesehen, ein neues Eesellenbuch aufzurichten, zu dem end, damit sich ein frembder reisender, welcher allhier zusprechen und was ihm Handwerksgebrauch zu Gut genoßen und auch ein ausgelernter als Gesell sich einschreiben können, damit diejenigen Gesellen sehen, dah auch schon vor langen Jahren aus anderen berümbten Städten Gesellen hierhergekommen und auch ferner auf Handwerksgebrauch gehalten wird. — NB. Es wird daran erinnert, dah dieses Buch nicht zu dem Ende aufgerichtet, damit ein Jeder allerhand Kläxter darin mache, sondern fein sauber und in Ehren halten möchte."
Wie daraus ersichtlich ist, so wurde jede» Jahr ein neuer Gesellenvater gewählt, bei diesem muhten die fremden Gesellen vorsprechen, und es erhielt dann der zugereiste Geselle von der Gilde ein Geschenk von 9 Kreuzer, die auf der Herberge verzehrt werden muhten. Diese befand sich in einem heute noch existterenden Hause dem „Gasthaus zur Sonne" am Markt. Die Einträge, die von den Gesellen gemacht wurden, find oft in Reimen geschrieben, z. B. Anno 1717, 20. Mat schrieb:
,Zoh. Georg Böhmer schreib ich mich in«, von Schwabach ich gebürtig bin,
von Nassau-Siege« ich meine Reise nah«, und von da nach Marburg kam.
Beim Herrn Vatter ich einkehren that, Herr G. A. Ereutzer die Herberg hat.
Alle Eutthat hat mir der erwiesen,
darum sei er auch hochgepriesen,
weil meine Feder nicht mehr will fliehen, ,o will mit meinem Dank ich schliehen.
Wer nach mir kommt und besser macht, den ich als meinen Meister acht."
Symbol: Jesus mein Vergnügen.
„1717 den 10. August bin ich Rtclau» Schmidt, gebürtig von Lemberg, von Eiehen nach Marburg gekommen und bei Herrn Vatter Joh. Ulrich Fischer eingekehrt. In der Sonne ist mir vom Handwerk wegen alles Liebes und Gutes widerfahren, wofür ich mich schönsten» bedanken thue."
Symbolum:
„Ehe der Buchbinder warbt gebohren.
Sind ihm drei Bauern auserkohren.
Der eine, der ihn ernährt.
Der andere, der vor ihn in die Hölle fährt, Und der dritte ihm eine reiches Weib wirbt. Damit er zeitlebens nicht verdirbt."
Anno 1718 den 4. Mai schrieb außer seinem gewöhnlichen Dank W. Heinrich Snabel aus Cassel folgendes Symbol:
„Hitz, Kält und Armuch, Wer wandert, erfahren thut. Wer nicht thut wandern, Glaubt keinem Andern."
1718 den 29. Juni schrieb Kaspar Hagenbeck von Dortmund:
»Das was der Himmel uns verspricht in diesem
Leben, Muh einem das Glück auch wider Willen gebe«. Drum trau» wir auf Gott mit einem kecken
Muth, Geschieht e» heute nicht, so wird ««Morgen gut."
Hue, unb wie sie sonst heißem mögen, finden, in denen nachgcwieftn wird, daß auch stark sozialistisch angehauchte Rrbeftervertreter da, wo cs sich um ihr Volkstum handelt, sehr wohl zu Ausnahmemaßregeln schreiten, wenn sie fürchten, baß ihr Volkstum bedroht wird.
Sehen Si« hinüber nach Australien: die australische Arbeiterpartei, die dort herrscht, wendet sich mit aller Schärft gegen die Einwanderung nicht nur der mongolischen Rasse,, sondern auch englische Gewerkschaftler und deutsche Matrosen werden aufs schärffte bestraft, wenn sie' e» ohne Erlaubnis tun. Die australische Arbeiterpartei, die stark sozialisfische Neigungen hat, hat stets auf dem Standpunkt gestanden, daß sie ihre Nationalität und infolgedessen ihre Kulturhöhe unter allen Umständen zu wahren entschlossen ist, unb so liegen die Verhältnisse auch bei uns. ES handelt sich einfach darum, ob wir die Konkurrenz einer kulturell tiefer stehenden Raffe dulden wollen. (Stufe bei den Polen und links: Unerhört!) — Ja, meine Herren, das können Sie doch durchaus nicht bezweifeln (Zuruf bei den Polen: daß Sie e» sind! — Heiterkeit), daß diese Konkurrenz unser Volkstum langsam aus der Stellung, die e» einnimmt, vertreiben würde. Meine Herren, eS ist einfach Tatsache, daß die geringe Kultur und die Bedürfnislosigkeit des polnischen Volkes mit Notwendigkeit dazu führen muß, unsere deutschen Bauern und Arbeiter aus ihrer Stellung und ihrem Besitz zu bringen.
Meine Herren, ich habe noch niemals eine derartige Geschichtsklitterung gehört, wie sic Herr Stadthagen gegeben hat. Er hat daS Wesen unserer An- siedlungSbestrebungen dahin definiert, daß dadurch der deuffche Großgrundbesitz arrondiert und die kleinen Besitzer im Osten aus ihrem Besitz gebracht werden sollen. Ich glaube, Herr Kollege Stadthagen hat derartige Anschauungen hier nur äußern können, weil er sich niemals mit den Zwecken und Zielen der An- sicdlungskommission vertraut gemacht hat (sehr richtig! rechts); denn gerade das Gegenteil erstrebt die Ansiedlungskommission. Sic fördert gerade den kleinen und mittleren Besitz, weil sie an die Aufteilung der großen Güter geht. Wenn e8 die Herren von den freifinnigen Pattei en mit ihren Bestrebungen ernst meinten, wenn sie wirklich eine Verstärkung des Bauernstandes unb eine Verminderung des Großgrundbesitzes dort herbeiführen wollen, wo er in ungesunder Weise vorwiegt,, bann dürsten sie sich nicht auf den Standpunkt stellen, den der Herr Kollege Gothein hier eingenommen hat, sondern sie müßten gerade den Standvunkt einnehmen, den wir hier einnehmen, den die Ansiedlungskommission und die preußische Regierung vertritt. Damit würden Sie das in der Praxis vertreten, was Sie hier und außerhalb des Haufe? so ost in bet Theorie als Ihre Pttnzipftn hingestellt haben.
Meine Herren, es ist gesagt worben, wir sollten hier im Sinne der alten friedettzianischen Gedanken Witten. Wir wirken gerade in diesem Sinne, nicht diejenigen, die sich gegen die Maßnahmen der preußischen Regierung wenden. Die fttedettzianischen Bestrebungen sind gewesen, Kolonisation zu treiben, und Kolonisation wollen auch wir treiben. Wir beklagen es nur, daß seitens des Polentums so wenig Dankbarkeit vorhanden ist (Unruhe bei den Polen — Ruft: llnerhöttk), so wenig Dankbarkeit vorhanden ist (Unruhe bei den Polen — Zurufe: Wofür denn?) gegenüber dem, was gerade Fttedttch bet Große für das Polentum getan hat. Die Tätigkeit Friedrichs des Großen hat wesentlich darin bestanden, daß er dem polnischen Volke, daS sich in den traurigsten Verhältnissen befand, dem polnischen Bauer, der von der Schlacht« gefnutet wurde, wie man e» sonst nirgends erlebt hat (Lacken bei den Polen), da» Eigentum verliehen hat. (Zurufe bei den Polen: Das hat er nicht getan!) — Gewiß, meine Herren, daS hat er getan. Den Bauern brachte daS Patent vom 28. September 1772 --(Glocke de« Präsi
denten. — Präsident: Meine Herren, ich bitte um
Ruhe!) — Abg. Dr. Böhme (forffahrend): — die Befreiung von Sklaverei und Leibeigenschaft. Der erbliche Besitz wurde durch Verordnung vom 20. Februar 1777 verliehen, und cs wurde streng darauf gehalten, daß die Domänenvächter mit den Leuten nicht nach dem harten polnischen Fuß umgingen. Es ist schon bezeichnend wenn von dem harten polnischen Fuß gesprochen werden konnte. Das wirft ein eigentümliches Schlaglicht auf die damaligen Verhältnisse. Ich beziehe mich nicht allein auf Zeugnisse von deutschen Historikern und deutschen Schriftstellern. WaS hat Ihr eigener polnischer König Stanislaus Lcszynski über die Lage des polnischen Volle» gesagt? Er sagt:
DaS einzige Land, wo die Masse des Volkes aller Rechte der Menschheit entbehrt, ist Polen. Ein Edelmann verdammt hier seinen Untertanen selbst ohne irgend einen legitimen Grund, noch häufiger ohne rechtliches Verfahren und ohne alle Förmlichkeit. Man betrachtet die Bauern als Geschöpfe einer ganz anderen Art und verweigert ihnen fast die Luft, die sie einatmen; zwischen ihnen und den Tieren, die die Felder pflügen, ist kaum ein Unterschied.
Das ist das Zeugnis eines Nationalpolen, das Sie nicht abstreiten können, und deswegen haben wir recht, wenn wir sagen. Sie sollten der friedettzianischen Gesetzgebung dankbar fein, dankbar dafür fein, daß da» polnische Volk wieder zu menschenwürdigen Zuständen gekommen ist durch die Maßregeln des großen Königs, und wenn Sie in dieser Weise heute in die polnische Bevölkerung die Agitation hineintragen, bann zeigen Sie sich eben undankbar. (Heiterkeit bei den Polen.) Dann zeigen Sie, daß eS notwendig ist, daß Maßregeln getroffen werden, die unser Deutschtum schützen unb nottoenbig sind zur Erhaltung unsere» nationalen Staates.
Nun ist von anberen Seiten davon gesprochen worden, eS werde diese Gesetzgebung dazu führen, in Zukunft den Großgrundbesitz gänzlich zu beseitigen. Ich glaube, daß derartige Mahnungen und Warnungen ihr Ziel nicht erreichen werden. Die rechtsstehenden Patteien des Abgeordnetenhauses haben durch ihre Abstimmung gezeigt, daß sie mit aller Entschiedenheit entschlossen sind, daS nationale Interesse übet da» Privatinteresse zu stellen; sie haben die Geseßgebung, die für das Deuffchtum notwendig war,, angenommen, unb ich hoffe, daß das auch in Zukunft der Fall sein wird. Auch der Großgrundbesitz des Ostens wird fester und gesicherter stehen, wenn an feiner Seite die neu geschaffenen Bauernstellen stehen, die besetzt sind durch Bauern deutscher Nationalität. Das wird auch von großer Bedeutung sein für unsere wirtschaftliche Gesetzgebung, eS wird bann bie wirtschaftliche Gesetzgebung in bem Sinne, wie wir sie auf bet Rechten vertreten, besonders leicht dutchzusetzen sein, wenn bie Zahl betjenigen, bie baran interessiert ist, wenn bie Zahl der Bauern eine größere ist, unb deswegen find diejenigen kurzsichtig, die das glauben, daß tatsächlich eine solche Maßnahme der Anfang sein könnte zu einer allgemeinen Enteignung des Großgrundbesitzes. Diejenigen, bie vielmehr erkennen, daß die» nur eine Stärkung des gesunden unb wirtschaftlich nottoenbigen Teil» des Großgrundbesitzes bedeuten kann, sehen bie Verhältnisse, wie sie wirklich sind, unb deswegen haben Sie auch erlebt, baß gerade im Preußischen Landwittschaftsrat alle diese Maßregeln der Kolonisation vom Führer der größten landwirtschaftlichen Organisation, die Wit haben, Fteiherrn von Wangenheim, dem Vorsitzenden de» Bundes der Landwirte, auf» eifrigste verfochten und bertreten sind.
WaS soll nun dieser Antrag? Daß er irgend welche Bdcntung haben könnte, glaubt wohl die polnische Fra? 'm selbst nickt. Sie glauben selbst, wenn er hier im Reichstage Aufnahme finden würde, daß sich der Bundesrat bereit finden würde, ihm zuzn- stimmcn und dadurch die preußische Gesetzgebung zn schäbigen. Ich will aber die Gelegenheit nicht vor« !_ ____ ■ — ■---1
Am 4. Juli 1718 Überbiachten dem Buchbinder Matthias Borries, dem neuen Gesellen- vater, die kunstliebenden Buchbindergesellen das Gesellenbuch und die Armenbüchse.
Gottlieb Günther aus Zwickau schrieb am 12. Juli 1718:
„Treu und aufrichtig.
Macht niemals flüchtig.
Frisch, fröhlich und fromm.
Ist der Buchbindergesellen Reichthum."
Justus Georg Siemen» aus Göttingen schrieb ein:
„Treu, redlich und verschwiegen,
Soll bei mir im Erabe liegen.
. Ist das nicht hübsch und fein,
Wenn Meister und Geselle einig sein."
Wilhelm Hensel au» Frankfurt a. O. schriet folgende» Symbol:
„Das Böse muß man hassen, Was Gut nicht unterlaffrn.
So thut man in der That, Wie'» Gott befohlen hat."
„Buchbinder sein Gottes Kinder, weil sie Gottes Wort ins Herz einbinden fort" schri« Christoph Mol aus Tübingen.
Mathias Luckmann au» Halberstadt schriet am 4. Oktober 1718:
Irisch, fröhlich und stille Ist allzeit mein Wille.
Doch allzeit traurig ist beschwerlich
Und allzeit fröhlich ist gefährlich.."
(Fortsetzung folgt.)