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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: »Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage."

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessisch« w« e? i Zeitung" bei allen Postämtern und nnsern Zeitungritellen in 'vS Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 31.

Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unser« ZeitungSstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Freitag 5. MSrz 1909.

Die InsertiouSgebübr beträgt fllr die 7oespalte« Zetl« «der deren Reum 16 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttätSbuchdrnckerei Inhaber Dr. 6. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrs«

Die Herkunft der deutschen Soldaten.

Zur Ergänzung der Taugltchkettsstattstik hat das Königlich preußische statistische Landesamt «ach dem Stande vom 1. Dezember 1906 für di« deutsche Armee eine Untersuchung vorgenom­men, die fich auch auf Beruf und Herkunft der Eltern der Unteroffiziere und Soldaten bezieht. Der Wert einer bestimmten Bevölkerungs« aruppe als Rekrutenquelle richtet stch nämlich keineswegs ausschließlich nach der mehr od«r minder starken Tauglichkeitsztffer. Durch zahl­reichen Nachwuchs, geringe Sterblichkeit, schwache Auswanderungen können ungünstige Tauglich­keitsverhältnisse sehr wohl ausgeglichen werden und umgekehrt. Darum ist die neue Unter- fuchung dazu bestimmt, eine empfindliche Lücke der Statistik auszufüllen.

Bei der Untersuchung ist nicht bloß von der Gesamtbevölkerunq des Jahres 1885, sondern auch von der Zahl der weiblich verheirateten Personen von 15 bis 45 und der der männlichen Bevölkerung von 20 bis 55 Jahren ausgegangen und die Summe aus dieser und der fortpflan- zungsfähigen weiblichen Bevölkerung gezogen worden. Dieses Vorgehen war deshalb nötig, weil im Fahre 1885 in den einzelnen Gebiets­teilen des Reiches die Bevölkerung nach Alters­klassen sehr ungleichmäßig verteilt war und da man in Gegenden, wo die produktiven Alters­klassen zahlreich vertreten waren, einund­zwanzig Jahre später auch einen verhältnis­mäßig zahlreichen Anteil dort geborener Söhne an dem Bestände des Heeres hätte erwarten dürfen.

Es hat stch, wie dieStatistische Korrespon­denz" mitteilt, herausgestellt, daß die verschie­denen der Untersuchung zugrunde gelegten Maß­stäbe. abgesehen von dem der Gesamtbevöl­kerung, keine besonders bemerkenswerten Ab- weichnnaen ergeben haben. Es seien nur einige Ergebnisse nach dem Maßstabe der am 1. De­zember 1885 vorhanden gewesenen männlichen Bevölkerung von 20 bis 55 Jahren hervorge­hoben. Nimmt man den Anteil, den ein Staat oder eine Provinz im Jahre 1885 an dieser Be- völkervnosschicht hatte, al« den von ihr im Jahre 1906 zu erwartendenSollanteil" am Unteroffizier- und Mannschaftsstande, ihren wirklichen Anteil dagegen als das so er­geben fich als besonder» ergiebig« Rekruten­quellen:

Lippe mit 42 v. H. Ueberschuß gegen das Soll". Ostpreußen mit 40 v. H.. Provinz Sach­sen mit 34 v. SS., Pommern mit 33 v. H., An­halt mit 30 vH., Westpreußen mit 29 v. H., Schwarzburg-Sondershausen und Waldeck mit je 27 v H. und Posen mit 23 v. H. Das König­reich Preußen erhebt sich mit 106 v. H. seines Solls noch merklich über den Durchschnitt; da­gegen erreichen das Königreich Sachten mit 96, sowie die süddeutschen Staaten Württemberg mit 93, Bayern mit 91, Hessen mit 90 und Baden mit 84 ihrSoll" nicht ganz. Elsaß- Lothttngen leistet nur 78, Lübeck 71, Bremen 65, Hamburg aber nur 42 und endlich Berlin sogar nicht mehr als 39 v. H., also noch nicht */. seinesSolls".

Bemerkenswert ist namentlich die Ab­weichung Elsaß-Lothringen» von den bisher günstigen Ziffern. Bei den Erhebungen über

7Q iNaLdruck «ertöten. 1

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

(Sortierung.) XXVI.

Das Zusammenleben mit seiner Tochter ver­fehlte seinen Einfluß auf Bourliers Sttmmung nicht. Allen Menschen kam er näher, nur Wal­demar blieb er fern, abfichtlich, er wollte fich der besseren Ueberzeugung nicht beugen. Der Ge­liebte Defirees war für ihn die Verkörperung der deutschen Nation, die zu hassen sein« Pflicht war. Mißmutig ging er ihm au» dem Wege, wenn jener seine Besuche machte, denen Bour- lier selbst einen dienstliche.! Anstrich gab. Die Wortplänkeleien hatten aufgehört, weil fie ge­genstandslos geworden waren, nur ab und zu sprach er sein Mißfallen über den vettrauten Umgang der Liebesleute aus.

Ich habe Defiree erlaubt, mit unserer Wir­tin, Fra» Petzold, das Hostheater zu besuchen, finde es aber sehr überflüssig, daß Sie stch an den Theaterabenden regelmäßig einstellen. Heu Leutnant. Sie kompromittieren damit mein Kino und fich selber, da Sie so frei vor aller Blicken mit der Tochter eines Franwsen verkeh. ren. Sie werden Ihrer Carriere schaden, und ich kann Ihnen keinen Ersatz dafür bieten.

Waldemar hatte für diese Ausfälle nur ein Lächeln. Er plauderte ungestört mit Defiree fort bis Herr Bourlier wütend das Zimmer verließ.

Wie fich Defiree an Frau Petzold ange« schlossen hatte, so verkehtt« Bourlier mit dem Wirte, welcher ihm al« ein gebildeter, vtelge-

Der Kaiser in Wilhelmshaven.

Wilhelmshaven, 3. März. Der Kai­ser traf kurz nach 10 Uhr auf der Werft ein, wo der Staatssekretär v. Tirpitz und der Oberwerft- direttor Konteradmiral Dick ihn empfingen. Unter ihrer Führung besichtigt« er den Neubau des LinienschiffesErsatz Oldenburg", das LinienschiffNassau", sowie die Maschinenbau­werkstatt und fuhr dann auf dem Wasserwege zur Strombauverwaltung zur Besichtigung der Jade-Korrektion und der Neubauten am Ems- Jade-Kanal. Die Rückkehr auf dieDeuffch- land" erfolgte kurz vor 1 Uhr.

Wilhelmshaven, 3. März. Der Kaiser traf kurz nach 1 Uhr im Stationsgebäude ein, uni das Frühstück bei dem Stationschef. v. Fi­schet. einzunehmen. Geladen waren ferner der Großherzog von Oldenburg und Prinz Heinrich ton Preußen. Im ganzen nahmen 24 Personen an dem Frühstück teil.

Wilhelmshaven. 3. März. Der Kaiser kehtte nach dem Frühstück bei Admiral v. Fische! auf dieDeutschland" zurück und erledigt« dann Regier» n gsgeschäfte.

Politische Umschau.

Zur Hundertjahrfeier de« Kriegsministerium«.

Der österreichisch-ungarische Reichskriegs­minister Freiherr von Schönaich hat. wt« das Wiener Fremdenblatt" erfährt, aus Anlaß des hundertjährigen Jubiläums des preußischen Kriegsministerium» namens der österreichifch- unaattschen Armee an den preußischen Kriegs­minister von Einem ein Glückwunschtelegramm gerichtet, auf das aus Berlin nachstehende Ant­wort «intraf:

Eurer Exzellenz danke ich mit bewegtem Herzen namens des Kriegsministeriums für Ihre warmen Worte aus Anlaß unseres Jubi­läums. Gott schenke unseren verbündeten Ar­meen weiter treue Waffenbrüderschaft.

(gez.) von Einem,

General der Kavallette, preuß. Kriegsminister.

die Tauglichkeit stand da» Reichsland stet« neben Ostpreußen in erster Linie. Offenbar find die geringen Gebuttenziffern und die starke Auswanderung di« Ursachen der Ab­weichung. Aus ähnlichen Gründen dürste es fich erklären, wenn gegenüber dem allgemeinen Uebergewicht der mehr landwirffchastlichen Ge­biete als Rekrutenquellen doch einzelne wie Mecklenburg-Sttelitz mit 96 und Oldenburg mit 94 ihresSolls" neben oder doch noch hinter dem hochindustriellen Königreich Sachsen mit 96 v. H. stehen, das bei der Tauglichkeit der endgültig Abgeferttgten immer recht un­günstig abschließt. Beschränktere Möglichkeit der Familiengründung. Zweikindersystem usw. kön­nen eben die größere Tauglichkeit der über­lebenden Söhne ausgleichen und umgekehtt.

Die neuen Erhebungen ergeben mit noch größerer Deutlichkeit als die bisherigen Fest­stellungen, daß die nicht großstädtischen Gebiete die besten Rekrutenquellen sind, und daß deren Erhaltung im Eesamtinteresse des Reiches liegt. Professor Brentano wird stch wohl oder übel mit diesem Ergebnis abfinden müssen.

reiftet Mann sehr sympattsch war. Herr Petzold hatte längere Zeit in Paris gelebt, sprach gut französisch und war ein Bewunderer französischer Kunst und Gewerbetätigkeit. Das schmeichelte Bourlier. und er schwatzte mit dem Manne, ohne je den politischen Boden zu betreten. Er in­teressierte sich auch für da» jetzige Schaffen Petzolds, der bet einem großen kartographischen Institut angestellt war. Al» Soldat hatte er den Besitz guter Spezialkarten schätzen gelernt. Jetzt fing er wieder an, fich regelmäßig geistig zu beschäftigen, und Defiree bemerke mit großer Genugtuung, daß die aufregende Zeitungslek­türe nicht mehr den Lebenszweck ihres Vaters bildete.

. So flössen die Tage in Ruhe ohne viel Ab­wechslung dahin. Bourlier verließ das Haus nie, Desire« kam oft in die Stadt, wo stch stets Waldemar zu ihr gesellte, doch war sie jeder­zeit in Gesellschaft von Frau Petzold. Zu dreien durchstreiften sie die Sammlungen, die Theater. Bisfige Bemerkungen de» Vaters wurden still­schweigend in Kauf genommen sonst war das Verhältnis zwischen Vater und Tochter das beste und liebevollste.

Indessen hatte» di« Weltereigntss« einen überraschend schnellen Verlauf genommen. Mit dem schon lange erwarteten Fall von Paris am 29. Januar waren die Bedingungen zum Frie­den gegeben, und als während de» Waffenstill- standes am 2. Februar die von diesem ausge­schlossene Südarmee der Franzosen in einer Stärke von 80 000 Mann über die schweizer Grenze gedrängt worden war, hörte der fron« £ "fische Widerstand auf, und die Diplomaten

gannen zu ordnen, wa« die Soldaten erwor-

Novelle zum Stempelsteuergesetz.

Berlin, 3. März. Die heute dem Abge­ordnetenhause zugegangene Novelle zum Etempelsteuergesetz schlägt vor, von den für die Beamtenbesoldungsgesetze noch zu deckenden 16 Millionen 71/2 Millionen durch neue Stempel- Kbühren und 8% Millionen durch Erricht»ngs- mpel zu decken. Den auf Eigentumswechsel von Grundstücken gelegten einprozentigen Wert­stempel zu erhöhen .ging nicht an: dagegen lag Anlaß vor, den im Laufe der Zeit und nament­lich in den letzten Jahren auf dem Gebiete des spekulativen Grundstückshandel hervor« tretenden Umgehungen des staatlichen Wert­stempels durch gesetzgeberische Maßnahmen vor­zubeugen. Der Entwurf steht eine Bestimmung vor, nach der Verschreibunaen von Eesellschasts- eigentum wie andere Auflassungen mit 1 Proz. auch dann zu versteuern sind, wenn dies nach den Vorschriften der bürgerlichen Rechtsauf­lassung nicht erforderlich. Daneben ist die Er­höhung des Stempels für Abttetung von Ge­sellschaftsanteilen von Vm> auf 1 /, Proz. in Aussicht genommen. Für die Mietsvetträge und für sonstige Pachtverträge ist die Erhöhung des jetzigen Steuersatzes auf/, Proz. vorge­sehen. Wie bisher sollen Mietsvetträge bis zu dem Jahreszins von 300 <M. befreit fein, bei über 300 <M ist anstatt des bisherigen Satze« von */, ein solcher von Proz. bei Wohn­ungen bis 1000 M in Aussicht genommen, der bei je weiteren 1000 M. um je */, Proz. erhöht werden soll. Weiter schlägt der Entwurf vor, die Einführung eines besonderen Steuersatzes von 10 Proz. für Jaqdpachtvertrage von mehr als 300 M Pacht. Ferner sieht der Entwurf eine staatliche Zulchlaassteuer von 50 Proz. zu den Sätzen der zu den Kreiskommunalkassen und aus den Stadtkreisen zu den Eemeindekassen fließenden Jaadscheinabgaben vor. Schließlich werden noch Erhöhungen der Stempel für Ab­tretung von Eesellschafisrechten und bei dem Wertklassenstempel, für Erlaubnisetteilunqen und der Steuersätze für Lustbarkeiten eintreten. Als Ersatz für die abqelehnte Eesellschastssteuer schlött die Novelle die Erhöhung der Erricht- «nasstempels für Akttengesellschaften und Ge­sellschaften m. b. H. vor.

Feste Reichsznfcküsse für die Witwen- und «atsenoersicheeuns.

Wie Berlieer Blätter erfahren, wird dem Bundesrat binnen kurzem ein Gesetzentwurf zu­gehen bett. Aufhebung des § 15 des Zolltarif­gesetzes, wonach dieMebreinnahmen aus einigen landwirffchastlichen Zöllen al» Fonds für die zu gründende Witwen- und Waisenverficherung aufgesammelt werden sollten. Anstatt dieser schwankenden Beträge sollen nach dem neuen Entwurf feste Retchszuschüsse zur Durchführung dieser Versicherung gewährt werden.

Die Verteilung der Spenden für Radbod.

Berlin, 8. März. Auf Wunsch des Kron- pttnzen hatte ein Mitarbeiter desBerliner Tageblattes" eine Unterredung mit dem Hof« marschall Grafen v. Bismarck-Bohlen über die Herausgabe der gesammelten Unterstützungs­gelder für die Witwen von Radbod. Der Hof­marschall erklärte: Unabhängig von der unter dem Prokettorat der Kaiserin ins Leben gerufe­nen Sammlung lief die von den kronprinzlichen

ben hatten. Am 26. Februar 1871 erfolgte der Friedensschluß. Frankreich trat Elsaß und Lothringen ab, übernahm die Zahlung von fünf Milliarden Franken als Kriegsentschädig­ung und fügte sich in die demütigende Beding­ung, daß 30 000 Mann deutscher Truppen in das eroberte Paris einrücken sollten.

Am 1. März zog der neue deutsche Kaiser bei dem Arc de Triomphe in Paris ein. Zehn Tage später wurden die ersten französischen Ge­fangenen nach ihrem Vaterlande zurückqeschickt. Au§ allen Gauen und Festungen Deutschlands wälzte sich eine neue Invasion dem kriegsent­völkerten Lande zu. diesmal eine stiedliche. Väter, Söhne, Ehemänner und Ledige, denen keine Träne nachgeweint worden war, kehrten zurück und wurden, obwohl sie nicht mit Lor- bern gekrönt waren, mit offenen Armen empfan­gen: nur an einer Stelle harrte des Zurück­kehrenden Lieblosigkeit und Enttäuschung.

Olivier saß wieder im Hause des Vaters, der wie er mit Schrecken erfahren hatte, keines­wegs gestorben, sondern mit Desiree zusammen in Dresden, wenn auch in milder Kriegsgesan- genschast lebte. Wohl oder Übel mußte er sich auf da» tägliche Eintreffen des Totgeglaubten gefaßt machen, und mit Mißmut sah er der Ab­rechnung mit ihm entgegen, dessen Habe er in sorgloser Verschwendung vergeudet hatte.

Olivier war bei dem Ueberfall durch die Bayern mit fabelhafter Behendigkeit nach dem Zimmer Madelons gerannt, unter deren Bett er fich versteckt hatte. Dadurch wurde er geret­tet. Der zurückgelassene Posten, geniette ihn nicht. Er hatte da» Gebäude nicht verlassen, brauchte also dorthin nicht zurückzukehren. End«

Herrschaften veranstalteten Privatsammlung, derenErtrag der Kronpttnz den Hinterbliebenen der Opfer birett zu Übermitteln beabsichtigte. Auf Anfrage be» Hofmarschallamts vom 13. De­zember v. I. antwortete die Zechenverwaltung, daß zu diesem Zweck bet gesetzliche Arbeitetaus- schutz nach Berlin geschickt werden könnte. Bei dem Empfang am 16. Januar machte bet gesetz­liche Ausschuß ben kronprinzlichen Herrschaften Vorschläge zur Verteilung bet Spende, mit denen die kronprinzlichen Herrschaften sich ein­verstanden erklärten. Der Kronprinz übergab dem gesetzlichen Ausschuß das Verfügungsrecht über die beim Schaasbaufenfchen Bankverein de­ponierte Summe, die die Bank an die Svarkasse bet Stadt Hamm gut Verfügung des Ausschusses überwies. Damit war jegliches weitere Ver- Mgungsrecht seitens des Kronprinzen erloschen. Nur der Ausschuß konnte über die Summe ver­fügen in Gemeinschaft mit dem die iy2 Millio- nenfpenbe verteilenden allgemeinen Knapv- schastsverein, um dadurch zu verhindern, daß manche Familien doppelt, manche gar nicht be­dacht würden. Auf den Wunsch des alten und de» christlichen Bergarbeiterverbandes. auch ihre Vertrauensleute zu empfangen, konnte der Kronprinz nicht eingeben, da et sich nur an ben gesetzlichen Arbeitsausschuß als gesetzlichen Ver­treter der Rabodzeche hasten konnte und mußte. Selbstverständlich ist, daß bei gerechter Vertei­lung längere Zeit vergeht, bis sämtliche Bedürs- ttgen berückfichtiqt find. Der Kronprinz war niemals Protektor ober Ehrenpräsident des Zentralkomitees für die Hinterbliebenen von Radbod.

Eesatzttansport für die südwestafrikanische Schutztrnppe.

Voraussichtlich geht in der ersten Hälfte de« Monats Mai 1909 ein Ersatztransport für die südwestafrikanische Schutztruppe in Stärke von 500 Mann nach Südwestafrika ab. In Frage kommen hierfür in erster Linie aktive Mann­schaften älterer Jahrgänge, dann Reservisten und zwar zunächst solche, die schon der Schutz­trupp« anaebört haben. Landwehrleute werden nicht berücksichttgt. Es werden gefordett: Gute Führung. Zuverlässigkeit. Selbständigkeit, prak­tischer Sinn, Energie. Zähigkeit und Ausdauer. Infanteristen, die Kenntnis im Rekten und in der Pferdepflege haben, und Kavalleristen, die gute Schützen sind, werden bevorzugt. An die körperliche Brauchbarkeit wird ein strenger Maßstab gelegt. Unteroffiziere werden nicht eingestellt. Handwerker aller Art, besonder» Beichlagsckmiede. Schuhmacher. Maurer. Zim­merleute sind erwünscht. Die Dienstverpflich­tung beträgt 3% Jahre, innerhalb welcher Zeit Heimatsurlaub von vier Monaten mit vollen Gebübrnissen gewahrt wird. Wet nach seiner Entlassung aus bet Schutztruppe auf bie Heim­reise verzichtet und im Lande bleibt, erhält da» Heimreiseaeld als Ansiedlerbekhilfe: er wird beim Kaufe von Regierungsland bevorzugt, wen» er ein eigenes Vermögen von mindesten« 2000 nachweisen kann. Wer- als ausgedienter SSuktruppler auf eigener Farm wohnt, kann schließlich ein unverzinsliches Darlehen bis zum Höchstbetrag« von 6000 -st erhalten.

Demonstration der Barth-Leute.

Di« BarthfcheDemokratische Bereinigung"

lich, nach Verlauf einer Woche rückte die ganze bayerische Besatzung von Sedan ab, und preußische Landwehrmänner traten an ihre Stelle. Dem neuen Kommando waren die Um» triebe in der Bazeiller Villa nicht bekannt, Olivier konnte unangefochten wieder zum Vor» schein kommen. Aber ec hütete fich wohl, neue Frankttreurs-Verschwörungen anzuzetteln. Still lebte er mit seiner Madelon dahin, nut eifrig bemüht, möglichst viel deponierte Gelder an sich zu ziehen, mit denen er nach dem Kriege in Paris seinen Vergnügungen und sonstigen Plä­nen nachgehen wollte. Da erhielt et die Nach­richt über Brüssel, daß sein Vater lebe, und durch Prevendaux. daß Defiree bei diesem ein- getroffen fei. Das zerstörte alle Hoffnungen mit einem Schlage, und der bisherige Schloßherr machte «in saures, wenig festliches Gesicht, als Bourlier mit seiner Tochter am 17. März vor seiner Villa vorfuhr.

Olivier begrüßte fie kühl. Er hatte seine Freude über ihre Rettung notgedrungen schon brieflich aussprechen müssen, prüfend flatterte sein Blick über die Heimkehrenden. Daß der Vater übermäßig gealtert hatte, berührte ihn nicht, ihn ärgerte das flute Aussehen Defiree«, bie, mit dem Papa und dem Geliebten wieder« vereint, gleich einer Rose aufgeblüht wat.

Indem er feinen Vater, der, auf Defiree« Hand gestützt, den Wage» verlassen, bie äußer­sten Fingerspitzen der biederen Rechte bot sprach er mit mürrischem Tone:

Willkommen in bet Heimat, Papa, tapferer Held willkommen! Und auch Du, Schwester Du bist ja auch so etwa» wie eine Jeanne bSht gewesen." (Forts, folgt.)