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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg rrnd Kirchhain

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und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage.'

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Man abonniert auf die täglich erscheineadeOberbetsische Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitung-steilen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezug-prei- beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitung-stellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

DsimeMag 4 März 1909.

Die Jufertion-gebiibr beträgt für die Tgefpaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttät-buchdruckerei Inhaber Dr. T. H',tzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg.

Zur Reichsfinanzreform.

Borläufig keine Einigung.

Die eifrigen Bemühungen der Parteiführer «nd der Regierung, einen gangbaren Weg für die Besttzbefteuerung zu finden, sind bisher er­gebnislos geblieben. Zu Beginn der gestrigen Finanzkommission, in der man einen Antrag der Mehrheitsparteien vorlegen und zur An­nahme bringen zu können gehofft hatte, war die Lage noch vollkommen ungeklärt. Um die Setllung der Parteien zur Llachlasisteuer klar« zustellen, wurde zunächst über 8 1 des Nachlaß, steuergefetzes abgestimmt. Er fiel gegen 6 Stim­men (der Freisinnigen und Sozialdemokraten) und damit die ganze Nachlaß st euer.

Der Vertreter der Reichspartei gab vor der Abstimmung folgende Erklärung ab: Meine politischen Freunde haben die Nachlaßsteuer als eine ihnen unsympathische Steuer bezeichnet, der sie nur zustimmen können wenigstens in ihrer Mehrheit, wenn sich nur auf diesem Wege die Reichsfinanzreform zustande bringe« läßt. Da wir nun einen Antrag vorgelegt Ha­ien, der einen Ersatz der Nachlaßsteuer bringt, so werden wir jetzt gegen die Nachlaßsteuer stimmen, ohne daß wir dadurch unsere Stellung für die Zukunft präjudizieren.

Auch die Nationalliberalen behielten sich ihre endailtige Stellungnahme für die zweite Lesung bevor.

Unter Protest der Sozialdemokraten wird darauf beschlosien, über den nationalliberalen Antrag auf Einführung einer Reichsvermögens- steuer vorweg zu debattieren und abzustimmen.

Die Reichspartei trat für ihren Antrag ein und erklärte sich nochmals gegen «in« Reichs­vermögenssteuer wegen der Gefahr für die Ein- zelstaaten, zumal der von seiner Partei vor- geschlagene Weg diese Hindernisse nicht hab« »nd auch für die Verbündeten Regierungen gangbar sei.

Staatssekretär Sydow verwahrte sich gegen die von einem Freisinnigen ausgesprochene An« »ahme, als würden die Verbündeten Regier« ungen, falls der Reichstag es wünsche, sich doch noch einer Reichsvermögenssteuer geneigt zei­gen. Wenn er einmalunannehmbar" sage, so habe er sich dies überlegt und könne nur wieder­holen .daß die Verbündeten Regierungen für eine solche Steuer niemals zu haben seien. Der bayerische Bundesratsbevollmächtigte trat gleichfalls der Behauptung entgegen, als hätten die Verbündeten Regierungen ohne weiteres auf die Nachlaßsteuer verzichtet. Sie würden auf diese Steuer wieder zurückkommen, falls ihnen ein anderer gangbarer Weg nicht gezeigt würde.

Der Redner des Zentrums betonte, daß Deckung für den Reichsbedarf zu einem Drittel durch Vefitzbesteuerung geschaffen werden müsse.

In der Abstimmung wird der national­liberale Antrag auf Einführung einer Reichs« Vermögenssteuer mit 18 gegen 9 Stimmen der Nationallibcralen, Freisinnigen und Sozial­demokraten abgelehnt.

Nächste Sitzung morgen.

59bötud certiotena

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

'Forttetzung.»

Nein, Herr Bourlier," antwortete Walde­mar,das alles habe ich längst verziehen, denn Sie handelten im Groll, den ich freilich nicht verschuldet hatte. Auch nicht Anerkennung und Dank ist es. was ich von Ihnen heische, ich ver­lange mehr. Ich will Ihre Liebe und Ihr Ver­trauen wieder haben, das Sie mir einst schenk­ten. Das habe ich um Sie verdient. Können Sie mir es länger vorenthalten?"

Ja, Herr Tyrolt, das kann ich, das muß ich," entgegnete.der Alte schroff, indem er sich hoch aufrichtete.Sie find der Feind meiner Nation. Sehen Sie den Rock an, den Sie tragen, das Kreuz, das auf Ihrer Brust hängt. Es sind die Zeichen, daß zwischen uns beiden ein Abgrund klafft, der nie und durchaus nicht überbrückt werden kann. Ich achte Sie als Ehrenmann, ich hasse Sie als den Unterjocher meiner Nation. Wir beide können nie mehr zufammenkommenl Sollten Sie sich jemals Illusionen über meine Gesinnung gemacht haben, so bedauere ich Sie."

Waldemar trat stumm zurück. Er war zu stolz, ein weiteres Wort auszusprechen. Diesem unvernünftigen Hatz gegenüber war er machtlos.

Desiree aber wandte sich voll Entrüstung gegen ihren Vater. Heftig trocknete sie ihre Tränenspuren, welche noch von dem Entzücken des Wiedersehens übrig geblieben waren und faßte Waldemars Hand nur noch fester.

Du sprichst nicht edel, Papa," sagt« sie in lief vorwurfsvollem Tone. Du verschanzest Dein« Undankbarkeit hinter politische»: Zwist,

Der Kaiser in Wilhelmshaven.

Wilhelmshaven, 2. März. Der Kai­ser ist kurz vor 12 Uhr mittelst Sonderzug hier eingetroffen. Am Bahnhof waren zur Begrüß­ung Prinz Heinrich von Preußen. Stationschef Admiral von Fische! und der Inspekteur der 2. Marineinspektion, Kontreadmiral von Schroeder, anwesend. Nach der Begrüßung der Admirale bestieg der Kaiser ein Automobil und fuhr nach dem Exerzierhaus zur Rekrutenver­eidigung.

Wilhelmshaven, 2. März. Nach der Begrüßung durch die Admirale fuhr der Kaiser mit dem Prinzen Heinrich durch die reichbe­flaggten Straßen nach dem Exerzierhaus zur Vereidigung der Rekruten. Militär und Schu­le - bildeten auf den Straßen Spalier. Im Exerzierhaus begrüßte der Kaiser die Offiziere und schritt die Front der aufgestellten Truppen ab. Nach den Ansprachen des evangelischen Sta­tionspfarrers Konsistorialrats Schorn und des ka holischen Stationspfarrers Erdmann erfolgte die Vereidigung von dreizehnhundert Rekruten. Nach der Vereidigung richtete der Kaiser eine kurze Ansprache an die Rekruten, worauf Vize­admiral Schroeder das Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Nach der Feier nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen und begab sich alsdann im Automobil zum Frühstück ins Ofiizterskasino. An dem Frühstück nahmen teil: Prinz Heinrich, die Admirale, das Gefolge, die an der Vereidigung beteiligten Offiziere und di« beiden Geistlichen.

Wilhelmshaven, 2. März. Der Kai­ser fuhr nach Beendigung des Frühstücks im Automobil nach dem Hafen und nahm an Bord des LinienschiffesDeutschland" Wohnung. Um 4 Uhr besichtigte der Kaiser die neue Hafen­einfahrt und kehrte nach zwei Stunden zur Deutschland" zurück.

Wilhelmshaven, 2. Marz. Auf dem LinienschifDeutschland" fand heute Abend ein Festessen statt, zu dem der Kaiser den Prinzen Heinrich. denStaatssekretär des Reichs- martneamts Admiral v. Tirpitz, die Admirale und das Gefolge eingeladen hatte.

Die Crientfraae.

Pari», 2. März. Die Meldung, daß der Minister des Aeutzern während der Nacht be­nachrichtigt worden fei, Serbien habe infolge der russischen Note auf territoriale Entschädig­ungen Verzicht geleistet, ist unrichtig. Bis zur heutigen Mittagsstunde sind Meldungen über die Haltung Serbiens nicht eingegangen.

Belgrad. 2. März. Bei der gestrigen Hoftafel zur Ehren der neuen Regierung kün­digte der König die Begnadigung sämtlicher politischer Verbrecher in einer Rede an, in der er zunächst di« Annäherung zwischen den poli­tischen Parteien Serbiens, aus denen die gegen­wärtige Regierung hervorgegangen, als Serbe und Herrscher begrüßte. Die Verhältnisse, fuhr der König fort, seien zweifellos schwer, er und sein ganzes Volk blickten aber vertrauensvoll in die Zukunft, da sie die Führer des Volkes ge­einigt an der Leitung der Staatsgeschäfte sähen, so. rote alle Serben in dem gegenwärtigen, schick­

erstickst die guten Regungen Deines Herzens durch chauvinistische Spiegelfechtereien. Das kann Deine wahre Natur nicht sein, und ich er­kenne meinen edlen Vater nicht wieder. Vergiß nicht, was ich meinem Verlobten verdanke. Ohne ihn stände ich nicht hier. Er befreite mich aus der Not und führte mich zu Dir. denn alle meine Briefe blieben unbeantwortet, ich war für Euch verschollen, gestorben. Und diese Rede soll Dein Dank sein für so viel treue Liebe? Für seine Aufopferung bietest Du ihm solchen Lohn? Nein, Papa, das darfst Du nicht. Du wärest ja schlechter als Olivier: der versuchte nur Waldemars Körper zu töten, Du aber tötest seine Seele, daß «r darob verzweifeln muß, weil Liebe und Dankbarkeit in der Welt verloren gegangen."

Bourlier senkte sein Haupt. Die Worte seiner Tochter, welche er soeben noch liebeselig in den Armen gehalten, und die sich nun em­pört von ihm abwandte, trafen ihn tief.

Mn wohl." sagte er nach einer langen Pause, während er das Gesicht mit den Händen bedeckt gehalten hatte,ick sehe ein, daß ich Unrecht habe, aber bei Gott im Himmel, ich kann nicht anders. Niemand vermag aus sich herauszugehen. In diesem Meere von Blut ist das Gut« in mir erstickt worden. Ich sinn« nut auf Wiedervergeltung, auf Rache für mein armes, zertretenes Vaterland. Vielleicht ändert die Zeit meine Gedanken, jetzt kann ich nickt anders. Ich vermag Deinen einstigen Verlob­ten nicht in die Arme zu schließen, mich nicht mit ihm versöhnen. Ich kann nicht zu ihm sagen:Waldemar, alles ist vergessen, seien Sie wieder mein Sohn, nehmen Sie meine Tochter hin, ich gebe Euch meinen Segen." Nein, ich

salsschweren Augenblick alle Beleidigungen und Angriffe der Vergessenheit überwiesen, so ver­zeihe er. der König, alle ihm und seinem Hause zugefügten Beleidigungen. Möge, sagte der König, von jetzt an unter uns jede Uneinigkeit schwinden, möge unsere Brust nicht mehr von Hatz und egoistischen Wünschen erfüllt sein, da­mit wir alle wie ein Mann, von gleich großer Lieb« zum Vaterlande getragen, uns zur Wehr seiner beruhten Zukunft setzen. Ich bin Über­zeugt, daß die aus anerkannten Patrioten zu­sammengesetzt« Regierung in der Lage und ge­willt fein wird, die in sie gesetzten Hoffnungen zu rechtfertigen. Der König schloß mit Hoch­rufen auf Serbien und das Serbentum. Mi­nisterpräsident Nowakowitsch erwidert« mit ein r Dankes rede, di« in begeistert aufgenom­mene Hochrufe auf den König und das König­liche Haus ausklang.

Paris. 2. März. Unter Hinweis auf die Wiener Meldungen über die Vorbedingungen für direkte Verhandlungen Ocsterreich-Ungarns mit Serbien, drückt derTemps" sein Be­dauern darüber aus, daß Oesterreich-Ungarn eine so wenig entgegenkommende Haltung Ser­bien gegenüber beobachte und sagt, Oesterreich- Ungarn möge bedenken, daß «s heut« für den europäischen Frieden verantwortlich sei. Aehn- lich äußern sich auch andere Blätter.

Politische Umschau.

Die Borbildung de, an den preußische« Univer­sitäten Studierenden.

Zum erstenmal werden in der neuesten preußischen llniversitätsstatistik die auf Real­gymnasien und Oberrealschulen vorgebildeten Studierenden getrennt behandelt. Das Ergeb­nis, das dieStatistische Korrespondenz« mit- teilt, ist interessant. Danach ist in der juristi- sch-n Fakultät der Anteil der Studierenden, die das Reifezeugnis an einem Realgymnasium erworben haben, bereits auf fast ein Zehntel (482) gestiegen: die Zahl der Oberrealschul­abiturienten, die sich dem gleichen Studium widmen (131). beträgt zwar nur 2,52 v. H., mutz ober gleichfalls schon als ein« ansehnliche bezeichnet werden, wenn man erwägt, daß diese Studierenden während ihrer Schulzeit gewöhn­lich noch keinen lateinischen Unterricht genossen hatten. Roch etwas stärker als in der juristi­schen sind die aus einem preußischen Realgym­nasium hervorgegangenen Abiturienten in der medizinischen Fakultät vertreten (10,11 v. H ), während die Beteiligung der auf einer Ober­realschule vorgebildeten Studierenden am me­dizinischen Studium (überhaupt nur 3) noch ganz unbedeutend geblieben ist. Sonach ergibt sich für di« preußischen Studierenden mit dem Reifezeugnis eines Gymnasiums in beiden Fa­kultäten noch immer ungefähr ein Anteil von neun Zehnteln der Gesamtzahl. Anders liegen die Verhältnisse in der philosophischen Fakultät, die auch schon früher den anders Vorgebildeten offen stand. Die Zahl der preußischen Abituri­enten beider realen Schularten zusammen be­trägt hier über «in Fünftel (13,30 und 8,08 v. H.); dazu kommt ein weiteres Fünftel der Stu­dierenden ohne Reifezeugnis, fodatz für di« Reifezeugnisse der Gymnasien in der philosophi- segne Sie nicht, den Feind Frankreichs, der die­ses Ordenszeichen mit dem Blute meiner Brü­der erkauft hat. Wenn ich Ihnen nicht fluche, so geschieht es der Verdienste wegen, die Sie sich um uns erworben haben aber ich scheide mich von Ihnen, und wenn meine Tochter mich liebt, so muß sie ein Gleiches tun."

Nein, Papa, das fordere nicht!" tief Desiree mit liebevoller Begeisterung.Ich bleibe dem Manne treu, den ich von Herze« liebe, gleich­viel, ob ihn meine Landsleute Freund oder Feind nennen. Die Liebe kennt keine Landes­grenzen, keine Polittk und keinen Völkerhaß."

Nun denn, so folg« ihm, ich kann Dich nicht zurückhalten, bin ich doch nur ein elender Ge­fangener. diesem Herrn auf Ja und Nein un­tergeben. Sein Wille gilt hier und nicht der meinige. Geh und laß mich denken, ich hätte Dich nicht wiedergesehen, denn folgst Du diesem Mann gegen meinen Willen, so bist Du tot für mich."

Halt, Herr Bourlier!" rief Waldemar vor­tretend,gehen Sie nicht weiter? Sprechen Sie nicht Worte die Sie reuen müssen, wenn Sie darüber nachdenken: tteiben Sie Ihr Kind nicht mit Gewalt von sich, nachdem Sie dasselbe kaum wiedergefunden haben. Als wir hierher fuh­ren. wurde ich mit Ihrer Tochter darüber einig, wie wir es halten würden, falls Sie sich wirklich jedem innigeren Gefühl verschließen sollten. Niemals kam mir der Gedanke meine Braut ihrer Pflicht als Tochter abwendig zu machen. Ich yabe sie wahrlich nicht an» fernem Lande geholt, um sie wieder vom Herzen des­jenigen zu reißen, den zu suchen sie ausgezogen war. Desiree soll bei Ihnen bleiben hier und überall. Der Fall ooa Pari, steht bevor, ihm

schen Fakultät nut noch drei Fünftel übrig bleiben. Die theologische Fakultät kommt bet dieser Statistik nicht in Betracht, da von ben Studierenden der Theologie ausschließlich da, Reifezeugnis eines Gymnasiums verlangt wird. Es würde sich empfehlen, diese Statistik auf den gesamten Studiengang auszudehnen, so daß auch aus den Prüfungsergebnissen ersehen wer­den kann, mit welchem Erfolge die verschieden­artig vorgebildeten Studierenden dem Univer­sitätsbesuche obgelegen haben.

Di« Zuständigkeit d«r Amtsgerichte.

Nachdem die Reichstagskommission für die Zivilprozeßordnung sich endgültig dahin schlüs­sig gemacht hat, daß die Zuständigkeit der Amts­gerichte sich auf alle vermögensrechtlichen Strei­tigkeiten bis zu 600 M erstrecken soll, ist di« Hauptstreitfrage bezüglich der Reform des amtsgerichtlichen Prozesses in einer der Regie­rung entgegenkommenden Weise erledigt. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Reichstag den Beschlüssen seiner Kommission bei- treten wird. Die Kommission ist in anderen Punkten auch den Wünschen der Rechtsanwalt­schaft entgegengekommen, und es darf danach wohl gehofft werden, daß die Zivilprozeßreform noch in der laufenden Session des Reichstages zum Abschluß gelangen wird.

folgt der 5rieben und die Entlassung bet Kriegsgefangenen. Dann mögen Sie mit meiner Braut in bie Heimat ziehen. Wir sind jung, wir können warten, bis ein Höherer Ihr Herz gelentt hat. Wenn Sie keinen Groll mehr hegen werden, wenn der goldene Friede auch bei Ihnen einkehrt, dann werden Sie anders über unsere treue Liebe denken, in der Sie jetzt nur Vertrauensbruch und Empörung sehen, dann werden Sie vielleicht aus eigener Initiative unsere Hände ineinander fügen.

Das wird nie geschehen, mein Herr, nie! Warten wir es ab. Des Menschen Herz ist wandelbar. (Bott lenkt es nach seinem Ent­schluß. und wir bauen auf ihn. Mut und Ver­trauen beseligen uns in gleicher Weise, wir sind noch jung, wir können warten. Lebe wohl, Desiree, auf Wiedersehen! Mache Deinen Va« ter glücklich. Er braucht Dich in seiner Her- zensnacht mehr als ich. Leben Sie wohl!"

Mit höflichem Gruß gegen Bourlier, der fich grollend abwandte, schritt Tyrolt hinaus. Der Kutscher brachte Desirees Köfferchen in di« Stub« und beftteg wieder feinen Bock. Desire« stand am'Fenster bis Waldemar abgefahre» war. dann wandte sie sich zu ihrem Vater

Traure nicht, Papa," sagte st« mitleittg, es kommt alles, wie «s kommen soll. lieber die Freude, daß wir uns wiedergefunden haben, könne« wir leicht alles andere vergessen. Was doch einmal nicht zu ändern ist. Du vermochtest «s ja in Sedan, versuch es einmal hier. Roch bin ich ja bei Dir und will Dich pflegen tu* lieb haben, wie mich mein Herz dazu treibt." c. . (dortieguna folgt.)

Aus dem Reichslaqe.

Der Reichstag leistete heute ein gut Teil positiver Arbeit, indem er mehrere Schuhgebietsetats in zwei­ter Lesung erledigte, zunächst den Etat für Kamerun. Hierzu bat Abg. Dr. Goller (südd. Vp.) um Toleranz gegen die Missionen, aber auck gegen den Mohamme- danismus. Er wünschte die Bermeidung von Disso­nanzen zwischen Militär- und Zivilverwaltung und trat schließlich unter Heiterkeit des Hause?, für die Schonungeines armen Verwandten in Kamerun" ein des Gorillas. Abg. Erzberger (Ztr.) legte nochmals fernen Standpunkt in der Missions- und Christianisierungsfrae dar. Staatssekretär Tern- bürg nannte die weitgehenden Freiheiten, die in den Schutzgebieten hinsichtlich der Ausübung des Kultus, der Erbauung von Gotteshäusern usw. durch die Kongoakte und das Schutzgebietsgeseh gewährleistet sind. Der Vernichtung des Gorillas sei durch eine Verordnung des Gouverneur- vorgebeugt.

Beim Etat für Togo teilte der Staatssekretär in Erwiderung von Anfragen mit, daß der Grunderwerb nur mit Genehmigung des Gouverneur« zulässig sei. Eine teilweise Konfiskation der Ländereien der Land- Gesellschaften sei nicht möglich. Beim Etat für Süd­westafrika verlangte Abg. Dr Sem (er ein rascheres Vorgehen im Eisenbahnbau, äußerte Bedenken über die Errichtung einer Residentur tm Ovamboland, da dort kein genügender militärischer Schutz vorhanden sei. Vor allem bezeichnete er die Justizpflege als einen sehr wunden Punkt, die Prozesse nehmen über­hand/ Von einem allzuraschen Wechsel der Beamten sei abzusehen. Staatssekretär Deruburg meinte, auch im Bahnbau sei Zurückhaltung notwendig, zumal uns auch noch Erfahrungen fehlten. Die Bahn von Windhuk nach Keetmanshop werde sobald als möglich gebaut. Es entspreche unserer Stellung als Schuh­macht auch in den Kolonien den Schwachen zu schützen, damit nicht da? Kulturwerk zur bewußten Ausrottung werde. (Ein allzuhäuk'get Wechsel der Beamten träte nicht ein. Der Staatssekretär bezeichnete eine Aenderung der Justizpflege als wünschenswert. Dem Reichstag wird eine Novelle zugehen über eine Reform bet Justizpflege in den Kolonien, für die der Staats« sekretär ein Programm entwickelte. Nach ihm sprach