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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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Marburg

Sonntai, 28 Februar 1909.

Die JnfertionSgebüdr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Rau« 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Ioh. Auq. Koch, ilnioersitätSbuchdruckerel Jnbaber Dr. C. H itzerotk, Marburg, Markt 21. Telephon 55

44 Iahrg

Zweites Blatt.

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Mr werden in einer der nächsten Nummern unserer BeilageNach Feierabend" mit dem Abdruck einer bis jetzt noch unveröffentlichten Erzählung des beliebten hessischen Volksschrift­stellers und Heimatdichters Heinrich Naumann aus Nanzhausen beginnen:Wer Wind säet, wird Sturm erntens"

Hat Deutschland volkswirtschaMlch Grund zum Pessimismus?

Die Gründe zur Reichsftnanzreform haben alle Fanfaren des deutschen Kriteriums ertönen lasten. 500 Millionen neue Cteue-n! Wo soll das hinführen! Die Leistungsfähigkeit der deut­schen Volkswirtschaft ist bedroht! So gingen die Stimmen durcheinander. Das Wertvolle war, dass einmal gründliche Statistik ausgenommen und unsere Schuldenlast mit unserem National­vermögen und Volkseinkommen in Ver­gleich gestellt roi rbe, auch hinsichtlich der wirt­schaftlichen Faktoren anderer Staaten, insonder' hekt Englands und Frankreichs. National- ökonmen wie Wagner und Cchmoller beteiligten sich daran, jedoch mit dem Fehler, Spezialstafi- stiken aufzustellen, unter stiefmütterlicher Be­handlung einer allgem-inen, das Gesamtver­mögen und Gesamteinkommen der Nation aus richtiger Basis einschüüenden Berechnung.

Diese letztere Aufgabe hat jüngst Arnold Steinmann-Bucher in seiner beachtenswerten Schrift350 Milliarden Volksvermögen" über­nommen. Er berechnet das deutsche Volksver­mögen auf 330 bis 350 Milliarden Mark, und das deutsche Volkseinkommen auf 35 Milliar­den Mark. Schwaller war bisher nicht über 200 Milliarden Mark Volksvermögen hinausge- kommen und das Reichsschatzamt sagt in seiner Denkschrift zur Reichsfinanzreform, indem es die Veranlagung zur preustilchen Einkommen­steuer auf 18 Milliarden Volkseinkommen aus­dehnt:Unter Beziehung der so gefundenen Zahl auf die Eesamtbevölkerung Deutschlands wird ein Gesamteinkommen des deutschen Vol­kes von rund 30 Milliarden Mark errechnet". Beide Berechnungen, sowohl die des Volksver- mög-ns, wie die des Volkseinkommens, stehen entschieden zu tief. Wir brauchen bloß die ein-

66 WnffiBtud verkoken.>

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

(gortfefcuttg.)

XXV.

Waldemar war wirklich nach Frankreich ab- gereift. Er benutzte einen kurzen Urlaub, den er nicht ohne Schwierigkeit und nur auf Grund der Dringlichkeit des Falles erhalten hatte. Ein Brief, den er eines Tages unter den Feld­postsachen fand, war die Veranlassung gewesen, und dieser Brief lautete folgendermaßen:

Lieber, hochgeehrter Herr Leutnant!

Ich schreibe Ihnen, ohne Ahnung, ob Sie diesen Brief erhalten werden: denn wo stehen Sie jetzt wohl in dem großen, untergekrieqten Frankreich? Ich bin jetzt in Orleans öei's Lazarett und habe viel zu tun, da die Verwun­deten, besonders die Herren Offiziere, nicht blos im Militärspital, sondern auch in den Privatquartieren liegen. Run hab' ich auch Herrn Oberstleutnant von Wingath zu verbin­den, dem es aber schon ganz gut geht. Wie ich zu dem hinkomme, denken Sie bloß, wen ich dort treffe? Das Fräulein aus Bazailles, weiche Sie so fein gepflegt hat und die wir immer Ihre Braut nannten. Das arme Mäd­chen sah recht elend aus, aber fie erkannte mich gleich und freute sich sehr und fragte nach Ihrer Adresse, die ich ihr aber nicht sagen konnte. Fräulein Bourlier war sehr krank gewesen. Auch hatte sie kein Geld zur Nachhausereise und deshalb an ihre Tante geschrieben. Ich aber möchte Ihnen das doch auch mitteilen und ge- horsankst melden. Sonst bin ich recht gesund und grüße Ihnen ergcbenst.

Ihr gehorsamster

Johann Kietze. LazarettgehUfe."

zelnen Statistiken aufzumachen, um das zu sehen.

Bei der Berechnung unseres Volksvermögens kommt zunächst hinsichtlich des gegen Feuer ver­sicherten Privatvermögens in Immobilien und Mobilien in Betracht, dass etwa 25 v. H. aller Mobilien nicht versichert find. Weiterhin stag­niert das Vermögen nach den verschiedenen Bodenkoteaorien nicht einen Tag lang, sondern vermehrt sich zusehends. Man denke nur an das fortwährende Steigen der städtischen Boden- wert«. Berlin ist das eklatanteste Beispiel und wird es bleiben, so lange sich keine Ausdehnung in denselben kolossalen Dimensionen wie bisher vollzieht. Alle anderen grossen Plätze des Rei­ches zeigen dieselbe Verschiebung ihrer Boden­werte nach oben. Drittens dürfen wir nicht die Ertragssteigerung der Landwirtschaft über­sehen. 1900 betrug der Geldwert der beit (Wen Ernte 4,2 Milliarden Mark. 1906 aber 5,4 Mil­liarden. Die Eigentumswerte produktiver, wer­bender Reichs- und Staatsanlagen: der Wert des im Auslande angelegten Kapitals und der deuffche Besitz an fremden Wertpapieren, alles hat den Zun nach oben. Die Summe der ver­schiedenen Werte übersteigt die veraltete, bisher gebräuchliche Stbätzuna des deutschen Volksver­mögens von 200 Milliarden bei weitem, und kann unbedenklich auf 350 Milliarden festgesetzt werden.

Ebenso steht es mit dem Volkseinkommen. 1895 standen wir natb Schmoller auf 25, jetzt sol­len wir auf 30 Millarden Volkseinkommen stehen. Nach der preussischen Gewerberäblnng von 1907 aber hat die Gesamtbevölkerung Preußens feit 1895 um 19,5 v. H.. die in Ge­werben sahne Landwirtschaft und freie Berufe) erwerbstätige Bevölkerung sogar um 43,2 v. H. zuqenommen. Das ist ein so beispielloser Fort­schritt. dass auf den ersten Blick eine Zunahme des Volkseinkommens von 25 in 1895 auf nur 30 Milliarden in 1907 als durch ws unwahr­scheinlich erkannt werden muss. Ganz ähnliche Ergebnisse liefert die Statistik der gewerblichen Berufsaenostenschoften. Die Zahl der in ibnen versicherten durchschnittlich beschäftigten Arbei­ter betrug 1895 über 5.3 Millionen, 1905 über 8 Millionen. Die Zahl der in diesen beiden Statistiken erfassten Arbeiter hat sich also seit 1895 so stark vermehrt, dass schon hierdurch eine Vermehrung des Volkseinkommens bei gleich­bleibenden Lohnsätzen bedingt wäre. Die Löhne sind aber gestiegen.

Vergleichen wir nun einmal unseren ..finan­ziellen Zusammenbruch" mit den Verhältnissen anderer Länder. Man schätzt das französische Volksvermöaen auf 225 Milliarden, das eng­lische auf 253 Milliarden ein. An Gefamtver- mögen stehen wir allo an erster Stelle, auf den Kopf der Bevölkerung verrechnet, sieben wir neben Frankreich und werden nur von England überflügelt. Was das Volkseinkommen betrifft, so rechnen wir bei uns 555 Mark auf den Kopf, in Frankreich 514 Mark und in England 814 Mark. Die Hobe englische Zahl darf uns nicht verblüffen, weil in England die Verteilung des Volkseinkommens eine gleich ungüstigere ist als in Deuffchland. Dazu gesellt sich noch

Waldemar war schwindlich vor Freude ge­worden. als er diesen Brief erhielt. Desiree lebte, Desiree dachte seiner in Lieb«, und Sehn­sucht. Die Hoffnung, fie wiederzufinden, welche er treu im innersten Kämmerlein feines Her­zens aufbewahrt, hatte ihn nicht getäuscht.

Im Rausche der ersten Seligkeit wollte er zu Bourlier eilen, um ibm die Wnndermär mit- zuteilen. Doch er überlegte. Mit der Glücks­nachricht allein war dem Starrsinn dieses Mannes nicht beizukommen. Nur mit der Wiedergefundenen Hand in Hand konnte er dieses vergrämte, verbitterte, rachsüchtige Ge­müt beugen.

So beschloss Waldemar, nach Orleans zu rei­sen, seine Braut selbst abzuholen und dem Vater zuzuführen, ohne dass dieser eine Ahnung des Elücksfalles hatte.

Um die Stadt der Jungfrau waren in der Zwischenzeit heftige Kämpfe entbrannt. Bei Ladon und Maizieres hatten die Preussen mit den übermächtigen Franzosen gerungen, diese mit Verlusten zurückgeworfen. Bei Beaume de Rolande hatten sie gegen eine Armee von 200 000 Mann gestritten und diese auseinander­gesprengt und teilweise vernichtet. Dann folg­ten die Gefechte bei Villepion und Loigny, nach denen sich die Bayern bereit machten, wieder das verlorene Terrain zu erobern. Und dieser Termin sollte bald kommen. König Wilhelm war der resultatlosen Kämpfe im Süden von Paris müde geworden: er befahl dem Prinzen Friedrich Karl, die Entscheidung endgiltig her- veizuführen. Der Prinz zog die erforderlichen Streitkräfte zusammen und rückte mit dem 3., 9. und 10. Korps, zu dem sich die Bayern und Hessen gesellten, gegen Orleans. Am 8. De­zemder entbrannte die Schlacht, bfc Franzosen

eine Begleiterscheinung von höchster Bedeutung: wir wachsen immer mehr durch die stettge und eminente Zunahme unserer Bevölkerung. Frankreich und England beneiden und fürchten uns darum. Denn jeder Deuffche mehr repra- senttert ein Stück Arbeitskraft mehr. Wo aber viel gearbeitet wird, wird auch viel verdient.

Unb wir hätten ffitunb. uns dem Pessimis­mus zu ergeben? Das Reichsschatzamt verlangt i/j Milliarde Mark: das deutsche Volk aber ver­ausgabt für Alkohol unb Tabak im Jahre 4,6 Milliarden Mark. Rechnen wir jetzt noch ein­mal 4.6 Milliarben für Tabak unb Alkohol, 3 Milliarden kommen an aufzubringenden Steuern hinzu, zusammen 7,6 Milliarden. Wem ist es nun noch nicht klar, dass das deutsche Volkseinkommen grösser als 30 Milliarden, ja grösser als 35 Milliarden fein muss? Wir haben den Blick über das Ganze verloren, dass wir dieses Nefultat jemals aus dem Auge verloren und uns dem pessimistischen, doch echt deutschen Kriterium bingeben. Das Ausland bat in dieser Beziehung bessere Augen. Es steht und vergleicht aus seinem eigenen staatlichen und w'rtschaftlicki-n Leben heraus, sieht die plan­volle Durchbildung in jedem Teile des Reiches, diele über das Land gestreuten Residenten und Industriestädten, die uv« eine gleichmässige in­tensive Kultur- und Kräfteentfältung geben. Es hat einen heiligen Refpeft vor dieser Arbeit, und di- Atmung. dass darin mehr Reichtum und Sicherheit , dass da unerfchönfliche Quellen wirtschaftlicher und geistige" Kraft liegen, rei­chere Quellen, als der Deutsche leider selbst ahnt.

Politische Umschau.

Die Entlastung des Reichsgerichts bildet in den aeaenmärtiaen Beratungen über die Zivilprozessreform den Gegenstand ein­gehender Erwägunaen. Im Gegensatz zu der Meldung einer Korrespondenz darf aber als feststehend angenommen werden, dass eine aber­malige Heraufsetzung her Renisionslumme über 2500 M nicht beabsichtig wird. Andererseits hält man eine Vermehrung bet Zivilsenate nicht mehr für anaänaig. weil bei einer grö­sseren Ausdehnung des Reichsgerichtes die Ein­heitlichkeit der Rechtlurechnng nicht mehr ge­währleistet ist. Es wird daber erwogen, die Entlastung bahvrib herbei,«führen, dass die Revision ausgefchlassen sein soll nach dem Prin- zipe der ckuaa OiffompR, wenn beide Varinstan- zen in demselben Sinne entschieden haben. Je­doch dürften auch hierbei die Einschränkungen hinzutreten, welche beim Belchwerdeverfabren in der freiwilligen Gerichtsbarkeit gelten. Man wird erwarten b«rfen. dass die Revisionsbe­schränkung auf di-l-m W-ae nur dann in Vor­schlag gebracht wird, wenn eine umfassende Statistik den Nachweis erbringt, dass die Ent­scheidungen des Reichsaeri-bts in überwie-en- bem Mabe in demselben Sinne ausgefallen find, wenn beide Vorinstanzen übereinstimmend ent­schieden haben.

wurden bis auf 15 Kilometer von bet Stadt zurückgedrängt unb erlitten fürchterliche Ver­luste. Am 4. Dezember wurden sie, umfasst van ben deutschen Heeresabteilunaen, übet die Loire p-drängt, Orleans schon in bet Vor- mittagsstunde von St. Loup aus beschossen, bann die Vorstädte und der Wald von Gettob les gestürmt, sodass General Ehanzy den Ab­marsch nach Ebateaudun anordnete. Nachdem auch Doulay genommen war unb das 21. Korps Bourbaki über Eien zutiickgeaangen wat, räumten auch die letzten Franzosen die Stadt, und der Erossherzog von Mecklenburg zog noch in derselben nach an der Svitze der 17. Division in der wiedergewonnenen Stadt ein, wo dann auch Vrinz Friedrich Karl sein Hauptquartier aufschlug.

Von allen den Kriegsunruhen, dem Jammer und Elend, hatte Desiree nichts gemerkt. Sie lag besinnungslos im Fiebertaumel. Sie hörte das Donnern der Kanonen, das Krachen der Geschosse nicht, die ab und zu in der Nachbar­schaft einfchlugen und die arme Josnes an ihrem Bette erbeben machten. Die atme Alte hatte ihr Kindchen, wie fie Desiree nannte, nach besten Kräften gepflegt, treu gewacht an feinem Bette, bis die erste Todesgefahr voriibergegan- gen wat. Dann nach der Krisis, die mit uner- ter Wucht kam, wat sie selbst fast zusammen- gebtochen: denn die unaufhörlichen Nachtwachen schwächten fie ungemein. Ein Glück, dass Geld genug im Hause war, um dem Mangel zu be­gegnen: denn die Arzneimittel und bet Lebens­unterhalt waten teuer in Orleans geworden. Gerade, als sich die Fiberhitze gebrochen, rückten die preussischen Sieget in die Stadt. Der Um­stand, dass eine Tr-bugfiaitfe da fei, schützte Frau Jos ne» vor der gefürchteten Einquartie­rung. Der herbeigerufene Arzt, den schon Mon-

v. Gerlachs neueste Freunde.

Wir entnehmen derDtsch. Tagesztg." der wir auch die Verantwortung überlassen müssen, folgende für un Marburger höchst interessante Nachricht:

Die Barthianer suchen sich jetzt an die Anarchosv zialisten anzuvettern. Wie dieFreis. Ztg." mitteUt, schreibt Herr Dr. Breitscheid Artikel für das Anarchistenblatt Der Deutsche Metallarbeiter" unb Herr von Eerlrch ha! sich sogar, wie bas genannte Blatt ferner mithiit, gemüssigt gesehen, in einer anarchosozialistischen Versammlung einen Vortag über die Reichsfinanz­reform zu halten."

Kapitalistische Ausbeutung" in bet Sozial­demokratie.

Der Geschäftsbericht der vier Dresdener Ar­beiter-Konsumvereine stellt fest, dass in diesen sozialdemokratischen Unternehmungen 1908 bet einem Gesamtumsätze von rund 14 Millionen Mark eine Reinaewinn von über I1/. Millionen Mark erzielt worden ist. Dabei hat die Ausgabe für Löbne u-id 6>ebäffer der 'n dielen vier Kon­sumvereinen anoestellten 781 Personen zusam­men 751 342 Mark beiraacn. Dos macht auf den Kcpf noch nicht 1000 Mark im Durchschnitt. Wenn bei den Sozialdemokraten Theorie und Praxis nicht grundverschiedene Dinoe wären, so müssten die Konsumvereine mindestens einen grossen Te:l des enteilenMehrwerts" ihren Angesttllten zurückerstatten. Sie tun es nicht, sie treiben ..kavitalistische Ausbeutung". Das­selbe ist auch bei den anderen so»iotdemokr"ff- schen Unternehmungen der Fall. Man betrachte beispielsweise nur die Vressunterneh- mungen. von denen alleinVorwärts".Neue Zeit",Wahrer Jakob" und ..Gleichbeii" im vergangenen Iabre zusammen über 136000 Mk. an dis Varf-ikosse abaefübrt haben. Nach fo- zialdemok'-atischen Grundsätzen müsste hier dem roten Volke die ..geistige" Nahrung verbilligt werden: aber die Partei liebt es vor,kapi- talistische Ausbeutung" zu treiben..

Deutsches Reich.

Oekonomiekommissare. Berlin. 25. Febr. Zur Laufbahn als Oekonomiekonimissare wer­den. neuer Bestimmung zufolae, fortan nur solche Landwirte zuaelassen. welche die im Erlasse vom 5 August 1896 gestellten Bedingungen er­füllen. Sie müssen das Reifezeugnis von einem Enmnastum. Realgvmnasium oder einer Ober­realschule des Deutschen Reiches erlangt, das 30. Lebensjahr nicht überschrieen haben, eine beit an einen Kommissar zu stellenden Anforderun­gen anaemessene Körperbeschaffenbeit besitzen, was durch kreisärztliches Zeugnis darzutun ist, unb sich über tadellose sittliche Führung aus- weisen.

Neues vom früheren Bürgermeister Schücking. Dortmund. 25. Febr. Die Frau des früheren Husumer Bürgermeisters,^ jetzigen Rechtsanwalts Dr. Lothar Schücking. bat oe-v« ihren Mann die Ehescheidungsklage beim Land­gericht in Flensburg angestrengt, wo heute Ter­min ansteht.

fteut Vres emvfoblen. Dr. Eambriels, und die Jugend der Vatientin taten Wunder. Desir»e genas allmählich. Das Fieber wich. Die Schwache wurde durch anaemessene Diät be- seittgt. Ende Januar konnte fie das Bett ver­lassen. Vor allen Dinaen mollte sie nun den Ihrigen Nachricht neben. Aber ein Brief an Frau von Tarandal blieb unbeantwortet, ein zweiter, nach Luekwarden gesandt, gleichfalls. Die unsichere Postverbinduna mochte wobl schuld fein. An Waldemar wusste fie nicht zu schreiben. Aus Reichenbach war et schon längst fort: wo also sollte sie ibn finden?

Da trat der brave Kietze ihr entgegen. Nach Desirees Genesung batte Frau Josnes doch einen Offizier aufnehmen müssen. Sie wohnte nun mit dem Mädchen in einem engen Stübchen zusammen. Desiree erkannte den ehe­maligen Krankenwärter sofort. Sie pries das Geschick, das sie mit ibm zusammenqeführt, unb teilte ihm ihre hilflose Lage mit. Kietze traf die beste Massnahme, indem et sofort an Wal­demar unter militärischer Adresse schrieb. Acht Tage später trat dieser in das Stübchen der Wirrin ein, an dessen Fenster Desiree mit einer Handarbeit beschäftigt fass.

Desiree Waldemar!" ertönten ihre Rufe, die bis zum Zimmer des Oberstleutnants hin- überhallten, wo die Josnes gerade beschäftigt war. Als diese erschreckt hinüberlief, fand fie zwei glücklich Liebende. die sich nach harter Prüfung wiedergefunden hatten und sich über- selig in den Armen hielten. Die alte Frau be­griff die Situation, leise drückte sie die Tür « und überließ das Brautpaar sich selbst, das so viel, so unendlich viel zu erzählen hatte.

i «FoNfegung folgt.)