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mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschastllche Betlage."

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Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessisch« Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Poll 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Ervedision 2 Mk.

Marburg

Sonnabend 27. Februar 1909.

Die Jnsertion-gebübr beträgt für die 7gehaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Unipersttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H i tz er» th, Marburg, Markt 21. Telephon 55

44 3al)tg.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 16.

Die Lage in Serbien.

Die Kriegsbegeisterung in Serbien hält an. Zn der gestrigen Sitzung der Skupschtina führte der Ministerprästdent aus:

Von gewissen Seiten wird versucht, das na­türliche Recht Serbiens auf seinen Fortbestand, welches durch internationale Vertrage bekräftigt ist, anzufechten. Die nationale Skupschtina hat das auswärtige politische Programm Serbiens aus dem Kerzen des serbischen Volkes genommen. Die Forderungen, welche dieses Programm so­wohl für Serbien als auch für Montenegro ent­hält, sowie die Gründe des Rechts und die In- teressen, auf welchen dieses Programm basiert, wird Europa in kurzer Zeit zu würdigen haben. Die königliche Regierung appelliert an alle Ser­ben. durch Erfüllung ihrer Bürgerpflicht die Regierung in der Ausübung ihrer Aufgaben zu unterstützen. damit auf diese Weise die einzig sichere Grundlage für eine bessere Zukunft Ser­biens geschaffen wird. Indem wir uns auf das unbegrenzte Vertrauen der Krone stützen, sind wir überzeugt, dasi auch Sie, meine Herren Volksvertreter, aufrichtig und von Herzen uns unieistützen werden. Erfüllen wir uns mit der Empfindung und dem Bewußtsein höherer Pflicht gegenüber den heiligen Ueberlieferungen unseres Volkes, gegenüber dem Erbe unserer heldenmütigen Ahnen und gegenüber dem Be­stände und der vitalen Interesien unseres Va- terlandes." (Frenetischer Beifall: stürm. Zivio- tufe auf den König, auf die Regierung, das ser­bische Volk und auf Bosnien und die Herzego­wina).

Auch in Rußland war eine Zeit lang eine kriegerische Stimmung vorherrschend, die jetzt aber einer besonneneren gewichen ist. Die Petersburger Zeitung" und der .Herold" sprechen sich gleichzeitig energisch gegen den Krieg aus. Das KadettenblattSlowo" schreibt dagegen: Wir können das unglückliche Serbien nicht verlassen und können den Ein­marsch österreichischer Truppen in Belgrad nicht dulden. DieNowoje Wremja" warnt vor dem Krieg. Sie meint:Noch niemals war unter Va­terland so schwach zur Abwehr. Gerade jetzt hetzt man «ns in den Krieg. Das russische Volk erwartet von der Staatsgewalt, daß sie keinen selbstmör­derischen Schritt tut. Vor uns dehnt sich ein Abgrund auf. warum sollen wir uns fremder Interessen weaen hineinstürzen?"

In Frankreich ist man fortgesetzt um den Frieden bemüht. Es handelt sich, so schreibt der Temps", nicht um eine Zerstückelung oder Ver­ringerung Serbiens, es genüot, den Serben zu erklären, daß sie nichts von ihrem Gebiete ver­loren und deshalb auch keine Berechtigung haben, eine Gebietsentsckädigung zu verlangen, welche ihnen übrigens niemand, auch Rußland nicht, jemals verheißen hat. Wir bleiben bet unserer Ansicht, daß sich die russische Regierung einem derart begrenzten Schritt in Belgrad an- schließe» kann. Wenn man die Serben in der

65 - Nachdruck Derboten.i

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

iForsietzung >

So ist Olivier wohlbehalten in Vazailles?" Und ich nicht der Mörder Ihres Sohnes. Diesen Vorwurf werden Sie fortan nicht mehr machen fcntnyt."

Die Absicht, ihn zu töten, haben Sie ge­habt,'' sagte der unversöhnliche Mann hart­näckig:auch neuerdings. Doch nur die Ab­sicht, Rache an Olivier zu nehmen, brachte Sie nach Sedan. Leugnen Sie das?"

Allerdings, Herr Bourlier. Mich führte ein anoerer Zweck dorthin, ich suchte Desiree bei ihrem Bruder."

Desiree," sagte Boulier verächtlich.Lief sie Ihnen denn davon? Gefiel es ihr nicht mehr bei der nachsichtigen Tante?"

Wie Unrecht tun Sie doch uns allen und besonders Ihrem Kinde. Ich wollte Sie schonen, Herr Bourlier, aber gegenüber Ihrer Verleum­dung wäre das ein Unrecht an Desiree. So vernehmen Sie denn, daß meine Braut mich verließ und mit Frau von Tarandal nach Ant­werpen ging, als das Lazarett in Bazailles aufgelöst wurde und ich nach Deutschland ziehen mur-if. Das arme Mädchen verzehrte sich in Sehnsucht nach dem Vater. Desiree verließ Frau von Tarandal und schiffte sich nach Bor­deaux ein, um Ihren Spuren zu folgen."

Nun, und und sprechen Sie, geben Sie mir den Todesstoß."

Desiree ist verschollen. Wir haben nichts mehr von ihr gehört," sagte Waldemar tonlos.

Meinetwegen also hätte sie sich in Gefahr begehen?" schrie der Alte, um seine Gewissen»-

Selbsttäuschung beharren laste, daß sie auf Kosten Oesterreichs oder der Türkei sich vergrößern können, so würde man sie nur in eine Kata­strophe stürzen und Europa mit ihnen. Is­wolski hat keinen Grund, sich von einer Inter­vention auszuschließen, welche bezweckt, die Ser­ben auf die unannehmbaren Puntte ihrer For­derung aufmerksam M machen. Ein solcher Schritt kann weder die russisch-französische Alli­anz lockern, noch auch die allgemeine Polittk Frankreichs bloßstellen."

England hält zurück, weil es mit den Slawen nicht verderben will. Der Vorschlag Deutsch­lands, in Belgrad vorstellig zu werden von Seiten der Allianz der Mächte, findet Zustimm­ung. DerPopolo Romano" schreibt: Die Ini­tiative Deutschlands zu einem Kollektivschritt der Mächte in Belgrad wird ohne Zweifel dazu dienen, das neue serbische Kabinett zu überzeu­gen. daß es ein unnützes Bemühen ist, terri­toriale Kompensationen zu beanspruchen, die keine der Mächte als legitim anerkennt, und daß Serbien Gefahr läuft, auch die wirtschaft­lichen Konzessionen, zu denen Oesterreich sich heute noch verstehen würde, einzubüßen.

Vorläufig ist aber die Lage noch äußerst krittsch. Die Serben vertrauen offenbar zu stark auf russische Unterstützung. Man glaubt, daß 300 Offiziere und 20 000 Mann bereits von Rußland unterwegs seien, über die der General Lifowatsch den Oberbefehl übernehmen werde. Der berühmte Kronprinz Georg soll ein Frei- willigen-Korps übernehmen, hoffentlich wirkt die gemeinsame Aktton der Mächte etwas er­nüchternd.

Politische Umschau.

Das unter dem Protektorat des Kronprinzen stehende Komitee

für die durch Hschaster betroffenen Hilfsbedürf­tigen teilt mit, daß in Königsberg i. Pr. die Provinzialverbände der Vaterländischen Frauen­vereine und vom Roten Kreuz gemeinsam die Sammeltätigkeit für Ostpreußen in die Hand ge­nommen haben. In anderen Provinzen, in denen Provinzialkomitees noch nicht bestehen, werden die Sonderkomitees von Kreis- und Lokalverbänden sich ebenfalls dem Komitee an­schließen. Es herrscht in den geschädigten Ge­bieten zum Teil noch große Rot. Der Schaden, der durch Vernichtung von Saaten, Verzögerung der Ackerbesiedlung, Versandung der Grundstücke und Zerstörung von Gebäuden verursacht ist, läßt sich in manchen Gegenden noch nicht einmal schätzungsweise angeben. Es wird dringend um weitere Zuwendung gebeten. Das Bureau be­findet sich in Berlin, Alsenstraße 10.

Zur Reichstagsersatzwahl im Kreise Singen« Alzey.

Das nationalliberaleRheinbestische Volks­blatt" veröffentlicht einen Leitartikel, an besten Schluste es heißt:Alle Wähler Dr. Beckers, stimmt am Stichwahltage für den Kandidaten der Zentrumspartei, Herrn Philipp Uebel, denn

biste zu betäuben.O, sie tat es wohl um Ihretwegen, um die Heirat möglich zu machen."

Daran dachte Desiree nicht. Wenn sie in der Gefahr des Krieges unterging, tragen Sie allein die Schuld; weshalb schrieben Sie nicht?"

Mein Arm," sagte Bourlier trotzig,ich konnte nicht schreiben. Ich wollte auch nicht, ich wollte verloren gehen, da sich alles von mir losgelöst hatte. Man spottete meiner Schmer­zen und hatte keine Nachsicht mit meiner Reiz­barkeit, die doch natürlich war. Ich wurde Soldat um nicht zwecklos zu sterben. Daß mein Kind noch Liebe für mich hegte, habe ich nicht erwartet. Nun bringt mir diese Liebe nur Jammer, statt der Freude. Und wieder der Schlag, welcher gegen meine mühsam erkämpfte Ruhe gerichtet ist, von Ihnen, dem Dämon mei­nes Lebens. Verlosten Sie mich, Herr Leutnant, ich haste Sie mehr als je. O mein armes Kind, meine teure Desiree, mein Wildfang, meine süße Tochter: Du bist tot, tot! Ich werde Dich niemals wiedersehen!"

Er brach in Tränen aus. Alles 3uteben Tyrolts war vergeblich. Er schluchzte nur und schien nichts zu hören.

,^ch werde Sie also nach den Offiziersstuben versetzen lasten", sagte der immer noch mitlei­dige Waldemar, als «r schied.

Da trocknete der alte Starrkopf seine Trä­nen und blickte trotzig auf.

Zu welchem Zwecke geben Sie sich diese Mühe mit mir?" fragte er mit harter Stimme. Mein Schwiegersohn können Sie ja doch nicht werden Desiree ist tot tot!"

Er brach in neue Klagen aus.

Waldemar verließ ihn verstimmt, da et ein­sah, daß er gegen den verschrobenen Eigensinn des Alten so schnell nicht» ausrichten würde.

er ist doch dar Heinere Uebel." In derselben Nummer der genannten Blatte« wird über zwei nattonalliberale Wählerversammlungen berich­tet, die in Siefersheim und Farmersheim statt­gefunden haben. Beide Versammlungen haben beschlossen, den Zentrumskandidaten Uebel mit allen Kräften ht der bevorstehenden Stichwahl zu unterstützen.

Ein Reichstheatergesetz.

Bekanntlich hat der Reichstag anläßlich der Beratungen des Etats des Reichsamtes des In­nern eine Entschließung angenommen, die den Bundesrat ersucht, der Volksvertretung ein Reichstheatergesetz vorzuleoen. Diesem Wunsche des Reichstages wird entsprochen werden. Die Regierung wird in allernächster Zeit mit dem Studium der Theatergesetzgebung in den Bundesstaaten beginnen und zu gleicher Zeit Fachmänner und Interessenten zu gutachtlichen Aeußrrungen auffordern. Wann ein diesbe­züglicher Entwurf vor den Reichstag kommt, läßt sich aber int gegenwärtigen Stadium der Angelegenheiten noch nicht feststellen.

Im Nei^stasto

wurde heute die erste Beratung des von der polnischen Fraktion eingebrachten Gesetzentwurfs betreffend die Freiheit des G r u n d e i g e n t u m e r w e r b S fortgesetzt. Abg. Graf p. Westarp (kons.) kennzeich­nete den Entwurf als einen Verstoß zur Beseitigung der preußischen Ansiedlungsgesetzgebung. In der preußischen Polengcsetzgebung haben konfessionelle Ge­sichtspunkte niemals eine Rolle gespielt. Das gesetz­liche Enteignungsrecht in den preußischen Ostmarken ist öffentlich-rechtlicher Natur und ist verliehen au8 nationalen Gründen. Sobald mit der deutschfeind­lichen Agitation der Polen diese Gründe Wegfällen, werden auch alle Härten der preußischen Polengesetz­gebung in Wegfall kommen können. Redner bedauert, daß die linksstehenden Parteien des Blocks, der doch auf die politischen Gegensätzeveredelnd" wirken sollte, in dieser Frage versagt habe. ES sollte die selbstverständliche Ehrenpflicht aller Parteien im Reichstage sein, durch Ablehnung dieses polnischen Antrages der deutschen Bevölkerung in den Ostmarken zu zeigen, daß die gesamte Vertretung des deutschen Volkes hinter ihnen steht. lLebhafter Beifall.) Auch Abg. Heintze (natl.) vermag nicht anzuerkennen, daß die preußischen Ansiedlungsgesetze gegen das Reichs­recht verstoßen. Denselben Standpunkt habe bei der Beratung diese» Gesetzes der preußische Justizminister und ebenso der Staatssekretär des Reichsiussizamts vertreten. Abg. Dr. Böhme (wirtsch. Vg.) spricht sich gegen den Antrag aus. Es handle sich um den Schuh einer höheren Raffe gegen eine niedriger stehende. Für den beantragten Gesetzentwurf sprechen die Abg. Sevda sP.i. Hue iSoz.s, v. Dziembowski (P.) und Ledebour iSoz.l, also, wie Abg. Dr. Böhme swirtsch. Vg.) treffend hervorhob, Polen und Sozialdemo­kraten im innigen Verein; schon das kennzeichnet den Charakter des Antrages. In der sich scharf zu- spihenden Debatte muß Abg. Sevda <P.) wegen fei­ner persönlichen Ausfälle gegen den Abg. Dr. Böhme zur Ordnung gerufen werden. Abg. Graf Praschma (Z.) klammert sich daran., daß die preußische Polen­politik gegen die Katholiken gerichtet sei. Demgegen­über gibt Abg. Graf v. Westarp lkons.) namens der Konservativen die bündige Erklärung ab, daß ihnen der katholische Ansiedler ebenso lieb ist. wie der evan­gelische. Die preußische Regierung hat jedoch evan­gelische Ansiedler bevorzugen müssen, weil die katho­lischen Ansiedler erfahrungsgemäß infolge der ge-

Die Zeit muß es bttngen und die damit abschwächende Wirkung des Schmerzes," dachte er, aber er irrte sich in dem unbeugsamen Cha­rakter Bourliers. Obgleich dieser nack wenigen Tagen umguartiert wurde und das beste Zim­mer des Kafernements nur mit einem einzigen höheren Offizier teilte, obgleich ihm dort die beste ärztliche Pflege, die vorzüglichste Ver­pflegung zu Teil wurde, er blieb ablehnend, so­gar beleidigend.

Weshalb geben Sie sich die Mühe mit mir?" fragte er immer wieder den gütigen Komman­dantenSie können ja doch mein Schwieger­sohn nicht werden, denn Desiree ist tot!"

Allen Versicherungen Waldemars, daß et aus Liebe und Dankbarkeit also handle, setzte der Franzose nur Schweigen und Achselzucken entgegen. Auf Tyrolts Betreiben kamen Briefe von Frau Tarandal und Herrn Prevendaux in Sedan an. Sie bestätigten, daß Olivier lebe, der Kaufmann setzte alles hinzu, daß ihm Oliviers Aufenthalt jetzt unbekannt sei, da er wegen patriotischer Mißhelligkeiten sich ver­steckt halte. Trotzdem änderte Bourlier seine Att nicht, sondern zeigte Tyrolt unverholen seine Abneigung, zum großen Erstaunen seines Zimmergenosien, der dieses Benehmen ungerecht und unklug fand.

Plötzlich stellte Waldemar seine Besuche ein. Statt seiner kam ein Feldwebel bet Land­wehr und verkündete dem Hartnäckigen, daß et nach den Baracken ziehen werde, und zwar ganz allein nach einem Votzugsquarttet, wenn et fein Ehrenwort geben wolle, keinen Fluchtver­such zu machen.

Weshalb kündiat mir da» nicht der Herr Leutnant selber en?"

Der Feldwebel pükt» di» Achseln and gab tetM Auskunft»

meinfamen gottesdienstlichen und kirchlichen Einflüsse des Katholizismus sehr bald polonisiert werden. Die weitere Debatte artet immer mehr inpersönliche Schmeicheleien" auS. - Dr. Böhme (wirtsch. Vg.) ergreift daS Wort, um eine sehr zeitgemäße Schil­derung von dem polnischen Parlamentarismus zu geben; sodann reitet Herr Dove (frs. Vg.) eine scharfe Attacke gegen die Konfervativen, die ein be­redtes Zeugnis von den Blockgefühlen des Redners gibt. ES sprechen noch wiederholt die Abg. Hue (Sog.), Graf Westarp (kons.) und v. Dziembowski, worauf Abg. Pauli-Ober-Barnim (Reichsp.) sich für den Polenantrag ausspricht. Nach einigen Worten des Abg. Erzberger (Ztr.) schließt die Diskussion.

Im Äeorimetettfmnfe

wurde am Donnerstag die zweite Beratung de» LandwirtschastS-EtatS fortgesetzt. Abg. SehbtoeiHer (natl.) erklärte, daß seine Parteifreunde im Sinne des Antrages Graf ». d. Groeben zur Mit­arbeit bereit seien. Abg. Dr. v. Wovna (freikons.) meinte, daß die Kolonisatton von unten heraus erfol­gen müsse. Abg. Dr. Lohmann (natl.) beklagte die konfessionellen Streitigkeiten im Osten. Minister von Arnim meinte, daß die prakttsche Ansiedelungsarbeit den konfessionellen Frieden im Osten wiederhcrstellen würde. Abg. v. Bieberstein (kons.) begrüßte es, daß ausdrücklich herborgehoben worden sei, der Antrag Graf v. d. Groeben solle das ostpreußische Ansied­lungswerk unberührt lassen. Die Wohnungsverhält- niffe der Arbeiter im Osten wären durchaus nicht schlecht, jedenfalls sehr viel besser als manche in den Städten, wie z. B. in Berlin. Man könne viel eher von einer Abhängigkeit der Besitzer von den Arbeitern sprechen, als umgekehrt. Der Antrag b._ d. Groeben (kons.) wurde mit erdrückender Majorität angenom­men. Die Abg. Human« (Ztr.), Dr. Heisig (Ztr.) und Engelbrecht (freik.) wünschten eine bessere Or­ganisation des Wetterdienstes. Der Rest des Extra- ordinariums wurde nach unwesentlicher Debatte ge­nehmigt und damit die zweite Lesung des Landwirt­schaftsetat« beendet. Es folgte die zweite Lesung de» Gestütsetats. Abg. v. Quast (kons.) befürwor­tete eine Erweiterung des Landesgestüts Neustadt a. d. Dosse durch Neueinstellung besserer Halblut­hengste. Minister P. Arnim sagte wohlwollende -@te- wägung dieser Wünsche zu. Abg. p Dirckse« (freit.) behauptete, daß die inländische Pferdezucht zurück­gehe, während sie sich in Frankreich seit 1870 erheblich gehoben habe. Frankreich führe jährlich etwa 22 000 Pferde aus, Deutschland etwa 100 000 ein. Das gebe zu denken. Die Abg. Tourneau (Ztr.) und Heine (natl.) traten für Wiedereröffnung resp. Neueinrich­tung der Deckstattonen Dingelstedt und Winzingerode ein. Abg. ». Derfcen (freik.) trat der rücksichtslosen Ausnutzung des Graditzer Gestüts bei den Rennen entgegen. Das wirke lähmend auf die private Pferde- zücht. Abg. v. Bieberstein (kons.) meinte, die Kon­kurrenz des Graditzer Gefttits könne der Privaizucht nicht schaden, da den Gradihern die Teilnahme an Rennen, die unter 3000 <M. dosiert sind, verboten sei. Wenn die Remontenpreise nicht erhöht würden, werde die Pferdezucht noch mehr zurückaehen. Zum Ober- landeSstallmeister, Grafen Lehndorfs, habe man aller­dings da» größte Vertrauen. Minister V. Arnim be­stritt, daß Grabitz den Privatgestüten zu große Kon­kurrenz macke. Abg. p. Menden (kons.) befürwortet eine Vermehrung der Deckstasionen in Pommern. Die ordentlichen Ausgaben wurden bewilligt.

Deutsches Reich.

3m gemeinschaftlichen Landtag btt Her­zogtümer Koburg und Gotha wurde über den Antrag des nationallfberalen Abgeordnete«

Am anderen Tage stellte sich ein junger Dff- zier, Leutnant von Winigerode, ein.

Er nahm Bourlier das Ehrenwort ab und gab ihm das Geleite nach dem neuen .Logis, denn fo mußte man das Ouartier in einem freundlichen Landbause bei Uebigau, unweit der Elbe gelegen, nennen.

Sie verwundern sich wahrscheinlich, nicht den kommandierenden Offizee Herrn Tyrolt zu sehen?" fragte Winigerode.

Nein," entgegnete Bourlier schroff.

Er wurde nach Frankreich beurlaubt," er­klärte der Offizier.

So." meinte der Andere und suchte Gterch- gültigkeit zu heucheln. Aber er war sehr un­ruhig geworden. ,Mas tut der Mann in meiner Heimat? Wird er zurückkommen?" Das waren die Fragen, die ihn bewegten und derart in An­spruch nahmen, daß er keinen Sinn für seine neue Umgebung hatte.

Und doch war diese anheimelnd und für den vergrämten Mann wie ausgesucht. In einem reizenden Stübchen mit anstoßendem Kabinett fand er allen Komfott, den er billigerweise be­anspruchen konnte, französisch« Lektüre, fachmän­nische und novellistische, sowie Zeitungen in Ueberfluß, dabei eine aufmerksame Bedienung seiner Wirtsleute, von denen der Mann ein Lithograph war und die Frau, eine Elsässerin, sich als eine Meisterin der französischen Koch- kunst erwies.

Bourlier lebte sich in dieses Hauswesen schnell ein. Rur Einer fehlte ihm in seiner Einsamkeit Waldemar Tyrolt es schmerzte den Grollenden, jenem nicht täglich seine Unver­söhnlichkeit zeige« zu können.

1 (Fortsetzung folgt.)