Einzelbild herunterladen
 

AechM Jeilmg mit dem Meisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Berlage."

Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberdessische

-■* * i Beitune* bei allen Postämtern und unfern BeitungSftellen in

44 Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21.

— Der Bezugspreis beträgt durch die Dost 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und bet Expedition 2 Mk.

Marburg

Sonntaq, 21. Februar 1909.

Die JafertionSgebübr beträgt für d-e 7gespaltene Zelle oder deren Staunt 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Berlag: Job. Aug. Koch, lla versttätsb» bdruckeret Inhaber Dr. «. H.tzerotb, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.

44 Jahrg.

jO ■'•'irbBrud oervoien.j

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

l Fortsetzung.»

„Alse ist er doch zu Hause* entgegnete Tnroit gleichgiltig, „das wollte ich nur wissen."

„Nun denn ja, zum Teufel," sagte der Bursche halb ärgerlich, halb furchtsam, „aber er ist für niemand zu sprechen, am wenigsten für einen Prusfien."

„Kerl, ich schlage Dir den Schädel ein, wenn Du neck' einmal den Respekt gegen mich aus den Augen setzest," drohte Waldemar, an den Säbel greifend. „Melde mich, oder ich mache Dir Beine! Sage, Leutnant Waldemar Tyrolt vom sächsischen Schützenregiment wäre da. Du sollst sehen, welche Freude der Herr haben wird."

Mir den letzten Worten war der Offizier an dem Bedienten vorbei in das Vorzimmer getre­ten Ein heftiger Aufschrei im Salon nebenan lieft ihn stutzen. Er kannte die Stimme ganz gut, es war die Oliviers. „So habe ich mich selbst angemeldet," sagte er lachend, „und werde hier das Weitere abwarten. Run mache, daß Du fcttkommst, Bursche!"

Ein Griff nach dem Säbel machte dem Men­schen, der erschrocken dagestanden hatte, schnelle Beine. Er verschwand hinter der Salontür«, welche sorgfältig abgeschlossen wurde.

Tyrolt ging langsam auf und ab. Der Be­scheid blieb eine Weile aus. Nebenbei lieft sich ein halblautes Sprechen, dann ein heftiges Hin- und Herlaufen vernehmen, hierauf wurde es still, und nach einer Pause öffnete sich die Tür.

„Der gnädige Herr läßt bitten," meldete der Diener mit knurrender Stimme.

Tyrolt trat ein. Olivier saft auf einem Lehnstuhl, in der Näh« des flammenden Ka-

Zweites Blatt.

Bestellungen fit den Monat Mär, auf die

^vberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werben noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in K i r ch < Hain. Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanftatten und Landbriesträgern ent­gegengenommen.

Heber die Reichsvermöfiensstener.

Nachstehende Zuschrift eines Reichstagsabge- ordneten geben wir im Hinblick auf die darin enthaltenen interesianten Darlegungen über die Wirkung einer Reichsvermögenssteuer wieder, ohne uns mit denselben überall solidarisch zu ttflcten.

„In der Finanzkommisston ist nunmehr, nach­dem es al« sicher anzunehmen ist, daß die Nach- laftstever, in welcher Form auch immer, keine Mehrheit finden wird, der Vorschlag einer Reichsvermögenssteuer von den verschiedensten Seiten ausqetaucht. Wenn es nun auch wahr­scheinlich ist, daft infolge des Widerstandes der Einzelstaaten und der sich daraus ergebenden ablehnenden Haltung des Bundesrates, der Vorschlag kaum Aussicht auf Verwirklichung hat, so erscheint eine theoretische Würdigung dieses Dorschlaaes immerhin anaebracht. Der Mar­burger Nationalökonom, Prof. Koppe, hat im neuesten Heft der „Annalen des Deutschen Reiches" eine sehr umfassende Kritik einer Reihsvermögensteuer gebracht. Er erinnert mit Recht daran, daft die bisherige preuftische Ver­mögenssteuer doch nur als Ergänzung der all­gemeinen Einkommensteuer erhoben wurde, daft sie das fundierte Einkommen im Gegensatz zum Arbeitseinkommen stärker heranzog. „Diese Zu­satzleistung loszulösen und zu einer selbstän­digen — noch dazu einzigen — direkten Steuer des Reiches zu machen, wäre ein grober Ver­stoß gegen die Natur der Vermögenssteuer, der durch deren irreführende Bezeichnung nicht ent­schuldigt würde. Denn die Wirkungen einer selbständigen, nicht als blofte Ergänzungssteuer fungierenden Reichsvermögenssteuer würde die- lenigen schwer enttäuschen, die in ihr eine ge­rechte und zweckmäßige Methode der Besteuer­ung des Vermögensbesitzes, insbesondere nach der Richtung des Ausgleichs der sozial nach­teiligen Wirkungen der Verbrauchsbesteuerung erbl'cken."

Er weist darauf hin, daft die Leistungsfähig­keit doch keineswegs sich immer nach der Eröfte des V«rmögens richtet, sondern daft die Art des Vermögens von Ausschlag gebender Bedeutung ist und ebenso die Möglichkeit seiner Ver­wertung. Der Wert eines Hauses bleibt der gleiche ob ein Teil der Wohnungen vermietet

ist oder ob sie gerade leer stehen, der des Ackers ebenfalls, ob gerade die Ernte eine gute oder eine Feblernte ist.

Der geschäht« Wert ist nur in abstrahierter Wert, eine Fiktion, und die auf ihn gegründete steuerliche Leistungsfähigkeit mithin auch nur eine fingierte. Nicht das Vermögen, sondern was sein Besitzer aus ihm zu machen und mit feiner Hilfe vor sich zu bringen versteht, be­stimmt die wirtschaftliche und mithin auch steuerliche Leistungsfähigkeit des Besitzers."

Er erinnert an das Zeugnis des Vorsitzenden des Cteuersenats des preußischen Oberver- waltunasaerichts Fuisting, das ausführte: „Auf dem üblichen bureaukratifchen Wege vom „grünen Tische" aus wird sich ein« den wirklichen Werten auch nur annähernd entspre­chende Veranlagung niemals erreichen lasten. Dazu würde es, zumal bei der Notwendigkeit der Wiederholung in Zwischenräumen von we­nigen Fahren, Veranstaltungen — Bereisungen und örtlichen Besichtigungen, Zuziehung von Sachverständigen usw. — von solcher Kostspielig­keit bedürfen, daft schon hierin allein die Aus­führung scheitern miiftte; und selbst dann wür­den die auf subjektiven Schätzungen beruhenden Ergebniste noch vielfachen Zweifeln ausgesetzt sein "

K. erinnert dann daran, wie lange Zeit trotz der traurigen Lage der Landwirtschaft die ELterpreise erheblich höher standen, als es den gesunkenen Fruchtpreisen entsprach. Die starke Benölkerungs- (und Vermögens-) Zunahme bei gleichbleibender Bodenfläche, die am Bodenbesitz hastenden gesellschaftlichen und polittschen Vor. rechte und Vorteile, die Hoffnung auf bester« Konjunkturen usw. hätten in dieser Richtung gewirkt. „Derarttge langandauernde Rückgänge, wie sie die Landwirtschaft betroffen haben, kön­nen aber auch jeden anderen Teil der Volks- wirtsschast treffen, und umgekehrt gibt es an­dere Zweige, deren Reinerträge weit über das Wertniveau ihres Vermögensbestandes sich empocheben, vor allem durch das künstlerische Mittel der Kartellierung."

K. gelangt daher zum Schluß: „Die Größe des Vermögens kann daher als sekundärer Faktor der Ermittelung der Leistungsfähigkeit eine gewisse beschränkte Bedeutung erlangen, wie in der preußischen Ergänzungssteuer, aber als alleinige Grundlage einer direkten Reichs­steuer. die das Prinzip der Gerechtigkeit in der Reichsbesteuerung zum Siege führen und zu­gleich der Höh« ihres Ertrages nach eine Haupt­säule der Reichsfinanzen fein, und womöglich, gar, wie bereits von verschiedenen Seiten offen ausgesprochen worden ist, jetzt oder später be­wegliche gestaltet werden und dergestalt als „beweglicher Faktor" die ausschlaggebende Rolle in der Aufstellung und Balanzierung des Reichsetats spielen soll, ist unhaltbar. Bei der Ergänzungssteuer tritt ihr unzulässiger Charak­ter nur deshalb nicht schärfer hervor, weil sie erst sciaoach entwickelt ist. Bei ihrer Weiter­ausbildung, die auf dem Programme der näch­sten Zukunft stehen wird, werden all diese Mängel schärfer hervortreten."

mins. Er war ganz in Decken gehüllt, den Arm trug er in der Binde und den Kopf mit einem türkischen Fez bedeckt.

„EntschMfizen Sie, daft ich Sie so empfange, Herr Tyr^W sprach er mit. heiserer Stimme. „Ich bin krank und kann mich nicht bewegen, um Ihnen entgegenzukommen. Seit unserem unangenehmen Rekontre in der Fabrik habe ich mich nicht mehr erholt. Bitte, nehmen Sie Platz."

Er wies auf einen Sessel in der Nähe. Wal­demar folgt« vor Erstaunen stumm der Einlad­ung. Solchen Empfang hatte er nicht erwar­tet. Diese Höflichkeit, diese leidende Freund­lichkeit verwirrte ihn, und nur das Bewußtsein, daß er es mit einem vollendeten Heuchler zu tun habe, gab ihm das Gleichgewicht wieder, desten er diesem Manne gegenüber durchaus bedurfte.

„Ich bedauere Ihr Leiden, Herr Bourlier," begann er sich verbeugend, „umsomehr, da ich gewissermaßen dabei die Schuld trage. Ich will nicht untersuchen, wer von uns b-klagenswerter ist, nur das eine konstatiere ich mit Genug­tuung, wir beide leben, wenn wir auch leiden." „Leider," erwideret« Olivier seufzend, indem et unbeobachtet einen tückischen Blick auf sein Gegenüber warf. „Sie scheinen indes ganz ge­heilt zu fein, während ich Sie tötlich getroffen glaubte."

„Sie bedauern es also, daft Sie mich so schlecht trafen?"

„Nein, jetzt freue ich mich darüber, daft meine Hand zitterte, aber ich bin erstaunt. Sie lebend wiederzusehen."

.Lat man Ihnen denn nicht gesagt, daft ich gerettet wurde und in diesem Haus« köstlich« Pflege fand?"

,Scin. Wer sollte es mir gesagt haben?" forschte Olivier mit spöttisch klingendem Ton« el» Gegenfrage.

Der deutsche Kronprinz im Ueber- schwemmunMebikt.

Der Kronprinz hat bekanntlich da« Neber- schwemmungsgebiet westlich der Elbe besucht, um sich an Ort und Stelle Über den Umfang de« Unglücks zu unterrichten und dem Kaiser aus unmittelbarer Anschauung Bericht zu er­statten. Er traf über Wittenberge früh %11 Uhr in Seehausen mit den Ministern von Moltkr und von Arnim, dem Oberpräsidenten von Hegel, dem Regierungspräsidenten von Bor- ries und dem Landrat von Jagow zusammen und unternahm eine Befahrung de« lieber« fchwemmungsoebiets in offenem Wagen, die zu­nächst über Werben nach Berg« führte. Dort hat die Elbe, deren weiterer Lauf von hier ab auf eine meilenlange Strecke durch gewaltige Eismasien völlig verstopft ist, den Hauptdeich nach Westen hin durchbrochen und ergießt durch einen über hundert Meter breiten, sich wohl noch immer erweiternden Bruch ihr« hochange- schwollenen Fluten mit voller Gewalt in den Polder, den hier bet Hauptdeich mit dem alten, dem früheren westlichen Lauf der Elb« folgen­den. noch aus Friedrichs des Großen Zeiten herrührenden Deich« bildet. Eine Kletterparti« über die teilweise meterhoch aus dem Deich zu beiden Seiten der Bruchstelle aufgetürmten Eis- maffen überzeugte den Prinzen, daß hier der Deich trotz todesmutiger Verteidigung durch die Bewohner der benachbarten Ortschaften nicht hatte gehalten werden können. Der Deich war in der Nackt von Sonntag zu Montag gebro­chen. Die Wassermassen hatten da in den etwa tausend Hektar großen Polder dahinter seht schnell bis zum Rande gefüllt und demnächst auch den alten Deich bei Kannenberg in der Richtung auf Eiefenslage und Iden durchbro­chen. Auch diese Durchbruchstelle, durch bi« zur Zeit die Elbe mit ihren gesamten Wasser- unb Eismassen in bie fruchtbare, reich angebaute Ebene des Osterburger Kreises hinau« strömt, wurde eingehend besichtigt.

An eine Verstopfung bet Durchbrüche an bei­den Deichen ist bei bet Gewalt bet Strömung unb der mttaeführten Eismassen zur Zeit nicht zu denken. Wenn es nicht gelingt, das verstopfte Elbebett baldigst zu räumen, worüber aber trotz bcr fieberhaften Tätigkeit bet verfügbaren Eisbrecher, da bie Eismassen stellenweise zehn bis fünfzehn Meter hoch aufgetürmt find, auch bei Zuhüffenahme umfangreicher Sprengarbei­ten noch mehrere Tage hingehen können, wird die Ueberschwemmung der Gegend di« größt« werden, welche sie je erlebt hat, und die von 1771, bei der etwa zwanzigtaufend Hektar unter Wasser gewesen sind, leider noch bei weitem übertreffen. Man muß damit rechnen, daß die ganze „Wilch", eine breite, sich von der zweiten Durchbruchstelle nach Nordwesten ziehende Nie- derung ton etwa 40 000 Hektar Umfang, die er­heblich niedriger liegt als der Durchbruch bei Kannenberg, bis zum Aaland, und, wenn dessen Deiche nicht widerstehen, nach darüber hinau« von der Ueberschwemmung ergriffen werden.

„Nun, Desiree, die mich hier pflegte," ant­wortet« Tyrolt triumphierend. Der Pfeil saß. wie er es erwartet hatte. Olivier biß sich auf die Lippen, daß diese sich bluttg färbten. Aber er gewann schnell seine Ruhe wieder, nut sein Auge blitzte in rachsüchtiger Glut.

„Desiree?" fragte et nach einet Pause. „Wann sollte mir das meine Schwester wohl erzählt haben?"

„Nun. in diesen Tagen. Hier."

„Ach," machte Olivier achselzuckend. „Das ist der Grund Ihres Besuches? Sie wollen De­siree sehen? Da haben Sie sich umsonst bemüht. Meine Schwester, Ihre einstig« Braut, ist nicht hier."

„Man behauptet das Gegenteil." sprach Waldemar, kaum sein« Auftegung bemeisternd, die gegenüber der kühlen Sprechweise des Fran­zosen ihn in Nachteil brachte. „Sie sind mit «inet vetsckleierten Dame in Sedan gesehen worden. Wer wat diese Dame, wenn es nicht Ihre Schwester wat?"

„Die Leute scheinen sich um Sachen zu küm­mern. die sie nicht« angehen," sagte Olivier ausweichend.

„Nun, es gibt doch wohl Leute genug, die das Recht haben, sich datum zu bekümmern," bemerkt« Waldemar zornig.

„Ach. Sie meinen sich selbst, Herr Tyrolt. Rach meiner Meinung dürste gerade dies nicht zutreffen. Desiree« Verlobung mit Ihnen wurde aufgehoben. Ich erfülle den letzten Willen meines Vaters, wenn ich meine Schwe­ster von Ihnen fetnhalte."

„Also sie ist hier," ftagte Waldemar ohne Ueberlcgung, nut dem Impulse folgend. „D, dann werden Sie uns nicht trennen.“

Olivier schwieg eine Weile. Er schien zu überlegen. Sein Gesicht konnte der-Ander« nicht

e Glücklicherweis« sind Menschen bishe, nicht verunglückt. Ein Pionierbataillon, ein« Kam- pagnie Infanterie und Stendaler Husaren sind an Ort und Stelle unb beteiligen sich unermüd­lich an bet Rettung der durch bas Wasser in ihren Gehöften abgeschnittenen Bewohner, ihre« Viehs unb ihres notwenbigen Hausrats. An Vieh sind aber immerhin schon empfindliche Verluste entstanben. bie zum Teil daraus zurück- zufühten find, daft bie Bewohnet an eine solch« Ausdehnung bet Ueberschwemmung nicht haben glauben wollen und nicht zum rechtzeitigen Abtreiben ihres. Viehes in höhet gelegenen Ee- flenben zu bewegen gewesen sein sollen.

Wie gewaltig schnell das Wasser aber fort­schritt. davon bekam auch der Kronprinz ein Pröbchen zu spüren. Auf der Rückfahrt von Werben nach Seehausen bot bie Chaussee, von ber aus wenige Stunben vorher bie steigenbe Flut nur am Horizont als ein schmaler, in bet Sonne glitzernder Streifen noch vier bis fünf Kilometer entfernt zu erblicken war. schon mehr als eine halbe Meile vor Seehausen bas Bild eines Mühlenwehrs, über welches fich bie fort* währenb noch steigenden Wassermassen rauschend und sprudelbildend ergossen. Die Wagen muß. ten deshalb verlassen werden, und in drei Pon­tons der Pioniere wurde bie Reise nach Seehau- sen, nicht ohne mannigfache und zum Teil nicht ganz harmlose Störungen burch Zaundrähte und in bet tiefen Dämmerung unter dem Wasser nidjt mehr erkennbaren Zaunpfähle, fortgesetzt, wo man erst in voller Dunkelheit wieder ankam.

Röhrend war bie Freud« der Bewohner in allen von dem Unheil betroffenen Ortschaften, die der hohe Besuch berührte. In der teilneh­mendsten und freundlichsten Weise ließ sich der Kronprinz überall, wo er angehalten wurde, von den Geschädigten übet ihre Verluste Auskunft geben ermutigte die Bekümmerten durch güti­gen Zuspruch und hinterließ vor ber Abreise dem Sanbrat und dem Oberpräsidenten zur Linderung bet ersten Not eine nicht unbedeu­tende Geldsumme, die er vor seiner Abreise in da» lleberschwemmungsgebiet schon durch tele­graphischen Aufruf der Hilfsbereitschaft wohl­habender Bekanntet gesammelt hatte, und durch eine Spende von zehntausend Mark aus dem Dispositionsfonds des Kaisers noch erhöht war« den «ar.

Der Umfang des Schadens im lieber« schwemmungsgebiet ist noch nicht zu übersehen. Jedenfalls ist et seht bedeutend. Innerhalb des Polders, der den ersten Sturm des Wassers und der Eismassen auszuhalten gehabt hat, wird der hohe Kulturzustand des Landes auf Iahte hinaus zerstört sein. Die Gehöfte haben dort sehr gelitten und sind sämtlich verlassen. Auch außerhalb, gegenüber der zweiten Durch­bruchsfelle am alten Deich, war ein massive« Haus im ersten Anprall der Eismassen zur Hälfte weggerissen. Inwieweit in bei „Wisch" und in der Aaland-Niederung die Felder ver­wüstet find und für länger« Zeit ertraglos ge­worden fein werden, hängt von der Dauer der Ueberschwemmung unb von der Masse ber Sink­

sehen. Er bedeckte es mit bet ftand. Endlich, nach «inet Paus« ließ er fie sinken.

„Nun denn, mein Herr," begann et langsam, „ich will es Ihne« einaestehen, Desiree ist biet, sie befindet sich in diesem Hause unb dennoch — Ich habe ein Unrecht an Ihnen zu sühnen, darum sehen Sie mich zur Nachgiebigkeit be­reit, aber urteilen Sie selbst, ob ein Wieder­sehen mit meinet Schwester geraten ist, nachdem ich Ihnen mitgeteilt habe, wie sie zu mit ge­bracht wurde."

„Mein Gott, was werde ich hören?" tief Waldemar, der plötzlich einen Schwindelanfall fühlte.

„Sie wissen, daft Desttee ihre Tante in Ant. wetven verließ? Sie suchte Papa, bet Soldat geworden wat. unb fanb ihn als Leiche in einem pesterfüllten Lazareth. Sie verfiel in einen tobsüchtigen Zustanb, ber mit Blödsinn abwechselte. So führte fie mir ein befreundete? Offizier zu."

„Wahnfinn!" rief Waldemar aufspringend, indem er nur mit äußerster Anstrengung ein Schluchzen unterdrückte. „Und das ist btt Wahrheit, die volle Wahrheit? Aber man Hal sie doch mit Ihnen in Sedan gesehen, ganz auffällig Einkäufe machend?"

„Die Einkäufe machte ich, Desiree begleitete mich nur, apathisch, blöde hinstarrend, wie ein Automat sich bewegt. Sie war verschleiert, — man durfte nicht ihre verzerrten Eestcktszüge, ihre starren Augen sehen. Ich nahm fie mit, um durch die Bewegung an bekannten Plätzen ihre Erinnerung zu wecken. Alles vergeblich! Im Gegenteil, ihr« Wutausbrüche mehrten sich. Ich wat gezwungen, fie einzuspetten. Deshalb habe ich das Erkerzimmer im Patfett« mit festen Läden versehen lassen. Dort lebt mein« arme Schwester im Halbdunkel, denn das Son­nenlicht macht fie rasend. (Forts, folgt)