und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage."
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Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberbeisische Zeitung" bei allen Postämtern und unsern Zeitungsstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die Volt 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unsern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Sonnabend 20. Februar 1909.
Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44 Jahrg«
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 14.
Fürst Bülow und der ^andwirMaftsrat.
Berlin. 18. Febr. Auf dem Festessen des deutschen Landwirtschaftsrates hielt Reichskanzler Fürst Bülow gestern abend, nachdemEraf Schwerin und Frhr. v. Sode-,: gesprochen hatten, folgende Rede: Alljährlich einige festlicheStunde« mit den berufenenBertretern der deutschenLand- wirtschaft zu verleben, ist mir zu einer lieben Gewohnheit geworden. Ich habe es schmerzlich bedauert, im vergangenen Jahre wegen einer Unpäßlichkeit hiervon abweichen zu müssen. Acht Jahre sind verflossen, seitdem ich zum «rstcnmale als Reichskanzler vor Ihnen stand. Eine ereignisreiche Zeit, eine Zeit erfüllt von Kampf und Sieg, von Sturm und Sonnenschein, liegt dazwischen. Bei dem ersten Vortrage, den ich Seiner Majestät dem Kaiser gehalten habe. — es war in Homburg vor der Höhe im Herbst 1900 — erbat und erhielt ich die allerhöchste Zustimmung zu meinem wohlerwogenen landwirtschaftlichen Programm, verstärkter Schutz, Erhöhung und Bindung der Getreide- und Viehzölle. Im Februar 1901 sagte ich Ihnen: Indem ich der Landwirtschaft zu helfen trachte, erfülle ich lediglich meine Pflicht: es sei eine Pflicht des Reichskanzlers, für einen Beruf zu sorgen, welcher einem so großen Teil unserer erwerbstätigen Bevölkerung seinen Lebensun- terhaft gewährt, besten Ergehen von so vitaler Bedeutung sei für die Unabhängigkeit des Landes nach außen, wie für seine innere Wohlfahrt. Dem Programm von Homburg und den vor Ihnen 1901 entwickelten Anschauungen bin ich treu geblieben bis zu diesem Augenblick und werde ich treu bleiben, solange ich mein schweres Amt führe. Das dauert vielleicht noch länger, als meine Gegner hoffen. (Lebhafter Beifall.) Meine Herren! Meine verehrten Herren Vorredner, der Graf Schwerin-Löwitz und der Freiherr von Soden, haben in ihren beredten und ausgezeichneten Worten, für die ich ihnen aufrichtig dankbar bin, auch erinnert an die eminente Bedeutung des landwirtschaftlichen Gewerbes für unsere Wehrkraft, für unsere Machtstellung nach außen. Was sie in dieser Beziehung gesagt haben, unterschreibe ich vollkommen, und meine Herren, weil ich die Bedeutung der Landwirtschaft in vollem Umfange anerkenne, weil ich die Wichtigkeit des inneren Marktes nicht verkenne, die stch gerade jetzt bei sinkender industrieller Kunjunktür wieder gezeigt hat, weil ich durch starken und sicheren Balast das Staatsschiff bewahren, weil ich in ausgleichender Gerechtigkeit auch der Landwirtschaft den ihr gebührenden Anteil an staatlicher Fürsorge zu Teil werden lasten wollte, deshalb habe ich mein landwirtschaftliches Programm aufgestellt und durchgeführt. Ich habe es durchgeführt trotz aller Widerstände und Schwierigkeiten, die mir hierbei von vielen Seiten — von links und auch von rechts — gemacht worden sind. (Bravo.) Ich habe hierbei auch nicht auf Dankbarkeit gerechnet, das muß man nie in der Polit'k, sondern ich habe einfach meine Schul- digkert als leitender Minister getan. Gern und
59 । ’fndttrnrf verboten.)
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
(Rortfetiung.)
..Ich werde selbst ihre Spur aufnehmen," sagte Tyrolt mit festem Entschluß. „Ich werde sie befreien, wenn sie noch lebt, 'wo ich sie immer finde. Die Spuren leiten nach Sedan. Dort suche ich meine Braut zunächst."
„Sie wollen zu Ihrem Todfeind?"
„Ohne Zagen. Weshalb soll ich seinen Anblick scheuen? Er hat hinterlistig und erbärmlich gegen mich gehandelt, ich stehe makellos da. Mein Erscheinen wird, da er mich tot glaubt, mächtig auf ihn wirken."
„Ich bewundere Ihren Mut, mein Freund. Vergessen Sie nicht, daß Sie es mit einem heimtückischen Gegner zu tun haben."
..Ich bin Soldat, Madame, und kenne keine Furcht. Was soll ich auch fürchten? Olivier hat Grund, Aufsehen zu vermeiden, da ihm sonst die preußische Militärbehörde der Vergangenheit wegen Unannehmlichkeiten bereiten w-ürde."
„Sie haben Recht, es ist die beste Manier, der Sache auf den Grund zu gehen," nickte Frau von Tarandal. „Finden Sie Desiree nicht, so finden Sie vielleicht dort andere Spuren. Ich elbst würde hingereist sein, aber ich habe mir zugcschworen, Frankreich während des Krieges nicht mehr zu betreten, und ich halte mein Wort."
Tyrolt gab ihr darin vollkommen Recht. Für teilende Damen bot das erorberte Land nur
dankbar will ich aber doch hierbei hervorheben, daß ich stets die Unterstützung des Landwirt- schaftsrates gefunden habe, und die freundliche Anerkennung, die mir der Vorsitzende des Land- wirtschaftsrätes soeben gespendet hat, die hat mich gefreut. Immer kann man ja als leitender Minister auch nicht den Beifall seiner Freunde haben. (Heiterkeit.) Ich bin auch gar nicht empfindlich gegen Tadel, wenn er sachlich und ernst vorgebracht wird. Als der Bundesrat seine Vorschläge zur Reichsfinanzrcsorm einbrachte. war er sich wohlbewußt, daß er auf allgemeine Zustimmung sicher nicht zu rechnen habe und einzelne Projekte rechts, einzelne links nicht g »fallen würden. Aber, meine Herren, wir sollen wir auch aus der Geschichte lernen: Große Reiche find zu Grunde gegangen an der Unfähigkeit, ihre Finanzen zu ordnen; insbesondere isr unser altes deutsches Reich — Graf Schwerin hat soeben darauf hingewiesen — zu Grunde gegangen an der Uneinigkeit und mangelnder Opferwilligkeit, die eine Ordnung unseres Finanzwesens vereitelten in derselben Zeit, wo England und Frankreich sich zu geordneten Finanzen und damit zu starken Staatswesen durchrangen. Wir find, Gott Lob, noch in der Lage, aus der ganzen Misere glatt und vollkommen herauszukommen, wenn wir nur wollen, wenn wir uns so zujammenfinden, wie die Größe der Aufgabe es unbedingt erfordert. (Zustimmung.) Von der Lösung der Finanzre- form bängt die Ehre, die Wohlfahrt, die Macht, die Sicherheit des Landes ab. Graf Schwerin bat mit Recht die Verdienste unseres Kaisers um die Erhaltung des Friedens hervorgehoben. Mit voller Befriedigung hebe ich hier in erster Linie den Besuch des englischen Königspaares hervor, desten würdiger und schöner Verlauf nicht nur bewiesen hat, wie sehr den beiden Herrschern ein gutes Verhältnis zwischen ihren Reichen am Herzen liegt, sondern der auch den beiden Völkern Gelegenheit bot, zu zeigen, daß sie freundliche und gute Beziehungen zu einander zu unterhalten wünschen. Dieser Besuch und ferner das Abkommen mit der französischen Regierung über Marokko, für das ich mit dem ausgezeichneten Vertreter der französischen Republik an unserem Hofe, Herrn Cambon, eine, wie ich glaube, für beide Teile ehrenhafte und praktische Form gefunden habe, haben im Westen den Horizont geklärt. Wir haben Grund zu der Annahme, daß es der friedlichen Gesinnung und den freundlichen Bemühungen aller Mächte gelingen wird, auch im Osten die Wolken zu zerstreuen. Aber um den Frieden des Reiches zu schirmen und gegen alle Wechselfälle sicherzustellen, ist nicht nur die militärische, sondern auch die finanzielle Bereitschaft erforderlich. Ein Weg zur Verständigung kann gefunden werden, weil er gefunden werden muß. (Zustimmung.) Und auch die Landwirtschaft soll nicht vergessen, wie sehr gerade sie unter unseren schleckten Kreditverhältnisien in Reich und Staat zu leiden hat, welchen Nachteil ihr die uns aufgedrungene Diskontpolitik gebracht hat. Die Hauptaufgaben, die großen Aufaaben, die sich die deutsche Landwirtschaft gestellt hat, ich erinnere nur an die Entschuldungsfrage, an die so hochwichtige innere Kolonisation, an eine planmäßige Arbeiteransiedelvng, stehen und fallen, das ist meine feste lleberzeugung, mit der Reichsfinanzreform. Deshalb nehme ich be
Eejahren und keine Annehmlichkeiten. Was konnte auch die alte Dame zur Auffindung ihrer Nichte tun?
Erst spät verließ Waldemar die Dame und begab sich sogleich nach dem Bahnhofe, um über Merziercs, das am 1. Januar kapituliert hatte, nach Sedan zu reifen.
XXH.
Tyrolt ließ sich, in Sedan angekommen, nach dem Dragon d'Or, einem ihm wohlbekannten Hotel, fahren und ging dann in Uniform nach der Kommandantur, um sich daselbst zu melden. Er fa^d bei den bayerischen Kameraden herzliche Aufnabme. Die meisten gehörten, wie er, dem Beurlaubtenstande an, waren wie er, während des Krieges zur Waffe eingezogen worden und interessierten sich lebhaft für den sächsischen Gast. Dieser speiste mit ihnen in dem wohlbekannten Militär-Kasino, das wie früher den französischen Offizieren, jetzt den bayerischen zum Versammlungsort diente.
Waldemar traf unter den Ofizieren viel edle, kluge Männer, welche sich ihrer ebenso gefahrvollen wie wichtigen und verantwortlichen Stellung in Sedan vollkommen bewußt waren, vor allem einen«Fach!ollegen aus Ulm, den Reserveleutnant und Fabrikdirektor Waldreich. Sie sprachen natürlich über die neuesten Erfindungen und Verbesierungen in der Seiden- webere', über eigene Erfahrungen, Löhne, Arbeiter und Kundschaft. So kam auch die 'Rede auf die Bazailler Fabrik und deren Baueinrtcht- ungen und Grundplan.
„Ich werde Ihrer Schöpfung nächsten, einen
stimmt an, daß die Landwirtschaft in dieser Ehren- und Existenzfrage des deutschen Reiches im eigenen Interesse und im Interesse der Allgemeinheit, im Interesse unseres deutschen Vaterlandes nicht versagen wird. (Lebhafter Beifall.- In dieser Zuversicht erhebe ich mein Glas. Ich danke Herrn Grafen Schwerin-Löwitz aufrichtig für seine freundlichen Worte. Ich danke Ihnen allen für die liebenswürdige Aufnahme. Ich trinke auf das Wohl der deutschen Landwirtschaft und ihrer Vertretung, des deutschen Landwirtschaftsrates. Der Landwirtschaftsrat lebe hoch, die deutsche Landwirtschaft sie blühe und gedeihe!
Politische Umschau.
Das Kraftwagengesetz.
Die Aussichten auf ein Zustandekommen des Gesetzes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen sollen nach einer Korrespondenzmeldung zurzeit keine günstigen sein. Allerdings hat die Auto- mobilkommission des Reichstages in ihrer ersten Lesung an dem Gesetzentwürfe Aenderungen vorgenommen, die die Äuffasiung stützen können, daß et der Regierung in seiner nunmehrigen Form nicht annehmbar erscheint. Gestrichen ist beispielsweise der Paragraph 6 , der die Einzelfälle der Haftung des Ersatzpflichtigen behandelt Nach ihm soll letzterer haften: tm ?falle der Tötung oder Verletzung eines Men- chen nur bis zu einem Kapitalbetrage von 50 000 cK oder bis zu einem Rentenbetrage von jährlich 3000 -st, im Falle der Tötung oder Verletzung mehrerer Menschen durch dasselbe Ereignis, unbeschadet der obigen Grenze, nur bis zu einem Kapitalbetrage von insgesamt 150 000 .st oder bis zum Rentenbetrage von insgesamt 9000 °st. im Falle der Sachbeschädigung, auch wenn durch dasselbe Ereignis mehrere Sachen beschädigt werden, nur bis zu einem Betrage von 10 000 J*.. Auch der Absatz 2 des Paragraph 2 ist gefallen, der u. a. bestimmt, daß die Geschwindigkeitsgrenze durch den Bundesrat festgestellt wird. Am 19. Februar beginnt, wie man hört, die Kommission mit der zweiten Lesung des Entwurfes.
Eine Beschwerde aus Südwest.
Berlin, 18. Febr. Mitglieder des Reichstages erhielten folgendes Telegramm:
Windhuk, 17. Februar. Das Kolonialamt sperrte die Diamantenfelder zu gunsten der Kolonialgesellschaft. Vevö"ervng und Land werden um Millionen geschädigt. Die Eesellschafts- konzejsion — 30 000 Quadratkilometer anstatt 80 Hektar — verstößt gegen den Vertrag vom Februar und April 1908, § 8, und verletzt auss schwerste das Rechtsempfinden. Wir bitten um Beistand, d. h. um umgehende Bewilligung der Schürffreiheit, sowie um Verlängerung der jetzigen Schürfscheine, da bis zum April eine endgültige Aufschließung unmöglich ist. Bezirksverein Windhuk. Bail, Peter, Müller, Voigts. Björnson Aber die Annexion Bosnien, und der
Herzegowina.
Die bekannte Blamage des nordischen Dichters Björnson bei der Dreifuß-Affäre hat ihn noch nicht von der Krankheit geheilt, seine lächerlichen politischen Urteile in die Welt
Besuch abstatten," sagte Baldreich. „Ich hörte, daß die Fabrik wieder aufgebaut werden soll, nachdcn sie zum Verkauf gestellt worden ist."
„Und ich beabsichtige, dem ehemaligen Besitzer oder besser deffen Sohn eine Visite zu machen, und das schon morgen.“
„Ah," machte der Bayer, „dem Herrn Bour- lier? Er soll ein unheimlicher Mensch sein, der bet unseren Behörden in keiner besondren Gunst steht."
„Weshalb nicht? Was hat er auf dem Kerbholz""
„Hm man behauptet, daß er wieder mit Franllireurs, die noch immer in unserer Gegend ihr Wesen treiben, und jetzt gerade öfter als sonst auftauchen, verkehre und ihnen Vorschub leiste. Beweisen hat es ihm bis jetzt niemand können, aber es bedarf nur eines Anstoßes, so sitzt der Monsieur hinter Schloß und Riege-, et mit seiner Dulcinea."
„Wer ist die Dame?"
„Weiß man’s? Die einen sagen, es sei seine Braut; die anderen, es sei seine Schwester. Rur einmal ist et mit ihr in Sedan gesehen worden, wo sie, tief verschleiert, Einkäufe machte. Sonst schließt er sie von aller Welt ab und sich dazu."
Waldemar fragte nicht weiter. Sein Argwohn, daß Desiree von ihrem Bruder gefangen gehalten werde, war reger als je.
„Ich werde bei Gelegenheit meines Besuches dem Herrn wegen der Franktireur-Angelegenheit ernstlich auf den Zahn fühlen," sprach er nach einet Pause.
„Tann seien Sie aber auf Ihrer Hut," riet
hinauszuposaunen. So äußerte er sich letzthin wieder einem Berichterstatter der sozialistischen „Humanit6" gegenüber über die Annexion Bosniens folgendermaßen :
„Die Annexion bet beiden Provinzen durch Oesterreich ist fatal gewesen, nicht nur für die Bevölkerung dieser Länder und für Serbien, sonder« auch für den Frieden der gesamten Menschheit. Ich halte es daher für meine heilige Pflicht, an alle Friedensfreunde meine Stimme zu richten, damit sie die Annexion verhindern, und damit diese von den Mächten nicht geduldet werde. Dies ist das einzige Mittel, um einen Konflikt auf dem Balkan hintanAu- halten. Wenn ich bis jetzt noch nicht meine Ansicht über die orientalische Frage vor dem Forum Europas bekannt gegeben habe, so war lediglich mein schlechter Gesundheitszustand die Schuld daran. Aber ich werde bereits in nächster Zeit einen Artikel über die Annexion Bosniens und der Herzegowina sowie über die anderen Balkanfragen schreiben und diesen wahrscheinlich in der Londoner „Times" veröffentlichen." — Wird der Mann aber Eindruck schinden!
Aus dem Reichstage.
Die erste Beratung der Reichsbank-Gesetznovelle seht heute der Abg. Kämpf (fr. Bp.) fort mit Dankes- worten für die Tätigkeit des früheren Reichsbankpräsidenten. Er bestritt, daß am Hochstande des Diskantes Goldwährung oder Rcichsbank schuld sei, sondern Handel und Industrie. Reichsbankpräsident Havensteii» bleibt auf der Journaliftentribüne so gut wie völlig unverständlich. Abg. Dr. Frank-Mannheim (Soz.) bekämpft die Erhöhung des „Grundkapitals" der Rcichsbank und macht sonstige Ausstellungen. Abg. Raab (wirtsch. Vgg.) weist dem Vorredner nach, daß von einer Erhöhung des Grundkapitals ja gar keine Rede sei, sondern nur von der des Reservefonds. Abg. Dr. Mommsen (fr. Vgg.) äußert sich im Sinne Kämpss. Nach im allgemeinen der Vorlage günstigen Bemerkungen des Abg. Dr. von Dziembowski-Pomian (Pole) erhält zu später Stunde das Wort der Abg. Frhr. v. Gamp-Massauen von der Reichspartei, der verschiedene Reformvorschläge gibt. Nach Bemerkungen des Abg. Werner (Refp.) geht die Vorlage, 6% Uhr, au eine Komission von 21 Mitgliedern. Nächste Sitzung Freitag 2 Uhr: Antrag über Koalitionsrecht ländlicher Arbeiter und des Gesindes. Der Sonnabend soll für Kommissionsberatungen frei bleiben.
Die Budgetkommission des Reichstags fetzte heute die gestern begonnene Beratung des Etats für den Rechnungshof fort. Dann kehrten die Beratungen zum Etat für Südwestafrika zurück. Es wurde bemängelt, daß zu wenig Richterstellcn besetzt seien und von Affessorcn verwaltet würden, die jederzeit abberufen werde» können und daher nicht unabhängig seien. Der Staatssekretär führte aus, daß die Personen, die in die 'Stellen einrücken sollten, auch vorher erprobt werden ^müßten. Eine abgeändcrte GerichtSverfaffung sei für Südwcstafrika in Aussicht genommen. Weiterhin tvurde die Frage des Be- amtenpersonals besprochen. Die Stellen für einen Förster und zwei Tierarztgebilfeu tverden abgesetzt. Auf Bemängelungen des Umfangs der Polizei sagte der Staatssekretär, wenn nicht genügend Polizei vorhanden sei, werde gar zu leicht zu dem bedenklichen Mittel der Selbsthilfe gegriffen. Die Schuhtruppe lasse sich zu Polizeidicnsten nicht verwenden. Nächste Sitzung morgen.
Die Gewerbeordnuiigskommissioa des Reichstages nahm heute trotz Bedenken der Regierung und aus dem Hause Anträge an, nach denen jedem Arbeiter bei der regelmäßigen Lohnzahlung eine schriftliche Abrechnung über den verdienten Lohn (Lohnbuch,
der Andere. „Am besten wäre, Sie nähmen eine Patrouille mit."
„Gott bewahre, ich werde doch nicht mit Bedeckung Freundschaftsbesuche machen," lachte Waldmar. „Oder soll ich den Zweck meiner Visite anders nennen?"
Er teilte dem neu gewonnenen Freunde tn kurzem Abriffe den wirklichen Zweck seiner Reise mit und was er in der Villa zu finden hoffe.
Dann gingen sie auseinander. Tyrolt begab sich in sein Hotel. Er hielt es für angezeigt, Olivier nicht von seiner Absicht zu verständigen. Durch die Ueberrumpelung hoffte er ihn einzuschüchtern und zum Bekenntniffe zu bringen. Nach einer unruhig vollbrachten Nacht ließ ei sich einen Wagen besorgen und fuhr mit anbrechendem Tage nach Bazailles, wo er gegen neun Uhr eintraf. Ein unbekannter, stämmiger Diener öffnete auf sein heftiges Läuten das eiserne Tor am Earteneingange, wehrte ihm aber das Nähertreten mit der Behauptung, daß niemand anwesend sei. Allein Tyrolt war nicht der Mann, der sich durch eine Lüge abweisen ließ. Mit einem Stoße schob er den Dienet bei Seite, rief dem Kutscher zu, er möge eine halbe Stunde auf ihn warten, und schritt dann unerschrocken um das Rondel der Veranda zu, welche ohne Zeltdach und halb verschneit, vor ihm lag, und deren Stufen Fußspuren zeigten.
An der Vestibuletüre stellte sich ihm der Diener abermals in den Weg.
„Ich darf Sie nicht einlassen!" tief er, „bet gnädige Herr würde wütend sein und mich auf bie Straße sehen." (Forts, folgt.)