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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Benage."
des Welt-
einander widerstreiten.
(lib.) aus.
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plötz- diefer Auf
würden Doch jede Nachricht blieb aus. Woche um Woche verging in steter Besorgnis zwischen Hoffnung und Enttäuschung. Trotzdem schritt Waldemars Genesung vorwärts. Endlich hielt er die Tatenlosigkeit nicht mehr aus. Zur Kräftigung seiner Gesundheit erbat er sich einen einmonatlichen Urlaub, und dieser wurde ihm vom Generalkommando bereitwilligst gewährt. Abermals nahm er Abschied von den Eltern, in deren Hause er die Heilung seiner Wunden abgewartet hatte. Von ihren Segens- -»sinschen begleitet, zog er abermals in die Welt, wie einst zum Kampfe, denn, er verheimlichte sich keineswegs, daß er bei der Rachsuche in Feindesland ernstlichen Gefahren entgegen, gehe. .
Als Tyrolts Briefwechsel mit Destree lich unterbrochen wurde, wandte stch naturgemäß an Frau von Tarandal um klärung. Aber es dauerte lange, «he er den Grund erfahren konnte, und die Nachricht, daß sich das Mädchen auf einem Dampfer nach Bordeaux begeben habe und dort verschollen war, erfüllte ihn mit unaussprechlichem Kummer und wahlberechtigtem Schmerze. Dennoch ließ er sich durch die Trauernachricht nicht beugen. Noch hoffte er auf Briefe aus Südfrankreich, wohin sie sich allein gewendet haben konnte, Briefe, welche ihm die glückliche Ankunft, das Auffinden Lourliers und die erhoffte Versöhnung melden
Im Unterhaus führte Rogers . der Ton der Thronrede, soweit er von internationalen Angelegenheiten handle, sei erfüllt von Frieden und gutem Willen. (Beifall.) Der Redner kam dann auf den Besuch in Berlin zu sprechen und erklärt«, der begeisterte Empfang der Majestäten werde dabin wirtzn, jedes Miß. Verständnis und jede falsche Auffassung der ge» genseitigen Beweggründe, die auf dieser und jener Seite der Nordsee bestanden haben mochten, zu beseitigen: er sei überzeugt, daß die überwiegende Mehrheit der beiden Nationen ein aufrichtiges Verständnis und ein gegenseitiges gutes Einvernehmen wünsch«. Hierauf erklärte Balfour, er habe den Ausführungen Rogers über die auswärtigen Angelegenheiten nichts himuzufügen. Hierauf führte Premierminister Alauith aus: Hinsichtlich der Entwicklung der Dinge im nahen Osten haben wir unter äußerstes getan, um eine friedliche Lösung der Schwierigkeiten zu sichern, die sich erhoben haben: wir werden in Zukunft das gleiche tun. Ich bediene mich nicht einer schmeichlerischen und überschwänglichen Ausdrucksweise, wenn ich sage, daß kein Mann in Europa an dieser schwierigen und wohltätigen Aufgabe so beharrlich gearbeitet hat, wie Edward Erey. (Beifall.)
Das alphabetisch« Verzeichnis der Reichstag». Mitglieder
(mit angehängter Fraktionsliste), da» am 12. Februar abgeschlossen wurde, weist die Inhaber von 392 Mandaten nach (61 deutsch-konservative, 25 Reichsparteiler, 7 von der d. Ref.-P., 17 Wirtsch. Vgg., 103 Zentrum, 20 Polen, 54 Ngtlib., 15 Fr. Vgg., 28 d. Fr. Vp., 7 D. Vp. und 43 Sozialdemokraten, 12 b. k. F. 5 Mandate find zur Zeit erledigt und zwar durch den Tod des bisherigen Inhabers: 8. Hessen, 6. Coblenz. 4. Aachen, 18. Hannover und endlich das Mandat bes früheren nationalliberalen Abg. Held in 6. Hannover durch Niederlegung.
Der bayerische Hiesel" al» norddeutscher Reichstagskandidat.
Der erste anhalttsche Reichstagswahlkrei» (Destau-Zerbst) hat den revifionistischen Ge- nosien Eisner-Nürnberg als Kandidaten aufgestellt. Der „bayerische Hiesel", welchen Spitznamen der Genosse während des Budgetstreites erhalten hat, als er als Preuße die Meinung der Urbayern teilte, flog bekanntlich mit fünf Leidensgenossen aus dem „Vorwärts". Es scheint, als ob Genosse Eisner die Enade seiner Brüder wieder gefunden habe, oder sollte das nur in Destau der Fall sein?
Es folgt nunmehr der Gesetzentwurf betreffend Aenderung des Bankgesetzes. Es bezweckt 1. die Aktionskraft der Reichsbank zu verstärken und zwar durch Wiedereröffnung und allmähliche Erhöhung des Reservefonds, sowie durch Erhöhung des steuerfreien Notenkonttngents. Der Entwurf stattet 2. die Reichsbanknoten mit der Eigenschaft eines gesetzlichen Zahlungsmittels aus, erteilt 3. mit Rücksicht auf das Scheckgesetz vom 11. März 1908 der Reichsbank und den 4 Privatnotenbanken die Ermächtigung zum Ankauf von Schecks, und erweitert 4. den Kreis der im Lombardverkehr der Reichsbank beleihbaren Pfänder.
In der Debatte vertritt Abg. Kr«th (konf.) den Standpunkt, daß die Reichsbank eine den allgemeinen wirtschaftlichen Interessen dienend« Zentralstelle seine müsie. Abg. Speck (Ztr.) schließt sich den wesentlichen Ausführungen des Vorredners an. Er erklätt im übrigen die Leistungen der Reichsbank für zufriedenstellend, zumal sie in ihren Maßnahmen in erheblichem Umfang« von der wirtschaftlichen Konjunftur abhängig sei. Abg. Dr. Arendt (Rp.) bekämpft die Vorlage, weil sie nach seiner Ansicht die Einnahmen des Reichs aus der Reichsbank ve^ mindere und die gänzlich unzureichenden und vielfach anfechtbarenErgebniffe der Bankenquete verwirkliche. Abg. Dr. Weber (natl.) bekennt sich als Freund der Vorlage und sucht demgemäß die kritischen Bedenken des Vorredners zu widerlegen.
Die Beratung wird abgebrochen. — Nächste Sitzung: Donnerstag 2 Uhr. Bankgesetznovelle. Rechnungssachen.
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•Mrfcörurf verboten.I
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
(Fortt etzung.) XXL
Das englische Parlament über den Besuch König Eduards in Berlin.
Di« Thronrede über den Empfang und den Aufenthalt König Eduards in Berlin, mit der das englische Parlament am Dienstag eröffnet wurde — den wichtigsten Teil davon haben wir gestern gebracht — rief den Beifall des Ob«r- und Unterhauses hervor und veranlaßte ver- fchieorne Mitglieder zu freundlichen Erörterungen.
Im Laufe der Adreßhebatte im Oberhaus erklärte Lord Lansdowne bezüglich des Besuches des Königs und der Königin in Berlin: Ich füge nicht zu viel, wenn ich bemerke, daß kein neueres Ereignis vom britischen Volke mit ßrößeret Freude zur Kenntnis genommen ist. Ohne Widerspruch zu befürchten, können wir sagen, daß der Besuch hervorragend zeitgemäß und sichtlich erfolgreich war. Es besteht aller Grund zu der Hoffnung, daß der Besuch weitreichende Resultate nützlichsten Charakters haben kann. (Beifall.) Der Besuch war einer von der großen Zahl solcher Besuche und ich glaube wir können kein« Worte finden, die kräftig genug sind, um unsere Bewunderung auszudrücken für die unermüdliche Energie, mit der de-- König solche nützliche Aufgabe übernimmt. Jeder Besuch befestigte bestehende Freundschaften oder schloß neue Freundschaften. Im geaenwärtigen Fall handelt es sich um zwei groge Völker, die eng verknüpft sind durch Bande oemeinsamen Ursprungs und gemeinsamer Cbarattereigenschaften. Es gibt nicht zwei Völker, die geeigneter wären, Seite an Seite in der Vorhut des menschlichen Fortschritte- voranzuschreiten. Wir können uns deshalb freuen, daß die beiden Herrscher in diesem besonderen Augenblicke die Freundschaft betonten, die nie hätte unterbrochen werden sollen, die. wie der König sagte, „dem Weltfrieden dient!" Der Staatssekretär der Kolonie«» Earl of Errwe führte sodann aus: Ich bin in der Lag«, aus persönlicher Beobachtung von der außerordentlichen Herzlichkeit sprechen zu können, mit der die Majestäten in Berlin empfangen wurden. Diese Herzlichkeit wurde vom Höchsten bis zum Niedrigsten, ohne Unterschied der Eesellschaftsklasien oder des Berufes, zur Schau getragen. Dem Tribut, den Marquis Lansdowne der Art und Weise gezollt hat. in der der König sich immer des Willens gezeigt bat, persönliche Unbequemlichkeiten auf sich zu nehmen, um diesen so wichtigen Teil der Herrscherpflichten zu erfüllen, möchte ich mich anschließen. Besuche, wie dieser, können nicht alles bewirken Sie können durch sich selbst auch nicht tiefgegründeie internationale und feindliche Gegensätze beseitigen: aber in diesem Falle, wo es sich um Länder wie Deutschland und England handelt, wo keinerlei Grund für irgend etwas rote internationale Animosität vorhanden ist, kann ein Besuch dieser Art nichts anderes hervorbringen, als hervorragend Gutes. Er wirkt dahin, bie' ganze Atmosphäre zwischen beiden Ländern zu verbessern. Soweit ich aus persönlicher Kenntnis sprechen kann, kann ich nach dem Gedankenaustausch, der in Berlin stattfand. sagen, daß der Wunsch, den die englische Regierung an den Tag gelegt hat, und der,
Ra» abonniert auf bie täglich erscheinende „Oberhessisch« „ Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Jee_ 4 2 Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. *’* - Dee Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. lohne
Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstelle« und der Expedition 2 Mk.
wi« ich glaube, von dem ganzen Lande geteilt wird, auch von denen geteilt wird, welche die Geschick« des großen deutschen Reiches lenken. Diesen Wunsch verstehe ich so, daß die beiden Völker ohne Bündnisse oder Verständigungen, zu denen keines von ihnen verpflichtet ist, irgendwie aufs Spiel zu fetzen, imstande fein sollten, jedes gegenüber dem andern eine durchaus freundliche Haltung zu beobachten, und daß sie imstande sein sollten, jede Gelegenheit zu einträchtigem Zusammenwirken zu ergreifen, nicht nut für die Aufrechterhaltung des Weltfriedens. sondern auch zur Förderung der vielen Interessen der beiden Länder, die sich nicht
Aus dem Reichstage.
Der Reichstag verhandelte heute zunächst über den Gesetzentwurf betreffend die Einwirkung von ArmenunterstLtzung auf öffentliche Rechte, der von der Kommission nur in einem Punkt'abgeändert ist: neben denUnterstützungen zum Zwecke der Erziehung oder der Ausbildung sollen auch Unterstützungen zum Zwecke der Jugendfürsorge als Armenunterstützung und damit den Verlust öffentlicher Rechte bewirkend nicht angesehen werden. Eine längere Debatte wird noch durch einen sozialdemokratischen Antrag hervorgerufen, der die Wirkungen des Gesetzes auch auf die Landesgesetze ausdehnt und alle sonstigen Unterstützungen zur Hebung vorübergehender Notlagen, nicht vloß die „in der Form vereinzelten Leistungen" als den Verlust öffentlicher Rechte nicht bewirkend angesehen wissen will. Unterstaatssekretär Wermuth vom Reichsamt des Innern macht dagegen gewichtige staatsrechtliche Bedenken geltend: wegen des Eingriffes in die vertragsmäßigen Rechte der Bundesstaaten sei dieser Antrag unannehmbar Dagegen stellt der Unterstaatssekretär Berücksichtigung der gleichfalls vorgeschlagenen Resoluiion in Aussicht, die verlangt, daß die Grundsätze bie durch das vorliegende Gesetz für die Reichsgesetzgebung eingefühtt werden sotten, auch in den einzelnen Bundesstaaten zur Geltung gelangen. Diese Resolution wird heute mit sebr knapper Mehrheit von den Parteien der Linken und der wirtschaftlichen Vereinigung angenommen. Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt, die Vorlage in der Fasiung der Kommission angenommen. — Die Gesetznovelle wegen Beseitigung der Doppelbesteuerung, deren zweite Beratung im Plenum heute stattfinden soll, wird einer Kommission überwiesen, weil mehrere Abänderungsantrage dazu eingegangen sind.___________________
„Wik war das nur möglich?" fragte er in verzweiflungsvoller Laune, den Vorwurf nieder- kämpfend, bet sich ihm gegen seinen Willen aufbrängte.
Sie kennen bett festen Willen meinet Nichte," sagte sie seufzend. „Ich bin machtlos gegen ihn. Bis zuletzt hoffte ich auf das Scheitern ihres Planes, auf die Furcht vor dem Un- gewisten, und auch, daß sie Jean gleich auffin- ben würde. Daß er Soldat geworden war, hatte ich mir nicht träumen lasten."
„Was sagen Sie? Herr Bourlier nahm Dienste?"
„Er wurde Offizier. Ich erfuhr bas selbst erst vor wenigen Tagen von Prevendaux, bet mir zugleich die Verlustliste bet ersten Schlacht bei Orleans'schickte. Mein armer Bruder figu- tierte mit darauf. Der Schmerz warf mich fast auf das Krankenbett. Deshalb ließ ich Sie auch ohne Antwort, Waldemar. Verzeihen Sie mir."
„Was ist da zu verzeihen? Ich kann mich ganz in Ihre Lage denken, gnädige Frau. Der Verlust ist entsetzlich, für mich nicht weniger, als für Sie. Vielleicht liegt ein Irrtum vor. Bitte, zeigen Sie mir die Verlustliste."
„Ich bedauere, daß ich das nicht mehr im Stande bin. Ich satÄte sie nach Olivier nach Bazailles."
„Olivier lebt?"
„Das wisten Sie auch nicht? Ja, Olivier wurde gerettet und zog vor zehn Tagen wieder in bas Haus seines Vaters ein.“
„Er lebt unb Bourlier ist tot? Welch' ein Ät! Jetzt könnt« ich mich -vor meinem
er rechtfettigen, doch alle» ist zu spät.
Aus dem Abffeordnetenhanse
In der gestttgen Generaldebatte des Abgeordnetenhauses über das Berggesetz sprachen noch die Abg. Kapitza (Pole) und Wolff (fr. Vgg.). Nach Schluß der Debatte setzte stch im Schlußwort der Abg. Bell (Ztr.) nachdrücklich mit den Sozialdemokraten auseinander und begründete - die Forderung reichsgesetzlicher Regelung. Abg. Freiherr von Zedlitz (fkons.) erklärte stch entschieden gegen reichsgesetzliche Regelung und gegen Arbeiterk^'tttolleure nach sozialdemokratischem Rezept. Es sei aber die Ehrenpflicht de» preußischen Staates, innerhalb der durch das Gemeinwohl gezogenen Schranken alles zu tun, was zur besseren Sicherung der Bergarbeiter gegen Gefährdung von Leben und Gesundheit geeignet ist. — Die Vorlage nebst den Bergrechtsanträgen wurde einer 28gliedrigen Kommission überwiesen. — Vor Eintritt in die Generaldebatte zum Bergetat erklärte der Präsident, daß er bei Nichtinnehaltung des im Seniorenkonvent vorgesehenen Zeitplans für die Etatsberatung mit Abendsttzungen vorgehen werde. Abg. Sauermann (Ztr.) fand es unwirtschaftlich, daß zahlreiche fremde Arbeiter in großer Zahl zum Bergbau herangezoge, würden. — Darauf vertagte sich das Haus. Rach einer längeren Geschäftsordnungsdebatte wurde die nächste Sitzung auf Donnerstag 12 Uhr anberaumt: Bergetat; dritte Lesung des Pfarrbesoldungsgesetzes: Etat der Landwirtschaft._____
Weiter was hätte das für einen Zweck, da auch Destree schwerlich mehr unter den Lebenden toeüt i<e
„Verzagen Sie nicht, Tyrott," tröstete ihn die Dame. „Gottes Wege sind oft wunderbar. Vielleicht lebt mein Kind dennoch irgendwo in der Verborgenheit, abgeschnitten von den Verbindungen mit Frankreich mitten in dem besetzten Lande. Vielleicht ist sie uns näher, als wir denken. Wenn sie in Bazailles wäre!?
„Bei Olivier? Und er hielt sie vor der Außenwelt verborgen? Zu welchem Zwecke?“ fragte Tyrolt auffahrend.
„Es ist ja nur eine Möglichkeit, die ich berührte ebensogut kann meine Nichte in Sibirien sein!"'
„Die Möglichkeit hat sehr viel für stch," ttef Waldemar, jäh an dem Gedanken festhaltend. „Wenn Desiree in ihre Heimat zurückkehrte, da sie den Vater nicht finden konnte, so kam sie natürlich nach Sedan unb in bas Haus ihres Ver- wanbten. Olivier aber hielt sie fest, aus Haß wegen unserer Verlobung, aus Eigennutz bamtt sie ihm nicht sein Erbe schmälere. Er beraubt sie ihrer Freiheit, er verbietet ihr jede Korre« spondcnz, damit sie vor bet Welt verschwind«, unb ich glaubte, sie schriebe mit nicht mehr, weil sie mich nicht mehr liebe.
„Desiree liebte Sie stets mit gleicher Zart- lichkeit und wirb Sie nie vergesien. Nein, ihr Schweigen hat einen anderen Grund: Abgeschnittenheit, Krankheit, Tod oder Einkerkerung. Und dies Schicksal kann sie allerdings hl Bazailles so gut treffen wir sonstwo tn tat Welt.“
(Fortsetzung folgt.)
Politische Umschau.
Som deutschen Landwirtschaftsrat.
Berlin, 17. Febr. Jrn Anschluß an die gestrige Mitteilung über die Sitzung des deut- scheu Landwirtschaftsrats sei noch folgendes mitgeteilt: Nach Landrat von Uslar sprachen noch Korreferent Profestor Dr. Dove, sowie Staatssekretär Dernburg über die Wasterversorgung von Südwest-Afrika. Es folgten Vorträge von Profestor Budde, Oekonomierat Rabe und von Zitzewitz-Beßwitz über die Einführung der elek- ttischen Kraft auf dem platten Lande. Der Kaiser blieb bis iy2 Uhr im Saale.
Di« Reichstagsersatzwahl in Bingen-Alzey.
Nach amtlicher Meldung wurden bei der vorgestrigen Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Bingen-Alzey insgesamt 22 093 Stimmen abgegeben. Es erhielten: Pfarrer Korell (freis. Vp.) 8004 Stimmen, Stadtrechner Heftel (Ztr.) 6612 Stimmen, pratt. Arzt Dr. Becker (nattift.) 5910 Stimmen und Redakteur Adelung 1558 Sttm- men; zersplittett waren 9 Stimmen.__________
Zunächst reiste er nach Brüste!. Frau von Tarandal hatte ihm auf seine flehentlichen Briefe nur unvollkommen geantwortet tote lebte zurückgezogen von aller Welt, nachdem fie von Desiree verlasten worden war und der Tod ihres Bruders festgestellt schien. Die Zerstreu- unaen bet großen Stadt, um deretwtllen st« Luekwarden aufgegeben, hatte für sie allen Reiz verloren. Die Korrespondenz mit Waldemar schmerzte sie nur, statt zu beruhigen Durch Devereux und Prevendaux war sie auf dem Lausenden erhalten worden, und das war alles so traurig, daß sie trostlos dahinsiechte.
Und dennoch war fie sehr glücklich, als Waldemar eines Tages ganz unerwattet ins Zimmer trat. _ , .
„Willkommen, herzlich willkommen," sagte fie mit trübem Lächeln. „Wenn ich auch weiß, daß Ihre Gegenwatt mir neue Sorgen und neue Aufregung bringen wird, freue ich mich doch herzlich. Sie gesund wiederzusehen"
Si« betrachtete ihn mit Wohlgefallen. Er hatte sich seit ihrer Trennung sehr verändett, war stärker und gebräunter geworden. Die Pflege im Paterhause hatte ihm wohlgetan.
Waldemar fand Frau von Tarandal dagegen keinesweas wohl erhalten. Die Dam« hatte ihre Körperfülle etngebüßt, war älter und hinfälliger geworden, und das dünn« Haar war leicht ergraut. Die Augen schienen gerötet von den vielen vergossenen Tränen.
„Ja, schauen Sie mich nur an," bemerkte fie traurig. „Ich habe es schwer büßen müssen, daß ich Destree von mir ließ."
Da waren sie mitten in dem Fahrwasser, da» Waldemar hierhergetragen hatte.
■**»!*«♦»»* Die 3»ferttonlflebäbr beträgt für bie 7gesprütene Zeil«
oder bett» Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — n
—, n r-w t 1 nnn Druck unb Verlag: Ioh. Aug. Koch, UnioerfltätSbuchdruckerei
Freitag 19. Mvruar 1909. Inhaber Dr. E. Hltz.rotk», Marburg, Markt 21. — Telephon 55.