MchM IMng mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhalkungrbellage) und »Landwirtschaftliche Verlage."
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Marburg
Dienstag, 16. Februar 1909.
Di« JnlertionSgebübr beträgt für die ^gespaltene Zeil« ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnioersttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahr»
Eine Krists in der Türkei.
Das junge türkische Parlament hat am Damstag «inen außerordentlich stürmischen Tag -klebt. Die herrschende Partei der Jungtürken »ahm die Entlassung zweier ihr nahestehender giniftet ungnädig auf und versuchte eine achiprobe, um den verantwortlichen Groß- --ezierKiamil Pascha, von dem sie außerdem an» iimfjrn, daß er reaktionären Tendenzen huldige, -ju stürzen. Das ist ihnen auch, wie die folgenden Meldungen zeigen, gelungen.
lieber die Sitzungen der Kammer wird berichtet: , t
Konstantinopel, IS. Febr. Auf der Tagesordnung stand die Interpellation an den Großvezier Kiamil Pascha über den Ministerwechsel. In den Wandelgängen herrschte große Erregung, der Eroßvezier war nicht erschienen. Er hatte an das Präsidium geschrieben, daß er mit Rücksicht darauf, daß er Botschafter empfangen müsie und aus anderen politischen Gründen heute nicht in die Kammer kommen könne. Das Haus beschloß sofort zu erwidern, daß er den Empfang der Botschafter vertagen könne; die große Erregung in der Kammer mache das Erscheinen des Eroßveziers unbedingt notwendig, in anderem Falle würde die Kammer gezwungen sein, sich in Permanenz zu erklären und in Abwesenheit des Großveziers ihre Beschlüsse zu fassen. Darauf trat eine Pause ein. Die Kammer beschloß mit 198 gegen 8 Stimmen, dem Großvezier ihr Mißtrauen auszudrücken. Sie nahm eine Resulution an, in der der Präsident der Kammer ersucht wird, dem Sultan die Willensmeinung der Kammer zur Kenntnis zu bringen, daß ein Kabinettschef ernannt würde, welcher das Vertrauen der Kammer besitze. Im weiteren Verlauf der Sitzung erklärt sich die Kammer in Permanenz, bis der Eroßvezier Aufklärungen über fein Vorgehen liefern werde. Bei Beginn der Abstimmung über das Mißtrauensvotum für den Eroßvezier erschien ein Bote des Eroßveziers mit der Erklärung, der Eroßvezier fei bereit, zuruckzu- treten, wenn die Kammer die Verantwortung für die inneren und äußeren Folgen seines Rücktrittes übernehme. Er erwarte die Verantwortung der Kammer. Während der Sitzung fanden vor dem Parlamentsgebäude wiederholte Kundgebungen statt.
Konstantinopel, 13. Febr. Die Kommandanten der Panzerschiffe haben in ihrem dem Eroßvezier und der Kammer eingereichten Protest auf die Eährung unter den Marinetruppen hingewisen und erklärt, die Marine fei ohne Kommando; sie erkenne nur das Kommando der Kummer an.
Konstantinopel, 18. Febr. ^n dek Kammer ließ der Präsident einen Protest verlesen. den die Offiziere des hier stationierten Geschwaders gegen die Ernennung des Marineministers übersandt haben. Der Führer der Jungtürken, Riza Tevfik, protestierte in heftiger Rede gegen dieses disziplinwidrige Vorgehen der Offiziere. Als Riza Tevfik während der Pause in den Wandelgängen erschien, wurde er von Offizieren umringt, die ihm lebhafte Vorwürfe machten, worauf Riza Tevfik ausrief: „Wir haben bisher verstanden, Ordnung zu halten: wir werden es, wenn nötig, auch weiter verstehen." — Der Kammerpräsident machte dem Zwischenfall dadurch ein Ende, daß
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Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
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.Was ist geschehen? Woher die plötzliche Krankheit?" fragte er die bebende Frau.
„Der Doktor sagt, es sei ein Nervensieber," jammerte sie, „das Fräulein hat schon die ganze Nacht phantasiert. Ach, Herr Graf, ich bin in Heller Verzweiflung."
d Akincourt winkte ihr zu schweigen und lreß sich neben dem Bette nieder.
„Armes Mädchen," sagte er traurig, „bedauernswertes, tapferes Kind, soll das das Ende Deiner Wallfahrt fein? Ich wollte, ich hätte Dich in Bordeaux gelassen, dort blieb Dir Dod) Nock die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Deinem Vater. Ich habe sie aufgegeben. Wie tarn die Krankheit denn so plötzlich zum Ausbruch?" fragte er die Alte.
. Das Fräulein betrachtete das Bild dort, welches der Kapitän vom 204. Regiment zurück- gelassen hatte!"
„fiert Bourlier?"
„Ja, so hieß er wohl. Ich sagte, daß sie ihn drüben an der Ecke gemordet haben."
„Die Bayern? Wer hat Ihnen das erzählt?"
„Leute von seinem Regiment, welche bei mtr nach seinem Koffer fragten, der gar nicht da war."
„Dann haben Sie der Tochter, dem kranken Kinde, welches ausgezogen war, fernen Vater $M
er Riza ins Präsidentenzimmer zog. lieber 200 Offiziere waren im Hause anwesend. Die Er» regung steigerte sich, als der Eroßvezier noch immer nicht erschien und, als er durch Boten dazu aufgefordert wurde, es endgültig ablehnte, heute in der Kammer zu erscheinen.
Konstantinopel. 13. Febr. Der jung- türkische „Tanin" meldet, der Eroßvezier habe, von dem Minister des Innern. Hilmi Pascha, über den Erurrd des Ministerwechsels befragt, erwidert, daß der Unterrichts- und der Marineminister demissioniert hätten: Der Grund des Wechsels im Kriegsministerium liege in gewissen gefährlichen Plänen, welche man mit den Schützenbataillonen vorhatte. Auf die weitere Frage Hilmi Paschas, seit wann der Eroßvezier davon Kenntnis habe, erwiderte dieser: Seit vierzehn Tagen. Daraufhin habe Hilmi Pascha dem Eroßvezier Vorwürfe gemacht, daß er als Minister des Innern nichts davon erfahren habe, und er habe seine Demission gegeben. — „Schuran Ummet" und „Tanin" melden, daß derScheich Ll Islam heute demissionieren werde. Das hiesige jungtürkifche Komitee erhielt von den Provinzial- und Lokalkomitees Depeschen, welche der Erregung über den Ministerwechsel Ausdruck verleihen. — Einige türkische Blätter melden, daß der Großvezier die Interpellation am Montag oder Mittwoch beantworten und zu diesem Zwecke eine geheime Sitzung verlangen werde.
Konstantinopel, 14. Febr. Zu Beginn der Sitzung teilte der Präsident mit, daß ein Schreiben des ersten Sekretärs des Sultans eingegangen fei mit der Mitteilung, daß der Sultan den Minister des Innern, Hilmi Pascha, unter Belastung auf seinem Posten als Minister des Innern zumEroßvezier ernannt und mit der Bildung eines Kabinetts beauftragt habe. Bald darauf traf ein zweites Schreiben mit der Nachricht ein, daß der Sultan Sia Eddin zum Scheich ül Islam ernannt habe. Im weiteren Verlauf der Sitzung, die ruhig verlief, beriet das Haus sodann mehrere Anträge. -
Konstantinopel, 14. Febr. Die Kammer lehnte mit großer Mehrheit den Anttag des israelitischen Abgeordneten Carasto, gegen Kiamil Pascha wegen willkürlicher Ersetzung des Kriegs- und Marineministers einen Prozeß anzustrengen, ab.
Nachlese zum Besuche König Eduards in Berlin.
Der Dank König Eduard« für Berlin.
Berlin, 13. Febr. Oberbürgermeister Dr. Kirschner ging gestern folgende Allerhöchste Kabinettsordre zu: Der König von Großbritannien und Irland hat mich vor seiner Abreise gebeten, der Haupt- und Residenzstadt Berlin nochmals seinen herzlichen Dank für den freundlichen Empfang auszusprechen welcher ihm und seiner erlauchten Gemahlin hier zuteil geworden ist. Es gereicht mir zur Freude, Sie hiervon in Kenntnis zu setzen. Zugleich ist es mir ein Bedürfnis, auch meinerseits Dank und Anerkennung zu sagen für die herzliche Begrüßung meiner erlauchten Gäste, die prächtige Ausschmückung der Feststraße und deren einzelner Gebäude, sowie das sympathische Verhalten der Berliner Bürgerschaft während der ganzen Dauer des Besuches. Berlin hat durch diese
suchen, besten Tod verkündet und sind schuld daran, wenn das Kind nun auch sterben wird."
Die alte Frau brach in einen herzzerreißenden Jommer aus.
„O heilige Jungftau, das wollte ich nicht, Herr Graf!" schrie sie. „Wie konnte ich nur wissen, daß gerade das Fräulein die Tochter — nein, rein, das wollte ich wahrhaftig nicht!"
„Ich will es gerne glauben," beruhigte sie der Offizier. „Doch was helfen alle Klagen. Geschehen ist geschehen. Wir können ihr nicht helfen, wenn die Natur sich nicht selber hilft, und die ist so geschwächt, daß man das schlimmste befürchten muß."
„Ich will ja alles tun, um das Fräulein zu reiten," versicherte die Josnes weinend.
„Pflegen Sie die Dame gut, verlassen Sie sie nicht," sagte d'Alincourt. „Es soll der Kranken an nichts fehlen. Hier haben Sie Geld."
Die Alte nahm die funkelnden Goldstücke, nur eins gab sie zurück.
„Sie hat mir befohlen, ich soll den Louis zurückgeben," sagte sie zögernd.
Der Graf achtete nicht auf ihre Rede. Sein Blick hastet« auf dem Brief, der am Spiegel lehnte.
„Ein Schreiben an mich?" fragte er.
„Ja wohl, Herr Graf, ein Offizier bracht« es ein schöner Mann, aber kurz angebunden. Ich habe den Empfang bestätigt."
d'Alincoutt öffnete den Bries.
„Befehl des Generals Bourbaki, sofort zu seinem Stabe zu stoßen, dem Sie als Oberstleutnant attachiert sind. Wohl! Soumis hat
Kundgebung und Veranstaltungen wesentlich dazu beigeiragen, den Aufenthalt der englischen Majestäten zu einem so angenehmen und erfreulichen zu gestalten und dadurch zugleich erneut dem Wunsche des deutschen Volkes Ausdruck verliehen, die freundschaftlichen Beziehungen zu dem stammverwandten englischen Volke zu pflegen und zu stärken. Berlin, 13. Februar 1909. ge$. Wilhelm.
Fürst Bülow über de« Besuch.
London, 18. Febr. Reichskanzler Fürst v. Bülow hat sich, wie der Berliner Korrespondent des Reuterbureaus erfährt, über das Ergebnis des englischen Königsbesuches hoffnungsvoll geäußert und folgendes erklärt: Der Verlauf der Besprechungen zwischen den englischen und deutschen Staatsmännern habe auch auf deutscher Seite aufrichtige Befriedigung her- »orgerufen. Die Zuversicht sei begründet, daß durch den Besuch des Königs das Vertrauen in die beiderseitige Loyalität und das Verständnis für die politischen Ziele der beiden Reiche auf beiden Stilen gefestigt worden sei. Bei Behandlung der Balkanfrage habe sich eine weitgehende Uebereinstimmung ergeben, sowohl bezüglich der auf die Erhaltung des Friedens gerichteten Bestrebungen Englands und Deutschlands, als auch in bet Haltung beider Regierungen gegenüber dem neuen Regime in der Türkei. Er hoffe, daß die öffentliche Meinung in beiden Ländern dem von den Herrschaften und Staatsmännern gegebenen Beispiele ehrlicher und friedlicher Absichten und gegenseitigen Verstehens folgen werde.
Aus dem Reicbstaae.
Nach kurzer Diskussion, in der Graf Kanitz-P»- baugen (kons.) eine vermehrte Silbcrprägung anregt, wird in der 206. Sitzung der 6. Nachtragsetat in dritter Lesung angenommen. Hierauf wird in der Beratung des Etats des Reichsamts des Innern fortgefahren. Der Sozialdemokrat Brüh«« bespricht dabei dem Kapitel Reichsgesundheitsamt angebliche Mängel der hygienischen Einrichtungen in den chemischen Fabriken, wird aber vom Präsidenten des Reichs- versicherungsamts Summ zurechtgewiesen. Abgeordneter Dr. Mazda» (steif. Vp.) wünscht eine Revision der das Verkaufsrecht der Drogisten betreffenden Bestimmungen und die Hineinbeziehung der Hebammen in die Krankenversicherung. Präsident Bumm erwidert, daß die Regelung der Hebammenfrage am besten durch die Landesgcsetzgebung geschehen, daß aber die Liste der den Drogisten erlaubten Heilmittel deuinächst revidiert werden solle. Bei dieser Revision solle in der Hauptsache das Jntereffe des Arzneien brauchenden Publikums wahrgenommen werden. Ein Befähigungsnachweis für Drogisten empfehle sich nicht. Nachdem noch der Abgeordnete Kulerski (Pole) und Hoch (Soz.) sich über Aertze- und Drogistenfragen ausgesprochen, wird das Kapitel Reichsgesundheitsamt genehmigt. Beim Patentamt regt Abgeordneter Junck (natlib.), unterstützt vom Abgeordneten Dove (steif. Vgg.), eine Reform des Patentgesetzes an, die vom Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg zugesagt wird. Die Vorarbeiten seien bereits weit vorgeschritten. Hierauf wird die Beratung des Kapitels Reichsver- sicherungSamt vorgenommen. Abg. Erzberzer (Ztr.) führt Klage über angebliche Imparität in der Krankenfürsorge, wird aber von dem württembergischen Bundcsratsvertreter ersucht, seine Beschwerden bei der württembergischen Negierung anzubringen. In großer Breite behandelt sodann Abgeordneter Bömel- burg (Soz.) Unfallversicherungsfragen, worauf der Abg. Nagel-Siegen (natlib.) eine verhaltene Rede über Bergarbciterschutz abliest und sich dabei durch
Wort gehalten. So sei es denn. Wir stehen am Vorabende großer Kämpfe, und hier" — er seufzte tief — „hier habe ich nichts mehr zu tun.“
Noch einmal blickte er mit innigem Bedauern auf das reizende Wesen, welches mit den fieberglühenden Wangen ein Zerrbild der Gefundheit bot. Noch einmal ergriff er feine heiße, weiße Hand und drückte einen Kuß darauf.
„Fahre wohl, Du schönes süßes Weib! Ich werde Dich schwerlich wiedersehen, Dich, das ich so geliebt habe, und dem ich dennoch entsagen mußte. Fahre wohl und Gott gebe, daß Dein tapferes Herz nicht zu schlagen aufhört, bevor Du dem wiedergegeben bist, der jetzt wohl in. fernen Landen mit Schmerzen und Sehnen Dein gedenkt. Mag mich das Spiel des Krieges auch treiben, wohin es will, immer werde ich Dein gedenken, Du stolzes, tugendreines Weib, Du arme, geknickte Blume, Desiree."
Er schritt, von der Josnes begleitet, aus dem Zimmer. Als sich die Tür hinter ihm fchloß, schreckte die Kranke zusammen und rief, die Arme ausbreitend:
„Waldemar, ich habe Papa gefunden. Komm, komm, nun dürfen wir endlich glücklich fein!“
XX.
Herr Devereux in Sedan befand sich in großer Aufregung. Mit der Morgenpost war ein mit unbehilflichen Buchstaben geschriebener Brief an ihn gelangt, welcher alle seine Berechnungen und alle Mühe, die et sich um den Ler-
wiederholte Aufforderungen de» Vizepräsident« Kaemps, zur Sache zu sprechen, zur großen Erheiterung de» Hause» nicht stören läßt. Rach einigem Bemerkungen de» Ministerialdirektor» Caspar zn verschiedenen Anregungen von Vorrednern spreche» noch unter absoluter Unaufmerksamkeit der wenige» im Saale befindlichen Mitglieder die Abgeordnete» Göring (Ztr.), Renner (natlib.), Erzberger (Ztr.), Mugda» (steif. Vp.), größtenteils um persönliche Meinungsverschiedenheiten miteinander auszufechten. Dann wird die Diskussion geschlossen. Zum Kapit« Kanalamt bringt Abg. Dr. Leonhard (frf. Vp.) alte Wünsche vor, ihm folgt zu gleichem Tun sein Fraktionsgenosse CarstenS. Der Sozialdemokrat Lehman» beschwert sich über zu starke Einstellung ausländischer Arbeiter bei Kanalarbeiten. Zum Kapitel Privatver, sicherungSamt kommt Abg.Marcour (Ztr.) auf die Verbindung von Rentenversicherungen mit Zeitung»« abonnement» zurück und fordert dessen Verbot.
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Im Abgeordnetenhauje
wurde am Sonnabend die zweite Beratung bet Pfarrbesoldungsvorlae für die evangelischen Geistlichen fortgesetzt, in Verbindung mit einem Anträge des Abg. Winckler u. Gen. (kons.), welcher eine Erhöhung des Witwen- und Waisenfonds um 500 000 M fordert. Abg. Winckler (kons.) begründete die Vorlage und seinen Antrag und gab seiner Freude Ausdruck, daß die Kommission dem Anträge einstimmig zugestimmt habe. Minister Frhr. v. Rheinbabe» erklärte, daß die Regierung dem Anträge Winckler unter der Voraussetzung zuftimme, daß das Hau» auch für die nötige Deckung, etwa durch Ausgestaltung der Stempelsteuer sorge. Abg. Graf v. Ca?mer-Zie- serwitz (kons.) betonte, daß die Vorlage eine alte Forderung seiner Parteifreunde erfülle. Der Antrag Winckler (kons.) bezwecke eine bessere Fürsorge für die Witwen und Waisen. Der Stand der Geistlichen müsse so gestellt werden, daß er freudigen Herzen» fein schönes aber schweres Amt ausüben könne. Durch Annahme der Vorlage und des Antrages werde nur eine alte Schuld abgetragen. Die Abg. Fürbringer (natlib.), Viereck (freikons.) undEickhoff (steis. Vp.) stimmten namens ihrer Fraktion ebenfalls der Vorlage und dem Anträge Winckler zu. Es wurde ei» Schlußantrag angenommen, wodurch dem Abg. Hoffmann (Soz.) das Wort entzogen wurde. Er warf der Majorität „Brutalität" und „Gemeinheit" vor. was ihm einen Ordnungsruf des Präsidenten zuzog. Abg. v. Arnim-Züsedom (kons.) erklärte, daß der Schlußantrag gestellt worden sei, um den Abg. Hoffmann zu verhindern, abermals eine solche Rede z» halten, wie bei der ersten Lesung der Vorlage. Damals wurde ihm nach dreimaligem Ordnungsruf da» Wort entzogen. Hierauf wurde die Vorlage nebst Antrag Winckler angenommen. Zu der folgenden zweiten Beratung des Pfarrbesoldungsgesetzes der katholischen Pfarrer lag ein Antrag Porsch (Ztr.) betr. Beihilfe zum Diensteinkommen der katholischen Silfsgeistlichen, ein Antrag des Zentrums und bet Polen zwecks Aufhebung der Bestimmungen für Po- sen-Gnesen und Kulm vor, wonach Zulagen widerruflich allen Pfarrern zu gewähren sind, sofern sie nicht deutschfeindliche Gesinnung betätigen; endlich ein Kommissionsantrag, den Fonds für Emeriten von 120 000 auf 230 000 <M zu erhöhen. Letzterem Anträge stimmte Minister v. Rheinbaben zu. Abg. Dr. Kaufmann Ztr.) befürwortete die Annahme der Vorlage. Abg. Winckler (kons.) erklärte, daß seine politischen Freunde der Vorlage und dem Kommissionsantrage zustimmen, die andern Anträge dagegen ablehnen mürben. Nachdem noch die Abg. Viereck (freikons.) und Fürbringer (natlib.) namens ihrer Fraktionen für die Vorlage und den Kommissionsantrag gesprochen hatten, wurde wiederum ein Schlußantrag angenommen, der den Abg. Hoffmann (Soz.) abermals zu unparlamentarischen Redewendungen veranlaßte und ihm diesmal zwei Ordnungsruf« einbrachie. Der erste Teil der Vorlage bis zum § 1< wurde angenommen. Abg. Stychel (Pole) unb_ Dr. Kaufmann (Ztr.) begründeten die Anträge bezüglich
lauf der Bazeiller Fabrik und der Villa gegeben hatte, über den Hausen warf. Durch das Ausbleiben der Briefe von Bordeaux hatte sich die Angelegenheit allerdings in die Länge gezogen, jetzt aber trat ein neuer Faktor zu Tage, bet den Verkauf jener Grundstücke ohne neue Einwilligung unmöglich machte. Der Erbe des verschollenen Bourlier meldete sich in dem Briefe, der in Vadelincourt aufgegeben worden war.
„Bemühen Sie sich gütigst zu mir, Herr Notar, da ich außer Stande bin, zu Ihnen zu kommen," schrieb der Briefsteller. „Ich er- ' erfahre, daß Sie die Fabrik und die Villa verkaufen wollen, die meinem Vater gehören. Gegen letzteres protestiere ich und muß Sie bitten, sich darüber mit mir ins Einvernehmen zu setzen. Sie finden mich Weinberg Nr. 3. Ihr ergebener Olivier Lourlier."
Devereux nahm nochmals das Billet vom Tisch und hielt es an seine kurzsichtigen Augen.
Also Olivier lebt, Olivier der Totgeglaubte, der Tollkühne, der Franktireur-Oberst, der Patriot, um den sich in Sedan ein förmlicher Sagenkreis gebildet hatte, und noch dazu tx größter Nähe Sedans t
„Aber welch entsetzliche Handschrift hat er sich im Grit angewöhnt," brummte der Advokat, die Schriftzüge betrachtend, „sollte hier am Ende eine Täuschung vorliegen? Ich werde der Sach» auf den Grund gehen. Gefahr kann auf «Ix Fälle nicht dabei sein, und eine Fahrt iw bet friscyen Winterlust wird mir gut tun.“ j
* ■ (Forl)etzung folgt.)