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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und,Landwirtschaftliche Benage.-'

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38 Kirchhain und Wett» sowie bei unserer Erpedttion - Markt 21. NfrWWtvw-H Äderen Raum 1° Pfenm«. sUrAellamen DPsenmg-

- Der Bezugsprei» beträqt durch die'Post 2,25 Mk. (ohne 11 OiwltYitm* 1QAQ ?ru« und Verlagr Joh. Ang. Koch, Unwerst tatsbu chdrnckere»

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Erstes Blatt

Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

Rückblick.

Die Tage des Gegenbesuche- König Eduards ln Berlin find vorüber und nach den Berichten durchaus harmonisch und schön verlaufen. Der Besuch ist von den beiden Herrschern selbst «ls Beweis verwandtschaftlicher Gesinnung, als eine Bürgschaft für die fernere friedliche und freundschaftliche Entwickelung der Beziehungen zwischen beiden Ländern charakterisier worden mit zurückhaltenden und wohlabgewogenen Worten und doch nicht ohne den Unterton einer gewissen Wärme.

König Eduard hat als erster gekrönter East auch dem Rathause einen offiziellen Besuch abge­stattet und dadurch auch äußerlich zu erkennen gegeben, daß er sich nicht bloß als East des deut­schen Kaisers, seines Neffen, betrachtet, sondern auch als East des deutschen Volkes das in der Haupt- und Residenzstadt sein« Spitz« sinder. Wir sprachen bereits vor dem Eintreffen des Königs die Hoffnung aus, daß das Zusam­mensein der beiden Herrscher die Spannung, die zwischen beiden Völkern zur Zeit noch besteht, mildern möge. Das deutsche Volk hat all­mählich gelernt, sich von allzu enthusiastischen Hoffnungen dieserBeziehungen fernzuhalten. Und wenn wir jetzt auch sehen, daß die Franzosen durch die neueste Entwickelung der deutsch-engli­schen Beziehungen etwas beunruhigt werden so werden wir uns doch dadurch etwa nicht gleich' zu einer überschwänglich günstigen Beurteilung der äußeren Lage verleiten lassen.

In England hat der herzliche Empfang, den man dem König bereitet hat, überall einen guten Eindruck gemacht. Der Berliner Korre­spondent des Reuterschen Bureaus ist ermächtigt worden, mitzuteilen, daß der König über d«n herzlichen und begeisterten Empfang, der ihm von allen Klassen der Berliner Bevölkerung dargebracht wurde, außerordentlich erfreut und von dem Erfolg seines Besuches sehr befrie­digt ist.

Heber die polittschenErgebnisse der Reise sagt das Bureau, daß auch auf englischer S-.fte das Ergebnis der politischen Besprechun­gen, die zwischen den englischen und deutschen Staatsmännern in Berlin stattgefunden haben, als außerordentlich befriedigend angesehen wird und augenscheinlich auf die deutsch-engli. fchen Beziehungen «ine ausgezeich­nete Wirkung aus geübt hat. Es wurde dem Reichskanzler versichert, daß die britische Regierung das deutsch-ftanzösische Marokko­abkommen uneingeschränkt und herzlich billige, das als ein solches begrüßt wird, welches da­hin ziele, ein gutes Einvernehmen zwischen Frankreich und Deutschland zu pflegen und da­durch auch «inen wesentlichen Einfluß auf die Festigung der freundlichen Beziehungen zwi­schen England und Deutschland auszuüben. Es wurde erklärt, daß die Bestrebungen der britt- schen auswärtigen Politik im nahen Osten auf Wahrung des Friedens und Aufrechterhaltung des Status auo gerichtet feien. In englischen amtlichen Kreisen wird die von dem Reichskanz­ler in seinen Besprechungen mit Sir Charles Hardinge gegebene Erklärung, daß darin wie in der Unterstützung der neuen Ordnung der Dinge in der Türkei die brittsche und deutsche Regier­ung vollständig im Einvernehmen seien, vielfach gutgeheißen. Die politischen Besprechungen, die während des Besuches des Königs staitge- funden haben, gipfeln in einer allgemeinen und völlig befriedigenden Politik beider Länder.

Ein« weniger schöne Begleit­erscheinung hat auch dieser Besuch insofern gezeitigt, als wiederum Klagen laut werden, daß die deutsche Press« gegenüber der auslän­dischen zurückgcsetzt worden sei. In diesem Zu­sammenhang wendet sich die freikonservative Post" gegen das Hofmarschallamt. Das Blatt erzählt beiläufig, daß bei der Hochzeit des Kron­prinzen a ch t englische und französisch« Bericht­erstatter zugelassen waren, dagegen nur vier Deutsche: aber auch in ernsteren Dingen übe das Amt einemerkwürdige Zurückhaltung". Das Blatt sagt wörtlich:Es ist schon oft vor­gekommen, daß wir über dieselben Dinge tele­graphisch aus London den Bescheid er­hielten. den das Oberhofmarschallamt einer deutschen Zeitung gegenüber erst nach einigen Tagen schriftlich verweigerte. Das Oberhof­marschallamt kann also die Auskunft geben, aber gibt sie nur nicht einer deutschen Zeitung." Dieser Zustand ist allerdings bedauerlich, und es wäre nur zu wünschen, daß die deutsche Press«

dagegen in energischer Weise ihre Macht ge­braucht.

Ein weiteres wichttges Ereignis hat di« Woche gezeitigt in dem Abschluß eine# deutsch- französischenMarokkoabkommens. Das auffallende Zusammentreffen mit dem Besuch« König Edu­ards hat den Gedanken an eine akttve Mit­wirkung Englands an diesem Abkommen laut werden lassen. Und die Betätigung Englands uns gegenüber in langen Jahren hat bewirft, daß diese Nachricht einigesMißtrauen gegen das Abkommen hervorgerufen hat. Die offiziöse Süddeutsche Reichskorrespondenz" schreibt dem­gegenüber heute:Die britische Politik hat den Abschluß der Uebereinkunst vom 9. Februar mit herzlicher Zustimmung begrüßt. Erklär­licherweise, denn sie selbst erlangt dadurch mehr Bewegungsfreiheit, besonders im Verhältnis zu Deutschland, wenn die Aera deutsch-französischer Zwischenfälle wegen Marokko vorüber ist, bei deren Eintritt England auf Grund des Vertra­ges von 1904 zur diplomatischen Unterstützung Frankreichs und folglich zur Parteinahme gegen uns verpflichtet war. Deshalb hat die britische Diplomatie dem Gelingen der absichtlich bis zuletzt geheim gehaltenen deutsch-französischen Verhandlungen keine Schwierigkeiten bereitet, beteiligt ist sie aber daran nicht gewesen."

Die Bedeutung und die Früchte des Abkom­mens werden sich erst später erkennen lassen. Einstweilen darf man es trotz mancher Beden­ken mit Freuden begrüßen, daß ein Herd von Zwistigkeiten zwischen beiden Völkern zur Zeit beseitigt ist. Bedauerlich ist es, daß die friedfertige Art des Deutschen Reiches bei un­seren Nachbarn gleich wieder unmögliche Hoff­nungen erweckt hat. An Ausführungen der Freude über das gelungene Abkommen schließen sich z. B. imFigaro" Bemerkungen wie die folgende:Hoffen wir, daß auch andere Schwie­rigkeiten sich ebenso wie diese in Weisheit und Frieden lösen werden, bis man zur Regelung her ftuchtbaren Frage (Elsaß-Lothringen!) ge­längt, die leider niemand vergessen darf und an die die Toten selbst uns erinnern würden."

Und im entgegengesetzten Lager, nämlich in derHumanit6", dem Blatte des Herrn Jau- r6s liest man:Deutschland muß jetzt dem Elsaß eine freisinnige und menschliche Behand­lung angedeihen lassen. Ein bedrücktes, verge­waltigtes Elsaß, dem man die Selbstverwalt­ung. die Freiheitsbürgschaften, eine eigene Ge­sittung vorenthalten würde, das man würde ge­waltsam und barbarisch germanisieren (!!) wol­len, wie die polnischen Provinzen, ein Elsaß, aus dem Schmerzens- und Entrüstungsschreie er­tönen würden, wäre zwischen dem französischen und deutschen Volk ein undurchdringlicher Gür­tel von Mißtrauen und Haß, etwas wie der Höllenfluß, d'en kein Lebender überschreiten kann. Behandelt Deutschland das Elsaß roh, so bleibt das Abkommen ein wertloses Papier, dessen Wirkung auf ein Sundikatsunternehmen zur Plünderung Maroftos jämmerlich beschränkt wäre. Ein beruhigtes und zuftiedenes Elsaß dagegen würde dem Abkommen die glücklichsten Entwicklungen gestatten."

Derartige Phantastereien sollten vermieden werden. Der Sprung von Marokko nach Elsatz-Lothringen erscheint uns etwas zu weit. Unsere Nachbarn sollten nicht die Früchte, die das Abkommen für ein friedliches Nebenein­ander der beiden Völker zeitigen kann, in Frage stellen durch aussichtsloses Erwecken unmög­licher Wünsche. In Deutschland machen solche frommen Wünsche keinen Eindruck, höchstens lassen sie uns gegenüber allen Verhandlungen mit unserem Nachbarn mißtrauisch vwerden. Für Frankreich gilt es einfach, sich in das Un­vermeidliche fügen. Rur auf dieser Grund­lage kann sich ein gesundes Verhältnis der bei­den Völker anbabnen.

Zum Besuch König Eduards in Berlin.

Berlin, 12. Febr. DieNordd. Allgem. Ztg." meldet: Der Reichskanzler empfing Don­nerstag nachmittag den Besuch des englischen Staatssekretärs für die Kolonien, Earl of Crewe, und hatte mit ihm eine Unterredung.

Berlin, 12. Febr. Die Kaiserin und die Königin begaben sich um 12 Uhr im Automobil nach Schloß Monbijou zur Bestchttgung des Ho- henzollernmuseums. Der Kaiser, der dort kurz vorher eingetroffen war. empfing die Damen. Später besuchten die Kaiserin und die Königin das Virchow-Krankenhaus. Der Kaiser ver­lieh dem Lord Erenfell das Eroßkreuz des Ro­ten Adlerordens.

Berlin, 12. Febr. König Eduard machte heute mittag eine einstündige Spazierfahrt nach dem Grünewald im Automobil mit dem Prinzen Heinrich von Preußen. In ihrer Begleitung be­fanden sich Generaladjutant v. Löwenfeld und Oberst Streatfeild.

Berlin, 12. Febr. Heute mittag 2 Uhr fand beim Kaiser und der Kaiserin im kleinen Speisesaal der Majestäten Familientafel statt.

Der König saß zwischen der Kais- rin und der Kronprinzessin, gegenüber die Königin zwischen dem Kaiser und dem Kronprinzen.

Berlin, 12. Febr. Das Königspaar von England, von dem sich der Hof und die Umgeb­ungen bereits int Schlosse verabschiedet hatten, wurde vom Kaiser und der Kaiserin zum Bahn­hofe geleitet. Auf dem Wege dorthin wurde es von einem trotz der strengen Kälte zahlreichen Publikum lebhaft begrüßt. Auf dem Bahnsteig hatten sich zur Verabschiedung eingefunden: Botschafter Goschen und Gemahlin, die Herren der englischen Botschaft, der Reichskanzler, (Ster Wolff-Metternich und Mitglieder der eng­lischen Kolonie. Die Verabschiedung der Maje­stäten war sehr herzlich. Die Monarchen küßte« einander wiederholt, ebenso küßte der König die Kaiserin auf die Wang« und die Hand. Bei der Abfahrt winkte das Königspaar den Zurückblei- benben aus dem Fenster des Salonwagens zu.

Berlin, 12. Febr. Der König und die Königin von England wurden auf der Fahrig zum Bahnhofe auch von dem Prinzenpaar Heinrich von Preußen und dem Prinzenpaar Adolf von Schaumburg-Lippe begleitet.

Berlin, 12. Febr. Der König von Gnjf« land ist heute um 5.10 Uhr nachmittags ab­gereist.

Berlin, 12. Febr. Hiesige Zeitungsmeld­ungen, nach denen der König von England einen Berliner Arzt zur Konsultation berufen und auf Anraten dieses Arzte» sich einer bestimmten Behandlung unterzogen habe, find irreführend, da irgend ein Anlaß zu solchem Vorgehen über­haupt nicht vorlag. Lediglich auf Anregung einer hcchgestellten Dame der Berliner Gesell­schaft, welche den König bat, jenen Arzt zu empfangen, hat der König diesen Herrn ein einzige? Mal und zwar in Gegenwart feines Leibarztes gesehen. Die weitere Behauptung, der König habe den Rat jenes Arztes einge­holt und feinen ärztlichen Vorschriften Folge ge­geben, sind ebenso falsch wie die Angabe, daß die Fahrt nach Potsdam und andere geplante Unternehmungen des Königs auf Anraten des Berliner Arztes unterblieben feien.

Politische Umschau.

Der sparsame Reichstag.

In dem Etat für den Reichstag hat die Bud­getkommission aus dem Voranschläge der fort­laufenden Ausgaben über 250 000 gestrichen. Diese Abstriche beziehen sich auf die Eeschäfts- bedürfnisse, Schreibgebühren usw., für die 521850 cM. angefordert waren und von denen 61190 cM, abgesetzt find, sowie auf den Ansatz für Aufwandsentschädigungen für die Reichstags­mitglieder mit 1191000 -st, die auf 1 Million <4 ermäßigt wurden.

Reichsbankgesetz-Rovelle.

Die zehnjährige Frist für das geltend« Reichsbankgesetz erreicht am 31. Dezember d. I. ihr Ende. Eine Kündigung muß spätestens am 31. Oktober erfolgen. Da jedoch die verbün­deten Regierungen auch diesmal von dem Kün­digungsrecht keinen Gebrauch machen wollen, haben sie den Entwurf einer Abänderung des geltenden Gesetzes vorgelegt, um unter Aufrecht­erhaltung des jetzigen Bankensystems durch einige Vorschriften der fortschreitenden Ent­wickelung des Verkehrs Rechnung zu tragen. Zunächst bezweckt der Entwurf, die Aktionskraft der Reichsbank zu verflärken. Die Stärkung soll durch di« Wiedereröffnung und allmähliche Erhöhung des Reservefonds, sowie durch die Erhöhung des steuerfreien Notenkontingents auf 550 Millionen Mark bewirft werden. .Wei­ter nimmt der Entwurf auf eine Sicherung des Zahlungsverkehrs Bedacht, indem et die Reichs- banknoren mit der Eigenschaft eines gesetzlichen Zahlungsmittels ausftattet. Im Zusammenhang hiermit verleiht er den Noten der noch bestehen­den vier Privatnotenbanken eine erhöhte Ver­wertbarkeit. Mit Rücksicht auf das neue Scheck­gesetz erteilt der Entwurf der R'ichsbank und den Privatnotenbanken die Ermächtigung zum Ankauf von Schecks. Er erweitert endlich den Kreis der im Lombardverkehr der Reichsbank beleihbaren Pfänder, indem et den bisher be­leihtet ren Pfa: >riefen auch die auf den In­haber lautenden Schuldverschreibungen öffent­lich-rechtlicher inländischer Bodenkredittnstitute, sowie die Kommunalanleihen und die Forder­ungen aus dein Reichsschuldbuche und den Schuldbüchern der Einzelstaaten gleichstellt. Diese Vorschrift, die auch für den Lombardver­kehr mit den Prioatnotenbanken gilt, entspricht einem längst gehegten Wunsche der Land­wirtschaft.

Militärisch« Gesetzesvorschläge in Dänemark.

Der dänische Verteidigungsminister Heergard brachte am Donnerstag Gesetzesvorschläge übet Heeresordnung, Befestigungsanlagen, über Sup-

plierung des Bestandes der Handwaffen usw. de» Fußvolks, über di« Ordnung der Marine und die Anschaffung von Seefriegsmatcrial ein, de­ren Durchführung bei Heer und Marine für das Verteidigungswesen eine jährlich« Mehraus­gabe von co. 1815 000 Kronen bewirken würde. Die Ausgaben ein für alle Mal werden sich auf 42 Millionen Kronen belaufen. In seiner Rede hebt der Verteidigungsminister hervor, d<ch Dänemark, um fein Prinzip der Neutralität durchzuführen, einer Heer- und Marineverstär- kung bedürfe.Denn", meint er,es ist in der Entwicklung des letzten Menschenalters di« Wahrscheinlichkeit, daß die dänischen Gewässer bei einem zukünftigen Kriege zwischen den euro­päischen Großmächten der Schauplatz ernster Kämpfe sein werden, bedeutend näher gerückt."

Aus dem Reichstage.

Die zweite Beratung des State vom Reichs­amte des Innern wurde heute zum achten Male fortgesetzt. Man erfuhr zunächst von der Bereitwil- ligeit der Regierung zur Pflege des Obstbaues und der Herausgabe eines Jahrbuches für dessen Inter­essen. Als zu niedrig wurde der Betrug von 61 310 000 tiJtBelastung des Reiches auf Grund de» Jnvalidenversicherungsgesehes" vom Abg. Stabil,ageu (Soz.) bezeichnet, daran Klagen über Aerzt» knüpfend, die Invalide gar zu leicht wieder arbeits­fähig schrieben, Seine Behauptung, daß diese Aerzt« ihr Gutachten im Sinne dessen abgäben, der sie be­zahlt, nennt der Abg. v. Oertzen (Reichsp.) unerhört. Verbesserungsbedürftig sei allerdings manches. Hof­fentlich werde das Jnvalidengeseh im Sinne de» Bundesregierung und des Reichstags ausgeführt werden. Abg. Cuno« (frs. Vp.) stimmte dem Vor­redner tn der Klage über bürokratische Handhabung der Versicherungsgesetze bei und forderte wohlwol­lendere Behandlung der Invaliden. AuS einem Posten von 100 000 M sollenAufwendungen für Einrichtungen und Veranstaltungen" gedeckt werden, »welche allgemeinen Interessen des deutschen Handels und Gewerbes dienen". Anregungen des Abg. Everling (natl.), aus ihm Handwerkcrschulen z» unterstützen, werden von den Abg. Gothein (frs. Vg.) und Erzberger (Ztr.) grundsätzlich' bekämpft. Abg. Frhr. v. Gamp (Reichsp.) wies, seiner AnsiO nach in Üebereinstimmung mit den Anschauungen de» Reichstages bei Anregung und Schaffung des Titel», diesem Fonds zunächst andere Aufgaben zu. Einer Beschwerde des Abg. Schiffer (Ztr.) über die Ueber- flutung unserer Hochschulen durch Ausländer pflich­tete er dadurch bei. daß er als selbstverständ­lich die Berücksichtigung der Bedürf­nisse der Inländer in die vorderste Reihe stellte. Die Ausländer mindestens so gut als die Inländer, auch in de« Laboratorien usw., zu stellen, bedeute doch schließlich, dem Auslande die Waffen in die Hand geben, unsere Weltmarktstellung zu erschüttern. (Beifall.) lieber die Ausländer­frage entspann sich nochmals das scharfe Für und Wider zwischen den Abg. Gothein (frs. Bg.), Dove (frs. Vg.). Franke (Soz.), Dr. Stengel (frs. Vp.), Schiffer (Ztr.) und Kreth (Ztr.) Dieser und an­dere Titel wurden genehmigt, ebenso eine Resolution, worin ein Disziplinargeseh für Reichsbeamte gefor­dert wird. Die Zeitungsmeldung wurde vom Di­rektor v. Jonquiöres dementiert, toonach das Obersee­amt in ein Reichsschiffahrtsamt umgeändert werden solle. Beim KapitelStatistisches Amt" wurde über die Forderung gleichmässiger Dauer der diäta­rischen Befchäftigung und die Technik der Statistik ge­sprochen. Abg. Legien (Soz.) wiederholte seine alte Forderung, zu den statistischen Erhebungen über Streiks und Aussperrungen die Gewerkschaften hinzu­zuziehen, stellte zugleich aber Bedingungen für die Mitarbeit der Gewerkschaften, die der Staatssekretär Tp. V. Bethmann Hollweg mit überlegenem Sarkas­mus abwies. Der christliche Gewerkschaftsführer Giesbert» (Ztr.) gab dem Staatssekretär insofern Recht, als er die Streikstatistik der freien Getverk- fchaften als nickt einlvandfrei bezeichnete. Mini­sterialdirektor Caspar stellte eine baldige Berg- arbeiterftatistik auf Grundlage der bundesstaatlichen Statistik in Aussicht, wahrend Unterstaatssekretär Wermuth einer gleichmäßigen Behandlung aller Diä- tare wegen der Verschiedenheit der Anforderungen der einzelnen Ressorts und wegen dec Unmöglichkeit des allgemeinen Austausches der Diätare für nicht durchführbar erklärte. Der Pole Abg. v. Czar- linski beschlverte sich sogar darüber, daß die Masuren und Kassuben besonders gezählt werden, er wolle sie zu den Polen gestellt wissen. Im Anschluß an den Streit über die Ausstaudsstatistik wurden endlich Arbeitskammcrn als unparteiische Organe zur Be­schaffung der Unterlagen genannt. Schließlich wurde das Kapitel mit den Anregungen genehmigt. Meh- tcre Kapitel wurden ohne Besprechung mit den Ab­strichen der Kommission bewilligt. Der TitelBu­reaupersonal des Reichsamtes des Innern" wurde bei der Auszählung mit 119 gegen 100 Stimmen an die Budgetkommission zurückverwicsen, da der Staats­sekretär eine bestimmte Erklärung, die achtstündige Arbeitszeit für das Reichsamt des Innern und die ihm Nachgeordneten Behörden einzuführen, nicht ab­geben konnte. Die Weiterberatung wurde auf Samstag 11 Uhr vertagt.

=IH.I j ------

Aus dem Abgeordnetenhause.

In der gristrigen Sitzung des Abgeordnetenhause» entspann sich über das Kapitel Amts- und Landgerichte eine lange Debatte, an der n. a. bk «bg. Tourneau (Ztr.), Keil (natl.), Schiffer <natft), Cassel (fts. Vp.), DiuSlage (Ztr.) und Dr. Waldstein (ftf. Bg.) teilnahmen. Sie erstreckte sich I

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