Einzelbild herunterladen
 

44. Jahrg.

Druck und Verl

Drittes Blatt

u:

Di« InsertionSgebühr bekamt für bie 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig.

Zunftwesens.

Von L. Müller.

'Fortsetzung.»

welcher seit vorigem Samstag wegen Brücken­einsturzes bei Herchen infolge Hochwassers zwi« chea den Stationen Au-Herchen eingestellt war, wird am 12. d. M. durch Umsteigen am Her- chener Tunnel wieder ausgenommen^

wurden zum 1. Juli d. I. zunächst nur 900 Mann aufgestellt; mit einer monatlichen Vermehrung von 60 Mann hofft man bis zum 31. Dezember d. I. auf 1200 Mann zu kommen. Für diese werden im laufenden Etatsjahr 1253 882 Frcs. in Rechnung gestellt.

Was endlich noch die Dislokation des gesam­ten mobilen Eendarmeriekorps anlangt, so sollen nach Paris 600 Mann, nach Lillc 300, nach Mar­seille 250, nach Nancy 200, nach Limoges 150 und nach Brest, Lorient, Bordeaux, Montpellier und Saint-Etienne je 100 Mann kommen. Die Halst« aller Leute sind zu Fuß, die übrigen zu Pferde.

Elasjchränkchen hing. Wo Brüderschaften be­standen, hatte der fremde Geselle ein gewisses Zeremoniell seiner Innung auf der Herberge streng« zu beachten. Der Zimmermann muhte erst dreimal anklopfen, dann erst rief der Her­bergsvater:Herein?" Das Felleisen wurde stets auf die Bank gelegt, daß die Bänder nach der Wand zu stehen kamen. Der Zugereiste setzte sich daneben und behielt den Hut auf dem Kovfe, und so blieb er sitzen mit zugeknöpftem Rock und dem Stock in der Hand, bis der Alt­geselle erschien und zu ihm sagte:Mach Dirs comode", wobei er ihm «inen Trunk überreichte.

Die Brüderschaften der Handwerksburschen von damals sind mit den Verbindungen der Uni­versität zu vergleichen. Gerade wie die Nicht­verbindungsstudenten von den anderen über die Achsel angesehen wurden, so erging es denjeni­gen Handwerksgesellen, welche einer bestehenden Brüderschaft nicht beigetreten waren. Der Alt­geselle mit zwei Beisitzern führten bei Versamm­lungen den Vorsitz. Die entstehenden Unkosten d«r Gesellen, welche durch das Ausschenken aus der Herberge an Fremde veranlaßt wurden, nannte manAuflage" und die Zusammen­künfte bei offener Lade nannte manGebot", das regelmäßig jeden Monat stattfinden mußte und wo der Altgeselle ein strenges Zeremoniell beobachtete. Wer etwas vorbringen wollte, sagte:Also mit Gunst und Erlaubnis?"

Waren die Gesellen zur bestimmten Zeit auf der Herberge erschienen, so wurde die Lade auf den Tisch gesetzt, von welcher der Herbergsvater den «inen und der Altgeselle den änderen Schlüssel hatten; sie wurde geöffnet, wobei der Altgeselle dreimal auf den Tisch klopfte. In der Lad« waren Büchse und Bücher verwahrt. Der Altgeselle redete die löbliche Brüderschaft an: Es trotze, fluch«, schwöre mir keiner von öffcnt* kicher Lade ee gehe mir keiner in der Stube auf und ab spazieren, es trete mir sogleich der

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Von der Werra, 11. Febr. Von den drei Kindern, die bei dem Hochwasser der Werra am letzten Freitag in Eroßenburschla beim Zu­sammenbruch der Flutbrücke ins Wasser stürzten und ertranken, sind gestern die beiden 7 und 13 Jahr« alten Söhne des Handelsmanns Wil- .helm Flügel nicht weit von der Einsturzstelle mit zusammengefaßten Händen aufgefunden worden. Die Knaben sind beim Einsturz der Brücke sofort von den nachstürzenden Massen verschüttet worden und so unter der Brücke liegen geblieben. Der Vater der verunglückten Kinder befindet sich noch außerhalb auf Han­delsreisen und weiß noch nichts von dem ihm widerfahrenen Unglück. Es fehlt nun noch die Leiche des 13jährigen Sohnes des Landwirts Hohbach, die bis jetzt noch nicht aufgefunden worden ist. , _

Arenshausen (Eichsfeld), 11. Febr. Das Dorf Arenshausen bietet noch immer ein grauenvolles Bild der Verwüstung,' am ärgsten mitgenommen ist der Friedhof, wo Gräber ein­gesunken, die Denkmäler zum Teil umgewor­fen und die Mauer eingestürzt ist.

Giehen, 12. Febr. Die Stadtverordneten­versammlung bewilligte gestern 584 000 M zum Bau zweier neuer elektrischer Straßenbahn- Linien vom Bahnhof zur Kaserne bezw. zum neuen Friedhof, sowie 228 000 für die Er­weiterung des städtischen Elektrizitätswerkes.

Wiesbaden, 11. Febr. Eine Arbeiterfrau fand auf dem Bürgersteig «in Körbchen mit 148 000 <M. in Wertpapieren. Sie ermittelte die Finderin, eine alte Dame, und erhielt ihr« Ehrlichkeit mit 5 Pfennig belohnt. Die Frau verlangt jedoch den ihr nach dem Gesetz­buch zu stehenden Betrag von etwa 1500 <M, als Finder lohn uns wird die Sach« vor Gericht zum Austrag bringen.

Mainz, 10. Febr. Zur Teilnahme an dem am 15. und 16. März stattfindenden 100 jähri­gen Stiftungsfeste des hier garnisonierenden 87. Infanterie-Regiments soll den Beamten und Arbeitern der Staatsbetriebe, die dem Regi­ment angehört baben, Urlaub erteilt werden.

Siegen, 11. F«br. Die Betriebsinspektion Betzdorf teilt amtlich mit: Der durchgehende Personenverkehr auf der Strecke Betzdorf-Köln,

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage

Aus der Blütezeit desHandwerksburschenledens und des

Unpolittsche Tagesnachrichten.

Berlin, 11. Febr. Durch einen raffinierst«« Schwindel wurde eine Anhängerin der Gesund­beter-Gemeinschaft um über 40000 Mk. betro­gen. Die Betrügerin, die erblindete 68jährige ftühere Ballettänzerin Karoline Meier wurde gestern aus dem Zuchthause vorgeführt und von der Strafkammer zu einer Zusatzstrafe von einem Jahre Zuchthaus, ihr Reffe wegen Bei­hilfe zum Betrüge zu einem Monat Gefängnis verurteilt.

Magdeburg, 11. Febr. Die Stadtverordnete« wählten Städtsyndikus Dr. Arnold-Göttingen zum besoldeten Stadtrat für Magdeburg.

lag: Joh. Aug. Koch, UnioerlltätSbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 3t Telephon 55.

unter dem linken Arm war ein Schnupftuch sichtbar und mit der rechten Hand wurden Hut und Stock, der letztere am kleinen Finger am Riemen, gehalten. Die Seifensieder trugen das Bündel auf dem linken Arm, das Taschentuch legten sie in den Hut, der in die linke Hand zu nehmen war, während der Stock in zwei Hän­den frei vom Boden emporzuheben war. Bei den Uhrmachern, den Klempnern, den Tuch­machern und den Glockengießern und bei den Schwägern betrug das Geschenk, das sie beim Umschauen erhielten, vier bis zwölf Groschen, Im Fall«, daß Arbeit vorhanden war, gab es nichts. Bei dem Zureisen in eine Stadt winkte dem Handwerksburschen das Schild derjenigen Zunft entgegen, für welche die Herberge be­stimmt war. Sehr oft waren «ine Anzahl Her­bergen vereinigt. Die Bäcker führten eine von zwei Löwen gehaltene Bretzel im Schilde, die Metzger «ine Bankschabe mit dem Krummholz, die Schuster «inen Kurierstiefel, die Hutmacher einen Hut, die Horndreher ein« Pfeife, die Klempner «ine achteckige Laterne, die Seiler ein Rad mit zwei kreuzweisen Haken, die Buchbin­der ein Buch, die Schlosser einen deutschen Schlüssel, die Nagelschmiede zwei Stiefeleisen, die Schmiede ein Hufeisen mit zwei kleineren an den Stollen hängend, die Sattler einen Sattel, die Tischler einen Hobel, die Glaser ein buntes Fenster, die Wagner ein Rad, die Küfer ein mit Trieb«! und Schläger umgebenes Faß, die Zimmerleut« hatten eine Schrotsäge, Winkel­eisen und Bundart ohne Stiel; die Maurer sieht man mit einem Richtscheit, Hammer und Kelle, Setzwage, Loth, Fläche und der Spitze im Schilde. Andere Zünfte hatten gar kein Schild, wie bie Seifensieder und Schneider, die doch sonst temx viel im Schilde führten. Wie außen. so netzuch sich bei den Schneider« das­selbe Schild te der Herbergsstube, an dem »Schneiderherberge- stand und das in einem

Die Organisation der mobilen Gendarmerie in Frankreich.

Die von der Deputtertenkarnrner in der Stärke von 2000 Mann bewilligte mobile Een- darmerietruppe ist vom politischen und militäri­schen Standpunkt von gleich hohem Interesse «nd eine Organisation, die voller Beachtung und »ielleicht auch der Nachbildung wert erscheint. Richt ganz richtig ist es allerdings, wenn man von einer ganz neuen Einrichtung spricht, denn bereits durch Gesetz vom 13. März 1875 war ein mobiles Gendärmeriekorps aufgestellt worden. Dasselbe erfreute sich jedoch keines langen Be­standes, da es schon am 28. März 1885 wieder aufgelöst wurde, nachdem die Kammer keine wei­teren Mittel für die Aufrechthaltung dieses Korps hatte bewilligen wollen. Nachdem die Truppe aber einmal bestanden hatte, wäre es nun ein leichtes und an sich auch das einfachste gewesen, wenn man dieselbe jetzt, nachdem eine Einigung über ihre prinzipielle Neuorganisation im Parlament erzielt war, durch ein einfaches Dekret wieder ins Leben, zurückgerufen hätte. Augenscheinlich aber wollte man der ganzen Ein­richtung diesmal mehr Bedeutung beigelegt wissen und ihr von vornherein ein zuverlässige­res Geleit mit auf den Weg geben als ehedem, »nd deshalb griff man zur Gesetzesvorschrift an Stelle des Dekrets.

Den Grund zur Neuaufstellung bet mobilen Genbarmerie hat in der Hauptfach; bie Beobach- kutzg ergeben, daß es in den letzten Jahren «rederholt vorgekcmmen war, daß Truppen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung hat­ten herangezogen werden müssen. Denn in sehr vrclen Fällen hatten sich die lokalen Sicherheits­organe, die Ortspolizei wie die Gendarmerie in ben Departements der Zahl nach für ihre Auf­gaben als völlig unzureichend erwiesen, und wenn dann einmal in besonderer Notlage die Gendarmeriemannschaft aus mehreren Departe­ments in genügender Stärke an bedrohter Stelle zusammengezogen worden war, so hatte das im­mer den Nachteil, daß daraus große Kosten ent- standeü, daß diese Organe auf solche Weise in ihren eigenen Bezirken oft für unberechenbar lange Zeit fehlten, daß sie in den neuen Ver­hältnissen sich erst zurecht finden mußten und weder ihre Kameraden noch ihre Vorgesetzten kannten, was wiederholt arge Unzuträglichkeiten zur Folge gehabt hat. Außerdem soll es aber doch in der Bestimmung der Gendarmerie liegen, i« erster Linie durch sorgfältige Wachsamkeit und stete Aufmerksamkeit innerhalb ihrer Be­zirk« Ruhestörungen und Ausschreitungen bei­zeiten entgegenzutreten und aus diese Weise «inen so starken Schutz für die öffentlich« Sicher­heit zu bieten, daß dazu militärische Hilfe über­haupt nicht in Anspruch genommen zu werden

Vermischtes.

Ein schlechter Deutscher, wenigstens der Ortho­graphie nach, ist ein junger Vaterlandsverteu diqer aus der Nähe von Haltern i. W., der tm vorigen Herbst beim Militär eintrat und nun folgenden Brief schrieb:Libbe Eltern? Ich Greife die bleifeter, um auch Liebe Eltern einige forte zu schreiben. Ich sarte feien tag auf «inen Brif ob ihr meine fottograsi erhalten habt Und morgen feiern wir Kcissergeburstag aber wir fönen -ms nich fit erlauben den unser brust- bautl ist Krank bas er die schsinsugt hat Sonst des noch beim alter Und schickt bald ein backet schreibt tog bald wider Joseph. Wenn Joseph mit seinen Dienstvorschriften auch so aus dem Kriegsfuß steht, wie mit der deutschen Sprache, bann dürfte er nicht aus dem Arrest heraus­kommen.

Ein Unfall bet Adele Sandrock. In der kurz, lichen Nachmittagsaufführung derMedea" in ben Kammerspielen des Deutschen Theaters m Berlin wurde Adele Sandrock als Trägerin bet Titelrolle in der ergreifenden Szene des dritten Aufzuges, in der sie von Jason vergeblich die Herausgabe ihrer Kinder fordert, von einem schweren Ohnmachtsanfall betroffen. Die Künst­lerin hielt bis zum Niedersinken ihre Szene so bewundernswert aufrecht, daß das Publikum kaum imstande gewesen sein dürfte, Dichtung und erschütternde Wahrheit voneinander zu scheiden. Die Vorstellung konnte, derVoss Ztg." zufolge nicht zu Ende geführt werden Unter tiefem Schweigen leerte sich der Zuscyauer raum. Hoffentlich wird die Künstlerin sich ball wieder von dem Unfall erholen.

Der dick« Schorsch. In Fr.-Crumbach start der Gastwirt Röder nach kurzer Krankheit im Atter von 52 Jahren. Er war in den weitesten Kreisen als derDicke Schorsch" bekannt; «im außergewöhnlich umfangreich« Persönlichkell von 443. Pfund Gewicht und stets bei gutem

.braucht. Voraussetzung ist hierzu naturgemäß, daß die Gendarmerie auch numerisch in der Lage ist, die ihr zufallenden Aufoaben zu lösen. W<- dies nicht der Fall war, da mußte, wie ge­sagt. bas Militär einschreiten, und das brachte stets große Nachteile mit sich. Einmal mußte die Truppe i« zahlreichen Fällen sofort scharf zugreifen, um die Ordnung schleunigst wieder­herzustellen und der bedrängten Zivilobrigkeit wirksam zu helfen. Ganz unvermeidlich aber wurde bi« Armee dadurch in bie Politik mit hineingezogen, fie war wiederholt scharfen An­griffen in der Presse ausgesetzt, die zu Konflitten und polemischen Erörterungen unliebsamer Art führten. Vor allen Dingen aber wurden die Truppen durch beiartige Kommandos von mit­unter langer Dauer ihrem Hauptzweck, der mili­tärischen Ausbildung, entzogen, und da diese nun auch noch durch Einführung der zweijähri­gen Dienstzeit sowieso nicht unerhebliche Ver­kürzung erfährt, lag es auf der Hand, daß na­mentlich seitens der Militärbehörde angestrebt werden mußte, die den Dienstbetrieb störende Verwendung bei Truppen zu polizeilichen Zwecken für die Zukunft aus der Welt zu schaf­fen. Die Neuorganisation der mobilen Gen­darmerie ist daher auch im wesentlichen das Werk des Kriegsministers, dem diese Truppe unterstellt wird und bet über bie Verwendung, ihre Rekrutierung und den Pferdeersatz in letzter Linie zu entscheiden hat. Anfänglich lag die Absicht vor, diese Gendarmerie mit denjenigen in den Departements und der Garde republi- caine in Paris zu einem großen Korps zu ver­schmelzen und dasselbe dem Minister des In­nern zu unterstellen. In letzter Stunde hat man jedoch diesen Gedanken wieder fallen gelassen, hauptsächlich auf Betreiben des Kriegsministers, der geltend machte, daß bann für bie Verwen­dung der mobilen Gendarmerie unter Umstän­den die gleichen Mißstände eintreten würden, wie sie gegenwärtig bei bet Kolonialarmee lie­gen. bie bald vom Kriegs- und Marineminister ober vom Ministerium bet Kolonien in Anspruch genommen werde. Der Kriegsminister hat es auch in bet Hand, in bet Weise übet bie mobile Gendarmerie zu verfügen, daß, wenn ihre Zu­sammenziehung an bestimmten Punkten bei Streiks ober dergleichen nicht notwendig ist, sie in ruhigen Zeiten auch für ben Sicherheitsdienst zur Unterstützung bet Ortsgendatmerie, zur Be­wachung von Militär- und Zivilgefängnissen oder zur Aufrechterhaltung der Ordnung in Ee- richtsgebäuden Verwendung finden darf.

Die Stärke des mobilen Eendarmeriekorps von 2000 Mann soll nur eine vorläufige sein. Bewährt sich die ganze Einrichtung, so sollen weitere Mittel zur Vermebruno dieser Truppe angeforbert werden. Die jährlichen Kosten für das ganze Korps sind jetzt auf 3 400 000 Francs berechnet, wozu noch im Laufe von Jahren 2 750 000 Francs für Pensionen hinzutreten. Da es vorläufig noch an Kasernen und passen­den Räumlichkeiten in den verschiedenen Orten zur Unterbringung von 2000 Gendarmen fehlt,

Die Meister dieser Innungen redeten die Gesellen mitDu" an, und war unter den Ge­selle« diesesDu" auch eingeführt. Auf bet Straße ober auf der Herberge tiefenbie Schwager" einander ein kurzesHui Schwager" ftu. wobei jedesmal die rechte Hand salutierend übet das recht« Auge zu legen wat. Wenn sich fremde Bäckergesellen begegneten, so tief bet erste:Hui Schütz!" und der andere antwortete: Löwenschütz!" Die Bücket führten nämlich einen doppelten Löwen im Wappen. Di« Metz­ger begrüßten sich einander mit:Katzoff!" Worauf mit dem ebenfalls von dem Juden­deutsch entlehnten WorteKen" (Ja) geant­wortet wurde. Von den Schuhmachern ging die Rede, daß fie ein zu Krawallen geneigtes, auf ihr Metier stolzes Volk sei und die raffinierte* ften Schnupfet wären. Unter ben Fettlappen, den Tuchmachern, gab es gemütliche Leute, ober Knappen, die manWullknapp" nannte. Die Schneider, die ja selber dem Kaiser und den Königen auf den Leib tarnen, natürlich im An- messen, gaben vielfach Anlaß zu Spott und Hohn, man sagte von ihnen, daß sie bei ver­schlossenen Türen auf der Herberge um einen Tisch säßen, über dem an einer Schnur ein Häring hing. Diesen setze der Altgeselle in Be­wegung wo sich bann jeder bet am Tisch sitzenden bemüht«, mit dem Mund ihn zu schnappen.

Die Schwäger hatte«, wenn sie nach Wtbeit «mschauten, in vollem Ornat zu erscheinen Bei ben Färbern mußte bet rechte Riemen feines Bündels um die links Schult? gelegt werden,

jüngste Bursche vor die Tüte und verwahre mil bet Hand das Schloß, damit niemand hineir und hinaus kann, bevor er gemeldet ist, bei Buße?" Hatte bei diesem Gebot bet eine oder andere eine Klage gegen ben Altgesellen ode, einen anderen vorzubringen, was sich m der Ehre nicht geziemte, so wurde eine Umfrage angestellt, und wer die Klage vorgebracht hatte, erhob sich mit den Worten:Also mit Gunst und Erlaubnis bin ich aufgestanden". Dann brachte «r seine Beschwerde vor, wo ein förmliches Ge­richt gehalten wurde, wobei der jüngste Jung, geselle die Funttionen des Gerichtsdieners z« übernehmen hatte. Wer schuldig befunden, wurde gebüßt, und die Buße vertrunken.

Bei ben Bauhandwerkern, besonders bei ben Schlossern, auch bei den Schmieden, kam es oft vor, daß es «ine Forderung gab, die in ben Wor­ten bestand:Jetzt hast Du es mit mit zu tun!" Abends nach 1 Uhr versammelte man sich bann in einem der Polizei nicht zugänglichen Raum« der Herberg«. Hier stellten sich bet Angeklagte mit seinem Gegner gegenüber- der Geforderte mußte ben ersten Schlag mit bet Faust auf den Kopf aushalten, und bann gings Schlag auf Schlag, bis einer der beiden zusammenstürzte und Blut floß und dieser sich mit dem Worte Frieden" für besiegt erklärte. Die übrigen Ge­nossen standen im Kreise herum und sahen mit zu. Trotzdem betblaue Montag" bei ©efäng« nisftrafe streng verboten und der Wirt mit har­ter Strafe 6ebrof)t war. Getränke zu geben, wurde doch mindestens am Nachmittag bum gemacht. Es gab sogar manche, welche die halbe Woche nicht arbeiteten.Schwänzen" hieß bat fürchterliche Wort, mit dem drei Bruderschaften eine Stadt in Verruf erklärten, wenn ans irgend einem (5tv.be mit ben Meistern ei« Konflikt entstand. Diese Kunde ging wie ei« Lauffeuer durch ganz Deutschland.

(Fotffetzung folgt.) ; '

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische

no Zeitung" bei allen Postämtern und itm'etn Zeitungsstellen in JytwlvUlQ

« 1» 08 Kirchhain und Wett er sowie bei unserer Expedition Markt 31. .

Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne SOttlttGO 14 Februar 1909.

Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk. CWIUWm, __________