und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Benage."
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Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberbessische Zeitung" bei alle«Postämtern und unsera ZeitungSi'tellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die'Volt 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unser« ZeitungSstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Sonnabend. 13. Februar 1909.
Die JnsertionSgebLbr beträgt für die 7gespalte«e Zeil« oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttätSbuchdruckeret Inhaber Dr. L. H itzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg<
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sagte sie.
Sehr bezeichnend ist es auch, baß der „Vor- lvärts" schreibt: „Auf dem Wege (bet Demonstranten) kamen einige kleine Ausschreitungen oor. Bon einzelnen Wagen, besonders von Om- nibuflen. wurden die Fahnen heruntergeriflen. Dadurch entstand oftmals ein Lärm, der ängstliche Gemüter erbeben machte, der aber ebenso schnell vorüberzog und weiter keine Folgen hatte, als dah einige Fahnenstöcke zerbrochen und etwas Fahnenzeug zerrissen wurde." Eine rndere Episode aus den Strassendemonstrationen schildert der „Vorwärts" wie folgt: „Vorn an »er Spitze des Zuges wehte mit einem Male („spontan"?) eine Fahne, deren leuchtendes )lot sick> hell und freundlich vom dunklen Massenzuae abhob. An der Alten Schönhauser Strasse, Ecke Lohtringer Strasse, erlitt der Zug rine kleine Störung. Dort sprang ein Mann in sie Menge, entriss dem Träger die Fahne und wollte diesen — arretieren. Die Fahne wurde dem Biedermanns wieder abgenommen, wobei er allerdings einige fühlbare Liebesbe'zeugun- gen in Kauf nehmen mutzte." Dieser „Biedermann" war ein Kriminalporizist, und das Entrollen der roten Fahne war ein Zeichen des Aufruhrs, den der „Vorwärts" durch seine schöne Schilderung noch nachträglich billigt.
Es bleibt für die Negierung zu erwägen, ob
Der Heutinen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 12.
„Was wird der Vater sagen, wenn ich ihm so unter die Augen treten werde," dachte sie. „Er wird mich kaum wiedererkennen. Aber mein Anblick wird ihn mild« und mitleidig stimmen. In meinen trüben Augen und bleichen Wangen wird er den Kummer und die Angst lesen, die ich seinetwegen ausgestanden, und er wird mir verzeihen."
Frau Josnes kam mit einem Tablett, auf welchem sich Brot, Butter und Eier befanden, zurück.
erwiderte in deutscher Sprache. Nach der Tafel liess sich der König mit dem Offizierkorps auf der Veranda photographieren. Der Aufenthalt behagte dem König so, dah er etwas über die festgesetzte Zeit blieb. Der König verlieh den Offizieren des Regiments Ordensauszeichnungen. Das vor der Kaserne versammelte Publikum begrüßte den König lebhaft. — Von der Kaserne des ersten Earderegiments begab sich König Eduard nach dem Kaiser Friedrich-Museum, wo sich auch die Königin, die Kaiserin und der Kaiser einfanden. Geheimrat Bode führte die Majestäten und wies auf die Hauptstücke der Sammlungen hin. Das englische Kö- nigspaa» gab seiner Bewunderung Ausdruck über die eigenartig schöne Einrichtung der Säle und die Aufftellung der Kunstwerke. Heute abend 7 Uhr findet bei dem Kronprinzenpaar Familicntafel statt, an der das Kaiserpaar, das Königspaar von England und andere teilnehmen. König Eduard verlieh den Herren des Ehrendienstes Ordensauszeichnungen. Eeneral- adjutant v. Loewenfeld und Oberst v. Bitter wurden durch wertvolle Geschenke ausgezeichnet.
Berlin, 11. Febr. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Bei dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes und Freifrau v. Schön fand heute ein Frühstück statt, wozu der grotzbritannische Staatssekretär für die Kolonien Earl of Creve und der Unterstaatssekretär des englischen Aus- wättigen Amts Sir Charles Hardinge geladen waren, sowie ferner der grotzbritannische Botschafter Sir Edward Goschen, Botschaftsrat Graf von Salis, der Herzog von Trachenberg, der Vizepräsident des Staatsministeriums Staatssekretär von Bethmann-Hollweg, Staatssekretär Dernburg, Oberbofmeister Graf v. Seckendorfs, Botschafter v. Holleben, Graf Metternich, der Gesandte v. Kiderlen-Wächter, Uilterstaatssekre- tär Stemrich, die Reichstagsabgeordneten Gesandter v. Di-ksen. Freiherr Heyl zu Herrnsheim, Generalkonsul v. Schwabach und mehrere Herren des Auswärtigen Amtes.
„Es war niemand, aber ich habe Ihnen einen kleinen Zmbih mitgebracht/
sie derartigem frivolen Treiben nicht energischer entgegentreten will. Der freisinnige Abgeordnete Naumann wird hiermit zwar nicht einverstanden sein, der erst ttirzlich solche De- monstrattonen in noch größerem Umfange wünschen, sie wird aber doch auf Verständnis bis weit in die Kreise der Linken hinein rechnen können.
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
(Fortsetzung.)
„Wat Herr von Alincoutt noch nicht hier?" fragte Desiree, die kaum zugehött hatte. „Ich meine den Herrn, der mich hierher gebracht
„Nein, liebes Fräulein. Er wollte ja zu den 20 lern hat er gesagt. Aber, lieber Gott, wo stehen die? Der Herr Oberst Lancier, dem sie heule die Füsse zuerst aus diesem Zimmer getragen haben, sagte, die 204er hätten tapfer gejochten. Aber viel wären von ihnen nicht mehr übrig. Ach, liebes Fräulein, wenn man daran denkt, wie viel Menschen sterben müssen in bie» fe?: schrecklichen Kriege! Es ist schabe um alle, Freund und Feind. Auch Bayern habe ich im Quartier gehabt, aber die waren lauter gute Leute und gesund, trotzdem sie ebenso viel mitgemacht hatten wie unsere Soldaten."
„Horch, ging da nicht die Türe? Es kam jemand," sagte Desirettz zusammenfahrend.
„Ich habe nichts gehört, aber ich will nachsehen," sprach das Mütterchen und ging hinaus. Der Luftzug warf hinter ihr bie Stubentür ins Schloss. Auf der Kommobe, über welcher ein Spiegel hing, fiel ein Nippesfigürchen um unb Scheich ein Bild welches daran gelehnt hatte.
siiee erhob sich und stellte beides an seinen Platz. Das ungewisse Lichft fern von der Lampe, liess sie das Bild nicht gleich erkennen. Eine Frau war's in Hellem Kleide, das sah sie mit flüchtigem Bfick. Während sie die Karte aus der Hand gab, schaute sie in den Spiegel. Wie sah sie blaß und entstellt aus!
- Neue Straßendemonstrationen.
Der Tag, an dem das englische Königspaar «I» Gast unseres Kaisers in die Reichshauptstadt feierlich einzog, war von dem fozialdemo- trattschen Akttonskomitee dazu ausersehen, Arbeitslosenversammlungen mit daran geknüpften Strassendemonstrationen zu veranstalten. Für solche Veranstaltungen kann die Berliner Sozialdemokratie stets auf einen festen Stamm unternehmender Proletarier rechnen. So traten auch diesmal einige Tausend Arbeitsloser — vielleicht zum Teil auch Arbeitsscheuer — an, um sie „Eroberung der Straße" mit der bei den vorjährige« Demonstrationen begonnen worden war. fotizusetzen.
Zum Besuch König Eduards in Berlin.
Berlin, 11. Febr. Das englische Königspaar besichtigte heute mittag mit'dem deutschen Kaiserpaare den Königlichen Marstall. Alsdann begab sich der König mit Gefolge und Ehrendienst zum Frühstück nach der Kaserne des 1. Earde-Dragoner-Regiments Königin von Erohbritannien und Irland.
Berlin, 11. Febr. Vom Aufenthalte des . Königs Eduard bei den 1. Garde-Dragonern ist Diesmal hatten die Strassenumzüge schon noch zu melden: Während der Tafel bankte der einen ernsteren Charatter als bisher. Vater- I Kommandeur, Major v. Bärensprung, dem Kö- landsfeindliche Gesinnung und Zerstörungstrieb I nig für sein Erscheinen und brachte ein drei- tomen zum Durchbruch. Wenn sich diese Ee- | faches Hurra auf den König aus. Der König finnung auch nur durch Herabreitzen und Zer- 1 " - - - - - ----
stören vieler Fahnen von Omnibussen und Häusern bemerkbar machte, so war das doch ein vielversprechender Anfang, bei dem es nicht bleiben dürfte, wenn der sozialdemokratische Aktionsausschuss zur Anb.eraumung weiterer De- monstrattonen schreiten sollte. Der „Vorwärts" sucht — wie früher schon — zu verbreiten, die Stratzendemonstrationen seien diesmal nicht geplant gewesen, sondern „spontan" zustande gekommen. Wer soll das glauben? Schon das Herunterreißen der Fahnen in verschiedenen Teilen der Stadt von verschiedenen Demonstta- ffonszügen lässt die Ausgabe einer gemeinsamen Parole deutlich erkennen.
„Nehmen Sie Platz, genießen Sie etwas, Sie müssen ja hungrig fein.“
Desiree trat vom Spiegel zurück und fetzte sich an den Tisch. Sie versuchte von den Schnitte« zu essen, welche ihr die Wirtin vorlegte. Aber bie Ungebulb, welche in ihren Adern tobte, die Ueberreiztheit ihrer Nerven liess wirttichen Appetit nicht aufkommen. Nach vergeblichen Versuchen schob sie den Teller von sich und stützte den Kopf, der sie schmerzte, mit der zitternden Hand.
„Beruhigen Sie sich doch, Fraulein," bat die Alte. „Ihr Bräuttgarn wird schon kommen."
„Der Herr Graf ist nicht mein Bräuttgarn," wehrte das Mädchen ab, „er steht mir gänzlich fern."
„Doch der Herr hat Sie gewiss sehr gern und will es bloß nicht sagen. Er hat mir auf die Seele gebunden, Sie ja recht zu pflegen, als et forging. Und Geld hat et mit auch gegeben, einen ganze« Louis, damit es Ihne« an nichts fehle."
„Das Geld dürfe« Sie nicht behalten!" fuhr Desiree auf. „Ich bin wohlhabend genug, um meine Pension bezahlen zu können."
Politische Umschau.
König Eduard
hat dem Reichskanzler Fürsten von Bülow seine Bronzebüste und die Bronzebüste der Königin zum Geschenk gemacht.
Bom deutsch-französische« Abkomme«.
Petersburg, 10. Febr. Die offiziöse „Rossija" veröffentlicht morgen einen, das französisch-deutsche Abkommen kommentierenden Artikel. Derselbe begrüßt das Abkommen auf- ttchttg, weil es für Rußland wie für andere Mächte seht erfreulich ist, daß aus der Politik der Anlaß zur Beunruhioung und zu Mißverständnissen beseitigt ist, den die Marokkopolitik biete. Die „Rossija" meint, bi» deutsch-französische Erklärung bezwecke, dass bet Zweck des Al- geciras-Vertrages. nämlich die Schaffung einer neuen, dauerhaften internationalen Lage im scherififchen Reiche, erreicht ist und dass die aufrichtige und foloerichtige Handlungsweise Frankreichs in bet Marokko-Angelegenheit auch von Deutfchlanb anerkannt wirb, welches zweifellos nicht weniger eine aufrichtige unb freunbschaft- liche Lösung der zwischen ihm und Frankreich in Marokko aufgetauchten Fragen wünsche. Die Beseitigung des Anlasses zu Meinungsverschiedenheiten, schließt die „Rossija", muss auch den beiden Mächten die fernere Mitwirkung bet freundlichen Beilegung der Fragen des nahen Ostens erleichtern.
Die „Kreu-zeitung" und Herr Adolf Stein.
Berlin, 11. Febr. Herr Adolf Stein, der Verfasser des Buches über den Kaiser, hatte in seiner Selbstverteidigung u. a. erwähnt, dass ihm die Stelle eines Chefredakteurs an bet „Kreuzzeitung" angebote« worden sei, dass er aber wegen seiner Ivoend abqelehnt habe. Die „Kreuzzeitung" veröffentlicht daraufhin de« Briefwechsel zwilchen dem Grafen Finckenstein- Trossen dem Vorsitzenden des Kuratoriums der „Krcuzzeituna". und Herrn Adolf Stein. Aus diesem Briefwechsel gebt schlagend und, wie es uns scheint, unwiderleglich hervor, dass dem Herr« Stein die Stelle eines Chefredakteurs der „Kreuzzeitung' in keiner Weise angeboten worden ist. daß er also auch nicht in bet Lage war, sie abzulehnen.
Aus dem Reichstage.
Auf der Togcsordnung der 204. Sitzung stand zunächst die erste und zweite Lesung des 6. N a ch - tragsetats, in dem für den Reichskanzler die Vollmacht für die Ausgabe neuer Reichsschuldverschreibungen gefordert wird. Es entwickelte sich eine kurze Debatte, in der vom Abg. Oertel (natl.) die Frage aufgeworfen wurde, ob nicht der Reichskriegsschah als Unterlage für die neuen Rcichsschuldver- schreibungen benützt werden könnte. — Staatssekretär Sudow verneinte diese Frage, und die Abg. Kaempf (frs. Vp.s, Frhr. v. Gamp (Reichsp.) und Frhr- beu Richtlwfen (kous.) lehnten den Gedanken, den Schatz im Fuliusturm zu mobilisieren, ebenfalls ab. — Nachdem sodann der Nachtragsetat in erster und zweiter Lesung bewilligt war, wurde in die Spezialberatung des Etats für das Reichsamt des Innern cingetreten. Wie üblich wurden hier bei den verschiedenen Titeln allerlei besondere Wünsche
Sie zog bas Portemonnaie aus ber Tasche unb entnahm biefem fünf Eolbstücke, welche sie ber Alten zuschob. „Versprechen Sie mir, bem Grafen ben Louisb'or zurückzugeben?"
„Gewiss, darauf können Sie sich verlassen," beteuerte bie Josnes. „Mein Gott, ich wußte ja nicht — aber batz Sie gar fo empfindlich stnb. Können Sie ben Herrn Major nicht leiben?"
„Nein!"
„Nun, ich hätte auf bas Gegenteil geschworen. Aber essen Sie boch. Ober wünschen Sie etwas Anderes? Fleisch, Backwerk, Tee?"
„Nichts, nichts, nur Ruhe!"
„Eerabe wie bet Kapitän, bem bas Bilbche« brüben unter dem Spiegel gehört."
„Das Bilb, ganz richtig, ich hielt es vorhin in bet Hand," sprach Desiree.
„Es stellt bie verstorbene Frau bes Herrn Kapitän vor," schwatzte bie Alte. „Er mag sie wohl sehr geliebt haben. Stundenlang saß er da und guckte das Bildchen an. Es muss eine schöne Frau gc.’efen sein. Wissen Sie auch, Fräulein, baß Sie mit ihr Sehnlichkeit haben?"
„Torheit. Sie täuscht bie Einbildung."
„Nein, gewiss nicht. Sie fiel mir gleich auf.
Sehe« Sie selbst."
Sie ging, um bas Bilbchen zu holen. Aber bevor ste es ergreifen konnte, klang draußen die Türe.
„Der Graf! Gottlob," rief Desiree und wollte hinauseile«.
„Nein, bleiben Sie, ich gehe schon selbst," sagte die Josnes, die junge Dame mit listigem Lächeln betrachtend. „Und die will den Herr« Offizier nicht lieben," dachte sie.
Inzwischen klopfte es bereits an die Zirnmer- tfire, und bevor die Wirtt« öffne« konnte, trat rin Sergeantmajor der Mobilgarde ein.
vorgcbracht. — So wünschte Abg. Thaler (3.) bessere Orgamsatwn der staatlichen Denkmalschutzes. — «bt Pfeiffer lZtr.) schlug bie Einrichtung eine» Reich». zeitungSmuseumr vor, während Abg. Herme» (frf Vp ) die Unterstützung des Deutschen Seefischerver. em» forderte. — Abg. Dr. Haha (kons.) sprach sich ir längeren wirksamen Ausführungen für die Fördern«, der Hochseefischerei selbst aus, die auch im Jntereffc der Marine liege, und trat für Zollschuh der Hochsee. fischerei, insonderheit der Heringsfischerei, ein. — Ministerialdirektor v. Jonquieres stimmte den Aus. führungen des Vorredners im allgemeinen zu, gal aber zu bedenken, ob ein Heringszoll, der ein Nahrungsmittel des armen Mannes verteuern würde, auch wirklich empfehlenswert wäre. — Abg. Gothei, lfts. Vg. > nahm hierauf die Gelegenheit wahr, seinen alten antiagrattschen Groll gegen die Vorredner loszuwerden. Er war natürlich gegen Fischzölle, bestritt auch die ungünstige Lage der Seefischer und wollte in dieser Frage als Sachkundiger angesehen werden, weil er in einigen Fischereiunternehmungen als Aktionär beteiligt ist. Der Redner verlor sich dergestalt in das Breite, daß das Haus mit Ungeduld das Ende der Ausführungen erwartete. — Abg. Dr. Hahn (kons.) führte sodann den Vorredner ab.
Erbanfallfteuer oder Rachlaststeuer'? Tie Kommission fuhr in der Beratung des Erbschaftssteuergesetzes fort und zwar mit der Besprechung von Anträgen, die Sätze für Seitenverwandte wesentlich zu erhöhen, ebenso für Gatten und Kinder bei einem Erbe von 100 000 Mark an. Der Reichsschatzsekretä» erklärte es für notwendig, diejenigen Belastungen fü> Seitenvcrwandte, die im Nachlaststeuergesetz vorgeschlagen waren, jetzt in die Novelle zum Erbschaft?, stcuergeseh bineinzuarbeiten. Die vorgeschlagene Besteuerung der direkten Deszendenten sei nicht zweckmäßig jetzt zu beraten; an sich habe er keine Bedenken, statt der Nachlaststeuer eine Erbanfallsteuer anzunehmen; die gegen eine Nachlaßsteuer geltend gemachten Bedenken griffen gegenüber der Erbschaftssteuer an Seitenvcrwandte nicht durch. Hier handele es sich vielfach doch um einen Glücksfall. Ein konservativer Redner sprach sich mit größter Entschiedenheit gegen jede Erhöhung der Erbschaftssteuersätze aus, die direkt zur Konfiskation des Eigentums führten. Del Reichsschatzsckretär erklärte dies für eine schwere Ueberlrcibung. Eine geringe Erhöhung dec Steuern für Seitenvcrwandte sei unschädlich. Schließlich könne man solche Argumente gegen jede Steuer geltend machen. Hier handele es sich vielfach gerade um mühelosen Gewinn. Eine Steuer, die niemals ungerecht wirke, gebe es nicht. In der Abstimmung wurden die Anträge abgelehnt, die Regierungsvorlage unverändert angenommen. Die in der Regierungsvorlage vorgeschlagene Beseitigung gewisser Befreiungen in § 11 des Steuergesetzcs wurden mit großer Mehrheit abgclehnt: desgleichen die Anträge zum § 12, die Sonderbestimmunqen für Kirchen und juristische Personen zu streichen.
Im Abaeordnetenhauje
tvurde am Donnerstag die Debatte über die Gültigkeit der Wahl der vier sozialdemokratischen Berliner Abgeordneten fortgesetzt. — Die Abg. Dr. Hager (Ztr.), Dr. Pachnicke (frf. Bg.) und Witzman» lnatl.) stimmten namens ihrer Parteifreunde dem Kommisiionsantragc auf Beanstandung dieser Wahlen und Einholung einer Auskunft vom Berliner Magistrat zu. — Abg. Malkwitz (kons.) wies darauf hin, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten Borgmann und Hirsch in der Sitzung der Abteilung gefehlt hätten, als über den Wahlprotest verhandelt wurde. Wenn diese Herren versagt haben, machen sie un» Vortvürfe. Sie hätten ja gegen die anderen, nicht beanstandeten Berliner Wahlen selbst Protest erheben
„Parbon, ich habe es eilig," sprach er, bie Mütze lüftenb. „Ein Schreibe,: an bep Grafen b'Alincourt. Oberstleutnant beim Stabe bes fiebzehneten Armeekorps. Er soll hier im Quartier liefen.“
„Der Graf wohnt nicht in biefem Hause," sagte Desiree.
„Hm. Der Sanitätsleutnant Pres gab mir boch an — wo kann ich ben Herrn Oberstleutnant finben.“
„Wir erwarten ihn allerdings," mischte sich bie Wirtin hinein. „Er kommt ganz sicher hierher, wenn auch nicht gleich."
„So will ich ben Brief hier lassen, entschied sich der Unteroffizier, „bas gnäbige Fräulein wirb eine Bescheinigung geben!“
„Ich? Nein, roenben Sie sich an Frau Ios- nes, — wenn sie's übernehmen will."
„Die Alte," brummte bet Sergeantmajor übelgelaunt. „Mir soll's recht sein. Sie stehen für bie richtige Besorgung."
„O mit Freuden, lieber Herr," versicherte bie Wirtin unb unterschrieb ben Schein.
Der Mann trollte ohne Abschied davon. Die trotzige Antwort ber Dame hatte ihn beleibigt Frau Josnes stellte ben Brief gegen ben Spiegel, baß er in bie Augen fallen musste, um nicht vergessen zu werben, bann begann sie ben Tisch abzuräume«.
„Gewiss ein Befehl vom Kommando," plau- berte sie. „O, ich kenne bas. Wenn solche bicken Depesche« ankommen, gehen die Herren, um nicht. wieberzukehren."
Desiree antwortet nicht, aber bie Worte bet Wirtin fiele« ihr schwer auf bas Herz. Wat bas wirklich ein Abberufungsbefehl. Wen« et fort mußte, wet stand ihr bann fernerhin zur Seite? (Forts, folgt.) .