mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Berlage."
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Marbutg
DMnerktaq 11. Februar 1909.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die ^gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttätSbuchdruckerei InhaberDr. T.Hrtzeroth, Marburg, Markt2L — Telephon56.
44. Jahrg.
Erstes Blitt.
Das deutsch-französische Abkommen über LUarokko.
Aber das wir gestern bereits berichteten, liegt «Uil vor. Es wird darüber gemeldet:
Berlin, 9. Febr. Heute vormittag wurde «ach der Rückkehr des französischen Botschafter» Eambon aus Paris im Auswärtigen Amt von dem Staatssekretär von Schön und dem franzö- stschen Botschafter nachstehendes Abkommen unterzeichnet: Die kaiserlich deutsche Regierung und die Regierung der französischen Republik sind, geleitet von dem gleichen Wunsche, die Ausführung des Vertrages von Algeciras zu erleichtern Lbereingekommen, die Bedeutung, die sie dessen Bestimmungen beilegen, genauer festzustellen, um künftig jeden Anlaß zu Mißverständnissen untereinander zu vermeiden. Demgemäß ist einerseits die Regierung der französischen Republik, dir an der Wahrung der Integrität und Unabhängigkeit des scheriftfchen Reiches unbedingt festhält, entschlossen, die wirtschaftliche Gleichberechtigung aufrecht zu erhalten und demzufolge den deutschen Handels- und gewerblichen Interessen daselbst nicht entgegenzuwirken. Andererseits ist die. Kaiserliche Regierung, welche in Marokko ausschließlich wirtschaftliche Interessen verfolgt und anerkennt, daß die besonderen politischen Interessen Frankreichs mit der Sicherung von Ordnung und Frieden daselbst eng verknüpft sind, bestimmt gewillt, diesen Interessen Nicht entgegenzuwirken. Beide Regierungen erklären, daß sie keine Maßregel ergreifen noch ermutigen werden, die geeignet wäre, zu ihren eigenen Gunsten oder zu Gunsten irgend einer Macnt wirtschaftliche Vorrechte zu schaffen, und daß sie trachten werden, ihre Staatsangehörigen an denjenigen Geschäften gemeinsam zu beteiligen, deren Ausführung diesen übertragen werden sollte.
Weiter liegen folgende Meldungen vor:
Varis,9. Febr. Im heutigen.Ministerrate teilte Minister Pichon mit, daß der Text des deutsch-französischen Abkommens über Ma- toi~,ö<)n ^iten Frankreichs der spanischen, der russischen und der englischen Regierung, von serten Deutschlands der österreichisch-ungarischen und der italienischen Reaierung bekannt gegeben worden sei. Der französische sowie der deutsche Geschäftsträger in Marokko haben das Abkommen dem marokkanischen Minister des Aeußern notifiziert. Das Abkommen fei von den Mächten freundlich ausgenommen worden. Der Ministerrat beschloß, den französischen Botschafter in Berlin, Eambon, anläßlich des Abkommens zu beglückwünschen.
Eine Rote der „Agence Havas" besagt: , >,Die neue deutsch-französische Vereinbarung bezüglich Marokkos wird in Paris mit gerechter Befriedigung begrüßt. Die von dem Staatssekretär und dem französischen Botschafter in Berlin unterzeichnete Erklärung stellt die Anerkennung des französischen Standpunktes dar, daß Deutschland in Marokko nur wirtschaftliche Interessen hat, denn sie bestätigt die politische Un- Eigennützigkeit dieser Großmacht, die zugleich
52 < ^’ncTibrnit verboten.)
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
< Fortsetzung.)
Desiree nahm allen Mut zusammen. Der Graf hatte ihnen zugehört. Jetzt mußte er die ganze Wahrheit erfahren, sollte auch seine Zuneigung ertötet, seine Eigenliebe auf das Empfindliches verletzt werden.
.THrolt war als Direktor im Geschäfte meines Vaters tätig. Wir verlobten uns in Friedenszeit mit seinem Willen, als jener aber zur feindlichen Armee stoßen mußte, trennte der Vater unseren Bund. Der Vater steht mit Herrn Tyrolt in gar keiner Beziehung, ich aber bin ihm treu geblieben und werde es bleiben bis zum letzten Hauch.«
„Das ist ungeheuer poetisch, mein Fräulein," sagte spöttisch der Kommissar, „entlastet Sie aber nicht im Geringsten. Wer weiß, ob das alles, was Sie sagen, nicht anmutige Fabeln sind?"
„Ich bitte um Entschuldigung, Herr de Sou« mis, daß ich in die Verhandlung eingreife," sprach Graf dÄlincourt hervortretend, „mein Zeugnis kann aber hier von Gewicht sein. Di« Angaben, welche Fräulein Bourlier machte, beruhen ganz und gar auf Wahrheit. Ich kenne den deutschen Offizier und den Vater der Dame persönlich. Ich finde auch die betreffenden Stellen in dem Briefe ganz unverfänglM, wenn man nicht gewaltsam nach einer Deutung sucht!"
„Sie meinen, Herr Graf?" fragte Soumis mit verwundert aufgerissenen Augen und bestürztem Eesichtsausdruck.
eine neue feierliche Versicherung erhält, daß ihre wirtschaftlichen Interessen durchaus und vollkommen gewahrt bleiben werden. Die Erklärung ist in der deutschen Reichskanzlei durch das seit Jahren bei den Großmächten zutage getretene Bedürfnis nach Verständigung inspiriert worden ; sie läßt den Wunsch der deutschen Regierung und des Kaisers erkennen, an dem allgemeinen Pazifierung;werke Frankreichs, seiner Verbündeten und seiner Freunde in vollständigerer Weise mitzuarbeiten. Das Abkommen wird ebensogut in Petersburg, Madrid und London ausgenommen werden; England wird darüber nur beftiedigt sein können, wenn es sieht, daß Deutschland die Prinzipien, denen England seit dem 5. April 1904 folgte, bestätigt." — Das Abkommen wird überhaupt in Frankreich mit unverhohlener Freude ausgenommen. Die französischen Blätter messen ihm hohe Bedeutung bei. Der „Temps" sagt: Dieses Ende des marokkanischen Streites kann, wenn man will, einen Markstein in der Geschichte Europas bilden. Marokko war in der Tat, wie Fürst Bülow wiederholt sagte, nur eine „Gelegenheit".
Die „Libertö" meinte, man müsse das Entgegenkommen und die Aufrichtigkeit, welche die deutsche Regierung bei der Verwirklichung dieses Abkommens an den Tag gelegt hat, offen anerkennen. Das „Journal des Debats" meint; Der 9. Februar 1909 wird in der Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen epochemachend sein. Pichon und Eambon verdienen die volle Dankbarkeit Frankreichs, aber es sei nur gerecht, auch dem Kaiser Wilhelm, dem Fürsten Bülow und dem Staatssekretär v. Schoen, welche sich gewiß vor allem von dem wohlverstandenen Interesse Deutschlands leiten ließen, seine Huldigung darzubringen.
Die englische „Westminster Gazette" schreibt zu dem deutsch-französischen lleberein- kommen: Wir wünschen nicht, Frankreich und Deutschland getrennt voneinander zu halten, sondern wir wünschen, daß sie zusammenkommen, und daß alle Nationen von dem beständigen Argwohn, den sie hinsichtlich ihrer Motive gegeneinander hegen, befreit werden. „Pall Mall Gazette" sagt: Die willkommen« Nachricht von dem französisch-deutschen Abkommen trifft angenehm zusammen mit der Meldung von der Ankunft des britischen Herrscherpaares in Berlin. Das Abkommen scheint auf sehr verständiger Grundlage zu beruhen. Es dürfte bet der jetzigen politischen Konstellation keinen geringen Einfluß auf die Klärung der internationalen Atmosphäre ausüben.
Die Botschafter der einzelnen Mächte Haben einem Mitarbeiter de» „Temps" ihre Ansicht über das neue Abkommen mitgeteilt, im wesentlichen durchaus zustimmend. Der österreichische Botschafter sagte: Ich habe allen Grund anzunehmen, daß Oesterreich Ungarn, welches seit vier Jahren die marokkanische Verständigung zwischen seinem Verbündeten und Frankreich möglichst zu erleichtern gesucht hat, das Abkommen mit großer Befriedigung begrüßen wird.
Der deutsche Botschafter Fürst Radolin meint, daß diese offene Auseinandersetzung Folgen haben kann, welche sich nicht auf Marokko beschränken, und daß unsere beiden Länder den Beweis darin finden werden, daß man mit
„Alles, was das Fräulein hier ausgesagt, hat es mir bereits auf dem Schiffe mitgeteilt, ihre Verlobung, ihre Zuneigung zu dem Offizier, ihre Absicht, den Vater zu suchen, der, wie ich annehme, Soldat geworden ist. Ja, mein Herr Generalkommissar. ein braver Soldat ist dieser Patriot geworden, kein Spion. Schlagen Sie einmal die Listen nach. Sie werden den Namen finden!"
„Wie ist der Name Ihres Vaters?" fragte de .Soumis ganz verdutzt.
,Lean Bourlier."
„Der Name kommt mir bekannt vor, warten Sie einmal. Ist das nicht der Herr, den mir Trepillon bracht«? Ein Kaufmann? Kennen Sie Trepillon?"
„Nein, der Name ist mir unbekannt."
„Es war sein guter Freund aus Sedan, früher bei den Hunderivierern. Er wurde Oberst der Zweihundertvierer, welche in Orleans stehen. Ich habe das Verzeichnis der Offiziere, sehen wir einmal."
Er suchte in den Akten. Endlich zog er einen Akt von Ranglisten hervor.
„Hier ist es," sagte er. „Hören Sie einmal: 15. Armeekorps General d'Aurelies de Palla- dine. 1. Division Martin de Pallieret. 2. Brigade Bertrand. 204. Regiment Trepillon, Oberst. 1. Kompagnie Kapitän Robert Bizet (Nevers). 2. Kompagnie Jean Bourlier (Sedan) Kapitän."
„Das ist mein Vater!" rief Desire« glückstrahlend.
„Der Gesuchte," bestätigte der Graf. „Aber wie konnte der Kaufmann eine KapitänfteÜ» erhalten?"
gutem Willen alle Zwistigkeiten zu lösen vermag, welche die Verteidigung der miteinander verknüpften politischen und wirtschaftlichen Interessen Hervorrufen kann.
Diesen Hoffnungen gegenüber ist es wichtig, darauf hinzuweisen, daß Minister Pichon demselben Mitarbeiter ausetnandersetzte:
„Ich sehe die Vereinbarung in der Tat als den Forderungen der Situation Deutschlands und Frankreichs in Marokko in jeder Hinsicht entsprechend an. Sie wurde nach mehrwöchigen Besprechungen abgeschlossen, welche sich auch nicht einen einzigen Augenblick auf andere Fragen als diejenige erstreckten, die sie zum eigentlichen Gegenstände hatten. Sie ist also mit keinerlei Marokko fernstehenden Angelegenheiten verknüpft."
Die „Süddeutsche Reichskorrespondenz" läßt sich zu dem deutsch-französischen Abkommen aus Berlin noch melden: Heute am 9. Februar ist im Auswärtigen Amt« durch den Staatssekretär v. Schoen und den Botschafter Eambon ein Abkommen unterzeichnet worden, welches bestimmt ist, für die Zukunft deutsch-französischen Reibungen 'n Marokko vorzubeugen und ein Zusammenarbeiten der beiderseitigen Staatsangehörigen zu wirtschaftlichen Zwecken zu fördern. Di« für Marokko bestehenden internationalen Abmachungen werden durch das neue Uebereinkom- men nicht entkräftet. Auch auf die Akte von Algeciras ist ausdrücklich Bezug genommen und einer ihrer Grundsätze — Unabhängigkeit und Integrität Marokkos, wirtschaftliche Gleichberechtigung und offene Tür — wird nicht geopfert. Auch sonst wäre es verfehlt, an ein einzelnes deutsch-französisches Aktenstück von praktisch-geschäftlicher Tendenz große politische Zukunftsgedanken anzuknüpfen. Seine Geltung reicht über einen deutlich umgrenzten Bezirk afrikanischer Interessen picht hinaus. Das Hauptverdienst wird das Negative sein Marokko als politische Streitfrage aus den oeutsch- ftanzösischen Beziehungen auszuschalten. Unter Gesichtspunkten der europäischen Politik ist es immerhin erfreulich, daß in einer Zeit, wo die Großmächte mit Balkansorgen beschäftigt sind, zwischen Berlin und Paris ein so wesentlicher Schritt zur Beseitigung des marokkanischen Jn- teressenstreites geschehen konnte. Kurz nach dem Eintreffen des englischen Königspaares in Berlin ist das Abkommen Deutschlands mit Frankreichs unterzeichnet worden. Die zeitliche Annäherung beider Ereignisse kann als zufällig betrachtet werden, sie weist aber darauf hin. daß in unserem Verhältnis zu den Westmächten gegenwärtig eine fühlbare Abspannung eingetreten ist.
Der Besuch König Eduards.
Berlin, 9. Februar.
Der Lehrter Bahnhof war für den Empfang des englischen Herrscherpaares festlich geschmückt. Der Kaiser kam bereits gegen %11 Uhr auf dem Bahnhof an. Er war umgeben vom Kronprinzen, Prinz Heinrich, Prinz Eitel Friedrich, den Prinzen August Wilhelm, Adalbert, Oskar und Joachim. Der Reichskanzler Fürst Bülow in Husaren-Uniform, der kommandierende General
„Trepillon stand für ihn ein," antwortete Soumis etwas befangen. „Uebrigens hat seine Persönlichkeit — der Erfolg für ihn gesprochen. Die Zweihundertvierer haben Artenay gehalten und die Bayern zweimal geschlagen."
„Also ist Herr Bourlier ein Held," sagte der Gras, die Hand Desirees ergreifend. „Nun wissen Sie, wo Sie Ihren Vater finden. Und Sie, Herr Generalkommissar, werden wohl zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß die Tochter eines Kapitäns der republikanischen Armee unmöglich eine Spionin sein kann und Ihre Entschuldigung wegen der Verhaftung wohl verdient."
„Sobald ich wirklich davon überzeugt sein werde, bin ich bereit zu jeder Genugtuung," meinte Soumis unbehaglich. „Jndetz will ich auf Grund Ihrer Fürsprache das Fräulein freigeben, unter der Bedingung daß es mit dem nächsten belgischen Schiff Stadt und Hafen Bordeaux verläßt."
„Ich fcit'e Sie. Herr Generalkommissar, das ist unmöglich," fiel Desiree flehend ein. „Ich mutz meinen Vater aussuchen."
„Und wenn ich's auch erlaubte — es ist unmöglich, daß Sie zu ihm gelangen. Orleans ist der Kriegsschauplatz. Die Zweihundertvierer stehen dicht vor dem Feinde."
„Ich will Fräulein Bourlier begleiten und sie sicher bis dorthin bringen," erbot sich d'Alin- court großmütig. „Ich stehe mit meinem Ehrenwort für sie ein."
„Sie wollten das? Nun denn, so will ich auch die letzten Bedenken fallen lassen. Gehen 6te, mein Fräulein, Ci« sind frei. Viel Glück
Frhr. von der Goltz ragten au» dem Gefolge hervor.
Pünttlich um 11 Uhr fuhr der Zug in dt« Halle ein, die englische Nationalhymne erklang. Die Kaiserin schritt den Bahnsteig entlang. Der Empfang war herzlich. Die Monarchen umarmten und küßten sich. Begeisterte Hochrufe einer zahlreichen Menschenmenge durchbrausten die Bahnhofshalle.
Die Monarchen nahmen noch den Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie ab, und der Zug setzte sich in Bewegung und führte über die Alsenbrücke, die Alsenstraße, über den Königsplatz, durch die Siegesallee und die Charlottenburger Chaussee. Um 11 Uhr kam der Zug am Brandenburger Tor an. Vorauf ritt ein« Schwadron de» 1. Garde-Dragoner-Regiments. König Eduard, in der Uniform eines preußischen Generals der Kavallerie, saß mit dem Kaiser, der die Uniform eines englischen Admirals angelegt hatte, in einem vierspännigen ä. la Daumont bespannten Wagen. Die Königin folgte in einer zweispännigen geschlossenen z Staatskarosse. Neben ihr die Kaiserin und ihr gegenüber Prinzessin Viktoria Luise. Die Königin trug über einet Hellen Toilette einen Hermelinumhang. Die Kaiserin hatte ebenfalls eine ganz Helle Toilette gewählt und die Prinzessin war in einen rosa Umhang gehüllt.
Der Oberbürgermeister hielt eine Begrüßungsrede. Er hieß die Majestäten willkommen, wies auf die Verwandtschaft zwischen dem deutschen und englischen Herrscherhause hin, hob die gleichen Friedensbestrebungen des englischen und deutschen Volkes hervor und wünschte de» erlauchten Gästen recht frohe und segenbringend« Stunden in der Reichshauptstadt. Der König erwiderte: „Ich danke Ihnen herzlichst, Herr Oberbürgermeister, für Ihre freundlichen Worte und den schönen Empfang. Ich freu« mich sehr, in Berlin sein zu dürfen, und ich bin auch erfreut, daß ich Sie morgen, meine Herren, int Rathause Wiedersehen werde."
Gleichzeitig nahm die Königin den Strauß entgegen, der ihr von den Ehrenjungfrauen dargebracht wurde. Die Königin sprach in liebenswürdigster Weise mit den Ehrenjungfrauen, die von Bürgermeister Reicke an ihren Wagen geführt wurden.
Unter Jubelrufen bewegte sich der Zug durch die Linden. Die Ehrenschüsse erdröhnten. Aus dem Schloßhofe stand eine Ehrenkompagnie. Gegen 3412 Uhr traten die Herrscher in das Schloß ein. Um 1 Uhr war Familienfrühstückstafel im kleinen Spcisesaal des königlichen Schlosses. . Hierbei saß der König neben der Kaiserin. Gegenüber saß der Kaiser neben der Königin. Gleichzeitig fand Marschalltafel im Elisabethsaal statt.
König Eduard machte Nachmittags 5 Uhr eine Spazierfahrt in einem kaiserlichen Automobil, begleitet vom General von Löwenfeld. Die Fahrt führte die Linden entlang durch bie Siegesallee, den Tiergarten, die Doeberitzer
zu Ihrer verzweifelten Expedition. Jndetz — ich habe die Ehre, mich Ihnen zu empfehlen, Herr Oberstleutnant Graf d'Alincourt. Ich werde mir erlauben, Ihnen Ihr Patent nach Orleans nachzusenden."
Der Graf nickte dem Kommissar zu und bot Desiree den Arm. Mit kurzen Worten de» Dankes schieden sie von dem Militär- und Zivil- gewaltigen und verließen unangefochten das Stadthaus.
In der Vorhalle blieb das Mädchen stehen und scheute dankbar zu dem schönen, stolzen Mann empor.
„Ich habe Ihnen viel abzubitten, Herr Graf," begann sie mit zitternder Stimme. „Sie werden mich verdammen, und dennoch erbarmten sie sich meiner in bet Not."
„Abbitten? Etwa ,batz Sie mir Ihre Hetzensgeschichte nicht verrieten, schöne Desiree?" sprach er lächelnb. „Da» zu verlangen, wäre inbiskret gewesen. Erraten habe ich es längst. Daß Ihr Verlobter ein Deutscher ist, schadet ihm in meinen Augen gar nichts. Ob Feind ob Freund, es kann nur ein Ehrenmann sein, da Sie ihn lieben, und ich habe um so mehr dl« Pflicht, einem, wenn auch feindlichen Kameraden, seine Braut zu erhalten."
„Wie edel Sie find," sprach da» Mädchen leise. ,Zch fürchtete gerade, daß dieser Umstand Sie mir entftemben würde. Ich hatte sogar die Absicht, mich heimlick vor Ihnen in Sicherheit zu bringen, denn ich durste ja nicht höreist daß Sie mich lieben."
t . (Fortsetzung folgst) .
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