Zweites Blatt.
Politische Umschau.
Eine Stimme des gesunde« Menschenverstandes.
Albion träumt immer noch von Kriegsgefahr. Die Invasion eines deutschen Heeres in England wird bei uns als direkt lächerlich bezeichnet, umsomehr aber findet diese Frage Verbreitung im Lande jenseits des Kanals. Da bringt nun die „Contemporary Review" von einem Master Mariner einen Artikel, der das Gespenst vernichten will.
Zunächst bestreitet er entschieden die bekannte Behauptung des Feldmarschalls Lord Roberts, daß 150000 Mann mit Schiffen von 200 000 Tonnen Deplacement an die englische Küste gebracht werden könnten. Allenfalls stimmte die Rechnung, wenn es sich um 150 000 Mann Infanterie handle, ohne Artillerie Kavallerie und Train. Was sollten aber heute 150 000 Sir nn ohne Artillerie ausrichten? Sehr ausführlich bespricht dann der Verfasser die Frage, roi? sich eine solche Truppenmaffe über See transportieren liehe. Rach seinen Berechnungen mühte eine solche Transportflotte mindestens 20 englische Meilen lang sein; sie würde soviel Rauch aufsteigen lassen, daß sie, je nach der Atmosphäre, auf zehn bis fünfzig englisch« Meilen gesehen werden könnte. Sie mühte ferner Handelsstraßen durchkreuzen, auf denen, abgesehen von den Fischerflottillen, beständig neutrale Schiffe fahren. Versteckt könnte eine solche Flotte also nur bei starkem Nebel bleiben, und bei solchem würde sie natürlich bald in heillose Unordnung geraten. Die Fahrt könnte nur ganz langsam vor sich gehen; eine Landung, der Truppen wäre außerordentlich schwer. Auf alle Fälle würde die britische Admiralität sofort «r- fahr-n, wenn so viele Schiffe zu Transporten reguiriert werden sollten; und sie hätte dann mindestens fünf Tage Zeit, um mit Hilfe der drahtlosen Telegraphie die in europäischen Gewässern stationierten Geschwader der englischen Flotte zusammenzurufen. Man könnte sich also auf die Flotte vollständig verlassen. Müsse man aber wirklich mit der Armee so stark rechnen, so bleibe nichts anderes übrig, als ein stehendes Heer nach dem Muster des Festlandes «inzuführen, und das würde mindestens rund 400 Millionen M jährlich kosten, die besser für eine weitere Stärkung der Flotte verwendet werd»« sollten.
Wir stimmen den verständigen Ausführungen dieses Fachmannes bei und verknüpfen damit den Wunsch, daß sie in England Anklang finden mögen. e
Gegen die Anzeigensteuer.
Der Arbeitsausschuß, erwählt von der Protestversammlung deutscher Eroßinserenten der Industrie und des Handels, beleuchtet in fachmännischer Weise die volkswirtschaftliche Bedeutung, die Wirkung und das voraussichtliche
lieber Tuberkulose-tragen sprach Prof. Dr. Römer von hier auf Einladung einer Versammlung der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Wir entnehmen darüber der „Danziger Zeitung":
Bei der großen Auswahl attueller Tuberkulosefragen beschränkt der Vortragende seine Ausführungen auf solche Fragen, die zurzeit die experimentelle Wissenschaft besonders interessieren und über die ihm eigene Forschungsergebnisse zur Verfügung stehen. Er behandette nacheinander die Fragen der Beziehungen Mischen Menschen- und Rindertuberkulose, die Anwendung des Tuberkulins zur Erkennung der Tuberkulose, sowie die Ergebnisse der neueren Forschungen über Tuberkulose-Immunität.
Das erstgenannte Thema hat ja infolge der kürzlich stattgefundenen Verhandlungen auf dem Tuberkulosekongresse in Washington wieder besonderes Interesse bekommen, zumal da Koch, von dessen Forschungen die Lehre der Verschiedenheit der Menschen- und Rindertuberkulose ausgegangen ist, von neuem dort feine» Standpunkt präzisiert hat. Der theoretische Teil dieses Streites, welcher die Beziehungen zwischen Menschen-Tuberkelbazillen und Rinder-Tuber- kelbazillen betrifft, hat kein besonderes praktt- sches Interesse. Wichtig ist, daß die Kochsche Annahme vom Jahre 1906, daß Ansteckungen des Menschen durch Rindertuberkulose wahrscheinlich nicht vorkommen, inzwischen in gegen- te" Sinne entschieden ist. Die Größe der
Gc, die dem Menschen durch das tuberkulöse
Rind droht, ist zahlenmäßig nicht genau anzu- geben. Die Frage, ob der Rindertuberkelbazillus an sich als ein ungefährlicher oder auch nur re- Miv ungefährlicher Typus unter den Säuge- tier-Tuberkelbaztlle« für de« Menschen betrach.
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Homberg, 6. Febr. Am 22. April werden 100 Jahre seit dem Dörnbergschen Aufstand in Niederhessen gegen die napoleonische Herrschaft verflossen sein. Zur Erinnerung daran will man in Homberg, wo die Bauernscharen zusammenströmten, und unter Führung des Friedens-
Unpottttsche Tagesnachrichten.
Berlin, 5. Febr. Der Referendar v. Igel, der den inzwischen verstorbenen Steinsetzmeister Marschner in Oranienburg durch einen Revolverschuß in den Leib tödlich verletzte, ist wieder verhaftet worden. Sein Verteidiger stellte Antrag auf Haftentlassung und bot eine hohe Kaution an. Da die Affäre einen so traurigen Ausgang genommen hat, ist es aber zweifelhaft, ob diesem Anträge stattgegeben werden wird.
Berlin, 6. Febr. Zur Untersuchung der durch das Hochwasser auf verschiedenen Eisenbahn, strecken im westlichen und mittleren Gebiet her. beigefÄhrten erheblichen Beschädigungen und Verkehrsstörungen sind von dem Minister der öffentlichen Arbeiten mehrere Kommissare ent- san,t worden.
Berlin, 6. Febr. Eine aus fünf Mitgliedern bestehende Bande-internationaler Taschendiebe trieb im November vorigen Jahres auf dem Schlesischen Bahnhofe ihr Unwesen, indem sie von dort in die Heimat fahrende polnische Arbeiter bestahl. Täglich wurden drei bis vier Portemonnaies mit 150 bis 300 M Inhalt gestohlen. Diese Summe stellte die ganze Barschaft der Arbeiter dar. Da ihnen auch die Fahrkarten gestohlen wurden, konnten dieselben nicht weiterfahren. Endlich gelang es an zwei kurz nach einander liegenden Tagen, zwei Mitglieder dieser Bande festzunehmen und abzuurteilen. Um auch der anderen Mitglieder habhaft zu werden, legten zwei Kriminalbeamte die Vettleidung eines polnischen Arbeiterehepaares an. Dieselben ertappten zwei Epitz- 6u6»n, einen gewissen Joachim Last aus Galizien und einen Engländer James Green, die zu je einem Jahr Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verutteilt wurden.
Berlin, 6. Febr. Das Gericht erkannte in denk Hochbahnprozeß gegen den Angeklagten Schreiber wegen fahrlässiger Tötung .und Ee» fährdung eines Eisenbahntransportes auf i Jahr 9 Monate Gefängnis; drei Monate wer. den dem Angeklagten auf die Untersuchung an. gerechnet. Der Angeklagte Wende wurde frei, gesprochen.
Erträgnis der Anzeigensteuer. Er faßt sein Urteil in folgenden Merksätzen zusammen:
Die Anzeigensteuer ist eine ungerechfferttgte Sonder-Gewerbesteuer, die einzelne Erwerbskategotten schwer schädigt.
Die Anzeigensteuer ist steuertechnisch undurchführbar, sie eröffnet für den Geschäftsbetrieb unerhörte Bexationen. unverschuldete Strafverfolgungen und eine unabsehbare Arbeitsmasse für den Unternehmer wie die Beamtenschaft.
Die Anzeigensteuer muß ergebnislos bleiben, denn die Basis der Kalkulationen ist zum Teil falsch; zum Teil erleidet sie eine vollständige Metamorphose.
Die Anzeigensteuer ist volkswirtschaftsfeindlich: Sie vernichtet nutzlos Bermögensobjekte von großem Umfange, ruiniert mehrere hochentwickelte Industrien und macht zahllose Arbeiter verdienstlos!
Die Anzeigensteuer bringt nur ein sicheres Ergebnis! Die öffentlichen Straßen und Plätze werden wieder der idyllischen Ruhe der Zeiten de_r wirtschaftlichen Tiefstandes zurückgegeben.
Frischer llnternehmergeist, der sich nicht zum geringsten in einer zielbewußten großzügigen Geschäftspropaganda betätigt, darf nicht durch eine einseittge Steuerbelastung erdrosselt werden. Er schafft Wette, und nur aus solchen wirklich greifbaren Werten muß das. Reich die Mittel schöpfen, die für seine Unabhängigkeit erforderlich find und von denen ihm dann ein Allen gerechter Teil freudigst gewährt werden wird.
Eine japanische Studienkommission.
Am 5. Januar sind drei höhere Beamte des japanischen Verkehrsministeriums in Tsingtau eingetroffen. Sie überreichten Seiner Exzellenz dem Herrn Gouverneur den Jahresbericht der südmandschurischen Eisenbahn, zugleich mit einem Bttefe des Verkehrsministers Baron Goto. Die Herren befinden sich auf verkehrstechnischer Informationsreise, welche sie von Mukden über Tientsin-Peking-Hankau-Schang- hai-Hongkong nach Tsingtau geführt hat. Außer der Informierung über die Schantung-Eisen- bahn und die deutschen Bergwerke werden die Herren auch Tsinanfu und die Arbeiten an der Tientfin-Pukow-Bahn in Augenschein nehmen. Förderung der Schafzucht in Dentsch-Südwest- afrika.
Das Wtndhuker Gouvernement beabsichtigt zur Förderung der Wollschafzucht feinwollige australische Mutterschafe und Ramme einzuführen und glaubt den Abnehmern erheblich günstigere Kaufbedingungen als bisher bieten zu können. Ein Scnaf soll in Swakopmund 40 ein Ramm das doppelte kosten, wobei für das Gouvernement ein nidjt unbeträchtlicher Verlust entsteht. Der Gouverneur appelliert -an die Farmer, von diesem überaus günstigen Angebot E brauch zu machen, damit ein größerer Transpott zustande kommt und die Unkosten sich dadurch verringern.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage
Marburg
Dienstag. 9. Februar 1909.
Ausland.
** Da» Ende der fremde« Postämter i« der Tüttei. Die Aenderungen im österreichisch-türkischen Verständigungs-Protokoll sehen auch die sofortige Aufhebung der drei österreichischen Postämter in Adrianopel, Gallipoli und Ro- dosto vor. Dies wird in Konstantinopel als der Anfang vom Ende des unwürdigen bisherigen Zustandes angesehen, der neben den Postämtern allein 33 österreichische (neben einer Anzahl deutscher, französischer, englischer, italienischer und russischer) Postanstalten bestehen ließ. An den obengenanten drei Orten bestanden von freniden Postämtern nur österreichische; an den anderen Plätzen sollen die österreichischen Aem- ter gleichzeitig mit denen der anderen Fremdmächte ottchlossen werden.
** Paris, 7. Febr. Aus Toulon wird berichtet, daß daselbst zwei russische Revolutionäre einaetroffen seien, welche angeblich nach dem Lockspitzel Alew fabnden, um ihn zu beseitigen. Die französische Polizei überwacht di« Revolutionäre, um sie an der Ausführung ihres Vorhabens zu verhindern.
** Russische Zustände. Petersburg, 7. Febr. In dem Prozesse des früheren Eouver- ne"rs von Nftbni-Nowgorod, Baron v. Fredericks, der ein Nachspiel zu dem Eurko-Lidwal- Prozeß bildet, fällte der Senat heute nach fünftägiger Verhandlung das Urteil. Fredericks wurde der Fahrlässigkeit und Bestechlichkeit für schuldig befunden und zur Dienstentlassung, so- toi» zu einer Geldstrafe von 10 000 Rubel oder im Falle der Zahlungsunfähigkeit zu einem J..hr Gefängnishaft verurteilt.
** Von der amerikanischen Flotte. Newport- News, 6. Febr. Das Schlachtschiff „Delaware", das eine Raumverdrängung von 20 000 Tonnen besitzt, und eine Länge von 510 sowie eine Breite von 85 Fuß hat und eines der vom Kongreß bewilligten Schiffe der Dreadnaught-Klasse ist, wurde heute bier vom Stapel gelassen.
** Japan in Korea. Söul, 6. Febr. Aus Anlaß der auf den 10. Februar festgesetzten Abreise des japanischen Residenten Marquis Ito nach Japan fand zwischen diesem und dem Kaiser ein Austausch von Besuchen statt. Es verlautet, daß Marquis Ito nicht auf seinen Posten zuückkebren, sondern durch Terauchi ersetzt werden wird. Marquis Ito hat in letzter Zeit verschiedentlich geäußert, daß, wenn die fortwährenden Ausstände nicht bald aufhören würden, Japan energische Maßnahmen ergreifen werde, was dahin gedeutet wird, daß er auf ein« wahrscheinliche Annettion vorbereiten wolle.
ttchters Martin gegen Cassel zogen, die Geschichte des Aufftandes in der Form eine, Volksbühnensnteles darstellen und aufführen.
Benneckenstein, 6. Febr. Ein Gaunerpaa, hat in der Vorwoche hier eine gelungene Gastrolle gegeben. Das Amtsblatt des Kreise, Grafschaft Hohenstein kündete durch Inserat an daß am Freitag abend im Hotel „Herzog" «in Saisontheater mit der Lustspiel-Novität „Di, von Hochsattel" einen Zyklus von Vorstellungen beginnen würde. Auf Theaterzetteln wurde gleichzeitig zum Bezüge von Abonnementsbillet» aufgefordert. Jnszsniett war die ganze Ge- schichte von einem Herrn und einer Dame, di« die Abonnementsbillets Haus für Haus anzu- bttngen versuchten, was ja auch der Zweck der ganzen Hebung war, denn am Freitag abend war das Pärchen verduftet unter Hinterlassung einer Hotel- und einer Druckereirechnung.
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tet werden kann, verneint der Vottragende. Die experimentellen Feststellungen, die eine stätter« krankmachende Energie des Rindettubettel- bazillus für die meisten untersuchten Säugetierarten und speziell auch für die dem Menschen verwandten menschenähnlichen Affen erwiesen haben, berechtigten viel eher zu der Schlußfolgerung, daß rein qualitattv der Rindertuberkelbazillus für den Menschen wohl gefährlicher ist als der Menschentuberkelbazillus. Die Gelegenheit aber zur Jnfettion mit Rindertuberkelbazillen ist glücklicherweise seltener und wir können uns leichter gegen diese Gefahr schützen. Die rein epidemiologische Betrachtung der Tuberkulose dagegen führt zu der Anschauung, die auch Koch verttttt, daß für die Verbreitung der Tuberkulose unter dem Menschengeschlecht die Hauptbedeutung der Ansteckung von Mensch zu Mensch zukommt und dementsprechend muß im Sinne Kochs das Hauptziel der hygienischen Tuberkulosebekämpfung die Vermeidung der Ansteckungsgefahr von Mensch zu Mensch sein. Der Vottragende hob zum Schluss« dieses Teiles seiner Ausführungen besonders hervor, daß auch bei Nicht-Uebereinftimmung mit Koch in manchen Schlußfolgerungen wohl jeder ehrlich erfahrene Forscher den gewaltigen Fottschritt anerkennen wird, den das Tatsächliche der Koch- schen Feststellungen für die experimentelle Tuberkuloseforschung bedeutet.
In dem nächsten Teile seines Bsttrages ttch- tet der Vortragende die Aufmerksamkeit auf den bemerkenswerten Forffchritt in der Tuberkulin- Diagnostik, den die Einführung der sogenannten o. Pirquetschen Kutan-Reaktton bedeutet hat. Diese Reaktion besteht darin, daß der Tuberkulöse, wenn man ihm in eine kleine künstlich gesetzte Hautverletzung Tuberkulin «inreibt, an der Impfstelle eine charakteristische Rötung
davonträgt, während der Normale nichts zeigt. Die Anwendung der gleichen Methode für die Diagnose der Rindertuberkulose hat bisher noch keine befriebigenben Ergebnisse erzielt, was der Vortragende auf eine sehr ungleichmäßige Re- sorptionsfähigkeit der Haut des Rindes für Tuberkulin bezieht. Hier scheint aber eine Aussicht für eine einfache Modifikatton der Tuberkulinanwendung zu bestehen in einer Methode, die zuerst von ftanzöfischen Autoren angegeben und vom Vortragenden weiter ausgebaut ist. Dieselbe besteht darin, daß man nicht wie bisher unter di« Haut, sondern in die Haut des Rindes eine kleine Tuberkulindosis injiziett, wonach sich beim tuberkulösen Rind eine charakteristische Schwellung ausbildet, die beim gesunden Rind fehlt. Wenn sie sich weiter bewähtt, bedeutet diese Methode eine brauchbare Vereinfachung der Tuberkulindiagnosttk beim Rinde, da sie, abgesehen von anderen Votteilen, das der bisherigen Tuberkulinttnspritzung unter die Haut folgende Fieber, di« Verminderung der Milchmeng« und sonstige unangenehme Zufälle erspart. Zur Kontrolle d«s Erfolges dieser neuen „Jntra- kutanreattion" empfiehlt der Vortragende eine sehr einfache objektive Methode, die er an der Hand von Lichtbildern des näheren schildert.
Einen beachtenswetten Fortschritt in den Forschungen über Tuberkulose-Immunität steht odann der Vortragende in dem von ihm ex- »erimentell begründeten Nachweis, daß bereits uberkulöse Individuen gegenüber einer weiteren Jnfettion mit Tuberkelbazillen deutlich widerstandsfähiger stnd, als normale gesunde Individuen der gleichen Art, in ähnlicher Weise, wie ja bekanntlich der Syphilitische gegenüber einer neuen syphilittschen Jnfettion sich geschützt erweist. Für die Tuberkulose hat diese Feststellung u. a, deshalb eine besoder« Bedeutung, f
weil ste zeigt, daß eine tuberkulöse Infektion an sich noch nicht sehr zu fürchten ist, vorausgesetzt, daß sie nicht zu intensiv war; sie kann im Gegen, teil unter bestimmten Bedingungen nützlich setn, da sie gegen spätere unvermeidbare Infektionen einen gewissen Schutz verleiht. Verhütet sollte« deshalb in erster Linie werden die massigen Infektionen, die nicht nur zur Tuberkulose, sondern auch zur eigentlichen Lungenschwindsucht führen. Und diese gefährlichen massigen Infektionen finden nach Ansicht des Vortragenden besonder, innerhalb der Familie, und zwar während des Kindesalters statt. Diese unheilvollen Jnfek- ttonen zu verhüten, sollte daher vor allem da, Ziel der hygienischen Tuberkulosebekämpfung sein. Seine Ausführungen begleitete der Vortragende mit der Demonstration von Versuchstabellen und anatomischen Präparaten.
Den Schluß seiner Ausführungen bildeten Lichtbilder über Rindertuberkulosebekämpfung, welche berechtigte Aussicht erwecken, daß das iw neuerer Zeit so viel diskutiette v. Behringsche Schuhimpfungsverfahren gegen die Rindertuberkulose auch im prattischen Kampfe gegen die Rindertuberkulose von Nutzen sein wird. Des genaueren wird der Vortragende hierüber am 20. d. Mts. in Danzig vor den westpreußischen Landwitten berichten.
Der inhalreiche Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen. Eine ausgedehnte angeregte Diskussion schloß sich an.
Der Gelehtte behandelte während der Land- -wirtschaftlichen Woche dann den Kampf gegen die Rindertuberkulose und schildette ebenfalls auf Einladung des Wirtschaftlichen Verein, seinrn einjähttgen Aufenthalt in Argentinien und sprach über die landwirtschaftliche Bedeutung dieser Landes.