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1 mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Bettage."
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Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. . „ „ „ Druck und Berlaq: Job. Aua. Koch, UnwersitStSbuchdruckkrer
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Erftes Blatt.
Aus dem Reichstage.
Zur Feier der 200. Sitzung ist das Pult des Präsidenten mit einem prächtigen Blumenstrauß geschmückt, wofür Graf zu Stolberg unter dem Hin- toeisc, daß seit dem 13. Februar b. I. hundert Plenarsitzungen abgehalten worden sind, seinen Dank ausspricht. In der hierauf folgenden Fortsetzung der Debatte über den Etat für das Reichsamt des Innern ergreift zunächst Abg. Bruhn (Rfp.) das Wort, um sich über einige der borliegenden Resolutionen auszusprechen. Hierauf empfiehlt Abg. Lecker (Ztr.) die Resolution seiner Partei über Gewährung bon Einfuhrscheinen zum zollfreien Bezüge Von Roheisen für Ausland^iroduftion der reinen Walzwerke usw. Graf v. Kanitz-Podangen (kons.) widerspricht sehr entschieden diesem Verlangen. Auch seine Partei wolle, so betont er, den kleinen und mitt» leren Werken helfen, aber das könne nicht durch freie Eiseneinfuhr geschehen. Wichtiger sei es, auf das Kohlensyndikat cinzuwirken, damit es nicht zu enorm billigen Preisen Kohlen an das Ausland liefere. Der Redner hebt hcrbor, welcher Einnahmeausfall die Reichskasse treffen würde, wenn die Einfuhrscheine auf Roheisen gewährt würden. Aber abgesehen dabo« müsse dagegen auch aus wirtschaftlichen und politischen Gründen protestiert werden. Schließlich betonte der Redner feine entschiedene Gegnerschaft zu der Forderung eines Reichsberggesetzes, sLebhafter Beifall.) Abg. Dr. Stresemann (natl.) brachte berschie- dene Wünsche bor u. a. den nach haldiger Bekanntgabe des Handelsbertrages mit Portugal; ferner betonte er die Notwendigkeit eine kräftige Landwirtschaft zu erhalten, dabei aber auch den Export nicht zu ber- nachlässigen. Der Resolution des Zentrums müfle er seine Zustimmung bersagen, dagegen empfehle er die Resolution feiner Partei behufs Vorlegung einer Denkschrift über die Lage der Walzwerke. Als nunmehr der Sozialdemokrat Zubeil dem Rednerpulte zustrebte, leerte sich der Saal fast gänzlich und die mit drühnendem Pathos vorgetragenen kleinen Vorwürfe berhallten fast ungehürt. Sogar nur hier Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion hatten den Mut. während des Zubeilschen Auftreten« im Saale zu bleiben. Nach fast dreibiertelstündigem Schreien verläßt Zubeil endlich die Tribüne; ihm folgt der von ihm leidenschaftlich angegriffene Abg. Carsten« :(frf. Vp.), der ihn kräftig abführte rmd gegen bte Ausführungen Zubeils über bie Firma Carsten«, deren Miffnhaber Redner ist, mittcilt, daß in allen feinen Betriben absolut Ruhe geherrscht hat, bis seit Aufnahme seiner politischen Täfigkeit die Verhetzung durch die Sozialdemokratie eingesetzt habe. Nachdem der Redner noch in ausführlicher Weise über mehrere der borliegenden Resoluffonen gesprochen hatte, wirb die Debatte auf Montag 2 Uhr bertagt.
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Tic Nachlaststeuer in der Finanztommiffwn Die Finanzkommission des Reichstags setzte am Samstag die allgemeine Beratung über das Nachlaßsteuergesetz fort. Der württembergische Finanzminifter legte m ähnlicher Weile wie am Tage vorher die Vertreter der anderen Bundesstaaten eingehend die Gründe dar, welche born Standpunkt der Einzelstaaten gegen eine Rcichsvermögenssteuer und gegen die Veredelung der Matrikularbeiträge sprächen. Nur die Vermögenssteuer ermögliche cs den Einzelstaaten, ihre Kulturaufgaben zu erfüllen. Darauf entwickelten Mitglieder der verschiedenen Parteien nochmals ihre bereits bekannt gewordene Stellung zur Nachlaß- stcuer und den vorgeschlagenen Ersatzsteuern. Bon dcu Konservativen wurde beantragt, die Abstimmung über den § 1 der Nachlaßsteuer bis zur Durchberatung des Erbschastssteuergesetzes auszusetzen. Nachdem der preußische Finanzminifter noch einmal insbesondere die Schwierigkeiten, welche bei Ablehnung der Nach- laßsteucr aus einer Erhöhung der Vermögenssteuer
iNawdruck verboten.)
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
lForffetzung.)
Desiree antwortete nicht. Bewegungslos fass sie neben der Portierloge und harrte mit klop- fendem Kerzen auf den Augenblick, der sie von der eklen Gesellschaft dieser Männer befreien würde.
Endlich rollte ein Wagen vor die Pension, eine große, bequeme Kutsche mit einem Wappen auf dem Schlage und einem gallonierten Kutscher auf dem Bock.
„Sie gehört meinem Freunde, dem Proku- rator Herrn Lamezan. Ich habe ihm die Equipage vor der Nase fortgefischt, als er gerade spazieren fahren wollte," sagte der Graf lachend, als er aus dem Wagen sprang. „Steigen Sie ein, meine arme Freundin, und auch Sie, meine Herren. Da Sie Ihr« Beute doch nun einmal nicht aus den Händen lasten wollen, so lassen Sie sie wenigstens fahren."
Die Polizisten setzten sich bescheiden auf den Rücksitz. Desiree und d'Alincourt nahmen nebeneinander Platz. Der Kutscher trieb die Pferde an und brach sich Bahn durch den johlenden Volkshaufen.
„Nun sagen Sie mir, was ist geschehen?“ fragte der Graf. „Spionrn? Es ist zu lächerlich, wenn es nicht so gefährlich wäre. Sie, die Sie kamen, Ihren Vater zu suchen? Ich nehme an, Latz Sie mir die »olle Wahrheit gesagt haben."
ober der Matrikularbeiträge sich ergeben würben, betont hatte, würbe bie Weiterberatung auf Dienstag, den 9. Februar vertagt.
Im Abaeordnetenhauje
würbe am Sonnabend bie zweite Beratung des Justiz« tas fortgesetzt. Abg. Gaffel (ftf. Vp.) wünschte die Einsetzung einer Kommission aus Professoren, Examinatoren und Praktikern der Recht«- pflege, um eine Reform des juristischen Studium« und der prakfischen Vorbildung der Referendare herbeizuführen. Abg. Peltasoh« (frf- Bgg.) bezeichnete es al« einen unerfreulichen Zustand, daß im Jahre 1908 über 1000 Assessoren kommissarisch beschäftigt worden sind. Abg. Dr. Mizccsfi (Poli) beklagte sich darüber, daß bei Ernennung zu Notaren und Richtern die Juristen polnischer Nationalität zurückgesetzt würden. Abg. Leinert (Soz.) beklagte es, daß Arbeiter vor Gerichten schroffer behandelt würden wie die Angehörigen der befferen Stände. Die Arbeitgeber genöffen den Schutz der Gerichte in höherem Maße als die Arbeitnehmer. Da« Zeugnis eine« Schutzmanns geltemehr vor Gericht als das Zeugnis von Zivilpersonen. Minister Befcler betonte, daß die Sozialdemokraten sich die üblen Folgen ihrer Straßendemonstrationen selbst zuzuschreiben hätten. Abg. Straffer skons.) meinte, daß bezüglich der Neu- und Umbauten eine größere Sparsamkeit bei der Jusfiz sehr am Platze wäre. Der Terrorismus der Sozial, demokraten sei viel schlimmer al» die angebliche Schroffheit bei Behandlung ihrer Genoffen feiten« der Polizeiorgane. Wenn das Zeugnis eines Schutzmanns höher eingeschätzt werde al« das eines Sozialdemokraten, so liege das daran, daß die Sozialdemokraten selbst in ihren Lehren und Schriften die Heiligkeit des Eides verspotten. — Das Haus vertagte sich auf Montag vormittag 11 Uhr. Lehrerbesoldung.
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Berlin, 6. gebt. Die verstärkte Gemeindekommission des preußischen Abgeordnetenhauses nahm in zweiter Lesung den Gesetzentwurf, betreffend die Aufhebung des Kommunalsteuerprivilegs für die Beamten, in der Fassung der ersten Lesung mit einigen redaktionellen Aendernngen an.
Interpellation. Das Zentrum brachte im Ab- georbnetenhause folgende Jnterpellafion em: Was gedenkt die Staatsregierung für die bon der neuesten HoLwasserkatastrophe Betroffenen zu tun?
Zur Frage de« Wabnnngsaelbzuschuffe». In der Budgetkommiffion des Abgeordnetenhauses ist rnitge- teilt worden, daß der Reichstag beschlossen hat, mit Rücksicht auf die Verhältnisse in Preußen sofort daS dort borlieaenbe Wobnunasgeldzufchußgesetz zu beraten. — Infolge dieser Mitteilung ist eine Gubkom» Mission gewählt worden, die mit der entsprechenden Subkommission de« Reichstages in Verbindung treten soll. Somit wird die Frage des Wohnungs- geldzuschuffes im Reiche und in Preußen pari passu behandelt und hoffentlich bald gelöst werden.
Die Laae auf dem Orient.
Sie Türkei unb Oesterreich.
Konstantinopel, 6. Febr. Die im qestriqen Ministerrat an dem östereich-ungarisch- türftschen Protokoll vorgenommenen Aenderun- gen sind heute nachmittag der österreich-ungarischen Botschaft r.itgeteilt worden. Da sie nicht nur redaktioneller Natur sind, sondern auch das Wesen gewisser Punkte berühren, so werden die Verhandlungen fortgesetzt werden.
Konstantinopel, 6. Febr. „Jeni Ea- zetta" und der „Jkdam" erklären, daß die im gestrigen Ministerrate vorgenommenen Aender- ungen am österreich-türkischen Protokoll drei Punkte betreffe: nämlich die Auswanderungsfrage, die Zol.frage und die Kapitulationen. Der
„Beim allmächtigen Gott das habe ich, sprach Desiree, die Rechte auf das Herz legend. „Das ist das einzige Ziel meiner Reise. Ich habe auch gar keine Ahnung, wie der schimpfliche Verdacht gegen mich entstehen konnte."
„Reichten Sie Ihr« Pässe bei der Mairie ein?“
„Stein, ich schrieb gestern nur meinen Namen ins Fremdenbuch. Meine Papiere habe ich bei mit; es ist ein belgischer Paß, vom französischen Konsul visiert, und mein Heimatschein. Die Tante sah darauf, daß ich meine Legitimatton in Ordnung hielt."
„Das ist gut," nickte d'Alincourt nachdenklich, „aber es beweist noch nichts. Kennen Sie hier in Bordeaux niemand persönlich, der für Sie Bürgschaft leisten kann?"
„Niemand. Herr Malvezin hat mich natürlich nie gesehen, nur meinen Papa — er würde über den jedenfalls Auskunft geben können."
„Das wird nicht nötig fein," meinte der Graf, „mein Zeugnis wird besser wirken. Sie nehmen es doch an?"
„Sie sind mein Retter, Herr Graf."
„Ihr aufrichtiger Freund bin ich, liebste Desiree Haben Sie guten Mut. Es kann nichts vorliegen als eine abscheuliche Verleumdung. Weshalb zogen Sie auch in ein Damenpensio- nat? Schlimm genug, daß auf die Verdächtigung irgend einer alten Jungfer hin eine anständige Dame verhaftet werde» kann und dazu noch so rücksichtslos wie von Euch, Ihr Herren."
„Wir taten nur, was unsere Pflicht ist, Herr Major," antwortete Blichart.
„Jeni-Gazetta" zufolge erklärte der Minister des Inner, nach dem Ministerrate, daß die Aenderungen nicht wichtig feien. Di« Entente fei als vollzogen zu betrachten.
Rußlands Vorschlag.
Konstantinopel, 6. Febr. Gestern beriet der Ministerrat über den russischen Finanzvorschlag, über den der russische Botschafter Sinowjeff dem Eroßwesir dahin Mitteilung macqte, daß Rußland der Türkei für Bulgarien 120 Millionen Fronten anbiete, indem es sechzehn Jahre auf die türkische Kriegsentschädigung verzichtet. Der Großwesir soll dem Ministerrate folgenden Gege Vorschlag an Rußland zur Beratung unterbreitet haben. Die Türkei benutzt diese Gelegenheit, um di« ganze Kriegsentschädigung an Rußland zu liquidieren, indem sie den russischen Vorschlag annimmt. Die Pforte ist in der Lag«, eine Anleihe von etwa fünf Millionen Pfuiw aufzunehmen, oder durch Eskomptierungs-Operationen die gleiche Summe flüssig zu machen. Wenn bie Pfort« diese Summe an Rußland zahlt, würden nur noch drei Millionen Pfund verbleiben und damit der ganze Rest der Kriegsentschädigung ausgezahlt werden. Die Pfotte könnt« diese drei Millionen Pfund leicht finden. Es könnten hierzu auch die 2% Millionen Pfund, welche Oesterreich-Ungarn zahlt, benutzt werden.
Konstantinopel, 6. Febr. Die russische Botschaft hat bisher kein« amtliche Mitteilung von dem auf den russischen Finanzvorschlag gemachten türkischen Gegenvorschlag er- hatten. Sie ist aber über ihn sichtlich ungehalten und erklärt, daß der russische Vorschlag im Einverständnis mit England und Frankreich, somit also im Namen dreier Mächte erfolgt sei und daher nur angenommen oder zurückgewiesen werden könne.
Sofia, 6. Febr. Die Nachricht über den türkisäfen Gegenvorschlag rief in den hiesigen leitenden Kreisen große Versttmmung hervor, weil hierdurch eine neuerliche Verwirrung der Lage ermattet wird.
Köln 6. Febr. Der „Kölnischen Zeitung“ wird aus Saloniki von heute telegraphiett: Ein Befehl von Konstanttnopel ordnet an. daß im ganzen dtttten Korpsbezirk Vorkehrungen zur sofortige« Einberufung sämtlicher Altersklassen getroffen werden, derart, daß sie auf die erste Weisung hin marschbereit sind. Die vorschriftsmäßige Zahl der Tragtiere für jeden Truppenteil soll beschafft werden. Von der Grenze wird berichtet, daß auf bulgarischer Seite die Bildung von Freiwilligenabteilungen stattfindtt.
Politische Umschau.
Kein« „politischen Lump««".
Der fteisinnige Reichstaqsabgeordnete Sommer erklärt jetzt di« auch von uns übernommene Nachttcht d«r Berliner demokratischen „Volksztttung", wonach er die Barthleute als „politische Lumpen“ bezeichnet haben soll, als unwahr. Er meint: „Die „Berliner Volksztg.“ vom 2. d. M. beschäftigt sich in dem ihr eigenen, für die Mitglieder der Freisinnigen Volkspartei hergerichteten Stile mit meiner Person. Ich verschmähe es, da dieser Bericht geflissentlich alles
„Gar so unschuldig wird die Dame wohl nicht sein," meinte Piffart. „Wir arretterte« schon manches Fräulein, das wie die Unschuld selber aussah, und nachher blieb sie doch in Gewahrsam. Die Dame hat eine richtige Spionennase."
„Ich bewundere Ihren Scharfsinn," sagte der Offizier lächelnd, „hoffentlich wird der Herr Maire keine Abneigung gegen niedliche Stumpfnäschen haben."
„Die Dame kommt nicht vor den Maire, sondern z um Herrn Eeneralkommissar," sagte Blichart wichtig.
„Generalkommissar, was ist das für ttne n«ue Charge?" _ t
„Augenblicklich die höchste in Bordeaux. Herr von Soumis ist die rechte Hand des Retters von Frankreich, des Herrn Eambetta, der ihn selbst als oberste Polizei- und Militärbehörde eingesetzt hat.“
„Das republikanische Frankreich stellt alles auf den Kopf," murrte der Graf kopsschüttelnd. „Indessen wir werden auch mit dem Herrn von Gambetta's Signatur ferttg werden.“
Der Wagen hielt am Stadthause. Die Insassen stiegen aus. Während Desiree mit den beiden Polizisten in das Tor trat, sagte d'Alincourt zu dem Kutscher:
„Mttn Kompliment an Herrn von Lamezan. Sagen Sie nur, ich hätte Sie mit der Waffe in der Hand zur Fahrt gezwungen. Das Uebrige werde ich verantworten und für Ihren Schreck und Bereitwilligkeit, hier!“
Er warf dem Rosselenker einen Doppellauts zu, welchen dieser geschickt auffing. Eine tiefe Verbeugung mit abgezogenem Hut quittierte
auf den Kopf stellt, hierauf irgendwie einzugehen. Nur das eine sei mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen, nämlich die böswillige Unwahrheit, daß ich in Verbindung mit der Person des Herrn Dr. Barth von einem „politischen Lumpentume" gesprochen habe. Eine derartige oder auch nur ähnliche Wendung ist von mit weder bewußt noch in der Hitze des Gefechts gebraucht worden."
„Böswillige Unwahrheit“ und „g e« flissentlich alles auf den Kopf stellen“ ist eine scharfe Kritik an dem Zentralblatte der v. Gerlach-Bartb-Gruppe. Da sie aber von politisch so nahestehender Seite kommt, wird man an ihrer Berechtigung kaum Zweifel hegen können. Jeder Kommentar erscheint hier überflüssig?
Deutsches Reich.
— vom Kaiser. Potsdam, 6. Febr. Der Kaiser traf heut« abend 6 Uhr 40 Min. in Potsdam ein und begab sich nach dem Regimentshaufe des 1. Earderegiments z. F. zur Feier des Gedenktages des Einttitts des Kaisers in das Regiment. Es waren erschienen der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, Prinz August Wilhelm, der Fürst von Hohenzollern, Prinz Friedrich Wilhelm, Prinz Friedrich Leopold, die Generalität und die Vorgesetzten und die Offiziere des Regiments. An die Festtafel schloß sich eine Theatervorstellung.
— Der Kaiser und Fürst Bülow. Berlin, 6. Febr. Das Kaiserpaar stattete heute vormittag um 12 Uhr der Fürstin v. Bülow anläßlich ihres G-burtstaqes einen Besuch ab.
— Der Besuch König Eduards in Berlin. Die Ankunft König Eduards und der Königin Alexandra von England erfolgt am Dienstag, den 9. Februar, 11 Uhr vormittags auf dem Lehrter Bahnbof. Der Ehrendienst ist dem Königspaar bis Rathenow entgegengefahren. Auf dem Lehrter Bahnhof wird das Königspaar durch den Kaiser und die Kaiserin, den Kronprinzen und die Kronprinzessin, sämtliche Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses und des Fürstlichen Hauses Hohenzollern sowie durch die in Berlin und Potsdam anwesenden Prinzen und Prinzessinnen aus regierenden deutschen Häusern empfangen. Das Hauptquartier des Kaisers sowie die Generale und Admirale der Earnffon Berlin sind dabei zugegen. Sodann erfolgt die Fahrt nach dem Königlichen Schlosse mit Eskorte über die Alfen« brücke, über den Königsplatz, die Sieqesallee, Charlottenburger Chauffee nach dem Brandenburger Tor. Auf dem Pariser Platz findet die Begrüßung durch die städtischen Behörden statt. Die Weiterfabtt geschieht auf dem Mittelwege der Straße Unter den Linden. König Eduard nimmt Wohnung in der Wilbelmfckien Wohnung, Königin Alerandra in den Köniaskam« ment. Um 11% Uhr findet im Garde du Corps« Saal Empfang unter großem Vortritt statt. Hierzu versammeln sich im Roten Zimmer die ============= i - —I
den Empfang. Der Kutscher trieb seine Pferde an und Graf d'Alincoutt trat in das Stadthaus.
Er ließ sich sofort bei dem Eeneralkommissar melden und hatte das Glück, infolge seines berühmten Namens sofort voroelassen zu werden.
Herr von Soumis, der ftühere Militärbevollmächtigte zu Tours, empfing ihn mit ausnehmender Höflichkeit.
„Der Ruf Ihres Totenrittes bei Sedan tst bis zu uns gedrungen,“ sagte er, dem Gaste einen Stuhl anbietend'. „General Gallifet nannte Ihren Namen mit Auszeichnung. Die Ehrenlegion, ja das Comthurkreuz ist Ihne« gewiß, auch ein Avancement zum Oberstleutnant vermag ich Ihnen anzubieten. Sie kommen jedenfalls, um Dienste im republikanische« Heere zu nehmen?"
,Deshalb verließ ich Belgien mit meine« Kameraden. Ich stehe zur Verfügung Frank- reichs. Doch das fühtt mich augenblicklich nicht zu Ihnen, Herr von Soumis, sondern das Schicksal einer jungen Dame, des Fräulein Bour-
lier —“
„Der Spionin!“ rief der Kommissar, mit gerlicher Miene aufstehend. „Ein eklatanter Fall gemeiner Spionage wie dieser Bttef bezeugt. Er deutete auf ein Schreiben, welches auf seine« Tische lag. „Uebttgens hab« ich eigentlich mit dieser Angelegenheit nur insofern zu tun, als ich dem Polizcichef zeigen wollte, daß dergleiche« Gesindel massenhaft in Bordeaux weilt, während sich jener einbildtt, Spionage wär» eiet Fabel." i*