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demokratischen Strahenkundgebungen, nament­lich das Partei-Landes-Sekretariat und der Ber­liner Aktions-Ausschuß. gegen den Willen der Regierung die Straße für ihre Agitationszwecke benutzen, sollten gegen diese Veranstalter, ebenso wie gegen die Leiter solcher Probeexerzieren energisch aus 8 19 des Vereinsgesetzes einge­schritten werden, ehe die betörte Masse zu groben Exzessen aufgestachelt ist.

Aus den Parlamenten.

Aus de« Reichstage.

In der "198. Sitzung wird der Etat für da» Reichsamt des Innern in Angriff genommen. Ausgedehnte sozialpolitische Debatten, für die mehr als ein Dutzend Resolutionen die Grund­lage abgibt, werden mindestens während einer Woche auf der Tagesordnung sein. Der Abge­ordnete Trimborn (Ztr.) beginnt mit seiner Kritik der vorliegenden und angekündigten so­zialpolitischen Gesetze und befürwortet seine zahlreichen Resolutionen, insbesondere hinsicht­lich der Fragen des Koalitionsrechts. Abg. Bassermann (natlib.), der ebenfalls in erster Linie Arbeiterfragen erörtert, dann aber auch auf die Klagen aus Handwerkerkreisen über die Belastung mit Beiträgen bezug nimmt, stimmt der Hinausschiebung des Inkrafttretens der Ar­beiter-, Witwen- und Waisenversicherung nicht zu. Abg. Pauli-PotSdam (kons.) lässt in seiner Rede durchblicken, dass besonders für den gewerb­lichen Mittelstand di« sozialpolitischen Lasten schon die Grenze der Erträglichkeit überschritten hätten. Auch von dem neuen Arbeitskammerge- setz verspricht sich der Redner nichts. Dagegen empfiehlt er den Abschluss von Tarifverträgen, insbesondere für das Handwerk. Es müsse end­lich zum Schaden der Arbeiter ausschlagen, wenn fortgesetzt die deutsche Produktion belastet und im Wettbewerb mit dem Auslande geschwächt werde. Nachdem der Redner schliesslich zu den Resolutionen Stellung genommen, wird er durch den Sozialdemokraten Hoch abgelöst, der ein Loblied auf die sozialdemokratisch-gewerkschaft­liche Organisation singt und bei dem Gedanken an ein Ausnahmegesetz bald schäumt, bald höhnt. Anderthalb Stunden lang spricht der Redner über allerlei alt« sozialdemokratische Forde­rungen und Klagen. Hierauf betritt Abg. Dr. Mugdan die Tribüne und polemisiert gegen den Vorredner, indem er die sozialpolitischen Fort­schritte gegenüber dem Ausland« ins rechte Licht stellt. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr.

Aus dem Abgeordnetenhaus«.

Im Abgeordnetenhause wurde in der Sitzung am Donnerstag, 4. Februar, die Besoldungs­ordnung in dritter Lösung verabschiedet. Abg. v. Schenckendorff (natl.) bedauerte, dass die Turnlehrer zu wenig berücksichtigt worden seien. Abg. Wollkowski (kons.) betonte, dass unter der notwendigen Rücksichtnahme auf die finanzielle

Straßendemonstrationen.

Die Wahlrechtsfrag« in Preussen hat ein eene» foziaLemokratisches Kampfmittel gezei­tigt die Strahendemonstration. Auf Anordnung des" interMtionalen sozialistischen Bureaus in Brüssel sollen bereits am 22. Januar 1906, dem Jahrestage des sogenannten Eapon-Sonntages von St. Petersburg, alle Vereine aller ange­schlossenen sozialistischen Parteien Massenver­sammlungen abhalten und womöglich Umzüge veranstalten; aber die einsichtigeren politischen Führer der deutschen Sozialdemokratie hatten damals noch Bedenken, ihre Gefolgschaft in Preussen auf die Strasse zu führen, und liehen es bei Demonstrationsversarnmlungen am Sonn­tag, den 21. Januar 1906, bewenden. Der sozi- aldemokratische Parteivorstand erklärte es da­mals sogar ganz offiziell imVorwäts" für unwahr, dass nach Schluss der Versammlungen Straßenkundgebungen in irgend einer Form stattfinden sollten. Es fanden denn auch in Preußen am 21. Januar 1906, Sonntags mit­tags, sozialdemokratische Massenversammlungen statt' aber nirgends kam es zu Strahendemon- strationen.

Inzwischen haben sich di« Anschauungen üb«r den Wert von Straßendemonstrationen in den Kreisen, auch der preussischen Sozialdemokratie, geändert, und es ist von Interesse, zu unter­suchen worauf dieser Umschwung zurückzuführen ist. Die Anregung zu Strassenkundgebungen kam von Breslau, aber der Parteivorstand und auch der preussische Parteitag winkten ab und wiesen nur aufunablässige Agitation in Wort und Schrift" zur Erlangung des allgemeinen Wahlrechts für den Landtag hin. Selbst die sonst so radikaleLeipziger Volkszeitung" be­zweifelte damals noch, dass eine Stratzenkund- gebung einen so überwältigenden, alles hinrei­ssenden Charakter annehmen würde, wie sie haben müsste, wenn sie wirklich ihren Zweck er­reichen sollte. Erst nach Gründung des Verban­des der sozialdemokratischen Wahlvereine von Berlin und Umgegend trat der Umschwung ein. Neben dem Parteivorstand gewannen der Vor­stand dieses Berliner Verbandes und damit die Berliner Parteifunktionär« Einfluss, und kleine Lokalgrößen wie Ernst, Liepmann, Wels u. a. entschieden sich im Gegensatz zu den gereifteren politischen Führern wie Bebel und Legien zu Strassendemonstrationen. ,

Merkwürdigerweise waren die Revisionisten unter Führung von Bernstein von vornherein für die radikale Richtung von Stratzenkundgeb- ungen, während dieVorwärts"-Redaktion, mit Ausnahme von Arthur Stadthagen und Rosa Luxemburg, bis auf die letzte Zeit stets grosse Zurückhaltung bewahrte. Noch am 21. Januar 1906 veranstaltete die Sozialdemokratie in Ber­lin und Umgegend Versammlungen in 80 Lo­kalen, um Anhäufungen der Massen auf der Strasse zu vermeiden, und wies di« Behauptung gegnerischer Blätter, dass in Berlin Stratzen- demonstrationen mit der ParoleNach dem Schloß!" geplant seien, energisch zurück. Das ist nun ctnleis geworden, nachdem die Parteifunk­tionäre Berlins und Umgegend (der sogen. Berliner Aktionsausschuß) unter Führung des

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage

Lage des Staates und die Steuerzahler da» Möglichste durch die Vorlage erreicht worden sei. Den unerfüllbaren Anträgen der Sozial- demokraten gegenüber könnte die Beamten­schaft ausrufen:Gott behüte mich vor meine« Freunden!" Abg. Falti« (Ztr.) vermißte die Gleichstellung der Eerichtssekretäre mit den Re- gierungssekretären. Unterstaatssekretär v. Do«- boi» wies auf di« Erhöhung des Endgehaltes der Gerichtssekretäre um 700 gegenüber der nur 300 <M betragenden Erhöhung bei den Re­gierungssekretären hin. Die Behauptung des Abg. Ströbel (Soz), daß bei Aufbesserung der unteren Beamten die Regierung wenig Wohl­wollen im Vergleich zu den Höheren Beamten bewi^en habe, trat der Abg. v. Pappenhei« (kons.) entgegen. Die U'.terbeamten seien um 20 v. H. die mittleren un. 15 v. H., die höheren nur um 714 v. H. aufgebessert worden. Der Wohnungsgeldzuschuß für dir Unterbeamten sei in den letzten Jahren um 100 v. H. erhöht wor­den. Die Behauptungen des Abg. Ströbel schei­nen weniger auf Unkenntnis der Materie zu be­ruhen, als vielmehr wider besseres Wissen zu Agitationszwecken vorgebracht worden zu sein. (Lebhafter Beifall.) Hierauf wurde die Vor­lage mit der einzigen Aenderung, daß die Buch­halterinnen und Lehrinnen an den Gefäng­nissen in Zukunft 1400 bis 2500 (statt 2400) M beziehen sollen, in der Fassung der zweiten Le­sung angenommen. Es folgte die Beratung des Vertrages zwischen Preußen und Hamburg betreffend Verbesserung des Fahrwassers der Elbe und andere Massnahmen zur Förderung der Seeschiffahrt nach Hamburg und des Gesetz­entwurfs betr. die Aenderung der Landesgrenz« gegen Hamburg im Landkreise Harburg. Zur Vorlage, die vom Minister v. Breitenbach be­gründet wurde, bemerkte Abg. v. Arnim-Züse­dom (kons.), daß Hamburg das größte Interesse am Zustandekommen des Vertrages habe, um sich durch weitere Derftefung der Elbe sein« Weltstellung zu wahren und mit Rotterdam und Antwerpen konkurrenzfähig zu bleiben. Des. halb müsse Preußen ein« Vertiefung des Köhl­bandes über 10 Meter und die Aufnahme eine, Bestimmung in den Vertrag verlangen, wonach eine Ueberbrückung des Köhlbrandes unzulässig sein soll. Er beantrage die Verweisung der Vorlage an eine Kommission von 21 Mitglie- dein. Die Abgg. Just (Hosp. d. Natll). Rein. Hard (Ztr.), Bahrenhorst (freik.). Dr. Waldstria (Freis. Vag.) wollen gern die Interessen Ham- burgs gefördert wissen, aber Preussen nicht schädigen lassen. Abg. Dr. Hahn (kons.) rekapi­tulierte nochmals die preussischen Forderungen, welche dem Vertrage eingefügt werden solle« und trat für eine nochmalige Verhandlung mit Hamburg ein. Die Vorlage wurde einer Kom­mission von 21 Mitgliedern überwiesen. Nächste Sitzung: Freitag. 12 Uhr. Fortsetzung der zwei ten Lesung des Justizetats. Schluß 5% Uhr.

Die Rachlabsteuer in der Finanzkommisfio«.

Die Finanzkommission des Reichstags trat gestern in die Eeneraldiskussion über den Ent» wurf des Nachlaßsteuergesetzes ein. Die Finanz­minister der Bundesstaaten waren in großer = - -------=?

in ihrer kritischen Lage, und mit diesem Bemü­hen kam Vergessen über sie. Sie war entschlum­mert.

Der Traum spann ihre Gedanken weiter fort, Sie war wieder am Bette des verwundeten,6«*. liebten. Sie pflegte, tröstete und küßte ihn, aber er wollte sich nicht von ihr berühren lassen, Nimm den Brief fort," sagte er unaufhörlich: er tut mir weh und wird Dich unglücklich machen. Nimm den Brief, den Du aus Borde­aux geschrieben, er brennt mich mehr als meine Wunde!"

Was halt« Waldemar nur mit dem Brief?" dachte sie halbwachend nach.Er enthält kein böses Wort. Was kann ihn nur kränken? Er ist kurz und sachlich von Liebe steht zwar nichts darin." Sie wiederholte den Inhalt Wort für Wort und wurde darüber ganz munter.

Das Zwielicht fiel grau durch das Fenster und erhellte das Zimmer notdürftig. Unwill­kürlich suchten ihre Augen den Brief, von dem sie geträumt. Sie schaut« nach dem Schreib­tische.

Der Brief war nrcht da.

Es trieb sie aus dem Bette. Sie zündet« Licht an und leuchtete überall hin. Unter dem Tische, dem Sopha dem Bette suchte sie, der Brief blieb verschwunden. Trotz der Kält« im Zimmer, trotz ihrer mangelhaften Bekleidung fühlte sie Schweißtropfen von der Stirn herab-, rinnen. Wo war der Brief geblieben?

Ein scharfe» Klopfen an der Türe unterbrach ihr Tun. Sie löscht« das Licht aus. Es wag ganz hell im Zimmer.

l. (Fortsetzung folgt.)

«-druck tierboten. 1

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

(Fortsetzung.)

sein. Darum auch lehnte sie sein Anerbieten, die Nachforschungen sogleich zu beginnen, ab und zog sich müde und wie zerschlagen in ihr Pen­sionat zurück. Um sich eines Teiles ihrer Sorge zu entledigen, setzte sie sich sogleich nieder und schrieb einen Brief an Tyrolt, damit er wenig­stens benachrichtigt sei.

Verzeih mir, daß ich, ohne Deinen Rat ein­zuholen, hierher ging. Mich trieb die Pflicht, das ist meine Entschuldigung. Nun bin ich in Bordeaux an der Schwelle des Geheimnisses. Ich werde hier alles erfahren und Dir sofort Be­richt erstatten. Ich schwöre Dir, daß ich nicht ohne Nachricht zurückkehren werde, denn ich bin klug und auf der Hut und werde alles auskund- schasten. was uns zu wissen not tut. Ich werde vor nichts zurückschrecken, schlau und tapfer sein, bis ich den Vater gefunden habe, dessen Liebe ich um jeden Preis wieder gewinnen will."

Eie adressierte den Brief und ließ ihn auf dem Schreibtische liegen, nachdem sie jenen sorg­sam geschlossen hatte. Sie wollte ihn am an­deren Tage, wenn sie zu Malvezin gehe, selbst zum Postamt tragen. Dann begab sie sich in den Salon, um sich ein Essen austragen zu lassen. Die Pension war voller Fremder. Dio Unruhe und der Lärm waren ihr schnell zuwider. Sie speiste hastig und zog sich auf ihr Zimmer zurück.

Ihr Körper und ihr Geist waren müde; die Augen schmerzten sie. Sie beschloß, sich nieder­zulegen, ohne Licht zu machen. Seufzend lehnte sie sich in die Kissen und dachte über ihre Lage' nach, die durch ihr« Bekanntschaft mit d'Alin- court nur heikler geworden war. Wie konnte st« die Bewerbungen dieses Mannes mit' ihrer treuen Lieb« zu Waldemar in Einklang brin- gen?, Sie siuKe vergeblich eine Entschuwigung

Herr Graf, was tat ich, um diese Güte zu verdienen?" .

Sie fragen? Ihre Schönheit, Ihr« Liebens­würdigkeit, Ihre Hilflosigkeit haben es mir an­getan. Wie habe ich Si« vermißt, als Sie krank waren, wie schlug mein Herz, als rch Sie zuerst wieder erblickte! Ja, ich verehre Sie, Fräulein Desiree, ich liebe Sie."

Herr Graf," sprach Desiree, ihm langsam di« Hand entziehend, welche er währet seiner>e ergriffen hatte.Ich bitt« Sie, h-lten Sie ein. Ich darf Ihre Worte nicht hören, denn sie berau­ben mich des Schutzes, dessen ich so sehr bedürf­tig bin,"

Sie stand auf und wollte sich entfernen. Aber dÄlincourt erhob flehend die Hände.

Bleiben Sie, holdes Fräulein, gehen 6t« nicht im Zorn von mir. Ich will schweigen und alle Wünsche in meiner Brust begraben, bis eine bessere, eine günstigere Zeü gekommen. Ent­ziehen Sie nit Ihr Vertrauen nicht."

Ich würde mich selbst elend dadurch machen. Aber ich müßte mich verachten, wollte ich ferner solchen Reden lauschen."

Kein Wort mehr von Liebe, teure Desiree^ jagte er, sie mit glühenden Augen betrachtend; ich schweige, bis Sie mir selbst das Recht J« sprechen geben werden. Ick hoff«, dies Recht durch meine Taten zu verdienen. Bis dahin gelte für uns nur die Freundschaft. Reichen Sie mit die Hand, z:.m Beweis«, daß _6i< mir voll­ständig vertrauen."

Vorwärts"-Spediteurs Ernst mehr und mehr Oberwasser bekommen hatten. Nunmehr wur­den am letzten Sonntag, ebenso wie in der ver­gangenen Woche, von der sozialdemokratischen Landeskommrsston überall in Preußen zum Schein Versammlungen einberufen, um die Massen zu mobilisieren und dann aus dr« Straße zu führen. Im Januar 1906 waren, um Straßendemonstrationen zu verhindern, in Ber­lin und Umgegend 80 Lokale, im Januar 1908 aber nur 22, und vor 8 Tagen gar nur 11 Versammlungslokale zur Verfügung gestellt worden. Die damit verfolgte Absicht ist klar zu erkennen. pr . .

Die Art der Mobilisierung war stets dre gleiche Die Genossen wurden tags vorher münd­lich oder durch Handzettel auf Sonntag vormit­tag in das Lokal der Zahlstelle zu einerMor­gensprache" bestellt. Dort übernahm der Be­zirksführer die weiter« Leitung und führte seine Getreuen zu einer bestimmten Stunde auf die Straße. Auf dem Wege zu den Versamm­lungslokalen schlossen sich die Bezirke zu Abterl- ungen zusammen, und unter der Führung ihrer Abteilungsführer staute sich dann der gesamte Wahlverein vor den rasch sich Menden Ver­sammlungslokalen zu kompakten Massen zusam­men. Falls sich die Polizei überraschen netz, ging es nach Schluß der Versammlungen ins Stadtinnere weiter, und kam es irgendwo zu Zusammenstößen mit der Polizei, so zogen sich die Bezirks- und Abteilungsführer hinter ihr Gefolge zurück und überließen die weitere De­monstration der großen Masse.

Wohin soll das führen, wenn solche Stratzen- kundgebungen sich immer wiederholen? Dadurch einen Druck auf die Regierung oder den Land­tag oder gar auf den Monarchen ausüben zu können oder zu wollen, liegt den sozialdemokra­tischen Veranstaltern der Demonstrationen fern. Es handelt sich hier nur um eine revolutionäre Machtprobe. Die Berliner Polizei ist denn auch stets bemüht gewesen, di« Demonstranten durch umsichtige Maßnahmen von dem Umftets des Schlosses fernzuhalten, und es ist der Polizei bis fetzt auch immer gelungen, die sozialdemokrati­schen Straßendemonstrationen zum Scheitern zu bringen. .. .

Aber ein steter Alarmzustand ist aufreibend, und da man von der Sozialdemokratie ein frei­williges Aufgeben ihrer Straßenkundgebungen kaum noch erwarten kann, ist es Sache der Re­gierung diesem Unfug ein Ende zu machen und ein für' allemal sozialdemokratische Stratzen- kundgebungen auf Grund des Allgemeinen Landsrechts (§ 10, Teil 2, Titel 17) im In­teresse der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu verbieten. Die Straßen sind zum Verkehr da und nicht für sozialdemokratische Parteidemonstrationen, und die bisherigen un­erlaubten Straßenkundgebungen der Sozial­demokratie haben nichts weiter als eine Be­lästigung der gesamten Bevölkerung dargestellt und'sind doch nur die Vorläufer des politischen Massenstreiks. Liegt der Sozialdemokratie daran, ihre Gefolgschaft auf der Straße zu zeigen, so bietet das Vereinsgesetz vom 19. April 1908 dazu die nötigen Handhaben. Aber so­lange die Berliner Drahtzieher für die sozial-

Desiree legte die Hand in seine Rechte. Er sah sie lang« innig an, während sie die Augen niederschluq. Beide setzten sich wieder auf ihre Plätze. Aber die Unterhaltung wollte nicht fließen sie fanden den einfachen, vertrau­lichen Ton nicht mehr.

Ich möchte meine Sachen richten.' In weni­gen Stunden weiden wir in Bordeaux landen." sagte Desiree nach einer Weile.Leben Eie wohl indeß, wir sehen uns noch vor der Landung wieder."

Sie wollen mich Mein lassen?" fragte er schmollend.Sie sind mir auch nicht ein bischen gut."

Ich bin Ihre Freundin, gab ich Ihnen nicht darauf die Hand, Herr Graf?"

Wie kühl der Titel klingt!"

Er gebührt Ihnen, und mir, ihn zu gebrau­chen. Ich bitte Sie, bleiben Si« mein Freund."

D immer, immer!" rief er mit Emphase und küßte ihre Hand.

Sie ließ es sich ruhig gefallen und schied mrt einem freundlichen Kopfnicken.

XIX.

Das Schiff hielt am Quai des Quatrons in Bordeaux. Da Desir« die Gelegenheit, mit dem Grafen in einem Hotel zu wohnen, vermeiden wollte, nahm sie in einem Pensionat für Damen welches den Namen Minerva führte, Aufenthalt. Hier hatte Raoul d'Alincourt Schwierigkeit, ihr den Hof zu machen. Desiree war dem littet» lichen Grafen durchaus gewogen, aber gerade dies Gefühl hielt sie von ihm ferne. Hätte sie ihm sagen können, daß sie Braut wäre, so würde si« unbedenklich mit th« zusammengeblieben

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