mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage."
M 27
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische Bettung” bei allen Postämtern und nnsern ZeitungSstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der BezuaSpretr beträgt durch di« Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Dienstag, 2. Februar 1909.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätSbuchdruckeret Inhaber Dr. T. Hrtzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
U. Jahrg.
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ff? fite die Monate Februar und März
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»Ob erb es fische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden noch von unserer Expedition ilMarkt 21) unseren Ausgabestellen in «Kirch. shain. Neustadt und Wetter, sowie von iallen Postanstaiten und Landbriefträgern ent» gegengenommen.
Neber den türkisch - bulgarischen Konflikt
stellt die „Neue politische (Korrespondenz“ nach dem ihr von maßgebender Stelle gewor» denen Material da» Nachstehende zusammen:
I. Die Türkei fordert von Bulgarien:
a) Auszahlung eines Tributes für das Fürstentum Bulgarien (Nord-Bulgarien) von jährlich 100 000 türkische Pfund (rund 2% Millionen Francs), vom Jahre 1881 an;
b) Uebernahme eines Teiles der türkischen Staatsschulden und zwar in Höhe von 10 404 733 türkische Pfund (rund 250 Millionen Francs);
c) Auszahlung des Tributes für Ost-Rume- lien (Süd-Bulgarien) in Höhe von 265 000 türkische Pfund jährlich (rund 7 Millionen Francs), kapitalisiert mit 4y2 Prozent:
d) Auszahlung eines Restes von dem Tribut« für Ost-Rumelien für vergangene Jahre in Höhe von 4 023 657 türkische Pfund (rund 100 Millionen Francs) ;
e) Rückgabe der okkupierten Eisenbahn oder Auszahlung von einer runden Summe von 50 Millionen Francs für diese Bahn;
f) Auszahlung von 10 414 658 Francs für die .Eisenbahnstrecke Vakarel-Bellova;
g) Vier verschiedene Ansprüche, welche sich auf die Besitzungen der türkischen Gemeinden Wakufs) in Bulgarien, Rechnungen des Post- und Telegraphenwesens, Küstenbeleuchtung und Rechnungen der türkischen Sanitäts-Administration beziehen und im ganzen einen Wert von einigen hunderttausend Francs ausmachen.
j IT. Die Forderungen unter a, b und d find --Aon bulgarischer Seite als unbegründet und da» Ker als indiskutabel abgelehnt worden und 'gtDCtf*.
• zu ä und b’, betreffend den Tribut für dar Fürstentum Bulgarien und die Beteiligung Bulgariens an den türkischen Staatsschulden aus Folgenden Gründen: Nach dem Berliner Vertrage von 1878 Protokoll 18, sollte eine von den BertragsmäÄten ernannte internationale Kom« Mission spätestens bis Ende des Jahres 1879, snach entsprechender Prüfung der Lage, die entsprechenden Summen festsetzen. Die Mächte Haben aber später diese Bestimmungen des Vertrages dadurch außer Kraft gesetzt, daß sie die Srnennung derKommisfion nicht vollzogen haben- kDie Türkei hat also weder einen Tribut für da» ^Fürstentum, noch für die Anrechnung eines Teiles der Staatsschulden von Bulgarien je irgend 'eine Summe bezogen. Außerdem hat kein an- ideres der von der Türkei losgerissenen Länder jemals einen Teil der Staatsschulden zu übernehmen gehabt. Auch hat Bulgarien nichts an /Eisenbahnen, Häfen oder ähnlichen Einrich- :lungen von der Türkei übernommen, für welche die Türkei Anleihen gemacht hat.
46 ■ -'ffiPruä verbalen.)
Unter Feinden.
IT"-' Roman von Karl Matthias. '""""
l Fortsetzung.)
Das 1. bayerische Regiment saß der 2. Kompagnie der 204er dicht auf den Hacken. Ver» geblich verschanzte sich der Oberst Trepillon abermals hinter den Mauern der Fabriken und hinter den Wällen der Gasanstalt. Die Gasometer gingen in die Luft, und die preußischen Kanonen rasterten die Mauern der Fabriken und diese selbst weg.
Von seinem Befehlshaber Oberstleutnant von Heimleth unwiderstehlich vorgeführt, gelangte das 1. bayerische Regiment in die Stadt und drang, die Zollbarriere umgeheift», bis zum Marktplatze vor. Die 204er bildeten das Sou- tien der fliehenden Franzosen. Bourliers Soldaten verteidigten die Straße Schritt für Schritt.
Als sie die Ecke der Rue Chesy erreicht hatten und sich nach der Galerie Imperiale wenden wollten, stürmte ihnen eine Kompagnie bayerischer Jäger entgegen. Vourlier und sein Leutnant Perissier, sowie 20 Mann der Kompagnie wurden dadurch vom Regimente abgeschnitten und gerieten in ein Kreuzfeuer. Ersterer wollte sich in die nächststehenden Häuser werfen, fand aber die Türen fest verschlossen.
- „Ergebt Euch!" rief der Oberstleutnant von Heimleth dem kleinen Häuflein Franzosen zu. Vourlier, der sich auf einen Vorbau des nächststehenden Hauses zurückgezogen, stieß ein Hohn-
Zu d, betreffend den Rest von dem Tribute Ost-Rumelien» für vergangene Jahre. — Dieser Tribut ist in einer Konvention zwischen Bulgarien und der türkischen Dette Publique vom Jahre 1887 auf 130 000 Pfund festgesetzt worden: die Konvention wurde später auf diplomatischem Wege auch von der türkischen Regierung bestätigt. Diese Summe ist bis zum letzten Jahre vollständig von der bulgarischen Regierung an die Türken ausbezahlt worden. Also von einem Reste dieses Tributes kann keine Rede sein. Die türkische Regierung beansprucht diese Zahlung ohne jeden Rechtstitel.
III. Der Tribut für Ost-Rumelien wird von Bulgarien auf die jährliche Summe von 130 000 Pfund (rund 3 Mill. Francs), nicht aber au 265 000 Pfund anerkannt (siehe oben Punkt 2c), und die bulgarische Regierung ist einverstanden, diese Summe, kapitalisiert mft 5 Prozent (die jetzige Norm des Zinses für die bulgarischen Staatsschulden) zu bezahlen, was eine Summe von rund 59 Millionen Francs ausmacht.
IV. Die Abtretung der okkupierten Eisenbahn ist mit Rücksicht auf die wichtigen militärischen und wirtschaftlichen Staatsrücksichten zu Bulgarien ausgeschlossen. Die volle Entschädigung der realen Interessen der Türkei und der Orientbahnen-Eesellschaft hat die bulgarische Regierung ohne weiteres angenommen. Der Reinertrag dieser Bahn ist von beiden Seiten (von Vertretern der Gesellschaft und der bulgarischen Regierung) auf 6489 Francs für Jahr und Kilometer ausgerechnet. Für die okkupierte Strecke von 309 Kilometern sind nach dieser Rechnung also rund 40 Millionen Francs zu bezahlen, was Bulgarien angenommen hat, obwohl die Gesellschaft sich im Jahre 1898 die Strecke für 24V» Millionen Francs abzutreten bereit erklärt hatte.
V. Für die Eisenbahnstrecke Belova-Vakarel, eine Strecke von ungefähr 45 Kilometern, wird nach dem bestehenden, mit der Türkei getroffenen Abkommen von 1894 von Bulgarien eine Mietsumme von 2250 Francs für Jahr und Kilo-' meter oder im ganzen jährlich rund 100 000 Francs bezahlt. Bulgarien hat sich bereit er- klärt, für diese Strecke dieselbe Summe, kapita- lifiett zu 5 Prozent, also 2 Millionen Francs, zu bezahlen.
VI. Die Regelung der übrigen vier kleineren Forderungen der Türket ist ohne weitere» von Bulgarien angenommen worden.
VII. Andererseits hat Bulgarien gegenüber der Türkei eine Forderung von rund 28 Mill. Francs als eine Kreance von der Eisenbahn Rustschuk-Varna: diese Kreance ist von der türkischen Dette Publique im Jahre 1897 anerkannt worden.
VIII. Es find also von Bulgarien an die Türket zu bezahlen:
für den Tribut Ost-Rumelien» 59 Mill. Frcs. für die besetzte Eisenbahn 40 Mill. Frcs. für die Eisenbahn Belova-Vakarel 2 Mill. Frcs.
101 Mill. Frcs. und andererseits find abzuziehen
für die Kreance Bulgariens 28 Mill. Frcs.
Es verbleiben im ganzen also 73Mill.Frcs.,
die Bulgarien zu zahlen hätte.
Um jedoch feine gute Absicht zu erweisen und mit der Türkei auch in Zukunft freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten, hat Bulgarien sich
gelächter au» und richtete seinen Revolver gegen den Offizier zu Pferde. Aber ehe er abdrücken konnte, erhielt er eine Kugel in die Schulter und einen Bajonetthieb über den Schädel, daß er blutüberströmt zu Boden sank.
Als er wieder zu sich kam, lag er mit anderen Schwerverwundeten auf einem Karren, der im Dorfe Bourgneuf hielt. Man hatte die noch Lebenden in den Straßen von Orleans aufge- lefen und zum Verbinden nach den rückwärts liegenden Ambulanzen geschickt.
Bourlier war verwundet, gefangen, in der Gewalt des verhaßten Feindes. Sofort erkannte er die entsetzliche Tatsache seiner Lage. Er betastete sich. Seine Stirn war bandagiert, sein rechter Arm gleichfalls. Mit dem Bewußtsein kehrte auch ein entsetzlicher Schmerz in seinen Kopf, ein viel fürchterlicherer in seinem Herzen zurück.
„Nein, ich will nicht lebens" rief er verzweifelnd, indem er die Binde von seiner Sttrn riß. daß ihm das Blut über das Gesicht floß. „Eher tot als gefangen s Was soll ich noch hier? Alles ist dahin — ich bin entehrt, ein Spott meiner Gegner."
Da richtete sich neben ihm eine Gestalt au?, und ein bleiches Gesicht glotzte ihn mit erloschenen Augen an.
„Warum schreien Sie so, Verehrtester, und reißen.sich das Tuch vom Kopf? Zu Ende geht es darum doch nicht. Die Pruffiens binden Ihnen den Schädel roieber ein und die Hände auch, daß Sie sich nicht rühren könney. Heidi, es geht in die Gefangenschaft. Machen Sie'», wie
bereit erklärt, die obigen 73 Millionen auf rund 82 Millionen Francs für sämtlich: Forderungen der Türket zu erhöhen.
Politische Umschau.
Rußland und der Geburtstag Kaiser Wilhelm».
Petersburg, 28. Jan. Anläßlich des Geburtstages des deutschen Kaisers hatte die „Nowoje Wremja" einen Artikel gegen ben deut' scheu Kaiser veröffentlicht, dazu schreibt heute an leitender Stelle die offiziöse „Resstja": Das 50. Geburtsjahr des deutschen Käfters veranlaßt uns, dem hervorragenden Herrscher des uns benachbarten und befreundeten Reiches unsere allerbesten Wünsche auszusprechen. Desto entscheidender müssen wir unser tiefstes Bedauern aussprechen, wegen des Artikels, den die „Nowoje Wremja" dem Eebursfeste Kaiser Wilhelms gewidmet hat. Diese Zeitung, die im Auslande als die Wortführerin der öffentlichen Meinung Rußlands gilt, hat sich nicht gescheut, Handlungen des Oberhauptes des Nachbar- reiches derart zu kritisieren, daß alle Russen ihre tieffte Entrüstung ausdrücken müssen, dir gewohnt find, die Herrscher hoch zu achten, die unserem Vaterlande freundlich gesinnt sind.
Internationale Seekriegsrechtskonferenz.
London. 30. Jan. Die Delegierten der internationalen Seekriegsrechtskonferenz finden, daß es viel schwieriger ist, die Bestimmungen über die Kriegsführung zur See zu vereinbaren, als ursprünglich angenommen wurde. So tfi: auch keine Aussicht vorhanden, daß, wie man eigentlich gehofft hatte, die Arbeiten in nächster Woche zu Ende geführt werden könnten, sondern alles deutet darauf hin, daß die Beratungen, trotz der Ueberweisung der einzelnen Materien an Sonderkommisfionen sich sehr in die Länge ziehen werden.
Die Organisatton de» Patentamt«».
Bei den Beratungen in der Budgetkommisfion des Reichstages über den Etat des Reichsamts des Innern haben die Mitglieder des Reichstages und die Vertreter der Reichsverwaltung gleichmäßig ihrer Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß sowohl das Verfahren bei Erteilung von Patenten wie die Organisation des Patentamtes dringend einer Revision bedürien. Wie die „Neue politische Correspondenz" Höri, sollen die Vorarbeiten hierzu alsbald in Angriff genommen werden. Es werden zunächst auf Einladung des Staatssekretärs des Innern in den nächsten Wochen kommissarische Besprechungen zwischen den Vertretern der hauptsächlich beteiligten Ressorts des Reiches und Preußens statt- finden, worauf ohne Verzug zur Aufstellung eines formulierten Entwurfes geschritten werden dürste.
Die deutsch« Hilfsaktion für Süditalien.
Das unter dem Protektorat der Kaiserin und Königin stehende deutsche Hilfskomitee für die in Eüditalien durch Erdbeben Geschädigten hielt am 29. Januar eine Präsidialsitzung im Reichskanzlerpalais unter dem Vorsitz de» bayerischen Gesandten Grafen von Lerchenfeld ab. Kommerzienrat Selberg verlas die letzten Berichte des stellverttetenden Delegierten du Vinage in Neapel. I. M. die Kaiserin habe den beiden Delegierten Kapitän zur See Rampold, du Vinage. sowie Konsul Aselmeyer ihren Dank für
ich es getan habe. Reißen Sie aus. Ich kann'» leider nicht mehr. Man hat mir beide Beine abgeschnitten."
Es war Oberst Trepillon, der also sprach. Bourlier wurde e» bluttg rot vor den Augen; sein Herz stand still, und stöhnend sank er zurück, immer das bleiche, verzerrte Gesicht in Erinnerung. bis tiefe Nacht feine Sinne deckte. Als er wieder zu sich kam. rumpelte der Wagen durch einen Wall). Der Mond schien durch die Zweige und beleuchtete spärlich die schmerzensreiche Gesellschaft. Aber so viel auch Bourlier nach dem amputierten Kameraden suchte, er war verschwunden.
„Wir haben ihn in Bourgneuf zurückgelassen," fat’e der deutsche Lazarettgehilfe, der die Karren beaufsichtigte, „wird wohl schon in der Grube fein. Glücklicher Kerl, was hätte er ohne Bein« anfangen tön en?“
XVII.
Die Briefe, welche Herr Devereux in Sedan an feinen Clienten Bourlier in Bordeaux geschrieben hatte, waren sämtlich al» unbestellbar zurückgekommen. Dadurch wurde der Auftrag des Fabrikanten, das Schloß und die Fabrik bei Bazailles zu verkaufen hinfällig, da die Unterschrift des Besitzers nicht zu erhalten war. Auch Desirees Briefe hatten dasselbe Schicksal. Vergeblich waren ihre Nachforschungen durch die Poft. Bei Herrn Malvezin war der Vater nur einmal gewesen und hatte dort Gell) deponiert. Damit verlor sich jede Spur.
Desiree ertrug die Ungewißheft nicht länger. Ihre Seele lechzte nach Versöhnung mit de«
die mühevolle Tätigkeit im Dienst der deutschen Hilfsccktion telegraphisch aussprechen lassen. Kommerzienrat Selberg gab ferner einen Leber» blick über die bedeutsame Tätigkeit der Landes-, Provinzial- und Lokalkomitees, die des Bayerischen in München, des Sächsischen in Dresden, dos Württembergischen in Stuttgart, der Darmstädter, Bremer und des Rheinischen Hilfskomitees. welche umfangreiche Materialsendun» gen abgesandt hatten. Die Unterkunftbaracken für etwa 200 Personen wurden der italienischen Regierung für das italienische Rote Kreuz überwiesen. Exzellenz von dem Knesebeck berichtete über die außerordentlichen Leistungen des deutschen roten Kreuz-Hospitals in Syrakus unter Leitung des Dr. Colmers. welcher eine überaus segensreiche Tätigkeit entwickelte — die Wunden der Opfer find zum Teil entsetzlich —,_ ferner übet das Depot in Neapel, die Material-Sendungen na.) Catania, Palermo und Reggio. Geheimrat Schöller berichtete über die Eingänge und die erheblichen Ausgaben. H. Reinke gab auf Bitten de» Komitee» eine Uebersicht übet die bedeutungsvolle Hilfstätigkeit, die das Ham- burget Komitee entfaltet und über die sehr umfangreichen Transporte mit Material, Lebensrnitteln. Holz und Kleidung, welche mit der „Jllytia" unb fünf weiteren Dampfern in die betroffenen Gegenden gesandt sind. Auf Anregung von Generalkonsul v. Koch und nach Darlegungen des Geh. Oberregierungsrats v. Gers« dorff wurden erhebliche Summen für Unterstützungen bewilligt. Auch dem Roten Kreuz wurden Summen zu Materialleistungen zur Verfügung gestellt. Zur Erledigung der Unterstützungen in Deutschland wurde eine Kommission. bestehend aus Geheimrat v. Eersdorff, Geh. Kommerzienrat Pintsch und Kommerzienrat Selberg «ingesetzt. Für die Prüfung und Gewährung von Bittgesuchen in Italien wurde der deutsche Generalkonsul Aselmeyer und die Delegierten des Komitees in Neapel als Kommission gewählt. Auf Antrag von Kommerzienrat Set. berg wurde auch zu deren Verfügung eine erhebliche Summe bereit gestellt, damit sofort helfend eingegriffen werden kann. Um weitere Spenden wird gebeten. Das Bureau befindet sich Berlin NW. Älsenstraße 10.
Der Bertrauensbruch und die „Leipziger Bottszeitung“.
Wie bereit» mitgeteilt, hat die sozialdemokratische Frattion das Verhalten des Abgeordneten Noske und Lehmann verurteilt, die „Leip, ziger Volkszeitung" meint aber:
„Eine andere Frage ist, ob die Sozialdemo- kratte richtig handelt, wenn sie das Possenspiel der Regierung mit ihren kindlichen Geheimniskrämereien mitmacht. Zunächst' wirkliche, ernsthafte Staatsgeheimnisse wird kein Staatssekretär einer Kommission mitteilen. Was unter der Etikette des „Staatsgeheimnisses" i: diesen Sitzungen berichtet wird, das ist nichts anderes, als eine durchsichtige Spekulation auf den parlamentarischen Kretinismus der Herren Abgeordneten. Mit anderen Worten: die Geheimnistuereien in den Kommissionen find nur eine List der Regierung, die sie anwendet, um ihre Ziele bequemer zu erreichen und ihre Forder. ungen glatter bewilligt zu erhalten. Ob die Sozialdemokratie gut daran tut. diesen Humbug mitzumachen? Unseres Erachtens wäre es angebrachter, die sozialdemokratischen Mitglieder
Vater. Hinter dieser Sehnsucht verschwand alles, was ihr Herz sonst erfüllte; der Geliebte, welcher sich auf dem Wege vollkommener Heilung bei seinen Eltern befand; die Tante, für die sie sonst in dankbarer Zuneigung sich gern auf» geopfert; der Bruder, um den sie bisher tief und innig getrauert hatte.
Eines Tages trat Frau von Tarandal, welche mit Desiree auf ihrer Besitzung Luekwar. den bei Antwerpen wohnte, zu dem Mädchen, das schwermütig aus dem Fenster in den herbstentblätterten Garten blickte.
„Tyrolt hat geschrieben,“ sagte die würdig« Dame. „Du hast seinen letzten Bries nicht be» antwortet; er ist unseretwegen in Angst. Warum schreibst Du nicht?“
„Ich konnte nicht, Tantchen,“ antwortete die junge Dame tief seufzend. „Ich vergehe vor Sorge um den Vater und fürchte, meine verzweifelte Stimmung möge sich in dem Briefe wiederspiegeln. Ich hoffe noch immer auf eine Nachricht von Papa. Ach, Tante, so geht es nicht fort — ich muß etwas tun, um ins Reine zu kommen."
„Du erschreckst mich, Kind. Was hast Dn vor?“
„Ich bin entschlossen, den Papa aufzusuchen, Noch heute will ich zur Stadt, um die Abfahrt des nächsten Dampfer» nach Bordeaux zu erfahren.“
Frau von Tarandal fiel vor Schreck auf de» nächststehenden Stuhl und schlug die Hände z» sammen.
(Fortsetzung folgt.)