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Drittes Blatt

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

§§ Gaffel, 28. Jan. Eine Besichtigung bcs Jnvo.lidenheimsEchützenhof" bei Hofgeismar ging gestern nachmittag vor sich, zu der Seine Exzellenz der Herr Oberpräsident Heng- stenberg. Herr Regierungspräsident Eraf Bern storff, Herr Landeshauptmann Freiherr Riedefel zu Eisenbach, die Mitglieder des Vorstandes und Ausschusses der Hessischen Landesversicherungs­anstalt, der Vorstand desRoten Kreuzes" und zahlreiche Aerzte aus Casiel, ferner der Herr Landrat des Kreises Hofgeismar, Freiherr Riedesel zu Eisenbach, Herr Superintendent Wissemann und der Vorstand des Hofgeismarer Siechenhauses Einladungen erhalten hatten. Das Jnvalidenheim ist von der Hessischen Lan- desverficherungsanstalt für rund 60 000 Mark geschaffen worden' 45 000 Mark hat der alte Schützenhof gekostet, der für 11 000 Mark ausge­baut und dann für rund 4000 Mark auch innen einfach und praktisch für die Aufnahme vo i 20 Rentenempfängern hergerichtet worden ist.

Gaffel, 29. Jan. Beim Schlittschuhlaufen au, der Fulda oberhalb der Neuen Mühle brach ge< stern abend ein lljähriger Schüler ein und ver­schwand unLr der Eisdecke, ehe seine bestürzten Kameraden ihm zu Hilfe kommen konnten. Wei­nend brachten die Kinder die traurige Nach-

sür 1907 einen solchen von 9071 -4t verursachten. Zur Verpachtung von Land standen insgesamt 3,618 Hektar zur Verfügung: davon waren aber nur 1,771 Hektar zu einem Zins von 90 510 verpachtet. Badeanstalten bestanden 101 mit 2480 Brausen und 257 Wannen. Die gesamten Anlagekosten beliefen sich auf über 2,8 Millio­nen, für das Jahr 1907 auf 402 289 -ll. In 27 Speiseanstalten und 48 Kaffeeküchen wurde em Umsatz von 838 303 M erzielt. Die Anlagekosten beliefen sich insgesamt auf 140 369 «4t, für 1907 auf 39 375

Ferner sind an zusammen 3018 Arbeiter 83 943 M an Vorschüssen zum Ankauf von billi­gen Lebensmitteln gewährt und für 530 337 M von 9135 Arbeitern durch gemeinsamen Bezug billige Lebensmittel verschafft worden. 23 Kon­sumvereine mit 26 494 Mitgliedern und 72 Ver­kaufsstellen haben einen Umsatz von über 8,1 Millonen Mark erzielt. An Deputatkohlen wur­den an 68 201 Arbeiter 202 284 Tonnen Stein­kohlen zu einem Preise geliefert, der fast um 2 Millionen Mark niedriger war als der Tages­preis. Ebenso geschahen Deputatlieferungen von Braunkohlen und Salz, allerdings in we­sentlich geringeren Mengen.

Es bestanden 50 Arbeiterunterstützungskassen, aus den 8527 Arbeiter mit 146 571 M unterstützt wurden. Für 4152 erkrankte Familienangehörge wurden 22 697 eil aufgewendet. Außerdem wurden aus Werk- und aus Oberbergamtsfonds an 2989 Personen 105 807 <4t an Unterstützungen gezahlt. An den Spar- und Darlehnskasien waren 4821 Arbeiter beteiligt: die Summe der Spareinlagen betrug 943 503 «M., die der Dar­lehen 780 849 Insgesamt bestanden in den staatlichen Bergrevieren 69 Fortbildungsschulen, 22 Saushaltungsschulen, 31 Kleinkinderschulen, 48 Bibliotheken und Rechtsauskunftsstellen, von denen an 704 Arbeiter 874 Auskünfte erteilt wurden Man sieht also, wie unberechtigt die Behauptungen sind, daß in den staatlichen Berg­werks- und Hüttenbetrieben den Arbeitern keine genügende Fürsorge gewidmet werde.

Politische Umschau.

Bierbesteuerung und Extraktprozenten?

DieBrauerkorrespondenz", das Organ zur Förderung obergäriger Brauerei-Interessen, wendet sich gegen den in der Presie mehrfach ge­äußerten Gedanken einer Ersetzung der Brau­malzsteuer durch eine Biersteuer. Denn für die Biermenge sei nicht allein die Steigerung der Ausbeute aus dem Malz gemäß der besseren Brautechnik entscheidend, sondern auch das Plus an Wasier, nämlich bei den leichteren Biersorten, der Mehrzahl der obergärigen Biere, die im . wesentlichen nur Erfrischung»- und Durst­löschungsmittel fein wollten und sollten. Diese, also die Arr ut, treffe die Fabrikatsteuer ebenso wie den Fortschritt; sie treffe ganz vornehmlich den Zucker verwendenden Zweig derselben, der die billigen und leichten Braunbiere produziere. Die Auäeute an Lagerbier bewege sich im all­gemeinen zwischen 4 und 7 Hektoliter pro Dop­pelzentner Malz: gelegentlich auch wesentlich mehr. Die Ausbeute an obergärigem Biere be­trage im allgemeinen nicht unter 6 Hektoliter pro Doppelzentner Malz und steige bis 20 Hekto-

Dor vierzig Jalnen.

Set kurhessische Staatsschatz von 8. Müller.

Nach zuverlässigen Quellen betrug im Jahre 1806 der vereinigte Haus- und Staatsschatz von Kurhessen 94 330 000 Taler. Am 27. Februar 1831 war die Verwendung und Zugehörigkeit des bisher von der kurfürstlichen Kabinetts- und Generalkasse verwalteten Staatsvermögens fest­gesetzt worden. Der kurfürstliche Hausschatz war von dem gemeinschaftlichen Kapitalbestand abge­sondert und oas übrig gebliebene Kapital unter der BezeichnungStaatsschatz" als ein aus­schließliches Eigentum des gesamten Kurstaates anerkannt worden, welches niemals von irgend jemand in Anspruch genommen werden konnte und zwar unter Vorgeben einer anderen Eigen­schaft. Rach § 4 der Verfassungsurkunde sollte der Kapitalbestand des Staatsschatzes nie ver­ringert und nur im Interesse Kurhesiens ver­wendet werden. Das Vermögen stammte der Hauptsache nach aus den sogenannten Subsidien- geldern, wer_,e Hesien für Kriegsleistungen von England erhalten hatte. Im Anfang der 30er Jahre brachte das Staatsvermögen jährlich 350 000 Taler Zinsen. Von 1834 an mußten jährlich 30 000 Taler Einkünfte dem Staats­schatz« hiervon zugelegt werden, die Finanzver- hältnisie waren die denkbar günstigsten, denn bis 1845 w r Kurhessen der einzige Staat, der keine Schulden hatte, wo dem Frankfurter Roth­schild der Betrieb der Aktien für den Bau der Main-Weserbahn im Betrage von 8 Millionen Taler übert .agen wurde. Rothschild machte da­bei ein gutes Geschäft, er berechnete sich allein

für seine Mühe bei der Beschaffung der Aktien 700 000 Taler Provision.

Rach einem Berichte vom 10. Dezember 1847 hatten die Untertanen nur */e der Staatsein­nahmen durch Steuern aufzubringen, V« waren die Einnahmen aus Staatsvermögen.

Am 17. Januar 1867 wurde für das Gebiet des ehemaligen Kurfürstentums ein Finanzplan aufgestellt, in welchem außer 576 970 Taler Zinsen aus dem Vermögen des Staatsschatzes 700 000 Taler lleberschutz aus den Vorjahren in Einnahme gestellt waren. In den sechs Finanz­jahren von 18311838 betrugen die ordent­lichen und außerordentlichen Ausgaben der Kriegsverwaltung in Kurhessen jährlich 772 000 Taler, während 1867 allein für Zwecke der Kriegsverwaltung 1620 000 Taler dem Staatsschatz entnommen wurden. Am 5. Juli 1867 wurde von dem preußischen Staatsmini­sterium beantragt und angeordnet:daß die Verwaltung der in den neu erworbenen Landes­teilen vorhandenen, zum Staatseigentum ge­hörigen Aktivkapitalfonds, soweit sie nicht pit spezielle Verwaltungszwecke bestimmt sind, an die General st aatskasse in Berlin übergehen und daß für die Verwaltung und Ver­wendung der Bestände und der Auskünfte dieser Fonds diejenigen allgemeinen Bestimmungen gelten sollten, welche für Verwendung von Staatsgeldern maßgebend seien." Zugleich wurden die in den Gesetzen und Verordnungen der neu erworbenen Landesteile vorhandenen Bestimmungen, welche dieser Anordnung zu- widerliefen, aufgehoben und der preußische Fi- nanzminister mit der Ausführung des Gesetze»

Die Verhältnisse der Arbeiter mif den staatl. Berg- und Hüttenwerken Preußens.

Dem Abgeordnetenhaus« ist eine Druckschrift Hugegangen, in der Nachrichten von dem Be- triebe der unter der preußischen Berg-, Hütten- »nd Salinenverwaltung stehenden Staatswerke während des Etatsjahres 1907 gegeben werden. Darin ist auch den Verhältnissen der Arbeiter auf diesen Staatswerken ein ausführliches Ka­pitel gewidmet. Wir entnehmen daraus, daß auf den staatlichen Bergwerken, Hütten und Salinen im Jahre 1907 durchschnittlich 92 776 gegen 89 130 Personen im Vorjahre beschäftigt gewesen finr. Davon entfielen auf den Bergbau 85 718 (gegen 82 344), auf den Hüttenbetrieb 3907 (gegen 3751) Personen.

Der Gesundheitszustand der Belegschaften war aut. Epidemische Krankheiten traten in bemer- ftnswertem Umfange nicht auf. Di« Wurm- krankheit, die auf den westfälischen Staatswerken Überhaupt ohne größere Bedeutung gewesen ist, darf auf diesen staatlichen Werken als erloschen angesehen werden. An Genickstarre erkrankten auf Zeche Ver. Gladbeck zwei Arbeiter, von denen einer gestorben ist.

Die Zahl der tödlichen Verunglückungen, die im Vorjahre infolge der beiden Massenunfälle im Saarbezirke eine bedauerliche Höhe erreicht hatte, war im Berichtsjahre erfreulicherweise weit niedriger und blieb auch hinter der Zahl des Jahres 1905 noch um ein Geringes zurück. Es kamen durch Betriebsunfälle 115 (im Vor­jahre 312 und im Jahre 1905 124) Personen zu Tode. Auf 1000 Mann der durchschnittlichen Be­legschaft verunglückten also tödlich 1.214 (3,430 im Vorjahre und 1,442 im Jahre 1905) Mann.

Die zu Anfang des Jahres 1906 zur Prüfung der Sicherheitsmaßnahmen bei der Seilfahrt eingesetzte Kommission die sogenannte Seil­fahrtkommission fuhr im Berichtsjahre damit fort, die Verhältnisie in den einzelnen Berg­bau bezirken Preußens zu untersuchen, und wird demnächst hierüber Bericht erstatten.

Für di« Versicherung der Arbeiter auf Grund des Unfall- und Jnvalidenversicherungsgesetzes, sowie an Beiträgen zu den verschiedenen Knapp- schaftskassen waren von den Staatswerken ins­gesamt 10649 052 (9 229 633) M aufzubringen. Der Anteil der einzelnen Werk« an diesen Lei­stungen ist aus Anlage C zu ersehen.

Die Ansiedelung der Arbeiter in der Nähe der staatliche,! Werke wurde wiederum durch Ee. Währung von Bauprämien und unverzinslichen Baudarlehen gefördert. Im ganzen wurden 125 250 (105 465) <M. als Hausbauprämien und 286 200 (245 700) «M. zu Hausbaudarlehen ver­ausgabt. Davon entfiel der Löwenanteil von 118 050 -4t Prämien und 273 000 M Darlehen auf den Saarbezjrk, während in Oberfchlefien nur 1800 -4t bezw. 4200 -4t zur Ausgabe ge­langten.

Von weiteren Wohlfahrtseinrichtungen wer­den u. a. folgende namhaft gemacht: Schlafhäu- fer waren 37 vorhanden, die insgesamt einen Kostenaufwand von über 2,8 Millionen Mark,

beauftragt. Der kurhesfischeStaatsschatz , wel­cher seither als ein unantastbares Prrvatver- mögen der kurhesfischen Staatsbürger, des ehe­maligen Kurstaates, angesehen wurde, ward durch diese Verordnung der preußischen General- kasie einverleibt.

Ls entstand nun die Frage, ob drese Maß­regel mit den bei der Okkupation gegebenen Zu­sicherungen im Einklang stehe und die Zertrüm­merung des Eigentums des Hessenvolkes zum Gesamtwoql des preußischen Staates notwendig und dem Recht entsprechend sei. Alle diese Fra­gen mugten verneint werden. Erst durch einen Erlaß König Wilhelms vom 16. September 1867 wurde dieser ministerielle Gewaltakt aus­gehoben und der kurhcssische Staatsschatz dem rommunalständischen Verband des Regierungs­bezirks Cassel als ein demselben gehöriges, von ihm zu verwaltendes Vermögen über­wiesen und zugleich wurden über die Verwen­dung der Kapitalzinsen Bestimmungen getroffen. Dies« sollen zu folgenden Zwecken dienen:

1. Chaussee- und Landwegebauten:

2. Landkranken - Anstalten und Landeshofpi- täler zu unterhalten:

8. eine Arbeitsanstalt für Landstreicher, Bett« j: ler und Arbeitsscheue anzulegen, einzn- V richten und zu unterhalten:

r 4. ein Landarmenhaus anzulegen, zu unter­halten und die Armenpflege zu bestreiten:

1 6. die Landesbibliotheken zu unterhalten und zu ergänzen.

Am 25. März 1869 wurden mit Zustimmung der Landtage die anderen preußischen Provinzen Insofern «leichtert, indem jolgendr Position«»

wenden, möge vor allem aber auch die Regi». rung dies« Bestrebungen aufs wärmste untee» stützen." J!

Di« Gründung eine» technischen Komitee».

Unter dem NamenTechnischer Komitee hat sich in Berlin ein Verein gebildet, der sich die Aufgabe gestellt hat, für die deutsche Techpft. soweit sie höhere technische Arbeit leistet, ein den gesamten Stand umspannende Organisation zu bilden, wie sie andere Berufsstände längst b« sitzen. Es lag die Notwendigkeit vor. die ihr« Kräfte zersplitternde Technik zu vereinen. Da« Komitee hat sich daher so zusammengesetzt, daß es die Vertrauensleute und Führer bestimmter - Fachgruppen in sich ausgenommen hat. Es ge». denkt, durch einen aus diesen Vertrauensleuten gebildeten Arbeitsausschuß in wichtigen Stan« desfragen praktische Hilfsarbeit den Vereinen, Verbänden und Fachgruppen zu leisten, dabei aber diese in ihrer Eigenart nicht zu beirren. Ganz besonders will das Komitee bestrebt fein, im deutschen Volke und in seinen Vertret»ngn den technischen Einfluß auf das soziale Leben immer stärker zum Bewußtsein zu bringen. Als weitere Ziele des Komitees werden bezeichnet: Vertiefung der technischen Bildung der bereits im Amt und in der Praxis befindlichen höheren Techniker durch Fortbildungskurse im ganzen Reiche, namentlich in volkswirtschaftlicher und verwaltungsrechtlicher Beziehung. Einwirkung auf die Lehrpläne der technischen Hochschulen und die Ausbildungsbestimmungen für Staats­beamte zum Zwecke der Heranbildung eines geeigneten Nachwuchses. Förderung der Be­strebungen auf Heranziehung eines geeigneten mittleren und unteren technischen Personals. Behandlung wirffchaftlicher und wissenschaft­licher allgemein-technischer Fragen (Verding­ungswesen, Sondergerichte, Sachverständigen­wesen. Schutz des geistigen Eigentums Nsw.).

2)1 an abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische . .. Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in

.WO 2h Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition - Markt21.

</»=. _ Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne

Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

für den Regierungsbezirk Casiel. welche bisher der preußischen Staatsverwaltung z u r L a ft f i e l e n, der kurhessischen Schatzver­waltung auferlegt wurden:

1. Bestreitung der Kosten des Kommunalland­tages und der kommunalen Verwaltung:

2. Unterstützung der milden Stiftungen, Ar­men, Wohltätigkeits- und Rettungsanstal» ten und Vermehrung der Krankenhäuser: 3. Uebernahme eines Teils der bisher vom, Staate geleisteten Unterstützungen auf dem Gebiete der Armenpflege mit jährlich 11000 Talern; :

4. Gründung eines Taubstummeninstituts; j

5. Bestreitung der Kosten des Unterhalt«! elternloser unvermögender Kinder, soweit diese bisher dem Staate oblag und

6. Bildung eines Fonds für Zuschüsse $. Landesmeliorationen.

Durch diese Zusätze erhielt das Gesetz eine be- j deutende Erweiterung des ersten Erlasses vom. 16. September 1867. Aber die größte Härte be­stimmte § 3 des letzteren Gesetzes, daß, wenn die. Zinsen des Staatsschatzes zu den geforderten- Zwecken nicht ausreichen, so soll das Fehlen« nach Maßgabe der Verordnung der kommunales ständischen Verfassung im Gebiete des Regie- rungsbezirks Casiel aufgebracht werden. -4 Dieses ist die Bezirkssteuer. - Bick zum Jahre 1899 kannte man sie nicht, erst 190« kommt sie mit 21 239 M vor, seitdem ist sie an­gewachsen wie ein Monatskind, heute bezahlen wir 9,8 Prozent, bald % Millionen Mark pr< Ann», j.. ....-u.

Itter, wobei dann allerdings Zucker mitverwen­det sei. Diese Verschiedenheit spreche gegen die Aufhebung des Materialsteuerfystems und seine Ersetzung durch das Fabrikatsteuersqstem. Die Geschichte der kommunalen Bierbesteuerung er­härt« das.

Dagegen erscheine es erwägenswert, nach österreichischem Muster die gegenwärtige Ma­terialsteuer durch eine zwar aus der Hektoliter« bafis beruhende, aber auf die Extraktprozente de« Würze umgelegte Steuer zu ersetzen. Dadurch würden die Ungerechtigkeiten und Härten der Fabrikatsteuer vermieden und gleichwohl die so­zialen Gesichtspunkte der Leistungsfähigkeit und ausgleichenden Gerechtigkeit in das Brausteuer- wesen getragen. Dadurch werde Staffelung und Kontingentierung überflüssig. Steuertechnisch sei eine Besteuerung der Extraktprozente ver­blüffend einfach, da deren Feststellung durch den Saccharometer ja dasselbe sei, wie die Fest­stellung von Temperaturen durch den Thermo­meter. Nehme man z. V. für das einzelne Extraktprozent 25 Pf. Steuer an, so betrage die Steuer pro 5>ektoliter beim gewöhnlichenBraun- bier (6 Proz.) 1,50 Jt. Malzbier (8 Proz ) 2 -4t, Lagerbier (-2 Proz.) 3 °4t und Bockbier (16 Proz.) 4 -4t.

Sie deutsche Frau in Südw-stafrika.

Fräulein Marie Karow hat in diesen Tagen in einer Versammlung der Berliner Gruppe des Frauenbundes einen Vortrag überSüdwest- aftika und die deutsche Frau" gehalten. Die Vortragende, die vor vier Jahren auf der Farm ihres Schwagers in jenem Schutzgebiet gelebt hat, schilderte eingehend die dortigen Verhält­nisse insbesondere, soweit sie für die Frau in Betracht kommen. Sie schloß mit folgenden be­achtenswerten Worten:Der Farmer braucht dort drüben notwendig eine Frau; er gerät sonst in die Gefahr, zu verkaffern. Tausende drängen jetzt zur Auswanderung nach Südwest­afrika Die meisten geben sich keine Rechenschaft darüber, ob sie die Ausdauer besitzen, ein in je­der Beziehung fremdartiges Leben zu beginnen. Das Leben des Farmers ist mühevoll. Aber da­für ernährt auch Südwestafrika, wenn es nicht erlahmt, feinen Mann reichlich. Der wunde Punkt bei der Arbeit des Farmers ist, daß er auf die Arbeit der Farbigen angewiesen ist. Ein starkes Rassebewußtsein der Weißen ist unbe­dingt erforderlich. Mit Fug und Recht sind Hei­raten zwischen Weißen und Schwarzen verboten denn nur die Reinerhaltung der Rasse leistet Gewähr, daß die Kolonien deutsch bleiben. Di« Grundlagen des Lebens in den Kolonien bietet die deutsche Familie. Nirgends spielt die Haus­frau eine solche Rolle wie im Siedelungsland. Tausende von jungen Ansiedlern brauchen tüch­tige Hausfrauen. In den wenigsten Fallen sind unsere deutschen Mädchen für die Tätigkeit in Afrika vorgebildet. Am besten eignen sich die­jenigen Mädchen, die aus ländlichen Verhalf niffen stammen: denn eine Farmerssrau mutz alles kennen, sie mutz neben ihrer häuslichen Ar­beit Krankenpflege verrichten und Kinder unter­richten können. Empfehlenswert ist die Grün­dung von Mädchenheimen, aus denen die Ansied­ler sich Gehilfinnen und Hausfrauen suchen kön­nen. Mögen recht viele von den anwe>enden Frauen dem Kolonial-Frauenbunde und feinen dahin zielenden Bestrebungen ihr Interesse zu­

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham Z

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage.'

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bonntag, 31. Januar 1909. Inhaber Dr. C. HItzeroth, Marburg, Markt 21. - Telephon SS.