MchW ZMU
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage."
J» 23
Man abonniert auf die täglich erscheinend« „Oberhessisch« an._**»^«*.m.*
Zeitung" bei allen Postämtern und »nseru ZeitungSstellen te
Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 2t.
— Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Donnerstag, 28. Jmuar 1909.
Bestellgeld), bei unser« ZettungSstellen und der Expedition 2 Mk. «v». oummw*. avvu.
Die Jnsertionsgebiihr beträgt für die ^gespaltene Zelle »der deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Äug. Loch, Uaioersttätsbuchdruckere« Inhaber Dr. E. Hrtzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg«
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. für die Monate Februar und Mörz
(’■ aus die
^Oberhessische Zeituag" nebst ihren Beilagen Werber« noch von unserer Expedition i^Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch. Iain, 3t.«.ustabt und Wetter, sowie von HKe»--VMchstatten und Landbriesträgern ent» Hegengenommen.
Steuererhöhung und Kinderprivileg.
Zu diesem Thema schreibt die „Rordd. Allg. Zeitung": Gegen die von der verstärkten Bud^ aetkommisfion des Abgeordnetenhauses gefaßten Beschlüsse wurde in der Tagespresse der Borwurf erhoben, daß durch ste ein großer Teil der niedrigen Einkommen mit neuen Lasten belegt werde. Dieser Vorwurf ist völlig unbegründet. Richtig ist allerdings, daß, während nach der Re» gierungsvorlage die Sähe des Einkommensteuertarifs erst bei einem Einkommen von 7000 <M ab erhöht werden sollten, von der Kommisfion die Erhebung von Zuschlägen schon von 1200 cM, ab beschlossen worden ist. Berücksichtigt mutz aber werden, dah die Kommission diesen Beschluh nur gefaßt hat unter gleichzeitiger erheblicher Ausdehnung des sogenannten Kinderprivilegs. Zn Zukunft soll allen Steuerpflichtigen bis zu 6500 Einkommen bei dem Vorhandensein von zwei unterhaltsbedürftigen Familienmitgliedern eine Ermäßigung um eine, bei drei oder vier Familienmitgliedern eine Ermäßigung um zwei, bei fünf oder sechs eine Ermäßigung um drei und für fe zwei weitere Mitglieder eine weitere Ermäßigung um je eine Steuerstufe zuteil werden. Während ferner bisher das Kinderprivileg nur Steuerpflichtigen bis zu 6500 «M. Einkommen zu- stand, soll es in Zukunft auch Steuerpflichtigen mit einem Einkommen bis zu 9500 M gewährt werben. Der Jahresausfall an Einkommensteuer der infolge des Kinderprivilegs bisher der Staatskasse entstanden ist, wird sich bei den Einkommen zwischen 900 und 3000 Jt um 3 500 000 lÄ, bei denjenigen zwischen 3000 und 6500 J*. um 1600 000 ck und bei denen zwischen 6500 und 9500 eil um 600 000 <M erhöhen. Die beschlossenen Zuschläge würden ohne Erweiterung de« Kinderprivilegs in den Einkommenstufen von 1200 bis 3000 M einen Mehrbetrag von rund 3 300 000 M, in der Stufe von 3000 bis 10 500 cM einen Mehrbetrag von 5 800 000, in der Stufe von 10 500 bis 20 500 'M. einen Mehrbetrag von 3 500 000 M., in der Stufe von 20 500 bis 30 500 ’J{ einen Mehrbetrag von rund 2 300 000 M und in der Stufe von mehr als 30 500 M einen Mehrbetrag von rund 17 000 000 J*. ergeben. Da die Ausdehnung des Kinderprivilegs den Steuerpflichtigen von 900 bis 3000 J*. Einkommen eine Entlastung von 3 500 000 <M verschafft, erfahren diese Steuerpflichtigen in ihrer Gesamtheit nicht nur keine Mehrbelastung, sondern sogar eine Entlastung um 200 000 --st. Die Mehrleistungen von etwa 500 000 -st Steuerpflichtigen in den Einkommensteuerstufen von 3000 bis 10 500 beschränken sich bei Berücksichtigung der Ausdehnung des Kinderprivilegs auf zusammen 3 690 000 -st. Auf die Steuerpflichtigen mit einem Einkommen von über 30 500 -st entfallen hingegen von im ganzen 26 200 000 -st, welche
42 ■ ''.'-imdruck vcrbc'ca.I
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
t Fortsetzung.)
„Ich wollte Ihnen das Treppensteigen sparen, Herr Tyrolt," sagte sie einfach, dem Rekonvaleszenten die Hand reichend, „va ich doch wußte, Sie würden nicht von uns gehen, ohne der Tante Lebewohl zu sagen."
„Soeben waren wir im Begriff zur gnädigen Frau," entgegnete Tyrolt.
„Natürlich, natürlich. Laurence sagte mir, daß man die Kranken einsteigen läßt; da dachte ich, jetzt ist es an der Zeit. Nun denn, leben. Sie glücklich, lieber Freund, werden Sie bald gesund und lasten Sie von sich hören. Nach Antwerpen, nicht hierher müsten Sie schreiben, denn auch wir wollen dieses Hau» verlasten, wo wir eigentlich nur geduldet find."
„Ich darf also auf einen regelmäßigen Briefwechsel zählen," fragte Waldemar ganz entzückt.
„Ganz gewiß. Und damit Sie meine Adresse nicht vergessen, nehmen Sie diese» Kouvert. E» anchält alles Wistenswerte."
Sie legte einen verschlossenen Briefumschlag tn Tyrolts Hand. Dieser steckte ihn ohne nach seinem Inhalt zu forschen in die Tasche. Dann beugte er sich auf die Hand der Dame und küßte diese.
„Gnädige Frau, Sie waren meine erste Pflegerin in diesem Hause," sagte er mit tief-
bei Einrechnung der Erweiterung de» Kinderprivileg» die zu erhebenden Einkommensteuerzuschläge bei physischen Personen Überhaupt ergeben werden, 17 Mill, -st; ste tragen also fast zwei volle Dritteile der beschlossenen Mehrleistungen. Hieran» ergibt sich, daß die Kommission sich der in der Regierungsvorlage zum Ausdrucke gelangten Absicht, die erforderlichen Steuermehr- leiftungen nicht den breiten Masten, sondern zum allergrößten Teile nur dem leistungsfähigeren Teile der Bevölkerung aufzuerlegen, in vollem Umfange angeschlossen hat.
Politische Umschau.
r Fürst Bülow und die Konservativen.
Zur Frage der angeblichen Differenzen zwischen dem Reichskanzler und den Konservativen schreibt die „Reue poltt. Korresp": Soweit wir unterrichtet find, erschienen die Ausführungen in der „Konservativen Korrespondenz" den maßgebenden Führern notwendig, weil das Entre- filet im „Tag" den Schluß zuließ, daß die Konservativen von Herrn von Oldenburg und feinen Meinungsäußerungen abrückten, während sie, ohne sich allerdings mit der Form, in die Herr von Oldenburg in Danzig feine Ausführungen Heftete, nach jeder Richtung hin einverstanden zu erklären, tn den wesentlichen Punkten, insonderheit wo» die Nachlaßsteuer anbetrifst, auf demselben Boden stehen, wie der genannte Parlamentarier.
Die Einnahmen von der Eisenbahn.
Berlin, 26. Jan. Die Behauptung der „Deutschen volkswirtschaftlichen Korrespondenz" in einem Artikel über den Personenverkehr, der preußische Eisenbahnfisku» habe 1907 beim Personenverkehr einen Einnahmeausfall von etwa 90 Mill. Mark zu verzeichnen, ist der „Rordd. Allg. Ztg." zufolge unrichtig. Die preußisch-hessischen Staatsbahnen hätten 1907 aus dem Personenverkehr gegen das Vorjahr eine Mehrein- nähme von 14 507 661 Mk. gehabt. Die Mehreinnahme vorn 1. April bis 31. Dezember 1908 aus dem Personenverkehr beliefe sich gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres wieder auf rund 14775 000 Mk. Hiernach beruhe da» Verlangen der Korrespondenz nach einer allgemeinen Erhöhung des Personentarif es auf falschen tatsächlichen Unterlagen.
Die Lage im Orient.
Der „Jkdam" fühtt in einem Artikel au», Bulgarien wisse die Dienste zu schätzen, welche die Militärkraft der Politik verleihe, und verstärke seine Armee vor dem Beginn neuer Verhandlungen mit bei Pforte. Dieser Vorfall lehre die Türkei ersten», die Rüstungen mit Rüstungen zu beantworten, und zweitens in der äußeren Politik mißtrauisch zu sein, sich nicht zu zersplittern, sondern einig und vorbereitet zu fein. — Belgrad, 26. Jan. Kriegsminister Ziv- kowitsch wird der Skupschtina eine Gesetzesvorlage unterbreiten, in der die Bewilligung eines neuen Rüstungskredits gefordert wird. Wie in Abgeordnetenkreisen verlautet, soll dieser drei Millionen betragende Kredit zu Vorbereitungen für die Mobilisierung aufgewandt werden. Seit Oktober vor. Jahres fordette das Kriegs
innigem Dankgefühle. „Als mich noch der Fieberwahn umfangen hielt, erschienen Sie mir als ein Engel mit einem Heiligenschein um das Haupt. Mein Traum gab Ihnen das Attribut, das Ihnen gebühr:. Sie waren unser guter Engel. In der Stunde der Rot standen Sie uns zur Seite. Verlasten Sie nun auch meine Liebe nicht, lasten Sie nicht von der Liebe zu uns. Auf Sie setzen wir unsere Hoffnung; ich weiß, Ihre Engelsgüte vermag mich nicht zu täuschen."
„Bertiauen Sie mir,“ sprach Frau von la» randal gerührt, „vertrauen Sie unserem Herrgott! Er wird alle» zum Besten lenken. Leben Sie wohl, Herr Tyrolt."
Roch einmal küßte er die Hand der alten Dame,- noch einmal den Mund der Geliebten, dann ging et zur Tür.
„Auf WiÄxrsehen, Desiree!" rief er mtt bewegter Stimme, „vergiß mich nicht. Du wirst dennoch mein, und legte sich eine Welt zwischen uns, ich werde Dich erringen!"
„Leb' glücklich, mein Waldemar," hauchte da» Mädchen und brach ohnmächtig in den Armen Natalys zusammen.
Tyrolt sah es nicht mehr. Der Ton ihrer Stimme klang hoffnungsreich an feinem Ohr wifter, während er die Zimmer durcheilte und die Treppen der Veranda hinabschrrtt. Die Ruhe, welche vorhin Desiree rur Schau getragen hatte, wat nun über ihn gekommen. Er vertraut feinem Glücke. Mit freundlichem Gruße
Ministerium von der Skupschtina 33% Millionen für außerordentliche Heereszwecke. — Sofia, 25. Jan. (Sobvanje.) In Beantwortung einet Interpellation betreffend die Mobilmachung der 8. Division, gab der Minister des Aeußeren folgende Erklärung ab: Bon einer Mobilmachung kann nicht die Rede fein, sondern nut von einet Einberufung der Reservisten zur Verstärkung der Division und zur Waffenübung. Wir schritten zu dieser Maßregel nicht in Verfolgung aggressiver Zwecke, da wir nicht beabfichtigen, den Frieden zu stören. Die Maßregel erschien notwendig, um einet Eventualität, die ein türkisch-bulgarischer Zusammenstoß herbeiführen könnte, vorzubeugen. Aus später eingetroffenen Nachrichten erfuhren wir, daß die Pforte bei den Botschaftern verschiedene Schritte unternommen habe, und daß andererseits gleichzeitig im Bereiche des 2. Armeekorps in Adrianopel gewisse Aktionen stattfänden. Wir konnten glauben, daß wir vor der erwähnten Eventualität stehen, wir würden nicht unsere Pflicht erfüllen, wenn wir nicht entsprechende Maßregeln treffen. Unterdessen tauchte als neue Frage die Erenz- berichtigungsfrage auf. — Die Kammer erteilte der Regierung mittels Akklamation ein Vertrauensvotum.
Aus dem Reichstage.
Im Reichstag begründete der Staatssekretär Dr. v. Bethmann-Hollweg die Vorlage auf Erhöhung der Dampfersubvention an den Norddeutschen Lloyd zur Erhaltung der gegenwärtig jährlich 26maligen Verbindung mit unseren Kolonien in der Südsee. Ohne diese Erhöhung werde dieser Verkehr auf eine achtwöchige Verbindung mit Singapote zurückgehen. Der Verkehr des Schutzgebietes habe sich von 1888 bi» 1906 von 74% auf 369 Millionen gehoben, von 1906 zu 1907 von 369 auf 432 Mill, oder von 283 000 auf 327 000 Tonnen.
Ihm tritt al» erster Redner aus dem Hause Abgeordneter Dr. Semmle, (natl.) bei, worauf Dr. Hahn (kons.) ebenfalls die Zustimmung zu der Vorlage ausspricht, deren werbende Natur et hervorhebt. Solange Auslandsstaaten, wie insbesondere Frankreich, Amerika und England, reiche Subventionen zahlen, würden auch wir ste beibehalten müssen. Bis jetzt fei aber die Eroß- fchiffahrt subventioniert worden, e» sei Zeit, daß man auch die Kleinschiffahrt unterstütze. Ferner äußerte bet Redner den Wunsch, daß in den Verträgen die Anstellung deutscher Schiffe bedingt werden möchte.
Erzberger (Zentr.), der — was koloniale utft mit den Kolonien zusammenhängende Forderungen betrifft — der Sparsamkeit das Wort redet, kündigr an, in der Kommission übet verschiedene „Fragen" Klarheit zu fordern. Abg. Hormann (Freis. Vgg.) spricht fich mit großer Wärme für die Vorlage aus und hebt ihre Bedeutung für unsere Schutzgebiete hervor.
Der Staatssekretär im Kolonialamt Dem- burg bat gleichfalls um Bewilligung der Linie, ui., einen Zusammenbruch der deutschen Kolonialinteressen in der Südsee zu verhindern. Die Produkte unserer Südfeeinseln, besonders von Neu-Guinea, dürste man nicht vom Weltmarkt abschneiden. Die Zölle feien übrigens nicht so schlimm.
Der Abg. Mösle (Soz.) behauptete, der Lloyd
an seine Begleiter bestieg er den Wagen, welcher ihn zur weit entfernten Bahnstation bringen sollte. Waldemar war der Letzte gewesen. Die Kolonne setzte sich in Bewegung.
Es waren zehn Gefährte, meist primitiver Att, Leiterwagen und Küsten auf Rädern, wie man ste hatte auftreiben können. Die Sanitätssoldaten marschietten nebenher; eineKavallerie- Patrouille, bayerische Chevaurlegers, eskor- tierte die Fuhrwerke bis zur Bahnstation.
Die Wagen waren schon lange auf dem Wege, die Sonne neigte stch dem Untergänge zu als Tyrolt endlich Gelegenheit fand, bas geschlossene Kouvert Natalys zu öffnen.
Er fand darin ein kurzes Schreiben, ein Bild Desirees au» früheren Jahren und ein Wertpapier.
„Ich weiß, daß Sie kein Porttät Ihrer Braut besttzen," schrieb die wackere Dame; „ich trenne mich daher von dem einzigen, welches ich mein Eigentum nenne. Ich weiß, Sie werden mit dankbar fein. Aber ich werde Ihnen Dank wissen, wenn Sie die einliegende Geldnöte nicht verschmähen, welche ich Ihnen als Darlehen onbiete. Dom Oberarzt habe ich erfahren, daß Ihre Gelder ausgegangen find. Ich möchte nicht, daß Sie in Verlegenheit geraten; darum zürnen Sie mir nicht, wenn ich diese belgische Taufendfranksnote beilege. Es steht Ihnen jederzeit frei, fie mir nach Antwerpen zurückzubringen, nicht zu schicken. Ich erwarte Sie tn Luekwarden fit Antwerpen,"
sei kein idealer Arbeitgeber und sprach deshalb gegen die Subvention. Der Abg. Raab (wittsch. Bgg.) hielt fich gleichfalls an das angebliche soziale Sündenregister der Reederei, er widerspricht aber dem sozialdemokratischen Redner, ebenso die Abgeordneten ». Dirckse« (Rp.) und Hormann (stets. Bgg.), während Abgeordneter Erzberger versucht,' die Richtigstellungen de« Staatssekretärs Dernburg abzuschwächen. Mil einer Entgegnung Moste» (Soz.) auf die oet» schiedenen Angriffe schließt die Diskussion. Die Vorlag« wird an die Budgetkommission überwiesen. Ein Vertagungsantrag wird hieraus angenommen. Nächste Sitzung Donnerstag, den 28. Januar, 1 Uhr. Tagesordnung: Sozial- demokratischer Antrag betteffend Landarbeiterverhältnisse. Schluß halb 6 Uhr.
Aus dem Abgeordnetenhause.
Im Abgeordnetenhaus« wurde am Dienstag, 26. Januar, die Debatte über die Wahlrechtsanträge fortgesetzt. Abg. Dr. Friedberg (natl.) begründete den Antrag bet Nationalliberalen auf Einführung eines geheimen, direkten Wahlrecht» in einet Abstufung, entsprechend bet kulturellen. wirtschaftlichen unb sozialen Entwickelung unseres Volkes. Abg. Dr. Stiemet (steif. Vp.) hofft, baß bie Regierung recht bald die Vorarbeiten beendet haben wird, um eine Wahlrechtsvorlage einbringen zu können. Et setzte stch scharf mit den Konservativen auseinander, bezeichnete ihre gestrige Rede als Kündigung des Block» und polernifierte schließlich sehr nachdrücklich gegen bie Sozialdemokraten.
Dann wurde die Debatte geschlossen. Das Schlußwort hatte Ahg. Dr. Hoff (stets. Vgg.); er brachte nichts wesentlich Neues vor. Bei der Abstimmung wurde die Einführung des Reichs- tagswahltecht» mit beträchtlicher aus bet Rech, ten und den Nationalliberalen bestehender Mehrheit abgelehnt, der allgemeinen Neueinteilung der Wahlkreise stimmten außer den Frei« finnigen nur Polen unb Sozialdemokraten zu.
Von den vier Nummern des nationalliberalen Antrages wurde die Einführung bet direkten Wahl mit 168 Stimmen gegen 165, die Ein- führung bet geheimen Stimmabgabe aboelehpi, ohne baß es einet Zählung bedurfte. Der so gestaltete Antrag selbst fiel dann mit großer Mehrheit.
Vor sehr geleertem Hause begründete Abg. Schiffer (natl.) seinen Antrag auf Zulassung bet Lehret zum Schöffenamt in länger--- Rede. Der Abg. ». Tilly (kons.) unb Merlin (steikons.) stellten sich freundlich zu.bem Anträge, empfahlen aber wegen Einzelbedenken die Vorberatung durch bie Untetrichtskommisston. Abg. Marx (Zentt.) äußerte einige Bedenken, Abg. Wald, stein (sts. Vp.) widersprach ihm.
Rach dem Schlußwott des Antragsteller« wurde der Antrag bet llntertichtskommisfion überwiesen.
Der Gesetzentwurf bett, bie Landeskreditkasse Cassel fand ohne Debatte Annahme.
Nächste Sitzung Donnerstag 12 Uhr. Dritte Lesungen, zweite Lesung bet Besoldungsordnung.
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Deutsches Reich.
— Ordensverleihung. Der Kaiser hat dem Fürsten Leopoft zur Lippe bas Großkreuz be» ‘ Roten Adlerordens verliehen. Der Fürst besitzt
Ein wenig verstimmt steckte Tyrolt Brief und Geld in das Kouvert und in die Tasche. Und dennoch wußte et ihr Dank. Hatte fie ihn nicht zu sich eingeladen? Sie rechnete darauf, daß et Desiree in ihrem Hause wieder treffen sollte, fie stand treu zu ihm.
Indessen trafen die Frauen Anstalten, die Villa Bourliet zu verlassen. Es litt ste keinen Tag länger in dem Hause, das jetzt vereinsamter als je dastand.
Nun durfte Laurence den Wagen aus dem Schuppen ziehen und zur Fahtt nach Sedan zurecht machen. Als es ihm gelungen wat, ein Roß aufzutreiben, wurden ihm die Schlüssel des Herrenhauses flbergeben, und er selbst kutschierte die Damen nach der Stadt.
Hier besorgte ihnen Herr Ptevendaux bie nötigen Papiere um übet bie Grenze zu kommen, und Tags darauf waten bie Damen auf bem Wege nach Antwerpen.
Da die Bahnverbindungen sowohl nach Süden wie nach Norden unterbrochen roateit fuhren fie nach ßibramont mit einem Wagen. Ohne Fährnisse gelangten fie an die Lüttich- Luxemburget Fahrstrecke. Als die alte Dame die französische Grenze - hinter sich hatte, umarmte fie Desiree mit einem „Gelobt sei Gott!" und schwur einen Eid, nicht mehr in ihr Vaterland zurückzukehren, bi» dort und in ihrem Herzen wieder der Friede eingekehrt wär«.
lFortietzung folgt)