MchjW IMg
' mit -em Kreisblatt für -ie Kreise Marbmg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Berlage."
es-.****
M 21
Man abonniert auf di« täglich erscheinende „Oberhessische Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), brr unfern Zeitungsstellrn und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Dienstag, 26. Januar 1909.
Die JnsertionSgebühr betragt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Berlaa: Joh. Aug. Koch, UniversttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Bestellungen
fit die Monate Februar und März ' A auf die
^vberhessische Zeitung" nebst ihren Lei lagen ©erber, noch von unserer Expedition Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch« |at n, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstatten und LandbriestrLgern ent« gegengenommen.
Siegen.
Die Niederlage Lic. Mumms im Wahlkreise Stöckers, der als fester Besitz der Christlichsozialen galt, war für alle eine Ueberraschung; an eine Ueberholung eines Vorsprungs von 6000 christlichsozialen Stimmen um noch 2000 wird wohl kaum irgend jemand, der die vorliegenden Parteiverhältniffe kannte, gedacht haben. Es verlohnt sich daher, aus diesen schweren Verlust der christlichsozialen Partei, auch auf die ganze Wahl mit einigen Worten einzugehen.
Man soll in der Wählerschaft dem Kreisein- gesessenen Bergrat Vogel vor dem Berliner Licenziaten und Politiker den Vorzug gegeben haben und über manche Gegensätze hinaus schon aus diesem Grunde für jenen eingetreten sein, ein Grundsatz, den wir im allgemeinen anzuerkennen vermögen. Das wichtigste erscheint uns aber, daß die verschiedenen Parteien in der Stichwahl gegen die Christlichsozialen Stellung nahmen. Daß der Freisinn in ihnen seinen schlimmsten Feind erblickt, überrascht nicht, auch die Sozialdemokratie glaubt gegen die Nationalliberalen ein leichteres Agitationsfeld zu haben wie gegen die Christlichsozialen, deren sozialpolitische Stellung ihnen gerade in der Arbeiterschaft des Wahlkreises großen Abbruch getan hat. Das Zentrum, das sonst für die Christlichsozialen stimmte, stellte diesmal seinen Mitgliedern die Entscheidung anheim und ein großer Teil trat für den Nationalliberalen Vogel ein. Gegen diese Koalition war der Wahlkreis von den Christlichsozialen nicht zu halten, und in den letzten Tagen wurde bereits ein ähnlicher Ausgang vermutet.
Angesichts des Ergebnisies bei' Hauptwahl schrieben wir, daß der Stimmenverlust Lic. Mumms gegenüber Stöcker nicht so sehr ins Gewicht falle, da man überhaupt mit einem solchen rechnen mußte bei dem großen Einfluß, den die Persönlichkeit Stöckers ausgeübt hatte. Die Partei als solche hatte sich auch ohne Stöcker als die weitaus stärkste erwiesen. Die Stichwahl hat aber deutlich gezeigt, daß weite Bevöl- kerungsschichteu alles daran setzten, um eine christlichsoziale Wahl zu verhindern. Die Wahlbeteiligung ist bei der Stichwahl ganz bedeutend stärker gewesen um 2000 Stimmen, und dieser Zuwachs ist scheinbar zum größten Teil gegen Mumm ausgefallen. Man wollte ihn nicht, dke
40 -Nachdruck verboten.)
Unter Feinden.
i; Roman von Karl Matthias.
(Fortietzung.)
„Herr Bourlier, erbarmen Sie sich!" rief er verzweifelnd aus.
..Erbarmen mit Ihnen," hohnlachte dieser, „oder mit dieser Ehrlosen? Lächerlich! Ehe ich mein Kind hier lasse, erdrossele ich es; ich wollt«, ich könnte auch Ihnen an den Hals, elender Verführer!"
„Ich denke, das werden Sie bleiben lasten," unterbrach der Oberarzt den Rasenden. Endigen Sie diesen Auftritt, verlosten Sie den Drt, Jöen Sie ohne Erlaubnis betreten."
„Ich habe doch gesagt, restez,“ sagte Kietze drohend, der mit Dr. Köhler, dem Oberarzt, an« gekommen war.
„Dies ist mein Haus," brauste Bourlier auf.. . „Dies ist ein königlich preußisches Lazarett," entgegnete der Arzt kühl. „Kietze, öffnen Sie dem Herrn die Tür. Niemand außer dem Fräulein darf fortan dies Zimmer betreten. Folgen Cie Ihrem Papa einstweilen, Fräulein Desiree, ich werde Sorge tragen, daß Ihnen kein Leid geschieht, auch daß Sie gegen Ihren Willen das Haus nicht zu verlosten brauchen. Aber im Interesse des Herrn Leutnants enden Sie den unerquicklichen Familienstreit." Er gebrauchte die deutsche Sprache bei den letzten Sätzen.
Kietze drängte Bourlier zur Türe.
„Ich kehre zurück, Geliebter," sagte Desiree mb folgte dem Vater, der keinen Widerstand leistete. Aber oben angekommen, brach er in
Partei hat sich im Wahlkreise offenbar viele Sympathien verscherzt. Hierfür wird besonders die heftige Agitation, bie von ihrer Seite geführt wurde, als Grund angegeben. Ob das zutrifft, mag dahingestellt bleiben. In einem Wahlkreise, in dem die eigensten Schüler eines Agi- kationskünstlers wie v. Eerlach .Arbeiten", wie sich die „Hilfe" ausdrückt, dürsten auch andere Parteien an einer über das Ziel hinausschießenden Agitation lebhaft beteiligt fein. Und überhaupt werden derartige Vorwürfe von den politischen Gegnern sich immer gegenseitig gemacht.
Schlimm muß es freilich bei allen Parteien zugegangen sein, wurde doch sogar von Tätlichkeiten eines nattonalliberalen Abgeordneten in Leimstruth berichtet! Wir können daher verstehen, wenn die „Siegener Zeitung" zum Schluß des wenig schönen Wahlschauspiels in unserer Nachbarschaft ausruft: „Gottlob, daß der Wahlkampf zu Ende ist? werden heute mit uns alle sagen, die es tief bedauern, daß die politischen Gegensätze bis auf äußerste getrieben wurden und nie das Einigende, immer nur das Trennende in den Vordergrund getreten ist. Der Wahlkampf ist mit beispielloser Erbitterung geführt worden, die übergegriffen hat auch in das geschäftliche und private Leben und manche Menschen getrennt hat, die bisher einander Freunde waren. Alle die vielen auswärtigen Redner und Parteisekretäre, die wochenlang mit einander gestritten, werden nach Hause fahren oder zu anderen Kampfplätzen eilen, aber in der Wählerschaft wird die Erregung nachzittern." — Leider ist dies Siegener Beispiel eben nicht vereinzelt.
Politische Umschau.
Zur Rede des Reichskanzlers im Abgeordnetenhaus«
schreiben die ;,Berl. Pol. Nachr.": Der Satz der Rede des Herrn Reichskanzlers vom 19. d. M., durch welchen er einen Appell an die politischen Beamten richtete, scheint mehrfach so verstanden worden zu sein, als würde dadurch mit einer Wiederholung des Vorgehens gegen die verantwortlichen Beamten in Abgeordneten-Stellung vom Jahre 1899 gedroht. Eine solche Auftastung würde aber auf einem vollständigen, kaum begreiflichen Mißverständnis beruhen, denn der Wortlaut dieses Teiles der Kanzlerrede läßt eine solche Deutung nicht im mindesten zu. Insbesondere betrifft der Allerhöchste Erlaß vom 4. Januar 1882, den der Reichskanzler in Erinnerung ries, nicht im mindesten die parlamentarische Tätigkeit politischer Beamten. Er bezieht sich vielmehr ausschließlich auf deren Verhalten gegenüber von Agitationen, von Wahlen und bei diese!«. Sodann aber ist es bekannt, daß der Reichskanzler von jeher der Auffassung gehuldigt hat, daß jenes Vorgehen gegen die Regierungspräsidenten und Landräte, die gegen die Kanal-Vorlage gestimmt hatten, ein schwerer politischer Fehler war. Bei einigermaßen ruhiger Ueberlegung wird man daher zweifellos aner-
eine Flut von Verwünschungen aus; dann befahl er, plötzlich abbrechend, die wenigen Habseligkeiten der Damen in den Wagen zu bringen, in welchem er herausgekommen war.
„Wir fahren sogleich ab. In Sedan sollst Du erfahren, was ich über Dich, Ungeratene, bestimmt habe!"
„Ich werde nicht mitfahren, Papa," erwiderte Desiree mit bebenden Lippen, aber mutigen Herzens. „Ich habe es Waldemar geschworen, bei ihm zu bleiben, bis er gensen ist."
„Du wagst es, auch jetzt mir zu widerstreben?" ‘ schrie er außer sich vor Zorn und drang auf sie ein.
Nataly schlug auffammernd die Hände vor die Augen, um das Schreckliche nicht zu sehen. Laurence flüchtete, — er wollte nicht Zeuge sein. Zitternd trug er die Sachen nach « "! Wagen, der am Tore hielt. Das tapfere Ma chen sank langsam auf die Knie. Dann hob sie flehend die Hände zu ihrem Vater empor.
„Schlage mich, Papa," sagte sie, „aber verlange nicht, daß ich Waldemar verlosten soll, so lange er noch in Gefahr schwebt. Wenn er geheilt ist, will ich Dir gern folgen. Jetzt aber würde meine Abreise einem Tadesstoß gleich, kommen, und das darfft Du nicht auf Deine Seele laden."
„Er mag sterben! Ich werd« Dich zwingen, mit mir zu gehen."
„Dann mutz ich mich unter den Schutz Deiner Feinde stellen Papa," sagte sie traurig „der Oberarzt bot ihn mir an. Willst Du es Darauf ankommen lasten?"
Bourlier wich mit wett aufgeristene« Augen
kennen müssen, daß di« eingangs erwähnte Auslegung jenes Satzes der Rede des Reichskanzlers auf einem gröblichen Mißverständnis beruht. — Auch die „Kreuzztg." weiß zu melden, daß Fürst Bülow nachträglich privatim der Auffassung widersprochen habe, als enthalte feine Rede eine Drohung an die Beamten unter den Parlamentariern im Hinblicke auf die Nachlaßsteuervor- lage ober die Wahlrechtsreform.
Schutz des Orts« und Straßenbildes.
Berlin, 23. Jan. Die „Berliner Korrespondenz" schreibt: In einem letzthin ergangenen Erlasse haben die beteiligten preußischen Ressortminister darauf hingewiesen ,daß seitens der Gemeinden bis jetzt verhältnismäßig noch wenig geschehen sei, um sich zur Erhaltung ihrer geschichtlich und künstlerisch bedeutenden Bauwerke, sowie zum Schutze des Orts- und Straßenbildes und zur Einschränkung der Reklameschilder die Vorschriften des Gesetzes vom 15. Juli 1907 zu Nutze zu machen. Die Regierungspräsidenten werden deshalb beauftragt, auf Gemeinden, deren Verhältnisse angezeigt erscheinen lasten, dahin einzuwirken, daß entsprechende Vorschriften möglichst bald erlaßen werden.
Aus dem Reichstage.
Die 192. Sitzung beginnt um 11 Uhr bei sehr schwachem Besuch. Ohne Debatte wird zunächst in dritter Lesung die Novelle zum Wechselstempelsteuergesetze angenommen. Bei der ersten Beratung der Vorlage über di« Beseitigung der Doppelbesteuerung, bei der es sich darum handelt, die in anderen Bundesstaaten wohnenden Beamten eines Bundesstaates zu dessen Einkommensteuer heranzuziehen, ergreift der Abg. Brunstermann (Reichsp.) das Wort. Er bezeichnet den Entwurf als ein bundesfreundliches Entgegenkommen des Reichs, besonders an die mitteldeutschen Staaten. Der konservative Wortführer Abg. v. Brockhausen, der ebenfalls der Vorlage sympathisch gegenübersteht, mahnt daran, daß nicht vergessen werden möge, welch großen Nutzen die mitteldeutschen Staaten davon hätten, daß die preußischen Eisenbahnen, um deren Beamten es sich hier hauptsächlich handle, durch ihr Gebiete geleitet worden seien. Der Redner wünscht jedoch eine Aufstellung der finanziellen Wirkung der Vorlage und ist deshalb für eine Kommissionsberatung. Dem widersprechen die Abgeordneten Quarck (natl.), Binder (Soz.), Enders (Freis. Vp.), Damm (Wirtsch. Vgg.), Dr. Reumann- Hofer (Freis. Vgg.) und v. Gamp (Reichsp.), während Abg. v. Strombeck (Ztr.) — wie sich später herausstellt nur für sein« Person — für kommissarische Beratung eintritt. Abg. ». Brockhausen ergreift noch einmal das Wort, um hervorzuheben, daß die konservative Frattion großes Gewicht auf das Zustandekommen des Entwurfs lege, daß es aber notwendig sei, das gesamte Material zu kennen. Auf den Entwurf des Generaldirettors der diretten Steuern Wallach, daß es unmöglich fei, genaues Material über die Wirkung bet Vorlage zu beschaffen, entgegnete ber konservative Redner, daß er sich das nicht denken könne, wenigstens in Bezug
vor seiner Tochter zurück. Eine solche Entschlossenheit hatte er ihr nicht zugetraut. Dennoch gab er nicht nach.
„Versuchs", sagte er drohend. „Aber merke Dir, Du zerreißest damit jedes Band zwischen uns. Ich habe dann kein Kind mehr — ich verleugne und verfluche Dich und bie Stunbe, in welcher Du mir geboren wurdest."
Desiree antwortete nicht. Eie kniete noch immer auf dem Teppich zu des Vaters Füßen. Vergeblich wartete er auf ihre Unterwerfung. Nur das Schluchzen Natalys unterbrach di« bange Stille.
„Geh hinaus, Schwester!" befahl «r; „ich will allein mit meiner Tochter fein, ich muß ihren starren Sinn brechen, ich muß —"
Die Dam« rührte sich nicht.
„Willst Du mich rasend machen," schrie et; „hörst Du nicht? Du sollst gehen!"
„Ich darf Euch beide nicht allein lasten," sagte Nataly fest, indem sie die Tränen trocknete. „Du weißt ja nicht mehr, was Du tust und was Du sprichst. Durch meine Gegenwart schütze ich Dein Kind vor Roheiten, die Du fpätet bereuen würdest. Ich darf es auch dann nicht verlasten, wenn es gegen Deinen Willen hierbleiben sollte."
„Auch Du lehnst Dich gegen mich auf!" schrie er blind und toll vor Wut. „Nun denn, so klage nichts wenn das Ungeheuere geschieht, was augenscheinlich außer Eurer Berechnung liegt."
„Was willst Du tun?" fragte Frau von Ta» randal ganz entsetzt.
Da klopfte es an bie Tür, Das breit« De.
auf bie Eisenbahnbeamten könne er nicht ss schwer sein. Hierauf wirb die Verweisung des Entwurfs an eine Kommission abgelehnt unb — ba die zweite Lesung von der Tagesordnung ab» gesetzt wird — in die Fortsetzung bei Intet» pellationsbesprechung (Polenparagraph des Bei« einsgesehes) eingetreten. Fürst Radizwill (Pole) versucht eine Mohrenwäsche an dem seiner Meinung nach so ungerecht angeschwärzten Polentum, wird aber vom Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg unter lebhaftem Beifall energisch abgesührt. Abg. ßcbebout (Soz.) reibt sich zuerst mit schärfsten Worten an den nationalliberalen Abg. Junck, bis er vom Vizepräsidenten Kaempf zur Ordnung gerufen wird; dann geht er zu ungewöhnlich leidenschaftlichen Angriffen auf den Abg. Müller-Meiningen über, wird aber vom Präsidenten schließlich in di« Schranken gewiesen. Es folgt eine Richtigstellung verschiedener Behauptungen des Vorred» ners über sächsische Verhältnisse'durck, den sächsischen Bevollmächtigten Geh. Rat Fischer, worauf in breiten Ausführungen der bayerisch« Zentrumsabgeordnete Schirmer sich gegen Ausnahmebestimmungen wendet. Wegen einiger, ungerechter Vorwürfe, die sich gegen Preußen richten, wird der Redner durch den Ministerial- direttor Just mit Entschiedenheit rektifiziert. Unter starker Unruhe hält nun noch Abg. Stychek (Pole) eine flammende Anklagerede gegen bie Vergewaltigung bet Polen und sucht insbesondere die Beweisführung des Staatssekretärs des Innern über den nationalpolitischen Charakter der polnischen Eewerkvereine zu erschüttern. Hiernach tritt der Abg. v. Siebert (Reichsp.) auf, um mit Entrüstung dagegen zu protestieren, daß das Haus durch eine kleine Minderheit gezwungen wird, drei Tage auf eine unnütze Interpellation zu verwenden. Nunmehr vertagt sich das Haus auf Montag 1 Uhr. Gesetzentwurf über unlauteren Wettbewerb. Schluß gegen halb 5llhr.____ __
Deutsches Reich.
— Die deutschen Bundesfiirsten beim Kaiser. Zum bevorstehenden 50. Geburtstage des Kaisers werden, wie Münchener Blätter melden, sämtliche deutsche Bundessürsten nach Berlin kommen. Nur bei gteife Piinziegent von Bayern wird sich feines hohen Alters wegen durch seinen ältesten Sohn, den Prinzen Ludwig, oertietcn lassen.
— Prinz Heinrich von Preußen im Militärluftschiff. Berlin, 24. Jan. Nach Meldungen von Mittagsblättern nahm Prinz Heinrich von Preußen heute Vormittag an der Fahrt des Militärlustschiffes teil. Der Aufstieg erfolgte in Tegel gegen 9 Uhr. Der Kurs ging über di« Jungfernhaide, Tiergarten, die Linden bis zum Königlichen Schloß und dann über die Leipziger- straße, Tiergarten, Charlottenburg zurück nach Tegel, wo das Schiff gegen 1 Uhr glatt landete.
— Bendern ng des Hofberichtes. In der Ausgabe des Hofberichtes soll, wie Berliner Blätter erfahren, künfttg eine Aenderung eintreten. Soweit der Bericht die politische Tätigkeit des Kaisers betrifft, soll er fortan nur noch durch ’ den „Reichsanzeiger" je nach Bedarf zwei- bis
sicht des Kietze blickte herein. Draußen hörr« : man bas Ausstößen von Gewehrkolben.
„Der Wagen wartet, Monsieur," sagte ber j Wärter grinsend. „Tont est parad. Avanser i s'il vons plait. Raus aus die gute Stube?" ■
LWrlier riß als Antwort einen Revolver: aus "'der Brusttasche und richtete ihn gegen : sein Kind. Aber ber Wärter packte feine Hand • wie mit eisernen Zwingen.
„Na, na, lassen Sie man, Männeken," sagt« er ohne bie Ruhe zu verlieren, „es könnte: Ihnen nicht gut barauf werden. — Kommen ' Sie jetzt ein bischen cito, ehe die draußen un-; geduldig werden."
Bourlier ließ die Waffe fallen; mit blassen; Lippen murmelte er einen leisen Fluch, gegen; feine Tochter gewendet. Dann ließ es sich aus dem Zimmer führen; von Kietze und zwei be- ; waffneten Wärtern eskortiert, bestieg er den Wagen und fuhr, ohne sich umzufchauen, auf unb bavon.
Als bas Rollen bet Wagenräber zu bet Manfarbe heraufscholl, löste sich Desirees starr« krampfarttger Zuftanb in Tränen auf. Schluch- ■ zenb kniete sie am Boden und weinte, das Haupt in den Kissen des Sessels verborgen, sich aus.
Frau von Tarandal wußte ihr kein Wott । des Trostes zu sagen. Das Kind hatte nun, was es haben wollte. Es trug die Folgen feinet Liebe. „Unb biefe wird Desiree trösten," dacht« Nataly weise. „Aber wer tröstet den atmet ’ Bindet, bet allein, ohne Kind, ohne Familie ohne Heim basteht unb in die weite Wett hnaus geht, um zu vergessen ober zu ©tunbe zt gehn? (Fortsetzung folgt.), i -