' mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Berlage."
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Erstes Blatt
In den Ruinen von Messina.
Nach langer Zeit fanden fie ein wertvolles Ding, eine Schachtel Streichhölzer. Sie ent= zündeten das Papier, in das die Feigen eingeschlagen gewesen waren, und machten Licht, um die Mutter zu sehen. Aber fie sahen nur ihre blau angelaufenen Beine. Mit dieser furchtbaren Vision blieben fie in der Finsternis zurück, als das Licht erloschen war. In irgend einem Augenblick hörten fie den Wind in den Trümmern pfeifen und spürten einen Luftzug durch die Spalten eines großen Schrankes zu fich gelangen. Bei dem Schein eines Streichhölzchens räumten sie den Schrank aus und fühlten tatsächlich Luft durch die Hintere Wand kommen. Sie schlugen die Bretter ein und fanden, daß die Mauer hinter ihm eingestürzt war. In gebückter Haltung konnten fie dann durch «inen Gang zum Haustor gelangen. Oben leuchtet« eine Oeffnung. Sie hofften, die würde ins Freie gehen. Sie nahmen einen Stock, befestigten den Fetzen eines Hemdes daran und bewegten dies Signal durch die Oeffnung, damit ihnen Hilfe gebracht würde. Aber es war vergeblich. Sie winkten mit ihrem Signal nur in einer blinden Höhlung unter den Trümmern.
Nun suchten sie nach einem anderen Ausweg, indem sie sich ganz sachte zwischen den Blöcken einer gestürzten Mauer bewegten. Sie fanden, daß auch eine andere Wand im Gange gestürzt war und drangen in den Raum vor, wo vordem ihr Onkel, ein Seiler, seine Werfftätt« gehabt hatte. Die Decke der Werfftätt, die sich im Winkel gesenkt hatte, ließ «inen Gang frei, durch den fie eine Treppe erreichten. Diese Treppe führte zu einem Zwischengeschoß, war aber von Trümmern versperrt. Darauf begannen sie geduldig damit, die Trümmer fortzuräumen. Ab und zu zündeten fie ei« Streichhölzchen an, dann arbei«
Politische Umschau.
Der Zuschuß an die Provinz Posen zur Unterhaltung der Kaiier-Wilhelm-Biblio- thek und des Kaiser-Friedrich-Museums in Posen ist im diesjährigen Etat um 5000 <« erhöht worden, und zwar von 57 000 <41 auf 62 000 <At. Vertragsmäßig leisten der Staat und die Stadt Posen zur Unterhaltung des Kaiser-Friedrich- Museums an die Provinz Posen einen jährlichen Zuschuß von je 5000 <K, der zur Ergänz
ung der Sammlungen des Museums bestimmt ist. Einen gleich hohen Bettag für denselben Zweck hat die Provinz auf sich genommen. Die Summe von jährlich 15 000 <41 reicht nicht aus, um die Sammlungen des Museums in wünschenswerter Weise zu ergänzen. Es wird beabsichtigt, den Sammlungsfonds des Museums auf 30 000 <4t jährlich zu erhöhen, und zwar ist in Aussicht genommen, den Staatszuschuß künftig auf 10 000 <4t zu bemessen, sofern und solange die Provinz und die Stadt Posen zur Ergänzung der Sammlungsbestände des Museums auch ihrerseits erhöhte Zuschüsse von je 10000 <K leisten.
D«r deutsch-portugiesische Handelsvertrag.
Ueber den Inhalt des deutsch-portugiesischen Handelsvettrages werden in der Presse vielfach irrtümliche Mitteilungen verbreitet. Den internationalen Gepflogenheiten entsprechend wird der Vertrag, bis er den gesetzgebenden Körpe.- fchaften eines der beiden Teile zugeht, beiderseits geheim gehalten. Es kann aber, wie die „Neue politische Correspondenz" hört, keinem Zweifel unterliegen, daß der Schwerpunkt des Vertrages sowohl für Deutschland wie für Portugal in der Meistbegünstigung liegt. Portugal gelangt durch den Vertrag in den Genuß der Sätze des deutschen Konventionaltarifs, welche für die portugiesische Ausfuhr, namentlich von Wein und Südfrüchten, von hoher Bedeutung sind. Was aber die Interessen der deutschen Ausfuhr nach Portugal anlangt, welche von 15 Millionen <41 im Jahre 1898 auf 34 Millionen <41 im Jahre 1907 gestiegen ist, so wird vielfach verkannt, daß diese durch das im Herbst vorigen Jahres erlassene portugiesische Surtaxe-Gesetz auf das ernstlichst« bedroht war. So lange Deutschland nicht in Portugal die Meistbegün- sttgung besaß, und seinerseits der portugiesisch«« Einfuhr die Meistbegünstigung vorenthielt, bestand die starke Möglichkeit, daß Porrugal die deutsche Einfuhr mit Zollzuschlägen belegt und so gegenüber dem Import der Wettbewerbsländer, wie Frankreich, England, Italien, mehr oder weniger lahmgelegt hätte. Diese Möglichkeit wird durch den Vertrag ein für allemal beseitigt und damit für d«n Warenaustausch zwischen Deutschland und Pottugal die sichere Grundlage geschaffen, welche der internattonale Handel stets in erster Linie begeht. Demgegenüber erscheinen die Zolloerschiebungen in Portugal, welche sich nach oben und unten so ziemlich ausgleichen, und deren Jnkrafttteten noch dazu einigermaßen zweifelhaft ist, von verhältnismäßig untergeordneter Wichtigkeit.
Ausschreitungen von Polizeisoldaten in Kamerun.
Berlin, 22. Jan. Die .Norddeutsche Allgemein« Zeitung" schreibt: Ueber die Ausschreitungen einiger farbiger Polizeisoldaten im Hinterlande von Südkamerun, über die bereits private Meldungen durch die Presse gegangen sind, ist inzwischen auch der Bericht des Gouvernements an amtlicher Stelle eingetroffen. Nach demselben haben tatsächlich Polizeisoldaten der Station Jaunde iw Deng-Deng schwere Ausschreitungen gegen Eingeborene und Haussas
Umschau im Auslande.
Man kann feststellen, daß sich ein Nachlassen der äußeren Spannung zwischen Deutschland bemerkbar macht. Die englischen Pressestimmen schlagen eine ganz andere Tonart an, als wir sie bisher von ihnen zu hören gewohnt waren. Besonders in den konserva- Nven Zettungen Englands findet sich ein friedlicher und herzlicher Ton gegenüber dem Deui- fchen Reiche, dessen Rüstungen zu Wasser und zu Lande sie nicht länger unlautere Beweggründe unterschieben wollten. Während so nach außen hin sich gewissermaßen eine Pazifizierung der öffentlichen Meinung in England vollzieht, platzen die Meinungen über die inneren Angelegenheiten des Landes immer schärfer aufeinander, und die neue Leib- und Magenfrage der englischen Politik, Freihandel oder Schutzzoll, ^itt immer mehr in den Vordergrund. Die Gedanken des früheren englischen Handelsmini- «strs Joe Chamberlain dringen allmählich, aber sicher in immer weitere Kreise vor und haben letzt zu einer Sezession in der konservativen Partei geführt. Diese hat sich in ihrer großen Mehrheit für den Chamberlainschen Gedanken erklärt, das englische Imperium, Mutterland und Kolonieen, durch eine gemeinsame Schutzzollschranke gegen das Ausland abzuschließen und so der englischen Industrie ein gesichertes Absatzgebiet zu reservieren, das seinerseits wegen seines agrarischen Charakters geeignet ist das Mutterland mit Rohstoffen und Lebensmitteln zu versorgen. Den Anstoß zu diesem offenen Eintreten für den Schutzzoll gaben die Berichte der nach dem Festlande entsandten Arbeiterkommissionen, in denen festgestellt war, daß die schutzzöllnerischen Staaten durckaus nickt am Abgrunde des wirtschaftlichen Ruins ständen wie die Freihandelsapostel lehrten, sondern besser und sicherer für ihre Lohnarbeiter sorgten als die freihändlerische Heimat. So bereitet sich in England ein Umschwung der das vergangene Jahrhundert beherrschenden öffentlichen Ansichten über den Vorzug des Freihandels gegenüber dem Schutzzoll vor, der bei den nächsten Parla- I mentswahlen bereits von ausschlaggebender Bedeutung sein dürft«.
Auch in Oesterreich-Ungarn ist durch den Abschluß des Uebereinkommens mit der Türkei die äußere Politik in ruhigere Bahnen gelenkt worden. während im Innern der alte Nationalitätenhader von neuem wieder auflodert. Ungarn will die Erhöhung des Rekrutenkontingents nur unter der Bedingung der Einführung der I ungarischen Kommandosprache bewilligen, der sich aber ganz besonders der Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand widersetzt. Denn die I deutsche Kommandosprache ist das letzte und I festeste Band, das die vielsprachigen Heerhaufen I der habsburgischen Doppelmonarchie zu einer I einheitlichen modernen Armee zusammenhält. I Ilm den ewigen Streitigkeiten zwischen Deut- I schen und Tschechen ein Ende zu machen, hat sich I
das Ministerium Vienerth entschlossen, eine gouvernementale Scheidung der deutsch-sprachigen von den tschechisch-sprachigen Landesteilen in Böhmen vorzunehmen. Die Deutschen, welch« von jeher diese Trennung gefordert haben, find aber mit der Art der Teilung nicht einverstanden, die nach ihrer Anficht zu sehr zu Gunsten der Tschechen geplant ist. Heute und am Sonntag finde» in Leitmeritz große deutsche Protestversammlungen statt. Die energisch« Sprach« der deutschen Vertreter hat bereits dazu geführt, daß di« Regierung einen Posterlaß herausgeben wird, der unter Beseitigung der den Tschechen unter Forscht und Fiedler gewährten Vorteile die deutsche Amtssprache wieder herstellt. Man erwartet daher für die nächsten Tage den Ausbruch einer scharfen Opposition der Tschechen, und im Abgeordnetenhause zirkuliert bereits das Gerücht von einer bevorstehenden Auflösung des Hauses.
Die Aussichtslosigkeit, in einem Waffengang mit der habsburgischen Monarchie Lorbeeren zu ernten, hat endlich auch Serbien bewogen, sich wieder mit seinen inneren Angelegenheiten zu beschäftigen, ein Ergebnis, zu dem das von dem klugen Fürsten Nikita regierte Montenegro schon längst gelangt ist. In der serbischen Kammer gab der Ministerpräsident die Erklärung ab, daß das Kabinett seine Demission zurückgezogen habe, und wurde daraufhin von den Sozialdemokraten über den Vertrauensmißbrauch interpelliert, den höhere Offiziere im Interesse ausländischer Fabriken betrieben hätten. In Rußland ist dasselbe Thema jetzt Gegenstand zahlreicher Prozesse gegen hochgestellte Offiziere. Besonders interessant ist der Prozeß gegen den bekannten Mitarbeiter der „Nowoje Wremja", General Alexejew, der seine kriegstechnischen Erfindungen an die englische Firma Hotchkitz verkaufte und sich jetzt damit herausredet, die Firma dürfte diese Erfindung nut an Rußland absetzen. Trotz dieser offenkundigen Verderbnis der ganzen russischen Gesellschaft find ihre französischen Freunde nach wie vor bereit, zu ihrer Gesundung Eeldopfer zu bringen. Die Resolutton des sozialistischen Abg. Ronanet, der französischen Regierung die Emission fremder Werte zu verbieten, die den französischen Interessen widersprächen, und die auf die bevorstehende Emission der russischen Anleihe gemünzt war, wurd« non der französischen Kammer abgelehnt. Minister Pichon wies sogar noch besonders darauf hin, daß diese Anleihe nur für Zwecke verwendet werden solle, die im Interesse Rußlands oder Frankreichs lägen.
leicht, aus der äußeren Form der Trümmer zu sehen, wo noch Nischen sind, und ein dumpfer Widerhall entsteht unter dem Tritt des Fußes.
Als die Katastrophe eingetreten war, ist ein Teil des Zimmers, in der sich die kleine Familie befand, eingestürzt. Die Mutter wurde verwundet und die Hälfte ihres Körpers zusarn- mengequetscht. Nachdem es still geworden war, rief st« mit schwacher Stimme nach ihre« Kin
dern, und alle antworteten ihr. Darauf hat sie fie ermutigt, dann hat sie geklagt, immer schwä- ar। cher, endlich hat man sie nicht mehr gehört: ihre Achtzehn ~age nach dem Einsturz der Stadt, I Stimme war auf immer verstummt. Die Kin- nachdem schon fett mehreren Tagen all« Hoff- I der haben sich aneinander gedrängt und sich nung, noch Lebende zu finden, aufgegeben war I lange Zeit nicht bewegt. Wer weiß wie lange? und der Oberkommandierende General Mazza In der Finsternis haben sie das Bewußtsein angeordnet hatte, alle Nachforschungen einzu» I der Zeit verloren. Es waren «in Knabe von stellen, sind noch drei Lebendige dem schauer- zehn Jahren und zwei Mädchen von zwölf und lichen Grabe entstiegen. Was die Geretteten I einundzwanzig Jahren. Die älteste Natalina in der Grabesnacht erlebt und gelitten haben, I hat die anderen keinen Augenblick verlassen sie das schildert Luigi Barzini, der bekannte ita- hat fie in ihren Armen gehalten wie eine Mut- lientsche Journalist, im „Corriere della Sera" I ter, die ihre Kinder vor Gefahr schützt. Rach wie folgt: I und nach haben fich alle an ihr Gefängnis ge-
Eine Mutter und vier Kinder waren unter I wohnt und Durst und Hunger empfunden. Sie ben Trümmern eines Hauses in der „Via del I tasteten in dem engen Raum umher und fanden Purgatorio" begraben geblieben. Sie lebte in ein großes Paket Feigen, ein Weihnachtsge- «lnem Zimmer des Erdgeschosses; die Trümmer I schenk, dann noch eine Kufe Wasser, in die fich der oberen Stockwerke hatten sich so aufgetürmt, I auch ein Oelkrug beim Zerbrechen entleert hatte dag sie die Basis des Hauses mir einer Masse und einige Zwiebeln. Sie stillten Hunger und Balken Kalk und Ziegeln bedeckten. Viele Hüu- I Durst, und dann fanden sie noch einige Flaschen fei find so eingestürzt; sie erscheinen nicht nur I Marsala, einen Rest vom Weihnachtsmahl. Die niedergerissen, sondern auch in Staub zermah- I älteste Schwester verteilte Speise und Trank len. Und doch sind das die Ruinen, die noch un- I half den anderen und führte den Haushalt unter bekanntes und schmachtendes Leben verbergen den Trümmern. Die jüngste Schwester war können. Es sind dies die Häuser, deren Wände krank geworden und sprach fast nichts mehr nach außen gefallen sind und deren Grund- Die Zeit schlich endlos träge dahin und Vermauern daher nicht von den oberen Stockwerken wesungsgeruch erhob sich und wurde immer un- gedrückt werden. Mit ein wenig Praxis ist es | erträglicher. Sie hörten das Geheul der Dampf- firenen im Hafen und fragten sich; „Warum denken fie nicht an uns?“ Wie alle Begrabenen wußten sie nicht, daß die ganze Stabt zerstört war. sie glaubten vielmehr, nur ihr Haus sei eingestürzt. Das lang« Schweigen beuteten st« als ein Zeichen ber Nacht. Einmal hätten st« das Geräusch von fernen Schritten und Motten Sie schtten, aber Schritte und Wort« erftarben in der Ferne.
verübt. Ein eingeborener Häuptling ist an de« erlittenen Verletzungen gestorben. Auf dem Wege nach Jaunde. wohin die Schuldigen vo« dem Stationsleiter in Joko geschickt wurde«, sind ringe von den Delinquenten desertiert und haben sich dann vermutlich an den Kämpfe« bei Baturi beteiligt, t« denen, wie bereit» früher gemeldet, Leutnant Reuter tätlich verwundet wurde. Hauptmann Dominik begab sich alsbald persönlich nach Deng-Deng und stellte eine eingehende Untersuchung an. Ihr Ergebnis war, daß drei Polizeisoldaten zum. Tode verurteilt wurden. Einer von ihnen wurde, noch ehe das Urteil vollstreckt werden konnte, vo« feinen eigenen, über die Ausschreitungen selbst in höchsten Maße aufgebrachten Stammesge# nassen gelyncht. Der Gouverneur hat eine« weiteren Bericht in Aussicht gestellt.
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Aus dem Reichstage.
In der 191. Sitzung wird, da gestern nur die Begründung und Beantwortung der Jnterpellatione» über die Handhabung des Reichsverelnsgesctzcs vorgenommen werden konnte, in ihre Besprechung cinge» treten. Als erster Redner unterzieht Abg. Raere« (Zcntr.) die gestrigen Ausführungen des Staatssekretärs v. Bethmann-Hollweg einer ktttischen Beleuchtung. Er nimmt die Polen in Schutz, die durch den HakatismuS auf das ärgste gereizt würden, die aber treue Untertanen seien. Er verlangt, daß da» Gesetz geändert werde, um den polnischen Gewekschaf» ten den Gebrauch ihrer Muttersprache zu gewährleisten. Hierauf spricht sich namens der konservative« Fraktion der Abg. Hans Edler zu Putlitz mit Recht sehr scharf gegen die Interpellationen an und für sich aus. Diese seien ganz unnötig, die Angelegenheit hätte in der Etatsdebatte besprochen werden können. Es sei unverantwortlich, daß dem Reichstage auf solche Weise zwei Tage feiner kostbaren Zeit geraubt worden seien. Die Nutzanwendung hieraus solle bei den Anträgen auf Erweiterung des Jnterpellationsrcchts gezogen werden. Im übrigen seien die Konservative» der Ansicht, daß in der Anwendung des Vereinsge» fetzes vollkommen korrekt Verfahren werde. Der gleichen Meinung ist der nationalliberale Abg. Junck, der allerdings nicht bedauert, daß die Interpellation ein« gebracht worden ist. Die Angriffe auf den Sprachenparagraphen hält er für verfehlt. Die linksliberale Fraktionsgemeinschast schickte den Abg. Dr. Mülle» Meiningen vor, der den zahlreichen Angriffen entgegentritt, die die Linke wegen ihrer Zustimmung zum Polcnparagraphen zu erleiden hat. Der Redner erklärte, das Bereinsgeseh biete so immense Vorteile, daß die Freisinnigen dumme Kerle gewesen wären, wenn fie nicht trotz dieses Paragraphen dafür gestimmt hätte». Auch heute noch würden sie ebenss stimmen. Die scharfen Auseinandersetzungen de» Redners mit der Sozialdemokratie riffen das Hau» zu großer Heiterkeit hin. Hieraus unternahm der Abg. Dr. Kolbe (Reichsp.s eine wirffame Abrechnung mit den Polen an der Hand eines reichen Material» von Zeitungesausschnitten. Nach einer kurzen Erwiderung an die Adresse Dr. Müllers durch den sächsischen Bevollmächtigten Geh. Juftizrat Dr. Fischer erscheint mit Proteftrufen empfangen Abg. Gothein auf dem Podium, um zu wiederholen, was er und andere Redner polenfreundlicher Richtung ber-'ts verschiedentlich ausgeführt hatten. Mit einigen kurzen Ausführungen, denen in einigen Punkten der Vertreter der Reichslande im Bundesrat Dr. Sirveking entgegentritt, beteiligt sich der Elsässer Richlin und nach ihm der Däne Haussen an der Debatte. Rach einige« persönlichen Bemerkungen vettagt sich das Haus auf Sonnabend Vormittag 11 Uhr: Fortsetzung der heu« ___________—3 toten fie bis zur Erschöpfung weiter. Wenn sie Durst hatten, mußten fie bis zum Behälter gehen, ber in ber Höhle mit ber toten Mutter flank Die älteste Schwester leitete die Arbeit und das Brüderchen Francesco trieb sie rüstig vorwärts. Sie schliefen aneinander gelauert, fie ließen fich nie los und sprachen sich gegen» fettig Trost zu.
Dann ging Speise unb Trank zu Ende. Dl« Unglücklichen litten die Qualen von Hunger unb Durst und die jüngere Schwester starb. Die Ueberlebenden betteten ben kleinen Leichnam und fuhren mit ihrer Arbeit fort. Plötzlich, nach ber Räumung eines Steines, sahen sie «in schwaches, weißes Licht durch bas Gewirr bet Trümmer zu sich komme«: dort war bi« Sonne, dort bas Leben. Der klein« Francesco konnte sich allmählich einen engen Ausschlupf wühlen und auf ben Gipfel eines Berges von Trümmern emporarbeiten. Nun sah er bie Sonne scheinen, und vor fich sah er bie kläglichen Mauerrest« der Kirch« zum Purgatorium; d« war kein Messina mehr, keine Straßen und keine Häuser, sondern nur noch Schutt und Trümmer. Der Klein« blieb erschreckt stehen und wagte fich kaum zu regen. Dann sah er zwei Zollwächter, wie sie mit der Flinte auf dem Buckel vorsichtig über die wankenden Trümmer schritten und schrie aus Leibeskräften: „Kommt herbei!" Die Wächter hätten den klagende« Laut, konnten aber zuerst den Knaben nicht sehen, weil er ganz die graue Farbe des Schuttes trug. Erst als der Hilferuf wiederholt ertönte, sahen sie, woher er kam. Nach zehn Minuten kamen dann Pioniere und gruben auch di« beide« Schwestern aus.