Einzelbild herunterladen
 

MchW Zeilmg

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: »Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage."

Jli 17

Man abonniert auf die täglich erscheinend«Oberhessisch« Zeitung" bei allen Postämtern und irmern Zeitungsstellen in Ktrchhainnnd Wetter sowie bei unserer (Sjpebition Markt 21. Der BeznaAprei» beträgt durch di« Post 2,25 ffltt lohn« Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Die InsertionSgebllbr beträgt für di« 7«fpalte« Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig.

Donner-tag 21. Januar 1909. Inhaber Dr.^H^tzeroth, MarburgMarftÄ^Telep^^bS.

44. Jahrg

Fürst Bülow und der Kaiser.

Au» bet gestrigen Kanzlerrede im Abgeotd- »etenhause ist folgender Passus hervorzuheben:

Von zwei Seiten ist an die ernsten Debatten «innert worden, die vor einiger Zeit im Reichstage stattgefunden haben. Ich glaub« mich verpflichtet, um Mißdeutungen, denen ich na- mentffch in der Prefle begegnet bin, entgegenzu- tretrn. da, nachstehend« zu sagen. Pflicht der verfassungsrechtlich verantwortlichen Reichs­kanzler, und Ministerpräsidenten ist es, den Trage« der K^one zu decken. Dieser Verpflichtung habe ich mich noch ni« entzogen, seitdem ich di« Verantwortung trage für den Gang der Staats« und Reichsgeschäst_ Ich will nur daran er­innern. was ich erwiderte es must vor fünf oder sechs Jahren gewesen sein, als im Reichs­tage die Herren Abgeordneten Bebel und Rich­ter von eine: Kabinettsrvgi«runq gesprochen hatten:Man solle nicht vergessen, sagte ich da­mals. von wie großem Vorteil eine stark aus­geprägte, begabte Individualität eines Fürsten fei. Man solle nickt ungerecht sein für das tat­kräftige, redliche Wollen unseres Kaisers, für den großen Zug in seinem Wesen, für seine freie vorurteilslose Gesinnung." Das unter­schreib« ich auch heute. Ich hab« damals aus­drücklich erklärt: Wenn Sie Angriffe erheben wollen, wegen irgendwelcher Wandlungen de« Monarchen, so richten Sie dieselben an die Per­son des Reichskanzlers. Wenn ich die Verant­wortlichkeit zu tragen nicht mehr in der Laa« wäre, würde ich einem Zwiespalte in den Auf­fassungen zwischen dem Monarchen und mir ein Ende machen dadurch, daß ich Seine Majestät täte, mich in Gnaden meines Amte, zu ent­heben. So sagte ick bereits vor bald sechs Jah­ren, und das erhalte ich auch heute aufrecht, Seitdem ich Minister bin, seit bald 12 Jahren, habe ich stets getan, was zu tun meine Pflicht war und was ich zu tun vermochte, um den Träger der Krone vor Mißdeutungen zu schützen, um sein Verhalten zu erklären und zu recht­fertigen und um sein Ansehen zu wahren. Ich habe auch, als jener Artikel imDaily Tele­graph" erschien und eine große Bewegung durch das Land ging. nW einen Augenblick gezögert, den Sachverhalt richtigzustellen und die Sckuld auf mich zu nehmen. Ich habe in der Reichs- tagsdebatte alles heroorgehoben, was geeignet wär, die unglückliche Wirkung des Interviews abzusckwächen und zu beseitigen. Ich habe die Mitteilungen über den angeblichen Feldzuqs- plan gegen die Buren, die russisch-französische Mediation, und die mißverstandenen Aeußer- «ngen über Japan richtiggeftellt. Aber ich habe auch die Pflicht, dafür zu sorgen, daß zwischen dem Träger der Krone und den Wünschen und Empfindungen des Landes nicht ein Zwiespalt entsteht, der für beide Teile verhängnisvoll fein müßte. Der verantwortliche Minister hat zu sorgen, daß der Träger der Krone nicht irre wird an seinem Lande, und das Land nicht an dem Träger der Krone.

Er hat dafür zu sorgen, daß die Verfassung nicht nur buchstäblich, sondern auch dem Geiste nach aufreckterhalten bleibt. Der preußische Ministerpräsident Bat vor allen Dingen zu sor­gen. daß die historische Stellung der Krone, die «ine ruhmvolle Vergangenheit uns überlieferte

36MrfiDru<f berboteit.i

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

(Fortsetzung.»

Suchen Sie einen Wagen aufzutreiben, der uns morgen, spätestens übermorgen nach Sedan bringen kann."

Laurence versprach, sein Möglichstes zu tun und verabschiedete sich. Die Dame blieben schweigend zurück. Eine jede hing ihren Ge­danken nach, die bei Desiree die trübsten waren, während Frau Rataly eine gewisse Befriedigung fühlte.

So werden die Schwierigkeiten mit einem Male gelöst. Die Kleine scheidet von hier, ohne eine Ahnung von der unheilvollen Nähe ihres Verlobten zu haben, und auch Jean, mein Bru­der, wird ihn nicht sehen, da er sich ««schworen hat, nicht hierher zurückzukehren.

Aber sie wollte selbst den Mann, dessen Ge­schick ihr mehr an das Herz gewachsen war, als sie sich zugestehen wollte, noch einmal sehen.

Ich will dem Oberarzt meinen Entschluß mitteilen," sprach sie zu Desiree.Bleibe hier, schließe Dich ein; ich bin in einer Viertelstunde zurück."

Desiree nickte zustimmend und tat nach der Tante Willen. Aber kaum hatte sich diese ent­fernt da klopfte es an die Tür.

Ich bin es, der alte Laurence!" tief es durch das Schlüsselloch. ,Zch habe nur eine Frage.

, Bitte, Fräuleinchen, machen Sie auf."

Da» Mädchen öffnete sofort. E» »ar froh,

und welche die Grundlage unserer Wohlfahrt und Macht, unserer Einheit und unserer Zu­kunft ist, nicht aufs Spiel gesetzt wird, und daß sie nicht abgenützt wird. In diesem Hause sind viele Männer, die mit Stolz von sich sagen könnenKönigstreu bi» in die Knochen". Ich bin aber überzeugt, daß nich^ nur Sie, sondern jeder ehrliche und denkende Anhänger der mo­narchischen Staatsform und der Stellung des Kaisers im Reiche mich verstehen und mir glau­ben wird, wenn ich sage, daß ich gerade in den schweren und schmerzlichen Novembertagen als wahrhafter Royalist gehandelt habe, in voller llebereinstimmung mit dem gesamten Staats­ministerium und dem ganzen Bundesrat. In dieser lleberzeugung lasse ich mich nicht irre­machen, auch nicht durch einfältige oder perfide Zeitungsartikel, durch Klatsch und Kamarillagerede. (Bravo.)

Liebe zum Vaterlande und Treue zum Kö­nigshause weisen mir den Weg vor. den ich zu gehen habe. Lassen Sie uns alle wirken, daß die Erinnerung an die Taten unserer Könige, an alles, was sie für dieses Land taten, nicht ver­dunkelt wird in unserem Volk. Preußen ist groß geworden durch seine Herrscher. (Beifall rechts.) Was haben unsere Fürsten für dieses Land getan seit dem ersten Hohenzollern. der in die Mark einzog bi» zum Großen Kurfürsten, dem Großen König, bis zum ersten Kaiser aus dem Hause Hohenzollern! Gestern waren 38 Jahre verflossen, daß dem deutscken Volke der Traum der Jahrhunderte, die Sehnsucht der Jahrhunderte erfüllt wurde. Wir wissen auch alle, daß wir an unserem Könige und Kaiser einen von großen Idealen erfüllten Herrscher haben, der beseelt ist von dem Wunsche, Deutsch­land vorwärts zu führen. Er hat hohe Frie­denswerke geschaffen, hat Handel, Industrie, Technik und Wissenschaft gefördert, wie wenige Herrscher vor ihm. bat für die Bedürfnisse der. Landwirtschaft ein offenes Auge, hat die Flo ke geschaffen, hat unser Heer schlagfertig erhalten und vervollkommnet und hat den Frieden er­halten. In dem Verständnis zwischen König und Volk, in dem Ernst, mit dem von beiden Seiten diele» Verhältnis aufgefaßt wird, darin, daß der Fürst sich fühlt als erster Diener des Landes, und daß das Land weiß, daß die In­teressen des Landes und nur die Interessen des Landes auch die Interessen des Fürsten und feine Richtschnur find, darin lag in der Ver­gangenheit unsere Kraft, darauf beruht auch unsere Zukunft. .___

Aus dem AbaeordnetmfiWse

In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses sprach zuerst Abg. Dr. Wiemer (ft. Vp.). Er be­kämpfte die agrarische Schutzzollpolitik, sprach wenig­stens im Grundsatz sich für die Einnahmebewilligung der Landesvertretung aus ohne deshalb einer Ver­ständigung über die schwebenden Teckungsfragcn aus- zuschließen und polemisierte gegen den konservativen Redner. Im Verlaut der Besprechung der Einzeletats kam der Redner auf den Fall Schücking, den er unter lebhaftem W-derspruch und Gelächter als Eingriff in die Meinungsfreiheit bezeichnete. Zur Illustration zog er einen anderen Fall des Einschreitens gegen den Bürgermeister in Hagen heran.

Fürst yfitoto.

Er führte etwa folgendes aus:

Von allen Rednern aus dem Hause ist das Thema der Sparsamkeit berührt worden. Mit neuen Ein­

nahmequellen - ist' das Thema der Gesundung unserer Finanzen nicht erschöpft, vor allem gilt es, zur alten preußischen Sparsamkeit zurückzukehren. Auch in der Militärverwaltung gibt es Gelegenheit genug zu sparen, ebenso in anderen Verwaltungen. Regierung und Parlament müssen hier zusammengehen. Die Parlamente müssen aufhören, auf neue Ausgaben zu dringen. Wir dürfen keine neue« Ausgaben ohne ent­sprechende Deckung machen. Ich erinnere an einen Erlaß vom Sommer, worin insbesondere auf die Ver­einfachung des Behördenapparate», Verringerung be» SchreibtverkS, Umbildung des Kassenwesens usw. hin­gewiesen wurde. Wir werden dieser Anregung zur Sparsamkeit die Tat folgen lasse«. Der Abg. Pappen­heim hat gestern gegen die Nachlaßsteuer Stellung ge­nommen. Parteigrundsätze sollten in solchen Fragen nicht den Ausschlag geben. Wir haben Steuern nötig, die in erster Linie den Besitz treffen. Wir können in unserer gegenwärtigen Notlage nicht an der Nachlaß- steuer Vorbeigehen. Gegen eine ReichsvermögenS- steuer sprechen ernstliche Gründe staatsrechtlicher Na- tut. Eine weitere Erhöhung der Matrikularbeiträge ist ebenfalls außerordentlich schwierig für Preußen und noch mehr für die kleinen Bundesstaate«. Bei der Nachlaßsteuer soll nicht schematisch vorgegangen werden, sondern den besonderen Verhältnissen Rech­nung getragen werden. Für die Landwirtschaft sind besondere Vergünstigungen. vorgesehen. Ueber daS Wahlrecht kann ich gegenwärtig nicht mehr sagen, als in der Thronrede angegeben ist. Dem Falle Schücking liegt eine symptomatische Bedeutung nicht bei. So­lange ich al» Ministerpräsident hier stehe, wird kein liberaler Beamter wegen seiner politischen Gesinnung zur Rechenschaft gezogen werden. Selbstverständlich muß der Beamte denienigen Takt zeigen, den seine Stellung erfordert, Natürlich darf ein Beamter sich nicht zur Sozialdemokratie bekennen. Ebenso ver­langen wir von einem Beamten, daß er keine gehässige Kritik an den staatlichen Einrichtungen übe. (Sehr richtig! rechts!. Ich lehne jede Einwirkung auf da» Verhältnis zwischen Beamten und Vorgesetzten ab; daS ist Sache des Vorgesetzten. Hier entscheidet allein die Staatsraison. Für die Beamten ist der Erlaß be» Fürsten MSmarck noch in Geltung, in bem es heißt, daß sie die Politik der Regierung unterstützen und fördern müssen. Leider ist e» dem Kulturminister Holle noch nicht gelungen, seine durch t,ie Amtsfüh­rung angegriffene Gesundheit wird--herzustellen. Der König bat sich nicht entschließen können, das Rück­trittsgesuch des Minister« anzunehmen. Sollte die Wiederherstellung de« Ministers bis zum Frühjahr nicht erfolgt fein, so wird eine Neubesetzung de» .Kul­tusministeriums ftattfinden. Ich habe dafür zu sor­gen, daß die Stellung der Krone nicht auf» Spiel ge­setzt und abgenutzt werde. Jeder ehrliche Monarchist muß anerkennen, daß ich in den schweren November« tagen als Rovalist in llebereinstimmung mit dem Ministerium gebandelt habe. In dem Vertrauen zwi­schen Fürst und Volk beruht unsere Zukunft. Der Vorwurf, daß die Regierung nicht energisch genug gegen die Sozialdemokratie vorgehe, ist unbegründet. Die Versuche zur Bekämpfung der Sozialdemokratie sind gescheitert an der Uneinigkeit der bürgerl. Parteien. Ein Vorgehen mit gesetzgeberischen und politische« Mitteln ist kein Allheilmittel. Bor allem muß die Re­gierung in ihrem Kampfe gegen die Sozialdemokratie unterstützt werden. Dazu gehört auch, daß die bürger­lichen Parteien Maß halten in der Kritik gegen die Regierung. Inbezug auf die schuldige Treue und Ehrfurcht gegen den Thron ist in den letzten zwei Jahrzehnten furchtbar gesündigt worden. Leider kann man beobachten, daß Genuß, Luxus und Frivolität, besonders in den oberen Ständen, zugenommen haben. Wir sollten beginnen, wieder einfacher zu lebe«, damit die Söhne behalten, wa» sie von den Elter« ererbt haben l Lebhafter Beifalls.

Rach dieser Rede hatte der Redner des Zentrum» Abg. Herold keinen leichten Stand. Er begann mit einer Kritik der Ausführungen des Reichskanzlers und bemängelte insbesondere, daß im Widerspruch mit der Förderung des Zusammenschlusses aller bürgerliche« Parteien eine so große nationale Partei so scharf be­

daß der Alte gekommen war. In der halbfin­stern Mansarde war es gar zu schauerlich, so ganz allein.

Was bringen Sie, lieber Laurence?" fragte Desiree, dem Alten einen Sessel hinschiebend.

Rein, nein, lassen Sie nur," wehrte dieser bescheiden ab.Ich geh« gleich wieder, gnädiges Fräuleinchen. Was ich fragen wollte, darf es denn ein Leiterwagen zur Fahrt nach Sedan sein? Den hab ich im Schuppen, und ein Pferd kriege ich schon."

Mir ist jeder Wagen recht," antwortete De­siree.Wie gut Sie sind, Alter, daß Sie sich so um uns mühen."

O, das ist mit ja das größte Vergnügen in dieser lenden Zeit, Fräuleinchen," versichert« er. Ich wollte, ich könnte auch was für den gnä­digen Herrn tun. Aber, was ich sagen wollte, der läßt sich gar nicht sprechen. Der ist so voller Groll, weil ich die Verwundeten ins Haus ge­lassen habe. Heu Gott, ich mußte es ja tun, sonst hätten sie alles kurz und klein geschlagen. Aber auf die deutschen Verwundeten hat er es 'mal scharf. Was ich sagen wollt«. Wenn er erst wüßte, daß sein bester Freund und Feind unter ihnen ist, das gäbe erst eine Aufregung. Von dem habe ich aber weislich nicht ge­sprochen."

Desiree sah den Gärtner mit großen Augen an. Weshalb stockte ihr plötzlich ihr Herz? Ein unmöglich scheinender Gedanke blitzt« durch ihren Kopf, ein Nam« so schön, so unendlich süß für sie, drängte sich auf ihre Lippen. Aber sie sprach ihn nicht au», sie nickte em, während Schwindel ihr Hirn erfaßte.

Laurence hielt dar Ricken für ein Zeichen de» Einverständnisses.

Ich sehe, die gnädige Frau hat Ihnen schon von dem Äerwundeten erzählt." fuhr er ge­schwätzig fort.Ja, dem Herrn durfte ich e» freilich nicht sagen, daß unser früherer Direktor Tyrolt im linken Erkerzimmer liegt."

Ein Schrei des Schreckens, des Entzücken», der grenzenlosen Liebe entrang sich Desirees Lippen. Sie sprang auf, sckob den Gärtner, der sie erstaunt aufhalten wollte, bei Seite und eilte aus dem Zimmer die Treppe hinab.

Als sich die Tür hinter ihr geschlossen hatte, schlug sich der Alte ärgerlich aus den Mund.

Ich will nicht Napoleon Laurence Vache heißen, wenn ich da nicht eine Dummheit ge­macht habe", raisonnierte er.Aber, was ich sagen wollte, die Hauptsache ist der Leiter­wagen, und der picht dem Fräulein. Run will ich mich mal nach einem Pferde umsehen, das zu mir paßt."

Desiree hielt, im Hochparterre angekommen, sttll, um darüber nachzudenken, was sie zu tun im Begriff stand. Welchen Weg sollte sie ein­schlagen? Das stürmisch pochende Herz raubte ihr die llederlegung, sie entsann sich des Zim­mers nicht, wo sie Waldemar finden sollte. Sie hatte nur einen ©ebanten:Zu ihm, zu ihm!"

Da tauchten die funkelnden Brillengläser be» jungen Doktor Zimmer vor ihr auf. Der mußte helfen. Desiree besann sich keinen Augenblick, ihre Sache bem höflich Rähertretenden anzu­vertrauen.

Eie sind ein Ehrenmann, mein Herr?" tief sie ix französischer Sprache.Führen Hie mich,

kämpft werbe, wie nur bie Sozialdemokratie. Er bed teibigte bie agrarische Schutzzollpolitik und verlangt eine mikbere Einschätzung be» landwirtschaftlich» Grundbesitze». Sparsamkeit sei nötig. Es werbe g» viel regiert unb beaufsichtigt unter Einschränkung b& Selbstverwaltung. Die Politik des Zentrums sei rich tig. Roch immer würden die Katholiken bei der Bo setzung bet Staatsämter disparitätisch behandelt. Zux Schluffe erging sich Redner weiter in den bekannte» Zentrumsausführungen über Orden, Kirche um Schule. .

Abg. Pachntcke (fr. Bgg.) besprach das ganze Ge biet der inneren Politik im Reiche unb in Preuße« vom liberalen Stanbpuntte. Er forderte insbeson» dere ein Ministerverantwortlichkeits-Geseh. Annähe­rung an bas Reichstagswahlrecht unb Einführung bei geheimen Wahl.

Nach ihm entrollte der Minister de» Innern ein» Skizze bet von ihm geplanten Reform der innere» Verwaltung. Allmählich fei bei neuen zahlreiche» Aufgaben die allgemeine Lanbesverwaltung in eine» Zustand gerate«, der ihre Einheitlichkeit, Beweglich feit unb damit Wirksamkeit bedenklich fd>mätete Besserung suche er auf einfachem Wege durch Verein fachung und Modernisierung des Geschäftsganges. I» dieser Hinsicht sei bereits unter Mitwirkung de» vev bienten Präsibenten des Zentralamts der Eisenbahn Verwaltung wesentlich vorgeschritten und balbiger Er folg zu erwarten. Sobann müssen die Behörden bei mittleren unb unteren Instanz zusammengefatzt uns so vereinfacht werden. Uebertragung der Geschäfts der Generalkommission auf bie Regierung, Bereini­gung der sämtlichen Landeskultu^angelegenheitcn mi der Domänenverwaltung zu einer Lanbeskulturabtei- lunfl lAngliederung der Schulverwaltung an die all­gemeine Lanbesverwaltung. Weiter sei kräftig na­mentlich auf bie LokalHelle« zu dezentralisieren. Dich sei bet schwierigste Teil bet Aufgabe. Einer Ueber« lastung der ßanbratsämter werbe durch Beiordnung von etatsmäßigen Hilfsarbeitern vorzubeugen fein Den Schlußstein werde die Vereinfachung des Inftan- zenzugeS gu bilden haben. Auch die Gesetzgebung werde schrittweise zu erfolge« haben. Er hoffe auf di Unterstützung be» Sause». (Lebhafter Beifalls.

Sodann wurde die weitere Beratung bi» Mittwock 11 Uhr vertagt.

-------------- ! ' '

Ans dem Reichslaae.

Im Reichstage wurden der Handelsvertrag zwi schen dem deutsche« Reiche unb bem Freistaat A Sai­da dar, sowie bet Gesetzentwurf über bie Kontrolle bet Reichshaushaltsetats mit feinen Beigaben in dritte Lesung angenommen.

Unb bann schlich sich bie Besprechung des Etatz des ReichsjuftiMmteS stimmungslos vor schwach be, setzten Bänken weiter. Nicht, als ob bitfer Etat nick hochwichtige Frage« umspannte, aber man fühlt, ba( der Staatssekretär Dr. Niebetding zu schaffen sucht was sich ermöglichen läßt, man weiß, baß gewisse Miß- stäube sich nicht abstellen kaffen unb bie juristische Ma­terie widerstrebt dem mit Schlagworten arbeitende» tönenden Pathos. Man erfuhr auf eine Anfrage be» Abg. Kaempf (fr. Vp.j vom Staatssekretär Dr. Nie. berbing, baß bie Niederlanbe an Deutschlanb eine Ein­labung zu einer Konferenz übet gemeinsame wechsel- rechtliche Bestimmungen habe« ergeben lassen, auch Italien wirb sich beteiligen. Der Gesetzentwurf zu» Regelung des Tarifvertragwesens liegt, so würbe be« Abg. Junck (natlib.) erwidert, bem Reichsamt bei Innern vor.

Aba. Dr. Müller-Meiningen (fr. Vp! beklagte der tschechischen Diebstahl an deutschem geistigen Eigen« tum, wie» auf die Abnahme bet Vergehen unb Be« brechen trotz be» witffchastlichen Notstanbes hin utch bebauerte den Uebereifer von Staatsanwälten.

Auf bie üblichen Beschwerden de» polnischen Ab» v. Dziembvwski-Pomian legte der Staatssekretär Be« Wahrung gegen die Auffassung ein, als hätte Preuße« durch seine agtarpolitische« Gesetze seine landesgeseh» kichen Befugnisse überschritten. Auch der Sozialdemo, trat Dr. Franck hielt mit Angriffen zurück. Die Abg -_____ _ _______-~l

bitte, auf dem nächsten Wege zu freu» Wall bemat Tyrolt, der in Ihrem Hospital liegt Wollen Sie?"

Der Arzt verstand nicht recht. Er hatte bei Ra^en überhört.

Kranker, Leutnant Tyrolt, Sachse, komm«» Sie!" sprach Desiree, deutsche Worte gd brauchend.

Der Jüngling machte ein langes Gesicht. E hatte gehofft, das junge Mädchen interessier sich für ihn und nun fragte sie nach einem säch fischen Leutnant. Aber er war edelmütig ge nug, ihr sofort zu verzeihen und seine Hilfe de Schutzlosen anzubieten.

Ja. komme« Sie, mein Fräulein, ich roil Sie zu Herrn Tyrolt führen," sagte er mt Würde und schritt durch einen engen Äorrib» voraus.

In dem Erkerzimmer hatte sich inbefiei Wichtige« ereignet. Mit Tyrolt zusammen roa; dort ein schwerverwundeter bayerischer Off» zier gebettet gewesen. Der Aermste war g< storben. Man hatte den entseelten hinau» getragen. Aber der Vorgang, in dessen (Be folge Lärm und Unruhe gewesen, hatte bei allein zurückbleibenben Waldemar aus seine Lethargie geweckt. Al» nun Frau von Tara« dal bei ihm einttat, schaute et ihr i« da» (Be ficht. Aber er erkannte sie nicht. Wie um nach zudenken, legte et sein« durchsichtigen weißet Finger über die Auge«, ei« schmerzvoller Zyz huschte über sei« Gesicht. Et konnte effenSa nicht mit sich tnr Reine kommen.

i tFousetznag folgt.)