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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: .Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Benage."

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Jf6 10 «irch b ain und Wetter sowie bei unserer Expedition - Markt 21. ö ^er beren Raum 1V Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. - ..

- Der Bezugspreis beträgt durch die Polt 2.25 M. (ohne STWHtnnrfi 90 1Q0Q Druck und Verlag: Joh. «ug. Koch. UnwersttLtSbuchdruckerei

Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk. «VtUlUWUj, 4U. ^UllUUr llfU». Inhaber Dr. L. Hitzero th, Marburg. Markt 21. Telephon Sv.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 5.

Ein Wort für Kreta.

Bet der Verständigung zur Beilegung der valkanfragen wird auch die Kretafrage aufge- rollt werden.

Kreta ist, seitdem die türkischen Truppen im Jahre 1898 zwangsweise die Insel verlassen mutzten, nur noch dem Namen nach ein türkischer Besitz geblieben, denn ähnlich wie Bosnien und die Herzegowina eine Angliederung an Oester­reich erfuhren, so gliederte stch Kreta seit 1898 immer mehr an das alte Stammland Griechen­land an, von dem es nur durch Gewalt seit Jahr­hunderten getrennt werden konnte. Diese An­gliederung Kretas an Griechenland ist seHtvet- ständlich eine weit innigere, als die von Bos­nien an Oesterreich, denn in Bosnien leben Hunderttausende von Mnhamedanern neben den unter stch uneinigen Serben des orthodoxen und römisch-katholischen Bekenntnisses, während auf der Insel Kreta die sehr große Majorität der Christen nur der unbedeutenden Zahl von 34 000 Muhamedanern gegenüber steht, da seit dem Jahre 1898 eine fortgesetzte Auswanderung der Mnhamedaner stattgefunden hat.

Der zähe Widerstand der hohen Pforte bei der Verteidigung ihrer vermeintlichen Rechte und früheren Eroberungen und ihre meistens geschickte Diplomatie find bekannt, aber war nützt ihr eigentlich heute noch Kreta, nachdem etfie Verwaltungszweige, Finanzen, Zölle, Unterricht, Sprach«, Gerichtswesen, Gendarmerie in grie­chische Hände übergegangen sind?

Die deutsche Presse könnte «in an Kreta seinerzeit geübtes Unrecht gut machrni Als nämlich im Jahre 1898 die Insel der Regierung des Prinzen Georg von Griechenland, also ge­wissermaßen dem Hellenismus anvertraut wurde, da vertrat eine Majorität deutscher Blätter die Meinung:Wenn die türkischen Truppen die Insel verlassen, dann erwürge« sich die Kreter untereinander, und der viMg« Ruin der Insel ist gewiß!"

Aber diese Prophezeiung ist nicht eingetreten, Kreta hat trotz enormer Schwierigkeiten ein Jahrzehnt des Friedens und Aufschwungs er­lebt, und die Zahl der Verbrechen hat stch ganz ausserordentlich verringert. Leider fehlt es noch an Kapitalien, da die Insel durch die Bürger­kriege völlig verarmt ist: auf der einen Seite lastete das verdummende Türkenjoch, auf der anderen drohte die stete Furcht vor den Kriegs­zügen der verwilderten, christlichen Sphakioten: da ist es wohl erklärlich, daß der unglückliche Kreter sagte:Warum soll ich mir ein Haus bauen, warum Weinberge anlegen?"Etwa damit die Türken sie mir vernichten, wenn die Sphakioten nächstens wieder eint» Aufstand machen?

36 -*frr urf Berboten.)

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias. «Fortsetzung.!

Der Arzt nahm ihr Anerbieten mit Freuden an. Das Personal reichte lange nicht für den schweren Dienst aus. Er bat sie, sogleich anzu­fangen, und führte fie zu seinem vornehmsten Patienten im linken Erkerzimmer.

Diesen Kranken möchte ich Ihnen ganz be­sonders empfehlen, gnädige Frau," sagte er, auf Tyrolt deutend.Er wurde sehr schmerz­haft verwundet und leidet viel. Die feinen Finger der gnädigen Frau werden hier Wunder tun. Darf ich darauf rechnen, daß Sie sich des Armen annehmen?"

, 8r°u non Tarandal antwortet« nicht so­gleich. Ihr Antlitz war fast so bleich wie das des Verwundeten. Mitleid, Zuneigung, Schreck Abscheu, Furcht vor dem unerklärlichen Ge­schick, das den Verlobten ihrer Nichte zurück in dies Haus gebracht, machten ihr Herz stocken. Endlich antwortete fie leise:

Ich werde mir seine Pflege angelegen sein lassen, nur fürchte ich"

Was, gnädige Frau?"

Daß dieser Offizier gerade durch mein« Hilfeleistungen sehr erregt werden dürfte."

Kennen Sie sich denn?"

Wir trafen früher einmal zusammen, in *knex glücklicheren Zeit," erwiderte fie aus­weichend.Glauben Sie nicht, dass ein Wiü>er- erkennen schlimme Folgen haben kann?"

..Wenn damit nicht schmerzliche Erinnerun­gen verknüpft find, keineswegs. Und selbst diese

Aber nach dem Abzüge der türkischen Trup­pen und der afrikanischen Benghazis, dieser Plage Kretas, ist eine so grosse Besserung einge­treten, wie man wohl kaum zu hoffen gewagt hatte. Schon können Touristen die Insel sicher durchstreifen, die eine Fundgrube für Archäo­logen geworden ist, und jedes neue Jahr zeitigt Fortschritte.

Möchte doch nun auch die ruhige und wür­dige Haltung der Kreter Anerkennung finden, und möchte die europäische Diplomatie, in Sonderheit die englische, statt der feinen Pläne der Selbstsucht, eine großherzigere Politik gegen­über dem Hellenismus Platz greifen lassen.

Adalbert Boysen, Oberst z. D.

i Aus dem Reichstage.

Die Reichstagswoche beginnt mit der zweiten Be­ratung des Justizetats. Wie üblich knüpften sich an den Titel, welcher das Gehalt des Ressortleiters aus­wirft, Anfragen über die schwebenden Vorgänge im Machtbereiche des Staatssekretärs. Solche Fragen stellen zuerst die Abgg. Dr. Wagner (kons.) und Dr. Belzer (Zentr.)

Der Staatssekretär Dr. Rieberding antwortet mit der Mitteilung, dass der Entwurf zur Strafprozessord­nung hoffentlich noch vor Schluss der Etatsberatung eingehen werde; darin würden auch über die Zeugnis- Verweigerung genaue Vorschriften getroffen werden. Im Prozeß Eulenburg seien auf den Angeklagten nur soweit Rücksichten genommen, als die Beschleunigung des Prozesses und das Votum der Aerzte sie wie sie übrigens auch beim ärmsten Angeklagten geübt wür-, den erheischt hätten. Es sollten nunmehr noch ein­mal höhere ärztliche Gutachten cingefordert werden. Bei Berhandlungsfähigkeit des Fürsten werde in den Prozess wieder eingetreten. Im Laufe des Sommers werde dem Bundesrat ein Entwurf des neuen Straf­gesetzbuches zugehen. Um die Hauptbeschwerden aber sofort zu beseittgen habe der Reichskanzler sich zu einer Novelle entschlossen, trotz der Bedenklichkeit die­ses Schrittes. Mn Gesetz über die Haftung des Rei­ches für seine Beamten liege dem Bundesrate vor. An der Neuregelung des Gebührentvesens und der Regelung des Tarifvertragswesens werde gearbeitet. Der Staatssekretär trat den Ausstreuungen entgegen, daß man beabsichtige, hier und in Bayern Landgerichte eingehen zu lassen. Eine neue Zivilprozessordnung sei ebenfalls im Werke, ebenso ein Gesetzentwurf zur Ent­lastung des Reichsgerichts.

Der Abg. Dr. Heinze (natlib.) warnt vor Schaf­fung weiterer Sondergerichte und stellt ein Vorwärts­schreiten der Rechtspflege fest. Der Abg. Heine lSoz.) fordert, Diebstahl zu einem Antragsvergehen zu ma­chen (außer bei gewerbsmäßigem und Banditendieb­stahl), spricht gegen Erhöhung der Strafabmessung auch bei Kindermißhandlung I findet aber gleich­wohl die Strafe im Colanderprozeß äußerst niedrig. Natürlich möchte er die Schimpffreiheit der Genossen erhalten tviffen und so ist ihm ein erhöhter Schutz gegen persönliche Beleidigungen höchst unsvmpathisch, ja unannehmbar die geplante Vorschrift, dass bei pd* Daten Beleidigungen ohne öffentliches Interesse der Wahrheitsbeweis unmöglich gemacht werden falle.

Staatssekretär Dr. Rieberding weist darauf Hk», daß die geplante Novelle den Beweis der Wahrheit bei Beleidigten zuläßt, wenn der Beleidigte zustimmt.

Ausgiebig verbreitet sich der Abg. Dr. Ablaß (frs. Vp.) über die im Flusse befindlichen Fragen, über die Ueberbürdung der Gerichte, die ungeeignete Behand­lung des Publikums, die spitzfindige Auslegung von Tatbeständen und die der Presse nachteilige Auslegung des Begriffesgeistiges Eigentum."

Auf eine Anfrage des Abg. Schack (wsch. Vgg^ er­

würben ihn aus seinem apathischen Zustand aufrütteln, der seine Kräfte oerzehtt und ihn langsam hinüberschlummern lassen wird."

Nun denn, in Gottes Namen, ich will mich des Aermsten annehmen, und damit Sie sehen, daß ich es mit dem Samariterwerk ernst nehme, bleibe ich gleich hier."

Der Chefarzt ging seiner Pflicht nach. Frau von Tarandal ließ sich an dem Krankenbett nie­der. Sie ordnete den Verband und netzte die Lippen des Verwundeten. Er mochte die Nähe seiner Pflegerin jpüren, denn der schmerzlich verkniffen« Zug um den Mund verschwand und machte dem Ausdruck des Behagens Platz.

Frau von Tarandal betrachtete ihn mit Unruhe. Wie sah er verändert, so elend und leidend aus? Tiefe Schatten lagen unter den Augen: der Bart war verwildert, das Haupt­haar hing wirr in die Stirne, welche an den Schläfen eingefallen war, und zuckend arbeite­ten die Arterien unter der geblich-weißen Haut. Die Hände lagen kraftlos auf der Bettdecke: Brust, Schultern und Rücken hüllt« der Verband ein. An diesem jungen Leben war der Tod hart vorbeigestreist, das sahen der Frau tränen­feuchte Augen.

Aber Desiree durste nicht wissen, wem fie ihre Pflege angedeihen ließ.

Als sie um die Mittagstunde ihrer Nichte mitteilte, daß sie sich fortan bet der Derwun- detenpflege beteiligen werde, bat Desiree wie vorauszusehen war sie mit hinunterzunehmen.

Ich höre die Seufzer der Kranken bis zu mir herauf. Laß mich ihnen Hilfe und Lin­derung bringen."

Frau von Tarandal konnte darauf nicht ein­gehen. _ , . .

widert der Staatssekretär, - dass ein Gesetzentwurf über die Regelung der Konkurrenzklausel von den ver­bündeten Regierungen erwogen werde, daß diese aber nicht eher mtt Vorschlägen an das Haus treten könnten, bi- die Kommission zur Borberatung des Ge­setzentwurfs über den unlauteren Wettbewerb sich ihre Ansichten gebildet habe. Abg. Becker (Zentr.) erörtert unter anderen Fragen die Milderung der Rechtspflege für Jugendliche und das Verlangen nach einem Straf­vollzugsgesetz.

Gegen 6 Uhr wurde die reitere B.ratung auf Dienstag 1 Uhr vertagt. Außerdem: Kleinere Vor­lagen.

Aus dem Abljeordnetmhause.

In der heutigen Sitzung de» Abgeordnetenhäuser sprach bei der allgemeinen Besprechung des Etats der Abg. von Pappenheim (kons.) sich sehr entschieden ge­gen die Nachlasssteuer im Reiche und für die Begren­zung der ungedeckten Matrikulacun^lagon auf ein für die,Bundesstaaten finanziell erträgliches Maß aus. Er empfahl Ueberweisung der Medizinalverwaltung von dem Kultusministerium auf vaS des Innern und die Einrichtung staatlicher Polizeiverwaltungen in den Jndustrierevieren. Die Ausführung der sozialen Ge­setzgebung deS Reiches müsse den Grganen der allge­meinen Landesverwaltung verbleiben. Die schlechte Finanzlage rührt zum Teil daher, daß wir sämtlich sparsam zu wirtschaften verlernt haben. Aber an den Bau raten für angefangene Bauten darf nicht ge­kürzt iverden, denn rasch bauen, heisst billig bauen. Im einzelnen wird auch durch übertriebene Fiskalität die Wirtschaftlichkeit der Verwaltung geschädigt.

Die Bewilligung der nachträglichen Zuschläge zu den Steuern im Betrage von 30 Millionen M für 1908 ist im Interesse solider Finanzwirtschaft uner­läßlich. Redner ging dann zur Besprechung der ein­zelnen Etats über.

Während der Rede trat der Herr Reichskanzler in den Sitzungssaal.

Aus dem weiteren Verlaufe der Rede ist hervorzu- hcben, daß nach dem Verbleib des Wasserstrayen- gesetzes gefragt und die Einführung von Schiffahrts­abgaben befürwortet wurde. Schliesslich gab Redner namens der Partei deren einstimmige Auffassung be­treffs des Wahlrechtspassus der Thronrede dahin kund, dass sie die Vorschläge der Regierung abwarten werde, aber bezweifele, dass das preußische Wahlrecht reformbedürftiger ist als das anderer Staaten. ES habe gute Früchte gezeittgt. Jedenfalls werde die Partei an der Machtstellung der Krone nicht rütteln. (Lebhafter Beifall rechts.)

Dr. Friedberg (natlib.) vertrat seinen bekannten Standpuntt in Bezug auf die anderweite Etattsierung des Eisenbahnetats. Er verlangte eine gründliche Reform durch Schaffung eines wirksamen AusgleichS- sonds unter festerer Abgrenzung der Eisenbahn­sinanzen, sowie unter Begrenzung der Verwendung des Betriebsüberschusses für Einmalige Ausgaben. Sodann wurden die EinzelelatS durchgenommen. Weiter erklärte er, im Gegensatz zu dem ersten Red­ner, das preußische Wahlrecht für reformbedürftig. Sparsamkeit in Bezug auf Neuaufteilung von Be­amten sei notwendig. Ebenso in Bezug auf Reise­kosten. Der Nachweis eines dauernden Mehrbedarfs an Steuern sei noch nicht erbracht (Beifall).

Ihm folgte Freiherr von Zedlitz (freikons.), der eine rücksichtslose Sparsamkeit bei Prüfung des Etats namentlich in Bezug auf neue Beamtenstellen und Bauten, sowie auf Dispositions- und Reisegelderfonds forderte. Er empfahl Beschränkung der Verwendung von Eisenbabnüberschüffen reicher Jahre auf den Durchschnittsbetrag, um Reserven für magere Jahre zu schaffen, und kündigte eine Interpellation über die Ausfübrung der vorfährigen Resolutton, betreffend Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung, an. Er will die 65 Millionen Mark geforderter neuer Steuern ohne Zeitbeschränkung bewilligen, schon da­mit die Besoldungsvorlagen bald verabschiedet und so

Unmöglich, mein Kind," sagte fie,ganz undenkbar? Vergiß nicht, es find deutsch« Män­ner, die unser Haus füllen. Papa würde Dir nie verzeihen, wenn Du ihnen den geringsten Dienst leistest."

Es find Verwundete, Unglücklich«, Hilfsbe­dürftige. Was hat das christliche Erbarmen mit der Nationalität zu schaffen? Aber es liegen unten auch Franzosen genug, deren ich mich an­nehmen kann. Der Arzt zählt« fünfundzwanzig Mann."

Ich darf Dich nickt in Berührung mit den Prusstens bringen. Ich verbiet« Dir deshalb, die Krankenzimmer zu betreten. Ist Laurence nach der Stadt?"

Ja, feit aller Frühe," antwortet« Desiree traurig, ihren Wunsch nicht erfüllt zu sehen. Hoffentlich bringt et keine ungünstigen Nach­richten über Papa. Ach Tante, mir ist das Herz so beklommen, ich hab« die Ahnung eines noch schrecklicheren Unglücks."

Das möge Gott verhüten," sagte die alte Dame.Ich hoffe, das Schlimmste liegt hinter uns, nachdem der Todesengel der Schlachten über uns dahingeflogen. Nun wird der Friede wieder einkehren, wenigstens Friede für uns. Dazu gehört auch Dein Vater. Er wird seinen Schmerz überwinden, seinen Haß begraben und zu uns zurückkehren. Ein kluger Mann, wie et, schickt sich endlich in die Verhältnisse, und di« Deutschen sind in bet Tat nicht di« Bat- baten, für di« man fie ausgeschtieen."

Gegen Abend kam bet Gärtner aus bet Stadt zurück. Er war ganz niedergedrückt von all den Greueln, di« er hatte sehen müssen. Di« alten Beine wollten ihn teure die Treppe

dem tadelnswerten Treiben in manchen Beamten­kreisen ein Ende gemacht wird. Die Reichsfinanz- reforrn sei ein Lebensbedürfnis für Preussen, fie zn fördern und den Reichsgedanken hoch zu halten, sei auch eine Ehrenpflicht der Vertretung des Präsidialstaates. Das von der Treue und Liebe des Volkes getragene starke preußische Königstum sei auch das sicherste Boll­werk deS deutschen Reiches. (Lebhafter Beifall).

Den Schluß machte eine Rede des Eisenbahnmini­sters, der in seiner ruhigen sachlichen Art die Aus­stellungen der Vorredner zu feinem Etat zurückwieS, die Schwierigkeiten darlegte, welche einer Fixierung der zu allgemeinen Staatsausgaben verfügbaren Ueberschüfle entgegenstehen, und die Erwartung einer baldigen Besserung des Erwerbslebens ausfprach.

Dann vertagte das Haus die weitere Beratung auf Dienstag vormittag 11 Uhr.

Berlin, 18. Jan. Der Seniorenkonvent des Preussischen Abgeordnetenhauses beschloß heute, die Wahlrechtsanträge nächsten Montag auf die Tages­ordnung zu setzen. ________

Politische Umschau

Das Fest bte Schwarze» Adlerordens begann gestern Vormittag im Königlichen Schlosse. Die neu zu investierenden Ritter fan- ben sich in der Roten Adler-Kammer zusammen. Der Herzog von Sachsen-Altenburg wird nicht investiert. Er verließ Berlin wegen eines Krankheitsfalles. Im Rittersaal hatten sich bte Geladenen versammelt. Rechts von dem Thron standen die Herren des Großen Vortritts, di« Generale, Admirale und Siaatsmlnister, sowie andere Fürstlichkeiten. Die anderen kapitel- fähigen Ritter bildeten zwei Habkreise rechts und links des Thrones. Der Kaiser, bedeckten Hauptes, ließ sich auf den Thron nieder. Prinz Heinrich und Prinz Eitel Friedrich geleiteten als Parrains die Prinzen Waldemar und Joachim zu den Stufen des Thrones. Der Kai­ser mit dem offenen Statutenbuch des Ordens richtete an die neu aufznehmenden Ritter nach­einander die Frage, ob sie geloben wollten, bte Ritterpflichten bes Ordens zu erfüllen, worauf die Prinzen erwiderten:Ja, ich gelobe es?" Unter den Klängen einer längeren altdeutschen Fanfare wurden die Prinzen mit dem Ordens­mantel bekleidet, worauf der Kaiser den vor dem Throne Knieenden die Ordenskette umhing und ihnen die Akkolade erteilte. Nach bet Handreichung nahmen die Prinzen ihre Plätze unhet den älteren Rittern ein, während bet Ordensmarsch ertönte. Mit gleicher Feierlich­keit würbe hierauf der General der Kavallerie zur Disposition Frbr. v. Bissinq, General bet Infanterie, Generaladiutant v. Kessel, ber Ober« j' qermeister vom Dienst Frhr. v. Heintze- Weißenrob«, Staatsminister v. Köbler und General ber Infanterie, Ritter Hentschel von Eilgenbeimb investiert. Im Kapitelsaal hielt ber Kaiser als Großmeister bes Ordens ein Ka­pitel in Gegenwart der sämtlichen 49 Ritter ab. Gestern abend fand um 8 Uhr im Elisabeth« saal Tafel für bte Ritter bes Schwarzen Adler­ordens statt, an welcher auch die Botschafter von Szoegyeny-Marich und Botschafter Graf von brr Osten-Sacken teilnahmen.

Bom Orbensseste.

Die Zahl bet bei betn Ordensfest verliehenen Orden und Ehrenzeichen übersteigt wieder die

emportragen, als er seiner Herrin Bericht abzu­statten ging.

,Der gnädige Herr kommt nicht." sagte er, sich zitternd auf einen Stuhl niederlassend,et bleibt bei seinem Worte.So lange Prusfiens in meinem Hause sind, setze ich keinen Fuß über die Schwelle, und auch später werde ich es mir überlegen," sagte er.Sie haben mein Haus besudelt, beschimpft durch ihre Gegenwart."

Unversöhnlich, ich wußte es, sagte die alte Dame.Welche Befehle hat mein Bruder für uns?

Gar keine, gnädige Frau. Herr Bourlier schien selbst nicht zu wissen, was für Sie am be­sten sei. Er wirb Ihnen schreiben."

Sie fauben ben Herrn in ber Rue b'Espagne?"

Ja wohl, auch ben Sarg bes Herrn Leut­nants. Aber ber war schon eingeschlossen, ich habe den Toten nicht mehr gesehen, unb ich glaube auch nicht, baß bet gnädige Herr mir ihn gezeigt hätte. Er begleitete mich bis zum Vorgärtchen unb schloß hinter mit bi« Tür. So blieb er bort mit bet Leiche ganz allein.

Mein atmet, atmet Stuber, klagte Frau Rataly, inbeß ihre Richte bei ßaurenees Er­zählung leise vor sich htnschluchzte.Wir dürfen ihn nicht allein lassen. Wenn er uns auch nicht ruft, es ist unser« Pflicht, zu ihm zurückzukehren, alles andere tritt darüber in ben Hintergrund."

Du meinst die Kranken?" fragte Desiree ahnungslos.

Frau von Tarandal nickte und wandte stch zum Gärtner, um ihre Verlegenheit Pt een» bergen.

t (Fortsetzung folgt.)