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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend- (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage.-
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Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische Zeitung" bet allenPostämtern und unser» ZeitungSstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. - Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unser« ZettungSstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Sonnabend, 16. Januar 1909.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7oefpattene Zeile oder deren Rau» 16 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aag. Koch, UniversitätSbuchdruckeret Inhaber De. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 56.
44. Jahrg.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 4.
Der Gesetzentwurf gegen den unlauteren Wettbewerb, »«lcher dem Reichstage zugegangen ist, ist nicht ht der Form einer Novelle zum Gesetz von 1896 vorgelegt, sondern man hat wegen der neuen Fassung der einzelnen Vorschriften die Form «ines neuen Gesetzes gewählt. Die Einführung einer Eeneralklausel, welche e» ermöglichen soll, manche jetzt nicht verfolgbare Unlauterkeit zu erfassen, ist noch nicht verwirklicht. Auch in der Verschärfung des Strafschutzes und der Haftung des Geschäftsherrn für die Handlungen seiner Angestellten, ist man mit schonender Hand vorgegangen. Man hofft aber durch die neuen Bestimmungen die Quantität»« und die Qualitätsverschleierungen besser verhindern zu können, ebenso die mißbräuchliche Bezeichnung von Waren als Konkurswaren und vor allem die Auswüchse im Ausverkaufswesen. Das Nachschubverbot für Ausverkäufe ist gundsätzlich ausgesprochen worden. Ebenso mutz derjenige, der den Verkauf von Waren unter der Bezeichnung eines Ausverkaufs ankündigt, den Grund angeben, der zu dem Ausverkauf Anlaß bietet. Von der höheren Verwaltungsbehörde kann die Verpflichtung zur Anzeige der Ausverkäufe vor der Ankündigung, sowie die Einreichung eine» Verzeichnisses der auszuverkaufenden Waren vorgeschrieben werden. Der unlauteren Handhabung bei Preisschleuderet und Lockarttkeln, einem Ueberrnaß in der Rabattgewährung und im Zugabewesen will man entgegentreten, ohne doch die herkömmliche und berechtigte Form in der Zuwendung besonderer Vergünstigungen an besondere Kunden damit zu beseitigen. Die Frage der Bestechung von Angestellten kaufmännischer oder industrieller Betriebe ist im Einverständnis mit den beteiligten Kreisen in dieses Gesetz noch nicht ausgenommen und ebenso hat man von einer gesetzlichen Reglementierung des Ausstellungswesens zur Zeit abgesehen, da die unlautere Reklame mit Medaillen und Diplomen schon jetzt geahndet werden kann. Erleichtert ist die Äktivlegitimation der Gewerbe- genoffen und der Verbände zur Förderung gewerblicher Interessen für die Geltendmachung des Anspruches auf Unterlassung der unrichtigen Angaben, desgleichen für einstweilige Verfügungen; und endlich ist die Zulässigkeit der öffentlichen Bekanntmachung der Urteile ausgesprochen. Weitere Vorschriften betreffen die Fälle des Weglockens von Kunden, die Verleitung zum Vertragsbruch und die Aufnahme vertragbrüchiger Angestellter. Als Grundsatz ist im allgemeinen ausgesprochen, daß die Verfolgung von Unlauterkeiten im gewerblichen Konkurrenzkämpfe in erster Linie vor das Forum der Zioil-
32 Nachdruck verboten.!
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
«Fortsetzung.)
Sie traten in ein wohleingerichtetes Hospital. Schon unter der Leinwand des Vorplatzes sahen sie einige Leichtverwundete, die die Ankömmlinge mit neugierigen Augen, aber ohne sich zu rühren, betrachteten. Das Vestibüle, der große Salon, die Hochparterrezimmer waren alle mit Verwundeten belegt, welche teils auf den Teppichen, teils auf den Divans und So- phas, auf herbeigeschafften Bettstellen, auf dem Villard und sogar auf Stroh gebettet waren. Chlor- und Karbolgeruch benahm den Frauen fast den Atem. Es mochten wohl fünfzig Verwundete sein, welche hier lagen. Alle waren gut verbunden und aufmerksam gepflegt. Mehrere Krankenwärter walteten sorgsam ihres Amtes. Der Nächststehende trat den Damen sofort entgegen.
„Was wollen Sie hier?" fragte et rauh, die deutsche Sprache gebrauchend. „Hier ist ein Lazareth und kein Aufenthalt für neugierige Frauenzimmer."
Frau von Tarandal schüttelte den Kops. Sie verstand den Mann nicht, auch Desfiree konnte den Sinn seiner Ansprache nicht entziffern, obgleich sie einige deutsche Worte von Waldemar Tyrolt gelernt hatte. Der wüste Ton des Krankenwärters verwirrte sie.
„Ne, laß man, Schultze," sagte ein anderer, welcher die Hilflosigkeit der Damen bemerkt hatte und galanter als fein bärbeißiger Kamerad, nähergetreten war. „Deinen Quatsch ver-
gerichte gehört und eine strafrechtliche Ahndung nur dann am Platze ist, wenn es sich um grob- liche Verletzungen von Treu und Glauben oder um einen schweren Eingriff in die allgemeine Rechtsordnung handelt.
Da» Strafmaß ist erheblich verschärft. Es kann künftig auf Geldstrafe bi» zu 5000 Mark (bisher 1500 Mk.) ober auf eine Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr auch ohne die Voraussetzung des Rückfalls (früher nur im Wiederholungs- falle) erkannt werden. ____________________
Aus dem Reichstage.
Der erste Punkt der Tagesordnung der 184. Sitzung, der Handelsvertrag mit Salvador, wird in erster und zweiter Lesung ohne Debatte erledigt: dann wird die erste Beratung de» Gesetzentwurf» betr. die Einwirkung der Armen« stützung auf öffentliche Rechte fortgesetzt. Nachdem der Abg. vrühne (Soz.) den Fortschritt, den die Vorlage darstellt, anerkannt, aber noch weitere Zugeständnisse verlangt hatte, stimmt Abg. Raab (Wirtsch. Vgg.) ihr vorbehaltlich bet Präzisierung einiger Einzelheiten zu. Der Abg. Dove (Frs. Bgg.) wünscht die Aufhebung der landesgesetzlichen Bor« schriften, die den neuen Bestimmungen gegenüber» stehen, während Dr. Haefsel (Rp.) und bet Pole Brandt» den Entwurf mit großer Sympathie begrüßen. Hierauf geht die Vorlage an eine besondere Kommission.
Ausführlicher behandelte man die Frage der Preisfeststellung beim Markthandel mit Schlachtvieh an der Hand de» zur zweiten Lesung stehenden Entwurf», welcher die Feststellung nach Lebendgewicht ermöglichen soll. Die Redner der Linken verteidigen Anträge, die diesen angeblichen agrarischen Vorstoß paranfieren sollen, so der Abg. Fischbeck (Frs. Bp.) einen Antrag, wonach Festsetzungen nach Schlachtgewicht nicht verboten werden dürfen, der Abg. Scheidemann (Soz.) etwa» unklare Vorschriften, welche Preisfestsetzungen nach Lebend« und Schlachtgewicht erreichen wollen, Abg. Kokelt (Hosp, der Freis.), selbst bekanntlich Schlächtermeister, beantragt an» Abneigung gegen Pen Entwurf seine Beratung in einer 14gtiebrigen Kommission, der Abg. Wachhorst de Weate (Natl.) stimmt dem Entwurf zu, ebenso der Abg. Gerstenberger (Zentr.) Für die Konservativen sprach der Abg. Böstcke, den Freisinnigen entgegenkommend und einen Antrag empfehlend, daß Vorschriften, durch welche die Feststellung von Preisen nach Schlachtgewicht verboten wird, sofern diese Feststellungen auf tatsächlichen Unterlagen und nicht lediglich auf Schätzungen beruhen, auf Grund diese» Gesetze» nicht erlassen werden dürfen. Tatsache sei, daß heute schon vielfach nach Lebendgewicht gehandelt wird. Der Staatsserketär v. Bethmann-Hollweg bestritt, daß der Gesetzentwurf die Tendenz befolge, auf den Handel irgendwie einzuwirken: er wolle nur eine durch« aere Feststellung der Preise auf den Schlachtvieh«
en herbeiführen. Unter diesem Gesichtspunkte erschienen die Anträge eigentlich enchehrlich. Der sozialdemokratische Antrag würde außerdem Unklarheit schaffen; er nehme den Märkten die Marktfreiheit, auf denen schon jetzt Schweine und Rinder nach Lebendgewicht gehandelt würden. Diese würden bann gezwungen, auch das Schlachtgewicht festzuftellen. Die anderen Anträge seien entbehrlich, sie schadeten aber nichts. Der Abg. Vogt-Crailsheim erklärte die Zustimmung der Wirtschaft!. Vereinigung. Der Abg. Hilpert (Bahr. Bauernbund) nannte den reellsten Handel den nach Lebendgewicht; eine Kommissionsberatung sei überflüssig. Die Kommissionsberatung wurde abgelehnt. Hierauf. erfolgte die Ablehnung des freisinnigen und des sozialdemokratischen und die Annahme des konservativen Antrag». Ohne Debatte wurde sodann der Rest der Vorlage angenommen.
stehen die nobel» Madams nicht, bene» mußt Du französisch kommen, llebrigen» sehen sie gar nicht darnach aus, als ob sie bloß um zuzukieken gekommen wären. Bleiben Sie man, meine Damen," wandte er sich an Desiree, „restez vous peu ä peu. Ick werde den Herrn Doktor rufen, docteur crier, der parier fran<;ais. Placez vous auf der Veranda. Hier ist das odeur nicht comtne il laut.
„Hetjeh, wie Du schön französisch sprichst," sagte Schultze verwundert.
„Davor wohnte ich auch in Französisch-Buchholz bei Berlin und war Barbier in der Französischen Straße," antwortete der Gelobte stolz und ging, nachdem er den Frauen zwei Sessel dicht an die Treppe hingestellt hatte, den Oberarzt zu rufen.
Mit klopfendem Herzen ließen sich die Damen nieder. Wenige Minuten darauf erschien der Erwartete, ein sächsischer Arzt, welcher das Französische vollkommen beherrschte und ihnen höflich entgegentrat.
Nachdem sich Frau von Tarandal und ihre Nichte vorgestellt hatten, erklärte der Doktor, daß ihrem Hierbleiben nichts im Wege stände. Das Haus fei aber von dreißig deutschen und fünfundzwanzig französischen Verwundeten belegt, außerdem seien drei Aerzte und sechs Krankenwärter da.
„Dennoch ist Platz genug in der geräumigen Villa vorhanden," meint« er. „Das obere Stockwerk wird nur von unseren Äerzten bewohnt, die Wärter kampieren im Souterrain. Neue Patienten dürsten schwerlich zukommen in vierzehn Tagen denke ich überhaupt dieses Not- lazareth räumen zu können. Bleibe» Sie getrost. Sie find unter meinem Schutze ganz
Nunmehr wird in die Beratung von Petitionen eingetreten. Vor leerem Hause spricht stundenlang Abg. BSmelburg zu der unerledigt gebliebenen Pektion über Baukontrolleure und empfiehlt diese Einrichtung. In demselben Sinne äußert sich hierauf der Abg. Wölzl (Natl.). Abg. Irl (Zentr.) empfiehlt den KommiffionSantrag. Nachdem dann noch die Abg. Wieland (Sudd. 83p.) und Dr. Bueckhardt (Wirtsch. Bg.) gesprochen und Paali-PotSdam (Kons.) sich erfolgreich gegen einige Angriffe verteidigt hatte, wurde die Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtjgung überwiesen.
Deutsches Reich.
— Kaiser Wilhelm und die llniversttitt Oxford. London, 14. Jan. Der deutsche Botschafter Graf Wolff-Metternich überreichte gestern dem Vizekanzler der Universität Oxfort das Porträt Kaiser Wilhelm von Professor Alfred Schwarz. Das Gemälde stellt den Kaiser in der Tracht eines Doktors der Rechte dar, welchen Grad der Kaiser während seines letzten Aufenthaltes in England ehrenhalber erhielt.
— Born Bundesrat. Berlin, 14. Jan. Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung dem Entwurf eines Gesetzes zur Ergänzung der Gesetze betr. die Postdampfschiffverbindungen mit überseeischen Ländern zugestimmt.
— Kolportage von falschen Kaiserworten und kein Ende. Der „Kölnischen Zeitung" wird von heute aus Berlin telegraphiert: Kaum find die Versuch«, die Anrede de» Kaiser» an die kommandierenden Generale zu einer politischen Kundgebung zu stempeln, unter dem Eindrücke der Erklärung des „Reichsanzeigers" verstummt, so nreldet sich ein hiesige» Blatt mit einem Bericht, der in die Aeußerungen des Kaisers bei der Jubiläumsfeier des Kaiser Franz-Erena- dierregimentes politische Anspielungen einschmuggeln will. Es wird behauptet, der Kaiser habe de» Satz gesprochen, „es können, was der Allmächtige verhüten möge, noch schwere Zeiten kommen." Von einem Teilnehmer an der Feier, dessen hervorragende Stellung es ihm ermöglichte, jedes Wort zu hören, das Kaiser Wilhelm bei dieser Veranstaltung sprach, wird uns versichert daß weder die oben angeführte. noch eine ähnliche Aeußerung gefallen ist. Gegen da» Spiel mit erdichteten Kaiserworten, von dem hier ein neuer Beveis vorliegt, muß in der ernsten politischen Presse mehr al» je Front gemacht werden.
— Ein« Deputation der Franzer in Wien. Wien, 14. Jan. Kaiser Franz Josef empfing heute nachmittag die Abordnung des preußischen Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiment» in besonderer Audienz und nahm die Glückwünsche zu dem Jnhaberjubiläum entgegen, die der Kommandeur des Regiments, Oberst Freiherr von Esebeck, übermittelte. Dieser überreichte eine künstlerisch ausgestattete Huldigungsadresse, sowie eine künstlerische Jubiläumsgabe, bestehend aus einer iy2 Meter hohen Bronzestatuette auf einem Marmorsockel, die den Fahnenträger des Regiments darstellt. Der Kaiser, der die Uniform des preußischen Regiments trug, sprach seinen Dank aus und zog die Mitglieder der Abordnung in ein längeres Gespräch.
sicher. Wir Deutschen respestieren gern das Eigentumsrecht, und Sie werden freundlichst in Berücksichtigung der traurigen Umstände vorlieb nehmen."
„Ich danke Ihnen, mein Herr," entgegnete Frau von Tarandal, „ich habe es nicht anders erwartet. Indessen sagen Sie uns aufrichtig, droht uns hier gar keine Gefahr?"
„Durchaus nicht. Mein Kollege, der freiwillige Arzt, ist ein gereifter Mann, verheiratet, acht Kinder; der andere könnte dessen Sohn fein; ein unschuldvolles Gemüt, poetisch angelegte Natur. So ist unsere kleine Gemeinde in diesem Hause. Ich lege für sie die Hand ins Feuer."
„Sie beruhigen mich vollkommen mein Herr," sagte die würdige Dame. „Haben Sie hier niemand von den Bediensteten gesehen?"
„Nur einen Mann, der sich al» Gärtner ausgab und uns das Haus öffnete."
„Laurence," bemerkte Desiree.
»Ich glaube, so hieß er," fuhr der Arzt fort, sich gegen das Mädchen verbeugend. „Ich muß annehmen, daß sich die Leute in unverständiger Flucht entfernt haben. Oder haben sie sich an der Verteidigung der Fabrik beteiligt, welche, wie Sie bemerken können, in Folge dieser Dummheit zusammengeschossen wurde."
Frau von Tarandal schwieg. Sie fürchtete sich, die näheren Umstände jenes Kampfes zu vernehme». Aber Desiree zögerte nicht, Erkundigungen über das Schicksal ihres Bruders einzuziehen.
„Waren Sie Zeuge, als man die Fabrik stürmte oder zerstörte, Herr Doktor?"
„Nein, mein gnädiges Fräulein," war die Antwort. „Sßii kamen erst hier an, al» dar
— Der deuffche Oktroi. Der Petitionskom« Mission des Reichstage» lag eine Reihe von Petitionen vor, welche eine Abänderung des § 18 des Zolltarifgesetzes, der die Aufhebung aller städtischen Abgaben für den 1. April 1910 ausspricht, dahin wünschen, daß der Termin auf den 1. April 1915 hinausgeschoben wird. Die Kommission beschloß mit 15 gegen 10 Stimmen Ueber- gang zur Tagesordnung.
— Die Relchstagsbilder Angelo Jank». Dresden, 14. Jan. Die Dresdener Kunstgenos- senschast hat an den Professor Angelo Jank in München ein Schreiben gerichtet, in welchem sie erklärt, daß sie völlig mit dem Protest der Münchener Künstler Übereinstimme, welch« gegen die Behandlung der Jankschen Bilder im Reichstage Verwahr einlegen und die Hoffnung ausspricht, daß die Einmütigkeit der deutschen Künstler in solchen Fragen Wandel schaffen möge.
— Bon der Eisenbahn. Stuttgart, 14. Jan. Im Sitzungssaal dtzr Eeneraldirettion der Staatseisenbahnen begann heute eine Beratung de» Werkstättenausschusses der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft unter der Leitung de» Präsidenten Hoff vom Eisenbahnzentralamt in Berlin. Außer den Vertretern der genannten Gemeinschaft nehmen Vertreter der bayrischen, sächsischen, württembergischen, badischen und mecklenburgischen Eisenbahnverwaltungen und der Reichseisenbahnen an den Beratungen teil. Den Erörterungen einer Reihe von Fragen betr. die Unterhaltung des Wagenparks soll eine Besprechung von Maßnahmen vorangehen, die zur Durchführung des Uebereinkommens betr. die Bildung des deutschen Staatsbahnwagenverbandes auf dem Gebiete des Werkstättenwesens von den einzelnen deutschen Staatseisenbahnverwaltungen zu treffen sind. Der Werkstättenausschuß wird berufen sein, zur Regelung dieser Fragen wesentlich beizutragen. Er wird zu diesem Zweck vom 1. April d. I. ab zu einem Ver- bandsausschuß erweitert.
— Zur innere« Kolonisation von Ostpreußen. Königsberg, 13. Jan. Aus sicherer Quelle wird mitgeteilt, daß in der vergangenen Woche Konferenzen unter den beteiligten Ministerien in Berlin stattfanden, worin die Wünsche der an der inneren Kolonisation von Ostpreußen Beteiligten eingehend beraten wurden. Das Ergebnis dieser Besprechungen führte zur Einigung darüber, daß den von der Mehrzahl der Provinzial-Jnteressenten zur Reform der Landgesellschaft m. b. H. geäußerte» Wünschen in der Hauptsache zugestimmt wurde. Insbesondere soll die Vertretung von ostpreußischen Landwirten im Aufsichtsrate der Landgesellschaft durch eine entsprechende Satzungsbestimmung gewährleistet werden, auch begnügt sich der Staat mit einem Drittel der Stimmen in der Eesellschafterversammlung. Der auf dieser Grundlage veränderte Satzungsentwurf der Landgesellschaft wird den Provinz- Interessenten in de» nächsten Tagen zugehen. Auch die Arbeiteransiedelungen und die Grundlagen für die Gewährung der zu diesem Zwecke zugesicherten Staatszuschüsse wurden in den
Gebäude dort in Flammen stand. So »ie[ ich von Verwundeten erfahren habe, hat sich drüben eine traurige Episode unseres Krieges abgespielt. Ein junger Feuerkopf hatte den Widerstand gegen unsere Truppen organisiert. Aber seine Position wurde umgangen, die Franktireurbesatzung niedergemacht, di« Fabrik zusammenge- schossen. Das ist das gewöhnliche Ende solcher Privatschlachten."
„Und der Anführer jener Patrioten, welche Sie Franktireur» nennen?" fragte Desire« zitternd. „Was wurde aus ihm?"
„Sprechen Sie nicht von dem Feigling," erwiderte der Arzt finster, „er hat feinen Lohn —"
„Seinen Lohn? Mein Herr, ich kann ste nicht verstehen!" brauste das junge Mädchen auf. „Olivier war kein Feigling, er war ein französischer Offizier, dessen Patriotismus man achten muß!"
„Olivier war mein Reffe, der Bruder de» Fräulein Bourlier," erklärt« die alte Dame.
Der Arzt erhob sich. Er blickte Desiree fast feindlich an.
„Dann erlassen Sie wohl die weiteren $t* zählungen," sagte er. „Ich werde Ihnen die gewünschten Zimmer anweisen lassen."
Er ging. Desiree vermocht« sich nicht 8* fassen.
„Also tot, mein armer Bruder tot," schluchzte sie, al» Frau von Tarandal mit ihr nach dem oberen Zimmer hinaufstieg, demselben, welche» sie dereinst bewohnt hatte. Sie fand noch alle» auf feinem Platze, Möbel, Nippe», Lampen Pen- dulen, Vorhänge und Porzellan, nur die Setten und Teppiche waren entfernt, da man sie für ht» Verwundeten gebraucht hatte. ,,
i- (Fortsetzung folgt)