mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Benage."
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Marburg
Freitag 15. Januar 1909.'
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44. Jahrg.
Friede zwischen Oesterreich und der Türket.
Die türkische Kammer hat gestern ihr« Zustimmung zu der Verständigung der Türkei mit Oesterreich-Ungarn gegeben. Sie sprach dem Grotzwefir Kiamil Pascha, nachdem er ein Expose über die auswärtige Lage verlesen hatte, ihr »«bedingtes Vertrauen aus.
Sie billigte damit den Beschluß des Ministerrates auf das Angebot Oesterreich-Ungarns, die Annektion der Herzegowina und Bosniens nach einer hohen Eeldentschädigung anzuerkennen.
Ein Leitartikel des „Osmanischen Lloyd" mit dem Titel: „Der Friede bestegelt", verzeichnet hochbefriedigt die Annahme des österreichisch- ungarischen Angebots und sagt: Run müsse auch der Boykott enden, der anfänglich, von einigen Hitzköpfen begonnen, schließlich auch deutsche und ändere Waren betroffen habe. Oesterreich-Ungarn habe geringen Schaden erlitten, dagegen hätten die türkischen Zolleinnahmen große Einbußen erfahren. Von höheren türkischen Zollbeamten werde der Verlust auf 600 000 Pfund geschätzt. Auch „Turquis" bespricht das Angebot Oesterreich-Ungarns und sagt, daß die Wiederaufnahme von normalen Beziehungen zwischen der Türkei und Oesterreich-Ungarn eine Frage weniger Tage sei. Das Blatt verzeichnet die Aeußerungen von Deputierten, daß es Zeit sei, zu einer Entente zu kommen und daß es gefährlich wäre, eine intransigente Haltung zu beobachten.
In Deutschland ist man über die friedliche Wendung des Konfliktes naturgemäß sehr erfreut. Dieser Freude gibt die offiziöse „Südd. Reichskorr." in e.nem längeren Artikel Ausdruck. Während Frankreich unverhohlen ausfpricht, daß die Tatsache der Verständigung einen freudigen Widerhall findet, ist man in Rußland und England nicht sehr erbaut. „Russj" sagt, das Abkommen ist ein großartiger Erfolg der österreichischen Politik und eine neue Niederlage der russischen Diplomatie. Die „Nowoje Wremja" schreibt: Das Abkommen zwischen der Türkei «nd Oesterreich-Ungarn beseitigt nicht die Rechte der an der Erkaltung des Berliner Vertrages interessierten Mächte. Die Türkei muß au» Rücksicht auf ihre slawischen Untertanen in Mazedonien auch weiterhin die Interessen ihrer ehemaligen slawischen Untertanen in Bosnien und der Herzegowina schützen.
Daß den Engländern die Anhäufung von Schwierigkeiten lieber gewesen wäre, ist selbstverständlich. Die ganze Natur ihrer Politik geht ja darauf hinaus, als lachende Dritte aus dem Kampf der anderen Vorteil zu ziehen. Rur daß das heute nicht mehr so leicht ist, wie früher. Einige Zeitungen behaupten, daß Rußland, Frankreich und Italien einen starken Druck auf die Pforte ausgeübt hätten, um sie zur Nachgiebigkeit gegenüber der habsburgischen Monarchie zu stimmen, und der Konstantinopeler Korrespondent des „Daily Expreß" fügt hinzu, es sei unmöglich, in der türkischen Hauptstadt
31 '‘•'■(Wnuct verboten.)
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
lForttetzung.)
Daß die Hyänen des Schlachtfeldes überall gehaust, merkten die Reisenden sofort, als das Gefährt über die aufgewühlte, holprige, von allerlei Stückwerk und Gelump übersäete Straßen dahinrollte. Zerstörte Häuser, Brandstätten, vernichtete Gärten und zerbrochene Zäune begleiteten sie auf jeden Schrill des Weges. Das waren die Spuren des unerbittlichen Krieges. Aber abgezogene Kadaver von Pferden und gefallenem Vieh, die unverscharrt überall di« Lust verpesteten, die ausgeraubten Wohnungen, in denen jedes Möbelstück, das nicht fortgeschleppt werden konnte, zerschlagen war, die aufgerissenen Getreidemieten, leergepflückte Obstbäume, die teilweise ihrer Zweige beraubt waren, die aufgebrochenen Keller, vor denen Faßdauben und Reifen lagen, ein Zeichen, daß man die geleerten Weinfässer zerstört, das hatten die einheimischen Räuber als Erinnerungszeichen ihres Verbrechens zurückgelassen.
Im Dorfe Balan. das di« Reisenden durch- yueren mußten, war nichts als die Fundamente der Häuser und die rauchgeschwärzten verkohlten Pfosten der Ställe und Scheunen übrig geblieben. Der Kirchtum war quer über die Straße hingeschmettert, ein wirrer, haushoher Haufen
Steinen, Dachziegeln, Holzsparren und Erz. Die Glocken wäre« zertrümmert worden, «t Teil« derselben bereit» gestohlen. Da» Turm»
darüber Informationen zu erhalten, wie sich die britische Regierung dieser Angelegenheit gegenüber verhalten hat. Einerseits weisen die Blätter darauf hin. daß die AnnÄtion der beiden bosnischen Provinzen doch viel Geld gekostet habe, ungefähr 25 Mill. Pfund, wovon allein 20 Millionen auf militärische Rüstung entfielen, andererseits präsentieren sie die kleinen Balkanstaaten. So meint der „Daily Telegraph": Die Freunde Oesterreich-Ungarns und der Türkei werden sich über die Beilegung der Schwierigkeiten freuen. Wenn Oesterreich-Ungarn die gerechten Forderungen Serbiens und Montenegros erfülle, so werde es diesen Ländern die Neigung nehmen, eine Empörung in den annektierten Provinzen zu ermutigen.
In dem Exposö heißt es u. a.:
„Wie schon in der Thronrede erklärt wurde, hat Bulgarien, während die Pforte mit der Organisation des neuen konstitutionellen Regimes beschäftigt war, erklärt, daß es seine Unabhängigkeit erklärt habe und unmittelbar darauf hat Oesterreich-Ungarn kundgegeben, daß es, unter Zurückziehung seiner Truppen aus dem Sandschak Novibazar, der sich unter seiner Okkupation befand, sich entschlossen habe, Bosnien und die Herzegowina anzugliedern. Wir haben — heißt es in dem Expose weiter — gegen diese beiden Angriffe protestiert, diese Angelegenheit den anderen Großmächten zur Kenntnis gebracht und den Zusammentritt einer Konferenz verlangt, um über die bulgarische Angelegenheit eine Entscheidung herbeizuführen. Die Großmächte haben anerkannt, daß dies« Verletzungen illegial seien, mit dem Berliner Vertrag in Widerspruch ständen, und sowohl Bulgarien als "auch Oesters reich-Ungarn Ratschläge erteilt. Es wurde von den Mächten erkannt, daß es sich bei der Wiedererlangung dieser Rechte um eine Angelegenheit handle, die die Türkei betrifft und daß der Beistand der Mächte sich auf diplomatische Schritte beschränken würde. Ferner zogen die Mächte die Schwierigkeiten in Betracht, die sich ergeben würden, wenn die befreundeten Mächte es unternehmen würden, das fait accompli mit der Lage und den Interessen der Türkei in Einklang zu bringen. Aus diesen Gründen fanden sie. daß es vorzuziehen sei, ein Arrangement durch finanzielle Kompensationen zu suchen, und haben diese Art der Beilegung der Angelegenheiten empfohlen. Da aber die österreichisch-ungarische Regierung, welche die Räumung des Sandschrk Novibazar für eine hinreichende Kompensation betrachtete, sich nicht darauf einließ, andere Entschädigungen zu bewilligen, hatten wir beschlossen, daß zur Herbeiführung eines gerechten Einvernehmens mit der genannten Macht wir unseren Prozeß aufrecht erhalten. Bosnien und die Herzegowina als unter der Okkupation und der provisorischen Verwaltung Oesterreich-Ungarns stehend betrachten würden und daß jene Personen, die aus diesen beiden Vilajets kommen, wie andere türkische Untertanen behandelt werden sollten. Schon vor der Proklamierung der Unabhängigkeit Bulgariens wurde die bul-
kreuz von weißemMetall krönte, auftecht stehend, durch einen Zufall in den Schutt eingebohrt, den wüsten Haufen, das Sinnbild göttlicher Liebe auf dem Denkmale des Menschenmordes und des grausamen Hasses.
Vor dem Hindernis mußte Prevendaur den geraden Weg aufgeben. Er lenste seinen Wagen über den Sturzacker mitten durch Kadaver, zerschmetterte Laffetten, Wagentrümmer und andere schreckliche Ueberbleibsel des mörderischen Handgemenges.
Die Damen, welche auf der Straße flüsternd ihre Bemerkungen ausgetauscht hatten, schwiegen beim Anblick dieser Greuel. Zitternd verhüllten sie ihr Antlitz und weinten über das Unglück der Menschheit, das hier, wie nirgends, furchtbar zu Tage trat.
Prevendaux selbst kämpfte auf dem ganzen Wege gegen Ekel und Mitleid. Sobald wie nur möglich lenste «r zur Chaussee ein. Von hier aus konnte man den Fluß übersehen.
„Die Fabrik ist zerstört," sagte er, erschrocken anhaltend. Sein scharfes Auge hatte die noch rauchenden Trümmer der Nebenhäuser erkannt.
„Ich ahnte es," erwiderte Desiree bebend. „Darum auch kehrte Papa nicht zurück."
„Er sucht noch immer nach Olivier, den er mehr liebt, als ich je geahnt," seufzte Frau von Tarandal.
„Wenn der Bruder seinen Heldenmut mit dem Leben bezahlt hätte, es wäre entsetzlich."
„Heldenmut?" fragte die alte Dame grollend während Prevendaur wieder das Pferd «rtrieh. ^Heldenmut nennst Du di« Tat Deine»
garische Armee auf Kriegsstand gesetzt und nachher haben wir wahrgenommen, daß Bulgarien große Kriegsvorbereitungen durch Truppen- und Munitionstransporte treffe. Um bi» zu einem gewissen Grade die Verteidigung sicherzustellen, wurde die für einen eventuellen Angriff genügende Macht vorbereitet. Indem wir aber dem Umstande Rechnung trugen, in welche Lage das Land kommen würde, wenn wir uns in einen Krieg einließen, und angesichts des Umstandes, daß die Bulgaren betonten, Bulgarien würde seine Unabhängigkeit nicht mit Geld, sondern mit Blut erkaufen, wandten wir uns an die Mächte mit der Bitte, der bulgarischen Regierung wirksame Ratschläge im Sinne einer friedlichen Beilegung der Angelegenheit zu erteilen. Sie Mächte machten unverweilt der bulgarischen Regierung Eröffnungen, worauf die bulgarische Armee demobilisiert wurde. In den Verhandlungen mit dem Handelsminister Liaptscheff gelangte man nach verschiedenen Berechnungen zu dem kapitalisierten Betrage von etwa 28 Mill. Pfund. Liaptscheff erklärte jedoch, daß Bulgarien keine Verpflichtungen zur Zahlung eines Tributes, noch auch für die Zahlung eines Beitrages zur Staatsschuld habe. Was die Zahlung für Ostrumelien betrifft, so reduzierte er die Summe auf 114 000 Pfund und gelangte unter Berechnung des Wertes der ottupierten Eisenbahn und anderer Forderungen zu dem schließlichen Angebot von 82 Millionen Franken. Da uns die Annahme dieses Modus unmöglich war, so haben wir die Beilegung der zwischen den beiden Parteien bestehenden Differenzen der Konferenz überlassen und die Verhandlungen geschlossen."
(Schluß des ExposS unter Letzte Nachrichten.)
Aus dem Reichstage.
, Auf der Tagesordnung der 183. Sitzung steht zunächst eine Reihe von Ncchnungssachen, die zum Teil ohne Dis'ujsion erledigt werden. Bei der ersten Lesung der Vorlage über die Kontrolle des Reichshaushaltsetats regt Abg. Mugdan (frs. Vgg.) die Errichtung eines Reichsrechnungshofes an und in der darauf folgenden zweiten Lesung bringt Abg. Goercke (natl.) eine hierauf bezügliche Resolution ein, die Annahme findet. Derselbe Redner verbreitet sich üb -r die Beratung der Uebersicht über die Reichs-Einnahmen und -Ausgaben für 1907 über regelmäßig wiederkehrcnde Etatsüberschreitungen. Ihm sekundiert der Abg. Erzberger (Str.) Auch der Dbg. RoSke (Soz.) ergreift toiederholt das Wort bei den verschiedenen Rechnungssachen. Staatssekretär Drrnburg spricht einige Worte, um Erzbergersche Angaben zu widerlegen; dies tut im Anschluß hieran auch Ministerialdirektor Conde. Darauf werden die Ueberfichten der Einnahmen und Ausgaben für Kiautschou und die afrikanischen Schutzgebiete der Rechnungskommiffion überwiesen, und c8 wird in die erste Beratung der Novelle zum Wecbsel- ftempelsteuergesehe eingetreten. Abg. Dove (frs. Vg.) erkennt die Borzüge der Borlage an, aber macht einzelne Ausstellungen. Rach einer kurzen Erwiderung des Geheimrats Kühn ist die erste Lesung erledigt. ES folgt die erste Lesung des Gesetzentwurfes bett, die Einwirkung der Armenunterstühung auf öffentliche Rechte, die durch eine kurze Befürwortung der Vorlage vom Staatssekretär von Bethmanu-Hollweg einqeleitet wird. Dr. Maver-Kaufbeuren (Zentr.) spricht sich als erster Redner zugunsten der Vorlage aus, wünscht aber noch einige Berbefferungen. Der
Bruders? Ich nenne es Vermessenheft, Wahnsinn."
Der Wagen war der Fabrik nahe gekommen. Die Insassen konnten deutlich den Zustand derselben erkennen. Das Hauptgebäude war von feindlicher Artillerie zusammengeschossen, die eisernen Treppen und Balkenlagen, die Träger und Säulen ragten aus dem Schutt frei in die Luft. Die Bureaux und Nebengebäude waren ein Raub der Flammen geworden, die Lagerräume standen unversehrt.
Den Zustand auf den Höfen konnten hie Reisenden nicht sehen: die Ruinen der Gebäude genügten, um bei ihrem Anblick ein verzweiflungsvolles Klagen zu erwecken. Doch wurden di« Frauen bald getröstet, als sie das Herrenhaus ganz unversehrt fanden. Das Dach mit den Luxusziegeln gleißte goldig, aus den Essen stieg Daw^f hervor, die Gitter um den Garten waren unversehrt, das Tor offen wie immer, der Park prangte int grünen Blätterschmuck, aber am Giebel des Hauses wehte die weiße Fahne mit dem roten Kreuz.
„Man hat in der Villa ein Lazarett eingerichtet," sagte Prevendaux, sich zu den Damen umwendend und wies mit der Spitze der Peitsche nach dem flatternden Tuch. „Wünschen Sie, daß ich trotzdem in den Park einfahren soll?"
Frau von Tarandal nickte energisch.
„Unter allen Umständen. Unsere Anwesenheit ist hier nötiger als je. "
„Fürchten Sie sich nicht?"
„Nein. Ich glaube auch nicht, daß man den Eigentümerinnen den Eintritt verwehren wird. Alle Lerzte find tz»man, «ich di« Deutsche» »et*
Abg. Graf Westarp (kons.) erklärt sich im Namen der Konservativen im allgemeinen für den Entwurf, je« doch gegen die im Anträge Ablaß (frs. «3p.) verlangte Ausdehnung. Einige Bedenken, die der Redner z« Sprache bringt, hofft er in der weiteren Beratung beheben zu können. Bon nationalliberaler Seite begrüßt Abg. Everlin» die Vorlage mit Freuden, und auch Abg. Kämpf (frs. Vg.) ist dieser Meinung, wünscht jedoch einige Ausdehnungen.
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Im Abgeordnetenhauje
wurde am Mittwoch, 18. Januar, die Beratung übet Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit fortgesetzt. Graf v. Kamtz (kons.) betonte, daß die Arbeitslosigkeit auf die Arbeiterverteilung, nicht aber auf Arbeitsmangel zurückzuführen sei. In den Städten wären überflüssige Arbeitskräfte, auf dem Lande mangelten sie. Eine Arbeitsloscnzählung liefere nur unzuverlässige Resultate. Man könne dabei schwer die Arbeitswilligen von den Arbeitsscheuen trennen. Streikende, Saisonarbeiter, Rentenempfänger dürften nicht mitgezählt werden, wie e« geschehen sei. Eine Arbeitslosen-Versicherung sei selbst vom freisinnigen Abg. Lenzmann im Reichstag« als eine Prämie auf Faulenzere' bezeichnet worden. Der enormen Kosten wegen wäre sie auch kaum durchführbar und würde schließlich die letzten Arbeiter vom platten Lande in die Stadt führen. Als mittelbare Ursachen für die Arbeitslosigkeit kämen weiter in Betracht die Maffenauswanderung deutschen Kapitals, die Kohlenausfuhr, wobei das Ausland geringer« Preise zahle als das Inland. Minister Dr. Delbrück bestritt eS, daß das Ausland die deutsche Kohle billiger als das Inland beziehe. Abg. Graf v. Strachwitz (Ztr.) meinte» es müsse der Nachweis der Garantie gefordert werden, daß Arbeiter, die vom Land« nach der Stadt übersiedeln, dort auch dauernde Beschäftigung finden. Abg. Haarmann (natl.) riet, di« A r--elosen vom Westen nach dem Osten zu beför- de.>t hu Arbeitermangel herrsche. Nach Schluß der ■i <b*tte wurde der Antrag Raharbt (kons.), der schleunige Vergebung der im Etat vorgesehenen Arbeite«, namentlich im Baugewerbe, fordert, angenommen. — Es folgte die Besprechung der Interpellation R-eren (Ztr) betreffend Verhinderung der Schaustellung nackter Personen. Abg Roeren (Ztr.) begründete die Interpellation und bedauerte die Passivität der Behörden gegenüber den Nacktdarstellungen, die eine Gefahr für die öffentlich« < ittlichkeit wären. Minister v. Moltke erwiderte, daß l n der Regierung alles getan sei, um die ärgerniS- -rrege—en Nacktdarstellungen zu unterdrücken. Abg Henning (kons.) bedauerte, daß die Polizei sich durch Borspiegelnu einer Nichtöffentlichkeit der Nacktdarstellungen habe düpieren lassen, während jedermann durch Zahlung von 2 Mark die Mitgliedschaft de» ..Vereins" habe erwerben und der Schaustellung beiwohnen können. ES müsse mit allen Mitteln gegen alle die Sittlichkeit gefährdenden Schaustellungen, Abbildungen, Schriften, Vereine nsw., ohne Ansehen der Person rücksichtslos vorgegangcn werden, um die öffentliche Sittlichkeit vor' Shaden zu bewahren. (Lebhafter Beifall.) Mit demselben Nachdruck traten auch die Abg. Lohmann (natl.) und Mertin (freit) für die Bekämpfung der Unsittlichkeit in jeder Form und jeder Art ein.
Politische Umschau.
Da» preußische Etatsgesetz
veranschlagt für 1909 die Ei mahnte und Au», gäbe aus rund 3827,5 Mill. Mk. und zwar aus rund 3596,5 an fortdauernden und tu.ib 230,9 an einmaligen und außerordentlichen Ausgaben. Zur vorübergehenden Verstärkung des Betriebsfonds der General-Staatskasse darf der Finanz-
den keine Ausnahme machen. Lenken Sie getrost in den Park »in."
Prevendaux gehorchte mit einem schweren Seufzer. Er fürchtete ernstlich für die Sicherheit der Damen und konnte ihr Vertrauen nicht be- greifen. Langsam fuhr er um das Rondel und hielt an der Verandatreppe. Niemand ließ sich sehen. Still lag das Haus in der Sonnenglut. Desiree kletterte aus dem Wagen und half auch der Tante auf den Boden.
„Ich mitt am Tore warten," sprach der Freund ängstlich. „Vielleicht ziehen Sie es doch noch vor, nach Sedan zurückzukehren."
„Nein, lieber Herr Prevendaux, wir bleiben hier, mag e* kommen, wie es will. Im schlimmsten Falle finden wir in den Dienstwohnungen Unterkunft. Es ist hier überall besser als in der unglückseligen Stadt," entgegnete Nataly. „Fahren Sie in Gottesnamen zurück: herzlichsten Dank für Ihre Güte und Aufopferung."
„Was kann uns mangeln," fügte Desiree hinzu. „Wir finden ja Papa hier. Er bedarf unserer gewiß, er und Olivier — wenn letzterer noch leben sollte. O Tante, ob auch er vielleicht verwundet in unserem Hause liegt? Ach. ich bebe vor Schmerz und Aufregung."
„Nun denn, so leben Sie wohl," sagte Pr<tz vendaux, den Damen die Hand reichend. „Grüßen Sie Freund Bourlier und geben Cie Nachricht. wenn Sie Ihre Koffer wünschen."
Er trieb mit einem Seufzer der Erleicht«^ ung das Pferd an. Die beiden Damen stieg« mutig die Stufen zur Veranda empor.
iFortjetzung folgt.)