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mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Benage.

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. . Zeitung" bei allen Postämtern und unfein Zeitungsstellen in oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 90 Pfennig. cVrtfirA

.Ho 11 Kirchhain und Wetter sowie bei unserer «rpedktion - Markt 31. .AAA Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch. UnwersttätSbuchdruckerel

* Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne tflfl 14 Januar 1909. Inhaber Dr. tt. Hitzeroth, Marburg, Markt 31. Telephon 66.

Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk. _____________»_________________________________

Denkschrift zur Reichsfinanzreform.

DieRordd. Alld. Ztg." veröffentlicht eine äußerst umfangreiche Zusammenfassung der Er« gebntsse der Denkschrift zur Reichsfinanzreform. Bezüglich der Reichsfinanzen wird darin ausge- führt, dass das Reichsbudget eine Reihe sogen, durchlaufender Posten" enthalte, die den Staatsbedarf weit grösser erscheinen lassen als er wirklich ist. Es sind dies die Ausgaben der Be­triebsverwaltungen, soweit sie durch Einnahmen gedeckt werden, die Matrikularbetträge und ileberweisungen, soweit sie sich gegenseitig decken, und Ausgaben und Einnahmen des Retchs- Jnvalidenfonds. Zieht man diese Posten ab, so ergibt sich ein Retto-Etat, in dem sich die Aus­gaben um 36,6 Proz., die Einnahmen um 38,9 Proz. niedriger find, als sie etatsmätzig erschei­nen. Der Artikel stellt sodann die Entwickelung des Staatsbedarfs sowie der Einnahmen seit 1872 dar und stellt fest, dass, ausgenommen das Jahr 1896, in sämtlichen Jahren seit der Reichs­gründung die Ausgaben des Reiches die Ein­nahmen überschritten haben, und zwar beträgt die Gesamtüberschreitung bis 1907 4096 Mill. Mark. Da hiervon ein Teil durch den Ueber- schuss der Matrikularbeiträge über die Ueber- weisungen gedeckt ist. ergibt sich als endgültiges Minus 3854,1 Millionen. Dieser Betrag stellt den Teil der Reichsschuld dar, der nicht durch aussergewöhnliche Ausgaben oder werbende An­lagen hervorgerufen morden ist. Als gesamter Bruttobedarf des Reiches ergab sich der Betrag von über 11% Milliarden Mark. Zieht man hiervon die durchlaufenden Posten ab, so ge­winnt man einen Rettobedarf von rund 6220 Millionen Mark. Als Gesamtsteuerlast Deutsch­lands wurden 3060 Millionen Mark berechnet, von denen 1200 auf das Reich. 770 auf die Bundesstaaten, auf Gemeinde- und Kommunal­verbände 1030 und auf Kirchengemeinden 60 Millionen entfallen. Auf den Kopf der Bevöl- keruna entfallen, wie es zum ersten Mal möglich war, festzustellen, rund 49 Mark Abgaben: davon sind 25 Mark direkte Steuern. Die prozentuale Bela'^-'na boc (Einkommens beträgt bei Einkom­men von 1000 Mark 13 Proz., bei Einkommen von 3000 Mark 37 Proz., bei 6000 Mark 59 Proz. und bei 10 000 Mark 1012 Proz. Ein­kommen von 100 000 Mark müssen bis 20 Proz. abfübren. Das jährliche Gesamteinkommen des deutschen Volkes wurde auf rund 30 Millionen berechnet. Hiervon würde die Gesamtsteuerlast etwa 10 Proz. ausmachen. Eine Reihe von Sumtomen zeigt eine Vermehrung des Einkom­mens und Wohlstandes an. die jedoch direkt nicht nachweisbar find. Ein solches Symptom ist, dass das veranlagte Einkommen stärker, zum Teil ganz wesentlich stärker angewachsen ist als die Vevö(*»runqszahl. Weit-re Svmptome sind die Vermehrung der Sparkasseneinlagen non 1870 Millionen '.m Jahre 1875 auf 13 890 Millionen im Jahre 1907. die gewaltige Zunahme der fremden Kapitalien in deutschen Kreditbanken, die Vermehrung der gegen Feuer versicherten

80 """itrt tx röoten.)

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

i Forttetzung. >

Wieder sah Bourlier in seiner Fensternische, Desiree ihm zu Füssen, den Kopf an sein Knie geschmiegt. Frau von Tarandel hatte auf dem Sopha Vergessenheit der traurigen Lage gefun­den. Auch sie war über alle Massen ermüdet und schnell in einen tiefen Schlummer gesunken. Man hatte kein Licht im Zimmer angezündet, nur der blutigrote, von tausend Bränden wider­strahlende Wolkenhimmel der Nacht erfüllte da» C«nach mit ungewissem Schein. Vater und Tochter schwiegen, sie wussten sich nichts Tröst­liches zu sagen, da ihre Gedanken nicht dieselbe Richtung nehmen konnten. Es verband sie Sympathie, nicht Gleichheit der Ueberzeugungen. Der Mann dachte an seinen Sohn und die Schmach des Vaterlandes, das Mädchen an den Geliebten, der bei dem feindlichen H«re stand.

So sahen die beiden bis gegen Mitternacht. Da geschah ein Blitz, ein Knall, eine Explosion, die sie jäh aufriss. Eine Bombe war in die Rue d'Espagne gefallen und jenseits der Straßenmauer geborsten. Die Mauer brach zu- kamen, das Dach des Nebenhauses polterte auf das Pflaster nieder. Ein Heulen erhob sich auf der Gasse und im Haus«: die Verwundeten (hrteen in nervenzerretssenden Tönen um Hilfe; le aufgeweckten Wärter schimvsten; auf der Straße setzten sie ihre Verwünschungen fort.

Desiree hatte bet dem blendenden Pulvertlttz

Werte, das Wachstum der Produttion, des Außenhandels und die Steigerung der Konsum­kraft. Im letzten Abschnitte de» Artikel», der sich mit dem Schuldenwesen befaßt,, wird u. a. auf die gewaltige Aufnahmefähigkeit des deut­schen Publikums für fest verzinsliche Werte hin- gewtesen. Zum Schlüsse wird unter Hinweis auf den h<chen Zinsfuß gesagt: Es ist zweifellos, daß eine systematische Ordnung der Ausgabe der öffentlichen Anleihen gegenüber dem ständig wachsenden Anlagebedürfnis schnell ein« nen­nenswerte Kurssteigerung des vorhandenen An­lagematerials und eine Verbilligung der Kosten des Geldes für öffentliche Zwecke zur Folge haben wird. Eine Sanierung des öffentlichen Finanzwesens wird ökonomisch und sozial von den günstigsten Folgen werden und damit die Entwickelung der ganzen Volkswirtschaft nach innen und außen in erheblichem Masse fördern.

Aus dem Reichstage.

Wie es für die ersten Sitzungen nach einer län­geren Unterbrechung der parlamentarischen Arbeiten üblich geworden ist, standen auch auf der Tagesord­nung der gestrigen ersten Sitzung des Reichstags im neuen Jahre Petitionsberichte. Vor ihrer Beratung jedoch setzte der Präsident, nachdem die Anwesenden das Andenken des verstorbenen Abg. Keller des Vertreters für den 8. hessischen Wahlkreis seit Beginn der Legislaturperiode in der gewohnten Weise ge­ehrt hatten, das Haus von seinem inzwischen in der Oeffentlichkeit bekannt gewordenen Telegrammaus­tausch, aus Anlass der Eröffnung des ottomanischen Parlaments mit dessen Präsidenten und aus Anlass der Erdbebenkatastrophe in Süditalien mit dem Prä­sidenten der italienischen Deputiertenkammer formell in Kenntnis. Sämtliche Abgeordnete gaben ihrem Einverständnis mit den Kundgebungen, zu denen Graf Stolberg in seiner Eigenschaft als Präsident des deut­schen Reichstages sich bewogen gefühlt hatte, durch leb­haften Beifall Ausdruck, ebenso wie sie rmterschiedloS ihre Anteilnahme an dementsetzlichen Unglück, das das uns so eng befreundete Land betroffen hat", durch Erheben von den Sitzen zu erkennen gegeben hatten. Dann erledigte man zunächst den Kommisiionsvor- schlägen entsprechend eine Reihe von Petitionen, zu denen das Wort nicht gewünscht wurde.

Eine Petition der freien Landmesser auf Aen- derung der Gewerbeordnung und Einführung eines Befähigungsnachweises wurde der Regierung zur Be­rücksichtigung überwiesen, während die Kommission Erwägung vorschlug.

Eine längere Erörterung rief eine Petition des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands und der Aerggetverbegerichtsbeisitzer der Spruchkammer Dort­mund hervor. Diese Petition wünscht, dass die Berg- gewerbegcrichte in der Besetzung von fünf Mitgliedern mit Einschluss des Vorsitzenden verhandeln und ent­scheiden sollen, und verlangt ferner die Zulassung von Personen, welche Angestellte eines Instituts sind, auf das die Bestimmungen des § 35 der Gewerbeordnung keine Antvendung finden, als Prozessbevollmächtigte oder Beistände bei den Verhandlungen der Berg- gewerbegcrichte. ES sprachen hierzu die Abg. Trim- born (Ztr.s, Behrens lwirtsch. Vgg.s, Sachse (Soz.) zum Teil wiederholt und in persönlichen Bemerkun­gen. Die Petition ivird in ihrem ersten Teil zur Be­rücksichtigung, im zweiten als Material überwiesen. Ferner wird dem Reichskanzler als Material über­wiesen eine Petition um Ausdehnung der Unfallver­sicherung auf Gastwirtsgehilfen. Dann ging das HauS zur Besprechung einer Bittschrift um Anstellung von Baukontrolleuren aus dem Arbeiterstande über.

Die Novelle zum Reichsgeseh tvegen Beseitigung der Doppelbesteuerung bestimmt, dass künftig die Be-

die Augen mit der Hand verhüllt und ihr Ant­litz an der Brust ihres Vaters geborgen, der selbst vor Schreck zitternd dasaß, als die Explo­sion ertönte und die Fensterscheiben klirrend in den Vorgarten fielen.

Ach. Vater, es ist zu schrecklich," jammerte das Mädchen,ich vergehe vor Angst!"

Du armes Kind," tröstete der Mann, der selbst des Trostes bedurfte.O wären wir weit, weit von hier. Klammere Dich an mich, muß es doch gestorben sein, so möchte ich mit Dir zusammensterben."

Rein, Papa," flüsterte Desiree,sprich nicht vom Sterben. Ich möchte leben und glücklich sein glücklich mit ihm mit meinem Wal­demar."

Mit dem Feinde des Vaterlandes?" fragte er heftig.Eher will ich Dich tot wissen! Geh, Du bist keine Französin?"

Er wandte sich grollend ab. Desiree schwantte zu der Tante.

Frau von Tarandel atmete ruhig. Der furcht­bare Knall hatte sie nicht wecken können, liebet« müdet lag sie in tiefem Schlaf.

XII.

Die entsetzliche Nacht war vorüber. Der Morgen des zweiten September brach herein. Ueberall in der Stadt sah man bleiche Gesichter und schlotternde Gestalten der obdachlosen Men­schen, welche auf dem Pflaster herumlungerten. Nach dem Rausche de» vergangenen Abends war die Ernüchterung eingetteten.

Von der Citadelle wehte die weiße Flagge. Der Kaiser selbst habe sich dem Feinde ausgelie- fert, hieß w, der Kaiser, der den Bewohnern von

amten (Militörpersone« und Zivilbeamte) dort nur besteuert werden, wo sie ihren dienstlichen Wohnsitz haben, gleichgiltig, ob sie von diesem Staat ihr Gehalt beziehen oder von einem anderen Bundesstaate. (Bis­her zahlten sie an den gehaltgebenden Staat.) Ferner soll Grund- und Gebäudebesitz nur in dem Bundes­staat besteuert werden, wo sie liegen, event. anteilig.

Aus dem Abgeordnetmhause

Am Ministertische: Frhr. v. Rheinbaben, Delbrück, Breitenbach, Beseler, v. Arnim, v. Moltke.

In der Hofloge wohnte der Kronprinz der gestrigen Sitzung bei.

Der Finanzminister erläuterte den Entwurf de» Etats für 1909. Er ging nach alter Gepflogenheit von den Ergebnissen deS Jahres 1907 aus. Dasselbe schloss vornehmlich wegen der Steigerung der Betriebskosten der Bahnen mit einem Fehlbeträge von mehr als 70 Millionen, dessen Deckung zum Teil durch Ausschüt­tung des Eisenbahnausgleichfonds von noch etwa 60 Mill. Mark, zum anderen durch Anleihe zu erfolgen hat. Noch ungünstiger dürfte das laufende Jahr ab- schließeu. Der Ueberschuh der Eisenbahnen wird in­folge des Rückganges des Verkehrs, namentlich deS Güterverkehrs, um mehr als 140 Mill. Mark hinter dem Voranschläge zurückbleiben, der Bedarf für die Besoldungsvorlage ihn um 49 Mill. Mark übersteigen. Trotz beträchtlicher Mehrerträge der direkten Steuern steht daher für das laufende Jahr ein Fehlbetrag von 165 Mill. Mark tn Aussicht, der sich noch um 30 Mill. Mark erhöhen würde, wenn der beantragte Steuer- zuscblag abgelehnt werden sollte.

Daneben schulde Preussen dem Reiche noch 46 Mm. Mark an gestundeten Matrikularumlagen, welche der Natur der Sache nach durch Anleiben beschafft werden. Das tviderspreche der Abstcht der Reichsverfassung; die Durckftihrung der Reichssinanzreform sei im Interesse, der Reichsfreudigkeit unerlässlich. An die Tatsache, dass der Staat trotz der ungünstigen Finanzlage nicht weniger als 126 Millionen für die Verbesserung der Gebälter der Beamten, Geistlichen und Lehrer aufzu- toenben bereit ist, knüvkte der Minister unter wieder- boltem lebhaften Beifall des Hauses die dringende Mahnung an die Beamten, davon abzuseben. auszu- spähen, wo etwa einer Beamtenllasse mehr zuteil würde als anderen, sich bei Bortragung ihrer Wünsche in angemessenen Formen zu halten und nicht zu ver­gessen, dass sie nicht blos Rechte, sondern auch Pflichten haben.

Zinn Etat für 1909 übergehend, erläuterte der Minister zunächst die formellen Aenderungen de» Eisenbahnetats. Für die Gestaltung der finanziellen Verhältnisse sei die Tatsache entscheidend, dass infolge deS Rückganaes der Berkehrseinnabmen der Reinüber­schuss der Essenbahnen nur mit rund 83 Mill. Mark gegen 249 Mill, für 1908 veranschlagt werden konnte; allerdings sei das Ertraordinarium um 45 Mill. Mk. Hüber dotiert, als für dieses Jahr, aber im Interesse der Industrie und zur Bekämpfung der Arbeitslosig­keit, tote im fiskalischen Interesse sei daher eine mög­lichst intensive Bautätigkeit des Staates geboten. Auch im übrigen würden, wie der Minister im. einzelnen ncühwies, die Kulturaufgaben des Staates nicht leiden. Der Etat schliesst mit einem Fehlbeträge von 15 M,ll. Mark ab. Dabei ist vorausgesetzt, dass nicht bloss die zur teilweisen Deckung der Besoldungserhöhung gefor­derten 55 Millionen neuer Steuern, sondern auch Deckungsmittel für etwaige Erweiterungen der Regie­rungsvorlagen bewilligt werden. Er vertraue aber fest, dass, tote bei andern grossen Fragen, auch m diesem Punkt eine Verständigung zu erreichen fern werde. (Lebhafter Beifall.» _

Sodann wurde in die Fortsetzung der Debatte über die Arbeitloseninterpellafion und Anträge eingetreten. Abg. Lnsensky (nat.-lib.l behandelt das Problem sachlich und sachkundig, Abg. GieSbert» (Zentr.) em­pfahl vor allem die Arbeitslosenversicherung durch da» Reich, Abg. v. Dirkseu (freikons.) polemisierte wirksam gegen die Verunglimpfung des Landtages durch dtr Sozialdemokratie in dieser Frage, unterzog dann

Sedan bisher ein Vorbild gewesen, in dessen Geschick sich das Loos der Nation verkörperte. Ganz Sedan krümmte sich unter diesem fürchter­lichen Schlage. Das Heer war wie ein zerschmet­tertes Gefäß, ohne Zusammenhang, ohne inneres Gefüge die Scherben des Nattonalstolzes. Der Bürger fürchtete es nur noch, wie man Räuber und Diebe fürchtet; man fing an, die Stunden bis zu feinem Abzüge zu zählen. Und die Stunde kam herbei. Die Massen wurden von den Offizieren zusammengetrieben. Gesunde und Kranke, wenn sie sich noch an der Krücke fortschleppen konnten, zogen in langen Reihen durch die weitqeöffneten Tore, warfen dort ihre Waffen von sich und gingen durch die blutge- träntten Gefilde in die Gefangenschaft, fort, wett fort aus dem schönen Frankreich.

Auch Bourlier vermochte nicht in der Stadt zu bleiben. Als die Gefangenen die Tore ge­räumt hatten, wanderte auch er hinaus, um fein Besitztum wieder zu sehen und seinen Sohn zu suchen.

Die Frauen blieben in der Stadt zurück. Selbstlos walteten sie ihres Amtes, das sie sich selbst erkoren hatten. Nur di« Schwerverwunde­ten und die Nichttransportablen waren in der Rue d'Espagne zurückgeblieben. Als auf dem Pflaster der Schritt der preußischen Bataillone klang, die mit Pfeffen und Trommeln die Straßen durchzogen, da schien da» kleine Hau» in feinen Grundfesten zu erbeben, und laute» Jammern durchzitterte die halbgeleerten Räume. In der Verzweiflung rissen sich zwei der Ver­wundeten die Verbände ab, und verbluteten unter den Händen der verzweifelten Frauen.

diese selbst und die Mittel zur Abhilfe einer ein­gehenden Untersuchung. Er kam dabei zur runde« Ablehnung des Gedankens einer Arbeitslosenversiche­rung. stellte aber neben der kräftigen Inangriffnahme von Notstandsarbeiten eine ganze Reihe von Maß­nahmen zur Erwägung, welche geeignet sind, bei Wiederkehr solcher Kalamitäten vorzubeugen, wie fb jetzt zu bedauern sind. Insbesondere empfahl er anck die Arbeiter wieder mehr zur Landwirtschaft und aus das Land zurückzuführen. (Lebh. Beifall.) Es spra­chen noch die Abg. Ghssling (fts. Vp.) und Switala (Pole). Dann vertagte sich das HauS bis Mittwoch 11 Uhr: Fortsetzung der Arbeitlosendebatte. Inter­pellation wegen Nachtvorstellung.

Politische Umschau.

Dem Reichstage

sind u. a. der Handelsvertrag zwischen dem deut­schen Reiche und dem Freistaat El. Salvador zu­gegangen, sowie die Denkschrift über die Aus­führung der für die Schutzgebiete erlassenen An« leihegesetze, ferner die Bekanntmachungen, bett den Betrieb der Anlagen der Großeisenindustrie vom 19. Dezember 1908, endlich eine Bestim­mung betr. die Einrichtung und den Betrieb dei Buchdruckereien und Schriftgießereien Über di< Reinigung der Fußböden.

*

lieber angebliche islamitische Umtriebe in Deutschostafrika

wird soeben eine Nachricht derDeutsch-Ostafti- kanischen Zeitung" verbreitet, wonach ein Askari in Kilirnatinde von einer Moschee aus auf eine« europäischen Unteroffizier gespien und tronaif hierauf die Hälfte der dortigen Kompagnie ge­meutert habe.

Diese Mitteilung ist, wie man von maßgeben­der Stelle erfährt, durchaus unzutreffend. De» Tatbestand ist vielmehr nach einem auf telegra- phische Anfrage eingelaufenen Bericht folgender: Beim Transport eines ausgewiesenen Hetzers von Tabora durch Kilirnatinde haben vereinzelte Eingeborene nicht Askari von der Moschee in der Richtung auf den Transport ausgespuckt. Die betreffenden Eingeborenen sind dafür in­zwischen empfindlich bestraft worden. Don Meu­terei eines auch nur kleinen Teils der tn Kill- matinde stationierten 4. Kompagnie kann also gar keine Rede fein. Hierzu lag unter den ge­schilderten Verhältnissen auch gar keine Veran­lassung vor.

Deutsches Reich.

Ordensverleihung. Berlin 12. Jan. De» Reichsanzeiger" schreibt: Der Kaiser verlieh das Eroßkreuz des Roten Adlerordens dem bayerischen Kriegsminifter General von Hör« und dem bayerischen General Freih. v. Reic^ lin von Meldegg. den Roten Adlerorden erste» Klasse dem General Graf Eckbrecht von Dürck- Heim-Montmartin, kommandierender General des zweiten bayerischen Armeekorps.

Bom Kultusminister Hoste. Berlin, 12. Jan. DerKreuzzeitung" zufolge ist der Ur­laub des Kultusministers Holle verlängert wor-

In ihnen war bald der Entschluß. Sedan zu verlassen, gereist. Der Vater kehrte nicht zurück, schickte auch keine Botschaft. Bittend wandte sich Frau von Tarandal an Herrn Prevendaux, und diesem gelang es. Pferd und Wagen auszutrei- ben, was keine Kleinigkeit war, denn man hatte alles Fuhrwerk zur Fortfchaffung Verwundeter mit Beschlag belegt. Der Freund des Hauses Bourlier mußte sich auch bequemen, selbst zu kutschieren, da kein zuverlässiger Mann zu die. fern Dienst aufzutreiben war, ein Dienst, der nebenbei auch Mut erforderte, denn vor den Toren wimmelte es von allerlei Marodeurs. Der Sicherhett wegen, um nicht aufgehalten zu werden, hatte sich Prevendaux einen Pasfier, schein von dem preußischen Kommandanten aus« stellen lassen, welcher ihm auf da» Liebens­würdigste gewährt wurde. Aber er bedurfte des Papiers nicht. Die deutschen Wachen und Pa- trouillen hatten andere Sachen vor, als harm­lose Leute zu belästigen. Sie alle folgten der strengen Manneszucht. Gut gekleidet und gut verpflegt, raubten fie nicht an der Heerstraße, wie man ihnen nachsagte, sie schützten vielmehr das französische Eigentum vor dem Lumpenge­sindel, das sich überall umherzutreiben begann und besonder» nacht» seinem lichtscheuen Ge­werbe nachging. Die Toten und Verwundeten hatte man seiner unmenschlichen Habgier ent- zogen: aber da» bewegliche Eigentum, das hier und dort umherirrrende Vieh entging den chu heimischen Langfingern nicht, die um so straf­loser hausten, al» jede» Verbrechen den Feinden» den Prassten«, zugeschrteben wurde.

i (Sotticgung folgt.)