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GßechM IÄlmg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen:,Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage."
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Ma« abonniert auf die täglich erscheinende „Oberbeffifdje Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Mittwoch, 13. Januar 1909.
Die Jnfertionsgebübr beträgt für die 7gehaltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Bug. Koch, UniversitätSbuchdruckeret Inhaber Dr. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55
44 Jahrg.
zweites Blatt.
Die Lage im Orient.
Konstantinopel, 11. Ian. Die Nachricht türkischer Blätter von heute, daß der gestern abgehaltene Mimsterrat das Aneibieten Oesterreich-Ungarns betreffend die Zahlung von zweieinhalb Millionen Pfund abgelehnt habe, erregt in den hiesigen diplomatischen Kreisen allgemeines Erstaunen und Zweifel, weil die Nachricht der Aufnahme widerspricht, die das Anerbieten beim Eroßwesir gefunden hatte.
Konstantinopel, 10. Ian. Die Pforte hat die Protestresolution, welche am Samstag auf dem Bolksmeeting gegen die Annektion Kretas durch Griechenland gefaxt wurde, an die türkischen Botschafter gesandt, damit diese sie den Mächten übergeben.
Konstantinopel, 11. Jan. Der „Peni Gazetta" zufolge wurde das österreichisch-ungarische Angebot von 2% Millionen Pfund für die bosnischen Staatsgüter im gestrigen Ministerrat definitiv verworfen. Auch der „Jkdam" sagt, der Mknisterrat habe beschlossen, das Angebot nicht anzunehmen. Der Deputierte Jsmai Hakki bespricht im „Tanin" das Angebot und sagt, Oesterreich-Ungarn habe sich von dem ottomani- schen Standpunkt entfernt, welcher nicht nur die bosnischen Staatsgüter, sondern auch den Ctaatsschuldenanteil umfaßt.
Nach Wiener Informationen an maßgebender Stelle entbehren die vorstehenden Zentungsnach- richten der Bestätigung.
Wien, 11. Ian. Die „Neue Freie Presse" meldet aus Konstantinopel von heute Mittag: Der Minister des Aeußern, Tewfik Pascha, hat soeben den Korrespondenten der „Neuen Freien Presse" ermächtigt, die Meldungen der türkischen Blätter über die Ablehnung des österreichischungarischen Angebotes zu dementieren. Tewfik Pascha erklärte, der Ministerrat habe noch keine Beschlüsse darüber gefaßt. Er hält aber eine Berständigung mit Oesterreich-Ungarn für gesichert.
Hessen-Nassau und Nachbargebiele.
All«ndorf a. 8b«., 10. Jan. Seit einigen Tagen kostet der Laib Brot hier 50 Pfg„ was besonders für die Arbeiter, bei denen die Verdienste seht doch sehr knapp sind, sehr erfreulich ist. Di« ganzen Jahre war der Brotpreis bekanntlich sehr hoch.
Nonnenroth, 10. Jan. Ein schwerer Unfall, der einem hochbetagten Manne das Leben kostete, ereignete sich am Freitag abend dahier. Der 85jährige Schreinermeister Schleunig von hier glitt beim Verlassen einer Wirtschaft auf der Treppe aus und stürzte so ungücklich auf den Hinterkopf, daß er bewußtlos liegen blieb. Andern Tags schon starb der Mann an den Folgen
des Sturzes. Das Gericht aus Hungen weilt« gestern zur Untersuchung des Falles hier. (®. A.)
Diez, 10. Ian. Sergeant und Kompagnie- Furier Otto Stülke vom 1. Bataillon des 160. Infanterieregiments Hierselbst hat sich gestern mittag mit seinem Dienstgewehr erschaffen. St. war mit der Tochter eines hiesigen achtbaren Einwohners verlobt und soll auch von Haus aus in äußerst günstigen Vermögensverhältnissen gelebt haben. Seine Handlungsweise ist um so auffälliger, da auch kein dienstliches Vergehen vorliegt und er allgemein beliebt war.
Wiesbaden, 8. Ian. Der Minister des Kirchen- und Schulwesens hat die Einführung eines neuen Lesebuchs für die Volksschulen im Regie- rungsbe^i'-t Wiesbaden genehmigt. Das Buch ist im Auftrag des „Allgemeinen Lehrervereins" durch eine besondere Kommi'sion in Gemeinschaft mit der Frankfurter Lesebuchkommission beraus- gegeben. Das Buch soll Ostern 1909 in Gebrauch genommen werden.
t Hanau, 11. Jan. Der in einer hiesigen Diamantlchleiferei beschäftigte Diamantschleifer Ignaz Klein aus Erbach verübte, wie s. Z. gemeldet. im Herbst v. I. zum Nachteile der Filiale Aschaffenburg des Deutschen Metallarbei- ternerbandes einen raffinierten Betrug. Er stellte sich bei dem Kassierer als Hauptkassierer Wörner ans Stuttgart vor, revidierte die Kalle und entnahm ihr 150 M. Später stellte er sich noch einmal zur „Revision" ein und entnahm der Kaffe weitere 167 J*. mit dem Borgeben, diese Beträge an die Hauptkaffe abführen zu müllen. Nach Verlauf einiger Tage kam der Schwindel ans Tageslicht. Auch der Schwindler wurde ermittelt und ietzt von der Strafkammer Aschaffenburg zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt.
Schmalkalden, 10. Jan. Die Stadtverord- netenverfommlvnq genehmigte die Besteuerung der in den öffentlichen Lokalen aufgeftellten größeren Musikautomaten sOrchestrtons) mit 1.50 -tt, der kleinen Automaten mit 50 pro Monat.
Bebra, 11. Jan. Einen furchtbaren Tod fand der bei der hiesigen Eifenbahn-Gasanstalt beschäfttgte Eisenbahnarbeiter Werner aus Rotenburg. Er wurde heute früh von dem ein- fahrenden Schnellzuge erfaßt und total zermalmt. W. hatte kurz vor der Einfahrt des Bafel-Berliner V-Zuges das Gleis noch überschreiten wollen. Er hinterläßt Frau und ein Kind.__________
Unpolitische Tagesnachrichten.
Solingen, 11. Jan. Der Konkurs der Solinger Bank bringt intereffante Folgen. Die Bank hatte von verschiedenen Schuldnern Hinterlegung von Wertpapieren verlangt. Von den Schuldnern waren aber viele selbst Aktionäre der Bank und hatten eben diese Attien als Pfand hinterlegt. Nun haben die Aktien geringen oder keinen Wert, und da kommt der Konkursverwalter und verlangt von diefen- Schuldnern die Bezahlung. Die Leute, die nun der Sachlage nach zweimal zahlen sollen, wollen «s auf einen Prozeß ankommen lassen.
Berlin, 11. Jan. Unbekannte Größen gibts nicht allein in der Wissenschaft, sondern auch im modernen Großstadtleben, die immer weniger
29 iiirurf oetboteir.)
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias. < Fortsetzung.»
Die Männer waren in wenigen Minuten drüben und öffneten sogleich. Mit einem Fluche überschritt Bourlier als Erster die Schwelle, ihm folge Prevendaux. indem er seinem Freunde zu« flüsterte:
„Machen Sie gute Miene zum bösen Spiel und schicken Sie die Damen in das obere Stockwerk." ,
Der Offizier befahl, die Bahren mit den Kranken in den Vorgarten zu tragen, dann nahm er, ohne zu fragen, von den Parterrezimmern Besitz. Binnen fünf Minuten lagen die Verwundeten auf den Sophas und Teppichen in improvisierten Betten, im Vorgarten richtete der Arzt die Klinik des fliegenden Lazareths ein.
„Welch ein Wahnsinn, daß ich das Haus verlaffen habe," tobte Bourlier gegen sich selbst, als er mit seiner Tochter und Schwester in dem oberen Salon zusammentraf.
Frau von Tarandal, welche den Vorgang vom Fenster aus beobachtet hatte, tröstete ihn:
„Du .hast ein gutes Werk getan, Bruder Jean," sprach sie mit Gelassenheit. „Welches Vorrecht haben wir, unser Asyl zu verbergen, während die allgemeine Rot so groß geworden ist. Im Gegenteil, ich habe die Absicht, tatkräftige Hilfe zu leisten: diese armen Soldaten erregen mein innigstes Mitgefühl."
„Was fällt Dir ein?"
„Sieh die totbleichen Gestchter dieser Elenden, fühle die brennenden Schmerzen nach, die
erdulden müssen! Erbarmt sich da nicht Dein Herz? Ich mag nickst müßig sein, wenn ich das Unglück in meiner Nähe weiß. Ich werde dem Arzte meinen Beistand anbieten."
„Tantchen, nimm mich mit," bat Desfiree. „Auch ich möchte helfen, die Rot zu lindern. Wenn ich auch kein Blut sehen kann, es gibt wohl so manches unten zu tun, wofür man mir danken wird. Bitte nimm mich mit."
„Frage den Vater, ob er es erlaubt. Ich folge nur meinem Herzen, soweit es mich selbst betrifft."
„Ach, Papa, darf ich? Die armen Leute tun mit so leid und sie dulden doch für uns."
„Ich möchte nicht „nein" sagen," erwiderte Bourlier zögernd: „aber bedenkt, was Ihr tun wollt. Schont Eure Nerven. Das ist keine Arbeit für schwach« Frauen."
„Gerade ist ste es. Unsere weichen Hände werden d«n Armen wohltun. Papa. Ganz leise will ich ihre Bandagen berühren, will ihnen zu trinken geben und den Todesschweiß von bet Stirn trocken. Ich fürchte mich nicht vor den Handreichungen, Papa, und schweren Dienst wird der Arzt von einet Unkundigen nicht vet. langen."
„Ich bin ein Egoist. Ihr seid besser als ich," Tagte der Fabrikant mit einem Seufzer „müht Euch im Dienste der leidenden Menschheit, ich will es nicht hindern."
Desiree küßte ihn liebevoll und folgte der Tante, welche vorsorglich alles Entbehrliche an Bettzeug, Leinen und Wäsche zusammenraffte. Dann stiegen ste beide hinab und stellten sich dem Arzte zur Verfügung. Frau von Tatandel blieb bei den Kranken, Desiree begab sich in die Küche, Tee und Weinsuppe zu bereiten. Das Schluchzen
wert sind, t« genauer man sie kennt. Das erfuhr auch eine Berliner Küchenfee, die auf Bällen einen „netten“ Menschen kennen lernte, der sie später in ihrer Küche besuchen durste, weil die Herrschaft ebenfalls von dem bescheidenen Manne eingenommen wat. Der Bräutigam war sogar so dienstwillig, daß er sich anbot, verschiedene Möbel neu zu lackieren und anzustreichen, eine Gelegenheit, die er benutzte, um Goldsachen und mehrere tausend Mark zu stehlen. Die nunmehr bekannte Größe ward mit zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust „belohnt".
Ans anderen Blättern.
Aus dem Briefwechsel von O. v. Bennigsens.
Eine vorzüglich« Betrachtung über den Niedergang des Parlaments enthält ein Brief des Zentrumsführers Dt. Liebet an den nationalliberalen Führer v. Bennigsen. Es heißt in einem Briefe vorn 12. Sept. 1897:
. . , Daß Eure Exzellenz zum Jahreswechsel Ihrem hohen Amt entsagen wollen, wird die Provinz gerechten Anlaß haben, lebhaft zu beklagen, würde mir ober weniger besorglich fein, wenn mit der Kunde nicht die andere Hand in Hand ginge, Sie wollten mit dem Ablauf gegenwärtiger Wahlperiode auch dem politischen Leben endgültig den Rücken kehren. Ich stehe, Gott sei Dank, nicht mehr allein im Zentrum, nicht einmal unsrer Presse gegenüber, wenn ich es ohne Schmeichelei ausspreche: Wie fetzt die Dinge Hegen, würde dies ein Ve r h 8 n g n i s fein. Persönlich empfinde ich den drohenden Verlust um so viel schmerzlicher, als auch mein alter Gönner aus Ihrer Pattei, Herr Dr. Ham- rnacher, mit bestimmt ankündigt, er werde in die Parlamente nicht mehr zurückkommew. Niemand kann mehr als ich empfinden und verstehen, daß es für anständige Männer täglich schwerer wird, im öffentlichen Leben auszuharren, und daß, wer Ideale hat und unfern Volke erhalten will, sich in der gegenwärtigen politischen Gesellschaft je länoet um so fremder fühlen muß, vom immer wüsteren Wahlkampfe nicht erst zu reden. Allein was soll, ich frage nicht' aus unferm Reichstag, was soll aus unferm Deutschen Reiche werden, wenn aus feinem Ver- tretungskörper die vornehmsten Träger der besten Ueberliefetungen deutschen Verfassungs- lebens vor der Zeit verschwinden und niemand sie ersetzt, weil — sogar alles übrige als gleichwertig vorausgesetzt — ihre Persönlichkeit niemand ersetzen kann. Eine meinet schönsten Erinnerungen und meiner echtesten Ruhmestitel einer wird immer bleiben, daß es unser beider Zusammenwirken gelang, Deutschland fein einheitliches bürgerliches Recht, und in verhältnismäßig kurzer Zeit und sachgemäßer, würdiget Rübe zu bescheren. Es wird mir schwer, der Aussicht zu entfagen, in den bevorstehenden Kämpfen an Eurer Exzellenz den Mann zu finden, mit dem sich auch bei andern Fragen von entscheidender Bedeutung Iber alle Patteiverschiedenheit hinweg des Vaterlandes Wohl gemeinsam wirken lasse. Immer noch hoffe ich. daß der Entschluß kein abänderlicher sei, und würde
und Jammern bet Verwundeten drang zu ihr herüber und erregte ihre Nerven aufs Aeußetste, daß sie selbst heiße Tränen vergoß. Aber sie wurde Herrin ihrer Schwäche: der Gedanke an Waldemar und den Bruder, die vielleicht jetzt auch der Pflege bedurften, stählte sie. Als die Erzeugnisse ihrer Küche fertig waten, trug sie dieselben selbst zu den Kranken. Mit Heldenmut kämpfte sie Ekel und Angstgefühl hinunter, speiste die Hilflosen, ttänfte die Schwachen und Lechzenden, tröstete die Verzweifelnden. Uebetaö fand sie.einen Blick bet Dankbarkeit, Sie ging mutig ihrer Tante zur Hanb, welche mit kundiger Hand die Verbände erneute und die Kranken unterstützte.
Der Arzt, welcher im Vorgarten sein trauriges Werk beendet hatte, betrachtete bas Walten bet Damen mit Wohlgefallen.
,D>a sind wir ja ins Patabies gekommen," sagte et zu einem verwundeten Reiteroffizier. „Unsere Leute haben nur noch Augen für die beiden guten Feen und denken gar nicht mehr an ihre Schmerzen.
„Ja, bet Franzose ist galant,“ antwortete bet Kapitän, bie Zähne aufeinanber beißend, die ihm eine Kugel übrig gelassen hatte. „Wenn die Ptusflens mir nicht bie Kinnlade zerschossen hätten, ich würde bet Kleinen sagen, baß ich sie anbete.“
Das Tot bes Vorgattens wat offen geblieben. Miliärifches Eesinbel, welche» beutelustig und trunksüchtig einbtingen wollte, guckte unaufhörlich von bet Straße herein. Wenn es aber bas chirurgische Walten des Arztes gesehen, welches den Boden mit Blut getränkt hatte, wich es scheu zurück und suchte anderswo Beute. Aber Kranke und Verwundet» Hieben, - wenn sie der
mich glücklich schätzen, wenn das Gesagte beitrüge, den Gedanken, den ich für eine Versuchung halte, zu verscheuchen.
Sehr treffend bemerken zu diesem interessanten Briefwechsel politischer Gegner:
Ob heute einet der Parteiführer einen solchen Brief an einen anderen der Führet, ob ahn Herr von Notmann an Herrn Wiemet, Herr Spahn an Herrn von Eamp, Herr Singer an Herrn Liebermann von Sonnenberg oder Herrn Vassetmann schreiben könnte? Ist im Laufe der Iahte das, was er beklagte, nicht noch deutlicher sichtbar geworden? Während in England und Frankreich die Männer, die sich in hohen öffentlichen Stellungen befinden, eine Ehre darin suchen, dem Parlamente anzugehören, stößt fast überall in Deutschland die Anregung, Männer gleichen Grades für den Reichstag zu gewinnen, auf schroffe Ablehnung. Und während in jenen Ländern Debatten über die auswärtige Pofitik. über Heetesfraoen ober Angelegenheiten der Flotte und der Kolonien in fachkundigster Weife behandelt werden, vernimmt man bei uns im besten Falle die Stimmen der Dilettanten Gg gibt keinen Kriegsministet. der in den Reichs- taa ein,liebt, wem er den Helm mit dem Zy- linderhut vertauscht hat, es gibt keinen alten Admiral, der etwa in der Budgeikommiision die Auffassung des Herrn Tirpitz mit fachmännischer Kenntnis zurückweisen könnte.
Die Herren vielmehr, die dort ihre Weisheit zu Markte tragen, sind in all diesen Dingen auf Mitteilungen Dritter anoewiesen, und sie r.nb dem ganzen Stabe gegenüber, den die Reaierung ins Feld führt, so gut wie verraten und verkauft. Da ist es bann natürlich, daß nam.-nt-- lich die Debatten und bie auswärtige Po'itik einen burchaus schülerhaften Charakter tragen. . Ganz zweifellos verkf-at das deutsche Volk '"her eine a^oße Zahl hervorragender Intelligenzen, Wer Männer, die weit über untere Grenzen hinaus sich eines bedeutenden Namens erfreue«. Sind wir doch in unsrem wirtschaftlichen Leden im Verlaufe von wenigen Jahrzehnten zu einet Höh« gelangt, bie selbst bas englische Volk um Mn? ^<erfv-trr '5^eTn TöM 9 l>!'r wer von diesen Männern fühlt das Bedürfnis, in den Reick, ton *u tnrrnbern? Wodurch sie olle abae^chreckt werben? Es kommen da mancherlei Griino» ?u- fontmen. 3unc*w dj« greuliche Methode eines W'blkamvfes, in dem der Kandidat mit federn Schmutz bewarfen zu werden pflegt, der sich in den Gossen ange» häuft bat. Dann das erfreulich« Bewusi^ttn, im Reichstage selbst tage- und wochenlang leere» Stroh dreschen zu müssen, immer wieder Dauerreben anzuhören, in denen sich neue Argumente, originelle Gesichtspunkte überhaupt nicht finden, bie aber gehalten werden müssen, weil man aufbie Wähler und auf bie Erhaltuna des Manboies Rücksicht zu nehmen hat. Drittens bas Bewusstsein, daß man mit all bet aufteibenben und geisttötenden Arbeit dock kaum zu einer positiven Leistung kommt, bass man mit dem besten Willen boch bie Misere unserer Zeit nicht heilt.
Verantwortlich für bie Redaktion:
Dr. phil Carl Hitzeroth in Marburg.
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Zufall ober bet Krankenträger herbeiführte. Der Atzt nahm alle auf, bis bie Lokalitäten gänzlich gefüllt waren, bann erst gebot er, bas Tor zu schließen.
Prevenbaux hatte bas Haus verlassen. Sour« Her saß verzweiflungsvoll brütenb in einer Fensternische bes oberen Salons. Das Schicksal seines Sohnes beunruhigte ihn aufs Schmerzlichste. Seine Phantasie malte ihm die peinlichsten Schreckbikder aus. „Was wird unser Schicksal fein?“ fragte et sich, „was wird geschehen, wenn bas Bombarbement erst stärket, bet Branb allgemeiner, bie eingeschlossenen Krieger entmenschter werben? Wirb bie Belagerung länget bauern, woher wird Hilfe kommen bie uns von Hungersnot, Seuche, Morb unb Bestialität bewahrt?“
Er schloß bie Augen mit beiben Händen unb verließ den Platz, um eine Ruhe heucheln zu können, bie Desiree, welche heraufgekommen war, über ben grausamen Ernst bes Augenblickes fotttäuschen sollte.
Die Nacht brach herein. Auf ben Straßen bet Stabt herrschte ein furchtbares Durcheinander. Keine Gasflamme brannte. Der Widerschein bet zahlreichen Feuersbrünste allein erhellte bas Dunkel. Ihre ungewisse Glut zeigte ben Men- schenmaffen bie Wege butch Sebans Straßen. Schreienb, tobenb, jauchzend, klagend unb heulend wälzten sie sich auf unb niebet. Nur in bet abgelegenen Rue d'Espagne herrschte verhältnismäßig Ruhe. Der Arzt hatte seine Arbeit eingestellt: die Wärter schliefen, von bei Tagesarbeit überanstrengt: bie Kranken lagen im schmerzhaften Halbschlummer, ihr« Pflrgeri»»« hatten sich leise zurückgezogen.
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