r mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche ü uage."
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Marburg
Freitag 8. Januar 1909.
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44. Jahrg,
Treibereien gegen den Reichskanzler.
Die „Nordd. Allg. Zig" schreibt: Die „Ger- «ania" hatte in einem Artikel vom 5. Januar über die Stimmung in Wien eine ihr angeblich von unterrichteter Seite zugegangene Zuschrift veröffentlicht, in der es u. a. heißt: „Wer auf Berlin vertraut, hat auf Sand gebaut." Diese Empfindung gelangt beispielsweise offen zum Ausdruck in der christlich-sozialen „Reichspost" vom 1. Januar durch eine von einem österreichischen Diplomaten herrührende Zuschrift, welche i>ie Forderung erhebt, daß Deutschland mehr als bisher in Konstantinopel für das Jn- teresse Oesterreich-Ungarns wirken soll. Wie wir hören, erklärte der hiesige österreichisch-ungarische Botschafter diese Behauptung amtlich für eine absurde und böswillige Erfindung.
Die „Köln. Volksztg.", die schon neulich die fourualistischen Leistungen des Herrn Erzberger von sich und der Zentrumspartei abgeschüttelt hat, wendet sich auch dies Mal gegen diese Treibereien. Sie schreibt:
„Wir kennen den Berl. Korrespondenten der Wiener „Reichspost" nicht und können daher auch nicht lagen, in welchem Verhältnis derselbe zur Zentrumspartei steht. Auf jeden Fall aber müssen wir es mit aller Entschiedenheit und Deutlichkeit ablehnen, daß die Zentrumspartei für den oder die Artikel dieses Korrespondenten Irgendwie verantwortlich gemacht werde. Die „Zentrumspublizistik" als solche weist sich von Hast gegen die Person des Fürsten Bülow frei: ganz besonders aber wird sie sich hüten, die Bündnisgesinnung des -Fürsten Bülow gegenüber Oesterreich-Ungarn in Zweifel zu ziehen, wie denn überhaupt bei dem Ernste der gegenwärtigen Weltlage gewiß alles zu vermeiden ist, was dazu führen könnte, die Schwierigkeiten noch weiter zu vermehren. Wir haben offen gestanden auch nicht begriffen, wie die „Reichspost", ein sonst so vorzüglich geleitetes Organ, das auch seinem Vertrauen in die Bündnispolitik des Deutschen Reiches wiederholt Ausdruck gegeben hat, einem solchen Artikel Aufnahme gewähren konnte. Offenbar ist das Wiener Blatt von Berlin ans in diesem Falle nicht gut informiert. Kaiser Wilhelm ist ein warmer Freund Oesterreichs und betrachtet dessen Unterstützung in den gegeiiwärtiaen Schwierigkeiten als Ehrensache, und die Reichspost darf überzeugt sein, daß in diesem Punkte Mischen Kaiser und Kanzler keine Meinungsverschiedenheit besteht."
Gegen andere Versuche in dieser Richtung wendet sich die „Süddeutsche Reichskorrespondenz" mit folgenden Ausführungen: „Englische Blätter haben sich um die Jahreswende besonders eifrig mit Kaiser Wilhelm beschäftigt, und da das Verhalten des Monarchen keinen Stoff für Sensationsdepeschen bietet, greift man zu Erfindungen. So heißt es in einer Londoner Zeitung, der Kaiser habe mit dem Reichskanzler eine Rede vereinbart, die zu Neujahr vor den kommandierenden Generalen gehalten worden sei. In Wahrheit hat aber der Kaffer überhaupt keine politische Neujahrsansprache gehalten. Ferner be-
25 "'ruttriirf verboten.)
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
I Fortsetzung.!
Der Zuruf ihres Anführers brachte die Franzosen zum Stillstand. Sie ballten sich in einem Knäuel zusammen: aber Schuß auf Schuß lichtete die belagerten Reihen, die Ueberleben- den flüchteten die Stiege» empor, Stufe für Stufe gegen die Nachdrängenden verteidigend.
Den Degen in der Linken, den Revolver in der kraftlosen Rechten stürmte Tyrolt den Seinen voraus. Die erste Etage wurde geräumt, Körper auf Körper rollte über die blutgetränkten Stufen in die Tiefe. Unaufhaltsam Netter, len die Sachsen ins zweite Stockwerk empor, wo sie die Schützen von den Fenstern verjagten, die wie Schießscharten mit eisernen Läden geblendet waren. Die Geschosse vom jenseitigen Ufer hatten keinen Schaden getan. Wenn nicht Kanonen mitsprachen, blieb die Fabrik nebst ihrer Besatzung unversehrt. Dies erkannte Waldemar sehr wohl, um so nachdrücklicher verfolgte ♦t den Feind. Als er sich den Eintritt in die «rste Etage erzwungen hatte, verfolgte et die Franktireurs bis in den äußersten Winkel. Einer bog über die linke Galerie nach der verborgen gelegenen Sortierkammer. Tyrolt, der ^ine Gewalttat befürchtete, folgte der eilig da- mnhufchenden Gestalt und befand sich Olivier gegenüber.
‘ Beide Feinde erkannten sich sogleich.
unruhigt sich ein englischer Journalist über da« Verhältnis zwischen dem Kaiser und dem Reichskanzler mit der hochpolitischen Begründung, Fürst Bülow habe nichts zu Weihnachten bekommen. Dieser Zweifel kann gelöst werden: der Monarch hat seinem Kanzler ein Bild zum Geschenk gemacht. Ausstreuungen über ein gemindertes Einvernehmen oder auch schärfer über Meinungsverschiedenheiten und Gegensätze zwischen der Krone und dem Leiter der amtlichen Politik sind an gewissen Stellen rotebet sehr beliebt. Real ist daran nur der Wunsch, es möchte eine Verstimmung geben. Dieser Wunsch ist weitverbreitet. Bald schüttet die „National Review" ihr Herz gegen den Kanzler aus, bald erhob sich im „Figaro" ein den Nichteingeweihten unverständliches Geschrei. Auf das sinnreiche Fangeballspiel zwischen reichsdeutschen Parteiorganen und einigen österreichischen Blättern hat am Sonntag die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" aufmerksam gemacht. Der Ursprung dieser Treibereien ist so wenig in Dunkel gehüllt, wie das Ziel: einen Kanzlerwechsel herbeizuführen."
Das „Berl. Tageblatt" weiß bereits von genauen Plänen und dem in Aussicht genommenen Nachfolger des Fürsten Bülow — Herrn von Radowitz — zu berichten.
Wir glauben, daß diese Bemühungen vergeblich sein werden, sie find höchstens ein Symptom dafür, daß die innere Lage schwierig ist und manchen Politikern geeignet erscheint, lang gehegte Wünsche jetzt erfüllt zu sehen.
Das Erdbeben in Südita'ien.
Rom, 6. Jan. Der mit außerordentlichen Vollmachten versehene derzeitig« Kommissar General Mazza teilte dem Ministerpräsidenten Eiolitti aus Messina telegraphisch mit: Die Nachforschungen nach den Verschütteten und etwa noch Ueberlebenden Personen werden fortgesetzt. Heute wurden etwa 10 Ueberlebende geborgen. Die Wahrscheinlichkeit, noch weitere zu retten, verringert sich stündlich, dessen ungeachtet werden die Nachforschungen fortgesetzt. Insgesamt wurden bisher 2300 Lebende unter den Trümmern hervorgezogen und 2000 Leichen unter den sanitären Vorsichtsmaßregeln beerdigt. Aus den Trümmerstätten der Banca d'Jtalia, der Banca Commerciale des Gebäudes der Ravigazione Generale, sowie anderer öffentlicher oder privater Institute barg man in den letzten Tagen Geld und Eeldeswert. Das Staatsarchiv, das Hypothekenarchiv und das Notariatsarchiv werden bewacht. 181 Personen, die vor der Verhängung desBelagerungs- zuftandes verhaftet worden waren, wurden nach Palermo gebracht. Die Eisenbahnverbindungen mit Palermo und die Dampferverbindungen mit Neapel sind wieder hergestellt. Um die Eisen, bahnstrecke nach Neapel wieder fahrbar zu machen, wurde Personal an die kalabrische Küste entsandt. Es ist mit dem Bau von Baracken begonnen worden, die baldmöglichst vermehrt und eingerichtet werden sollen. Der Gesundheitszustand der Truppen ist trotz der Anstrengungen und der ungünstigen Witterung gut.
Rom, 6. Jan. Die „Agenzia Stefani" veröffentlicht eine Note, derzufolge der König und
„Ach, Monsieur, Sie sind zu uns zurückgekehrt," höhnte der Sohn des Hauses. „Ich wünschte, mein Vater und Desiree könnten Sie in diesem Augenblicke sehen."
„Schweigen Sie, Unseliger!" herrschte ihn Waldemar an. „Was in aller Welt konnte Sie veranlassen, mit einer Hand voll Leute den fieg- gewohnten Deutschen entgegenzutreten?"
„Ich bin Franzose, Herr, ein Offizier wie Sie. Aus Patriotismus verteidige ich mein Vaterland, aus Trotz mein Eigentum gegen Euch Mörder und Mordbrenner. Ich habe den Kürzeren gezogen, weil Sie der Spion waren, welcher die Schleichwege kannte und uns den Rückzug abschnitt. Fahr zur Hölle, Verräter!" schrie er, plötzlich sich aus seiner gedeckten Lage aufrichtend, und stieß mit seinem Degen nach de, Feindes Brust. Aber dieser war auf seiner Hut. Mit einem kraftvollen Hiebe parierte et derart, daß die feindliche Waffe klirrend zur Erde fiel.
„Halten Sie sich still, Herr," sagte Waldemar, ohne die Ruhe zu verlieren, „wenn Sie meine Leute hören, sind Sie verloren, ich aber möchte Cie schonen, trog aller Bosheit, denn vas Blut der Bourlier soll nicht auf mir lasten."
„Sie wollen mich schonen?"
„Ich bin es Ihrem Vater schuldig. Ich werde Sie retten, den Sie müssen einsehen, daß Ihre Position unhaltbar, Ihr Leben verwirkt ist, da man Sie als Befehlshaber der Franktireurs angetroffen hat. Dennoch will ich Ihnen forthelfen, still, nur still!"
die Königin den Wunsch geäußert haben, daß die anläßlich des. Geburtsfeftes der Königin (8. Januar) geplanten Kundgebungen vor dem Quirinal, sowie die als Ausdruck der Dankbarkeit des Volkes beabstchttgte Prägung einer Denkmünze unterbleiben möchten. Der König und die Königin wünschen, daß jegliche wohltätige Initiative und die ganze Willenskraft des Landes dazu einzig angewendet werden, die durch das Erdbeben-Unglück hetmgefuchte Bevölkerung zu unterstützen.
Rom, 6. Jan. Minister Bertolini telegraphierte an Ministerpräsident Etolittt, daß et glaube, daß weniger Ueberlebende abreisen werden, als man angenommen habe, da die Bevölkerung anfange, sich zu beruhigen. In den Archiven und den öffentlichen Bureaus feien Rach- forsckungen angeordnet worden: auch müsse man mit dem Dau von Baracken beginnen.
Reggio di Calabria, 6. Jan. In vergangener Nacht ist der Belagerungszustand in sämtlichen Gemeinden der Provinz proklamiert worden.
Milazzo, 6. Jan. Meldungen aus Castro Reale erklären die Nachricht, daß die Stadt zerstört fei, für unrichtig. Es seien nur mehrere Häuser beschädigt, deren Aufbesserung demnächst vorgenommen werden wird.
Messina, 6. Jan. Mit der Wiederherstellung der radiotelegraphischen Station auf dem Fort Spuria ist begonnen, auch der Leuchtfeuerdienst in der Meerenge ist provisorisch wiederhergestellt worden.
Messina, 6. Jan. Es ist den italienischen Behörden nunmehr möglich geworden, einen ausreichenden Hilfsdienst an den von dem Erdbeben heimgesuchten Küsten bet Straße von Messina zu organifieren. Die russischen Kriegsschiffe verließen Messina: bie französischen beabsichtigen dies gleichfalls zu tun. Der deutsche Kreuzer „Hertha" ist gestern mit dem Konsul Jacob nach Catania in See gegangen, während die „Victoria Luise" vor Canzirri zur Hilfeleistung lag.
Rom, 6. Jan. Der Militärattache der hiesigen deutschen Botschaft, Oberstleutnant Frhr. v. Hammerstein, welcher sich im Auftrage der deutschen Regierung am 30. Dezember nach Messina begab, ist nach Rom zurückgekehrt. Infolge des Entgegenkommens der italienischen Behörden konnte er mehrere Tage auf dem Schiffe „Duett di Genova" in unmittelbarer Nähe des Oberstkommandierenden Generals Mazza weilen und auf einem italienischen Kanonenboot Reggio und das Küstengebiet bei Reggio besuchen. Die Interessen der dortigen Deutschen sind .soweit es nach Lage bet traurigen Umstände möglich ist, vertreten.
Berlin, 6. Jan. Auf Veranlassung des unter dem Protektorate der Kaiserin stehenden deutschen Hilfskomitees geht heute die zweite umfangreiche Materialsendung unter Begleitung einer Abordnung des Roten Kreuzes, bestehend aus Aerzten, Schwestern und Kranken- pfleaern nach Neapel ab. Das Rote Kreuz hat es übernommen, auch an anderen Orten Deutschlands mit Hilfe der Roten Kreuz-Organisationen Materialien zu sammeln und von dort direkt nach Italien zu dirigieren. Die Ver Sendung sowohl des Personals wie des Materials wird von Neapel aus in die Wege geleitet.
Olivier nickte dem Deutschen mit falschem Blicke zu, dann ließ er sich theatralisch vor ihm auf den Boden nieder. Er berührte mit der linken Hand Herz und Lippen, als sich aber Tyrolt abwandte, die offenstehende Tür zu schließen, ergriff er mit der Rechten den Säbel, der am Boden lag, sprang auf und stieß seinem Gegner den Stahl rückwärts durch di« Rippen, daß jener lautlos zur Erde fiel.
In diesem Augenblick erschien Neumann, von mehreren Schützen begleitet, auf der Schwelle. Er hatte seinen Herrn in Verfolgung der Franktireurs über den Gang eilen gesehen. Ein Blick sagte ihm. daß et zu spät erschienen fei. Unbändige Wut stieg in ihm auf. Mit dem Schrei «•ines Tobsüchtigen sprang et auf den Franzosen ein, der sich nicht verteidigen konnte, da sein Degen in der Wunde stecken geblieben war, packte ihn mit beiden Händen und schmetterte ihn gegen die holzgefaßten Scheiben des hohen Bogenfensters. Mit markerschütterndem Schrei sauste Olivier in die Tiefe hinab und schlug dumpf auf den Hof nieder, wo et ohne Lebenszeichen liegen blieb.
Neumgnn pottte sich jammernd Über den Körper seines Leunants werfen, aber bie Kameraden hinderten ihn daran.
„Erst den Degen heraus, vielleicht ist noch Hilfe," sagte ein Schütze.
Der brave Bursche bezwang seinen Schmerz. Lorfichttg entfernte et den Stahl. Die Wunde durchquerte den ganzen Kötpet. Das Blut quoll au« ihr in Strömen. der Verwundete stöhnte und feine Bippen färbte« sich mit rotem
Politische Umschau.
Höhere» Lehrerinnenseminat.
Die durch die Neuordnung des höheren Mädchenschulwesens bedingte Einführung der vierjährigen Lehrgang» für das Höhere Lehrerinnenseminar ist allgemein verbindlich für die von Ostern 1909 an eintretenden Seminaristinnen, so daß die wissenschaftliche Abschlußprüfung für diese zu Ostern 1912, die Lehramtsprüfung Ostern 1913 statt- finben wird. Jedoch ist nach bet Ausführungsanweisung des Kultusministers keineswegs ausgeschlossen, die Wohltat der besseren unb ruhigeren Ausbildung nach den neuen Vorschriften auch schon den im Jahre 1908 unb gegebenenfalls auch 1907 aufgenommenen Klassen zugute kommen zu lassen, wenn biefes auf Grund von Umfragen bei den Schülerinnen und Verhand- lungen mit ben Angehörigen als den Wünschen entsprechend festgestellt wirb. Dahin gehenbe Anträge find von ben Provinzialschulkollegien zu prüfen unb zur Genehmigung dem Minister vorzulegen. Die neuen Prüfungsordnungen für Lehrerinnen werben rechtzeitig veröffentlicht werden, so baß sie auch schon für die 1907 und 1908 aufgenommenen Klassen Anwendung finden können, wo die» beantragt wirb. Dabei wirb schon jetzt darauf hingewiesen, daß es nicht verboten werden wird, zwischen der Abschlußprüfung der drei Wissenschaftlichen Fortbildungsklassen des Höheren Lehrerinnenseminars und bet Lehramtsprüfung am Schlüsse des prak. fischen Jahres einen länger als ein Jahr dauernden Zeitraum vergehen zu lassen, falls beson- bete Rücksichten, etwa gesunbheitlichet Art, eine Unterbrechung der Ausbildung vor dem Eintritt in das praktische Jahr wünschenswert machen. Jedoch bedarf eine Unterbrechung von mehr al» drei Jahren und die Ablegung der Lehramtsprüfung später als 4 Jahre nach der wissenschaftlichen Abschlußprüfung bet ministeriellen Genehmigung.
Fleischverbrauch in Deutschland.
Das Kaiserliche Gesundheitsamt hat soeben den ausführlichen Bericht über die Ergebnisse bet Schlachtvieh- und Fleischbeschau im Deut- schen Reiche für das Jahr 1906 veröffentlicht. Der erste Teil dieses Berichtes enthält eine Be. rechnung des Fleischverbrauches in Deutschland, in der zum ersten Male eine auf amtliches statistisches Material gestützte Berechnung des Durchschnittsgewichts geschlachteter Tiere zur Verwendung gekommen ist. Während die fon- sttgen Unterlagen der Fleischverbrauchsermittlung (Zahl der geschlachteten Tiere, Menge des verworfenen Fleisches, Fleischeinfuhr und -ausfuhr) bereits früher, mindestens seit dem Jahre 1904 statistisch ziemlich gesichert waren, mußte man sich bisher für das Durchschnittsgewicht der geschlacheteten Tiere ' in bet Hauptsache mit Schätzungen begnügen. Für bas Kalenderjahr 1906 hat nun bei allen deufichen öffentlichen Schlachthäusern eine Ermittelung der dort vorgenommenen Wägungen lebender unb geschlach- teter Tiere stattgefunden. Wenn sich diese Wägungen auch nicht auf alle in den Schlacht- Höfen geschlachteten Tiere erstreckt haben, unb ferner noch Wägungszahlen für bas platte Land fehlen, so ist das zusammengebrachte Material n-----ii—m? - . _ ------a
Schaum. Reumann riß bie Uniform herunter und verband seinen Herrn so gut es ging.
„H«te Wasser, Gottlieb," sagte er zu seinem Kameraden, „unb Du, Brenner, paß auf, baß wir hier nicht geftört werben," befahl er dem anderen. „Lauf, Gottlieb, schaff Masset herbei!"
„Das wird wohl nicht mehr helfen," meinte bet Schütze, „unser armer Leutnant muß ins Etas beißen. Aber ich will nach Wasser suchen, vielleicht bekommt er doch noch Durst."
Der Mann entfernte sich. Brenner bezog feinen Posten auf dem Gange. Neumann legte bas Haupt Waldemars auf seinen Schoß, damit bas Blut nicht mehr auf bie Lippen steigen könne.
„Mein armer, armer Herr," seufzte et. Je nicberträdjtig z.: Fall zu kommen: so ein gemeiner Schweinehund, heimtückisch nach Franktireur- art! Aber ich habe es ihm gegeben. Und doch, was hilft»? Mein guter Herr wirb dadurch nicht rotebet gesund."
Heiße Tränen fielen auf Waldemar» bleiche» Antlitz. Aber sie erweckten den Befinnungslofen nicht. Sein BNck ward start und stattet, die Farbe Antlitze» fahl, «nb bet Puls, den Neumann in feinet Hand hielt,, zum Auslöfchfit schwach. Ein gequälter Seufzet entfloh seinen Mutigen Lippen. Der getreue Neumann brach mit einem Jammer ruf übet feinen schändlich gemordeten Herrn zusammen.
„ (Fortsetzung folgt.)