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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

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Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische Zeitung" bei allen Postämtern und unser» Zeitungsstelle» in Kirchhain und Wettersowie bei unserer Expedition Markt21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2Mk.

Marburg

Freitag, 1. Januar 1909,

Die Insertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile . oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttätsbuchdruckerei

-Inhaber Dr. C. H i tz e r o t h, Marburg, Markt 21. Telephon W.

44. Jahrg.

Zweites Blatt

21

Na denn, Cie Schützenjüngling, halten Cie dem Herrn Leutnant mal den Kopf," wandte er sich an Neumann, nachdem sich der Patient auf eine Kiste gesetzt hatte.

Inneren und der schwere dunkle Aetnawein. Messinas Lage und Messinas Hafen sind es, die seine Handelsbedeutung bedingen: und eben darum hat keine bedeutende Stadt Siziliens unter der modernen Entwicklung des Eisenbahn-

von Calamech angehört, steigt aus einem ba­rocken kommodenartigen llntersatz ein spitzer Kegel auf, dem ein spiralförmiges, nach oben ausgezacktes und von runden Oeffnungen be­gleitetes Band umschlingt. Auf der Spitze ruht die Papstkrone mit den Schlüsieln. Kleine ähn­liche Kegel begleiten dieses architektonische ^ln- getüm an den vier Ecken/'

liebten geschieden, das wußte er, da er Bour- liers Charakter nur zu gut kannte. Er hatte aber gehofft, daß ihn das Kriegsglück weitab von der Maas führen würde, und nun marschier­ten die Kolonnen geradewegs auf Bazeilles, auf Sedan zu.

Ein Ruck und das verletzte Glied war ein- gerenkt. Tyrolt hatte nicht mit der Wimper gezuckt, aber die Zigarre hatte er glatt durch« gebissen.

(Nachdruck verboten.),

Messina.

Ein Städtebild von Otto Leonhardt.

!' Zu den großen Fremdenstädten Siziliens gehört das unglückliche, jetzt zum größten Teile in Trümmern liegende Mesiina mit. Palermo besucht der Fremde, und er besucht die Ruienen- ftädte: Segesta, Selinunt und Syrakus; aber kommt er nach Mesiina, so strebt er in der Regel eilends dem Bahnhof zu, um sich nach den para­diesischen Taormina entführen zu lasien. Und soviel ist gewiß: wer seine sizilische Reise in Mesiina etwa abschließt, oder auch nur nach Mesiina kommt, nachdem er schon zuvor den Zauber des strahlenden Palermo genosien hat: in besten Gedächtnis wird Messina kaum eine ^iefe Spur hinterlasien. Beginnen muß mit Messina der Sizilien-Reisende, wenn er Mes­sina verstehen >will. Von Reggio drüben, d.em alten Rhegion, geweiht durch das Andenken des Eibykus, mag er über die altberühmte Meer­enge setzen, die durch Homer für immer berühmt geworden ist. wenn auch die Scylla und die Cha- rybdis das Bild und Erlebnis den unbefangenen Reisenden reichlich enttäuscht. Doch schon lenkt sich sein Blick auf die schnell sich nahende Stadt. Eine weiße Stadt, gelagert um einen sichelför­migen, vom Lande gleichsam umklammerten Hafen. Eine Stadt mit flachen Dächern, mit Kuppeln, die fast an den Orient gemahnen und mancher sonderbaren Turmspitze. Die Berge drängen sich dicht an das Meer, und die Stadt klettert mit ihren Häusern die Berge hinan. Weit draußen, an der Spitze der den Hafen ab­schließenden Halbinsel liegt ein Leuchtturm und 4ine Zitadelle eine harmlose Zitadelle übri­gens, die abgetragen ist, weil sie in einem moder­nen Kriege doch zu nichts gut sein würde. Das etwa ist das Bild, das Mesiina bietet, wenn man sich ihm vom Meere aus nähert. Alles in allem genommen: kein überwältigendes Bild. Die weißgrauen Häuser sind von der halbafri­kanischen Sonne verbrannt, die Berge, die die Stadt umringen, sind bart, kahl, wie Siziliens Berge alle, und entbehren der großen Formen. Und ebenso entbehrt auch das Bild der Stadt eines beherrschenden architektonischen Symboles, wie es St. Peter für Rom, die Damkuppel für Florenz ist. Aber schon sind wir im Hafen und hier ist es, wo sich Messina von seiner glän­zendsten Seite präsentiert. Denn gleich wird man inne, daß man sich in einer der bedeutend­sten Handelsstädte Siziliens, ja des Mittel­meeres überhaupt befindet. Schiffe neben Schijfe, Dampfer neben Dampfer aus allen Ländern und Weltgegenden. Der Hafen selbst einer der geräumigsten und sichersten des Mit­telmeeres. Hier strömt Siziliens Reichtum zu- fainmen. Hier wird die duftende Apfelsine ver­laden, die schimmernde Zitrone, der übelrie­chende Schwefel aus den berüchtigten Minen des

So, nun fahren Sie mit dem Kühlen fort," ordnete der Arzt an;bis wir weiter marschie­ren, wird der Schmerz wohl aufhören. Soll ich Sie krank melden?"

Ich bitte, nein," antwortete der Offizier eifrig,ich marschiere auf alle Fälle mit."

IHabe nichts dagegen," nickte der Stabsarzt ! und sah sich nach weiteren Objekten seiner Kunst um. Leider war daran kein Mangel. Tyrolt entfernte sich schnell. Er beneidete den Arzt nicht um sein Amt.

Eine halbe Stunde später Neumann hatte gerade Zeit, die Uniform seines Herrn ober­flächlich zusammenzunähen setzte sich das Re­giment wieder in Bewegung.

Hauptmann Bergetström begrüßte seinen Offizier mit einem Handschlag. Er mußte sich mit der Linken begnügen, den dieser trug den rechten Arm in einer Binde. Obgleich die Schmerzen nachgelasien batten, war er außer Stande, irgend etwas zu f aff en oder zu halten.

Wir beide nehmen uns gut aus," lachte Ber- getström, auf feine Bandage am Vein zeigend. Zwei Invaliden an der Spitze der Kompagnie. Aber das tut nichts. Im Kriege sind Schön­heit und Eleganz Nebensache." ' *

In langen Marschkolonnen rückten die Hun­dertachter in das Tal von Letanne. Die Bayern hatten tüchtig von den Höhen hinabgepfeffert. Der ganze Weg und die angrenzenden Felder waren von den gefallenen Franzosen dicht be­säet wie roter Mohn schimmerten überall die historischen Rothosen aus dem Grase und dem Getreide. Trümmer aller Att, Kadaver von Pferden Gepäckstücke, Leichen machten die Chausieen fast unpassierbar.

Leutnant Tyrolt marschierte unverzagt an der Spitze seines Zuges. Als der Befehl tarn, dar Dorf Villemortry zu nehmen, trat eine

netzes so zu leiden gehabt, wie Messina. Ihre Nebenbuhlerinnen sind gewachsen, Palermo vor- allem und Catania, und Messina, einst unbe- 4 getüm an den vier Ecken." Der kunstarme Ein­stritten die Handelsmetropole Siziliens, hat inj druck von Messina wird aber dadurch wesentlich den letzten Jahrzehnten zurücktreten müsien. I noch verstärkt, daß Erdbeben, Kriege und Kata- Aber noch heute spielen dieApfelsinen aus Mes- 1 strophen aller Art sich hier vereinigt haben um fina" in Deutschland ihre Rolle. I die künstlerischen Ueberreste des Altertums zu

Das Meer bildet das Lebenselement Mes- I zerstören. Aus der Antike ist überhaupt kaum sinas das Meer hat die Stadtanlage be- I noch etwas erhalten;/im Dome stehen ein paar stimmt.. Am Strande entlang zieht sich die.1 alte Tempelsäulen. Die Kirchen aus der Nor- Marina, die heute natürlich Corso Vittorio I mannenzeit sind nicht bedeutend und im Ver- Emanuele genannt wird; und ihr Parallel- geht I fall; durch die Kirche des normanni'chen die Hauptstraße, die die Stadt durchzieht, die I Nonnenklosters S. Maria della Valle das höher Via Garibaldi. Die Schmalheit des Geländes I hinauf in den Bergen liegt, hat mitten hindurch hat zu breiten Straßen, zu majestätischen Platz- I eine Fiumara ihren zerstörenden Weg genom- anlagen in Messina wenig Raum gegeben; bald | men und gewaltige Schuttmasien darin ange- werden die Straßen eng, winklig, unregelmäßig I häuft, die bis zum Ansätze der Spitzbogen rei- und klettern die Höhen hinan. Da oben liegt I chen. Der Dom reicht freilich in seiner Ent- das Hinterhaus von Messina die Fasiade der I stehung bis auf die Normannenzeit zurück, aber, Stadt ist dem Meere zugewandt o-er, so muß I bei der Totenfeier Konrads IV 1254 durch man leider sagen, sie war es. Diese Fassade der I Flammen verwüstet, später wiederholt durch Stadt bildet der erwähnte Corso Vittorio I Brand und Erdbeben beschädigt und immer wie- Emanuele oder, wie er mit seinem geschichtlichen I der restauriert und Modernisiert bietet er heute Namen heißt, la palazzata. Die Geschichte der I nur noch wenige Reste alten Kunstschaffens. Palazzata ist nicht zu trennen von der Geschichte I Er ist auch nicht als Baudenkmal berühmt, son­der Erdbeben, die Messina heimgesucht haben. I dern als der getreue Hüter des angeblichen Brie- Als die Stadt im Jahre 1783 durch das große I fes, den Maria dem'Apostel Paulus auf seine Erdbeben in Trümmer und Schutt verwandelt I Reise mitgegeben haben soll. Der Brief ist ein war, da wurde auf Regierungsanordnung diese I Ereignis des berüchtigten Urkundenfälschers Palazzata als die Schmuckseite und Glanz- I Laskaris, aber er hat nichtsdestoweniger den fasiade Messinas errichtet: eine Perlenschnur I Anlaß zu der leidenschaftlichen und intensiven großartig gedachter, völlig gleichmäßiger,-von I Madonnenverehrung gegeben, die in Messina Säulen getragener Paläste. Die Palazzata bil- I getrieben wird. DieMadonna della Lettera"

det den Stolz der Mesfinesen, die sie als das I ist die Königin der Stadt, und ihr in einem

achte Weltwunder rühmten aber fertig ge- I eigenen Gemache am Dome aufbewahrter Schatz

worden ist sie nie. Es blieben Lücken bestehen, | ist überreich an Kostbarkeiten. Dieser Schatz

und über das zweit« Geschoß ist niemals hinaus- I hat alle Revolutionen, alle Kriege, alle Erd- gebaut w,orden. Allein auch in ihrer Unvoll- I beben überdauert, während Werke echter Kunst ständigkeit gab di« Palazzata immer einen be- I in der Stadt rar geworden sind. Auch neigt wohl

deutenden, fa großartigen Anblick, besonders, I der Sinn der Messinensen selbst eher zum" sonder-

wenn man sie. der Stadt sich nähernd, aus eini- I baren, als zum künstlerischen Solch ein sonder- ger Ferne sah. Ihr künstlerischer Wert war I bares Erzeugnis ziert z. V. den Domplatz- ein

freilich beschränkt. Eine Heimstätte der Kunst Brunnen des Montorsoli, eines Schülers

ist Messina überhaupt nicht zu nennen. Wohl I Michelangelos, wo sich zu den drei Flußgöttern hat es sich eines schönen Künstlernamens zu des Nils, Tibers und Ebros die Gestalt der rühmen: das ist jener Antonello von Messina, I Eamara, des Bächleins von Mesiina gesellen von dem die lleberlieferung berichtet, daß er I muß! Auch im Lokalpatriotismus kann man die Technik der Oelrnalerei zuerst in Italien I des Guten zu viel tun eingeführt habe. Darum haben die Gelehrten I Das Leben in Messina? Dem oberflächlichen sich gar sehr gestritten, und sie streiten noch I Blicke des schnellen Reisenden biet-t es zunächst darum; aber ein feiner Künstler ist Antonello I wenig Charakteristisches. Sizilien hat nur drei unter allen Umständen sicher gewesen, und im I große Städte: Palermo, Catania und Messina Kloster S. Gregorio wird von ihm ein schönes I Diese Städte haben den Vorzug das wenigstens Altarwerk voller Innigkeit und Farbenpoesie die belebteren Straßen und die'Hauptplätze aufbewahrt. Allein sonst steht es, wie gesagt, I leidlich sauber gehalten sind Hier entwickelt um die Kunst in Messina nicht zum Besten. I sich denn auch ein eleganteres, großstädtisches Man bemerkt jene Verwilderung des architek- I Leben. Wie zu jeder größeren italienischen tonischen Sinnes, die schon Neapel beleidigt. I Stadt, so gehört auch zu Messina der Corso Der Welch ein Monstrum ist nicht der Turm von I Italiener gebt ja nicht svazieren sondern wenn S. Gregorio! Er sei mit Zimmermanns Wor- I er nicht gezwungen ist,spazieren zu gehen" so ten geschildert:Auf einem quadratischen Unter- fährt er. Und seinen Wagen muß er auch dann bau von bescheidenen Renaisianceformen, der haben, wenn er zu Hause nichts zu essen hat als noch dem ursprünglichen 1542 errichteten Bau I getrockneten Fisch und eine Brotrinde Das ist

«Rachvrttck verboten.) I Während die Bayern an dem Pachthof vor- I überzogen, sammelte sich das ganze 108. Regi- lllttfr Echtheit I ment auf dem Obstgarten-Terrain, und mit dem

' ", , I ersten Bataillon traf auch die Sanitätskolonne

Roman von Karl Matthias. I ein, während die Schützen mit Fleiß an die Auf-

(Fortsetzung.) I räumung der inzwischen abgebrannten Gebäude

-tv,, o- _____- - . t. I gingen. Unter dem Schutt fand man keine Ver-

^VMgslos lag er da, I mundeten, sondern nur Tote. Der Stabsarzt

TV?1 se9ert I welcher sich eingestellt, hatte genug mit den

feinen Willen hu,chten die Bilder der Bergan- Vlesiuren der Kämvier tu tun In einer Ba-

genheit, durch Pumarquetts plötzliches Etschei- I tmfe hatte er feine Klinik aufgeschlagen. Auch

nen in die Erinnerung gerufen, an seiner Seele Tyrolt ließ sich dorthin geleiten

® rr,eL I Doktor Reiter untersuchte die Schulter mit

Zwei Tage nach seiner Abreise von Bazeilles I Aufmerksamkeit.

war er in Reichenbach eingetroffen. Dort sand I .Hm, zerschlagen ist nichts," sagte er gemüt- er seine Eestellungsordre bereits vor. Nur I lich,aber Sie müsien dennoch niederträchtige wenige Stunden konnte er bei seinem alten Va- I Schmerzen ausgestanden haben. Da stecken Sie ter, seiner teuren Mutter verleben, dann nah- I sich einmal einen Tabak an, damit Sie etwas i men sie unter Segenswünschen und Tränen I zwischen den Zähnen zum Beißen haben. Ich neuen Abschied, und er begab sich nach Dresden, I muß die Schulter einrenken, und das wird einen wo er sich beim Kommando meldete und sofor- I tüchtigen Ruck geben." |

tigen Marschbefehl empfing. Das Schützenregi- I Tyrolt tat nach dem Willen des Arztes, ob- ment 108 befand sich bereits am Rhein. Am I gleich er durchaus keinen Appetit zum Rauchen Vorabend der Schlacht bei Weißenburg erreichte I verspürte.

«r seine Truppe und marschierte mit ihr ge-Also ist keine Gefahr dabei?" fragte er mit meinscim über die französische Grenze. Erst bei I Ergebenheit.

Beaumont erlitt das Regiment Einbuße an IVielleicht Gefahr infolge der Entzündung. Offizieren wie an Mannschaft. So war Tyrolt I Die Kugel ist ganz aus dem Gelenke; die trotz der anstrengenden Märsche gesund geblie- I Zerrung der Bänder bereitet Ihnen die kanni- I ben; nut die Seele litt unter den Eindrücken, I balischen Schmerzen. Brennt die Zigarre?" welche er bei seinem Abschied von Desiree mit IIch glaube ja." I

sich genommen. Mit dem Betteten des französi­schen .Bodens war er für immer von der Ee-

in Messina wie in Rom, und in Rom, wie in Neapel. Also des Nachmittags von 4 bis 5 um diese Jahreszeit sieht man ach? sah man? die Krähen von Messina spazieren fahren, und man grüßte, nickte, flirtete, nahm wohl auch in einer Konditorei einen Sorbetto zu sich und fuhr dann befriedigt wieder heim. Sieht man näher zu. fa entdeckt man unter dem Ober- flächengefichte einer Hafenstadt, wie es viele gibt, hier etwas anderes: das schon halb afri­kanische Element. Betrachte diese Männer: Schneegans hat sie vorzüglich geschildert ihre Augen schauen finsterer, als die der Italiener vom Festlande, mit einem Ausdruck von düsterem Stolz und zugleich von lauernder Schlauheit; die Eeberden sind heftiger, als wäre dieses Volk jeden Augenblick zum Kampfe bereit, als lebte es in einer fortwährenden Aufwallung von tobender Leidenschaft. Und dann Vie Frauen! Das sind nicht mehr die schlanken Wei­ber von Capri oder Sorrent mit ihrem stolzen Gange und ihrem edlen Profile; das sind halbe Afrikanerinnen, von dunkler Hautfarbe mit aufgeworfenen Lippen: ihr Kopf ist von einem schwarzen Tuche bedeckt, unterwürfig, oeduckt, wie von Sklavinnen sind Haltung und Beweg­ung. Die Wahrheit zu sagen, es ist ein unheim­liches Volk und dennoch ein Volk zugleich cutt- unzerbrechlicher Stärke. Phönizier und Griechen, Karthager und Römer, Araber, Normannen. Franzosen und Spanier sind- über dieses Volk dahingegangen, allein in zähem Widerstande hat es sich gehalten. ; Das hat ihm auch den Zug des Mißtrauens, des lauernden, wird würden heut« vielleicht sagen: der passiven Resistenz ausge- drückt. Schiller hat es,mit wenigen Worten trefflich gekennzeichnet:Wir gehorchen, aber wir bleiben stehen." ;_

Allein laßt uns im Gewimmel dunkler, enger Gassen entrinnen und zur Höhe emporstreben. Etwa hinauf nach den neuen Campo Santo. Da liegt Messina und sein Hafen, das Meer und di« Meerenge unter uns, und drüben vom Festlande werden die weißen Häuser von Reggio sichtbar und di« Höhen von Äspromonte garibaldifchen Angedenkens. Eine Wahlstatt der Geschichte breitet sich vor deinen Augen aus. Hier sind Griechen gelandet und Römer. Hier haben die Normannen zuerst ihren Fuß auf die sizilische Erde gesetzt, hier haben sich die Anjous blutige Köpfe geholt. Hier ist endlich mit zuerst das neapolitanische Joch abgeworfen worden. Eine Wahlstatt der Geschichte und eine Wahlstatt bet Natur. Immer wieder stürzen sich des Vulkans wilde Gesellen auf die unglückliche Stadt an der Strafte von Reggio. Doch leichter als in früheren Jahrhunderten heilen heutzutage solche Wunden zu. Schon regt sich überall in der gesitteten Welt der Anteil für die heimgesuchte Stadt und deutsche Kriegsschiffe sind auf dem Wege. Hilfe zu bringen. Möge sie Messina ganz und schnell zu Teil werden?

IW* 1 Gedenket bet hungernden Vögel? -w:

Verantwortlich für die Redaktion: Dr. phil. Carl Hitzeroth in Marburg.

ernste Attion ein. Von den Preußen war beim Sturm das 96., 86. und 71. Regiment, von den Sachsen das 101. und 108. Regiment beteiligt. Letzteren fiel die Aufgabe zu, die Franzosen aus dem unteren Dorfe zu vertreiben. Diese, ins­besondere die Mattnetruppen wehrten sich mit Löwenmut, und fingen erst an zu weichen, als zwei bayerische Batterien eine westlich gelegene Anhöhe besetzten und, Geschoß auf Geschoß in die Gehöfte schleudernd, Haus für Haus in Brand steckten. Mit klingendem Spiel rückten die Hundertachter in die Dorfstraße ein; doch bald mußten sie aufs Neue zu den Waffen grei­fen. Während die französischen Soldaten sich vor den nie fehlenden Zündnadeln und den bayerischen Shrapnels flüchteten, schickten sich die Bauern an. ihre Häuser zu verteidigen. Aus Fenstern und Lucken, von den Dächern und aus den Kellerlöchern schollen sie auf die vorbei­ziehenden Sieger. Die Folgen dieser wahnsin­nigen Tai blieben nicht aus. Die Franktireurs wurden niedergemacht, ihre Häuf« eingeäschett. In Mouzon wurde endlich angesichts des Fein­des Biwak bezogen.

Leutnant Tyrolt batte nach langem Suchen in dem zusammengeschossenen Schulhause einen Platz gefunden, um nach den Strapazen des Ta­ges auszuruhen, so zu sagen unter freiem Him­mel, denn das Dach war zerstört und klaffte weit auseinander, den feinen Sprühregen, der sich gegen Abend eingestellt, freie Bahn lastend. Dennoch war dem Totmüden der etwas abge­legene Ort hochwillkommen. Nach dem anstren- genden Marsche, ben ausgestandenen Schmerzen, nach der Aufregung des Kampfes mit allen sei- nen Greueln und Schrecken fühlte er sich wie zerschlagen. Nur nach Ruhe lechzte et.

(Fortsetzung folgt.)