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Zweites Blatt

Jahresnmschau im Auslände.

sein

der und

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilage«: .Merarischrr Ameigrr«,Kaudwirlschaftliche Keilage- undIUttstriertes Ksrmtagsdlntt«. '

der alte Tütkenfeinri Ruhland. Während die. ses durch seine eigene prekäre Lage noch auf lange Zeit hinaus zur Ohnmacht verurteilt ist, hat die geschickte englische Diplomatie es in über­raschender Weise verstanden, aus der Not eine Tugend zu machen. Auf einmal verkünden ihre I Friedens- und Presseapostel, dah die Feindschaft I Albions nie dem türkischen Volke, sondern dem I verrotteten absolutistischen Regiment des Sul- I tans gegolten habe. Dieses aber habe sich vor I allem auf die deutsche Freundschaft gestützt und I nur deshalb zum Schaden der Türkei sich so | lange halten können. Doch in gleich umsichtiger I Weise wie England setzte auch Oesterreich-Un- I garn, die heute an den Balkanfragen am meisten I interessierte europäische Großmacht, ein und zog I aus der veränderten Lage am Bosporus seine I Folgerungen. In kluger Erkenntnis dieser | Lage verzichtete die österreichische Diplomatie I auf ein weiteres Vordringen im türkischen I Lande, zog sogar seine Truppen aus dem Sand- I schak-Rovibazar zurück und beschränkte sich I darauf, die ihr seit dreißig Jahren anvertranten I Annenonsländer, Bosnien und die Herzegowina I die tatsächlich einen Bestandteil der habsburgi- I schen Monarchie bildeten, auch formell als ihren

Besitz zu erklären.

I Ebenso machte sich auch der Koburger auf dem bulgarischen Throne, Fürst Ferdinand, die An-

I fertigtet der neuen türkischen Verhältnisie und I die Unsicherheit der Mächte in der Beurteilung I dieser neuen Lage zunutze und erklärte die Un­abhängigkeit seines Landes und der mit ihm ver­bundenen autonomen türkischen Provinz Ost-Ru- melien. Kein Wunder, daß setzt erst recht die englischen Freundschaftsbeteuerungen ein offenes Ohr in Konstantinopel und allen größeren Städten des weiten osmanischen Reiches fanden. So stehen auch heute noch die Dings in dem großen, das Jahr beherrschenden Konflikt auf der politischen Westenbühne, bei dem die klei- j rieten Balkanstaaten, soweit sie sich zum Mit- ! reden verführen ließen. Serbien und Montene­gro, eine mehr lächerliche als beachtenswerte Rolle spielten. Die Konferenz, die trotz aller Schwierigkeiten kommen wird, wird kaum noch mehr zu tun vorfinden, als die Erweiterung des habsburgischen Staatsgebietes und die Unab- I hängigkeft Bulgariens anzuerkennen und im I weiteren die endgültige Aufhebung des Boykotts zu erzwingen. I

Wahrend so nach außen hin die uns befreun- j riete und benachbarte Doppelmonarchie einen er- I freulichsn Machtzuwachs zu verzeichnen hat, ist I nach dem anfänglichen Stillstand in dem ewigen I Nationalitätenhader der alte Haß der Tschechen I gegen ihre deutschen Mitbürger und Kultur- I bringer von neuem aufgeflammt und hat im | alten deutschen Prag, der Wiege der deutschen I Universitäten, wüste Orgien gefeiert. Am Abend I des Kaisersubiläums, am 2. Dezember, das als I ein Versöhnungsfest für die unter dem milden I Szepter des greisen Monarchen lebenden Völker I gedacht war, mußte zum Schutze des Deutschtums | in Prag das Standrecht erklärt werden, und der I Scharfrichter feinen Einzug halten. Erzherzog I Franz Ferdinand aber, dem weite deutsche Kreise I in Oesterreich mit einem gewissen Mißtrauen be- I gegnen, wird es den Tschechen nichi vergesien, I

Weniger erfreut über diese Erweiterung türkischen Machtfülle sind dagegen England

Zur Verkehrssi^erhcit in den Straßen der G oM Ae.

lieber die ungenügende Verkehrssicherheil und die vielen Unglücksfälle in den Straßen der großen Städte ist wiederholt und eindringlich Klage erhoben worden im Landtag, sowie in der Presie. Die Klagen nahmen zumeist speziell auf Berlin Bezug, es ist aber nicht zu bestreiten, daß auch in anderen Städten mit großer Bevöl­kerung, engen Straßenanlagen und angespantem Verkehr die gleichen Uebelstände bei derStraßen» benutzung wie in Berlin hervorgetreten sind, wenngleich die Zahl der Unfälle in kleinere» Städten vielleicht nicht so groß ist wie in riet deutschen Reichshauptstadt . Jedenfalls erschein« es angebracht, daß die in Berlin eingeführten

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Jch wüßte nur einen in der Stadt, den ich hin­zuziehen möchte."Und der wäre?" In den Augen des Kommerzienrats glomm es wie eine Ahnung auf. Der alte Arzt zögerte einen Mo­ment und sagte dann mit fester ruhiger Stimme: Dieser eine wäre Professor Rothenbach!" Hellborn taumelte bei riet Nennung dieses Na­men einen Schritt zurück als habe er einen Schlag erhalten. Sein ohnehin blasses Gesicht wurde jetzt leichenfahl.Niemals," stieß er dann dumpf hervor,niemals! Der Mann kommt

dann das immer drohender sich erhebende Ge­spenst von einem Aufstande in Indien, dessen Gelingen mit einem Schlage riet britischen Welt­herrschaft ein Ende bereiten könnte. Auch ie Aegypten sieht sich die englische Herrschaft mehr als je bedroht, seitdem rite Türkei aus ihrer Le­thargie erwacht ist, und bei weiterem Fortschrei­ten ihrer Entwickelung eine Anlehnung rie, ägyptischen Vizekönigtums an seinen Souzerä» in Konstantinopel zu erwarten ist, mit dessen vorzüglichem und anspruchslosen Heere die ver. wöhnten englischen Soldaten wohl kaum im Kampfe gut abschneiden dürften.

In Amerika, Ostasien und in seiner eigenen Kolonie Australien hat England im letzten Jahre bedeutend an Ansehen eingebüßt, seitdem die Vereinigten Staaten es durch die glückliche Fahrt ihrer großen Armada um ganz Amerika herum und über den Stillen Ozean hinüber nach Australien, den Philippinen. Japan und China verstanden haben, aller Welt vor Augen zu füh. ren, über welch gewaltige Machtmittel sie ver­fügen. Sie haben dem gelben Stamm imponiert und gleichzeitig an riet Westküste Amerikas und in Australien, überall, wo dort Europäer eine neue Heimat gefunden haben, einen Schrei riet Erlösung ausgelöst. Denn der Abschluß des jo- panisch-englischen Vertrages, riet Japan rien Sieg über Rußland erst ermöglichte, ließ in rien Herzen rien Stachel riet Empörung über diesen Verrat Englands zurück. Die Wahl Tafts zum Präsidenten an Stelle ries zurücktretenden Roose­velt wird an dieser energischen imperialistischen Politik Nordamerikas nichts ändern.

In den anderen Staaten und Ländern haben sich besonders weltbewegende Ereignisse, soweit sie nicht bereits in den Rahmen riet oben ge­schilderten Vorgänge mit einbezogen sind, nicht vollzogen. Nur des unseligen Königsmordes in Portugal zu Beginn des Jahres wollen wir noch gedenken, da von ruchloser Hand Vater und Sohn dahingeschlachtet wurden, sodaß ein kaum dem Knabenalter entwachsener junger Mann den Thron seiner Väter besteigen mußte. Don Ma. nuel schickt sich jetzt an, durch eine Rundreise an rien europäischen Höfen Beziehungen mit rien Ländern anzuknüpfen und durch den Abschluß von Verträgen die seinem Vaterlande geschlage. neu Wunden wieder zu heilen.

mir nicht über rite Schwelle!"Starrkopf," brauste nun riet alte Arzt auf.So wollen Sie also lieber Ihr Kind verlieren?" Der Kom­merzienrat zuckte zusammen.3a, wollen Sie das?" fragte Hofer mit unbarmherziger Ein­dringlichkeit. Des Kommerzienrates blasse Lippen bebten, brachten aber keinen Ton hervor Herr Kommerzienrat, ich bin alter Mann und übe, wie Sie wissen nut noch wenig Praxis aus. Professor Rothenbach ist aber noch jung, er steht mitten im Berufsleben, ist mit riet Neuzeit fort­geschritten und eine Kapazität ersten Ranges. Noch einmal, wenn jemand Hilfe bringen kann, so ist es Professot Rothenbach. Wollen Sie sich wirklich aus kleinlichen Gründen riet- Möglichkeit berauben. Ihre Tochtet am Leben zu erhalten!" Kommerzienrat ftellborn entgegnete fein Wort' die schmalen Lippen festgeschlossen, schritt et zum Schreibtisch und drückte auf rien Knopf einer Elocke. Wenige Augenblicke später öffnete sich rite Tür und ein alter Diener erschien.Herr Kommerzienrat befehlen?" fragte er respektvoll. Der Blick ries Kommerzienrates bohrte sich für euren Moment in das Antlitz ries alten Arzt«, Friedrich soll sofott mit dem Automobil vor- fahren " stieß er dann zu dem Diener gewenriet mit heiserer Stimme hervor. Die Tür schloß R*

«. (Nachdruck verboten.)

Schwer errungen

1 Weihnachtserzählung von O. Leerie.

In lustigem Wirbeltanz rieseln die schim­mernden Flocken vom blaugrauen Himmel her­nieder auf die froststarrende, träumende Erde und hüllen sie sorglich in ihren weichen, weißen Pelz. Obgleich die Kirchturmuhr erst eine noch ziemlich frühe Vormittagsstunde verkündet hat, eilen die Menschen in den kleinen, winkeligen Straßen riet Stadt doch schon hasttg und mit Paketen beladen an einander vorüber, denn heute ist Weihnachtstag und da gilt es noch gar vieles zu besorgen, damit es im Augenblick bet Bescherung an nichts mangele. Auf allen Gesich­tern liegt festfrohe Stimmung; her heilige Abend wirft bereits feine Eliicksstrahlen voraus in rien trüben schneereichen Dezembermorgen. Auch draußen in der eleganten Vorstadt, deren Villen von den Angehörigen der oberen Zehn­tausend bewohnt werden, zeigt sich heute mehr Leben als sonst. Die vornehme Ruhe, rite für gewöhnlich durch nichts unterbrochen wird, ist einem geschäfttgen Hin- und Hergehen von Die­nern, Postboten und Austrägern gewichen und auch drinnen in den behaglich luxuriös einge­richteten Räumen riet einzelnen Hauser herrscht Weihnachtstrubel und Weihnachtsjubel . . . Nur in einer mit besonderem Geschmack erbauten und Inmitten eines weitläufigen Parkes gelegenen Villa, die sich im Besitz ries reichen Kommerzien­rats Hellborn befindet, ist von der Vorfreude, die alle Welt ergriffen hat, nichts zu bemerken. Scheu und mit verstörtem Antlitz schleichen die Bedienten auf den läuferbedeckten Korridoren , »mhet, »bet im erste« Stock aber, in einem zart j

I meine Kunst zu Ende. Ich ich fürchte das I Schlimmste." Die zitternde Hand des Kommer- I zienrates umklammerte in namenlosem Schmerz I den Arm des Arztes und ein leises Stöhnen brach aus seiner Brust hervor. Die Kranke, die in ihrem Fieberdelirium zwar nichts von dem geflüsterten Gespräch vernommen hatte, begann jetzt wie zur Bestätigung der Worte des alten Mediziners wieder unruhiger zu werden, sodaß die Diakonissin ihr noch größere Aufmerksamkeit als bisher schenken mußte.Fassen Sie sich," flüsterte Sanitätsrat Hofer dem unglücklichen

! Manne zu, der verstört mit schlotternden Knien und schmerzverzogenem Antlitz dasaß.Kom­men Sie. Herr Kommerzienrat, kommen Sie mit ins Nebenzimmer, ich habe einige Worte mit Ihnen zu reden. In der Umgebung der Kranken hier muß unbedingte Ruhe herrschen." Damit führte er den völlig Willenlosen in ein luxuriös ausgestattetes Nebengemach. Hier aber verließ rien Schwergeprüften die bisher noch einiger­maßen ausgeübte Selbstbeherrschung, er sank in rien Sessel und begann laut aufzuweinen wie ein Kind. Der Sanitätsrat legte feine Hand auf rien Arm Hellborns. .Man soll nie die Hoffnung verlieren, solange noch ein Atemzug in der Brust eines Menschen ist," sagte er mit vor Anteilnahme bebender Stimme.Wenn ich vorhin äußerte, meine Kunst sei zu Ende, so ! habe ich damit noch nicht gesagt, daß es nicht einer jüngeren Kraft, einer Kapazität, gelingen könnte, die Kranke zu retten. Kommerzienrat Hellborn sprang auf.Nennen Sie mir jeman­den, Santtätsrat," rief er ausnennen Sie mir jemanden, bet Mann mag fordern, was et will, nut mein Kinb, meine Ilse soll et mit ethal- I ten." Santtätsrat Hofer schaute ernst auf ben I in wahnsinniger (Erregung vor ihm Stehenden. |

Zu Beginn ries jetzt zur Neige gehenden Jah­res hatten wir darauf hingewiesen, daß die Siloesterglocken in der uns verbündeten Habs­burger Doppelmonarchie, die das alte Jahr zu ©rabe läuteten, gleichzeitig auch den ersten Ton zu bet großen Jubelfinfonie angegeben hätten, die ben greifen Kaiser Franz Josef am 2. De­zember umbrausen würbe. Dieser Wunsch ist er­füllt. und biefer monarchische Jubeltag ist gleich­zeitig aber noch ein Festtag für bas neue unb kroßere Oesterreich-Ungarn geworben. Unter dein Einflüsse bes energischen und tatkräftigen Thronfolgers, Erzherzogs Franz Ferdinand, der sich tenerfeits auf die starke zentralistische christ- tich-sozlale Partei stützt, ist die seit langem im Innern wie nach außen stagnierende österrei­chische Politik zu neuem aktiven Serien erwacht. Dem Ministerpräsidenten Frhrn. von Beckh ge­lang es, gestützt durch das Vertrauen des Thron­folgers, geraume Zeit hindurch rite inneren na­tionalen Zwistigkeiten hintanzuhalten, so daß dem geschickten Minister bes Aeußern v. Aehren- thal fern Vorgehen auf bem Balkan erleichtert wurde. Zunächst rechnete man in Wien noch mit einem weiteren Fortbestände des lethargi­schen Zustandes der Türkei und unternahm zu­nächst. das österreichische Bahnnetz durch den von österreichischen Truppen besetzten Sandschak- Novibazar hinaus bis nach Saloniki zu ver­längern. Die nach außen gelähmte russische Po­litik empfand diesen Vorstoß ihres glücklichen Rivalen auf dem Balkan als eine schwere Nie­derlage, klagte über die Verletzung des Mürz- steger Abkommens, das rieibe zur Achtung bes Status «suo auf bem Balkan verpflichtete, unb stellte der österreichischen Norb-Südbahn durch rite Türket bas Adriariahnprojekt von Ost nach West durch das Land des Pabischah entgegen.

Doch Oesterreicher wie Russen hatten bie Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die etwas zu sichtliche Erschließung ihres Landes durch fremde Konkurrenten öffnete den Türken die Augen darüber, daß die Stunde der Entscheidung über ihren weiteren staatlichen Fortbestand geschlagen habe, und die riesten Männer bes Volkes, die in I der Türkei von jeher aus bem Heer hervorge- j gangen sind, erfaßten rechtzeitig bie Bedeutung I dieser Stunde und rissen mit dem Rusedie Türkei den Türken" das ganze Volk mit sich fort. Auch ber Pabischah selbst konnte sich diesem ein- I mutigen Rufe des Volkes und des Heeres nicht | widersetzen. Dem Deutschen Reiche und auch I Frankreich, die in den Vallanfragen im allge- I meinen ürieteinftimmen, fiel ihre Stellungnahme zu den neuen Ereignissen nicht schwer. Der Um- I schwung in der Türkei stellte sich immer mehr I als eine Verstärkung ihrer Machtstellung heraus, | bie ben beiden Staaten aus wirtschaftlichen wie I aus politischen Gründen nur erwünscht konnte.

daß st« seiner ersten politischen Tat gerade im schwersten Augenblicke ihrer Entscheidung der, artige Hemmunaen bereiten wollten. Rach dieser Seite hin haben sich also bie Tschechen ins eigene Fleisch geschnitten.

Die zweite große Frage, die die Weltpolitik I des Jahres bewegte, die marokkanische, ist ihrer I Entscheidung um ein gut Stück weiter entgegen, I gegangen. An Stelle des unfähigen und schwa- I chen Abdul Asis, der zuletzt nur noch ein mitten* I loses Werkzeug in der Hand der französischen I Machthaber darstellte, ist endgültig bes Thrones I entsetzt, unb für ihn sein tatkräftiger, energischer I unb im Volke beliebter Bruder Muley Hafid I zum Sultan ernannt worden. In dem großen I todesmutigen Kampfe der marokkanischen Reiter I gegen ben Oberst Taupin, sechs Kilometer vor

Casablanca, hatte sich sein Schicksal entschieben. Er wurde der erftärte Liebling der marokkani­schen Freiheitskämpfer, und die geschickte Politik des bewährten deutschen Gesandten Dr. Rosen hat ihm den Weg zum Throne cfleid)tett unb gesichert. Jetzt handelt es sich nur noch um die Form der Usberweisung bet Anerkennung der Mächte. Auch diese Form wirb gefunben wer-

I rien; der Unabhängigkeitsfinn Muley Hafisss unb bie Umsicht unteres Gesandten in Tanger werben es zu verhüten wissen, daß ber franzö­sische Einfluß in Marokko überbanb nimmt, und das Laub zu einem rein französischen Interessen­gebiet herabdriickt.

Balkanpolitik unb Marokkopolitik waren die - beiden großen Stücke, bie sich aus ber offenen Bühne bes Weltentheaters arispielten. Die trei- benbe Kraft bagegen, bie sich hinter ber Bühne geltenb machte unb gewissermaßen bie anderen nur zur Belustigung ober zum Slerget bes Pub­likums vorschickte, das wat unb ist auch jetzt noch ber große Gegensatz zwischen Deutschlanb i und seinen Verbündeten einerseits und England unb seinen Trabanten andererseits. Man muß ehrlicherweise gestehen, baß England sich als bet Akteur von großer Routine erwiesen hat. Doch wollen wir gleich hierbei erwähnen, baß bie Routine an unb für sich ja ganz schätzenswert sein kann, ober am letzten Ende dürste doch nicht die größere Routine sondern der größere innere Wert und die mit ihm verbundene innere Kraft ben Sieg baoontragen. Das alte englische Prin­zip, die jeweils größte kontinentale Macht nicht I durch eigene Kraft, sondern durch festländische I Allianzen in Schach zu halten und möglichst zu I schwächen, soll diesmal, wie wir schon oft genug I betont haben, auf Deutschland angewendet wer« I den. Stets gingen diesen englischen Vernicht- | ungsschlägen eine Stimmungsmache schlimmster I Art gegen denWeltfeind" voraus. Während I England früher zum Kampf gegen das Handels- I monopolistische Holland, gegen bas jesuitische Spanien unb gegen ben furchtbaren Korsen auf- I rief, bläst es jetzt zum Angriff auf bie alles be- I unruhigenbe Waffengewalt des Deutschen Rei- I ches. Gleichzeitig wirb in England für die Ein- I führung der allgemeinen Wehrpflicht agitiert, da I man einerseits von einem Ueberfall durch I deutsche Luftschiffe träumt, andererseits aber von I den Freunden energisch um Sulfurs bei einem I etwa bevorstehenden Kampfe gegen bas massen- I gewaltige Deutschlanb ersucht wirb. Dazu kommt |

in Rosa gehaltenen Gemach sitzt ein alter, büster breinblickenrier Mann mit energischen Zügen

! unb schlohweißem Haupt- unb Barthaar am i Krankenlager seines einzigen Kinbes, dessen j

Eintritt in bie Welt ihn einst, nach kurzen Jah­ren des Glückes, der heißgeliebten Gattin be­raubte. Die Kranke, ein bildschönes Mädchen von etwa 19 Jahren, auf deren Wangen die Fierierrosen glühen, wirst sich unruhig auf dem Lager hin unb her, zuweilen abgerissene un­deutliche Worte vor sich hinmurmelnd 'Eine barmherzige Schwester ist unablässig bemüht, die Stirn ber Kranken, beten ungeordnetes, schweres I Haupthaar sich in goldenen Wogen über die Kis- I Fen ergreßt, zu kühlen. Der greise Hausarzt, der I an der anderen Seite des Bettes Platz genom- I men hat heftet feine Augen auf bas Antlitz ber I Fiebernden, legt das gutmütige, bartlose Antlitz I rn Falten unb schüttest leise den Kopf. Der I Sater bet Kranken hat diese Bewegung gemerkt I unb mit einem Ausdruck namenloser Ängst flü- I Pert er:Um Gottes willen, Sanitätsrat, was I haben Ste? - - ift - Gefahr vor- I Händen?" Der Angeredete schaut ihn einen Mo- I ment lang durch die scharfen Gläser seiner gol- I denen Brille an, während sich auf seinen Zügen I em unverkennbares Mitleid ausprägt; bann I NE et kurz unb stößt mit verhaltener Stimme I hervor:Allerbings Herr Kommerzienrat sogar I hohe Gefahr." Hellborn, dessen Blicke angstvoll |

Antlitz des Arztes gehangen haben, I schlagt die Hande vor's Gesicht und ein trockenes I schluchzen erschüttert seine gebeugte Gestalt, I Sanltatsrat Hofer ober hat sich leise erhoben, I unb »st zu bem unglücklichen Vater fetteten I ,,$etr Äommerjientat" raunt et,Sie wissen, I aufgeboten, Ihr Kind zu retten I

«bet jetzt - ich muß « offen gestehen, ist I

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