mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und de« Krilage«: „Kiterarischrr Ameiger", „ßandwirlschaftliche KeiLnge" <«d „Illustriertes K-mrtagsbtatt-.
Man avonn.erl aus die täglich erscheinende „Obertieisische A , ,
«2 *>nn Z.e'tung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in &c., bie Spalte« Zeile
J1SL OUU Kirchya,n und Wetter sowie bei unserer Expedition - Markt 21. °der beten Raum 15 Pfennig, sur Reklamen 30 Pfennig. — » hv
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Zweites Blatt.
Politische Umfchau.
Die Beiträge der Invalidenversicherung.
Sm Allgemeinen werden die Beiträge für die Invalidenversicherung derart entrichtet, daß die Arbeltgever die entsprechenden Marken in die Ouittungskarten kleben. Jedoch ist im Jnvali- denversicherungsgesetze auch eine andere Art der Beitragseinziehung vorgesehen und zwar derart, daß sowohl Krankenkassen als Gemeinden wie schueßlich auch besondere Hebestellen damit beauftragt werden können. Während früher nur wenige Versicherungsanstalten von der besonderen Beitragseinziehungsart Gebrauch machten, ’lufnme$r festzustellen, daß es keine einzige Anstalt mehr gibt, in der nicht wenigstens Versuche in der bezeichneten Richtung angestellt werden. Einige haben diese Einziehungsart sogar außerordentlich bevorzugt. So hat das Königreich Sachsen mit der Beitragseinziehung 2345 Stellen beauftragt und zwar 2305 Kranken- oder Knappschaftskassen und 40 gemeindebehördliche Stellen, Eroßherzogtum Hessen 958, darunter 908 Kaffen, Thüringen 907, darunter 831 Kassen, die Rheinprovinz 828, darunter 819 Kassen, Braunschweig 763, wovon nur 327 Kassen, 436 dagegen gemeindebehördliche Stellen sind, Württemberg 614, unter denen die letzteren gleichfalls und zwar mit 375 heroorragen, Baden 561, die sämtlich Kassen sind. Es darf also fest- tzestellt werden, dah namentlich die Anstalten der mittleren Bundesstaaten sich die Einziehung der Beiträge für die Invalidenversicherung durch besondere Stegen angelegen sein lassen, und von den preußischen Anstalten die der Rheinprovinz. Fast in allen überwiegt dabei die Tätigkeit der Kranken- u. s. w. Kassen, nur in Braunschweig und Württemberg sind es Gemeindebehörden oder andere von den Landeszentralbehörden be- zeichneteStellen, die hierbei in den Vordergrund) treten. Bei den übrigen Anstalten, von denen viele nur eine solche Einziehungsstelle haben, handelt es sich augenscheinlich um Versuche. Lediglich die Anstalt Hannover, die 121 solcher Stellen und darunter 120 Kassenstellen hat, scheint über das Versuchsstadium auch schon hinausgekommen zu sein. Anstalten, die besondere Äebestellen zur Beitragseinziehung eingerichtet Haben, gibt es zwei und zwar die der Rhein- pvvinz und die Thüringens. Jede von beiden hat aber gerade eine solche Hebestelle eingerichtet. Diese Art der Beitragseinziehung scheint also Hecht wenig Anklang zu finden . Insgesamt gibt es nach den neuesten amtlichen Ausweisen 7413 Stellen facher Stellen überhaupt. Davon sind 6415 Krankenkassen oder Knappschaftskassen, 996 Gemeindebehörden oder andere von von den Landeszevtralbehörden bezeichnete Stellen und 2 von Anstalten eingerichtete Hebestellen.
14 ' Ur. oercoicn
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
ifforyetzung.
„Natürlich werden die süddeutschen Staaten M Deutschland keinen Augenblick zögern, die Sache Frankreichs zu der ihrigen zu machen," hörte er den Maire sprechen. „Besser konnte ihnen die Gelegenheit, für 1866 Rache zu nehmen, gar nicht geboten werden. Ich bin ganz genau unterrichtet. Baden, Württemberg und Tirol stellen ein Armeekorps und rücken, sobald unsere Armee Luxemburg und den Rhein besetzt hat, über die Elbe und nehmen Brandenburg, Hamburg und Potsdam."
„Also »on Luxemburg aus soll die Operation beginnen?" fragte der Advokat Herr Devereux.
„Natürlich. Wir werden unsere glorreiche Armee wie eine Paradetruppe vorbeidefilieren sehen. Ich habe bereits alle Anstalten getroffen, um insbesondere die Spahi-Ofsiziere gut unterzubringen."
„Die Spahis sind doch in Afrika?"
„Fehlgeschossen f Man läßt sie den Zug nach Berlin mitmachen. Wie der Samum werden sie ihre Scharen über die Sandwüsten von Potsdam und Spandau ausbreiten und alles Lebende vernichten, bevor noch die große Armee die erste Schlacht geliefert."
„Einfach großartig," schmunzelte Devereux, die Hände reibend. „Was sollen aber die Bayern bei dem Kriege für eine Rolle spielen?"
„Eine heldenmütige," antwortete der Maire, die Wangen aufpustend. „Bayern war allezeit (|iu französisch gesinnt. Es wird mit den Sachen einen Streifzug nach der russisch-preußischen Grenze machen und den Barbaren in den Rücken fallen, während die Raubstaaten —"
„Welche Raubstaaten?"
Eteuerpflicht der Zigaretten.
Die „Berl. Korresp." schreibt: Rach einer vom Finanzminister im Einverständnis mit dem Reichskanzler (Reichsschatzamt) getroffenen Entscheidung sind auch Zigaretten, die von Zigarettenfabriken oder Zigarettengroßhandlungen unentgeltlich als Muster an Zigarettenkleinhändler versandt werden, nach den Bestimmungen des Zigarettensteuergesetzes und der dazu ergangenen Ausführungsvorschriften zu verpacken ; auf den Packungen ist ferner der Preis zu vermerken, zu dem die bemusterte im Kleinverkauf abgegeben werden soll, und die Packungen sind mit den diesem Preis entsprechenden Steuerzeichen zu versehen. Ob der Kleinhändler (der Empfänger der Mustersendung) die Zigaretten tatsächlich zu dem auf den Packungen angegebenen oder einem niedrigeren Preise weitergibt, oder ob er sie verschenkt oder selbst raucht, sowie ob er dem Versender den Fatturenpreis für die Zigaretten bezahlt oder nicht, ist ohne Einfluß auf die Steuerpflicht. Sind in einem Musterschächtelchen Zigaretten verschiedener Preislagen verpackt, so richtet sich die Höhe der Zigarettensteuer für eine solche Sendung nach dem Durchschnittswert, der sich aus den Klein- verkaufspreisen- der einzelnen Zigaretten be rechnet.
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Saatenstand in Preußen
für Mitte Dezember, wenn 2 gut, 3 mittel und 4 gering ist: Winterweizen 3,1 (im November d. I. 3,4); Winterspelz 2,5 (im November ds I. 2,6); Winterroggen 3,0 (im November d. I. 3,3); Winterraps und Rübsen 2,5 (im November d. I. 2,6); Stoppelklee 2,8. Die Statistische Korrespondenz bemertt hierzu: Die Ermittelung desSaatenstandes ist ausnahmsweise auf die Anordnung des Ministers für Landwirtschaft erfolgt. Anlaß hierzu hat der Witterungswechsel nach den im vormonatigen Berichte geschilderten ungünstigen Verhältnissen. Regen brachte Tauwetter bei milder Temperatur und damit neues Leben. Im Großen und Ganzen hat in dem Berichtsmonat ein nicht geringer Fortschritt stattgefunden; jedenfalls haben die Saaten an Widerstandsfähigkeit zugenommen, ließet die Wiederaufnahme der Bestellungsarbeiten und deren Beendigung wird vielfach, sogar aus Ostpreußen, berichtet. Da. wo Rückstände blieben, hofft man, sie noch erledigen zu können. Obgleich der junge Klee nicht in die Aufnahme der Wintersaaten gehört, ist er dennoch hier eingereiht. Sein Stand wird zum größeren Teil als zufriedenstellend bezeichnet. Vereinzelt hat man ihn noch schneiden und beweiben können. Von Schädlingen werden Mäuse vielfach im mittleren Staatsgebiete als verderblich bezeichnet, seltener in den westlichen Gegenden. In den Fürstentümern Waldeck und Pyrmont ergaben die Saatensta.'dsziffern bei Winterweizen und Roggen 3,5 bezw. 3,1, bei Winterraps und Rübsen 2,7, Klee 2,9.
„Nun die sächsischen Raubstaaten, so genannt, weil sie, an dem Meer liegend, Seeräuberei treiben."
„Aha! —"
„Diese sind bestimmt, den preußischen König in Ems aufzuhalten, damit et in Metz einge- spertt und unschädlich gemacht weiden kann."
„Aber vetzeihen Sie," untetbtach ihm Pte- rundaux, „was bleibt unter solchen Umständen für uns Franzosen zu tun übrig?"
„Wir? — Wir marschieren geradewegs nach Berlin," antwortete Herr Murlitton wichtig, „und stellen dort den Staat von 1809 wieder her."
„Ah," machte die ganze Gesellschaft sehr befriedigt. Keiner zweifelte, daß das Endresultat des Feldzuges genau so sein würde. Nur daß der Verlauf sich etwas in die Länge ■ ziehen könne, befürchtete man. Die Erfolge der Preußen von 1864 und 1866 gaben ein wenig zu denken.
;,So ist der Krieg also unwiderruflich beschlossen?" fragte ein junger Mann.
„In Paris ohne Zweifel," bejahte der Maire; „in Ems, wo sich der preußische König aufhält, denkt man vielleicht anders, und Herr von Bismarck wird versuchen, den Streitfall aus der Welt zu schaffen. Aber wir wollen einen ftöh- lithen, frischen Krieg, um den eroberungslustigen Prussiens einmal zu zeigen, daß sie eine militärische Null sind, sobald sie wirklichen Soldaten gegenüberstehen."
„3d) ahnte es," sagte Bourlier selbstzufrieden; „ich habe meine Anordnungen für den Kriegsfall getroffen."
Tyrolt vermochte nicht länger das ungereimte Geschwätz anzuhören. Er trat langsam zur Seite und begab sich in die Nähe seiner Braut.
Herr Prevendaux bemerkte seine Entfernung. „Aprobos, ist Ihr Direktor nicht auch ein Deutscher?" fragte er.
Marburg uno Umgegcno.
< Nachdruck aller Originalartiket ist gemäß § 18 be« Urheberrechts nur mit bei deutlichen Quellenangabe .Qberhess. Zig." gestattet.)
Wetunrq 21. Dez!'r.
* Obermufitmeister. Durch Kabinettsorder ist bestimmt worden, daß die Stabshoboisten, Stabshorniften und Stabstrompeter die Dienstbezeichnung Musikmeister erhalten und diese bei den berittenen Truppen daneben die Dienstbezeichnung Stabstrompeter weitersühren. Später können sie Obermustkmeistet werden. Der Titel Musikditigent wird nicht mehr verliehen. Die jetzigen Musikdirigenten führen die Dienstbezeichnung Obermustkmeistet. Zugleich wird eine neue Uniform für den Musikmeister eingeführt, die aus feinerem Stoff besteht und im Schnitt, sowie in den Abmessungen den Uniformen der Offiziere gleicht.
* Vom Winter. Daß der Winter nicht strenge werden wird, ist sofort allgemein gemutmaßt, als die ersten seht frühen Kälte-Erscheinungen schon im Ottobet kamen, wobei auf den Feldern und in den Gärtnereien so viel erfroren ist. Jetzt kommen die künftigen Wetterpropheten und teilen dies ebenfalls als ihre lleberzeugung mit unter dem Hinzufügen ,daß es im letzten Drittel vom Januar und Februar kritische Tage geben wird. Hingegen soll das Frühjahr seht ungemütlich werden. Das letztere werden wir abwarten müssen; denn in der Regel rechnet man auf einen milden Winter keinen rauhen Frühling, sondern einen kühlen Sommer.
Biedenkopf, 19. Dez. Zur Bewältigung des Reiseverkehrs auf der Eisenbahn während der bevorstehenden Feiertage ist auch auf unserer Strecke ein Sonderzug eingelegt und zwar am 24. Dezember ab Kreuzthal 10.02, Erndtebrück 12.15. Laasphe 1.03, Amalienhütte 1.17, Wallau 1.22, Ludwigshütte 1.28, Biedenkopf 1.37, Wil- helmshütte 1.47, Friedensdorf 1.53, Karlshütte 2.00, Buchenau 2 06, Brungershausen 2.13, Caldern 2.20, Sterzhausen 2.27, Goßfelden 2.34, Sarnau 2.51, Cölbe 3.00, Marburg 3.07 an.
Au» de« Kreise Biedenkopf, 19. Dez. Mit der schon lange ersehnten Bahnverbindung zwischen dem oberen Lahn- und Dilltal ist man jetzt wieder ein gutes Stück vorwärts gekommen. Nachdem die Vermessungsarbeiten zwischen Oberscheld und Wallau beendet und die Ver- suchsschächte zur Zufriedenheit ausgefallen waten, fand in den letzten Tagen des November die landespolizeiliche Prüfung des Entwurfes statt. Die ganze Länge dieser Verbindungsbahn wird ungefähr 27 Kilometer betragen, davon liegen 20 Kilometer im Kreise Biedenkopf und 7 Kilometer im Dillkreise. Es handelt sich um ein Gebiet, in dem durch Hochöfen, Eisenstein- betgwetke und Steinbrüche schon eine xege Industrie herrscht, in der zahlreiche Arbeiter Beschäftigung finden. Auch die großen Holzbestände des Scheidet Waldes können dann besser
„Mit Nichten, et ist ein Oestetreichet."
„So! so! Nun, Oesterreich ist auch bestimmt, eine Rolle in dem bevorstehenden Kriege zu spielen," fuhr der Maite selbstzufrieden fori; „es wird unsere Operationen im Süden stützen und sottet Schlesien, Hannover und Nassau erhalten, welche Provinzen ihm 1866 geraubt wurden."
„Fürchten Sie nicht, daß Ihr Ditettor zum Kriegsdienste herangezogen wird, wenn Oesterreich mobil macht?" fragte Devereux.
„Ich hoffe nicht; es wäre mit sehr schmerzlich," entgegnete Bourlier.
„Haben Sie guten Mut," tröstete der Maite mit drolliger Wichtigkeit. „Im schlimmsten Falle lege ich ein gutes Wort beim östetrteichi- schen Oberkommando ein. Ich habe Verbindungen mit unserer Generalität."
„Ich hoffe, das wird gar nicht nötig sein," meinte Prevendaux. „Von Oesterreichs Teilnahme bei diesem Kriege ist gar nicht die Rede. Frankreich braucht keine Bundesgenossen."
„Auch haben wir noch nicht den Krieg," schaltete Bourlier ein. „Und nun, meineHerrschaften. wollen wir uns zu Tische begeben."
Der Dienet wat in der Tüt erschienen, um seinem Herrn anzuzeigen, daß das Diner gerichtet sei. Herr Bourlier bot seinen Atm der noch immer hübschen Frau des Maire, Prevendaux führte eine Madame Burtot, Devereux Frau von Tatandal; die jungen Männer bemächtigten sich der Fräuleins Virginie und Alice, so daß sich das Brautpaar wie durch einen Zufall zusammenfanden.
„Weshalb die ernste Miene, Geliebter?" rannte Desiree dem Fabrikdirektor zu.
„O, wüßtest Du, welchen seelichen Schmerz mir das politische Getratsch dieser Hohlköpfe verursacht. Es ist empörend, welche Feigheit, welchen Verrat sie von meinen Landsleuten erwarten."
■8a6 sie — sie sprechen, wie sie es verstehen."
nutzbar gemacht werden. Die Bahn soll im Frühjahr begonnen und in zwei Jahren fertig sein.
Ziegenhain, 19. Dez. Nach dem Ergebnis der Rechnung für das Jahr 1907 beläuft sich der Bestand an Einlagen bei der hiesigen Kreis» fparkasse auf 5 102 164,97 JL Am Schlüsse de» Jahres 1906 betrug der Reservefonds 2 97 665,74 1907 321 339,02 Jt, hat sich also vermehrt um 23 673,28 <AL
Frielendorf, 19. Dez. Mit berechtigtem Stolz blickt von jeher Frielendorf aus die schöne Pappelallee. Mit Stumpf und Stiel fällt diese soeben bis auf die letzte der Axt zum Opfer.
Kunst uno Wissenschaft
# Berlin, 19. Dez. Paul Lindau wurde zum ersten Dramaturgen der Königlichen Schauspiel» in Berlin ernannt.
Vermischtes.
Weihnachtsfeier im Walde. Eine Weihnachtsfeier, wie sie sich schöner wohl kaum denken läßt, veranstaltet auch in diesem Jahre die Charlottenburger Waldschule. Mitten im Wald, unter hohen Kiefern, ist die weißgedeckte Fest» täfel aufgestellt. Auf ihr steht eine mächtige, prächtig geschmückte Tanne, ringsum liegen reiche Geschenke, gestiftet von Charlottenburger Bürgern. Mit Einbruch der Dunkelheit werden am Weihnachtsbaum die Lichter angezündet. Die Kinder singen zu Eeigenbegleitung Weihnachtslieder und sprechen Weihnachtsgedichte, ein Lehrer der Waldschule hält die Festansprache. Dann geht's unter freiem Himmel zur Bescherung ,ber sich eine fröhliche, bis in den späten Abend hinein dauernde Kaffeetafel in de, Barackenräumen der Waldschule anschließt.
Sonntagsjäger: „Ich will ja alles gerne glauben, meine Herren — aber daß es Völker gegeben haben soll, die nur von der Jagd lebten, das ist undenkbar!"
Briefkasten der Redaktion.
. Z. Der den unbekannten Erben bestellte Nachlaßpfleger ist gesetzlicher Vertreter der Erben (88 1960, 1915, 1793 B. E. B.), demgemäß auch berechtigt, einen ausgesetzten Rechtsstreit fortzuführen, indem er dem Gegner von seiner Bestellung Anzeige macht. (88 246, Abs. 2, 243, 241 3. Pr. Ord.) — Ein durch letztwillige Ver» fügung bestellter Testamentsvollstrecker verwaltet den Nachlaß (8 2205 Satz 1 B. E. B.); er hat daher das Recht, eine zum Nachlasse gehörige Forderung gerichtlich geltend zu machen. (8 2212 a. a. O.)
Verantwortlich für die Redaktion: Dr. phil. C a c l H i tz e r o t h in Ihar bürg.
„Sie verstehen aber nichts. Sie kennen nicht Cecgraphie, nicht Geschichte, nur ihre nationale Eitelkeit. Sie sind wie Kinder."
„Nun, so betrachte sie als solche. Denke nicht mchr daran, vergiß es über unsere Liebe."
„Du hast Recht," erwiderte er, sanft ihren Arm an sich drückend; ich war ein Tor, daß ich Dich und mich betrübte."
Es erregte allgemeines Erstaunen, daß der Fabrikdirektor, immer doch nur ein höherer Beamter des Hausherrn, die Heldin des Tages so ganz für sich in Anspruch nahm.
Aber das Erstaunen wurde noch erhöht, al» die Gäste bemerkten, daß das junge Paar in bet Mitte der Tafel zwischen Frau von Tarandal und Herrn Bourlier Platz nahm. Das konnte nicht Zufall fein, und ein Flüstern ging von Mund zu Mund, allmählich dämmerte auch eine Ahnung, besonders bei den Jüngeren auf, und als bet Fabrikant nach Erledigung der Suppe aufstand und an fein Glas schlug, wußte Jeder, was kommen würde.
,Zch habe bie Ehre, meinen lieben Gästen, ein Brautpaar vorzustellen", ließ sich Papa ver» nehmen, indem ein joviales Lächeln fein Gesicht verklärte. „Herr Waldemar Tyrolt und meine Tochter Desiree empfehlen sich als Verlobte."
Ein Freudenrvf, ein fröhliches Händeklatschen folgte seinen Worten unmittelbar. Alles erhob sich von den Plätzen, um dem Brautpaare Glückwünsche darzubringen.
Da schmetterte bie hohe Glastür bes Vestibüle klirrend zu, die Saaltür ward aufgerissen, uil der Sohn des Hauses, Olivier erschien mit finsterem Gesicht und in vernachlässigtem Anzuge auf der Schwelle.
„Willkommen, willkommen!" tiefen ihm bie Herren entgegen, und der Mair», «elchor ihm zunächst stand, ließ es sich nicht nehmen, de» feindlich Dreinschauenden di« Hand zu schüttel».
iForl^egung svtgi.j