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M dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

»nd den DeUagen: .Literarischer Anzeiger-,Kandwirischaftliche KKlage" «ndILnstriertr« Ksmtta-sblatt-.

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische V* Oßa Beitung* bei allen Postämtern und unfern ZeitungSstellen in ävö Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der BezuaSprei» beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unsern Zeituni,Sstellen und der Expedition 2 Mk

Marburg

Sonntaa. 20. Dezember 1908.

Die JnsertionSgebühr beträgt für bie 7gespaltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnioersttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55

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43. Jahrg.

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Drittes Blatt.

England im Onent.

Die englische Politik, das mutz auch der zu- zeben, dessen Jntereffen sie bekämpft, bietet gegenwärtig der Welt ein großartiges Schau­spiel. Die Kühnheit, mit der sie dieses Schau­spiel spielt, setzt eine großartige Verachtung des europäischen Publikums voraus, das zusieht, ohne zu verstehen, was es steht. Und die An- stcht der wenigen, die verstehen, zählt nicht, denn st« wird nur geflüstert und durch die Zeitungen, die die öffentliche Meinung Europas machen, fühlt sich die Theaterdirektion sicher.

In den letzten Tagen wurde in Konstantino­pel eine Depesche aus Wien publiziert, worin es hieß, der englische Botschafter habe dem öster­reichisch-ungarischen Minister des Aeußeren seine Freude über die Wiederaufnahme der öster­reich-türkischen Verhandlungen ausgesprochen, mit dem Bemerken, daß England eine Verstän­digung zwischen den beiden Ländern sehr er­wünscht sei. Diese Depesche ist, wie Nachrichten aus Konstantinopel besagen, dort in den Kreisen, die über die Rolle, die die englische Politik in den letzten drei Monaten gespielt hat, informiert stnd, mit schallender Heiterkeit ausgenommen worden. Man muß sich in der Tat die Frage vorlegen, welcher andere Staat ist in der Lage, fich bei der geheimen Politik, die er treibt, so weit von der offiziellen zu entfernen, die er zu treiben vorgibt, wie England? Bau» nach der Annexion Bosniens waren die österreich-türki­schen Verhandlungen auf dem besten Wege- ein Abschluß schien nahe bevorzustehen. Es ist wohl möglich, daß ein Fehler einer der beiden Beteiligten mitgeholfen hat, diesen auch für die deutsche Politik so sehr wichtigen Abschluß wie­der zu vereiteln. Wer sich aber erinnert, welche seltsame Nervosität die englische Prelle in diesen Tagen gezeigt hat und welche Schritte der eng­lische Botschafter Sir Lenther bei Kianiil Pascha unternahm, dem wird der Glaube, daß Eng­lands Treibereien diesen Abschluß vereitelt haben, nicht mehr zu nehmen sein. Man sugge­rierte der Pforte Forderungen, die Oesterreich- llngarn nicht erfüllen kann, man setzte die Gaste iit Bewegung, und die Freundlichkeiten, die der englische Botschafter den Führern der Demon­stranten erwies, bezeugen, dast die Straßen­demonstrationen gegen Oesterreich-Ungarn und Deutschland England genehm waren. Auch der Boykott kam nicht ungelegen und englischer Rat mag hier in manchem geholfen haben. Erst vor einigen Tagen brachte die Weltkorrespondenz einen Bericht aus Jaffa, wie dort und in Beirut englische Konsuls mit allerlei Mitteln Stirn»

(Nachdruck verboten.)

Die fon.-ifdie Seit», her Reklame.

- Nach amerikanischen Quellen..

Von Harold Morrö.

Der Amerikaner nimmt für sich das Präro­gativ in Anspruch, in Sachen der Reklame vor­bildlich zu wirken. Der Europäer räumt ihm dieses fast ohne Widerspruch ein. und es ist be­sonders zweifellos interestant, das Wesen der Reklame, insbesondere der amerikanischen, ein­mal etwas näher zu betrachten.

Es ist noch gar nicht lange her. daß der Zei­tungsleser, der Wirtshausgast, der Geschäftsmann auf der Straße und der Reisende auf der Eisen- bahn in den Vereinigten Staaten stets eine Zu­sammenstellung von Buchstaben und Zahlen vor leinen Augen sah, deren Sinn vollständig unver­ständlich war. Von allen Reklametafeln der Großstädte, auf allen Zäunen längs der Bahn, aus jeder Tageszeitung, Wochen- oder Monats­schrift leuchtete dem Auge folgendes Krypto­gramm entgegen:

8. T. 1860 X."

Die Sache wurde bald besprochen und be­lacht und schließlich unangenehm. Wen man traf, wohin man kam, überall hörte man nur die eine Frage:Was bedeuten diese mystischen Zeichen?" Man schloß Wetten ab. daß es ein Verrückter sei, der |o sein Geld verschleudere, während der Gegner vielleicht behauptete, daß Andrew Carnegie auf diese Weise versuche, sein Vermögen los zu werden: kurzum die Sache war bald so allgemein in das tägliche Leben einge­drungen, daß es sicherlich kein Schulkind gab, das nicht diese kabbalistische Formel gekannt und über ihre Bedeutung nachgegrübelt hätte. Als die Geduld auf das höchste angespannt war, er­schien die Lösung in allen Blättern. Die er­wähnten Zeichen bedeuteten: Started trade in 1860 with 10 (X) Dollars*). Ein bekannter

*)Sing mein Geschäft im Jahre 1860 mit

10 Dollars an."

mung machen gegen Oesterreich und uns. Das alles tut man und in Wien wird erklärt, eine Verständigung zwischen Oesterreich-Ungarn und der Türkei sei in London sehr erwünscht.

Man kann eine solche Politik vom moralischen Standpunkt aus verurteilen: aber man wird nicht umhin können, ihre Geschicklichkeit zu be­wundern. Kein anderer Staat kann sich das er­lauben, ohne die öffentliche Meinung der ge­samten Welt gegen solchen Macchiavellismus in Harnisch zu bringen. Englands Arme reichen weit, bis in die Kontore türkischer Kaufleute und in die Gasten Stambuls, wo Unbeschäftigte lungern, die zu Demonstrationen brauchbar stnd. Seine Aktivität ist unerreicht.

Wie ist aber das möglich? Die paar Beamten der englischen Botschaften und Konsulate können die hier nötige Detailarbeit nicht leisten. Es ist auch gewiß falsch, wollte man all dies dem rol­lenden Schilling zuschreiben. Das meiste macht die ungeheuere politische Begabung des eng­lischen Volkes, jedes einzelnen Engländers, der im Ausland lebt und als unbezahlter Agent seiner Regierung geboren wird. Sie alle wis­sen, was ihrem Lande frommt und handeln da­nach, ruhig und ohne Lärm. Unb die Summe aller dieser Detailarbeit erzielt den gewünschten Effekt. Diese politische Begabung, in der kein Volk dem englischen gleichtkommt, ist der Ruhm des englischen Volkes, das durch eine glückliche Geschichte von der verderblichen Anschauung er­löst ist, daß die Politik nut Aufgabe der Regie­rung fei, der einzelne aber nicht die Pflicht habe mitzuwirken, sondern nur das Recht, zu kritisieren und ungehalten zu fein, wenn nicht alles nach Wunsch geht.

Potttiscke Umschau.

Die türkische Preste über die Thronrede.

Konstantinopel, 18. Dez. Der osma­nischeLloyd" nennt die Thronrede ein inhalts­volles Dokument. Die Wirkung des bulgarischen und des österreichisch - ungarischen Vorgehens werde nicht verschwiegen. Die diesbezüglichen Worte atmen Schmerz unb beleidigte Würde. Wichtig sei die Betonung des guten Verhält­nisses zwischen den Mächten unb der Türkei. DieTurquie" nennt die Ausführungen der Thronrede über die auMdörtige Politik einfach, klar unb roiitbig unb billigt ben Passus über Bulgarien unb Oesterreich - Ungarn. Der Tanin" sagt, bie Sprache bei Thronrede über bie auswärtige Politik sei reserviert, möglicher­weise aus Delikateste gegenüber Oesterreich-Un­garn. Es fei logisch, daß man, währenb die Ver- handlungen im Zuge seien unb die Beziehungen einer Besserung entgegengingen, jedes Wort ver-

Likörfabrikant hatte diese Bombenreklame aus» getüftelt mit welchem Erfolge, bas beweist fein Palast in der fünften Avenue in Newyork.

Ein Brooklyner Fabrikant ließ sich vor kur­zem an seinem Automobil Gummireifen anbrin­gen, die auf ihrer Außenseite große Reklame­sätze in erhabener Form eingegosten zeigten. Durch eine ingeniöse Vorrichtung liefen diese Reifen durch ein Reservoir weißer Farbe, so daß das Auto auf den asphaltierten Straßen ununterbrochendruckte". Die Behörden mach­ten mit diesem modernen Ungetüm indes kurzen Prozeß und konfiszierten das Auto, bis bie Kosten ber Reinigung bezahlt waren.

Sogar ber amerikanische Farmer ist vom Geiste der Reklame beseelt und verfehlt nie­mals. seine Produkte durch alle möglichen Mittel in das beste Licht zu setzen. Ein besonders klu­ger Herr dieser Gilde verkaufte kürzlich auf dem Washingtoner Markte in Newyork seine Kürbis­ernte. wobei fich herausstellte, daß jeder einzelne Kürbis in erhabener Schrift den Namen und bie Abreste seines Farmers trug. Die Buchstaben waren auf den jungen Früchten einfach eingeritzt worben unb bis zum Auswachsen ber Kürbis plastisch hervorgetreten.

In Chicago, berPorkopolis" (oberSchwei- nopolis", wie wir dafür im Deutschen sagen könnten), konnte man vor kurzem eine ganze Herde ber nützlichen Dickhäuter sehen, welche alle auf ihren dicken Wänsten mit . schwarzer Farbe ungefähr folgende Worte angemalt trugen:

Swifts Würste find bie besten, wir garan­tieren dieselben."

Ein schlauer Theaterbirektor im Lanbe der unbegrenzten Möglichkeiten kann den Ruhm für fich in Anspruch nehmen, eine ganz neue Art der Reklame erfunden zu haben, die von riesigem Er­folg begleitet war. Eine große Anzahl von Leu­ten aller Gesellschaftsklassen erhielt eines Mor­gens folgenden Brief:Sehr geehrter Herr! Angenommen, daß Ihr jährliches Einkommen 15 000 Dollars beträgt, unb daß Sie dem Grund­satz huldigen, daß Zeit Geld ist, sende ich Ihnen für gwei Minuten Ihrer kostbaren Zeit ein­liegend einen Scheck auf die Newyorker Staats-

mieben habe, welches Kälte erzeugen würbe. Be­merkenswert sei auch, daß die Thronrede nicht von Kreta spreche, was aber nicht besagen wolle, daß heute keine Äretafiagc existiere. Das Blatt zieht den Schluß, daß die ottomanischen Rechte auf Kreta geschützt werten. DerTanin" meint, wenn auch die Thronrede die Konfrenz nicht erwähne, so könne man doch, da dieselbe die feste lleberzeugung ausspreche, daß die politischen Fragen mit Hilfe bet Mächte, welche Freunbe der Türkei seien, befriebigt gelöst werden, schlie­ßen, daß die auswärtigen Beziehungen auf keiner Seite zu ernster Beunruhigung Anlaß gäben. Nach derPeni Eazetta" haben alle Souveräne an ben Sultan, sowie alle Parla­mente an das türkische Parlament telegraphisch Glückwünsche gesandt. Das hiesige jungtürkische Komitee hat gestern an den Sultan eine Depesche gerichtet, in welcher dem Wunsch Ausdruck ge­geben wird, daß die Eröffnung des Parlaments, welche ber Sultan durchgeführt habe, nachdem er nach langen Versuchen bas heilige Recht bet ver­fassungsmäßigen Regierung gewürdigt hätte, zur Größe und zum Ruhm ber Ottomanen beitragen möge. Das Komitee wünscht dem Sultan ein langes Leben unb Glück i tb sagt ihm den herz­lichsten und aufrichtigsten Dank.

DenMes Reich.

Abgeordneter Lattmann. Berlin, 18. Dez. Vor einigen Tagen brachte dasBer­liner Tageblatt" die Nachricht von der Wahr­scheinlichkeit einer bevorstehenden Beförderung des Reichstagsabgeordneten für Castel-Melsun- gen, Herrn Ämtsgetichtsrat Lattmann- Schmal­kalden, und einer damit naturgemäß verbun­denen Mandatsniederlegung unb Ersatzwahl. Zur Begriinbung bieser Wahrscheinlichkeit würbe angeführt, baß dieser Tage ein Amtsgerichtsrat in gleicher Eigenschaft nach Schmalkalden ver­seht worben sei. Wie oberflächlich bie liberale Notiz wieber einmal ist, erhellt aus der Tatsache, daß in Schmalkalden nicht eine, sondern drei Amtsrichterstellen find, deren eine durch ben Tob erledigt wat unb jetzt neu besetzt worben ist. Die .Deutsche Tagesztg." kann versichern, daß Herr Lattmann nicht batan denkt, seinen Wohn­ort zu verlasten und seinen Wahlkreis aufzu­geben.

Freie Erfindung. DieNotdd. Allg. Z." erklärt die in ber ausländischen Preste verbrei­teten Gerüchte übet bie bevorstehende Verlobung ber Prinzestin Viktoria Luise mit bem König Manuel von Portugal für auf freier Erfinbung beruhenb.

bank für vier Cents, was ungefähr Ihrem Ein­kommen für zwei Minuten entspricht. Dafür bitte ich Sie. die einliegende kurze Beschreibung bet neuen Poste burchzulesen, bie von Montag an täglich im X-Theater aufgeführt wirb. Jeder der Empfänger beeilte sich natürlich, die merkwürdige Poste anzusehen, bie ihm vier Cents eingebracht hatte.

Selbst ber Tob ist dem Amerikaner nicht hei­lig genug, um die Gelegenheit zu einer guten Reklame dabei vorübergehen zu lasten, und ab­gesehen von den Todesanzeigen, die gleichzeitig eine versteckte Geschäftsreklame enthalten, gibt es auch Ankündigungen, die andere Dinge be­kannt machen. Eine Dame, welche ihren Mann verlor, schrieb folgendeAnnonce" auf den Leichenstein des Verblichenen:

Hier ruht in Gott mein Gatte f Jezabel Smart, betrauert von einer jungen unb liebenswür­digen Witwe, ber er ein zwei­ter Vater war.

Bon einer ganz abnormen Fähigkeit, Re­klame zu machen, muß ein Hutfabrikant in Bal­timore besessen fein, ber folgenbes Stückchen zu­wege brachte: In mehreren Tageszeitungen würbe eine Frau gesucht, bereu Mann zum Tobe verurteilt worben war. Bei ben vielen Morden war bie Gesuchte balb gefunden, die von dem schlauen Herrn einen Hundertbollarsschein für gewisse Vermittlungsdienste erhielt. So kam es, daß am Tage der Hinrichtung eines Raub­mörders, gerade als die Falltür des Galgens fallen sollte, der Delinquent als letzte Vergün­stigung erbat, einige Worte zum Abschied an die zahlreich versammelten Zuschauer richten zu dürfen. Nachdem der Richter und der Sheriff die Zustimmung gegeben hatten, sagte ber Todes- kanbidat ungefähr folgendes:

Alles, was ich noch zu sagen habe, ist, daß Mr. Knox bie besten Herrenhüte für zwei Dollars fabriziert." Im nächsten Moment mar er einen Kopf kürzer.

Aber nicht nur in der Preste weiß der Ame­rikaner sein Publikum zu bestechen. Besonders find es die Schaufenster, welche en Originalität

Einweihung des deutschen Kinderheims h Konstantinopel. Konstanttnopel, 18. Dez. Heute nachmittag fand die feierliche Einweihung eines deutschen Kinderheimes und Kinderkranken­hauses in Gegenwart des deutschen Botschafters unb seiner Gemahlin statt.

Hessen-Nassau und Nachbarqebiete.

Eastel, 18. Dez. In recht fabelhafter Weiss wurde derC. A. Ztg." zufolge am Dienstag abend ein Schuhwarenhändler hineingelegt, dessen Ladenlokal fich in der unteren Marktgaste befindet. Erschien da ein junger, hochgewachsener und auch ziemlich anständig gekleideter Mann in dem Laden und fragte nach hochschäftigen Stie­feln (sog. Master- ober Kanonenstieseln). Vo» ben ihm vorgelegten Paaren probierte er eini an, sprach sich befriebigt über ben Sitz ber Stie­fel aus unb meinte bann:Gut sitzen tun bie Stiefel alterbings, ob man aber auch gut in ihnen laufen kann, müßte ich noch probieren," Oh, bas können Sie ja hier gleich probieren,*' erwiberte lakonisch der Verkäufer, vermeinend daß der Käufer mit den Stiefeln an den Füßer einige Schritte im Laden auf- unb abgehen möchte. Der aber hatte seinen Plan schon ent­worfen und mit den Worten:Nu dann adjes?" riß er die Labentür auf und wie bei Pfei' vom Sogen schnellt, tannte er die Maiktgastl hinab unb die Fischergaste entlang, um endlich in ber Klosterstraße spurlos zu verschwinben, gerade im nämlichen Augenblick,e als der geprellte Schubwarenhändler keuchend um die Ecke bog.

Wiesbaden. 18. Dez. In der Frage des Fischereirechts in ben Mühlteichen unb Mühlgrä­ben hat bas hiesige Lanbgericht bieser Tage ein Urteil gefällt, bas den Müllern selbst nicht bann bas Fischereirecht zuspricht, wenn sie Eigentümer ber Bachbette finb, weil bas Mühlgrabenwasser einen öffentlich-rechtlichen Charakter habe uni weil bie Mühlgräben usw., bie aus ben öffent­lichen Bachläufen ihr Master beziehen, denselben Rechtsgrundsätzen zu unterstellen seien wie diese.

Weilburg. 18. Dez. Das Kriegsministerium hat seine Genehmigung erteilt, daß die Unter« Offizier-Vorschule für 60 000 M in ben Besitz bet Stabt übergehen barf.

Eießen. 18. Dez. Gestern nachmittag 3 Uhr flog bet BallonZiegler in Höhe von etwa 150 Meter, der von Süden her kam, über die Stadt hinweg. Die vier Insassen waren deutlich sichtbar, ebenso die Namensaufschrift des Bal­lons und das Schleppfeil. Der Ballon ging hin­ter den Gärten an der Krofdorfer Straße nie­der, worauf der Bildhauer Franz Winkler das ihm zugeworfene Tau festband und den Ballon bergen half. Das Luftschiff wurde alsbald ver­laden und ging als Eilgut nach Frankfurt.

ber Reklame manches Drollige aufzuweisen haben. In einem Herrenausstattungsgeschäft bet Newyorker Bowery las man folgendes Schild:

Diese Hemden sollten Ihnen am Herzen liegen.

Diese Reklame ist jedoch sehr zahm, wenn man sie mit der eines Bierbrauers vergleicht, der sein Gebräu mit folgenden Ergüssen an pries:

Haben Sie eine trockene Zunge? Sputteix Sie Baumwolle? Sollte das der Fall sein, mein Sohn, nimm dich in acht! Trinke Lempi Sier, und dein Zelt wird dir ein Palast wer­den." Ein Sierfalon in Los Angelos hatte fol­gendes Plakat im Schaufenster:Wenn dich deine Frau dahin bringt, daß du zu trinken an» fängst, komm zu mir, hier gibt es wenigsten» anständiges Gesöff!"

Auch die folgenden Empfehlungen für ame­rikanischen Käse find wert, verzeichnet zu wer. den:Ruhiger Käse von großer Respektabilität) Käse, der sich nur um seine eigenen Angelegen­heiten bekümmert, unb der bescheiden ist. Käse, dessen Leben nicht laut pulsiert, und der nicht nach der ersten Vorstellung von deinem Tifchc verschwindet, aber der auch nicht von selbst hin­aufklettern kann. Kurzum Käse, der nur 24 Cents das Pfund kostet, aber treu und anfäng­lich ist!"

Nicht nur in Amerika, auch in weniger zivi­lisierten Teilen der Welt hat man gelernt, bie Reklametrommel zu rühren, wovon sich heutzu­tage feber überzeugen kann. Sogar auf ben, tropischen Ceylon steht man barin nicht zurück, wie folgenbes Seifpiel beweist. Ein bekannter Whiskyfabrikant ließ einen Riesenballon auf. steigen unb als dieser eine ziemliche Höhe er­reicht hatte, ließ man aus der Gondel Tausend, von kleinen Probeflaschen an Papierfallschirmen herunterfallen, die von einem nach Tausenden zählenden Publikum aufgefangen wurden.

Diese Beispiele dürsten genügen. Solange die Reklame als Verständigungsmittel für die Massen dient, wird auch der Humor nicht aus« sterben, der allerdings meist ein unfreiwilliger