Einzelbild herunterladen
 

MchW Mllilg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg u,.a Kirlyhaiu m» de« #ril«g»e:jiter-rifchrr Lmeiarr«,z«»wirtfchaM<h« Beilage" nnbDUalrtertre 5«rnfag«blatt.

M 294

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberbessischr Zeitung" bei allen Postämtern und unfern ZeitungSstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezug-pretS beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Dienstag. 15. Dezember 1908.

Die InsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeil« ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Jvh. Bug. Koch, UniverfitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. E. Hltzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jahrg.

Erves Blatt.

Zusammenhang zwischen öffentlichem Schuldenwesen und Kopitalmartt.

Der vierte und letzte Teil des Denkschriften- tande» zur Begründung des Gesetzentwurfes über die Reichsfinanzreform, welcher jetzt dem Reichstage gedruckt vorltegt, enthält Materia­lien zur Beurteilung der Zusammenhänge zwi­schen dem öffentlichen Schuldenwesen und dem Kapitalmärkte. Die Denkschrift untersucht die Quellen der Beeinflussung, denen das Anleihe- wesen bezw. der Anleihemarkt unterworfen sind und zwar nach vier Erscheinungsgruppen: nach der Art des Kreditbedarfs und der Eigenart des Werttitels, nach der Art der Nachfrage, d. h. der Anlageneigungen des Publikums, nach den Verhältnissen innerhalb der Volkswirtschaft, in­nerhalb deren der öffentliche Kreditbedarf zu be­friedigen ist und endlich nach der internationa­len Marktlage, welche den internationalen Markt beeinflußt.

Angebot und Nachfrage für öffentlichen Kredit treffen sich auf dem Markte eben unter besonderen Bedingungen. Diese besonderen Bedingungen sucht die Denkschrift durch reichliche statistische Nachweise bloßzulegen, um dann in einem letzten Abschnitt die Gründe des Kurs­standes der deutschen Anleihen zusammenzu­stellen, indem sie den Ausbau des Marktes für öffentliche Schuldtitel skizziert und die Stellung der öffentlichen Anleihen auf dem deutschen Effenktenmarkte umreitzt. Zunächst für die Frie­denszeit. Nicht neu ist ihre Schlußfolgerung, daß nämlich die Zuspitzung der Geldverhältnisse in Deutschland im letzten Jahrzehnt schon seit Mitte der siebziger Jahre sank allmählich der Zinsfuß international zu einem guten Teil mit herbeigeführt ist durch die enorm ge­wachsenen Kapitalbedürfnisse von Reich, Staat und Kommunen. Speziell Haden ferner die immer umfangreichere Inanspruchnahme des Marktes durch kurzfristige unverzinslich« Schatz­anweisungen in jüngster Zeit auch einen un­günstigen Einfluß auf den Kapitalmarkt und demgemäß auf die gesamte Volkswirtschaft mit ausgeübt. Die Schatzanweisungen hätten viel­fach gerade dann begeben werden müssen, wenn ohnehin schon durch die wirtschaftliche Entwick­lung der Geldmarkt und der Status der Reichs­bank sich versteift hätten.

Welche Bedeutung ein wohlgeordnetes Staatsfinanzwesen und billiger Staatskredit für den Kriegsfall habe, das Problem der finanziel­len Kriegsbereitschaft, liege auf der flachen lgand. Auf allen Gebieten könne eine grund­sätzliche Neuregelung über den speziellen Kreis ihrer Wirksamkeit hinaus Erfolge verheißen.

Daß diese Mahnung zu einer gründlichen Reichsfinanzreform dringlich ist, haben die Auseinandersetzungen des Reichstages in den '^fen Wochen iedem. der sie aufmerksam ver­folgt hat und sich nicht von subversiven Schlag­worten beherrschen läßt, noch mehr in das Be-

(Nachdruck verboten.)

Der Teesachversländne

Nach dem Ungarischen von Karl Murai.

Deutsch von A. B e l u s.

Zu jener Zeit, als ich ein Geschäft eröffnen wollte, befaßte sich die Regierung eben mit der Frage, welche neuen Gewerbe man im Lande einführen könnte. Befähigtere Jünglinge er­hielten Reisestipendien, damit sie im Auslande Fabriken besuchen und verschiedene Erwerbs­zweige kennen lernten, um dann in der Heimat ihr Wissen nützlich verwerten zu können. Auch ich gehörte zu der Zahl jener Stipendisten und gelangte bis London. Hier erinnerte ich mich eines Tages, als ich eben Schöpsernes mit Tee befeuchtete, meines Taufpaten, der mich beauf­tragt, ihm guten und billigen Tee zu besorgen. Der Tee, den ich eben trank, schmeckte mir außerordentlich. Er war so schwarz, wie dir Augen meiner zweiten Liebe, und sein Geschmack war ganz verschieden von dem des gewöhnlichen Tees. Ich beschloß daher, von diesem für meinen Taufpaten einzukaufen, und wandte mich an den Kellner mit der Frage, wo ich wohl solchen Tee erhalten könne. Anfangs verschanzte er sich hin­ter dem Geschäftsgeheimnis, allein später rückte er mit dem Geständnis heraus, man besorge den Tee aus einer unweit gelegenen Teefabrik. Da­selbst werde russischer Karawanentee, unver­fälschter chinesischer Tee in Mandarinenschachteln und indischer Tee mit Krokodilmarke verfertigl.

Die Erklärung des Kellners verblüffte mich, inb seitdem trank ich dort keinen Tee mehr. Die Teefabrik ließ mich aber nicht ruhen, und tch dachte daran, diesen Industriezweig auch in der Heimat «inzuführen. Bon der Regierung

wußtsein eingehämmert als es ihm vorher schon klar war. Die Kommiffionsverhandlungen werden weiteren Stoff dafür anhäufen. Es ist undenkbar, daß ein zielbewußter, fein« Stellung voll verstehender Reichstag wiederum die große Aufgabe ungelöst lassen sollte, deren beftie« digende Erfüllung allgemach eine Lebensfrage des Reiches und eine ernste Sorge der Einzel- staaten geworden ist.

Deutsches Reich.

Erkrankung de» Großherzogs von Ol­denburg. Oldenburg. 12. Dez. Das Befinden des Großherzogs läßt zur Zeit wieder viel zu wünschen übrig. Er erlitt gestern, vor und wäh­rend der Hoftafel, zu der die Landtagsabgeord­neten geladen waren, verschiedene Ohnmachts­anfälle. Mit aller Energie suchte er trotzdem seinen Pflichten bis zuletzt nachzukommen, aber es gelang ihm nicht, alle Abgeordneten in ein Gespräch zu ziehen, er mußte abbrechen und sein Zimmer aufsuchen. Nach Meldungen aus Krei­sen der Abgeordneten sollen die Anfälle auf ein neuerdings aufgetretenes Magenleiden zurückzu­führen sein. Eine weitere Meldung besagt: Da» Befinden des Großherzogs von Oldenburg, der bei der Landtagstafel von einem Unwohl­sein infolge einer Darmerkrankung befallen wurde, gibt zu keinem Bedenken Veranlassung. Der Eroßherzog war gezwungen, infolgedessen das Bett zu hüten. Die Krankheit wird voraus­sichtlich in einigen Tagen völlig behoben sein.

Bom 50jährigen MilitSrjubiläum des Prinzen Leopold von Bayern. Prinz Leopold von Bayern empfing anläßlich seines Svjährigen Dienstjubiläums in feierlicher Audienz die kom­mandierenden Generale des der vierten Armee- Inspektion unterstehenden 3. und 4. preußischen Armeekorps von Bülow und von Veneckendorf mit ihren Eenemlstabschefs, sowie die sämtlichen bayrischen und außerbayrischen Offiziersdepu­tationen jener Regimenter, deren Inhaber der Prinz ist. General von Bülow überreichte bet dieser Gelegenheit dem Prinzen Leopold ein Allerhöchstes Handschreiben des Kaisers. Der Prinzregent hat ein- Reihe von Ordensauszeich­nungen verliehen, darunter den Generalen von Bülow und von Beneckendorf das Eroßkreuz des Militäroerdienstordens; außerdem erhielten die preußischen Stabschefs Oberstleutnant Stocken und Oberst Hahn das Offizierskreuz desselben Ordens.

Haltlofigkeit der Angriffe gegen Kiderle«. Wächter. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Ge­gen den kaiserlichen Gesandten in Bukarest, von Kiderlen-Wächter wurden in mehreren Blättern Angriffe gerichtet, die seine häuslichen Verhält­nisse betreffen. Wie wir erfahren, hat eine er­neute Prüfung der Sache die Haltlosigkeit der Beschuldigungen ergebn. Gegenüber der Be­hauptung, daß v. Kiderlen-Wächter auf kurze Zeit auf seinen Bukarester Posten zurückkehren

erhoffte ich gewisse Begünstigungen, wie auch von der Stadt billigen Baugrund. Endlich fand ich Aufnahme in einer Teefabrik. Das Unternehmen war größeren Stils, und es dauerte ein halbes Jahr, bis ich mit den Ver­hältnissen vertraut geworden war. Meine Ar­beit war schwer, anstrengend; allein mich leitete die Hoffnung, ich würde meine Zukunft be­gründen und noch reich werden.

Heimgekehrt, gab ich getreulich Rechnung über meine Erfahrungen. Der Minister aber, anstatt sich zu freuen und mir eine Landessub­vention in Aussicht zu stellen, ließ die Tür öffnen und ersuchte mich, hinauszuspazieren. Nach solchem Anfänge wagte ich gar nicht, von der Stadt billigen Baugrund zu fordern, denn meine Idee schien keine Beachtung finden zu wollen. Trotzdem machte ich mich ans Werk und gründete eine Fabrik, und so begann die erste heimische Teefabrik ihr Wirken, wenn auch vor­läufig mit Ausschluß der großen Oeffentlichkeit.

Ich mache kein Geheimnis daraus, gestehe also, daß das Wirken dieser Fabrik sich nicht auf olle Zweige der Teebereitung erstreckte. Wir fabrizierten nur zweierlei Tee; die eine Art der Bereitung bestand darin, daß wir den gebrauch­ten Tee von Kaffeehäusern, wo er gewiß schon dreimal gekocht worden war, kauften, ihn färb­ten und dann als russischen Tee in den Handel brachten. Die andere Art der Bereitung war die, daß wir Rosen- und Lorbeerblätter prä­parierten und daraus echten chinesischen Tee ver­fertigten. Welche Art besser war, ist mir noch heute nicht bekannt. Die erstere Art wurde mit der Zeit minderwertig, denn wir konnten di« Kaffeesieder nicht genügend überwachen, und es geschah zuweilen, daß wir unser eigenes Fabri­kat, mehrfach ausgekocht, wieder zurückerhielten.

werde, find wir in der Lage mitzuteilen, daß der Genannt« zur Zeit noch mit einigen besonderen Arbeiten im Auswärtigen Amt beschäftigt ist, dann aber seinen Posten in Bukarest wieder über:el>«r wird.

Ausland.

* Eine Rote der Pforte an Rußland. Kon­stantinopel, 13. Dez. Die Pforte richtete am 10. Dezember eine Note an die russische Botschaft, in welcher sie erklärt, dem in der Note an die Bot­schaften vom 3. Oktober gemachten Vorschläge be­treffend die Beurlaubung der mazedonischen Gendarmerie auf unbestimmte Zeit zuzustimmen. Die Pforte behält sich die Regelung der Ent­schädigung der zurückberufenen Offiziere vor und gibt ihrer Befriedigung und ihrem Danke für die von den Offizieren geleisteten Dienste Ausdruck.

** D«r neue Panzerkreuzer der britisch«« Flotte, genanntJndefatigable", der im Feb­ruar 1909 in Devenport auf Stapel gelegt wer­den soll, bringt wieder einen erheblichen Fort­schritt hinsichtlich der Erößenabmessungen, des Gefechtswertes und der Fahrtleistung gegenüber den drei bisherigen Bauten der Jnvincible- Klasse. Die bisher gebauten Kreuzer von Jn- vincible-Typ haben 530 Fuß Länge, 78 Fuß 6 Zoll Breite und ein Deplacement von 17 250 Tons. Jndefatigable erhält 570 Fuß Länge, nahezu 80 Fuß Breite und ein Deplacement von 18 000 Tons. Die Fahrtleistung war für die ersten drei Kreuzer des neuen Typs auf 25 Kno­ten bei 41000 PS. festgesetzt. Alle drei, Jn- vincible, Inflexible und Jndomitable, haben bekanntlich diese kontrattlich ausbedungene Fahrtleistung um mindestens zwei Knoten über- schritten. Für den neuesten Panzerkreuzer ist bereits eine Fahrtleistung von 28 Knoten kon­traktlich vorgesehen; in englischen Marinekreisen wird aber allgemein angenommen, daß er mit seinen Turbinenmaschinen, die 45 000 PS. in­dizieren, mindestens 30 Knoten erreichen wird. Die englische Admiralität hat sich also in ihrer bisherigen Flottenbaupolitik nicht beirren lassen und sie sucht nach wie vor das Deplacement und die Fahrtleistung der großen Schlachtschiffe nach Möglichkeit zu steigern.

Die niederländischen Schiffe in Venezuela. Haag, 12. Dez. Wie das Reutersche Bureau von zuständiger Seite erfährt, sind die an der vene­zolanischen Küste kreuzenden niÄierländischen Kriegsschiffe zur Aufbringung von venezolani­schen Handelsschiffen auf hoher See, bezw. zum Anhalten von Schiffen, die nicht zur venezolani­schen Kriegs- und Polizeidienstflott« gehören, nicht ermächtigt.

Allgemeine Studmlenve^jammlung.

)( Marburg, 14. Dez.

Zu der gestern abend in den Stadtsälen an­beraumten allgemeinen Studentenoersammlung, in welcher die wohl hinreichend bekannten Vor-

Unter den Teekonsumenten waren einige, die sanden, der echte russische Tee, welcher neunmal ausgekocht und dreimal frisch gefärbt war, sei nicht mehr so stark, noch besitze er ein solches Aroma wie vorher.

Natürlich trank ich keinen Tee mehr, weder daheim noch im Kaffeehause, denn ich war mir nicht gewiß, daß mir nicht mein eigenes Fabri­kat vorgesetzt wurde. Nach meiner Studien­reise durch England traute ich auch den Kauf­leuten nicht mehr. Es fiel mir aber sehr schwer, den Tee zu entbehren, denn ich war ein leidenschaftlicher Teetrinker, gerade, als wäre ich in Japan geboren. Manchmal erfaßte mich eine große Sehnsucht nach einer Tasse duftenden Tees, mich peinigte ein förmlicher Durst danach, und es schien mir, als könne dieser Durst nur durch Tee gelöscht werden. Da geschah es. daß der geistliche Herr, welcher durch meine Beihilfe zu Tee gekommen war, mit der Situation be­kannt wurde. Er erfuhr die Art der Tee­bereitung, und dies« Entdeckung war für ihn von erschreckender Wirkung. Es schien ihm, als müsse er sich einiger Hektoliter entledigen; leider war es aber unmöglich. Er sprach mir zu Ge­wissen, bedrohte mich mit den ewigen Strafen, wenn ich nicht meine Fabrik auflöse. Nur für diesen letzteren Fall würde meine Seele Gnade vor dem Herrn finden.

Meine Mutter hatte mir seinerzeit eine sehr religiöse Erziehung gegeben, und trotzdem ich eine Teefabrik gegründet, ließ diese Erziehung dennoch Spuren zurück. Ich dachte also nach über die Worte des Priesters, und ich war nahe, die Tätigkeit meiner Fabrik einzustellen. Ich batte schon mein Schäfchen im Trocknen und brauchte daher nicht die Folgen eines solchen Schritte» zu befürchten. Mein Gewissen wurde

gänge in Prag und die Stellungnahme dazu be­sprochen werden sollte, hatte sich der größte Teil der hiesigen Studenten, wie auch eine Anzahl Mitglieder de» akademischen Lehrkörper», darunter auch der derzeittge Rektor, eingefun- den. Ein Vertreter der Arminia, der dar Prä­sidium führte, schilderte im Anschluß an feine Begrüßungsworte die nationalen Aufgaben, die der im Ausland« weilende Deutsche zu erfüllen habe. Es heiße da, deutsche Kultur zu ver­breiten und zu erhalten. Um so mehr sei et nationale Pflicht, dem von den Tschechen be­drängten Deutschtum in Böhmen zu helfen.

Ein Mitglied des Verein- deutscher Stu­denten, dem jetzt das Wort erteilt wurde, schil­derte als Augenzeuge die Vorgänge in Prag. Er sei am 2. Dezember dorthin gekommen, um der Grundsteinlegung der deutschen Universität beizuwohnen. Nach herzlicher Begrüßung seitens der deutschen Studenten seien sie vom Bahnho* in die Stadt nach dem Standquartier der Deut­schen gezogen, unterwegs aber schon in unerhör­ter Weise belästigt, mißhandelt und beschimpft worden. Am anderen Tage, nachdem das Stand­recht verkündet, hätren die Straßen ein ganz an­deres Bild abgegeben. Es handle sich bei den Tschechen nicht um die Beseitigung der Lunten Mützen der deutschen Studenten, sondern um einen Vernichtungskampf gegen das Deutschtum überhaupt. Das müsse verhindert werden, und deshalb ergehe der Ruf an die deutschen Stu­denten, bei Wahl des Studienortes Prag nicht zu vergessen. Der Redner schloß unter großem Beifall mit den Worten: .Prag mutz uns er« halten bleiben 'nd Prag wird uns erhalten bleiben."

Geh. Rat Prof. Dr. Theobald Fischer gab seiner großen Freude darüber Ausdruck, daß die deutsche Studentenschaft o inmütig dagegen Stellung nehme, daß Prag dem Deutschtum ent­rissen werden solle. Die Prager Vorgänge seien ein Symptom der unheildrohenden Ungewitter, die sich gegen das deutsche Volk zusammenzögen. Die Tschechen seien nur die Vorposten des Sla- oentums. Er erinnerte ferner an die Verbrü­derung der Tschechen mit den Franzosen und Engländern. Redner wies darauf hin, daß den Tschechen von den Franzosen auch große mate­rielle Unterstützung zuteil werde. Die öfter- reichische Regierung habe aus Furcht vor dem Uebergewicht de» deutschen Reiches seit 1871 die Taktik verfolgt, die nicht deutschen Nationali­täten zu stärken, z. T. seien dazu gerade di« Steuern der Deutschen, die noch immer % der Eesamtsteuersumme betragen, verwandt worden. Der Kampf der Tschechen in Prag ist ein Vor­postengefecht in dem großen gegen das Deutsch­tum gerichteten Ansturm.

Es gelte auszuharren und dem Slaoentum, das uns Deutschen einmal in den Rücken fallen sollte, wenn England und Frankreich uns von vorn 6eb'.ot)ten, entgegenzutreten. In Frank-

auch rege: wie viele Menschen hatten sich durch meine Schuld den Magen verdorben, wie viele Teekenner hatten meinetwegen dem Teegenuß entsagt, es war ratsam, die Fabrikation einzu­stellen und damtt meinen alten Seelenfrieden zurückzugewinnen. Es werde dann die Zeit kom­men, wo der Tee nur dreimal ausgekocht werden würde und nicht, wie bisher, neun- und zwölfmal. .

Unterdessen wurde ich mit einem Schiffs- kapitän bekannt, der in englischen Diensten stand Vierzig Jahre lang hatte er die Meer« durckkreuzt und Monate lang in Ländern ge­weilt, wo der beste Tee wächst. Anstatt ®rannt« wein oder Rum zu trinken, genoß er nur Tee. Der Ice war sein Alles; seine Familie, seine Gesundbeit, sein Glück. Seine näheren Bekann­ten erzählten Wunderdinge von ihm. Er kenn« in einer Entfernung von sechs Schtttten den Te« nach dem Geruch, woher er stamme und welcher Art er sei. Noch niemals habe er sich geirrt.

Näher bekannt mit ihm geworden, erkannte ich bald, er sei ein vorzüglicher Teekenner. Beim Verübergehen an einer Kolonialwarenhandlung rümpfte er die Nase und meinte, in diesem La­den verknuse man gefälschten Tee. Ich er­staunte, Denn dieser Kaufmann war einer meiner besten Abnehmer. Ich empfand eine wahre Bewunderung für diesen Mann, und an feiner Seite erwachte in mit wieder der Wunsch nach einer Tasse Tee.

Glücklich derjenige, bet mit Ihnen Te« trinken könnte so verlieh ich eines Tages mei­nem lebhaften Wunsche sehnsüchtigen Tone» Ausdntck.

Et verstand und lud mich zu sich. Seine Garconwohnung hatte et japanisch eingerichtet, und nichts mahnte darin an Europa. Et nahm ,