Zweites Blatt
Nachdruck verboten.)
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Die Weltausstellung in Brüssel 1910.
Von dem Reichskommissariat für die Wett, ausstellung in Brüssel, Berlin W. 64, Wilhelm- stratze 74, wurden anläßlich der Beteiligung des Deutschen Reiches an dieser Ausstellung das Ausstellungsprogramm und die Klassifikation der Ausstellungsgegenstände, sowie Anmeldung?, vordrucke versendet. Hierbei wurden im Hinblick auf die beachtenswerten Interessen, welche für große Zweige der deutschen Industrie bei der Brüsseler Ausstellung in Frage kommen, der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die interessier, ten Kreise sich bereit finden lassen werden, den auf eine würdige und eindrucksvolle Gestaltung der deutschen Abteilung der Ausstellung gerichteten Bestrebungen der Reichsvertretung ihre Unterstützung zu leihen. Die Drucksachen werden denjenigen Firmen, die für die Ausstellung Jn- teresie haben und sich an das Reichskommisiariat wenden, gern übersandt werden.
Die Anmeldung zur Beteiligung an der Ausstellung geschieht mittels eines Anmeldeformulars, welches nach erfolgter Ausfüllung an den Rei^skommiffar für die Weltausstellung in Brüssel 1910, Berlin W. 64, Wilhelmftr. 74, einzusenden ist. Den sich meldenden Firmen werden die näheren Bedingungen der Beteiligung sowie sonstiges Material später mitgeteitt werden. Gegenstände deutschen Ursprungs können nur innerhalb der deutschen Abteilung der Ausstellung zur Schau gebracht werden.
Für die Wahrnehmung ihrer geschäftlichen Interessen während der Dauer der Ausstellung haben die Aussteller durch Ernennung eines Vertreters Sorge zu tragen, welcher dem Reichskommissar vor Absendung der Ausstellungsgegenstände zu bezeichnen ist.
Im übrigen sind für die deutschen Aussteller die in den Allgemeinen Bestimmungen für die Weltausstellung in Brüssel 1910 enthaltenen
der Erhaltung seiner militärischen Kraft gtu wende, gerechtfertigt sei. Uebrigens sei diese Sorg« bei den Franzosen ebenso lebhaft wie bet den Deutschen. Das Blatt meint sodann, wen» man die Erklärungen des Reichskanzlers betreffend die Bundestreue gegen Oesterreich-Ungarn lese, scheine es, daß Deutschland nur einen Bundesgenossen habe und daß Deutschland für Oesterreich sei, gegebenenfalls selbst gegen Italien. Zum Schluß unterzieht der „Temps" das vom Reichskanzler dem Herrn v. Holstein erteilte Lob, sowie die Darlegungen des Staats« fekretärs Schön über die Casablanca-Angelegen« heit einer scharfen Kritik. — Die sozialistischradikale „Actton" meint, man könne von den Ausführungen des Reichskanzlers betreffend die Beschränkungen der Rüstungen nicht überrascht sein. Der deutsche Handel, die deutschen Handels* schiffe und die deutschen Auswanderer seien überall zu finden. Es sei nur natürlich, daß da» deutsche Volk, welches täglich wachse, seiner Flagge Achtung verschaffen wolle. Möge es dies erreichen, ohne daß der Friede gestört wird.
Deutsches Reich.
— Von dem angeblichen „Tagebuche Kaiser Wilhelms II. lesen wir in den „Hamb. Rachr": „Ein bis her völlig unbekannter Verlag, der eine postlagernde Adresse statt seines Eeschäfts- lokales angibt, erläßt in dem Börsenblatte für den deutschen Buchhandel und , in zahlreichen Zeitungen die auffallende Anzeige, daß <x in den allernächsten Tagen unter dem Titel: „Zwanzig Jahre Regierungszeit", ein Tüae- f h Kaiser Wilhelms über die Zeit von 1888 bis 1908, herausbringe. Herausgeber sei E. Schröder, „der" schon die Werke Friedrichs des Großen herausgegeben habe. Diese Anzeige konnte nicht abgewiesen werden, da sie an sich nichts Bedenkliches enthält. Trotzdem hat sie natürlich in weiten Kreisen, die heute „alles für möglich" erklären, die größte Erregung hervorgerufen. Wir haben folgendes feststellen können: Dieser Herr E. Schröder ist ein Fräulein Emilie Schröder zu Berlin, eine über 70 Jahre alte Dame, die sich als ilebersetzerin ernährt und gelegentlich patriotische Werke kompiliert hat. Dazu gehört auch ein sogenanntes „Tagebuch Wilhelms II.", das bereits 1903 erschienen ist und kalendarisch allerlei Schönes und an sich vielleicht Wissenswertes aus dem Leben des Kaisers registriert. Jetzt ist es bis auf die neueste Zeit ergänzt. Es liegt also gelinde gesagt, eine arge Mystifikation des Vublikums vor, die das deutsche Volk in so ernster Zeit sich besonders verbieten sollte. Ob in diesem Falle der Be- truasparagravh zutrifft, wird die Staatsanwaltschaft wohl zu entscheiden haben. Zum min
desten aber erscheint uns ein Verfahren wegen groben Unfugs unerläßlich. Dazu hat fetzt der Staatsanwalt das Wort."
— Die Wahl de» Abgeordneten Spindler ie- anstandet. Die Wahlprüfungskommission des Reichstages beanstandete die Wahl des Abgeordneten Spindler (Zentr.) im dritten pfälzischen Wahlkreise und beschloß Beweiserhebungen.
— Das Ende des Eulenburg-Prozesses? Die „Berliner Universal-Korrespondenz" weiß zu melden, daß die gerichtsärztliche Untersuchungskommission die kürzlich in Liebenberg war, der Staatsanwaltschaft mitgeteitt hat, daß sie eine Wiederherstellung des Fürsten nach menschlichem Ermessen bezweifele. Sie hält es daher für ausgeschlossen, daß Fürst Eulenburg in anbetracht seines hohen Alters jemals wieder ver» handlungsfähig sein wird. Um den gesetzlichen Vorschriften zu genügen, wird die Staatsanwaltschaft den Fürsten dauernd in je 4—6 Monaten von einer gerichtsärztlichen Kommission untersuchen lassen.
— Mangelndes Zielbewußtsein. In der „Dresdener Volkszeitung" lesen wir am Schluß des Berichtes über eine Bezirksversammlung folgendes: „Zum Schluß richtete der Vorsitzende an die Mitglieder das Ersuchen, in Zukunft mehr für den Besuch unserer Versammlungen zu agitieren. Mancher verabsäumt es. in die Versammlung zu kommen, um sich beim Kartenspiel vergnügt zu machen." O weh! Das ist schlimm'
— Vom Reichsverbande gegen die Sozialdemokratie. Im Verlage des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie, Berlin SW. 11, Dessauerstr. 30. ist eine Flugschrift erschienen, die sich als „Aufklärungsschrift an das deutsche Bürgertum" bezeichnet und den Titel trägt: „Die Kampfesweise des Reichsverbandes im Lichte der Sozialdemokratie und wie sie in Wahrheit ist". Die Flugschrift ist eine Antwort auf die maßlosen Angriffe, die von der sozial- demokratschen Partei gegen den Reichsverband und seine Kampfesweise gerichtet worden sind. Die von der Sozialdemokratie erhobenen Beschuldigungen werden aktenmäßig widerlegt.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
wnN >en grtlegee: „zit-rarisch-r A»,irtsch-Miche K-il-ge« in» „Illnftrkrk«
Frankreich und Dentschland rüsten.
Paris 11. Dez. Der „Temps" schreibt über die gestrige Rede des Reichskanzlers: Was Fürst Bülow über die Beschränkung und Rüstungen gesagt hat, ist in jeder Hinsicht berechtigt und von französischer Seite wird man ihm aus der Bestimmtheit seiner Erklärungen durchaus keinen Vorwurf machen. Die Friedensapostel haben diese Fragen gar zu willkürlich verein- fächt. Die Kraft eines Volkes hängt nicht bloß von der Zahl seiner Kanonen und des Tonnengehaltes seiner Panzerschiffe, sondern auch von seinen Eeburtsziffern, seiner Erwerbstätigkeit, seinem Kredit und seiner geographischen Lag« ab. Deutschland könnte genötigt sein, einen Krieg auf mehreren Fronten bestehen zu müssen. Wenn man nur im geringsten unparteiisch sei, müsse man gestehen, daß die Sorge, welche es
Wenn das aber der Fall ist, soll sie mich kennen lernen. Diesen Streich verzeihe ich ihr nie."
Schwere Schritte kamen die Außentreppe herauf. Bourlier eilte nach der Tür, doch er prallte entsetzt zurück, als er Tyrolt und Desiree D'm in Arm vor sich sah.
Beide befanden sich in einem entsetzlichen Zustande.
Desiree war leichenblaß; das Haar klebte an ihren Schläfen, und noch immer rieselten die hellen Wassertropfen aus den nassen Haarsträhnen aus das völlig durchweichte Gewand und von diesem auf den Boden nieder. Auch Tyrolt war übel anzuschauen. Ohne Fußbekleidung, ohne Rock und Hut, mit bläulichen Lippen und bleichen Wangen schöpfte er mühsam Atem. Ein abscheuliches Frostgefühl hatte sich seiner bemächtigt, obwohl er Desiree bis zur Trepve getragen hatte.
„U' t Eotteswillen was ist geschehen?" rief Bourlier, vor Schreck fast die Besinnung verlierend.
„Beruhigen Sie sich," entgegnete Waldemar mit heiserer Stimme. „Das Fräulein verunglückte, der Kahn schlug um."
„Und Herr Tyrolt rettete mich mtt Gefahr seines Lebens," ergänzte Desiree, mit glücklich aufleuchtendem Blicke. „Papa, ohne diesen Direktor hättest Du keine Tochter mehr."
„Mein gütiger Gott, wie konnte das nur ge- s hetzen?" fragte Frau von Tarandal, auf die Gerettete zueilend und sie an ihr Herz ziehend. Aber eben so schnell wich sie wieder zurück. Als sie die Rässe spürte, brtam sie in Wahrheit eine Gänsehaut.
„Richt wahr, ich bin recht eklig," lächelte Desiree, die trotz aller Angst und Kälte ihr seelisches Gleichgewicht wiedergefunden hatt; sie begab sich in den Bereich des wärmenden Kaminfeuers. „Wie gesagt, ich lag im Wasser und war schon halb bewußtlos. Schilt mich vor allem.
Unter Feinden.
' Roman von Karl Matthias.
j «Fortsetzung.»
Bourlier hatte seine gute Laune verloren. Die Sorae um seine Kinder bestürmte ihn; er dachte nicht weiter an Politik. In heftiger Auf- regung durchschritt er den Salon.
"„Er iit unverzeihlich, unbegreiflich," murmelte er fort und fort. „Wenn nur Tyrolt da wäre, er würde mir sicher Rat wissen. Wo er nur bleibt? Ich erwarte ihm schon lange.".
i Der Diener trat atemlos ein.
„Ist der Herr Fabrikdirektor nicht zu $aur<’. “ fragte Bourlier.
„Rein, gnädiger Herr. Er war bis zum Feierabend auf seinem Komtor. Niemand hat ihn später weder drüben noch hier gesehen."
„Rätselhaft? Sind meine Befehle ausge- füyrt? ‘
„Die Offiziere fuhren wetter nach Sedan. Lavrence, Boniface und der Stallbursche suchen die jungen Herrschaften.,,
„Es ist gut. Sie können gehen. Sobald Sie etwas hören, melden Sie's sofort. Beruhige Dick, Rataly, es wird nichts pafsiett sein."
Frau von Tarandel saß mit bleichen Lippen und Wangen da und rang verzweiflungsvoll ihre Hände.
„O dieses Mädchen," jammerte sie, Dieser Wildfang! Sein Leichtsinn wird mich noch töten!"
„Vielleicht verleitete Olivier sie dazu."
„Rein, nein, diese tolle Idee konnte nur aus dem Kopfe Deiner Tochter entspringen. Sie steckt voller Mutwilligkeiten. Das Abenteuer« lichste ist ihr gerade recht."
„Ich glaube fast selbst, daß sie diesmal die Schuld trägt. Olivier liebt die Lequemlichkett.-
„Richt doch, Tantchen, ich fühle mich ganz wohl " erwiderte die Gescholtene. „Der Schreck ist überstanden — ich bin so glücklich, so glücklich l Dabei wird man nicht krank. Weißt Du auch, weshalb ich so glücklich bin, Tantchen?"
„Weil Du lebst. Aber wie lange wird das währen, wenn Du immer so unvorsichtig und tollkühl, bist?"
„Woa» recht lange, denn ich werde fortan sehr vorsichttg sein — ich habe es ihm ja versprechen müsse
„Wem nur?"
„V aldemar, den ich liebe, Waldemar, dem ich mein Leben verdanke. Ist es nicht ein großes Glück, gerettet zu werden durch den, der einem das Liebste auf Erden ist?"
„Dos Liebste? Was wird Papa dazu sagen?"
„Er wird sich freuen, Tantchen, es ist ja fein k ümlicher Wunsch, daß wir ein Paar werden sollen, und wenn sich Waldemar erst erklärt hat —"
„Ich dachte, er habe gesprochen?" —
„Rur seine Augen sprachen, wie er mich gört« ^ich a:.blickte, und seine Hand zitterte, als er mich fröstelnd an seine Seite schmiegte, sobald wir auf den Wagen stiegen, der uns heimbrachtt. Aber das ist mir genug — ich weiß, daß Walde«, mar mich liebt, und er wird nicht schweigen, wenn die richtige Stunde da ist."
„Wie Gott will," seufzte die alte Dame, „aber nun säume nicht, komm schnell, Du mußt zu Bette, denn Du fieberst ganz entschieden. Das Leuchten Deiner Augen warnt mich und die Röte, welche auf Deinen Wangen brennt."
„Ich weiß besser, was es ist," lachte das Mädchen. „Doch ich will gehen, weil ich seh«, daß Du Dich ängstigst. Ich versichere Dir tiM_ dessen, ich bin ganz wohl." t (Fortsetzung folgt.)
zum Teil parallel gehen. Frankreich wird durch seinen Besitz an Turbanwerten ebenso wie durch ben an russischen Anleihen zu einer Polittk des Friedens und der Vermittelung gedrängt, die der deutschen sehr ähnlich ist. Auf der anderen «Seite glaubt es aus politischen Gründen an feinem russischen Bündnis und seiner englischen Freundschaft festhalten zu müssen und wird durch die Rücksichtnahme auf die differierenden Interessen seiner Freunde einigermaßen geniert. So steht es tatsächlich zwischen beiden Parteien vermittelnd und in einer nicht unwichtigen Po- sitton, die im Augenblicke des Konfliktes sehr interessant werden kann, weil Umstände, die die französische Polittk zwingen können, die eigenen Interessen ohne Rücksicht auf Freundschaft zu verfechten, oder aus dieser Rücksicht zu vernach« lässigen, eintreten können.
Man spricht immer zu viel von Annäherung. Im gegenwärtigen Augenblick ist die Gefahr doppelt groß, daß Hoffnungen einer Entente auftauchen, di« auch heute ttotz aller Parallelität der Interessen mehr als unwahrscheinlich ist. Man darf nie vergessen, daß nicht die realen Interessen, sondern die Sentiments und allerlei Persönliches in Paris die Politik beherrslht und daß die Gegnerschaft zu Deutschland eine in der Pariser Kammer noch heute unentbehrliche Waffe für die innere Politik ist.
Deutschland und Frankreich.
R Die Beziehungen Deutschlands zu dem Nach» -ar im Westen sind immer ein interessantes Kapitel. Es ist politisch wichtig und zumeist an wsycho!ogis<^r Feinheit reich. Zwei Völker, die ^nebeneinander Hausen, an Art der Begabung, tber Denkungsart und politischen Ausdrucksform differieren, wie wenig andere, die eine jahrtausendelange Geschichte von Grenz- und Ehren- jstreitigkeiten kennt und in der Gegenwart man» Ms gemeinsame Interesse verknüpfen läßt. Der Reichskanzler scheint für dies Thema in seinen Reden, ix er den französischen Geist kennt nnd schätzt, eine gewisse geistige Vorliebe zu empfinden. Er hat sich mehreremale imReichstag sehr offen und ausführlich über Frankreich, die Franzosen und unsere Beziehungen zu ihnen ausgesprochen. Am ausführlichsten und geistvollsten in seiner großen Rede im November 1906.
In seiner letzten Reichstagsrede sagt er Über Frankreich nur wenige Sätze. Aber vielleicht noch nie in einem interessanten Stadium der deutsch-französischen Beziehungen. Die wenigen Sätze, die er sprach, waren überaus vorsichttg. Marokko und der Orient — Marokko, da wurde hinter den Zeilen angedeutet, daß da immer noch ein großes Problem vorliegt — eine Wolke, die vielleicht unschuldig ist, vielleicht doch noch Regen enthält. Die Freude über den Sieg der /Vernunft, den die Regelung der Casablanca- Angelegenheit bedeute, und einen sehr guten Satz, der einen deutlichen Wink nach Paris enthält — daß es nämlich Völker gebe, die stark genug sind, um auf eine kleinliche nervöse Pre- stigepolitik verzichten zu können. Dies ist nämlich genau die Art von Politik, die Frankreich betreibt, und die schon manchen Schatten auf die deutsch-französischen Beziehungen geworfen hat. Dann kam der Orient und hier ein allgemeiner Hinweis auf die Möglichkeit einer gewissen Parallelität der deutschen und französischen Politik infolge einer gewissen Parallelität der Interessen. Das war alles. Wenn «s auch sehr diplomatisch und zurückhaltend ausaedrückt war, so enthält dieser Passus doch alles Wesentliche, und hat, wie der Widerball in Frankreich zeigt, auch dort eine gewisse Wirkung nicht verfehlt.
Marokko und Orient sind tatsächlich die beiden Pole des Verhältnisses Deutschlands und Frankreichs int gegenwärtigen Augenblick. In Marokko ist es still geworden. Die Franzosen haben ihre heißesten Wünsche zurückhalten und eine Taktik soliderer Art einschlagen müssen, die, wenn sie auch noch nicht zu einer Verständigung mit Deutschland zu führen braucht, doch keinen besonderen Anlaß zu Reibungen bietet. Im Orient fallen die wirtschaftlichen Interessen beider Länder zusammen, daher die politischen
Papa, denn ich bin schuld an der Wasserpartie. Ich zwang Olivier, mich zu fahren, — daß et so schwach und so ungeschickt sei, habe ich freilich nicht gewußt."
„Wo ist Olivier?"
„Ich weiß nicht, Papa. Herr Tyrolt sagt, et sei, sich an das umgestürzte Boot klammernd, den Strom hinabgeschwommen."
„Ich muß annehmen, daß Ihr Sohn sich gerettet hat, Herr Bourlier. Als ich mit Fraulein Desiree das Ufer gewann, hörte ich seinen Hilferuf m.,/t mehr. Leider war ich außer Stande, auch Herrn Olivier zu landen."
„Das ist wahrlich zu viel der Bescheidenheit gegenüber meinem Dankgefühl, das mich treibt, Ihnen die Hände zu küssen. Ich fürchte nichts für Olivier; er kann schwimmen und das kalte Bad ist die gerechte Strafe für feine Ungeschicklichkeit. Nehmen Sie meinen Dank, Tyrolt, meinen innigsten Dank. Fordern Sie alles von mir, stellen Sie mich auf die Probe."
Waloemar schüttelte den Kopf.
„Die Tat ist mein Lohn, der glückliche Ausgang mein Dank. Verkümmern Sie mir die Freude nicht," sagte er leise.
„Nun denn, so bleibe ich in Ihrer Schuld" entgegnete derFabrikant, ihm die Hand drückend. „Doch vor allen Dingen wollen wir einen belebenden Punsch bereiten, und Du, Desiree, wechsle die Kleidung, Herr Tyrolt wird die Güte haben, mit meiner Garderobe vorlieb zu nehmen, da ich es nicht leiden werde, daß er naß noch einmal in die kalte Abendlust hinaustritt."
Er zog den jungen Mann in fein Schlafzimmer. Desiree schien noch immer keine Lust zu haben, sich ihrer triefenden Kleider zu entledigen.
„O Du Böse," schalt Frau von Tarandal, „wie ungehorsam bist Du. Nun kauerst Du dort und rührst Dich nicht. Du willst Dir gewaltsam den Tod holen. Ich sehe es schon."
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile
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