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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

uttfr den Beilagen:ßtterarischrr Anzeiger",zandwirtschaftliche Beilage" undILustrierte- -anntagsblatt".

Man abonniert aus Sie täglich erscheinendeOberdessische Bettung bet allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Jfi £yo Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Sonntag, 13. Dezember 1908.

Die JnsertionSgebiihr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Tug. Koch, Universttätsbuchdruckerei Inhaber De. C. Hitzero th, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jahrg,

Drittes Blatt.

lieber die Möglichkeit der Landung vonHeeresteilen an befestigten Küsten toreifit General v. Loebell derRenen politi­schen Correspondenz":

Die Landung eines etwa 100 000 Mann starken englischen Truppenkorps an deutscher Küste ist ein sehr unwahrscheinliches, fast aben­teuerliches Unternehmen. Ein Landen unter Reutralitätsbruch in Dänemark, Holland oder Belgien hat ebenfalls die Seeherschast Eng­lands zur Voraussetzung. So lange aber noch deutsche Schiffe auf dem Meere schwimmen, würde dies ein gefährliches Unternehmen blei­ben, da der Nachschub dann niemals gesichert wäre. Derartige Landungstruppen gelten nicht als ernst einzuschätzende, ebenbürtige Gegner. Die Landung eines deutschen, ähnlich starken Korps in England ist, so lange die englische Flotte die Meere beherrscht, fast eine Unmöglich­keit,' gelänge sie durch Elückszufälle aller Art, so wäre sie ein Abenteuer, da Mannschafts-, Ver- pflegungs- und Munitions-Nachschub gefährdet bliebe. Ein Raid einer kleinen, verwegenen Truppenschar könnte allenfalls glücken, wenn die Chancen gut lägen. Und Bei Ueberraschung, Kriegsmüdigkeit, nach vorausgegangenen Nie­derlagen des englischen Hilfskorps auf dem Festlande, bei Bedrohung Londons und Panik dort könnte dadurch vielleicht der Friedensschluß herbeigeführt werden. Napoleon I. plante be­kanntlich bereits einen Einfall in England. Zur Jetztzeit steht jeder Grossmacht die gesamte Han­delsflotte zum Heerestransport zur Verfügung. Deutschland vermag sicher mehrere Armeekorps und deren Nachschub gleichzeitig auf dem Meere zu befördern. Landungen sind zu allen Kriegs­perioden selbst an geschützten feindlichen Küsten geglückt. Die Schwierigkeit bleibt die Sicher­stellung der Zufuhr. Bei Millionenheeren ist sie an und für sich fast ein Problem. Die Schwie­rigkeit, ein Heer mit allen Bedllrfnisien zu ver­sehen, die es kampffähig erhalten, wächst in die Unendlichkeit, wenn die Nachfuhrstraßen, Etap- penstraßen nicht unbedingt gesichert sind. Der gesicherte Wasserweg wäre der bequemste; er ist nach England ein kurzer; England hätte auch an lebendem Vieh usw. genug zur Heereser- nährung; auf dem Wasserwege müßte aber di» Zufuhr von Getreide, Mehl und Konserven, so­wie von Munition erfolgen. Diesen zu gefähr­den, zu verlegen und abzuscheinden, vermag selbst eine schon geschwächte Flotte unbedingt; dazu stehen ihr noch Torpedos, Unterseeboote und Minen zur Verfügung. Neben der Bagage verfügt ein Armeekorps und drei Korps wären notwendig über Munition?-, Pro­viant-, Fuhrparkkolonnen, Feldbäckereikolonnen, Brückentrains. Feldlazarette und Pferdedepots. Alle diese sind überzusehen, Magazine sind zu füllen, Ersatzmannschaften heran-, Verwundete, Gefangene zurückzuführen.

Durch Küstenbefestigungen haben alle Staa­ten ihre Küsten geschützt, insbesondere England die Ostküste. Die modernen technischen Hilfs­mittel ermöglichen ein sofortiges Versamckeln größerer Truppenmassen zur Verteidigung be­drohter Küstenstriche.

Von Unkenntnis über unsere Heereseinrich- tung zeugt die Annahme, daß eine lleberführung mehrerer immobiler Armeekorps mitten im Frieden, vom Gegner unbemerkt, möglich sei.

Lord Roberts, der feit Jahren im Verein mit anderen militärischen Autoritäten für die Ein­führung der allgemeinen Wehrpflicht kämpft, damit England auch in einem Kontinentalkriege ein vollwertiger Gegner wird, weiß seine Lands­leute zu nehmen. Er mußte stark auftragen, wollte er sie zu Anhängern der allgemeinen Wehrpflicht umsttmmen, und auf diese dringen natürlich auch die Bundesfreunde.

Deutsches Reick.

Ein Dementi. Berlin, 11. Dez. Die Nordd. Allg. Ztg." meldet: Die ausländische Zeitungsmeldung, nach welcher unter den Ge­päckstücken, die von den Hafenarbeitern in Jaffa ins Meer geworfen wurden, sich auch ein Weih­nachtsgeschenk des Kaisers für das deutsche Kran­kenhaus in Jerusalem befunden haben soll, stellt sich als falsch heraus. Das kaiserliche Geschenk ist unangetastet geblieben.

Beschwerden iiber die Langsamkeit der Reichsfinanzkommisfion werden in einer Ber­liner Eorrespondenz laut. Sie schreibt: In Jnteressenkreisen wird lebhaft Klage geführt Aber das langsame Arbeiten der Finanzreform- kommission. Die beteiligten Industrien, von |)enen vitale Interessen in Frage stehen, dursten Mit Recht erwarten, daß eilte schnelle Klärung

der Situation herbeigeführt worden wäre. Bren­nereien und Brauereien, Weinhandel und Ta- bakshandel wünschen naturgemäß die gegenwär­tige Situation der Unklarheit baldigst beendet, und die vielen Klagen über Störung der Plakat­industrie, die in den letzten Tagen in der Presse laut wurden, hätten der beteiligten Kommission vielleicht Grund zu Bedenken geben können, ob sie ihre Arbeiten nicht energischer fördern konnte. Im ganzen hat die Kommission in neun Tagen vier Sitzungen gehabt, so daß nicht einmal die Grundlagen der Bedarfsberechnung und die Frage der Schuldentilgung aufgerollt worden sind, die doch vor Weihnachten bestimmt erledigt werden sollten. Schon einmal hat die Kommis­sion eine Pause von fünf Tagen gehabt, und jetzt ist sie für beinahe fünf Wochen, vom 10. Dezem­ber bis zum 12. Januar, in die Ferien gegangen. Obwohl sie ganz gut noch drei bis vier Tage hätte arbeiten können, hat sie sich bereits vor­gestern, noch bevor der Reichstag Schluß machte, vertagt und hat auch den Antrag ihres Präsiden­ten Paasche, der sie schon am 7. Januar, also fünf Tage vor dem Zusammentritt des Reichs­tages wieder einberufen wollte, abgelehnt. Ge­rade aber das Arbeiten, wenn der Reichstag nicht tagt, ist von viel intensiverer Wirkung. Man wird dies Verschleppungsverfahren der Kommission im Lande schwer verstehen.

Die Kommission zur Neubearbeitung des Kavallerie-Exerzier-Reglements ist soeben in Berlin zusammengetreten. Die Namen der preu­ßischen Mitglieder sind vor kurzem schon bekannt- gegeben worden. Von außerpreußischen gehört, wie bei gleichen früheren Anlässen, je einer den Königreichen Württemberg, Sachsen und Bayern an.

Aenderung der Stellung der Militär, kapellmeifter. Wie dieAllgemeine Armee-Cor- respondenz" mitzuteilen in der Lage ist, ist durch Allerhöchste Kabinettsorder bestimmt worden, daß die Stabshoboisten, Stabshornisten und Stabstrompeter die DienstbezeichnungMusik­meister" erhalten und diese bei den berittenen Truppen daneben die Dienstbezeichnung Stabs­trompeter weiterführen. Später können sie Ober­musikmeister werden. Der TitelMilitärischer Musikdirigent" wird nicht mehr verliehen. Die jetzigen Militärischen Musikdirigenten führen die DienstbezeichnungObermustkmeister". Zugleich ist eine neue Uniform für die Musikmeister ein­geführt, die aus feinerem Material besteht und im Schnitt sowie in den Abmessungen den Stücken für Offiziere gleicht. Außerdem erhalten die Musikmeister den Ueberrock (Jnterimsattila) und den Paletot.

Deutschland und Rußland. Berlin, 11. Dezember. DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Der russiscke Botschafter Graf von der Osten- Sacken erklärte dem Staatssekretär v. Schön, daß die russischen Minister des Aeußern, Is­wolski. in denMund gelegte Aeußerung, Deutsch­lands Haltung in der Balkanfraae mache ein freundliches Bündnis zwischen Rußland und England nötig, von Iswolski niemals, weder in dieser, noch in ähnlicher Form getan wurde.

Ausland.

** Amerikanische Bilanz. Washington, 10. Dez. Der vom Schatzsekretär veröffentlichte Jahresbericht ergibt einen Ueberschuß der Aus­gaben über die Einnahmen. Der im Fiskal­jahre zur Verfügung stehende Kassenbestand be­lief sich auf 272 061 445 Dollars. Die verzins­liche Schuld betrug am 30. Juni 1908 897 503 990 Dollars, gegenüber 943 902 760 Dol­lars am 30. Juni 1907. Die Zolleinnahmen sind um 46 Millionen, die sonstigen Einnahmen um 17 955 646 Dollars geringer als im Vor­jahre. Der Bericht macht auf den Nutzen der nach Möglichkeit durchgeführten Verminderung der Eoldtransporte zwischen den Finanzzentren der Welt aufmerksam und gibt Einzelheiten über die in Folge der finanziellen Panik im November, Dezember und Januar erfolgte un­geheure Eoldeinfuhr in den Vereinigten Staa­ten und die bedeutende Ausfuhr im April, Mai und Juni 1908. Der Bericht legt die Einberuf­ung einer internationalen Konferenz aus Ver­tretern der Finanzministerien und der großen Staatsbanken nahe, um ein schnelleres und ge­deihlicheres Zusammenwirken in Notfällen zu erwägen. Der Bericht schätzt den Ueberschuß der Ausgaben über die Einnahmen im Jahre 1909- 1910 auf 143 046 796 Dollars. Wenn das De­fizit eine ähnliche Höhe erreichen sollte, so müsse der Kongreß durch neue Steuern Abhilfe zu treffen suchen.

Hessen -Nassau und Nachbargebiete.

Biedenkopf, 11. Dez. Der gestrige Weihnachts- Krammarkt war seitens unserer Landbevölke­rung recht gut besucht. Der Schweinemartt war infolge des Regenwetters nur mit 70 Schweinen befahren. Es kosteteten 56 Wochen alte Ferkel 30-45 <M, Läufer 5565 JL und größere Schweine 90100 J*. das Paar.

Ziegenhain, 10. Dez. Der Kreistag hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, den zum Bau der Nebenbahn Niederaula-Alsfeld erforder­lichen Grund und Boden unentgeltlich zur Ver­fügung zu stellen.

Laasphe, 11. Dez. Bei der diesjährigen Per­sonenstandsaufnahme zählte unsere Stadt 2423 Einwohner gegen 2408 im Vorjahre.

Fritzlar, 8. Dez. Gestern waren 40 Jahre verflossen seit dem Tage, wo der südliche Turm des Domes infolge eines orkanartigen Sturmes umstürzte, das Kirchendach und einen Teil des Gewölbes im Mittelschiffe durchschlug, wobei 21 Menschen ums Leben kamen. Die Zahl der Ver­wundeten war auch groß.

Sich, 10. Dez. Beim Spielen mit Schießwaffen schwer verunglückt ist das Kind eines Wirtes in Münzenberg. Es spielte mit einem Revolver und bohrte an der Patrone herum. Plötzlich entlud sie sich und die Ladung ging dem Kinde ins Auge. Man brachte es sofort in die Gießener Klinik, wo das verletzte Auge entfernt werden mußte.

Fulda, 10. Dez. Vergangene Nacht wurde in das hiesige provisorische Amtsgerichtsgebäude, Abteilung für Erundbuchsachen, eingebrochen. Die Gauner erbrachen alle Schränke und Schub­laden. Den Kassenschrank vermochten sie nicht zu öffnen, auch die Sparkassenbücher (Depots) ließen sie liegen . Gleichzeitig melden Gastwirt Köck und Bäcker Iller dahier, daß ihnen uner­betene nächtliche Besuche abgestattet worden seien.

Burfiach, 11. Dez. Es find in diesem Jahre 150 Jahre verflossen, seitdem unser Dorf von einem furchtbaren Brande heimgesucht wurde, bei dem 163 Gebäude ein Raub der Flammen wurden. Das Feuer brach am 4. Juni 1758 während des Gottesdienstes in der Nähe der Kirche aus und in wenigen Stunden war fast das ganze Dorf mit Schule und den beiden Pfarr­häusern dahin. Die Not war groß, Hilfe kam von allen Seiten. In den folgenden Jahren ist dann der Ort aus der Asche neu entstanden in seiner Gestalt, die er noch heute zeigt. Die Häuser stammen größtenteils aus jenen Jahren. Wenn man bedenkt, daß nach der letzten Volkszählung Bürbach nur 173 Gebäude hatte, so ersieht man daraus, daß das Dorf sich in den 150 Jahren nickt wesentlich vergrößert hat. Da ihm die In­dustrie gefehlt, so hat es sich nicht stark entwickeln können, ist aber geblieben was es war: ein freundliches, schönes Fleckchen am Hang des schö­nen Westerwaldes.

Innere Mission.

Der Verein zur Beförderung bet Klein-Kin- der-Bewahr-Anstalten in Berlin konnte am 26. November d. I. die Feier des 75jährigen Be­stehens begehen. Der Verein verkörpert eines der ältesten Liebeswerke in Berlin und darf auf sehr erfreuliche Erfolge zurückblicken. Wenn man bedenkt, daß in den Straßen der Großstadt fast täglich Kinder zu Schaden kommen, weil sie ohne Aufsicht in der Wohnung oder auf der Straße belassen werden mußten, so ist es von nicht zu unterschätzender Bedeutung, daß täglich durchschnittlich mehr als 2000 Kinder nicht nur vor körperlichem Unheil bewahrt werden, sondern auch unter dem wohtätigen Einfluß einer Erziehung stehen, welche für die ganze geistige Entwicklung des späteren Lebens aus­schlaggebend sein kann. Diese Arbeit wird in den 20 Anstalten des Vereins geleistet, in wel­chen die Kinder der Armen im Alter von 26 Jahren ausgenommen werden, deren Eltern außer dem Hause dem Erwerb nachgehen. In diesen Anstalten lehrt man die Kinder spielen und singen, erzieht sie zur Ordnung und Rein­lichkeit, pflanzt Gottesfurcht und Vaterlands­liebe in die Herzen und hält sie zu allem Guten an. Auf Wunsch der Eltern werden sie auch mit Speise und Trank versorgt. Zu jeder An­stalt gehört neben dem geräumigen Saal ein Spielplich, damit die Kinder sich möglichst viel im Freien aufhalten und bewegen können. Jede Anstalt wird von einer eigens für ihren Beruf vorbereiteten Erzieherin geleitet, der eine Ge­hilfin zur Seite steht, damit die Kinder, wenn nötig, vom Morgen Bis zum Abend in der An­statt bleiben können. Für jede Anstatt ist ein

aus Damen und Herren bestehender Vorstand gebildet, deren Gesamtheit den Vereinsvorstand abgibt. Der Verein, welcher von 1833 bis 187! unter dem Protektorat der Königin Elisabeth dann von 1889 bis 1906 unter dem der Kaiserin stand, steht jetzt unter demjenigen der Prim zessin Eitel-Friedrich von Preußen. Möge feinet segensreichen Arbeit auch fernerhin das Inter esse weiter Kreise zugewandt bleiben!

Die Waisenhäuser bet evangelischen Brüder, kirche in Oesterreich erfreuen sich einer stetigen und gesunden, nur leider infolge der beschränkten Mittel noch zu sehr gehemmten Entwickelung. Sie sind aufs engste mit der Arbeit der Brüder­gemeine in Böhmen und Mähren verwachsen. War dock die Gründung des Knabenwaisenbau- fes in Döhmisch-Rothwasser, das jetzt in einem stattlichen Gebäude Über 40 Knaben beherbergt, im Jahre 1867 der erste Anfang zu dem von Herrnhut aus geleiteten Evangelisationswerl der Brüdergemeine. Ein zweites Waisenhaus wurde 1886 in Pottenstein und ein drittes 1898 in Dauba gegründet, beide für Mädchen, mit gegenwärtig zusammen 35 Pfleglingen. Dazu ist nun kürzlich noch ein viertes Waisenhaus, ebenfalls in Dauba, eröffnet worden zum Ee. dächtnis des 60jährigen RegierungsjubilDms des Kaisers Franz Josef I. Darin haben zu­nächst 4 Knaben Ausnahme gefunden. Die Zahl der unversorgten und der Verwahrlosung preis- gegebenen Waisenkinder in Oesterreich ist aber noch so erschreckend groß, daß eine tatkräftige Forderung der Waisenpflege ein dringendes Be­dürfnis ist, zumal es sich in vielen Fällen darum handelt, evangelische Waisenkinder in ihrem evangelischen Glauben zu bewahren.

Die Dekane mib bischöflichen KounnH'an zu Amönelmrst.

Das alte Erzbistum Mainz umfaßte 21 Ar- chidiakonat-ckezirke. Archidiakone waren di« Pröpste der großen Kollegiatkirchen zu Mainz, Aschaffenburg, Frankfurt, Fritzlar, Hofgeismar, Erfurt, Bibre, Jechaburg, Dorla, Nordhausen, Heiligenstadt, Nörthen und Einbeck. Die Bezirke schlossen sich meist an die alten deutschen Gau­bezirke an. Der Oberlahngau, zu welchem das heutig: casselische Oberhessen, das Lumdatal, der Hinterlandkreis Biedenkopf, die halbe Herr­schaft Itter und die Grafschaft Witgenstein ge­hörte, unterstanden dem Propste der Kirche 6t Stephanus zu Mainz, welcher als Archidiakon die kirchliche Jurisdiktion führte. Er hatte als solcher die Anstellung und Bestätigung der Geist­lichen, die Entscheidung über Patronatsstreitig­keiten, über Ehesachen, sowie die Visitation der Geistlichen und Gemeinden. Weil die Pröpst« durch ihr eigenes Kirchenamt zu sehr in An­spruch genommen waren, so übten sie das Archi- diakonatsamt meist durch einenOffizial aus. Der Offizial wohnte zu Amöneburg oder in Mar­burg in einemnahe bei der Pfarrkirche ge­legenen Haufe' (1381). Da sich die Offizial« meist nicht mit Namen in ihrem Schreiben nennen, so sind uns nut wenige dem Namen nach bekannt:

Arnoldus 1268, canonicus ecclesiae S< Stephani,

Heinrich Prume 1296,

Bruno, Presbyter 1363,

Mag. Dietrich im Hofe aus der Marburger Potrizierfamilie. Er erhielt schon 6. April 1313 an seines Bruders Heinrich Stelle die Pfarrei Eißfelden, deren Patrone die im Hofe waren, wurde 1315 Kanonikus an der Kirche St. Sephan zu Mainz und starb als Offizal 21. Juli 1376. Er hatte dem Kloster Caldern Vermächtnisse ge- machr und dem Deutschen Hause zu Marburg Güter zu Goßfelden gegeben. Bei seinem Jahr­gedächtnis läuteten die großen Glocken zu St Elisabeth.

Johannes von Münzenberg 1376. 1392.

Der Archidiakonatsbezirk des Propstes bet Kirche St. Stephan wurde im Nordosten vom Fritzlarischen Archidiakonatsbezirk, im Norden be' Corbach vom Stifte Paderborn, bei Sach­senberg Bis nach Siegen hin vom Erzstifte Cöln, im Westen und Südosten vom Bezirke des Prop­stes der Kirche St. Johannis zu Mainz Begrenzt In der Herrsck st Itter erstreckte er sich noch übet die Kirchspiele Lotheim und Vöhl, sowie übet die Quernstkirche bei Frankenau und das Klo­ster Werba, bis an bett Burgberg bei Itter, sowie auch über die Stadt Sachsenberg. Die Sprachgrenze zwischen Hoch- und Niederdeutsch bildete im allgemeinen auch die Diözesengrenze nach Norden.

Der Bezirk Begriff drei Dekanate: Amöne­burg. Kesterburg (Christenberg) und Arfelden. Zu dem Dekanate Amöneburg gehörten die Pfarreien in der Umgegend von Amöneburg, allo der südöstliche Teil, zu Kesterburg der mitt­lere Teil des Bezirkes, namentlich die heutigen Klaffen Wetter, Frankenberg, «in Teil von